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Gesundheit

Rheuma und kardiovaskuläres Risiko: EULAR präzisiert Therapieempfehlungen bei der rheumatoiden Arthritis

Die Therapie der rheumatoiden Arthritis wird kontinuierlich
weiterentwickelt. Neuere Erkenntnisse zur Verträglichkeit von bislang
verordneten Rheuma-Medikamenten haben nun zu einer Überarbeitung der
Therapieempfehlungen der European Alliance of Associations for
Rheumatology (EULAR) geführt: Um das kardiovaskuläre Risiko für
Patient:innen zu minimieren, sollen Glukokortikoide nur in sehr geringer
Dosis und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Auch für die
Medikamentengruppe der Januskinase-Inhibitoren gibt die EULAR neue
Anwendungshinweise. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
(DGRh) begrüßt die Anpassung der EULAR-Empfehlungen.

Sie finden diese Meldung auch online unter:
<https://www.dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2022
/Pressemitteilung-Nr.-6-2022.html
>

Zum Zeitpunkt der Diagnose „rheumatoide Arthritis“ (RA) leiden die
Betroffenen häufig bereits unter ausgeprägten Beschwerden: Gelenke im
ganzen Körper sind schmerzhaft entzündet, die Lebensqualität ist deutlich
eingeschränkt. Weil die Wirkung der Basistherapie mit so genannten
konventionellen, synthetisch hergestellten DMARDs (Disease Modifying Anti-
Rheumatic Drugs) wie z.B. Methotrexat nur verzögert einsetzt, werden diese
zunächst mit Glukokortikoiden (Kortison-Präparate) kombiniert. Diese
unterdrücken die Entzündung rasch, lindern die Krankheitssymptome sofort
und überbrücken somit die Zeit bis zur Wirkung der Basismedikamente.
„Glukokortikoide haben jedoch ein breites Spektrum an möglichen
unerwünschten Wirkungen, vor allem wenn sie über eine längere Zeit oder in
hoher Gesamtmenge eingenommen werden“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Krause,
Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Präsident der DGRh. „Im
Hinblick auf kardiovaskuläre – also das Herz und Gefäßsystem betreffende –
Ereignisse zählen u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall, entgleister
Bluthochdruck und Thrombosen dazu.“ Daher achten Rheumatolog:innen sehr
darauf, Glukokortikoide nur so kurz wie möglich und so niedrig wie nötig
zu dosieren. Dies wird in den EULAR-Empfehlungen nun noch einmal
konkretisiert. Die aktuelle Empfehlung der EULAR (2022) zum Ausschleichen
der begonnenen Glukokortikoid-Therapie wurde gegenüber der vorherigen
Empfehlung aus dem Jahr 2019 insofern verschärft, als dass Glukokortikoide
nicht nur so schnell wie möglich reduziert, sondern reduziert und dann
abgesetzt werden sollen. Diese überarbeitete Empfehlung stimmt mit der
Leitlinie der DGRh überein, welche bereits 2018 empfahl, dass die
Glukokortikoid-Therapie auf drei bis sechs Monate beschränkt werden soll.
„Dies impliziert, dass auch sehr geringe Dosen von weniger als fünf
Milligramm pro Tag demnach nicht als Dauertherapie gegeben, sondern weiter
reduziert und abgesetzt werden sollen“, so Krause. Denn für das
kardiovaskuläre Risiko sei nicht nur die tägliche, sondern auch die im
Laufe der Zeit eingenommene Gesamtmenge an Glukokortikoiden
ausschlaggebend.

Aktualisiert hat die EULAR auch die Empfehlungen zu den so genannten
Januskinase-Inhibitoren (JAK-Hemmer). Diese noch junge Gruppe von
synthetisch hergestellten DMARDs (tsDMARDs) blockiert die für
Entzündungsprozesse wichtigen Enzyme der Familie der Januskinasen. „Zu
diesen Wirkstoffen sind in den vergangenen Monaten teils widersprüchliche
Studienergebnisse publiziert worden“, sagt Krause. Vor allem die von der
US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA in Auftrag gegebene ORAL
Surveillance Studie habe Fragen zur Sicherheit des JAK-Hemmers Tofacitinib
bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko aufgeworfen. An
der Studie hatten über 4300 Patienten, die an einer RA erkrankt waren und
das 50. Lebensjahr überschritten hatten, teilgenommen. Bei den
Studienteilnehmer:innen, die Tofacitinib erhielten, traten geringfügig
häufiger schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auf – etwa Herzinfarkte
oder Schlaganfälle – als in einer Vergleichsgruppe von Patient:innen, die
mit einem TNF-Blocker behandelt wurde. Auch Lungenkrebserkrankungen waren
unter Tofacitinib etwas häufiger. „Diese Effekte sehen wir in
Registerdaten allerdings nicht“, betont Krause und verweist auf eine
kürzlich publizierte Auswertung des deutschen RABBIT-Registers. Hier war
die Einnahme von JAK-Hemmern nicht mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko
verbunden.
Auch die EULAR-Empfehlung rät von JAK-Inhibitoren daher nicht generell ab.
In ihrem angestammten Einsatzgebiet – als Zweitlinientherapie, wenn
konventionelle DMARDs nicht ausreichend ansprechen – können sie weiterhin
gegeben werden, so die EULAR. In der Abwägung gegenüber dem Einsatz von
Biologika müssen dabei die einschlägigen Risikofaktoren (u.a. die
kardiovaskulären und infektiologischen Risikofaktoren) besonders
berücksichtigt werden.

„Solche individuellen Risikofaktoren spielen bei jeder
Therapieentscheidung eine wichtige Rolle“, sagt PD Dr. med. Jan Leipe,
Sektionsleiter Rheumatologie am Universitätsklinikum Mannheim. Das gelte
auch für andere Risiken und Begleiterkrankungen, die bei RA-Patienten
vermehrt auftreten, wie etwa Osteoporose, Infektionen, Krebs oder
Depressionen, so Leipe, der die Entwicklung der neuen DGRh-Leitlinie zu
kardiovaskulären Komorbiditäten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
koordiniert. Generell gelte es, individuelle Risikofaktoren zu
identifizieren, die Patient:innen über deren Bedeutung für die RA-Therapie
aufzuklären und gemeinsam zu einer Therapieentscheidung zu kommen.
„Patienten sprechen unterschiedlich auf medikamentöse Therapien an, und
auch die Nebenwirkungen unterscheiden sich“, ergänzt DGRh-Präsident
Krause. Daraus ergäben sich persönliche Präferenzen, die bei der Wahl der
Behandlung berücksichtigt werden sollten – denn nicht zuletzt sei auch die
Therapietreue entscheidend dafür, wie gut die Erkrankung und mögliche
Komplikationen beherrscht werden könnten. Es sei daher sehr zu begrüßen,
dass auch die neuen EULAR-Empfehlungen die Therapiefreiheit im
Wesentlichen aufrechterhielten.

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Literatur:
Meissner Y, Albrecht K, Kekow J, et al. OP0135 RISK OF CARDIOVASCULAR
EVENTS UNDER JANUS KINASE INHIBITORS IN PATIENTS WITH RHEUMATOID
ARTHRITIS: OBSERVATIONAL DATA FROM THE GERMAN RABBIT REGISTER Annals of
the Rheumatic Diseases 2022;81:86-87.

Prof. Dr.  Josef S. Smolen, Update of the EULAR Recommendations on the
management of Rheumatoid Arthritis, EULAR 2022, 1. Juni 2022)

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Achtung Hitze: Kleinkinder und Babys sind besonders gefährdet

Babys und Kleinkinder sind bei Hitze besonders gefährdet: Sie dehydrieren
schneller, bekommen eher Sonnenbrand oder einen Sonnenstich. Der Grund:
Kinder schwitzen weniger als Erwachsene und geben dadurch weniger Wärme
ab. Andererseits erzeugen sie bei körperlichen Aktivitäten mehr
Stoffwechselwärme als Erwachsene. Bei extremer Hitze und großer
Anstrengung gelingt es dem kindlichen Körper dann oft nicht mehr, seine
Temperatur genügend abzusenken. Das Informationsportal https://www.klima-
mensch-gesundheit.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) gibt Eltern Tipps, wie sie ihren Nachwuchs am besten vor Hitze
schützen können.

Zudem informiert die BZgA zum Thema Sonnenschutz auf https://www
.kindergesundheit-info.de, dem Informationsportal der BZgA zur
Kindergesundheit.

BZgA-Tipps zum Schutz von Kindern vor Sonne und Hitze:

- Unbedingt darauf achten, dass das Kind genug trinkt.

- Kinder, die jünger als ein Jahr sind, niemals direkt der Sonne
aussetzen.

- Kleinkinder bis vier Jahre sollten die intensive Mittagssonne zwischen
10 und 17 Uhr meiden und sich während dieser Zeit im Schatten oder – noch
besser – im Haus aufhalten. Das schützt nicht nur vor Hitze, sondern auch
vor UV-Strahlung.

- Aktivitäten im Freien in den kühleren Morgen- und Abendstunden
einplanen. Möglichst schattige Plätze wählen und immer auf sonnengerechte
Kleidung achten, auch im Schatten. Dazu gehören auch eine Kopfbedeckung,
eine Sonnenbrille sowie Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von
mindestens 30. Diese 30 Minuten bevor es nach draußen geht auftragen.

- Ausreichender Sonnenschutz ist vor allem bei Aufenthalten am und im
Wasser wichtig: Wasser reflektiert die UV-Strahlung und verstärkt sie
dadurch. Kinder nach dem Planschen daher immer neu eincremen. Achtung: Die
durch den LSF angegebene Schutzdauer wird durch das Nachcremen nicht
verlängert, sondern nur erhalten.

- Im geparkten Auto kann es schnell extrem heiß werden. Kinder dürfen auf
keinen Fall im parkenden Auto zurückgelassen werden, denn dies kann
lebensbedrohlich für sie sein.

- Kinder können sich beim Spielen mit Wasser abkühlen. Wichtig: Kinder
sollten beim Planschen mit Wasser nie unbeaufsichtigt sein.

- Möglichst im kühlsten Raum der Wohnung aufhalten – auch nachts. Babys
oder Kleinkinder am besten im kühlsten Raum der Wohnung und nicht zu warm
bekleidet oder zugedeckt schlafen legen.

Weiterführende BZgA-Informationen:
https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitze-und-hitzeschutz/empfehlungen-
fuer-eltern-von-babys-und-kleinkindern/

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-
vorbeugen/sonnenschutz/

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Gesunde Pausen

SRH Hochschule für Gesundheit erklärt in einem Online-
Expert:innengespräch, wie regelmäßige Pausen die Gesundheit erhalten und
fördern.

„Termindruck, lange To-Do-Listen, schnelle Veränderungen in der täglichen
Arbeit und zunehmende Arbeitsanforderungen: Pausen zu machen, klingt in
diesem Kontext fast wie ein Luxus. Doch dabei erhalten regelmäßige Pausen
die Gesundheit und fördern die Leistungsfähigkeit. Grund genug also für
eine gesunde Pausenkultur“, sagt Prof. Dr. Dorothea Portius,
Studiengangsleiterin im Bachelor-Studiengang Ernährungstherapie und
-beratung am Campus Gera der SRH Hochschule für Gesundheit.

Was genau bedeutet aber ‚gesunde Pause‘? Dieser Frage gehen Prof. Dr.
Dorothea Portius und Prof. Dr. Katharina Wick, Departmentleiterin
Psychologie und Studiengangsleiterin im Master-Studiengang Psychische
Gesundheit und Psychotherapie, im Rahmen eines Expert:innengesprächs am
15. August 2022 um 17 Uhr nach. Dabei sollen die wichtigsten Aspekte einer
gesunden Pause in den Fokus genommen werden: Entspannung, Bewegung und
Ernährung. Ebenso werden wertvolle Tipps gegeben, wie diese drei Säulen
der Gesundheit in kurzer Zeit abgedeckt werden können.

Damit bietet die SRH Hochschule für Gesundheit einen interdisziplinären
Ansatz, der zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse leicht in den Alltag
integriert werden können, um die Gesundheit zu erhalten und zu fördern.

Interessierte können sich für die kostenfreie Online-Veranstaltung am
15.08.2022 unter https://eveeno.com/125106307 anmelden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/dorothea-portius/

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Diabetes: Psychische Belastung berücksichtigen

Interdisziplinäre Therapie verspricht bessere Lebensqualität – Deutsche
Diabetes Gesellschaft (DDG) zeichnet Psychologen am HDZ NRW erneut mit
Nachwuchs-stipendium aus

„Chronisch kranke Menschen profitieren deutlich, wenn sie von
interdisziplinären Behandlungsteams versorgt werden“, sagt Adrian
Grimshaw. Der 34-jährige Fachpsychologe DDG arbeitet seit fast vier Jahren
im Diabeteszentrum unter der medizinischen Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c.
Diethelm Tschöpe am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen. Und fasst mit seiner Aussage zusammen, was zahlreiche
wissenschaftliche Studien belegen.

Grimshaws Herzensthema ist die enge therapeutische Einbindung von
Psychologen in das diabetologische Behandlungskonzept. Dieses Anliegen hat
bereits doppelte Anerkennung der Deutschen Diabetes Gesellschaft gefunden,
die ihn im Rahmen ihrer Nachwuchsförderung 2021 zur Herbsttagung nach
Wiesbaden und in diesem Jahr zum Jahreskongress nach Berlin eingeladen
hat. Die in seinen Motivationsschreiben formulierten Thesen zur
Interdisziplinarität stießen bei der Fachgesellschaft auf offene Ohren:
Unter den Stipendiaten in Wiesbaden war Adrian Grimshaw der einzige
Psychologe. In Berlin haben nur zwei Psychologen gemeinsam mit zahlreichen
jungen Ärztinnen und Ärzten das begehrte Reisestipendium erhalten.
„Diabetes mellitus bezeichnet ja eigentlich als Sammelbegriff sehr
vielfältige Störungen des menschlichen Stoffwechsels mit ebenso komplexen
Auswirkungen auf fast alle wichtigen Organe“, sagt Adrian Grimshaw.
„Betroffene werden daher mit den unterschiedlichsten und oft sehr
belastenden Problemen konfrontiert, die bewältigt werden müssen. Eine
psychologische Mitversorgung kann dabei entscheidende Hilfen anbieten und
zu einem zufriedenstellenden Ergebnis beitragen. Das funktioniert
nachweislich am besten in engem Zusammenschluss mit dem gesamten
Behandlungsteam.“ Im Diabeteszentrum am HDZ NRW liegen die
Arbeitsschwerpunkte des Fachpsychologen in der Beratung und Unterstützung
von Menschen mit Diabetes und ihren Angehörigen. Zum Angebot zählen unter
anderem die Medizinische Hypnose und Entspannungsverfahren. Über die
Therapieergebnisse nach interdisziplinärer Zusammenarbeit wird sich
Grimshaw vielleicht auf der diesjährigen DDG-Herbsttagung wieder mit
anderen Experten austauschen können. Die Bewerbung auf sein drittes
Stipendium ist bereits auf dem Weg. „Das wäre dann aber meine letzte
Teilnahme als Youngster“, sagt Grimshaw augenzwinkernd. „Im nächsten Jahr
bin ich zu alt für die Nachwuchsförderung.“

Quellen:
Lobmann, R., Rümenapf, G., Lawall, H. et al. Interdisziplinär versorgen.
ProCare 23, 20–25 (2018). https://doi.org/10.1007/s00735-018-0873-x
Spraul, M. Interdisziplinäre Behandlung des diabetischen Fußsyndroms.
Diabetologe 5, 78 (2009). https://doi.org/10.1007/s11428-008-0349-x

Hintergrundinformation:

Zur Förderung diabetologischer Nachwuchskräfte vergibt die Deutsche
Diabetes Gesellschaft (DDG) jährlich Stipendien zur Teilnahme an ihren
Jahresveranstaltungen, die in Form von einer Reisekostenpauschale, der
Tagungsgebühr und einer kostenlosen Workshop-Teilnahme gewährt werden.
Info: herbsttagung-ddg.de/tagung

In den Fachbereichen der Diabetologie, Herzchirurgie und Kardiologie
kümmert sich das Team der Medizinischen Psychologie am Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, unter der Leitung von Dr.
phil. Dipl.-Psych. Katharina Tigges Limmer um die psychologische
Behandlung von Patientinnen und Patienten. Schweigepflicht, Freiwilligkeit
und Angebotscharakter sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine
psychologische Versorgung. Im HDZ NRW bilden Gesprächstherapie,
Verhaltenstherapie, Hypnotherapie, Familientherapie, Entspannungsverfahren
und neuropsychologische Therapie die Säulen der Arbeit. Die Abteilung ist
mit acht Psychologinnen und Psychologen, einem Transplantationsberater und
einer Verwaltungskraft besetzt. www.hdz-nrw.de

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