Covid-19 im Leistungssport: Wie gefährdet sind die jungen Herzen?
Herzstiftung fördert Tübinger Forschungsarbeit: Wie wirkt sich eine
Coronavirus-Infektion auf die Herzfunktion von Sporttreibenden aus?
Die Corona-Pandemie betrifft nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens.
Sportgroßereignisse wie die Olympischen Spiele und die Fußball-EM wurden
bereits verschoben. Vorübergehend war der Trainings- und Wettkampfbetrieb
nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, ehe in den letzten Wochen unter
strengen Auflagen wieder Training und teilweise auch Wettkämpfe (z. B. die
Fußball-Bundesliga) aufgenommen wurden. Als gesichert gilt, dass im Rahmen
von Covid-19 auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Vor
allem von Personen mit einem schwerwiegenden Krankheitsverlauf weiß man,
dass eine Schädigung des Herzens mit einer schlechten Prognose einhergeht.
Wann wird Covid-19 auch bei sportlich fitten Menschen bedrohlich?
Dass auch Leistungssportler einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf einer
Coronavirus-Infektion erleiden können, zeigt etwa der Fall des
italienischen Mittelstreckenläufers Edoardo Melloni, der wegen Covid-19 in
die Notaufnahme musste. Sportlerinnen und Sportlern, die eine
Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben und aufgrund ihres Alters und ihrer
körperlichen Fitness nicht zur Risikogruppe für einen schweren
Covid-19-Verlauf zählen, drohen womöglich ernste Herz-Kreislauf-
Komplikationen, wenn sie zu früh wieder mit dem Training beginnen. Bisher
ungeklärt ist, ob auch mildere Verläufe, wie sie etwa vor allem bei jungen
Sporttreibenden auftreten – zu Komplikationen am Herzen führen können.
„Möglicherweise könnte ein zu früher Wiedereinstieg ins Training nach
Covid-19 mit einem höheren Risiko für eine Herzmuskelentzündung oder
gefährliche Herzrhythmusstörungen einhergehen“, sagt der Kardiologe und
Sportmediziner Prof. Dr. med. Christof Burgstahler, Leitender Oberarzt an
der Medizinischen Klinik V: Sportmedizin des Universitätsklinikums
Tübingen. Der Arzt und Forscher geht in einem von der Deutschen
Herzstiftung mit 10.000 Euro unterstützten Forschungsvorhaben mit dem
Titel „Covid-19-Infektionen im Sport – eine Online-Erhebung“ unter anderem
der Frage nach, ob Leistungssportler nach einer Covid-19-Erkrankung auch
mit Symptomen einer Herzbeteiligung zu tun hatten und wann sie nach der
Coronavirus-Infektion ihr Training wieder aufgenommen haben.
Wie sollen sich Sporttreibende nach einer Covid-19-Erkrankung verhalten?
Burgstahler und seine Forscherkollegen haben daher einen Online-Fragebogen
entwickelt und an Leistungssportlerinnen und -sportler geschickt.
„Insgesamt zehn spezifische Fragen umfasst der Online-Fragebogen, so dass
wir eine hohe Bereitschaft zur Teilnahme an der Umfrage erwarten“, betont
Burgstahler. Bereits über 1.200 Rückmeldungen liegen vor, darunter „auch
ein gewisser Prozentsatz mit der Schilderung kardialer Symptome nach einer
Covid-19-Erkrankung“, wie der Arzt und Forscher berichtet. Die Erhebung
erfolgt über einen Online-Fragebogen. Dieser beinhaltet neben der Abfrage
demographischer Daten spezifische Fragen u. a. zu
- Symptomen einer Herzbeteiligung und nicht-kardialen Symptomen
- Symptomdauer
- durchgeführten Tests
- Dauer der Trainingspause
- Auftreten einer Infektion im Umfeld der Sporttreibenden.
Der Fragebogen soll einen Überblick über die aktuelle Situation der
Sporttreibenden geben und Rückschlüsse für medizinische Empfehlungen
ermöglichen, wie sie sich nach einer Covid-19-Erkrankung verhalten sollen:
Welche körperlichen Aktivitäten sind bei milderen Krankheitsverläufen
ratsam, welche sind zu vermeiden?
Nach mehreren Monaten soll der Fragebogen nochmals ausgefüllt werden.
Davon versprechen sich die Tübinger Forscher Informationen darüber, welche
Symptome einer möglichen Herzbeteiligung (z. B. Herzstolpern, Herzrasen
oder Luftnot unter Belastung) bei Sporttreibenden vorliegen, die eine
Infektion durchgemacht haben. Auch soll die erneute Abfrage es den
Medizinern erlauben, eine Änderung der Lage erfassen zu können. Zunächst
sollen Leistungssportlerinnen und -sportler befragt werden, im weiteren
Verlauf ist eine Ausweitung auf Freizeit- und Breitensportler möglich.
„Dank der Kürze des Fragebogens erwarten wir eine hohe Bereitschaft an der
Umfrage teilzunehmen“, gibt sich der Tübinger Mediziner zuversichtlich.
Covid-19-Forschungsförderung der Deutschen Herzstiftung
Die Pandemie durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ist für Menschen
mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und angeborenen Herzfehlern mit hohen
Risiken verbunden. Für viele Covid-19-Erkrankte sind die Folgen für Herz
und andere Organe gravierend bis hin zu langfristigen Beeinträchtigungen
der Herz- und Lungenfunktion. Mit dem Ziel, möglichst rasch zur Klärung
der dringlichsten Fragestellungen zum neuartigen Coronavirus im
Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und angeborenen Herzfehlern
beizutragen, hat die Deutsche Herzstiftung in einer Ad-hoc-Initiative eine
Million Euro für die Forschungsförderung im Kampf gegen SARS-CoV-2
bereitgestellt. Von insgesamt 60 Forschungsanträgen wurden 14
Forschungsvorhaben für eine Projektförderung mit einem Gesamtfördervolumen
von über 940.000 Euro bestimmt.
„In einer Extremsituation wie der Pandemie durch das neuartige Coronavirus
sind neue Forschungsergebnisse äußerst wichtig, um Prävention und
Behandlung zu verbessern“, betont der Notfallmediziner und Kardiologe
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Sein Stellvertreter im Herzstiftungs-Vorstand Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer fügt hinzu „Wir wollen mit der Förderung möglichst
rasch auf dem Boden hochkarätiger Forschung verlässliche Erkenntnisse in
Diagnostik und Therapie gewinnen, die helfen, Herz-Kreislauf-Patienten vor
den Folgen einer Covid-19-Erkrankung zu schützen.“
Infos zu den Forschungsprojekten unter
www.herzstiftung.de/COVID-19-P
Ein Video-Clip „Covid-19 im Leistungssport: Wie gefährdet sind die jungen
Herzen?“ mit dem Tübinger Forscher Prof. Christof Burgstahler ist abrufbar
unter:
www.youtube.com/watch?v=4ABors
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