Hilfe für Menschen mit seltenen Erkrankungen: Alarmsystem für Betroffene des Undine-Syndroms
Menschen, die an dem sehr seltenen kongenitalen zentralen
Hypoventilations-Syndrom (CCHS, auch Undine-Syndrom genannt) leiden, haben
keinen echten Atemreflex und ersticken beim Einschlafen. Während die
Betroffenen nachts überwacht und künstlich beatmet werden können, wird es
bei einem Nickerchen im Alltag gefährlich. Forschende der Universität
Stuttgart haben mit Unterstützung der Eva Mayr-Stihl-Stiftung ein System
entwickelt, das den Patienten in schläfrigen Alltagssituationen ein
autonomes Leben ermöglichen soll. Das kleine Gerät mit dem Namen „WakeMe“
misst kontinuierlich die Sauerstoffsättigung des Blutes und weckt die
Patienten, wenn ein kritischer Schwellwert unterschritten wird.
Vom Kreislauf bis zu den Reflexen: Die Atmung ist das Zentrum für viele
lebensnotwendige Funktionen und läuft autonom. Während die automatische
Atmung im wachen Zustand gesteuert werden kann, wird sie im Schlaf
ausschließlich über chemische Reize und vegetative Reflexe moduliert.
Steigt die Kohlendioxidkonzentration im Blut zu weit, reagieren
CO2-spezifische Chemorezeptoren und es kommt zu einem Atemreiz. Bei CCHS-
Patienten fehlt dieser Atemimpuls. Schlafen sie ohne künstliche Beatmung
ein, fällt ihre Sauerstoffsättigung kontinuierlich ab - bei länger
anhaltender Apnoe sind Bewusstlosigkeit und Tod die Folge.
Nachts sind die Betroffenen überwacht und werden künstlich beatmet.
Schlafen sie jedoch tagsüber ein, ist derzeit noch kein Überwachungs- und
Alarmsystem verfügbar. Für diese „schläfrigen Alltagssituationen“ haben
Forschende am Institut für Medizingerätetechnik (IMT) der Universität
Stuttgart gemeinsam mit Betroffenen und mit Unterstützung der Eva Mayr-
Stihl-Stiftung das System WakeMe entwickelt. Es überwacht kontinuierlich
die Sauerstoffsättigung im Blut, weckt die Person bei Unterschreitung
einer Schwelle zuverlässig und erinnert sie an das Atmen.
Klein, unauffällig und leicht bedienbar
Das kleine, nur knapp 20 Gramm schwere Gerät wird unauffällig hinter dem
Ohr getragen und ist einfach zu bedienen. Es beinhaltet einen
Microcontroller, einen Sensor zur Messung der Sauerstoffsättigung und der
Herzrate sowie ein Wecksystem, bestehend aus je einem Lautsprecher und
einem Vibrationsmotor auf beiden Seiten. Dazu kommt ein mobiles Lade- und
Aufbewahrungscase, das eine Betriebsdauer von neun Stunden und den
sicheren Transport zum Beispiel auf dem Schulweg gewährleistet.
WakeMe wurde am IMT im Rahmen zweier studentischer Arbeiten und in enger
Abstimmung mit Betroffenen und ärztlichem Personal entwickelt. Als nächste
Schritte sind unter anderem eine Usability-Untersuchung des Prototyps
sowie erster Versuche mit Betroffenen geplant. Um das Gerät den
Betroffenen zugänglich machen zu können, werden zudem Kooperationspartner
gesucht, die das Projekt unterstützen.
- Aufrufe: 63