Schmerzen in den Beinen können Warnsignal für Herzinfarkt und Schlaganfall sein

Herzstiftung: Anzeichen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
(pAVK) oder „Schaufensterkrankheit“ ernst nehmen: Auch das Herz ist in
Gefahr
Es beginnt mit Schmerzen beim Gehen – häufig in den Waden: Bei der
„peripheren arteriellen Verschlusskrankheit“ (pAVK) sind die Arterien in
Becken und Beinen verengt. Dadurch gelangt nicht mehr ausreichend Blut in
die Beine und es kommt zu Schmerzen, weil die Muskelzellen in den Waden
nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. In Deutschland leiden
vier bis fünf Millionen Menschen an der tückischen Durchblutungsstörung
der Gefäße (Arteriosklerose). Da Betroffene aufgrund der Schmerzen häufig
gezwungen werden stehen zu bleiben, wird die pAVK auch
„Schaufensterkrankheit“ genannt. „Mit der pAVK geht ein hohes Risiko für
Herzinfarkt und Schlaganfall einher“, warnt Herzspezialist Prof. Dr. med.
Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, die
in ihrer aktuellen Ausgabe HERZ HEUTE über die Diagnose und Therapie der
pAVK informiert. „Wer erste Anzeichen der Schaufensterkrankheit bemerkt,
sollte daher möglichst bald einen Arzt aufsuchen.“ Gleiches gilt für
Schmerzen, die sich beim Hinlegen in der Zehenregion bemerkbar machen,
besonders wenn Aufstehen für Linderung sorgt. Wird die pAVK nicht
erkannt, bleiben möglicherweise auch Gefäßverengungen in anderen
Körperregionen wie Halsschlagader, Gehirn, Nieren und Herzen unbehandelt.
Die Folge sind z. B. Infarkte, wenn die Arteriosklerose stark
vorangeschritten ist. Mit einer einfachen Untersuchung lässt sich der
Zustand der Gefäße rasch feststellen. Informationen zur pAVK erhalten
Betroffene online unter www.herzstiftung.de/schmerzen-
Unbehandelt nehmen die Beschwerden zu
Wird die pAVK nicht erkannt, verschlechtert sich die Durchblutung in den
Bein- und Beckenarterien weiter und die Beschwerden nehmen zu. Ärzte
teilen die pAVK je nach Schweregrad in vier Stadien ein: In Stadium I sind
die Arterien zwar verengt, verursachen aber noch keine Beschwerden. In
Stadium II spüren Patienten die oben beschriebenen Schmerzen beim Gehen.
In Stadium III treten die Schmerzen nicht nur bei Belastung, sondern
bereits in Ruhe auf. Folgenschwer wird es in Stadium IV: „Geht die
Durchblutung noch weiter zurück und stirbt das unterversorgte Gewebe ab,
entsteht ein ,Gangrän‘ oder ein offenes Geschwür“, warnt Prof. Dr. med.
Dr. h. c. Klaus Mathias, Radiologe und Spezialist für Gefäßmedizin
(Dortmund) und einer der Autoren des pAVK-Beitrags in HERZ HEUTE. „Wird
die Gefäßerkrankung hingegen rechtzeitig erkannt und entsprechend
behandelt, lässt sich solch ein dramatischer Verlauf oft verhindern.“
Diagnose und Therapie der Schaufensterkrankheit
Die pAVK lässt sich durch einen einfachen Test diagnostizieren: Der Arzt
tastet dazu den Puls in den Leisten sowie am Fuß und misst den Blutdruck
der Knöchel- und Zehenarterien. Ist der Puls abgeschwächt oder fehlt er
sogar ganz, bzw. sind die Drucke reduziert, steht die Diagnose „pAVK“
fest. Per Ultraschall lässt sich anschließend das Ausmaß der
Gefäßerkrankung feststellen. Zur Therapie empfehlen Ärzte in der Regel
eine Umstellung des Lebensstils: Patienten sollten u. a. das Rauchen
aufgeben, sich gesund ernähren und regelmäßig bewegen, ideal sind 30-40
Minuten täglich (www.herzstiftung.de/ausdauer-
Fällen ist es allerdings nötig, die Durchblutung durch einen kleinen
Eingriff wiederherzustellen“, betont Prof. Dr. med. Sigrid Nikol,
Chefärztin der Abteilung für Klinische und Interventionelle Angiologie der
Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. „Mit verschiedenen
Kathetertechniken kann ein normaler Blutfluss wiederhergestellt werden.“
Dabei wird der Katheter, ein kleiner Schlauch, durch die Blutgefäße bis
zur Engstelle vorgeschoben und das Gefäß von innen aufgedehnt. In einigen
Fällen wird dabei ein Stent eingesetzt. Die Eingriffe seien in der Regel
wenig schmerzhaft und komplikationsarm.
Diabetes und Bluthochdruck als Risikofaktoren
Herzpatienten sollten besonders auf erste Anzeichen der
Schaufensterkrankheit achten. Denn die pAVK hat die gleiche Ursache wie
die Koronare Herzkrankheit: In den Blutgefäßen bilden sich Ablagerungen,
die im Laufe der Jahre die Gefäße verengen – die Arterien „verkalken“
(Arteriosklerose). Zwar bilden sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens
diese Ablagerungen. Über das Ausmaß bestimmen neben genetischen Faktoren
vor allem der Lebensstil sowie verschiedene Vorerkrankungen. Unter anderem
erhöhen Rauchen, Bluthochdruck (www.herzstiftung.de/Bluthochd
Sonderband.html), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
(www.herzstiftung.de/Diabetes.
(www.herzstiftung.de/cholester
Risiko. Da sich auch die Herzkranzgefäße oder die Arterien im Gehirn
verengen können, haben Menschen mit Arteriosklerose ein stark erhöhtes
Infarkt-Risiko. „Bei Patienten mit pAVK sollte immer auch darauf geachtet
werden, ob es Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung oder eine
Herzschwäche gibt“, rät Gefäßspezialistin Nikol. Umgekehrt sollten
Patienten mit solchen Herzleiden auf das Vorliegen einer pAVK untersucht
werden.
Tipp: Mehr Informationen zur pAVK finden Patienten in dem Expertenbeitrag
„Kranke Gefäße – gefährdetes Herz“ von Prof. Mathias und Prof. Nikol in
der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ HEUTE, die
kostenfrei per Tel. unter 069 955128400 oder E-Mail unter
