Die Hepatologie ist im gesundheitlichen Vorsorgebewusstsein angekommen:
Seit dem 1. Oktober 2021 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren im
Rahmen des Präventionsprogramms „Gesundheitsuntersuchung“, vormals als
„Check-up 35“ bezeichnet, den Anspruch auf ein einmaliges Screening auf
eine Hepatitis B- und Hepatitis C-Virusinfektion. Im Vorfeld des 22.
Deutschen Lebertages am 20. November 2021 begrüßen die Ausrichter –
Gastro-Liga e. V., Deutsche Leberhilfe e. V. und Deutsche Leberstiftung –
das neue Vorsorgeangebot.
Gleichzeitig fordern die Ausrichter alle Anspruchsberechtigten dazu auf,
sich bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung auf Hepatitis testen zu lassen
und gemäß dem Motto des diesjährigen Deutschen Lebertages: „Deine Leber.
Dein Leben.“ Verantwortung für das lebenswichtige Organ zu übernehmen.
Im Juli 2021 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
alarmierende Zahlen: Weltweit stirbt alle 30 Sekunden ein Mensch an einer
hepatitisbedingten Krankheit – auch in der aktuellen Corona-Pandemie. Die
WHO geht davon aus, dass weltweit schätzungsweise 354 Millionen Menschen
eine chronische Hepatitis B und C haben. Diese beiden Krankheiten stellen
eine der Hauptursachen für Leberzirrhose und Leberzellkrebs dar und
verursachen jedes Jahr über 107 000 Todesfälle in der Europäischen Region.
Diese Todesfälle können durch die Impfung aller Säuglinge gegen Hepatitis
B sowie mit gezielten Teststrategien und der Behandlung von Hepatitis B-
und Hepatitis C-Virusinfektionen vermieden werden.
WHO-Schätzungen zufolge wussten 2019 nur 21 Prozent der Menschen mit
chronischer Hepatitis C von ihrer Infektion und bei Hepatitis B waren es
nur 10 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass auch in Deutschland viele
Betroffene nichts von ihrer Erkrankung wissen. Und durch die Corona-
Pandemie wurden die Bemühungen, Hepatitis B und C bis 2030 einzudämmen,
weltweit zurückgeworfen.
Dass Versicherte in Deutschland ab dem vollendeten 35. Lebensjahr seit dem
1. Oktober 2021 das Recht auf ein einmaliges Hepatitis-Screening in
Anspruch nehmen können, wird von den Ausrichtern des Deutschen Lebertages
begrüßt und als ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung für
mehr Lebergesundheitsbewusstsein gewertet.
„Eines der Ziele, die der Deutsche Lebertag verfolgt, ist die Verbesserung
der Früherkennung von Lebererkrankungen. In den meisten Fällen können
Leberschädigungen oder Lebererkrankungen bereits in einem frühen Stadium
nachgewiesen und erfolgreich behandelt werden – vorausgesetzt, Arzt und
Patient sind für das lebenswichtige Organ und seinen Gesundheitsstatus
sensibilisiert. Mit der Erweiterung der Gesundheitsuntersuchung für
Versicherte ab dem vollendeten 35. Lebensjahr um ein einmaliges Screening
auf Hepatitis B und C ist die Hepatologie endlich im gesundheitlichen
Vorsorgebewusstsein angekommen“, betont Prof. Dr. Michael P. Manns,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, und nennt jetzt
anstehende Ziele: „Zum einen müssen Ärzte und im Gesundheitssystem Tätige
nun verstärkt die Durchführung dieser Untersuchungen bewerben. Zum anderen
brauchen wir Konzepte, die konsequente Untersuchungen von
Risikobevölkerungsgruppen beinhalten, die nicht den Gesundheitscheck
wahrnehmen. Damit die erfolgreichen Therapien eingesetzt werden können,
ist eine Identifizierung der Betroffenen notwendig. Solange die
Infizierten nichts von ihrer Erkrankung wissen, können sie nicht behandelt
werden und andere anstecken. Daher ist die Identifizierung von Erkrankten
eine wichtige Voraussetzung für das Erreichen der weltweiten Ziel-Vorgabe
der Weltgesundheitsorganisation: Die Elimination der Hepatitis B und C bis
2030.“
Theoretisch sind die Voraussetzungen für eine Zielerreichung gut: Gegen
Hepatitis B gibt es eine wirksame Schutzimpfung, die Hepatitis C ist heute
mit einer kurzen, nahezu nebenwirkungsfreien Therapie fast immer heilbar.
Voraussetzung dafür ist, dass die bestehenden Chancen zu Diagnose,
Therapie und Prävention im möglichen Umfang genutzt werden. Die Ausrichter
des Deutschen Lebertages bedauern, dass sich das Plenum des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) nicht darauf verständigen konnte, das
Virushepatitis-Screening bereits ab einem Alter von 18 Jahren einzuführen.
Für die Zukunft ist es wünschenswert, dass in diesem Punkt zeitnah eine
Anpassung erfolgt.
Angesichts der vielen unerkannten Lebererkrankungen bleibt darüber hinaus
die Forderung des Deutschen Lebertages bestehen, dass die Leberwerte im
Blut (GPT, GOT und GGT) regelmäßig überprüft werden. Das gilt
beispielsweise angesichts der stetig steigenden Zahlen von nicht-
alkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD), zumindest bei bestimmten
Risikogruppen wie Diabetikern sowie stark übergewichtigen Erwachsenen und
Kindern.
Mehr Infos zum 22. Deutschen Lebertag unter: http://www.lebertag.org
Alle Institutionen, die im Rahmen des 22. Deutschen Lebertages mit einer
lokalen Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter:
http://www.lebertag.org
Die Ausrichter des 22. Deutschen Lebertages am 20. November 2021:
Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de
Deutsche Leberhilfe e. V.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln
Tel 0221 – 28 29 980
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>
https://www.leberhilfe.org
Deutsche Leberstiftung
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel 0511 – 532 6815
<presse@deutsche-leberstiftung.de>
https://www.deutsche-leberstiftung.de