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Gesundheit

100. Todestag von Vinzenz Czerny – der große Chirurg, Strahlentherapeut und Krebsforscher

Bildzeile: Akademischer und klinischer Lehrer: Im Rahmen des akademischen Unterrichts hielt Czerny Vorlesungen über allgemeine Chirurgie und Geschwulstlehre und erteilte Operationskurse.Erstmals in Deutschland wagte er sich 1890/91 an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg an die Operation von Hirntumoren / 1906 gründete er das Samariterhaus, eine „Heil- und Pflegeanstalt für Krebskranke“ mit dem „Institut für Experimentelle Krebsforschung“ / Patientenbehandlung und Forschung waren somit erstmals unter einem Dach / Er erkannte als einer der ersten Mediziner, „dass Therapieergebnisse durch zusätzliche Strahlen- und Chemotherapie verbessert werden können“ und wies damit auf die kombinierte Krebstherapie


Vinzenz Czerny, geboren am 19. November 1842 in Trautenau, wurde 1877 nach Heidelberg berufen, wo er die neu errichtete Chirurgische Klinik leiten konnte. Ab 1906 widmete er sich dem Aufbau des ersten Instituts für Krebsforschung: Im Heidelberger Stadtteil Bergheim war es im ebenfalls von Czerny gegründeten Samariterhaus, einer „Heil- und Pflegeanstalt für Krebskranke“, angesiedelt. Patientenbehandlung und Forschung waren somit erstmals unter einem Dach vereinigt – noch heute ein Heidelberger Erfolgsmodell, das unter anderem im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg, NCT, gelebt wird, einer gemeinsamen Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Deutschen Krebshilfe. Für Kliniker und Forscher verschiedener Fachrichtungen ist Czerny ein Wegbereiter ihres Faches. Er starb knapp 74-jährig am 3. Oktober 1916 vermutlich an Folgen einer strahleninduzierten Leukämie und wurde auf dem Heidelberger Bergfriedhof bestattet.

Meilensteine der Chirurgie und des interdisziplinären Arbeitens

Vinzenz Czerny galt weit über die Grenzen Heidelbergs hinaus als glänzender, ja vorbildlicher Chirurg seiner Zeit. Erstmals in Deutschland wagte er sich 1890/91 selbst an die Operation von Hirntumoren. „Interessant ist die zeitgenössische Bewertung beider Fälle, wie sie Czerny selbst in den Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (1892) vorgenommen hat“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart, Direktor des Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg. „Sie zeigt, wie konzeptionell eng bereits damals Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie zusammengelegen haben. Sie macht aber auch deutlich, wie realistisch zurückhaltend sich der große Heidelberger Chirurg Vinzenz Czerny 1892 noch zum Zusammenhang von Psychose und chirurgischer Intervention verhielt.“ Höchst berechtigt, wie die Zukunft zeigen sollte:

„Die zwei Fälle“, so Czerny 1892, „geben mir zu denken, ob nicht ein kleines Körnchen Wahrheit dabei ist, wenn sogar Psychiater jetzt anfangen, Psychosen chirurgisch zu behandeln. Ich glaube ja nicht, dass etwas mit der Hirnresection zu erreichen sein wird, aber was wir zu erzielen im Stande sind, ist eine gewisse Regulierung des intracraniellen Druckes. Wir können durch Aufklappen des Schädels und Eröffnung der Dura die Drucksteigerung herabsetzen, und es zeigt sich, dass dadurch auch die Circulation besser reguliert werden kann“*.

Für Presseanfragen / Interviews zum Leben und Wirken von Vinzenz Czerny steht Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg, gerne zur Verfügung.

* Czerny [kasuistischer Bericht], in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie – Einundzwanzigster Congress, abgehalten zu Berlin, 8.-11. Juni 1892, Berlin 1892, S. 33-36.

Weitere Informationen zu Vinzenz Czerny mit
- Lebenslauf
- Informationen über die Chirurgische Klinik und das Institut für Experimentelle Krebsforschung
- Literatur
auf den Webseiten der Universitätsbibliothek Heidelberg:
http://www.ub.uni-heidelberg.de/ausstellungen/625jahre2011/sektion2/czerny.html

Geschichte der Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie (Czerny-Klinik) am Universitätsklinikum Heidelberg:
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Geschichte-der-Klinik.122315.0.html

Chirurgische Ordinarien in Heidelberg:
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Chirurgische-Ordinarien.100761.0.html

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Ausbildung mit Modellcharakter: Kliniken starten den PflegeCampus Regensburg

UKR und Caritas-Krankenhaus St. Josef gehen in der Ausbildung von Pflegekräften neue WegeCaritas-Krankenhaus St. Josef und Universitätsklinikum Regensburg (UKR) weiten ihre Kooperation in der Fachausbildung Pflege nachhaltig aus und geben der Ausbildung ein neues Gesicht.

Es ist ein außergewöhnlicher Schritt für die beiden Klinika und eine beachtliche Neuerung auf dem Gesundheitsmarkt: Das Caritas-Krankenhaus St. Josef und das Universitätsklinikum Regensburg bilden künftig Gesundheits- und Krankenpfleger unter einer gemeinsamen Dachmarke aus. Die bisherige Kooperation wird dazu ausgeweitet, die Zahl der Ausbildungsplätze wird verdoppelt, das Gesicht der Ausbildung wird modernisiert und das Schulgebäude um einen Neubau erweitert.

„Wir gehen einen entscheidenden Schritt, um dem wachsenden Bedarf an Pflegekräften strategisch gerecht zu werden. Mehr Ausbildung sichert mehr Pflege – das ist unser gemeinsames Ziel“, bekräftigen Alfred Stockinger, Pflegedirektor des Universitätsklinikums Regensburg, und Michael Frank, Pflegedirektor des Caritas-Krankenhauses St. Josef, anlässlich des heutigen feierlichen Auftakts für den PflegeCampus Regensburg.

Die Berufsfachschule für Krankenpflege am Caritas-Krankenhaus bildet seit 1952 junge Menschen in der Gesundheits- und Krankenpflege aus. Seit 2002 ist das Universitätsklinikum Regensburg als Kooperationspartner in die Ausbildung eingebunden, seit 2013 mit 60 Auszubildenden. Auf Basis dieser erfolgreichen Zusammenarbeit und angesichts des stetig steigenden Bedarfs an qualifizierten Pflegekräften in beiden Häusern starten UKR und Caritas-Krankenhaus mit 25 zusätzlichen Ausbildungsplätzen ins Ausbildungsjahr 2016/2017. In den nächsten Jahren ist die schrittweise Aufstockung auf 282 Ausbildungsplätze geplant. „Es ist ein besonderer Tag für die Berufsfachschule, denn wir begrüßen nicht nur die Pflegekräfte von morgen, sondern wir bilden künftig unter der gemeinsamen Marke ‚PflegeCampus Regensburg‘ aus. Das bekräftigt die Kooperation und schafft zugleich noch mehr Identität und Zusammengehörigkeit aller unserer Auszubildenden“, freut sich Gerlinde Reichart, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und somit auch Chefin des PflegeCampus Regensburg.

Dompropst Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Verbands Regensburg, und Professor Dr. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg, hatten zum Auftakt des PflegeCampus zu einem Festakt geladen und die Besonderheiten der Ausbildung und der Kooperation vorgestellt. „Hier wird mit hoher Dynamik und Professionalität strategisch etwas weiterentwickelt, das wesentlich dazu beiträgt, die Pflege kranker Menschen auch in Zukunft für Regensburg und die Umgebung sicherzustellen. Ich sehe hierin einen ‚Leuchtturm‘ kluger Zusammenarbeit und bin stolz, dass das Universitätsklinikum Regensburg und das Caritas-Krankenhaus diesen Weg gehen, um die pflegerische und medizinische Versorgungsqualität in der Region weiterhin hoch zu halten und auszubauen“, so Joachim Wolbergs, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, anlässlich des Auftakts für den PflegeCampus.

Die gemeinsame Marke „PflegeCampus Regensburg“ steht dabei für die Bündelung der Kompetenzen in der Ausbildung, gepaart mit dem universitären Zweig. „Uns war es wichtig, die wesentlich erweiterte Kooperation nach innen wie nach außen sichtbar zu machen. Gemeinsam mit den Auszubildenden haben wir die Alleinstellungsmerkmale der Ausbildung definiert und daraus mit Unterstützung durch eine Agentur den PflegeCampus Regensburg entwickelt“, erklärt Alfred Stockinger. Kooperiert wird verstärkt auch in der praktischen Ausbildung. Die Praxisanleiter beider Klinika treffen sich regelmäßig und gleichen die Ausbildungsinhalte ab, ohne die jeweiligen Besonderheiten der beiden Häuser aufzugeben.

Erweiterungsbau für den PflegeCampus

Doch nicht nur in der gemeinsamen Marke „PflegeCampus Regensburg“ wird die engere Zusammenarbeit deutlich. Mit der Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze steigt auch der Bedarf an räumlichen Kapazitäten. Die bestehende Berufsfachschule am Caritas-Krankenhaus St. Josef wird deshalb ab 2017 um einen Neubau ergänzt um optimale Lernbedingungen zu schaffen. „Wir sind mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und der Regierung der Oberpfalz auf einem guten Weg, um die Förderung zu sichern“ so Florian Glück, Geschäftsführer des Caritas-Krankenhauses St. Josef.

Zwei Pflegesysteme in einer Ausbildung

Durch die Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser werden Auszubildende sowohl mit dem karitativen als auch mit dem universitären Arbeitsumfeld vertraut gemacht. Das breite Spektrum verschiedener Fachbereiche bereitet die Schülerinnen und Schüler optimal auf die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege vor. Die Kooperation der beiden Häuser bietet zudem die interessante und lehrreiche Möglichkeit, Erfahrungen in zwei verschiedenen Pflegesystemen – dem „Primary Nursing“ und dem „Case Management“ – zu sammeln.

Im Caritas-Krankenhaus St. Josef wurde 2002 das Pflegesystem der Primären Pflege (Primary Nursing) eingeführt. Dabei ist jedem Patienten eine so genannte primäre Pflegekraft zugeteilt, die für die Abläufe des gesamten stationären Aufenthalts des Patienten verantwortlich ist. Dies hat den Vorteil, dass der Patient, seine Angehörigen sowie alle an der Behandlung Beteiligten, kontinuierlich einen direkt verantwortlichen Ansprechpartner haben. Zudem können der Behandlungsablauf und die Pflege auf der Station durch eine primäre Pflegekraft optimal koordiniert werden.
Das Organisationsprinzip des so genannten Case Managements, welches 2006 im UKR eingeführt wurde, hat sich ähnlich bewährt. Auch hier dienen die Pflegekräfte als Schnittstelle in der Kommunikation für alle an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen – von der stationären Aufnahme bis zur Entlassung des Patienten. Anders als die Primären Pflegekräfte sind Case Manager jedoch oft eher im Hintergrund tätig, arbeiten mit an der Struktur- und Prozessqualität und verbessern klinische Prozesse kontinuierlich weiter.

Möglichkeit zum Dualen Studiengang „Pflege“

Neben einer einzigartigen beruflichen Ausbildung mit modernsten Lehrkonzepten bietet der PflegeCampus Regensburg die Möglichkeit, die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger mit dem dualen Studium Pflege (Bachelor of Science) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg zu kombinieren. Die Praxiserfahrung der Ausbildung wird dabei mit aktuellen Kenntnissen aus Wissenschaft und Forschung verknüpft. Das duale Studium fördert das prozess- und lösungsorientierte Denken. Die angehenden Pflegekräfte sind damit bestens für die immer komplexer werdenden Aufgabenstellungen gerüstet, die sich durch den Wandel im Pflegeberuf ergeben. Die Ausbildungsvergütung sichert die angehenden Pflegekräfte während ihres Studiums finanziell ab. Somit stehen mit dem doppelten Berufsabschluss alle Wege für einen schnellen und fließenden Übergang ins Berufsleben sowie für hervorragende Karrierechancen offen.

Ausbildungsbeginn im Frühjahr und im Herbst
Der PflegeCampus Regensburg hat mit Beginn des Ausbildungsjahres 2016/2017 sieben Klassen mit insgesamt 157 Schülern. Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am PflegeCampus dauert drei Jahre und umfasst theoretische Teile in der Berufsfachschule sowie die praktische Ausbildung schwerpunktmäßig entweder am UKR oder am Caritas-Krankenhaus St. Josef.
Neue Ausbildungsklassen beginnen jeweils zum 1. April und zum 1. Oktober eines Jahres. Aktuell läuft der Bewerbungszeitraum für die Klassen in 2017.

www.ukr.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.pflegecampus-regensburg.de

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Risiko, Prävention und Reproduktion nach 1945 – Vortragsreihe

Einladung zum Forschungskolloquium des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin im Wintersemester 2016/17 / Die Vortragsreihe ist öffentlich – eine Voranmeldung ist nicht erforderlich / Start am 12. Oktober

Das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg lädt herzlich ein zur öffentlichen Vortragsreihe / Forschungskolloquium: Risiko, Prävention und Reproduktion nach 1945. Eine Anmeldung zu den vier Terminen im Wintersemester 2016 / 2017 jeweils um 18 Uhr ist nicht erforderlich.

Veranstaltungsort:
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Seminarraum 20, 1. OG
Im Neuenheimer Feld 327
69120 Heidelberg

12.10.2016, 18 Uhr - Andreas Bernard (Leuphana Universität Lüneburg)
Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie

Die Verfahren der assistierten Empfängnis sind keine Randerscheinungen mehr. Ein halbes Jahrhundert nach Gründung der ersten Samenbanken in den USA und knapp 40 Jahre nach der Geburt der ersten in vitro gezeugten oder von einer kommerziell vermittelten Leihmutter ausgetragenen Babys haben diese Techniken jede Exotik verloren und bestimmen, je nach Rechtslage der einzelnen Länder, den Alltag der Reproduktionsmedizin.
Der Vortrag interessiert sich für die Frage, inwiefern die Organisation von Verwandtschaft und Familie im Zeitalter der neuen Fortpflanzungstechnologien gefährdet ist und mittels welcher Strategien sie aufrechterhalten werden kann.
Weitere Infos: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2016/4_Okt_Dez/...

16.11.2016, 18 Uhr - Salim Al-Gailani (University of Cambridge, UK)
Vitamins on Trial: Folic Acid as a Technology of Reproduction and Prevention

Vortrag auf Englisch: Since the early-1990s, governments and health organizations around the world have encouraged women to make sure they get enough of the B-vitamin folic acid before and during pregnancy. By explaining how folic acid was linked to pregnancy and birth defects, Salim Al-Gailani will reconstruct the complex and longer-term work that made prospective mothers and their unborn and even yet-to-be-conceived children targets of nutritional intervention. He examines how the ‘therapeutic identity’ of folic acid was shaped by transformations in postwar cultures of risk and prevention as well as the creation of new social practices and relations between clinicians, researchers and patients.
Weitere Infos: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2016/4_Okt_Dez/...

14.12.2016, 18 Uhr - Dagmar Schmitz (RWTH Aachen)
An offer you can’t refuse? Die Arztrolle in 50 Jahren Pränataldiagnostik

Schon 1991 bezeichnete der renommierte klinische Genetiker Angus Clarke das Angebot einer vorgeburtlichen genetischen Diagnostik in Anlehnung an das berühmte Filmzitat als ein Angebot, das man eigentlich nicht ablehnen könne, da jegliches pränataldiagnostische Angebot auch als ärztliche Empfehlung verstanden werden könne. Damit stellte er in radikaler Weise nicht nur das zu dieser Zeit noch wenig hinterfragte Paradigma der nichtdirektiven genetischen Beratung, sondern auch auf einer viel grundsätzlicheren Ebene die ärztliche Rolle im Umgang mit Pränataldiagnostik und selektivem Schwangerschafts¬abbruch in Frage. Welche Art „Ärzte“ wollen wir sein und an welcher Art von „Gesellschaft“ wollen wir mitbauen? Das waren und sind die aus seiner Sicht entscheidenden Fragen, zu denen sich Ärzte im Umgang Pränataldiagnostik positionieren müssen. Wie diese Positionierung in den vergangenen fünf Jahrzehnten ausgesehen hat und welche ethischen Prinzipien hierbei zugrunde gelegt wurden, soll in dem Vortrag dargelegt werden. Schließen wird der Vortrag mit einem kurzen Ausblick auf die zu erwartenden Veränderungen in der Arztrolle im Hinblick auf neue pränataldiagnostische Technologien.
Weitere Infos: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2016/4_Okt_Dez/...

11.1.2017, 18 Uhr - Heiko Stoff (Medizinische Hochschule Hannover)
Zwischen Dr. Schmerz und Dr. Dohrn. Zur Debatte über das Erbgesundheitsgesetz nach 1945

1929 hatte der Grazer Chirurg Hermann Schmerz seine Methode der temporären Sterilisation des Mannes an zahlreichen Patienten ausprobiert. Obwohl diese angeblich alle zu dem Eingriff eingewilligt hatten, wurde er zu einer hohen Geldbuße verurteilt. Der „Fall Schmerz“ rief zahllose Solidaritätsbekundungen aus den Reihen der sozialistisch orientierten Medizin und Sexualwissenschaft hervor und fügte sich in einen explizit modernen Diskurs, der das präventionistische „Schutzbedürfnis der Gesamtheit“ mit dem konsumistischen Recht des Individuums auf Bedürfnisbefriedigung engführte. Im nationalsozialistischen „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde letzteres explizit außer Kraft und die eugenische Selektionslogik absolut gesetzt. Nach 1945 wurde das Erbgesundheitsgesetz nur in einigen (Bundes-)Ländern aufgehoben, ansonsten allein durch die Auflösung der Erbgesundheitsgerichte ausgesetzt. In der britischen Zone wurde es folgenreich nicht als ein nationalsozialistisches Spezifikum, sondern als Teil einer internationalen eugenischen Bewegung interpretiert. Im Beitrag soll herausgearbeitet werden, ob in der Nachkriegszeit dabei auf die Debatte zum Konnex von individueller Freiheit und kollektiver Pflicht zurückgegriffen wurde. Dies soll am „Fall Dohrn“ exemplifiziert werden: Der Chirurg Axel Dohrn hatte zu Beginn der 1960er Jahre im Landkreis Burgdorf bei Hannover über tausend Frauen sterilisiert und dafür Gründe nicht der Eugenik, sondern der Geburtenkontrolle angeführt. Im Oktober 1964 fällte der Bundesgerichtshof schließlich ein „Dohrn-Urteil“, das die freiwillige Sterilisation weitgehend erlaubte.
Weitere Infos: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2017/1_Jan_Mar/...


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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Studie: Vorwissen über Herzinfarkt-Alarmzeichen verringert tödliche Zeitverluste bei Betroffenen

„Messbare Effekte“ bei untersuchten Infarktpatienten (MEDEA-Studie) / Neuer Notfall-Ratgeber mit Erläuterung der Herzinfarkt-Alarmzeichen

Bei der Notfallversorgung von Herzinfarktpatienten zählt jede Minute, weil der Infarkt jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen kann und zum Untergang von Herzgewebe führt. Auch weil viele Betroffene bei Herzinfarkt-Verdacht zu lange zögern, mit dem Notruf 112 den Rettungsdienst zu alarmieren, sterben jedes Jahr über 55.000 Menschen am Herzinfarkt (www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html). Denn nur der über die 112 gerufene Notarzt kann den plötzlichen Herztod als Folge von Kammerflimmern verhindern. Und erst die Infarktbehandlung in der Klinik kann das Herz vor schweren dauerhaften Schäden (Herzschwäche) bewahren. „Deshalb sollten Betroffene bei Herzinfarktverdacht niemals vor dem Notruf 112 zögern. Um in dieser Notfallsituation rasch zu handeln, kommt es auch darauf an die Herzinfarkt-Symptome zu kennen. In einer Untersuchung konnten wir den lebensrettenden Zeitgewinn durch solches Vorwissen als messbaren Effekt belegen“, betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Vor diesem Hintergrund bietet die Herzstiftung einen neuen Herznotfall-Ratgeber „Was tun im Notfall?“(22 Seiten) mit einer Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen an. Der Ratgeber kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden.

Kritische Prähospitalphase: Vorwissen bringt lebensrettenden Zeitgewinn
Nach den Ergebnissen der Münchener MEDEA-Studie* mit insgesamt 486 untersuchten Herzinfarktpatienten, mehrheitlich Männer (rund 75 %), kannten 476 Patienten mindestens eines von mehreren Herzinfarkt-Symptomen, die Mehrheit der Befragten ordnete richtigerweise Brustschmerzen als typisches Herzinfarkt-Symptom ein. 37 % der untersuchten Patienten alarmierten den Notarzt aufgrund von akuten Herzinfarkt-Beschwerden. „Herzinfarktpatienten mit ausreichendem Vorwissen über die Infarktbeschwerden haben eine 50 Prozent höhere Chance, die Klinik deutlich früher zu erreichen als Betroffene ohne dieses Wissen“, betont der Leiter der MEDEA-Studie, Prof. Dr. med. Karl-Heinz-Ladwig vom Helmholtz-Zentrum München und der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der TU München. So hatten sowohl Männer als auch Frauen mit Vorwissen über die Herzinfarkt-Symptome eine im Schnitt deutlich kürzere Verzögerungszeitspanne zwischen Herzinfarktereignis und Behandlung in der Klinik („Prähospitalphase“) als Betroffene ohne dieses Wissen: bei Männern lag sie im Schnitt bei 168 Minuten (mit Vorwissen) gegenüber 276 Minuten (ohne Vorwissen), bei Frauen bei 189 Minuten (mit Vorwissen) gegenüber 262 Minuten (ohne Vorwissen). „Wer die Herzinfarkt-Symptome kannte, stufte den Infarkt dann auch schneller als Risikoereignis ein und reagierte eher“, berichtet Prof. Ladwig.

Untypische Infarktbeschwerden: Mehr Aufklärung bei älteren Patienten und Frauen nötig
Die MEDEA-Studie zeigt auch, dass Patienten mit höherem Risiko für unklare Herzinfarktbeschwerden, die schwerer dem Herzen zuzuordnen sind (Übelkeit, Brechreiz, Schwächegefühl), auch zur Gruppe mit den höheren Zeitverlusten gehören und deshalb mehr Aufklärung benötigen. Das gilt laut MEDEA-Studie vor allem für ältere Patienten und Frauen. „Je älter die Herzinfarktpatienten, desto geringer ist der Anteil derjenigen mit spezifischen Symptomen wie Brustschmerz, Kurzatmigkeit, kalter Schweiß. Das trifft besonders für Frauen über 65 Jahre zu und sollte auch bei Vorsorgeuntersuchungen, Routinekontrollen beim Kardiologen oder in der Nachsorge in den Fokus rücken“, fordert Prof. Ladwig, der Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung ist.

*L. Albarqouni, et al./ Patients’ knowledge about symptoms and adequate behaviour during acute myocardial infarction and its impact on delay time, Patient Educ Couns (2016).

Tipp: Einen neuen Herznotfall-Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (22 Seiten) mit einer Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen und Erläuterungen zur Wiederbelebung für Laien bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. an.

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