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Kehlkopfkrebs: S3-Leitlinie legt Grundlage für bessere Entscheidungsfindung bei der Behandlung

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Das Leitlinienprogramm Onkologie hat erstmals eine interdisziplinäre
S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs
(Larynxkarzinom) vorgelegt. Die Federführung bei der Erstellung dieser
Leitlinie hatte die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
Kopf- und Hals-Chirurgie e. V., an der Entwicklung waren insgesamt zwanzig
Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt.

„Vor allem die Entscheidung über ein an die spezielle Situation
angepasstes Therapieverfahren beim Kehlkopfkrebs erfolgt bislang immer
noch sehr unterschiedlich“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Bootz von der
Universitätsklinik Bonn, der Koordinator der Leitlinie. „Die Leitlinie
legt die Grundlage für eine verbesserte Entscheidungsfindung über die
optimale Behandlung im individuellen Fall.“

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Das Larynxkarzinom ist die dritthäufigste Krebsart im Kopf-Halsbereich. Es
tritt vorwiegend bei Männern auf, sie sind siebenmal häufiger betroffen
als Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. In
Deutschland erkranken jährlich etwa 3600 Männer und 500 Frauen an einem
Kehlkopfkarzinom. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen chronischer
Alkohol- und Tabakkonsum. Verdacht auf das Vorliegen eines Larynxkarzinoms
besteht bei länger anhaltenden Veränderungen der Stimme und des Schluckens
mit Fremdkörpergefühl.

Mehr als der Hälfte der Tumoren im Kopf-Halsbereich sind zum Zeitpunkt der
Erstdiagnose bereits lokal fortgeschritten und benötigen interdisziplinär
abgestimmte komplexe Therapieverfahren. Die Kombination der einzelnen
Therapie-Modalitäten haben zur Entwicklung verschiedener
Behandlungsstrategien des Larynxkarzinoms in Abhängigkeit von der
Lokalisation und dem Stadium des Tumors geführt: Grundsätzlich wird bei
resektablen, also chirurgisch entfernbaren Tumoren die operative
Behandlung empfohlen. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann zusätzlich eine
adjuvante Radiotherapie / Radiochemotherapie hinzugefügt werden.

Bei nicht resektablen Tumoren oder bei Patienten, die keine Operation
wünschen kann eine primäre Radiochemotherapie erfolgen gegebenenfalls –
bei Therapieversagen- gefolgt von einer Operation. Auch eine
Induktionschemotherapie + Operation / Radiotherapie / Radiochemotherapie
kann bei fortgeschrittenen Karzinomen eine therapeutische Option sein. Die
Leitlinie enthält Empfehlungen zur Auswahl und Durchführung dieser
verschiedenen Strategien. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen (nicht
metastasiertem) Larynx-karzinomen ist zum Beispiel das Gesamtüberleben
nach primärer Radiochemotherapie statistisch signifikant besser als nach
alleiniger Radiotherapie. Deshalb empfiehlt die Leitlinie in diesen Fällen
die Radiochemotherapie als Therapiestandard.

„Die verschiedenen Behandlungsstrategien beim Kehlkopfkrebs sind jeweils
mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden. Vor Behandlungsbeginn ist
es deshalb wichtig, im interdisziplinären Dialog für jeden Patienten das
individuell bestmögliche Konzept zu ermitteln. Da mehrere Funktionen, wie
Stimmbildung, Schlucken und Atmung beeinträchtigt sein können, müssen den
Betroffenen die möglichen Störungen, die nach einem solchen Eingriff
entstehen können, detailliert erklärt werden“, betont Prof. Dr. Susanne
Singer von der Universitätsmedizin Mainz, die für die Aufarbeitung der
wissenschaftlichen Literatur (Evidenzrecherche) dieser Leitlinie
verantwortlich war. Außerdem sollten die Patienten unter Einbeziehung von
Logopäden und Patientenbetreuern der Selbsthilfegruppen frühzeitig über
die verschiedenen Reha-Möglichkeiten informiert werden. Denn die Patienten
profitieren zum Beispiel davon, wenn nach der Therapie das Schlucken so
früh wie möglich trainiert wird. Außerdem ist die berufliche
Rehabilitation nach Kehlkopfkrebs durch die funktionellen Einschränkungen
eine besondere Herausforderung und sollte von Therapiebeginn an bei der
Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. „Das setzt auch eine sofortige
und langfristige bedarfsorientierte psychoonkologische und psychosoziale
Versorgung voraus“, so Singer.

Für den direkten Zugang zur S3-Leitlinie nutzen Sie bitte folgenden Link:
<https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/larynxkarzinom/>

*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***

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- Über die DGHNO-KHC:
Die Deutsche Gesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte ging 1921 aus dem
Verein Deutscher Laryngologen und der Deutschen Otologischen Gesellschaft
hervor. Im Jahre 1968 wurde der heute gültige Name, Deutsche Gesellschaft
für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.,
angenommen. Die Gesellschaft hat derzeit über 5.000 Mitglieder.
Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-
Chirurgie e. V. bezweckt die Förderung der wissenschaftlichen und
praktischen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und die
Förderung des Allgemeinwissens um ihre geschichtliche Entwicklung.
Weitere Aufgaben sind die Wahrung der Einheit des Fachgebietes der Hals-
Nasen-Ohren-Heilkunde und die Vertiefung der Verbindung mit den
medizinischen Nachbarfächern sowie mit ausländischen Fachgesellschaften,
die Weiter- und Fortbildung auf dem Fachgebiet sowie die Unterstützung und
Beratung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, von
Gesundheitsbehörden und anderen Einrichtungen bei Belangen der Hals-Nasen-
Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.

- Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm mehr als 20 S3-Leitlinien, die
zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien
vorliegen. Mehr unter <www.leitlinienprogramm-onkologie.de>.