Rund 2 Millionen Euro für die koordinierte Langzeitbetreuung von Schlaganfallpatienten

Die sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara
Klepsch überreichte heute (27. Februar) den Fördermittelbescheid für das
Projekt „PostStroke-Manager“ an Wissenschaftler der Universitätsmedizin
Leipzig und des Instituts für Angewandte Informatik (InfAI). Das ist der
Startschuss für die Neurologen, Informatiker und Allgemeinmediziner, die
im Forschungsprojekt ein digitales und mobiles System aufbauen wollen, um
Schlaganfallpatienten nachhaltig zu unterstützen.
Etwa 270.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen
Schlaganfall, schätzt die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. Während
sich die Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten in den vergangenen 20
Jahren nachhaltig verbessert hat, ist die Nachsorge vor allem im
Langzeitverlauf noch defizitär, so die Leipziger Forscher. Wenn ein
Patient die Klinik verlässt, gilt es, zum einen, aus der Vielzahl
unterschiedlicher Rehabilitationsangebote das am besten passende
auszuwählen und umzusetzen. Zum anderen müssen seine Vitalparameter streng
überwacht werden und die genaue Medikamenteneinnahme sichergestellt sein,
damit ein weiterer Schlaganfall vermieden werden kann.
„PostStroke-Manager“ stärkt die Nachsorge
Diese Lücke will das Projekt „PostStroke-Manager“ schließen. Für die
Entwicklung eines modernen und patientenorientierten eHealth-Systems hat
Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch heute einen Förderbescheid
über rund 2 Millionen Euro überreicht.
„Durch dieses Projekt wird es gelingen, mittels digitaler Prozesse die
Nachsorge der Patienten mit Schlaganfall weiter zu verbessern. Gerade die
Prävention von erneuten Schlaganfällen ist dabei wichtig“, so die
Ministerin. „Durch eine individuell angepasste medikamentöse Vorbeugung
auf Basis der erfassten Daten kann die Wahrscheinlichkeit für einen
zweiten Schlaganfall und für Folgeerkrankungen reduziert werden.“
Webportal soll Informationen der Ärzte und Therapeuten bündeln
Im Forschungsprojekt entwickeln Mediziner und Informatiker zusammen mit
weiteren Partnern ein Webportal, das die Behandler zusammenbringt. So
können das Akutkrankenhaus, der betreuende Hausarzt und eventuelle
Schlaganfalllotsen, die den Patienten im Jahr nach dem Schlaganfall
betreuen, Details zur Behandlung und des Gesundheitszustands des Patienten
nachvollziehen und miteinander teilen. Auf dieser Weise sollen
Informationslücken geschlossen und eine optimale, individualisierte
Therapie angeboten werden. „Wir wollen damit ein Netzwerk spannen, das den
Patienten auch außerhalb des Krankenhauses bestens versorgt. Ziel ist es,
die Defizite nach dem Schlaganfall besser abzubauen und gleichzeitig zu
verhindern, dass neue Ereignisse nachkommen“, sagt Prof. Dr. Dominik
Michalski, Projektleiter und Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät
der Universität Leipzig sowie Oberarzt der Klinik und Poliklinik für
Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig.
App überwacht Gesundheitszustand und Bewegungsmuster des Patienten
Für den Patienten konzipieren und programmieren die Wissenschaftler eine
App, die zum einen Vitalparameter wie Blutdruck und Herzfrequenz überwacht
und zugleich den Alkohol- und Nikotinkonsum sowie die Medikamenteneinnahme
erfassen kann. Zum anderen zeichnet sie anhand von Sensoren an den
Handgelenken des Patienten seine Bewegungsmuster auf. Diese und weitere
für die Erkrankung relevante Informationen laufen im PostStroke-Manager
zusammen. Patient und Hausarzt erhalten sie in strukturierter Form. „Wir
entwickeln ein patientenzentriertes System, bei dem auf der Basis
multimodaler Daten aus verschiedenen Quellen und neuartigen Algorithmen
individuelle Lösungen ermöglicht werden. Die Patienten bleiben Eigentümer
ihrer Daten und können festlegen, mit wem sie die Informationen teilen
möchten. Im Konzept von PostStroke-Manager sind strenge Datenschutzregeln
integriert“, ergänzt Prof. Dr. Galina Ivanova Projektleiterin und
Direktorin des Interdisziplinären Kompetenzzentrums Biomedical Data
Science (BDS) des Institutes für angewandten Informatik InfAI.
Studie soll Einsatz der Patienten-App validieren
Der PostStroke-Manager soll den Schlaganfallpatienten perspektivisch ein
Leben lang begleiten können. Ziel ist es, seine Wiedereinstiegschancen in
den Beruf zu erhöhen sowie seine Selbstbestimmung und Gesundheitskompetenz
zu stärken. Das System kann als Ergänzung zur Schlaganfalllotsenbetreuung,
perspektivisch aber auch eigenständig nach einem Schlaganfall eingesetzt
werden, zum Beispiel in Regionen ohne etabliertes
Schlaganfalllotsenprogramm. In einer Pilotstudie wollen die
Wissenschaftler Webportal und Patienten-App testen und validieren, um zu
sehen, wie das System vom Patienten angenommen wird und welche
Auswirkungen im kurzfristigen Verlauf beispielsweise auf die
Lebensqualität der Betroffenen zu erzielen sind.
Partner im Projekt „PostStroke-Manager“
Das etwa 3,5 Jahre andauernde Forschungsprojekt „PostStroke-Manager“ wird
von Prof. Dr. Galina Ivanova vom Interdisziplinären Kompetenzzentrum
Biomedical Data Science (BDS) des InfAI sowie Prof. Dr. Dominik Michalski
und Prof. Dr. Joseph Claßen, Oberarzt bzw. Klinikdirektor der Klinik und
Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig geleitet.
Assoziierte Partner sind niedergelassene Arztpraxen unter der Leitung der
Selbstständigen Abteilung für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät
sowie die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und die Deutsche
Rentenversicherung.
