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Forschen für Gesundheit: TMF-Jahreskongress stellt die Bedeutung der Translation in den Mittelpunkt

Auf dem 11. TMF-Jahreskongress in Bonn diskutierten 160 Wissenschaftler Strategien und Best Practice für die enge Zusammenarbeit von Forschung und Versorgung.  TMF/Volkmar Otto
Auf dem 11. TMF-Jahreskongress in Bonn diskutierten 160 Wissenschaftler Strategien und Best Practice für die enge Zusammenarbeit von Forschung und Versorgung. TMF/Volkmar Otto
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Auf dem 11. TMF-Jahreskongress in Bonn diskutierten 160 Wissenschaftler Strategien und Best Practice für die enge Zusammenarbeit von Forschung und Versorgung.  TMF/Volkmar Otto
Auf dem 11. TMF-Jahreskongress in Bonn diskutierten 160 Wissenschaftler Strategien und Best Practice für die enge Zusammenarbeit von Forschung und Versorgung. TMF/Volkmar Otto

160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer widmen sich in Bonn der engen
Zusammenarbeit von medizinischer Forschung und Versorgung
„Translationale Forschung ist angesichts des ungebrochenen Vormarsches der
großen Volkskrankheiten und des demografischen Wandels eine dringliche
Herausforderung. Von der schnelleren Umsetzung von Erkenntnissen der
wissenschaftlichen Forschung in den klinischen Alltag werden in erster
Linie die Patientinnen und Patienten profitieren“, sagte Prof. Dr.
Wolfgang Hoffmann (Universitätsmedizin Greifswald) als Tagungspräsident
zur Eröffnung des TMF-Jahreskongresses am 20. März 2019 im großen
Vortragssaal des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen
(DZNE) auf dem Bonner Venusberg. Dabei gelte es ebenso Fachgrenzen zu
überwinden wie eine Kultur der Datenteilung zu etablieren. „Insbesondere
heißt Translation: Rausgehen, Schauen, Zuhören, wo die offenen Bedarfe in
der Versorgung sind und diese gezielt durch Forschung füllen“, so Hoffmann
weiter. Dazu müssen Medizinforscherinnen und -forscher die
Rahmenbedingungen der Versorgung kennen und Betroffene aktiv in die
Forschung einzubeziehen.

Im Rahmen des 11. TMF-Jahreskongresses berieten medizinische Forscherinnen
und Forscher, Medizininformatikerinnen und -informatiker, Biobanken-
Expertinnen und -Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter der deutschen
Forschungsförderung über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche
translationale Forschung in Deutschland. Gegenwärtig werden umfangreiche
Ressourcen und viel Zeit investiert, bis ein neues medizinisches
Diagnostik- oder Therapieverfahren den Weg vom Labor in die breite
Anwendung schafft. Die translationale Forschung möchte diesen Prozess
beschleunigen, sodass Patienten schneller von neuen Erkenntnissen aus der
Forschung profitieren. Translation ist ein komplexer Prozess, der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Praxis vor große
Herausforderungen stellt. Sie erfordert interdisziplinäres Denken und
Handeln an den Schnittstellen zwischen Forschung, Klinik und Versorgung.
Dabei rückt der Mensch in den Mittelpunkt. Digitalisierung und
Personalisierung gelten als Schlüssel für den Fortschritt.

Als Gastgeber beschrieb Prof. Dr. Dr. Pierluigi Nicotera (DZNE) vor den
rund 160 Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern den Trend zur Forschung
an und mit großen Datenmengen: „Die internationalen Technologie-Konzerne
investieren massiv Mittel in diesen Bereich und beginnen mit der Ernte von
individuellen Gesundheitsdaten. Hier muss öffentlich geförderte Forschung
Schritt halten und selbst konkrete Beiträge zu einer besseren
Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten leisten.“ Zentral
hierfür sei die Zusammenarbeit der Forschenden auf nationaler und
internationaler Ebene. Das DZNE und die TMF arbeiteten für dieses Ziel
bereits Hand in Hand.

Die breite Beteiligung der deutschen medizinischen Verbundforschung am
diesjährigen TMF-Kongress unterstreiche laut TMF-Vorstandsvorsitzendem
Prof. Dr. Michael Krawczak (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
Campus Kiel) die Bedeutung des Kongressthemas: „Die schnelle Übersetzung
neuer grundlegender Erkenntnisse der medizinischen Forschung in die
passgenauere Versorgung einzelner Menschen ist eine große Herausforderung.
Die Voraussetzungen für eine personalisierte Medizin werden dabei nur im
Zusammenspiel verschiedener Fachgebiete und im bundesweiten Austausch von
Forschungsdaten zu schaffen sein.“ Dieses Credo des Mehrwertes der
standortübergreifenden Zusammenarbeit trage die TMF seit ihrer Gründung
vor 20 Jahren „in ihren Genen“. Innovative Versorgungsmodelle wie das
ebenfalls auf dem Kongress vorgestellte Zentrum für Personalisierte
Medizin Baden-Württemberg oder das computergestützte Interventions-
Management-System der DelpHi-Studie zur Verbesserung der Versorgung von
Demenzerkrankten in Mecklenburg-Vorpommern leisten einen wichtigen Beitrag
zu einer schnellstmöglichen und flächendeckenden individuellen
Diagnosestellung und Behandlungsstrategie.

Neben Querschnittsthemen wie Datenschutz, semantische Datenintegration,
Qualitätssicherung und Netzwerkmanagement prägten vor allem zahlreiche
Best Practice-Beispiele der translationalen Forschung das
Kongressprogramm. Digitale Tools und Instrumente der patientennahen
Forschung wie zum Beispiel die in Kooperation mit dem DZNE entwickelte
NEOTIV-App für die Alzheimer-Früherkennung ermöglichen, patientenerhobene
Daten als „Citizen Science“ in die wissenschaftlichen Erkenntnisprozesse
einzubeziehen. Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Universitätsklinikum
Erlangen-Nürnberg) rief dazu auf, die aktive Teilhabe der Patientinnen und
Patienten an medizinischen Forschungsprozessen auszubauen. Hierzu stellte
er den Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern die Idee eines zukünftigen
digitalen Patientenforschungsdatenportals vor.

Auch die Bundesregierung rückt die schnelle Translation zur Verbesserung
der Patientenversorgung in den Fokus des vor kurzem verabschiedeten
Rahmenprogramms Gesundheitsforschung. Mit der Gründung von zwei neuen
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung sollen Forschung und Versorgung
noch enger vernetzt werden. Prof. Dr. Jutta Gärtner (Universitätsklinikum
Göttingen) informierte auf dem Kongress über den aktuellen Planungsstand
des neuen Deutschen Zentrums für die Kinder- und Jugendgesundheit.
Patientennahe translationale Forschung sei dabei ein wesentlicher
Erfolgsfaktor etwa für die Behandlung seltener Erkrankungen, die sich
zumeist im Kindes- und Jugendalter manifestierten. Mangels ursächlicher
Therapieoptionen verlaufen diese „allein gelassenen (engl.: orphan)“
Krankheiten noch allzu oft lebensverkürzend. Translationale Ansätze bieten
Chancen, dies zu ändern.