Besser gerüstet im Kampf gegen Lungenkrebs
Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland, sowohl
Männer wie auch Frauen erkranken daran. Doch Immuntherapien sind nur in 20
Prozent der Fälle erfolgreich. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine spezielle Schaltstelle
entdeckt, die das Tumorwachstum bei Lungenkrebs reguliert. Dies eröffnet
neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Lungenkrebspatienten. Die
Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oncoimmunology veröffentlicht.*
Das Immunsystem bekämpft nicht nur Krankheitserreger, sondern ist auch
fähig, krankhaft veränderte Zellen zu erkennen und zu beseitigen.
„Manchmal antwortet das Immunsystem auf den Lungenkrebs, manchmal versagt
die körpereigene Immunabwehr – und der Krebs gewinnt“, sagt Prof. Dr.
Susetta Finotto, Leiterin der Molekular-Pneumologischen Abteilung des
Universitätsklinikums Erlangen. Warum bei Lungentumorpatienten die
Immunantwort ausgeschaltet ist, ist bislang nicht hinreichend erforscht.
Auf Tumorzellen reagiert der Körper normalerweise mit einer Immunantwort.
Zur Tumorabwehr trägt dabei ein wichtiges Signalmolekül bei, der
sogenannte Transkriptionsfaktor T-bet, wobei T-Helferzellen der Gruppe 1
(Th1-Zellen) und CD8 T-Zellen (die Tumorzellen bekämpfen) gebildet werden.
Fehlt in Immunzellen T-bet, wächst der Lungentumor. Dies hat das
Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Susetta Finotto bereits in früheren
Untersuchungen nachgewiesen.
In einer aktuellen Studie untersuchte nun Dr. Katharina Kachler im Rahmen
ihrer Dissertation im Team von Prof. Susetta Finotto die Rolle von
sogenannten T-reg-Zellen bei Lungenkrebs genauer. Durchgeführt wurde die
translationale Studie in Kooperation mit Dr. Denis Trufa und Prof. Dr.
Horia Sirbu, beide von der Thoraxchirurgischen Abteilung des
Universitätsklinikums Erlangen.
T-reg-Zellen sind bei der Regulierung des Immunsystems von besonderer
Bedeutung. Während T-reg-Zellen bei der Verhinderung von
Entzündungsreaktionen der Lunge eine wichtige Rolle spielen, ist ihre
Funktion bei Lungenkarzinomen unzureichend untersucht. Bisherige
Untersuchungen zeigten jedoch, dass T-reg-Zellen die Anti-Tumor-Antwort
des Körpers unterdrücken und somit das Tumorwachstum fördern.
Nun fanden die Forscher heraus, dass der Lungentumor in der Lage ist, die
Immunantwort umzuprogrammieren: Er produziert den Botenstoff TGF-beta, –
ein Protein, dass das Zellwachstum reguliert – und induziert in der
Umgebung T-reg-Zellen. Dies bedeutet, dass Zellen nicht gegen den Krebs
aktiv werden, sondern umgekehrt das Tumorwachstum gefördert wird. „Es
werden genau die Th1-Zellen mit T-bet ausgeschaltet, die für die Anti-
Tumor-Immunabwehr zuständig sind“, sagt Prof. Susetta Finotto.
„Diese neu identifizierte TGF-beta-abhängige Schaltstelle bei Lungenkrebs
hat eine wichtige Bedeutung für die Regulation von Tumorwachstum in der
Lunge und bietet neue Ansätze zur Therapie von Lungenkrebs“, erläutert
sie. Die Entdeckung, die die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift
Oncoimmunology publiziert haben, könnte dazu führen, die Überlebenschancen
von Lungenkrebspatienten zu erhöhen. „Damit die klinische Immuntherapie,
die bislang nur in 20 Prozent der Fälle erfolgreich ist, zukünftig
erfolgreicher sein kann, wäre die Lösung, zusätzlich zur herkömmlichen
Immuntherapie Hemmer von TGF-beta zu geben und damit die Blockade von T
-reg-Zellen aufzuheben, die die Tumorabwehr blockiert“, erklärt Prof.
Finotto.
* doi: 10.1080/2162402X.2018.1456612
The role of Foxp3 and Tbet co-expressing Treg cells in lung carcinoma
Katerina Kachler, Corinna Holzinger, Denis Trufa, Horia Sirbu and Susetta
Finotto
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