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Aktionsbündnis Thrombose zeichnet Dr. Frederikus Klok mit Virchowpreis aus

Niederländischer Forscher hat frühzeitig auf die Zusammenhänge von hohen
Gerinnungsaktivitäten bei Covid-19 hingewiesen

Berlin, den 13. November 2020 – Der diesjährige Virchowpreis des
Aktionsbündnisses Thrombose geht an den niederländischen Internisten und
Angiologen Dr. Frederikus Klok.

Dr. Klok erhält den mit 5.000 Euro dotierten Preis für seine frühzeitigen
Forschungsaktivitäten rund um die ungewöhnlich hohen Gerinnungsaktivitäten
bei einer COVID-19-Erkrankung. In einer multizentrischen Untersuchung
konnte Dr. Klok thrombotische Komplikationen in den Lungen, an den
Extremitäten und im Gehirn der Patienten zeigen. Aufgrund seiner
Ergebnisse wurden die Leitlinien zur Thromboseprophylaxe geändert, die bei
Covid-19-Patienten nun eine höhere Anwendung von Blutverdünnung empfehlen.

Dr. Frederikus Klok forscht und arbeitet an der Universität Leiden.
Zwischen 2013 und 2016 war er „Virchow Fellow“ am BMBF-geförderten Centrum
für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz.

Über den Virchowpreis

Der Virchowpreis wird seit 2016 verliehen. Ziel des Preises ist es, eine
höhere Wahrnehmung für Thrombose sowie der Lungenembolie, ihren
Komplikationen und Folgen sowie für die Möglichkeiten ihrer diagnostischen
Früherkennung zu erzielen. Die öffentliche Wahrnehmung soll in der
Bevölkerung aber auch in der medizinischen Fachwelt gesteigert werden.

Ausgezeichnet werden Veröffentlichungen, Versorgungsstudien,
Anwendungsunterstützungen, Applikationen und Maßnahmen, die die
Implementierung von Leitlinien unterstützen sowie die Erfassung
epidemiologischer Daten zum Krankheitsbild oder zur Versorgungssituation.

Der Preis wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Er wird einmal im Jahr zum
Welt-Thrombose-Tag vergeben.

Über das Aktionsbündnis Thrombose

Das Aktionsbündnis Thrombose wurde 2014 von der Deutschen Gesellschaft für
Angiologie e.V. (DGA) ins Leben gerufen. Führende Fachgesellschaften und
die Deutsche Gefäßliga engagieren sich gemeinsam mit Partnern aus der
Industrie für mehr Aufklärung über Thrombose und Lungenembolie.

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Corona-Pandemie: Bei Herzinfarkt-Verdacht und sonstigen Herznotfällen keine Scheu vor Notruf 112

Herzspezialisten warnen in aktueller Corona-Welle: Bei Verdacht auf
Herzinfarkt und anderen Herznotfällen niemals zögern, sondern sofort
Notruf 112 absetzen. Kliniken sind trotz Pandemie für Notfallversorgung
gerüstet

Notfallmediziner und Herzspezialisten befürchten angesichts der derzeit
hohen Zahl an Coronavirus-Infektionen, dass Patienten mit Verdacht auf
Herzinfarkt und anderen notfallartigen Symptomen von den Kliniken
fernbleiben könnten, wie es in hohem Maße während der ersten Corona-Welle
im Frühjahr zu beobachten war. „Die aktuelle Corona-Welle darf nicht
erneut dazu führen, dass Menschen bei Verdacht auf Herzinfarkt oder bei
anderen notfallartigen Symptomen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem
Coronavirus oder wegen befürchteter Kapazitätsengpässe in den Kliniken den
lebenswichtigen Notruf 112 oder den Weg in die Notfallambulanz scheuen“,
warnt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Nach
Angaben des Deutschen Herzberichts sterben bundesweit rund 124.000
Menschen an koronarer Herzerkrankung, davon über 46.2000 am Herzinfarkt.
Etwa 30 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben außerhalb der Klinik,
auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt (112) alarmieren. Infos
zur Ersten Hilfe bei Herzinfarkt und Herzstillstand unter
www.herzstiftung.de/herznotfall-verhalten.html

Erster Corona-Lockdown: 31 Prozent weniger Herzinfarkte in Kliniken
In Corona-Zeiten könnte sich dieser im Herznotfall fatale Effekt von
Entscheidungsverzögerungen noch verstärken. Darauf deuten Ergebnisse einer
Auswertung von Krankenhausausfällen von 27 Millionen AOK-Versicherten hin
(1). Untersucht wurde unter anderem die stationäre Versorgung akuter
Herzinfarkte und anderer dringlicher Herzgefäßkomplikationen wie akutes
Koronarsyndrom (ACS) während des ersten Corona-Lockdowns im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum. „Alarmierend ist, dass aufgrund des ersten Lockdowns 31
Prozent weniger akute Herzinfarkte als im Vorjahreszeitraum in stationäre
Behandlung kamen“, berichtet Voigtländer, der Kardiologe und
Intensivmediziner am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB)
Frankfurt am Main ist. Erweiterte man das Spektrum auf
Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie
Hauptstammstenosen, instabile Angina pectoris, dekompensierte
Herzschwäche, kardiogener Schock und Herzinfarkt, kam man sogar auf 42
Prozent weniger stationäre Behandlungen. „Ein solches Szenario für die
Betroffenen mit anzunehmenden schweren lebensbedrohlichen Komplikationen
bis hin zum vorzeitigen Tod müssen wir aktuell vermeiden. Herzinfarkt,
aber auch andere Herznotfälle wie eine akut dekompensierte
Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine
aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich
weiterhin der Notfallversorgung, die auch während dieser zweiten Corona-
Welle gewährleistet ist.“

Gefahr durch zweite Corona-Welle: Notfallpatienten zögern wieder mehr vor
der 112
Zu langes Warten bei Herzinfarkt-Verdacht ist in allen Altersgruppen
fatal. „Die Gefahr für dieses fatale Verzögerungsverhalten – übrigens auch
bei jüngeren Notfallpatienten – dürfte angesichts der zweiten Corona-Welle
wieder deutlich wachsen“, warnt der Herzstiftungs-Vorstand Voigtländer.
Die Deutsche Herzstiftung appelliert deshalb an Herzpatienten und Menschen
mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten, bei Verdacht
auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 abzusetzen. „Der Notarzt ist hier so
wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen
und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann.
Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels
irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder
auch langfristig eine Herzschwäche“, betont Voigtländer. „Beim Herzinfarkt
zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.“

Herzinfarkt-Verdacht: auf diese Warnzeichen achten!
Typische Herzinfarkt-Symptome sind insbesondere plötzlich einsetzende
starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe
nicht bessern (häufig: kalter Schweiß, Blässe, Übelkeit, Atemnot, Unruhe
und Angst). Die Schmerzen sind überwiegend im Brustkorb, häufig hinter dem
Brustbein, bisweilen auch nur im Rücken zwischen den Schulterblättern oder
im Oberbauch. Die Schmerzen können in den Arm, den Hals oder Kiefer
ausstrahlen. Mehr Infos zu den Herzinfarkt-Schmerzorten unter:
www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html

Bei diesen Warnzeichen für Herzerkrankungen sofort zum Arzt!
Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum
Internisten oder Kardiologen. Sie können untersuchen, ob z. B. eine
Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit (die
Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder anderer Herzerkrankungen wie
Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt
können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen,
Komplikationen führen:

- Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina
pectoris) und/oder Luftnot
- Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
- Hartnäckiges Herzstolpern
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
- Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Diese Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen
zugleich sein. „Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine
fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein,
aber auch Anzeichen eines operationsbedürftigen Herzklappenfehlers“,
erläutert Voigtländer. Auch Atemnot und Leistungsschwäche sind, wie der
Herzspezialist betont, typische Symptome für eine Herzschwäche oder eine
andere Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder aber Vorhofflimmern.
Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch
Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein.
„Deshalb sollte man bei diesen Symptomen einen Facharzt aufsuchen“, rät
der Kardiologe.

Unbemerktes Vorhofflimmern und Schlaganfallgefahr
Bei etwa 50 % der über 1,8 Millionen Betroffenen mit Vorhofflimmern macht
sich die Herzrhythmusstörung mit spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern
und Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot,
Schwindelgefühl und Leistungsschwäche bemerkbar. Bei Vorhofflimmern ist
meistens das Herz völlig außer Takt, es schlägt chaotisch mit einem Puls
von bis zu 160 Schlägen pro Minute, selten sogar schneller. Ist der Puls
unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schlägen pro Minute, sollte
man den Hausarzt oder Internisten aufsuchen. Bei Vorhofflimmern können
schon in wenigen Stunden in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel entstehen, die
vom Blutstrom mitgeschleppt Arterien verschließen und je nach betroffenem
Areal einen Schlaganfall verursachen. Die typischen Warnzeichen für einen
Schlaganfall, bei denen auch sofort der Notarzt (112) zu alarmieren ist,
sind abrufbar unter www.herzstiftung.de/schlaganfall-herzpatient.html

Infos zum Coronavirus bietet die Herzstiftung unter: www.herzstiftung.de
/ihre-herzgesundheit/coronavirus oder als bestellbaren Ratgeber-Flyer
„Corona & Herz“, anzufordern unter Tel. 069 955128-400
Informationen für Eltern herzkranker Kinder und Erwachsene mit angeborenem
Herzfehler zum Thema Corona bietet die Kinderherzstiftung unter:
www.herzstiftung.de/leben-mit-angeborenem-herzfehler

Wie Laien in Corona-Zeiten bei Herzstillstand reanimieren, erläutert die
Seite www.herzstiftung.de/herznotfall-verhalten.html

Die Herzinfarkt-Alarmzeichen unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Herzinfarkt.html


(1) Quelle WidO-Report:
Günster, C, Drogan D, Hentschker C, Klauber J, Malzahn J, Schillinger G,
Mostert C.  WidO-Report: Entwicklung der Krankenhausfallzahlen während des
Coronavirus-Lockdowns. Nach ICD-10-Diagnosekapiteln und ausgewählten
Behandlungsanlässen, Berlin 2020

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Deutsche Leberstiftung zum Lebertag: Früherkennung kann schwere Lebererkrankungen verhindern

Dass eine Bestimmung der Leberwerte bereits im Verdachtsfall oder als
Screening im Rahmen einer „Gesundheitsuntersuchung" sinnvoll ist und
dadurch schwerwiegende Erkrankungen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs
vermieden werden können, betont die Deutsche Leberstiftung anlässlich des
21. Deutschen Lebertages am 20. November 2020.

„Klappern gehört zum Handwerk“, der Spruch ist seit dem Mittelalter
bekannt, als Handwerker lautstark ihre Leistung anpriesen. Wer keine
Aufmerksamkeit erregt, wird nicht bemerkt – das ist heute noch so. Die
Aussage trifft auch auf das lebenswichtige Organ Leber zu, das vielfältige
Aufgaben sogar dann noch erfüllt, wenn es bereits teilweise geschädigt
ist. Die meisten Lebererkrankungen verursachen in der Regel über einen
längeren Zeitraum keine Krankheitszeichen: Die kranke Leber „klappert“
nicht, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das lebenswichtige Stoffwechselorgan Leber hat eine außergewöhnliche
Fähigkeit: Es kann sich von Schäden gut erholen – vorausgesetzt, die
Ursache wird rechtzeitig erkannt und behoben. Das Erkennen einer
Lebererkrankung ist durch einen einfachen Test der Leberwerte im Blut
möglich. Wichtig sind dabei vor allem der ALT-Wert und der AST-Wert. Wenn
die Leberwerte erhöht sind, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt
werden, um die Ursache zu ermitteln und festzustellen, ob eine
Lebererkrankung der Grund für die erhöhten Blutwerte ist. Die meisten
Lebererkrankungen können gut behandelt oder sogar geheilt werden, wenn sie
früh erkannt werden. Unbehandelt hingegen können viele Lebererkrankungen
zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs führen.

Doch Lebererkrankungen werden häufig gar nicht oder erst spät erkannt. Die
Feststellung der Leberwerte im Rahmen von turnusmäßigen
Gesundheitsuntersuchungen ist in Deutschland noch immer keine
Standardleistung. Experten fordern schon seit Jahren, die Überprüfung der
Blut-Leberwerte in die Gesundheitsuntersuchung für Erwachsene aufzunehmen.

Mit dem Motto „Check-up für die Leber“ stellt der diesjährige Deutsche
Lebertag die Notwendigkeit der Früherkennung von Lebererkrankungen in den
Fokus und unterstützt die Forderung, im Rahmen von Vorsorgeprogrammen die
Leberwerte im Blut zu kontrollieren. Lebererkrankungen zählen weltweit zu
den größten Gesundheitsproblemen und sie gehören zu den häufigsten
Todesursachen. Allein in Deutschland sind schätzungsweise etwa fünf
Millionen Menschen leberkrank. Trotzdem ist die Leber für viele Menschen
ein eher unbekanntes Organ, das nicht so viel öffentliche Aufmerksamkeit
bekommt wie beispielsweise das Herz oder das Gehirn. Deswegen freuten sich
Leber-Experten ganz besonders, als Anfang Oktober 2020 bekanntgegeben
wurde, dass der Nobelpreis für Medizin 2020 an drei Wissenschaftler geht,
die mit der Entdeckung des Hepatitis C-Virus einen entscheidenden Beitrag
zum Kampf gegen Hepatitis C geleistet haben.

„Die Hepatitis C ist heute in fast allen Fällen in kurzer Zeit und nahezu
ohne Nebenwirkungen heilbar. Das ist eine unvergleichliche
Erfolgsgeschichte in der Medizin. Aber auch viele andere Lebererkrankungen
sind inzwischen gut heilbar oder zumindest gut behandelbar. Damit können
wir die lebensbedrohlichen Spätfolgen von chronischen Erkrankungen der
Leber wie Leberzirrhose oder Leberzellkrebs verhindern. Daher ist es
letztlich unsere Pflicht, Lebererkrankungen so früh wie möglich zu
erkennen“, betont Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
der Deutschen Leberstiftung, und ergänzt: „Dieses Ziel können wir
erreichen, wenn die Kontrolle der Leberwerte als Bestandteil in die
Gesundheitsuntersuchung, wie der „Check-up 35“ heute heißt, aufgenommen
und die Ursache von erhöhten Leberwerten abgeklärt wird.“

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert
umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen,
ihre Diagnosen und Therapien – inzwischen in dritter, aktualisierter und
erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

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Deutscher Herzbericht 2019 bestätigt hervorragende herzchirurgische Versorgung in Deutschland

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie stellt
anlässlich des Deutschen Herzberichtes 2019 Zahlen zur Herzmedizin in
Deutschland und Entwicklungen des herzchirurgischen Fachgebiets vor.

(Frankfurt a.M., 12.11.2020) Vom Säugling bis zum Senior: Bundesweit und
flächendeckend sind die Deutschen seitens der Herzchirurgie auf
Spitzenniveau bestens versorgt. So zeigt es der aktuell in Frankfurt am
Main vorgestellte Deutsche Herzbericht 2019. Generell sind
Herzerkrankungen weiterhin vor Krebsleiden mit Abstand die Todesursache
Nummer eins in Deutschland. Zu sehen ist dies im Kontext des
demographischen Wandels und der altersbedingten, erworbenen
Herzerkrankungen.

„Die Herzchirurgie in Deutschland ist seit Jahren auf einem konstant hohen
Qualitätsniveau und gewährleistet die bestmögliche und
patientenindividuelle Versorgung“, erklärt Prof. Dr. Jan Gummert,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
(DGTHG). „Im Jahr 2018 wurden in den insgesamt 78 deutschen
Fachabteilungen für Herzchirurgie 98.707 Herzoperationen durchgeführt,
davon 11.147 (11,3%) als Notfälle. Inkludiert man alle erfassten
Eingriffskategorien der DGTHG-Leistungsstatistik und zählt
Herzschrittmacher- und Defibrillator-Eingriffe, sowie die Operationen der
herznahen Hauptschlagader ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu,
summiert sich die Gesamtzahl auf 174.902 im Jahr 2018.“

Im Mittelpunkt der aktuell 1.094 tätigen Herzchirurg*innen stünde immer
die Verbesserung der Lebenserwartung und Lebensqualität herzkranker
Patienten. „Die moderne High-Tech-Medizin sowie die Weiterentwicklung
innovativer Operationstechniken und -verfahren erlauben eine stetige
Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten, dies auch im Kontext des
steigenden Patientenalters“, so Herzchirurg Gummert.

Alter herzchirurgischer Patienten steigt im Kontext des demographischen
Wandels
Die Alterung der Bevölkerung spiegelt sich auch bei Patienten, die eine
Herzoperation benötigen wider, und folgt in ihrer Häufigkeit dem
demographischen Wandel. Unterteilt nach Altersgruppen, zeigt sich für die
ab 80Jährigen ein Anstieg um 3,9 Prozent auf 16,7 Prozent aller operierten
Herzpatienten, während der Anteil der Patienten in der Altersgruppe der
70-bis 80Jährigen von 38,2 Prozent (2011) auf 33 Prozent (2018) im selben
Zeitraum gesunken ist. Ein weiterer prozentualer Zuwachs um 0,5 bzw. 1,8
Prozent ist in den Altersgruppen der 50- bis unter 60Jährigen und 60-bis
unter 70Jährigen zu beobachten. Trotz dieser demographischen Entwicklungen
lag die Überlebensrate weiterhin nahezu konstant bei ca. 97 Prozent.

Erfreulicher Anstieg: 2018 mehr Herztransplantationen
Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen und damit die Zahl der
Herztransplantationen gestiegen: Nach dem Negativrekordjahr 2017 mit nur
257 transplantierten Herzen konnte im Jahr 2018 ein Anstieg auf 318
Herztransplantationen verzeichnet werden. Die DGTHG begrüßt sehr die
offensichtliche Zunahme der Organspendebereitschaft. Mit der
fachgesellschaftseigenen Kampagne, gestartet im Februar 2020 und
unterstützt u.a. von dem herztransplantierten Berliner Alexander Zielke,
sensibilisieren die Herzchirurg*innen weiter für das Thema Organspende und
werben dafür, sich auch weiterhin intensiv mit der komplexen Thematik zu
befassen. „Das menschliche Herz ist derzeit unersetzbar; die
Transplantation ist die beste Option für geeignete Patient*innen im
Endstadium einer Herzschwäche“, betont Prof. Gummert.

Herzunterstützungssysteme zur Überbrückung bis zur Transplantation oder
als alternative Dauertherapie
Mechanische Herzunterstützungssysteme sind für schwerkranke Herzpatienten
sowohl eine Option bis zur Transplantation, aber auch eine dauerhafte
Therapiemöglichkeit. Die Zahl der implantierten Herzunterstützungssysteme
ist von insgesamt 1.027 im Jahr 2017 auf 942 im Jahr 2018 gesunken, wobei
die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungssysteme bei 97 Prozent der
Patienten zum Einsatz kommen (903 LVAD, linksventrikuläres
Herzunterstützungssystem/16 BVAD, biventrikuläre Herzunterstützung). Eine
untergeordnete Rolle spielen die implantierbaren Kunstherzen („total
artificial heart“ TAH/Vollkunstherz) mit einer Zahl von 23 Implantationen.

Covid-19 beeinflusst aktuell nicht die Spendebereitschaft
Organspender werden auch weiterhin dringend benötigt. Allein in
Deutschland warten rund 9.000 Menschen auf geeignete Spenderorgane (Herz,
Niere, Leber etc.). Erfreulicherweise hat die Corona-Pandemie keine bisher
bekannten, direkten Auswirkungen auf die Spendebereitschaft in
Deutschland. Nach neuesten Angaben der DSO (Deutsche Stiftung
Organtransplantation) wurden im Jahr 2020 bereits insgesamt 278 Herzen
postmortal in Deutschland gespendet (Stand November 2020).

Covid-19 und herztransplantierte Patienten
Bis dato haben bei einer Datenerhebung in allen Zentren (bis 26. Juni
2020) 21 herztransplantierte Menschen mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert.
38 Prozent davon mussten beatmet werden; 33 Prozent sind von diesen
verstorben. „Herztransplantierte Patient*innen gehören durch Ihre komplexe
Erkrankung wie auch die Notwendigkeit der Unterdrückung des Immunsystems
klar zur Hoch-Risikogruppe und müssen geschützt werden“, betont Prof. Jan
Gummert.

Koronare Bypass-Versorgung: Kombinationseingriffe erfordern Abstimmung im
Herz-Team.
Im Jahr 2018 wurden bundesweit 44.270 (2017: 47.673) isolierte und
kombinierte koronare Bypass-Operationen durchgeführt, bei ca. 87 Prozent
unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Die Koronare Bypass-Operation und
Herzklappenchirurgie sowie weitere Eingriffe werden häufig kombiniert
(33.999 Bypass-Operationen zzgl. 8.370 Herzklappenoperationen und 1.901
weitere Eingriffe). Infolgedessen ist die interdisziplinäre Abstimmung im
etablierten Herz-Team obligat unter Einhaltung der nationalen und
europäischen Leitlinien: Bei der koronaren 3-Gefäß-Erkrankung und der
Hauptstammstenose empfehlen diese eindeutig (IA-Empfehlung) eine koronare
Bypass-Operation. Insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus profitieren
langfristig von dem herzchirurgischen Eingriff. Signifikante Vorteile
haben ebenfalls Patienten mit einer eingeschränkten LV-Funktion und
solche, bei denen vorangegangene Katheterinterventionen (PCI) nicht zu
einem stabilen Langzeiterfolg geführt haben.

Herzklappenoperationen sind Teamarbeit: Etabliertes Herz-Team obligat bei
Entscheidungsfindung
Welche Therapie für welche Patient*innen in Frage kommt, muss im
interdisziplinären Herz-Team gemäß den nationalen und europäischen
Leitlinien abgestimmt werden. Die Anzahl der Herzklappenoperationen steigt
im Kontext des Patientenalters, da die Aortenklappenstenose (Verengung der
Aortenklappe) und die Mitralklappeninsuffizienz (Undichtigkeit der
Mitralklappe) die häufigsten erworbenen, altersbedingten
Herzklappenerkrankungen sind. Insgesamt wurden 2018 bundesweit 34.915
(2017: 34.394) Herzklappeneingriffe vorgenommen. Auf Platz eins der
operationsbedürftigen Herzklappenerkrankungen steht die
Aortenklappenstenose mit 9.829 konventionellen Aortenklappenoperationen
(2017: 10.556). Beim Ersatz der Aortenklappe wird zu 90 Prozent eine
biologische und zu 10 Prozent eine mechanische Prothese implantiert, da
eine gute Haltbarkeit der biologischen Prothesen im Kontext mit dem
zumeist hohen bzw. noch zu erwartendem Lebensalter der Patienten
nachgewiesen ist. Die Altersgruppe der 70-bis 80Jährigen Patienten stellt
mit 38,3 Prozent die größte Altersgruppe dar; gefolgt von den 60- bis
70Jährigen mit 32,2 Prozent

Die zweithäufigste konventionell chirurgisch behandelte
Herzklappenerkrankung ist mit 6.222 herzchirurgischen Eingriffen im Jahr
2018 die Mitralklappeninsuffizienz (2017: 6.311). Bei der Behandlung gilt
die Mitralklappen-Rekonstruktion nach wie vor als Gold-Standard. Für
bestimmte Herzklappentherapien (TAVI, MitraClip), die von Herzchirurgen
und Kardiologen gemeinsam durchgeführt werden, muss die „Richtlinie
minimalinvasive Herzklappeninterventionen“ des Gemeinsamen
Bundesausschusses (2015) obligat eingehalten werden.

„In jedem Falle wollen wir die bestmögliche Therapie für jeden Herz-
Patienten“, erklärt Prof. Gummert. „Daher ist die interdisziplinäre und
multiprofessionelle Konsensfindung im Team ein überaus wertvolles und
zielführendes Instrument, um jeden Herz-Patienten mit bestmöglichem Wissen
beraten und behandeln zu können.“

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