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Herzbericht: Weniger Sterbefälle durch Herzinfarkt und Herzschwäche – keine Entwarnung

Der neue Deutsche Herzbericht 2019, Europas einzigartige herzmedizinische Versorgungsanalyse für Mediziner, Versorgungsforscher, Verantwortliche im Gesundheitswesen und Medienvertreter.  Collage: DHS; Cover: Thieme
Der neue Deutsche Herzbericht 2019, Europas einzigartige herzmedizinische Versorgungsanalyse für Mediziner, Versorgungsforscher, Verantwortliche im Gesundheitswesen und Medienvertreter. Collage: DHS; Cover: Thieme

Herzmedizinische Versorgung zeigt Wirkung, aber Gesamtsterblichkeit durch
Herzkrankheiten anhaltend hoch
Die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten insgesamt ist in Deutschland im
Vergleich zu den Vorjahren wieder leicht gestiegen, wohingegen leichte
Rückgänge bei Todesfällen durch Herzinfarkt und Herzschwäche zu
verzeichnen sind. Die Anstiege zeigen sich bei den Herzklappenerkrankungen
mit einer Zunahme um mehr als 1.500 auf 19.757 Sterbefälle (2018) und bei
den Herzrhythmusstörungen um mehr als 800 auf 30.208 (2018) Gestorbene.
Die Herzkrankheit mit der häufigsten Diagnose für eine
Krankenhauseinweisung, die koronare Herzkrankheit (KHK), setzt nach einem
Rückgang um über  1.600 Sterbefälle auf insgesamt 123.975 (2018) ihren
positiven Trend fort und mit ihr der Herzinfarkt mit einer Abnahme um rund
760 Sterbefälle auf 46.207 Gestorbene (2018).
„Dieser Rückgang ist erfreulich und lässt auf eine Verbesserung der
ambulanten und stationären medizinischen Versorgung, verbesserte
Präventionsmaßnahmen und mehr Kenntnisse der Bevölkerung über
Herzkrankheiten schließen. Diese Entwicklung darf aber nicht darüber
hinwegtäuschen, dass die koronare Herzkrankheit, die Grunderkrankung des
Herzinfarkts, jährlich mit fast 626.000 Krankenhausaufnahmen und einer
weiterhin hohen  Sterblichkeit verbunden ist“, betont Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung, anlässlich der Vorstellung des Deutschen Herzberichts 2019
(www.herzstiftung.de/herzbericht). Der Herzspezialist sieht dabei eine
Verlagerung der KHK-Sterblichkeit mehr in die erkrankungskritischen
älteren Bevölkerungsanteile bei Männern ab 55 Jahren und älter und bei
Frauen ab 70 Jahren und älter: „Über die zweifelsohne erfolgreiche
Apparatemedizin hinaus muss viel mehr in die kardiovaskuläre Vorsorge
investiert werden.“ Neben Alter und Genetik verursachen Risikofaktoren wie
Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Übergewicht die
KHK und den Herzinfarkt. Diese Risikofaktoren sind mit
Lebensstiländerungen auch zusätzlich zur Therapie gut beeinflussbar.
„Diesen Hebel müssen wir mit Hilfe von Präventionsprogrammen noch stärker
nutzen. Prävention braucht aber auch mehr Gewicht in der Politik“, fordert
Herzstiftungs-Vorstand Voigtländer.

Die KHK ist in 70 Prozent der Fälle Hauptursache der chronischen
Herzschwäche, die zu mehr als 456.000 Klinikeinweisungen pro Jahr führt
und an der jährlich fast 38.000 Menschen pro Jahr sterben. Trotz aller
Fortschritte in der Herzmedizin sterben in Deutschland immer noch die
meisten Menschen an einer Herzkrankheit (z. B. Herzinfarkt, Herzschwäche,
plötzlicher Herztod) oder Kreislauferkrankung (z. B. Schlaganfall,
Bluthochdruck, Lungenembolie). Mit mehr als 345.274 Sterbefällen allein im
Jahr 2018 sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Haupttodesursache in
Deutschland eine enorme Herausforderung für das Gesundheitswesen.

Regionale Sterblichkeitsunterschiede bestehen fort
Daten des Herzberichts dokumentieren die seit Jahren bekannte
unterschiedlich hohe Sterblichkeit an Herzkrankheiten zwischen den
Bundesländern. Am Herzinfarkt zeigt sich: Während die niedrigste
Sterbeziffer Schleswig-Holstein mit 28,5 Gestorbenen pro 100.000 Einwohner
(EW), Nordrhein-Westfalen (39) und Hamburg (44,2) haben, ist die
Sterblichkeit am höchsten in Brandenburg (72,2), Sachsen-Anhalt (69,3),
Mecklenburg-Vorpommern (67,7) und Thüringen (64,4). „Auffällig ist, dass
die Sterblichkeitsrate für Herzinfarkt zwischen 2016 und 2018 in allen
Bundesländern – mit Ausnahme von Berlin und Thüringen – spürbar gesenkt
werden konnte“, berichtet Voigtländer. „Neben demographischen Aspekten
könnten Verbesserungen in der medizinischen Versorgung, aber auch eine
verbesserte Prävention zu dieser Entwicklung beigetragen haben.“ Regionale
Unterschiede bleiben jedoch bestehen. So haben die östlichen Bundesländer
die höchsten Werte bei den Sterbeziffern für Herzinfarkt und KHK. Welchen
Einfluss Faktoren wie Raucheranteil, Erwerbsstatus, Häufigkeit von
Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht für diese
Unterschiede haben, bedarf weiterer Analysen. „Ein wichtiger Baustein zur
Bekämpfung der Herzinfarktsterblichkeit auf Landesebene sind
Herzinfarktregister zur wissenschaftlichen Untersuchung der
Infarktversorgung. Das gilt auch für Anstrengungen von Behörden,
Ärztenetzwerken, Krankenkassen und Aktionsbündnissen in der
Bevölkerungsaufklärung zu Themen wie Vorsorge, Ursachen und Symptome von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie richtiges Notfallverhalten“, so
Voigtländer. Beispiel für eine gelungene Aktion ist die als „Herzwoche“
angelegte Aufklärungskampagne in Sachsen-Anhalt. Ziel ist es u. a., die
Bevölkerung zu sensibilisieren, bei Herzinfarkt oder anderen Herznotfällen
sofort den Rettungsdienst (Notruf 112) zu rufen und nicht abzuwarten.

Mehr Sterbefälle durch Herzrhythmusstörungen und Herzklappenkrankheiten
Während die Sterblichkeit durch Herzschwäche und koronare Herzkrankheit im
Vergleich zum Vorjahr leicht abnehmen, sind für Herzrhythmusstörungen und
Herzklappenerkrankungen merkliche Anstiege feststellbar. Bei beiden
Herzkrankheiten dürften diese Anstiege auch mit dem hohen Alter eines
Großteils der Betroffenen (65- bis 75-Jährige und über 75-Jährige) zu
erklären sein. Je nach Art und Schweregrad der Herzrhythmusstörung können
u. a. Schlaganfall – als Folge der häufigsten Herzrhythmusstörung
Vorhofflimmern – oder plötzlicher Herztod aufgrund bösartiger
Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) die Todesursache sein. „Hier sehen
wir Verbesserungspotenzial in der Prävention und frühzeitigen Behandlung
der häufigsten Ursachen lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen wie
KHK/Herzinfarkt, Bluthochdruck und Herzmuskelerkrankungen sowie
Herzmuskelentzündung“, betont der Kardiologe am Cardioangiologischen
Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main.
Bei den Herzklappenkrankheiten ist die Altersstruktur der Patienten
insbesondere bei Klappenerkrankungen des höheren Lebensalters wie die
degenerative Aortenklappenstenose ein bedeutsamer Faktor für die konstant
hohen Krankenhausaufnahmen und die tendenziell seit 2011 steigende
Sterblichkeit. Zweithäufigste Klappenerkrankung ist die
Mitralklappeninsuffizienz. „Beide Herzklappenkrankheiten können, wenn sie
zu spät erkannt und behandelt werden, den Herzmuskel schwer schädigen bis
hin zu Herzschwäche und schlimmstenfalls plötzlichem Herztod. Die
Sensibilisierung der Bevölkerung für Klappenerkrankungen und ihre Symptome
wie Luftnot oder Angina-pectoris-ähnliche Brustschmerzen gewinnt daher an
Bedeutung“, warnt der Kardiologe. Auffallend groß erscheinen die
Geschlechtsunterschiede bei den Sterbeziffern (Gestorbene pro 100.000 EW),
die für Frauen bei den Herzklappenerkrankungen um 42,7 Prozent höher als
bei Männern (Frauen: 27,9/Männer: 19,6 pro 100.000 EW) ausfallen und bei
den Herzrhythmusstörungen um 48,6 Prozent höher als bei Männern (Frauen:
43,4/Männer: 29,2).

Entwicklungen bei Herzschwäche: Anstieg bei den Erwerbsfähigen
Die entgleiste Herzschwäche (Dekompensation) zählt zu den Herzkrankheiten
mit den häufigsten vollstationären Aufnahmen in eine Klinik. Der
Leidensdruck bei dekompensierter Herzschwäche ist mit Luftnot,
Leistungsschwäche und Flüssigkeitseinlagerungen groß. Auffällig ist nach
einem Anstieg der Krankenhausaufnahmen im Jahr 2017 um ca. 9.000 Fälle auf
464.724, ein Rückgang um ca. 8.700 vollstationäre Aufnahmen auf 456.012
(2018). Eine verbesserte Therapie und Präventionsmaßnahmen können diesen
Rückgang nur zum Teil erklären. „Vermutlich führt zu diesem Rückgang die
zunehmend bessere Infarktversorgung, wodurch es zu weniger großen
Herzinfarkten und damit zu weniger Herzschwäche-Fällen kommt“, erklärt der
Intensivmediziner. Mit der Herzschwäche ist je nach Schweregrad und
Begleiterkrankungen wie COPD, Nierenfunktionsstörung oder
Herzrhythmusstörungen ein hoher Leidensdruck verbunden. „Mit Sorge
beobachten wir, dass sich seit 2011 ein Anstieg der Krankenhausaufnahmen
bei Menschen im erwerbsfähigen Alter, den 45- bis unter 65-Jährigen, um
11,5 % feststellen lässt. Hier bedarf es womöglich gezielter Prävention
und mehr gezielter ambulanter Versorgungsangebote.“ Auch müsse durch
bessere Aufklärung mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung für die
krankheitstypischen Symptome, Ursachen und Therapiemöglichkeiten der
Herzschwäche geschaffen werden (www.herzstiftung.de/herzwochen2020).

Mehr Frauen als Männer sterben an Herzkrankheiten:
Weiterhin auffällig ist die höhere Sterblichkeit bei Frauen. Bei
Betrachtung aller Herzkrankheiten starben 2018 mehr Frauen als Männer:
109.833 (51,7 %) Frauen gegenüber 102.422 Männern (48,3 %). Frauen mit
Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche scheinen
eine ungünstigere Prognose als Männer mit diesen Erkrankungen zu haben.
Bei Herzklappenkrankheiten liegt die Sterbeziffer um 42,7 % höher, bei
Herzrhythmusstörungen um 48,6 % und bei Herzschwäche um 65,5 % höher als
bei Männern. In absoluten Zahlen: 2018 starben 23.735 Frauen gegenüber
13.974 Männern an Herzschwäche und 18.247 Frauen gegenüber 11.961 Männern
an Rhythmusstörungen. Beim akuten Herzinfarkt und bei KHK haben Männer
eine schlechtere Prognose als Frauen. Inwiefern für dieses Gefälle neben
epidemiologischen Faktoren auch Aspekte wie geschlechtsspezifische
Unterschiede in Genetik und Anatomie von Herz und Gefäßen, Unterschiede in
der Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten oder eine Unterversorgung in
der Diagnostik und Therapie zuungunsten von Frauen eine Rolle spielen,
bedarf der weiteren Analyse.

Der Deutsche Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit
den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Thorax-, Herz-
und Gefäßchirurgie (DGTHG) sowie Kinderkardiologie (DGPK) alljährlich
herausgegeben.

Der Deutsche Herzbericht 2019 ist kostenfrei zum Download (PDF) erhältlich
unter: www.herzstiftung.de/herzbericht

Herzinfarkt-Risikotest: Die Herzstiftung bietet unter
www.herzstiftung.de/risiko einen kostenfreien Herzinfarkt-Risikotest an.

Infos für Patienten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet die Herzstiftung
kostenfrei unter www.herzstiftung.de an

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Wer zuerst? Verteilung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2

Am 18. November 2020 diskutiert der Deutsche Ethikrat gemeinsam mit
Vertreterinnen und Vertretern anderer europäischer Ethikgremien und der
WHO in einer öffentlich zugänglichen Online-Veranstaltung der Reihe „Forum
Bioethik“ die verschiedenen Strategien einer gerechten SARS-
CoV-2-Impfstoffverteilung auf nationaler und internationaler Ebene.

Weltweit forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hochdruck
an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus. Es besteht
die Hoffnung, dass schon bald die ersten Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 auch
in der EU zugelassen werden könnten. Jedoch wird erwartet, dass anfangs
nicht genügend Impfstoffdosen verfügbar sein werden, um alle Menschen zu
impfen, die dies wünschen. Wie könnte also eine gerechte Verteilung
knapper Vakzine national wie international aussehen? Welche Personen oder
Gruppen gilt es prioritär zu impfen? Welche ethischen und rechtlichen
Gesichtspunkte gilt es neben medizinischen zu berücksichtigen?

Diesen Fragen möchte sich der Deutsche Ethikrat gemeinsam mit
internationalen Expertinnen und Experten im Rahmen einer Veranstaltung der
Reihe „Forum Bioethik“ widmen. Vertreterinnen und Vertreter der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), der European Group on Ethics in Science
and New Technologies (EGE) und des Deutschen Ethikrats stellen
verschiedene Strategien der Impfstoffverteilung vor. In einem
abschließenden Podiumsgespräch, an dem neben den genannten Expertinnen und
Experten internationaler Organisationen auch Mitglieder nationaler
europäischer Ethikräte teilnehmen, wird die Frage der Impfstoffverteilung
aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Eine Teilnahme vor Ort ist leider nicht möglich. Die Veranstaltung wird
unter https://www.ethikrat.org/forum-bioethik/wer-zuerst-verteilung-von-
impfstoffen-gegen-sars-cov-2/
als Livestream in englischer Sprache mit
Simultanübersetzung ins Deutsche übertragen. Das Publikum kann sich
während der Veranstaltung per Chatfunktion an der Diskussion beteiligen.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im Nachgang der Tagung werden Video-Mitschnitt und Mitschrift auf
derselben Seite verfügbar sein.

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Abnehmen entlastet Herz und Kreislauf

Prof. Dr. med. Hans Hauner, Mitglied des Wissenschaftliche Beirats der Deutschen Herzstiftung, Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin an der TU Universität München  Richard Tobis
Prof. Dr. med. Hans Hauner, Mitglied des Wissenschaftliche Beirats der Deutschen Herzstiftung, Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin an der TU Universität München Richard Tobis

Starkes Übergewicht begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie
Bluthochdruck und Herzschwäche/Tipps zum gesunden Gewichtsverlust

Starkes Übergewicht fördert die Entwicklung von Herzerkrankungen in
jüngeren Jahren. Darauf weist die Europäische Gesellschaft für Kardiologie
(ESC) in ihrer Leitlinie zur Koronaren Herzkrankheit von 2019 hin.
Umgekehrt bedeutet dies, dass eine Gewichtsabnahme das Herz entlastet und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen lindern kann. „Jede Gewichtsabnahme, auch wenn
es nur wenige Kilo sind, beugt wirkungsvoll Herzkrankheiten vor und
bessert ebenso wirkungsvoll Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit”,
betont Prof. Dr. med. Hans Hauner vom Wissenschaftlichen Beirat der
Deutschen Herzstiftung. Wie eine langfristige Gewichtsabnahme funktioniert
und welche Methoden sich für Herzpatienten eignen, schildert der Leiter
des Instituts für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar in
München, im Experten-Ratgeber „Das schwache Herz” für Patienten und ihre
Angehörigen, den Betroffene und Interessierte  kostenfrei unter 069
955128-400 oder per E-Mail (<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>) bestellen
können. Informationen rund um das Thema Herzinsuffizienz bieten die
bundesweiten Herzwochen unter <www.herzstiftung.de/herzwochen2020>

Wann Übergewicht schadet
Um zu beurteilen, ob das Körpergewicht noch im Normalbereich oder schon zu
hoch liegt, wird der Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Zur Berechnung des
BMI wird das Gewicht durch die Körpergröße zum Quadrat geteilt (s. Formel
unten). Als normal gilt ein BMI von 18,5 bis 24. Ab einem BMI von 25 gilt
ein Mensch als übergewichtig, ab einem BMI von 30 spricht man von starkem
Übergewicht oder Adipositas. Mit steigendem BMI nimmt das Risiko für Herz-
Kreislauf-Erkrankungen und damit auch für Herzschwäche immer stärker zu.
Als besonders schädlich hat sich überschüssiges Fett am Bauch
herausgestellt. Der Taillenumfang sollte daher bei Frauen unter 80
Zentimetern liegen, bei Männern unter 94.

BMI = Körpergewicht in kg:Körpergröße in m2

Übergewicht belastet das Herz mehrfach
Zu viel Gewicht belastet das Herz auf mehrfache Weise: Zum einen muss das
Organ um bis zu 50 Prozent mehr leisten, um die größere Körpermasse mit
Blut und Sauerstoff zu versorgen. Zum anderen erhöht Übergewicht das
Risiko, an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken. Auch erhöhte
Blutfettwerte (hohes Cholesterin) finden sich bei übergewichtigen
Patienten häufiger. „All diese Faktoren fördern insbesondere die
Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit, der Grunderkrankung des
Herzinfarkts”, sagt Hauner. Der Bluthochdruck sowie die größere
Körpermasse an sich könnten dazu beitragen, dass der Herzmuskel schneller
und früher eine Herzschwäche entwickelt, warnt der Stoffwechselexperte.

Kleine Ziele stecken
Gerade für Menschen mit starkem Übergewicht und langer Zeit der
körperlichen Inaktivität ist es wichtig, sich kleine Ziele stecken: „Schon
fünf Prozent weniger Gewicht wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel aus
und erhöht die Beweglichkeit. Bewegung ist unverzichtbar, um Abnehmen zu
unterstutzen, wo immer es möglich ist“, betont Hauner. Das könne viel
Alltagsbewegung sein, aber auch ein spezielles Programm mit z. B. jeden
Tag 15 Minuten Heimtrainer oder Gymnastik oder zweimal pro Woche
Schwimmen. Auch wichtig sei, das Körpergewicht regelmäßig kontrollieren,
z. B. einmal pro Woche

Abnehmen durch Kalorienreduktion
Bei der Wahl der Abnehmmethode kommt es vor allem darauf an, die
Kalorienzufuhr zu beschränken und gleichzeitig eine ausgewogene,
herzgesunde Ernährung beizubehalten. Im Allgemeinen wird dabei eine
Kalorienzufuhr von 1.200 bis 1.500 Kilokalorien (kcal) pro Tag empfohlen.
„Ob man dabei Fette (Low Fat) oder Kohlenhydrate (Low Carb) reduziert, ist
für den Abnehmerfolg weniger entscheidend”, sagt Susanne Schmidt-Tesch,
Oecotrophologin am Institut für Ernährungsmedizin in München. Allerdings
sei es bei einer kohlenhydratreduzierten Ernährung schwieriger, die
empfohlene Ballaststoffmenge von 30 Gramm pro Tag zu erreichen. Die
Deutsche Herzstiftung folgt den Empfehlungen der ESC und rät Herzpatienten
zu folgenden Ernährungsregeln:
•       Reichlich Obst und Gemüse, mindestens 200 Gramm von beiden am Tag
•       Täglich 30 bis 45 Gramm Ballaststoffe, bevorzugt aus
Vollkornprodukten
•       Ein- bis zweimal pro Woche Fisch
•       Begrenzte Mengen von magerem Fleisch, fettreduzierte Käse- und
Milchprodukte
•       Wenig tierische Fette und Fastfood-Gerichte, stattdessen
hochwertige Pflanzenöle sparsam verwenden
•        Weniger als 5 bis 6 Gramm Salz am Tag
•       Kein oder nur wenig Alkohol trinken (maximal ein kleines Glas Bier
oder Wein am Tag)
•       Keine zuckergesüßten Getränke
•       Zur Gewichtsabnahme kleinere Portionen essen und Essen
zwischendurch vermeiden, also möglichst geregelte Mahlzeiten einhalten, z.
B. drei am Tag

Insbesondere die traditionelle Mittelmeerküche wird für Herzpatienten
empfohlen, da sie viel Gemüse, Fisch, Kräuter und Olivenöl enthält. Auch
vegetarische Kost und Intervallfasten können beim Abnehmen helfen, wenn
die oben genannten Faktoren eingehalten werden. Von Crash-Diäten ist
dagegen abzuraten, da sie oft zum gefürchteten Jojo-Effekt führen. „Vor
Beginn einer Reduktionsdiät und insbesondere vor dem Intervallfasten
sollte immer eine Rücksprache mit dem behandelnden Kardiologen erfolgen,
um Risiken zu vermeiden”, rät Hauner. Hilfreich kann dabei ein
Ernährungstagebuch sein: täglich aufschreiben, welche Lebensmittel und wie
viel davon konsumiert werden.

Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
<www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe>

Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter <www.herzstiftung.de/herzwochen2020>

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DGINA und DIVI warnen vor geplantem Gesundheitsgesetz – „Triage- Software gefährdet Patientensicherheit“

In zwei Stellungnahmen haben die notfallmedizinischen Fachgesellschaften,
die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin
(DGINA) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI) vor einem geplanten Gesetz des
Bundesgesundheitsministeriums gewarnt.

Der Referentenentwurf zum Gesetz zur Weiterentwicklung der
Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz –
GVWG) sei hinsichtlich der Notfallversorgung voller Mängel, sagt DGINA-
Präsident Martin Pin: „Der Entwurf ist weit davon entfernt, die dringend
erforderliche Reform der Notfallversorgung voranzubringen.“ – „Wenn das
Gesetz so kommt, wären die Leidtragenden die Patienten,“ pflichtet ihm der
medizinische Geschäftsführer der DIVI, Prof. Dr. Andreas Markewitz bei.

Beide Fachgesellschaften kritisieren insbesondere die geplanten Änderungen
zur Ersteinschätzung von Notfallpatienten, die zukünftig von der
Kassenärztlichen Vereinigung organisiert werden soll – auch in
Krankenhäusern. In dem Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass alle
Notfallpatienten zunächst mithilfe einer Software ersteingeschätzt werden.
Diese „Triage-Software“, die von der Kassenärztlichen Vereinigung bestimmt
wird, soll unter anderem darüber entscheiden, ob ein Notfall ambulant oder
stationär behandelt wird – noch bevor die Betroffenen ärztlich untersucht
wurden. Aufgrund dieser Ersteinschätzung könnten Patienten auch ohne
vorherige ärztliche Beurteilung in eine Versorgungseinheit außerhalb des
Krankenhauses verwiesen werden.

Die Kopplung von Verwendung des Ersteinschätzungsinstruments und Vergütung
ist nicht zielführend und fachlich falsch

Der DGINA-Präsident warnt: „Eine ‚Ersteinschätzungs-Software‘ der KV kann
und darf nicht den ärztlichen Kontakt und die ärztliche Untersuchung
ersetzen. Wenn Notfälle aufgrund dieser Ersteinschätzung weggeschickt
werden, kann dies für die Betroffenen möglicherweise lebensbedrohliche
Folgen haben.“ So heißt es auch in der Stellungnahme der DIVI gegenüber
dem Bundesgesundheitsministerium: „Die obligate Verbindung des Einsatzes
eines Ersteinschätzungssystems mit der Leistungsvergütung geht an der
Realität vorbei, da eine sichere ex ante Zuordnung der Dringlichkeit der
Behandlungsnotwendigkeit in zahlreichen Fällen unmittelbar bei Eintreffen
der Patienten nicht sicher möglich ist.“

DIVI und DGINA fordern daher das Bundesministerium für Gesundheit auf, die
diesbezüglich geplanten Änderungen des bestehenden Gesundheitsgesetzes
(§120 SGB 5) zu streichen und weiter an einer grundlegenden,
zukunftsfähigen Reform der Notfallversorgung im Sinne der Patienteninnen
und Patienten zu arbeiten.

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