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Statement: Pflegediskussion zu kurz gesprungen

Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences
Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences

Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse von der Frankfurt UAS fordert
Entlastung für Pflegekräfte, um Berufsfeld attraktiver zu gestalten
Eine hohe Arbeitsbelastung bei zu geringem Gehalt – durch diese beiden
Faktoren erweist sich die Gewinnung von Nachwuchs in Pflegeberufen als
besonders schwierig. Angesichts der aktuellen Diskussionen um
Tariferhöhungen oder Sonderzahlungen für Pflegekräfte sieht der
Frankfurter Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums
für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of
Applied Sciences (Frankfurt UAS), kaum Fortschritte im Kampf für eine
höhere Attraktivität des Pflegeberufs. „Anstatt sich primär den jährlich
immer gleichen Ritualen hinzugeben, sollte es substanzielle Überlegungen
geben, Pflegende zu entlasten und wieder in ihren originären Kern-
Kompetenzen agieren zu lassen“, fordert Busse.

„Warum denken wir nicht mal – analog zur Schulsozialarbeit – über den
Einsatz von Stationssozialarbeiterinnen und -arbeitern nach, um die
ständig steigenden Anforderungen an Pflegende im Hinblick auf soziale,
kulturelle oder familiäre Probleme der Patienten und Patientinnen
abzufedern?“, fragt Busse. Auch sieht er gerade in Krankenhäusern
weiterhin große Defizite in der Kommunikation und der teamorientierten
Arbeit zwischen ärztlichem Dienst und der Pflege. „Oft weiß die eine
Berufsgruppe nicht, was die andere tut. Dies empfinden viele Pflegekräfte
als sehr frustrierend.“

Ebenso könnten Unterstützungsmaßnahmen, wie bspw. flächendeckende Angebote
für Supervision oder Teambildung, Pflegenden dabei helfen, ihre
Arbeitsbelastungen besser zu verarbeiten. Laut Meinung des
Gesundheitsökonomen seien die Kommunikationstechnologien, die bei der
Unterstützung von Pflegenden eingesetzt werden, längst überholt. „Da
drückt ein Patient immer noch auf einen Klingelknopf, um eine Pflegekraft
zu rufen. Diese rennt dann Tag für Tag mehrere Kilometer, ohne zu wissen,
ob die Anforderungen zeitkritisch sind, nur ein Fenster geöffnet werden
soll oder der Ruf gar aus Versehen erfolgt ist. Das geht heute definitiv
auch anders.“

Ein Hauptproblem im Hinblick auf die vorhandene Diskussion ist laut Busse
allerdings die mediale Aufbereitung des Themas Pflege. „Warum sollen sich
eigentlich junge Menschen für diesen Beruf interessieren, wenn sie täglich
hören und sehen, wie schrecklich die aktuellen Zustände in der Pflege
sind? Der Pflegeberuf hat wirklich auch sehr erfüllende und interessante
Seiten, die es in der öffentlichen Wahrnehmung – trotz aller bestehenden
Herausforderungen – wieder mehr in den Vordergrund zu rücken gilt“, so
Busse. „Dies ist allerdings primär eine Aufgabe der Pflegenden selbst und
nicht der Medien.“

Gerne steht Prof. Busse für Interviews, Fragen und weitere Statements rund
um das Thema zur Verfügung.

Zur Person:
Thomas Busse ist seit 2001 Professor für Management von Pflege- und
Gesundheitseinrichtungen an der Frankfurt UAS. Er ist Gesundheitsökonom
und leitet den Master-Studiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement am
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Darüber
hinaus ist er Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht
(ZGWR) der Hochschule und berät zudem seit 1990 Krankenhäuser im
deutschsprachigen Raum in Hinblick u.a. auf die Themen Strategie- und
Prozessgestaltung.

Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR)
Das Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) bündelt die
Kompetenzen der Frankfurt University of Applied Sciences auf den Gebieten
Gesundheitswirtschaft, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsrecht und dient
als Plattform für die interdisziplinäre, fachbereichsübergreifende
Kooperation. Das wissenschaftliche Zentrum wurde 2009 im Zusammenwirken
der Fachbereiche Wirtschaft und Recht sowie Soziale Arbeit und Gesundheit
gegründet.

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Studie: Ketoazidose im Kleinkindalter wirkt sich auf die Hirnentwicklung aus

Eine diabetische Ketoazidose (DKA) kann Folgen für das kindliche Gehirn
haben, wie eine amerikanische Forschergruppe im Fachmagazin „Diabetes
Care“ zeigt. Anlässlich der bevorstehenden gemeinsamen Online-Jahrestagung
„JA-PED“ der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der
Deutschen Gesellschaft für Kinderdiabetologie und Endokrinologie (DGKED)
am 5. November 2020 weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf die
Notwendigkeit hin, Kinder mit Typ-1-Diabetes frühzeitig zu diagnostizieren
und ihre Stoffwechsellage engmaschig zu kontrollieren, um mögliche
Folgeschäden durch schwere Ketoazidosen zu vermeiden.

In der anhaltenden Corona-Pandemie zeigte sich in Deutschland eine
Verdopplung der Ketoazidose-Rate bei Kindern am Beginn der
Diabeteserkrankung, wie eine weitere Untersuchung belegt.
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In einer Studie im Fachmagazin „Diabetes Care“ fanden Forscher heraus,
dass bei Kindern eine schwere diabetische Ketoazidose (DKA) zu kognitiven
Einschränkungen führen kann.1 „Eine mittelschwere bis schwere
Stoffwechselentgleisung wirkt sich bei den Betroffenen negativ auf die
Aufmerksamkeitsleistung aus – im Vergleich zur Gruppe der Kinder, die
keine oder nur eine milde DKA hatten“, fasst DDG Vizepräsident Professor
Dr. med. Andreas Neu die Ergebnisse zusammen. „Diese Erkenntnis ist
alarmierend. Denn mehr als jedes fünfte Kind kommt bei
Diabetesmanifestation mit einer Ketoazidose ins Krankenhaus, in rund sechs
Prozent der Fälle liegt bereits eine schwere DKA vor.“

Bisher gab es nur wenige wissenschaftliche Hinweise darauf, inwiefern sich
eine Episode einer diabetischen Ketoazidose im Kleinkindalter auf die
Gehirnentwicklung und so auf die kognitive Leistung von Kindern mit
Typ-1-Diabetes auswirkt. Das amerikanische Forscherteam um Tandy Aye hat
nun Daten von 144 Kindern mit Typ-1-Diabetes im Alter von vier bis zehn
Jahren untersucht. Von diesen Kindern haben die Forscher zu Studienbeginn
und nach 18 Monaten einen Hirnscan und kognitive Tests gemacht und die
Ergebnisse verglichen. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der
Schwere der Ketoazidose, dem Gehirnwachstum und den kognitiven Leistungen.

Mehr Aufklärung der Eltern notwendig – insbesondere während der Corona-
Pandemie

„Die Studie zeigt, dass gerade im Kleinkindalter ein starker Insulinmangel
und die dadurch bedingte Übersäuerung im Blut Folgen auf die
Gehirnentwicklung und auf die Lern- und Konzentrationsfähigkeit haben
kann“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Vorsitzender der AG
Pädiatrische Diabetologie der DDG aus Leipzig. Umso wichtiger sei es, die
individuelle Diabetesschulung für Kinder und Eltern noch mehr im Blick zu
haben: „Um eine DKA zu vermeiden, müssen Eltern die ersten Symptome
erkennen können. Auch hier brauchen wir mehr Aufklärung.“

Neben vermehrtem Durst, starkem Harndrang, Gewichtsabnahme, Übelkeit und
Erbrechen gehören auch eine beschleunigte Atmung sowie Azetongeruch der
Atemluft zu den ersten Anzeichen einer DKA. Da es im weiteren Verlauf zu
Muskelschwäche, Bewusstseinsstörungen oder einem diabetischen Koma kommen
kann, gehören betroffene Kinder sofort in eine notärztliche Betreuung.
„Insbesondere während der jetzigen Corona-Zeit können klassische Symptome
wie beschleunigte Atmung fehlgedeutet und für einen Atemwegsinfekt
gehalten werden“, warnt Kapellen. „Hier kann wertvolle Zeit verstreichen
bis die tatsächliche Ursache feststeht.“

So hat kürzlich eine JAMA-Publikation aus Deutschland gezeigt, dass sich
die Rate einer Ketoazidose bei Diabetesmanifestation von Kindern und
Jugendlichen während des Corona-Lockdowns verdoppelt hat.2 „In dieser Zeit
bekam fast jedes zweite Kind eine verspätete Diagnose“, resümiert
Professor Dr. med. Reinhard Holl, Mitautor der Studie und Koordinator des
DPV-Registers. Kleinkinder waren besonders betroffen. Neben
Fehlinterpretationen der Symptomatik durch Eltern oder Ärzte lasse sich
dies auch auf die Angst vor der Ansteckung mit COVID-19 in Arztpraxen und
Kliniken zurückführen. Der DDG Experte aus Ulm warnt davor, dass eine
weitere Welle zu einer ähnlichen Situation führt und fordert Eltern und
alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dazu auf, erste
Warnsignale ernst zu nehmen und gegebenenfalls umgehend einen Kinderarzt
oder eine Kinderklinik aufzusuchen.
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Terminhinweis:

Gemeinsame Online-Jahrestagung „JA-PED“ der Arbeitsgemeinschaft
Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der Deutschen Gesellschaft für
Kinderdiabetologie und Endokrinologie (DGKED) am 5. November 2020 <https
://ja-ped.de/>

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der rund sieben Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Herzschwäche durch Bluthochdruck: Was tun gegen das Hochdruckherz?

Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München  Foto: DHS/Andreas Malkmus
Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München Foto: DHS/Andreas Malkmus

Bluthochdruck geht meistens der diastolischen Herzschwäche voraus.
Herzstiftungs-Experte zeigt auf, wie sich Beschwerden lindern lassen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben in Deutschland nach Schätzungen bis
zu vier Millionen Menschen. Herzschwäche ist keine eigenständige
Krankheit, sondern die Folge anderer Herzerkrankungen. In etwa 70 % der
Fälle entwickelt sich die Herzerkrankung aus der koronaren Herzkrankheit
(KHK) – meist infolge eines oder mehrerer Herzinfarkte – und langjährigem
Bluthochdruck, der nicht optimal eingestellt ist oder nicht (ausreichend)
behandelt wird. Unter den ca. 20 Millionen Betroffenen mit hohem Blutdruck
hierzulande sind etwa vier Millionen unerkannte Fälle. „Hoher Blutdruck
führt auf Dauer wegen der chronischen Druckbelastung auf das Herz zu einer
Verdickung des Herzmuskels. Das Herz wird dadurch steifer und verliert an
Leistungskraft“, sagt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. „Umso wichtiger ist es, dass
Blutdruck optimal eingestellt ist, wenn er zu hoch ist, sonst drohen Herz
und Gefäßen Schädigungen bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall und
Herzschwäche“, warnt der Direktor der Klinik für Herz- und
Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München anlässlich der
bundesweiten Herzwochen. Deutschlands größte Aufklärungskampagne zu Herz-
Kreislauf-Erkrankungen widmet sich mit zahlreichen Aktionen unter dem
Motto „Das schwache Herz“ der Volkskrankheit Herzschwäche (Ursachen,
Symptome, Therapien). Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020

Frauen leiden häufiger an „Hochdruckherz“
Fast alle Patienten mit einer diastolischen Herzschwäche, die auf einer
Störung der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) beruht, haben
Bluthochdruck. Deshalb wird die diastolische Herzschwäche auch
„Hochdruckherz“ genannt. Viele der Patienten haben aber zusätzlich
Diabetes oder Übergewicht. „Eine ungünstige Konstellation, die den
schädigenden Effekt auf die Gefäße verstärkt und den Alterungsprozess des
Herzens beschleunigt“, warnt Schunkert. Die diastolische Herzschwäche, bei
der die Füllung des Herzens vor dem nächsten Herzschlag gestört ist, ist
häufig in Deutschland: Bis zu 5 % aller über 70-Jährigen leiden daran,
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Bei dieser
Herzerkrankung fehlt dem Herzen wegen der Herzmuskelverdickung die
Elastizität, um die linke Herzkammer ausreichend mit Blut zu füllen. „Das
Herz muss mit höherem Druck gefüllt werden“, erklärt der Kardiologe. Die
Folgen für Betroffenen sind Beschwerden wie Luftnot bei Belastung,
manchmal auch in Ruhe, verminderte Leistungsfähigkeit,
Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen oder an den Knöcheln (Ödeme) und
plötzliche nächtliche Luftnotanfälle. „Patienten und insbesondere Frauen
sollten bei diesen Beschwerden beim Arzt auf eine Ultraschalluntersuchung
ihres Herzens bestehen.“

Ausdauer- und Krafttraining für mehr Elastizität
Bei der diastolischen Herzschwäche gibt es trotz großer Anstrengungen der
Forschung bisher keine gut wirksamen Medikamente. „Aber man kann mit hohem
Blutdruck die Hauptursache der diastolischen Herzschwäche gut behandeln
und mit einer Kombination von Ausdauer- und Krafttraining erreichen, dass
der Herzmuskel elastisch bleibt und die Belastbarkeit des Patienten
steigt“, betont Kardiologe Schunkert. Das Training sollte erst nach
Rücksprache mit dem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen erfolgen und
kann in Form von Radfahren, Schwimmen oder Walking oder Ergometertraining
durchgeführt werden. Wichtig ist nur, dass das Training regelmäßig
(mindestens 2- bis 3-mal pro Woche) und für eine Dauer von mindestens 30
Minuten erfolgt. Muskelkräftigende Übungen (z. B. mit dem TheraBand)
können den Erfolg des Ausdauertrainings gut unterstützen.
Ebenso wichtig ist es auch andere Begleiterkrankungen der Herzschwäche zu
erkennen und zu behandeln. Diabetes sollte so gut wie möglich eingestellt
werden. Der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c sollte unter 6,5 % liegen.
Übergewicht sollte durch Diät und/oder körperliche Aktivität abgebaut
werden, weil sich dadurch ebenfalls die diastolische Herzschwäche bessern
kann. Beim Auftreten von Vorhofflimmern sollte versucht werden, den
normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Gelingt das
nicht, sollte eine hohe Herzfrequenz medikamentös gesenkt werden (z. B.
Digitalis, Betablocker, Verapamil).

Wie entgeht man dem Hochdruckherz?
Bluthochdruck ist nicht nur mit Blick auf die (chronische) diastolische
Herzschwäche bedenklich. In hohem Lebensalter und bei einem
vorgeschädigten Herzen kann Bluthochdruck außerdem eine lebensgefährliche
akute Herzschwäche auslösen und verstärken. „Vor einer Herzschwäche
schützen sich Hochdruckpatienten am besten, indem sie ihren Blutdruck
idealerweise auf maximal 130/80 mmHg senken, bei Patienten über 80 Jahre
wird unter 150/90 mmHg toleriert“, rät Schunkert. „Die konsequente Senkung
erhöhter Blutdruckwerte durch einen gesunden Lebensstil, allen voran
Ausdauerbewegung, Abbau von Übergewicht und durch konsequente Einnahme der
blutdrucksenden Medikamente ist eine besonders wirksame Vorbeugung der
chronischen Herzschwäche.“

Vermeidbares Leid: Gesunder Lebensstil halbiert Risiko für Herzschwäche
Studien belegen, dass unser heutiger Lebensstil die Hauptursache der
koronaren Herzkrankheit, der Grunderkrankung des Herzinfarkts, und
zugleich maßgeblich für die Entstehung von Bluthochdruck verantwortlich
ist. Eine Beobachtungsstudie an mehr als 20.000 amerikanischen Ärzten
(Djoussé et al., JAMA 2009) ergab, dass diejenigen Teilnehmer, die gesund
lebten (u.a. Körpergewicht unter 25 Body Mass Index (BMI), Rauchverzicht,
regelmäßige Ausdaueraktivität an fünf Tagen pro Woche, moderater
Alkoholkonsum) ihr Risiko für eine Herzschwäche halbierten. Auch ein hohes
genetisches Risiko für Herzinfarkt und Herztod lässt sich durch einen
gesunden Lebensstil deutlich vermindern (Khera A., et al NEJM 2016).
Deshalb sollte jeder im Alter zwischen 40 und 50, bei familiärer
Vorbelastung noch früher, regelmäßig Blutdruck, Cholesterinwerte und
Blutzucker untersuchen lassen, um die Risikofaktoren für Herzerkrankungen
(Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes) früh zu entdecken.
Werden diese rechtzeitig behandelt, schützt man sich vor Herzinfarkt,
Schlaganfall und Herzschwäche.

Das Experten-Video „Ist eine Herzschwäche vermeidbar?“ mit Prof. Dr.
Heribert Schunkert erreichen Sie unter: https://youtu.be/fg9_cxVn14s

Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe

Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020 und
www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Kostenfreies Bildmaterial erhalten Sie bei der Pressestelle unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder im Pressebereich unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe

Machen Sie den Risiko-Test
Mit dem Herzinfarkt-Risikotest möchte die Herzstiftung helfen
abzuschätzen, ob aufgrund von Risikofaktoren eine Herzinfarkt-Gefährdung
vorliegt. Zum Risikotest unter www.herzstiftung.de/risiko

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Organspende: Intensivmediziner unterstützen neue Richtlinie der Bundesärztekammer zur Spendererkennung

Professor Klaus Hahnenkamp  Universitätsmedizin Greifswald
Professor Klaus Hahnenkamp Universitätsmedizin Greifswald

Entscheidende Frage am Lebensende eines Patienten: Wer kommt bei
schwerster Hirnschädigung aus ärztlichen Gesichtspunkten als Organspender
infrage? Klarheit schafft nun die zum 1. September in Kraft getretene
Richtlinie „Spendererkennung“ der Bundesärztekammer. „Diese hat eine
entscheidende Bedeutung für die Abläufe im Rahmen der Organspende auf den
Intensivstationen“, sagt Professor Klaus Hahnenkamp, Mitautor der neuen
Richtlinie sowie Sprecher der DIVI-Sektion „Organspende und
Organtransplantation“. Anspruch der Autorinnen und Autoren der Richtlinie
sei, bestehende Rechtsunsicherheiten bei der Organspende durch klare und
eindeutige Definitionen abzulösen.

Die neue Richtlinie löst bestehende Festlegungen aus dem Jahr 2007 ab. Die
aktuelle Fassung ist zudem neu strukturiert worden, um im
Patienteninteresse ärztliche Handlungssicherheit in einer immer komplexer
werdenden Versorgungs- und Behandlungssituation zu gewährleisten. Die
neuen Festlegungen haben Auswirkungen auf die ärztliche Beurteilung
potenzieller Organspender, die erforderlichen organerhaltenden Maßnahmen,
die in diesem Zusammenhang notwendigen Abläufe bis zur Feststellung des
irreversiblen Hirn-Funktionsausfalls, die Einbeziehung der
Koordinierungsstelle und die Einbeziehung des Patientenvertreters sowie
der Angehörigen. „Die neue Richtlinie zur Spendererkennung orientiert sich
nun an den praktischen Herausforderungen“, sagt Hahnenkamp, Direktor der
Klinik für Anästhesiologie an der Universitätsmedizin Greifswald.

Neue medizinische, rechtliche und ethische Aspekte zur ärztlichen
Beurteilung potenzieller Organspender

Die Überarbeitung ist dringend notwendig geworden, nachdem sich aus den
jüngsten Novellierungen des Transplantationsgesetztes, des Dritten
Gesetzes zur Änderung des Betreuungsrechts, des Patientenrechtegesetzes
sowie den Stellungnahmen der Bundesärztekammer, des Deutschen Ethikrates
und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI) neue medizinische, rechtliche und ethische Aspekte
zur ärztlichen Beurteilung potenzieller Organspender ergeben haben.
„Kernelement der Richtlinie ist, dass wir als intensivmedizinisch tätige
Ärzte im Krankenhaus eine Organspende bei potenziellen Organspendern
ermöglichen müssen, wenn ein prinzipieller Wunsch zur Organspende
besteht“, erläutert Hahnenkamp. „Der Wunsch nach einer Organspende soll
bereits zum Zeitpunkt eines zu erwartenden oder vermuteten
Hirnfunktionsausfalls erfragt und eruiert werden. Insbesondere, bevor eine
Organspende durch Überleiten auf ein palliatives Therapieziel unmöglich
wird.“

Patientenwille für medizinische Maßnahmen durch frühzeitige Entscheidungen
sicherstellen

Falls der Wunsch nicht im Vorfeld schriftlich festgehalten wurde, muss ein
Gespräch mit den Patientenvertretern geführt werden. Im Rahmen von
sogenannten „End-of-Life-Decisions“ muss auch eine medizinisch mögliche
Option der Organspende berücksichtigt werden. „Im Behandlungsablauf von
Patienten mit schwersten Hirnschädigungen wird somit die Achtung des
Patientenwillens durch frühzeitige partizipative Entscheidungsfindung für
medizinische Maßnahmen und Therapieziele sichergestellt“, sagt Klaus
Hahnenkamp. Bestehe kein Wunsch nach einer Organspende, könne bereits vor
Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls auf ein palliatives
Therapieziel übergeleitet werden. „Besteht der Wunsch einer Organspende,
dann werden intensivmedizinische Maßnahmen veranlasst, bis die
Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erfolgt ist“, so
Hahnenkamp. Nach dessen Feststellung werden dem Transplantationsgesetz
folgend die nächsten Angehörigen abschließend gefragt, ob eine Zustimmung
zur Organspende (weiterhin) vorliegt. Bis zur Durchführung der
postmortalen Organspende werden intensivmedizinische Maßnahmen zur
Sicherung der Homöostase der Organe weiter aufrechterhalten. Der
Transplantationsbeauftragte begleitet den Gesamtprozess als
Ansprechpartner im Krankenhaus.

Die komplette Richtlinie zur Spendererkennung finden Sie auf der Website
der Bundesärztekammer.


Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/RL/RiliSpendererkennung_2020-09-01.pdf
https://www.divi.de/presse/pressemeldungen/pm-organspende-intensivmediziner-unterstuetzen-neue-richtlinie-der-bundesaerztekammer-zur-spendererkennung

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