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Gesundheit

Neue Internetseite informiert Patienten über Heimdialyse KfH setzt dabei auf Erfahrungsberichte von Heimdialyse‐Patienten für chronisch nierenkranke Patienten, die dialysepflichtig werden

Heimdialyseverfahren erleichtern vielen chronisch
nierenkranken Menschen das Leben mit der Krankheit. Sie bieten vielen Dialysepatienten
deutlich mehr zeitliche Flexibilität, ermöglichen häufig die Beibehaltung
der Berufstätigkeit und tragen damit zu mehr Lebensqualität bei.
Die neue Internetseite www.kfh‐heimdialyse.de richtet sich in erster Linie an
nierenkranke Menschen, die vor der Wahl eines für sie geeigneten lebensnotwendigen
Dialyseverfahrens stehen.
Persönliche Erfahrungsberichte von KfH‐Heimdialyse‐Patienten helfen, gemeinsam
mit dem behandelnden Arzt eine Entscheidung zu treffen.
Zudem werden auf der Internetseite die unterschiedlichen Heimdialyseverfahren
erklärt und wichtige Fragen z. B. zu Beruf, Familie, Freizeit und Ernährung
beantwortet.

Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. (www.kfh.de)
steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung
nierenkranker Patienten. Es wurde im Jahr 1969 gegründet und ist damit
zugleich der älteste und größte Dialyseanbieter in Deutschland. In 186 KfHNierenzentren,
16 KfH‐Nierenzentren für Kinder und Jugendliche sowie 20
Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) werden 18.728 Dialysepatienten
(zum Stand 31. Dezember 2015) sowie aktuell über 60.000 Sprechstundenpatienten
umfassend behandelt.

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Psychiatrische Versorgung in Thüringen geprägt

Nach rund 22 Jahren verlässt Prof. Dr. Heinrich Sauer Ende September das Universitätsklinikum Jena.  Foto: UKJ/HellmannProf. Dr. Heinrich Sauer nimmt Abschied vom UKJ / 1994 nach Jena gekommen

Klinikdirektor, Hochschullehrer, Dekan der Medizinischen Fakultät: Ende September verlässt Prof. Dr. Heinrich Sauer nach rund 22 Jahren das Universitätsklinikum Jena (UKJ). 1994 kam er aus Heidelberg in die Saalestadt und hatte den Lehrstuhl und die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Thüringer Uniklinik übernommen.

„Der bauliche Zustand der Klinik war erschreckend“, erinnert er sich an seine Anfänge in Jena. „Es hat lange gedauert, bis der Plan zur Sanierung stand. Zwischenzeitlich gab es Überlegungen, die Klinik komplett zu verlegen. Aber gerade die zentrale Lage nahe der Innenstadt ist wichtig für unsere Patienten und leistet einen Beitrag zur Reintegration“, so der gebürtige Hamburger. Nach intensiver Planung wurde die denkmalgeschützte Klinik in den Jahren 2005 bis 2010 grundlegend saniert. Heute leistet die Klinik einen enormen Beitrag für die Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen aus ganz Thüringen. Dazu stehen acht Stationen, eine allgemeine Tagesklinik und eine gerontopsychiatrische Tagesklinik (speziell für Patienten ab 55 Jahren) zur Verfügung.
Anders als die anderen Kliniken des UKJ wird die Klinik für Psychiatrie auch zukünftig in der Innenstadt bleiben und nicht in den zweiten Bauabschnitt nach Lobeda ziehen. Prof. Sauer: „Mit der Sanierung wurden hier bereits sehr gute Behandlungsmöglichkeiten für unsere Patienten geschaffen.“ Schwerpunkte liegen auf der Therapie von Patienten mit depressiven, manisch-depressiven und psychotischen Erkrankungen, mit Angst- und Zwangsstörungen, Abhängigkeitserkrankungen sowie Demenzen.

Genau wie die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie hat sich auch das UKJ gewandelt. Von 2001 bis 2007 war Prof. Sauer Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-

Universität. In diese Amtszeit fiel nicht nur die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnittes in Lobeda 2004, sondern auch die Rechtsformänderung für die Thüringer Uniklinik Ende 2006. Zehn Jahre danach fällt das Fazit von Prof. Sauer positiv aus: „Wenn man sich die Entwicklung der Klinik und der Fakultät ansieht, ist für mich klar: Das Integrationsmodell war der richtige Weg für die Thüringer Universitätsmedizin.“ Auch außerhalb von Jena engagierte sich Prof. Sauer: So war er Vorstandsmitglied der psychiatrischen Fachgesellschaften in Deutschland, bis 2012 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer und bis 2011 Fachkollegiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

„Prof. Sauer hat die Entwicklung seines Faches und die Jenaer Universitätsmedizin maßgeblich geprägt und gestaltet. Seine Arbeit hat zudem ganz direkt die Versorgung psychisch kranker Patienten hier in Thüringen nachhaltig verbessert“, betont Dr. Brunhilde Seidel-Kwem, Sprecherin des Vorstandes des UKJ und Kaufmännischer Vorstand der Thüringer Uniklinik.

Auf „sein“ Fachgebiet, die Psychiatrie, sieht Prof. Sauer spannende Zeiten zukommen: Ein wesentlicher wissenschaftlicher Schwerpunkt werde die weitere Aufklärung von genetischen Einflüssen und Umweltfaktoren auf Verhalten und psychische Erkrankungen sein, also die Frage, wie Hirnfunktionen gesteuert werden. „Für angehende Mediziner ist die Psychiatrie also extrem spannend“, ist Prof. Sauer überzeugt. Er selbst hatte Medizin in Marburg und Göttingen studiert. Seine medizinische Laufbahn hatte ihn dann über die Uniklinik Mainz an die psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg geführt (Habilitation 1989), bevor er 1994 nach Thüringen kam.

In Zukunft wird sich der 68-jährige noch intensiver dem Klavierspiel widmen. „Vielleicht gelingt mir auch die Aufnahme eines Musikstudiums. Sonst werde ich mir in jedem Fall ein anderes Fach suchen, was mich interessiert.“ Die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKJ übernimmt zunächst kommissarisch Prof. Dr. Karl-Jürgen Bär, der bislang stellvertretender Klinikdirektor war.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uniklinikum-jena.de

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Babyboom bricht am Dresdner Uniklinikum alle Rekorde

Klinikdirektorin Prof. Pauline Wimberger mit Emilias stolzen Eltern.  Uniklinikum Dresden / Holger OstermeyerDie Zahl der im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden geborenen Kinder erreicht in diesem Jahr eine neue Rekordmarke: Wurde 2015 das 2.000. Baby des Jahres am 16. Oktober geboren, registrieren die Hebammen der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in diesem Jahr die Zahl bereits am 16. September. Emilia (3525 Gramm, 51 Zentimeter) erblickte um 14.38 Uhr das Licht der Welt an der Pfotenhauer Straße. Wie 110 weitere Neugeborene nimmt das Mädchen an der im August gestarteten „Freder1k“-Studie teil. Mit dem damit verbundenen Bluttest lässt sich das Risiko des Kindes erkennen, in der späteren Kindheit oder dem Jugendalter am Typ-1-Diabetes zu erkranken.


So viele Geburten wie in den ersten acht Monaten des Jahres hat es am Dresdner Uniklinikum in diesem Zeitraum noch nie gegeben: Bis zum 16. September erblickten bereits 926 Mädchen und 1074 Jungen im Universitäts Kinder-Frauenzentrum das Licht der Welt. Für die Hebammen, Ärzte und Pflegenden war dabei der Juni besonders arbeitsreich: In diesem Frühsommermonat zählte das Uniklinikum 268 Neugeborene. Damit brach der Juni 2016 sämtliche Rekorde: Niemals zuvor wurden in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe so viele Kinder innerhalb eines Monats geboren. Auch die Monate Januar, Februar, Juli und August erreichten jeweils Spitzenwerte, so dass die Klinik insgesamt ein Neugeborenen-Plus von über zwölf Prozent verzeichnet.

Diese hohen Zahlen spiegeln sich auch bei den Zwillings- und Drillingsgeburten wieder: In diesem Jahr kamen bisher 101 Zwillingspärchen und vier Geschwistertrios an der Pfotenhauer Straße zur Welt. Das Plus bei den am Uniklinikum geborenen Kindern liegt dabei seit Jahren über den Zuwachsraten, die die Landeshauptstadt Dresden insgesamt registriert. „Viele Eltern sind von der besonderen Kompetenz unserer Klinik überzeugt. Das liegt auch daran, dass wir das einzige Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe – dem sogenannten Level 1 – in Ostsachsen sind. Dabei vereinen wir die Maximalversorgung mit einem Konzept, das die Notwendigkeit und Bedürfnisse der Familien in den Mittelpunkt stellt. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin eine interdisziplinäre perinatologische Station eröffnet. Hier können acht Mütter gemeinsam mit ihren zu früh geborenen Kindern in einem Zimmer stationär versorgt werden“, sagt Prof. Pauline Wimberger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Dresdner Uniklinikums. Die Geburtshilfe des Uniklinikums ist aber auch bei vielen Dresdnerinnen mit einer risikolos verlaufenden Schwangerschaft erste Wahl: „Neben der Universitätsmedizin und der unmittelbaren Nähe zur Kinderklinik mit ihrer Neugeborenenstation geben unsere hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie modernen Stationen mit den schönen Zwei-Bett-Zimmern den Ausschlag“, sagt Klinikdirektorin Prof. Pauline Wimberger. Hier ist nicht nur Platz für Mutter und Kind: Wenn Väter es wünschen, können sie im Sinne eines Familienzimmers auch nach der Geburt ganz nah bei Partnerin und Kind bleiben.

„Freder1k“-Studie erkennt Typ-1-Diabetes-Risiko bereits bei Neugeborenen

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, die auch in Sachsen gerade bei Kleinkindern immer mehr zunimmt – es ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Als Vorreiter in Europa ist der Freistaat jetzt Ausgangspunkt für eine internationale Typ-1-Diabetes-

Früherkennungsuntersuchung von Neugeborenen, die auch den Eltern der am Dresdner Uniklinikum geborenen Kinder angeboten wird. Der Typ-1-Diabetes ist die Form der Zuckerkrankheit, bei der schon früh im Leben die körpereigene Insulinherstellung verloren geht und durch Insulinspritzen ersetzt werden muss. Etwa 30 von 1.000 Kindern tragen Risiko-Gene für Typ-1-Diabetes in sich. Allein in Sachsen erkranken deshalb jedes Jahr etwa 250 neue an dieser Form des Diabetes. Bundesweit sind es zwischen 2.100 und 2.300 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren. Da sich die Autoimmunerkrankung schleichend entwickelt – die Kinder fühlen sich lange Zeit wohl und wirken vollkommen gesund – bleibt ein Typ-1-Diabetes meist viele Jahre unerkannt. Dann jedoch äußert er sich schlagartig in oftmals lebensbedrohlichen Symptomen. Das möchte die Initiative „Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes“ – kurz GPPAD – mit der Freder1k-Studie in Sachsen verhindern. Die unter dem Titel „Typ-1-Diabetes-Risiko früh erkennen“ laufende, europaweit einmalige Studie bietet Eltern die Möglichkeit, ihr Kind im Zusammenhang mit dem regulären Neugeborenen-Screening auf das Risiko untersuchen zu lassen, ein Typ-1-Diabetes zu entwickeln.

Diese Früherkennungsuntersuchung wird kostenfrei im Rahmen des Neugeborenen-Screenings angeboten. Besonders für Sachsen hat die Studie eine große Bedeutung: Die Zahlen des sächsischen Kinderdiabetesregisters Dresden-Leipzig zeigen, dass seit 15 Jahren die Häufigkeit von Typ 1 Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen um circa drei Prozent pro Jahr ansteigt. Weil die Information über ein erhöhtes genetisch bedingtes Typ-1-Diabetesrisiko eines Säuglings oder Kleinkindes die große Mehrheit der Eltern völlig unvorbereitet trifft, ist im Rahmen der Freder1k-Studie von der Übermittlung der Diagnose an eine strukturierte Information und psychologische Begleitung der Eltern vorgesehen. Ziel ist es, mit dem Ergebnis des Screenings verbundene Ängste frühestmöglich aufzufangen und übertriebenen Sorgen vorzubeugen.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uniklinikum-dresden.de/gyn

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Update Neuroophthalmologie: das Auge als Fenster zum Gehirn

Das Auge enthält den einzigen optisch zugänglichen Teil des Gehirns: die Retina mit Gefäßen und dem Eintritt des Sehnerven. Bei vielen neurologischen Erkrankungen lassen sich Veränderungen am Auge feststellen, die mit entsprechenden Hirnveränderungen korrelieren. Prominentestes Beispiel ist die Multiple Sklerose. Eine genaue Analyse spezifischer Augenbewegungen und Sehfunktionen erlaubt zudem gezielte Rückschlüsse auf die dafür verantwortliche Schädigung im Gehirn, ihre Lokalisation und auch die begleitenden kognitiven Störungen. Auf dem 89. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Mannheim werden neue Erkenntnisse aus der Neuroophthalmologie präsentiert.


Was die Retina über Multiple Sklerose und die Gehirngefäße verraten kann

„Mit modernen bildgebenden Verfahren lassen sich sowohl vaskuläre als auch neuronale Veränderungen der Retina, die Teil des Zentralen Nervensystems ist, darstellen und analysieren“, sagt Professor Tjalf Ziemssen, Neurologe mit ophthalmologischen Wurzeln am Universitätsklinikum Dresden. „Viele neurologische Erkrankungen können wir damit heute am Auge ablesen.“ Die in den letzten Jahren methodisch enorm verbesserte optische Kohärenztomographie (OCT) ist wesentlich aussagekräftiger als eine konventionelle Ophthalmoskopie: Man kann alle zehn Retinaschichten in mikroskopischer Auflösung darstellen und in wenigen Sekunden abscannen (1). Die gemessenen Veränderungen korrelieren erstaunlich gut mit degenerativen Hirnveränderungen bei chronischen neurologischen Erkrankungen: z.B. die Dicke der retinalen Faserschicht (RNFL) mit dem Hirnvolumen, die Dicke der inneren Körnerschicht (INL) mit dem Volumen aller in der Kernspintomographie (MRT) dargestellten T2-hyperintensen Entzündungsherde und die Dicke der äußeren Körnerschicht (ONL) mit der fortschreitenden Neurodegeneration bei Multipler Sklerose (MS). Diese Erkenntnisse konnten in der letzten Zeit auch auf andere neurologische Erkrankungen übertragen werden, z.B. gibt es Veränderungen der RNFL bei der Alzheimer-Demenz oder Veränderungen der ONL und der Dicke der Ganglionzellschicht bei Parkinson-Patienten.

Herausragende Bedeutung hat die Retinadiagnostik bereits jetzt bei der Multiplen Sklerose. Mittels OCT können degenerative Veränderungen der Retina in der Folge von Optikusneuritiden, aber auch unabhängig hiervon nachgewiesen werden. Mit rezenten Post-Prozessierungsverfahren können zudem nicht nur die retinale Nervenfaserschicht, sondern auch tiefergelegene neuronale Schichten der Netzhaut reliabel vermessen werden. Hierdurch können beispielsweise axonale von neuronalen Degenerationen (Atrophie) getrennt prozessiert und mit MRT-Parametern zur Atrophie (z.B. graue Substanz) korreliert werden. „Das visuelle System ist somit ideal, um den Prozess der Neurodegeneration, Neuroprotektion oder sogar Neuroregeneration zu evaluieren und darzustellen, zumal man Struktur und Funktion parallel erfassen und analysieren kann“, fasst Ziemssen zusammen und ergänzt: „Die Möglichkeit, neuroregenerative Prozesse anhand der unterschiedlichen Untersuchungsverfahren des optischen Systems darstellen zu können, haben wir schon mehrfach in klinischen Studien zur Evaluation neuer Medikamente genutzt.“
Ein weiteres nicht-invasives Untersuchungsverfahren der Netzhaut ist die retinale Gefäßanalyse. Mit einer speziellen Funduskamera lassen sich Arterien- und Venendurchmesser in realtime zuverlässig darstellen und in ihren Durchmesserveränderungen verfolgen, so dass der funktionelle Status der retinalen Mikrogefäße beurteilt werden kann. „Uns gelang es kürzlich, beim metabolischen Syndrom im Frühstadium Auffälligkeiten der retinalen Mikrozirkulation darzustellen“, sagt Ziemssen (2). „Darüber hinaus konnten wir durch unterschiedliche endothelschädigende Medikamente bzw. Stoffwechselprodukte eine Modulation der arteriellen und venösen Gefäßfunktionen der Retina nachweisen. Auch eine Subtypisierung zwischen mikro- und makrovaskulären Schlaganfällen war uns mittels dynamischer Gefäßanalyse möglich (unpublizierte Daten, Ziemssen)“ (3, 4, 5).

Von Augenbewegungen auf Hirnerkrankungen schließen

Im Rahmen der Erforschung der zerebralen Steuerung von Augenbewegungen und Sehfunktionen wird seit über 20 Jahren das Auge immer wieder als ein „Fenster zum Gehirn“ bezeichnet. Eine genaue Analyse spezifischer okulomotorischer Funktionen erlaubt gezielte Rückschlüsse auf die dafür verantwortliche Schädigung im Gehirn, ihre Lokalisation in Hirnrinde, Basalganglien, Hirnstamm oder Kleinhirn sowie auf die begleitenden kognitiven Störungen. „Je mehr Einblicke wir in die Zusammenhänge zwischen Augenbewegungen und der Funktionsweise unseres Gehirns gewinnen, desto besser können wir neurologische Erkrankungen erkennen und lokalisieren sowie Behandlungserfolge kontrollieren“, sagt Professor Wolfgang Heide, Sprecher der Kommission Neuroophthalmologie/

Neurootologie der DGN. Sakkaden- oder Augenfolgebewegungs- Paradigmata untersuchen die Okulomotorik in einem spezifischen Verhaltenskontext und lassen damit Rückschlüsse auf beteiligte kognitive Funktionen und deren Defizite zu – wie räumliche Orientierung, visuelle Aufmerksamkeit, räumliches Arbeitsgedächtnis, Generierung motorischer Sequenzen, Inhibition nicht erwünschter motorischer Reaktionen oder Entscheidungsfindung. Störungen der letztgenannten Funktionen konnten aktuell mittels spezifischer Sakkaden-Testung bei Parkinson-Patienten identifiziert werden (6, 7, 8). Durch Analyse der Augenbewegungen bei der visuellen Suche ließen sich tiefgreifende höhere Hirnleistungsstörungen mit Einfluss auf das krankhafte Raumorientierungsverhalten bei Patienten mit visuellem Neglect-Syndrom näher spezifizieren (9, 10). Mit Hilfe des Doppel-Sakkaden-Paradigmas („double-step saccades“) konnte eine gravierende Störung der Raumkonstanz-Wahrnehmung bei Patienten mit hinteren Parietallappen-Läsionen entdeckt werden (11, 12). Aktuelle Publikationen geben Einblicke in basale Hirnfunktionen, z.B. die Rolle des Kleinhirns bei der Sakkaden-Adaptation, die neurale Mechanismen motorischen Lernens widerspiegelt (13). Viele dieser Erkenntnisse können heute klinisch genutzt werden. Beispielsweise lassen sich manche Hirnstammerkrankungen aufgrund der Störungsmuster von Augenbewegungen genauer lokalisieren als mit dem MRT (Übersichten in: 14, 15).

Literatur

1. Ziemssen T, Ziemssen F. Perspectives of an innovative ophthalmological technology: optical coherence tomography (OCT – what should be of interest to the neurologist? Clinical Neurology and Neurosurgery 2013; 115 Suppl 1: S55–9 (doi.org/10.1016/j.clineuro.2013.09.022)
2. Reimann M, Vilser W, Gruber M, Bornstein SR, & Ziemssen T. Insulin is a key determinant of elevated retinal arteriolar flicker response in insulin-resistant individuals. Diabetologia 2015 (doi.org/10.1007/s00125-015-3639-z)
3. Reimann M, Rüdiger H, Weiss N, Ziemssen T. Acute hyperlipidemia but not hyperhomocysteinemia impairs reflex regulation of the cardiovascular system. Atherosclerosis Supplements 2015; 18: 8–15 (doi.org/10.1016/j.atherosclerosissup.2015.02.004)
4. Reimann M, Weiss N, Ziemssen T. Different responses of the retinal and cutaneous microcirculation to transient dysmetabolic conditions. Atherosclerosis Supplements 2015; 18: 1–7 (doi.org/10.1016/j.atherosclerosissup.2015.02.001)
5. Reimann M, Folprecht G, Haase R, Trautmann K, Ehninger G, Reichmann H, et al. Anti-Vascular endothelial growth factor therapy impairs endothelial function of retinal microcirculation in colon cancer patients – an observational study. Experimental & Translational Stroke Medicine 2013; 5(1): 7 (doi.org/10.1186/2040-7378-5-7)
6. Machner B, Klein C, Sprenger A, Baumbach P, Pramstaller PP, Helmchen C, Heide W. Eye movement disorders are different in Parkin-linked and idiopathic early-onset PD. Neurology 2010; 75: 125–128
7. Gorges M, Pinkhardt EH, Kassubek J. Alterations of eye movement control in neurodegenerative movement disorders. J Ophthalmol Volume 2014 (2014), Article ID 658243
8. Zhang J, Rittman T, Nombela C, Fois A, Coyle-Gilchrist I, Barker RA, Hughes LE, Rowe JB. Different decision deficits impair response inhibition in progressive supranuclear palsy and Parkinson's disease. Brain 2016; 139(Pt 1): 161–73
9. Sprenger A, Koempf D, Heide W. Visual search in patients with left visual hemineglect. Prog Brain Res 2002; 140: 395–416
10. Machner B, Dorr M, Sprenger A, von der Gablentz J, Heide W, Barth E, Helmchen C. Impact of dynamic bottom-up features and top-down control on the visual exploration of moving real-world scenes in hemispatial neglect. Neuropsychologia 2012; 50(10): 2415–25
11. Heide W, Blankenburg M, Zimmermann E, Kömpf D. Cortical control of double-step saccades – implications for spatial orientation. Ann Neurol 1995; 38: 739–748
12. Klier EM, Angelaki DE. Spatial updating and the maintenance of visual constancy. Neuroscience 2008; 156(4): 801–18
13. Hong S, Negrello M, Junker M, Smilgin A, Thier P, De Schutter E. Multiplexed coding by cerebellar Purkinje neurons. eLife 2016; 5 (DOI: 10.7554/eLife.13810)
14. Heide W. Augenbewegungsstörungen und Schwindel. In: Berlit P. (Ed.) Klinische Neurologie. 3. Auflage 2011, Springer Verlag, Heidelberg, S. 425–453
15. Leigh RJ, Zee DS. The Neurology of Eye Movements. 5th Edition, Oxford University Press, New York 2015

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen, 23.09.2016 15:40

Das Auge enthält den einzigen optisch zugänglichen Teil des Gehirns: die Retina mit Gefäßen und dem Eintritt des Sehnerven. Bei vielen neurologischen Erkrankungen lassen sich Veränderungen am Auge feststellen, die mit entsprechenden Hirnveränderungen korrelieren. Prominentestes Beispiel ist die Multiple Sklerose. Eine genaue Analyse spezifischer Augenbewegungen und Sehfunktionen erlaubt zudem gezielte Rückschlüsse auf die dafür verantwortliche Schädigung im Gehirn, ihre Lokalisation und auch die begleitenden kognitiven Störungen. Auf dem 89. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Mannheim werden neue Erkenntnisse aus der Neuroophthalmologie präsentiert.


Was die Retina über Multiple Sklerose und die Gehirngefäße verraten kann

„Mit modernen bildgebenden Verfahren lassen sich sowohl vaskuläre als auch neuronale Veränderungen der Retina, die Teil des Zentralen Nervensystems ist, darstellen und analysieren“, sagt Professor Tjalf Ziemssen, Neurologe mit ophthalmologischen Wurzeln am Universitätsklinikum Dresden. „Viele neurologische Erkrankungen können wir damit heute am Auge ablesen.“ Die in den letzten Jahren methodisch enorm verbesserte optische Kohärenztomographie (OCT) ist wesentlich aussagekräftiger als eine konventionelle Ophthalmoskopie: Man kann alle zehn Retinaschichten in mikroskopischer Auflösung darstellen und in wenigen Sekunden abscannen (1). Die gemessenen Veränderungen korrelieren erstaunlich gut mit degenerativen Hirnveränderungen bei chronischen neurologischen Erkrankungen: z.B. die Dicke der retinalen Faserschicht (RNFL) mit dem Hirnvolumen, die Dicke der inneren Körnerschicht (INL) mit dem Volumen aller in der Kernspintomographie (MRT) dargestellten T2-hyperintensen Entzündungsherde und die Dicke der äußeren Körnerschicht (ONL) mit der fortschreitenden Neurodegeneration bei Multipler Sklerose (MS). Diese Erkenntnisse konnten in der letzten Zeit auch auf andere neurologische Erkrankungen übertragen werden, z.B. gibt es Veränderungen der RNFL bei der Alzheimer-Demenz oder Veränderungen der ONL und der Dicke der Ganglionzellschicht bei Parkinson-Patienten.

Herausragende Bedeutung hat die Retinadiagnostik bereits jetzt bei der Multiplen Sklerose. Mittels OCT können degenerative Veränderungen der Retina in der Folge von Optikusneuritiden, aber auch unabhängig hiervon nachgewiesen werden. Mit rezenten Post-Prozessierungsverfahren können zudem nicht nur die retinale Nervenfaserschicht, sondern auch tiefergelegene neuronale Schichten der Netzhaut reliabel vermessen werden. Hierdurch können beispielsweise axonale von neuronalen Degenerationen (Atrophie) getrennt prozessiert und mit MRT-Parametern zur Atrophie (z.B. graue Substanz) korreliert werden. „Das visuelle System ist somit ideal, um den Prozess der Neurodegeneration, Neuroprotektion oder sogar Neuroregeneration zu evaluieren und darzustellen, zumal man Struktur und Funktion parallel erfassen und analysieren kann“, fasst Ziemssen zusammen und ergänzt: „Die Möglichkeit, neuroregenerative Prozesse anhand der unterschiedlichen Untersuchungsverfahren des optischen Systems darstellen zu können, haben wir schon mehrfach in klinischen Studien zur Evaluation neuer Medikamente genutzt.“
Ein weiteres nicht-invasives Untersuchungsverfahren der Netzhaut ist die retinale Gefäßanalyse. Mit einer speziellen Funduskamera lassen sich Arterien- und Venendurchmesser in realtime zuverlässig darstellen und in ihren Durchmesserveränderungen verfolgen, so dass der funktionelle Status der retinalen Mikrogefäße beurteilt werden kann. „Uns gelang es kürzlich, beim metabolischen Syndrom im Frühstadium Auffälligkeiten der retinalen Mikrozirkulation darzustellen“, sagt Ziemssen (2). „Darüber hinaus konnten wir durch unterschiedliche endothelschädigende Medikamente bzw. Stoffwechselprodukte eine Modulation der arteriellen und venösen Gefäßfunktionen der Retina nachweisen. Auch eine Subtypisierung zwischen mikro- und makrovaskulären Schlaganfällen war uns mittels dynamischer Gefäßanalyse möglich (unpublizierte Daten, Ziemssen)“ (3, 4, 5).

Von Augenbewegungen auf Hirnerkrankungen schließen

Im Rahmen der Erforschung der zerebralen Steuerung von Augenbewegungen und Sehfunktionen wird seit über 20 Jahren das Auge immer wieder als ein „Fenster zum Gehirn“ bezeichnet. Eine genaue Analyse spezifischer okulomotorischer Funktionen erlaubt gezielte Rückschlüsse auf die dafür verantwortliche Schädigung im Gehirn, ihre Lokalisation in Hirnrinde, Basalganglien, Hirnstamm oder Kleinhirn sowie auf die begleitenden kognitiven Störungen. „Je mehr Einblicke wir in die Zusammenhänge zwischen Augenbewegungen und der Funktionsweise unseres Gehirns gewinnen, desto besser können wir neurologische Erkrankungen erkennen und lokalisieren sowie Behandlungserfolge kontrollieren“, sagt Professor Wolfgang Heide, Sprecher der Kommission Neuroophthalmologie/

Neurootologie der DGN. Sakkaden- oder Augenfolgebewegungs- Paradigmata untersuchen die Okulomotorik in einem spezifischen Verhaltenskontext und lassen damit Rückschlüsse auf beteiligte kognitive Funktionen und deren Defizite zu – wie räumliche Orientierung, visuelle Aufmerksamkeit, räumliches Arbeitsgedächtnis, Generierung motorischer Sequenzen, Inhibition nicht erwünschter motorischer Reaktionen oder Entscheidungsfindung. Störungen der letztgenannten Funktionen konnten aktuell mittels spezifischer Sakkaden-Testung bei Parkinson-Patienten identifiziert werden (6, 7, 8). Durch Analyse der Augenbewegungen bei der visuellen Suche ließen sich tiefgreifende höhere Hirnleistungsstörungen mit Einfluss auf das krankhafte Raumorientierungsverhalten bei Patienten mit visuellem Neglect-Syndrom näher spezifizieren (9, 10). Mit Hilfe des Doppel-Sakkaden-Paradigmas („double-step saccades“) konnte eine gravierende Störung der Raumkonstanz-Wahrnehmung bei Patienten mit hinteren Parietallappen-Läsionen entdeckt werden (11, 12). Aktuelle Publikationen geben Einblicke in basale Hirnfunktionen, z.B. die Rolle des Kleinhirns bei der Sakkaden-Adaptation, die neurale Mechanismen motorischen Lernens widerspiegelt (13). Viele dieser Erkenntnisse können heute klinisch genutzt werden. Beispielsweise lassen sich manche Hirnstammerkrankungen aufgrund der Störungsmuster von Augenbewegungen genauer lokalisieren als mit dem MRT (Übersichten in: 14, 15).

Literatur

1. Ziemssen T, Ziemssen F. Perspectives of an innovative ophthalmological technology: optical coherence tomography (OCT – what should be of interest to the neurologist? Clinical Neurology and Neurosurgery 2013; 115 Suppl 1: S55–9 (doi.org/10.1016/j.clineuro.2013.09.022)
2. Reimann M, Vilser W, Gruber M, Bornstein SR, & Ziemssen T. Insulin is a key determinant of elevated retinal arteriolar flicker response in insulin-resistant individuals. Diabetologia 2015 (doi.org/10.1007/s00125-015-3639-z)
3. Reimann M, Rüdiger H, Weiss N, Ziemssen T. Acute hyperlipidemia but not hyperhomocysteinemia impairs reflex regulation of the cardiovascular system. Atherosclerosis Supplements 2015; 18: 8–15 (doi.org/10.1016/j.atherosclerosissup.2015.02.004)
4. Reimann M, Weiss N, Ziemssen T. Different responses of the retinal and cutaneous microcirculation to transient dysmetabolic conditions. Atherosclerosis Supplements 2015; 18: 1–7 (doi.org/10.1016/j.atherosclerosissup.2015.02.001)
5. Reimann M, Folprecht G, Haase R, Trautmann K, Ehninger G, Reichmann H, et al. Anti-Vascular endothelial growth factor therapy impairs endothelial function of retinal microcirculation in colon cancer patients – an observational study. Experimental & Translational Stroke Medicine 2013; 5(1): 7 (doi.org/10.1186/2040-7378-5-7)
6. Machner B, Klein C, Sprenger A, Baumbach P, Pramstaller PP, Helmchen C, Heide W. Eye movement disorders are different in Parkin-linked and idiopathic early-onset PD. Neurology 2010; 75: 125–128
7. Gorges M, Pinkhardt EH, Kassubek J. Alterations of eye movement control in neurodegenerative movement disorders. J Ophthalmol Volume 2014 (2014), Article ID 658243
8. Zhang J, Rittman T, Nombela C, Fois A, Coyle-Gilchrist I, Barker RA, Hughes LE, Rowe JB. Different decision deficits impair response inhibition in progressive supranuclear palsy and Parkinson's disease. Brain 2016; 139(Pt 1): 161–73
9. Sprenger A, Koempf D, Heide W. Visual search in patients with left visual hemineglect. Prog Brain Res 2002; 140: 395–416
10. Machner B, Dorr M, Sprenger A, von der Gablentz J, Heide W, Barth E, Helmchen C. Impact of dynamic bottom-up features and top-down control on the visual exploration of moving real-world scenes in hemispatial neglect. Neuropsychologia 2012; 50(10): 2415–25
11. Heide W, Blankenburg M, Zimmermann E, Kömpf D. Cortical control of double-step saccades – implications for spatial orientation. Ann Neurol 1995; 38: 739–748
12. Klier EM, Angelaki DE. Spatial updating and the maintenance of visual constancy. Neuroscience 2008; 156(4): 801–18
13. Hong S, Negrello M, Junker M, Smilgin A, Thier P, De Schutter E. Multiplexed coding by cerebellar Purkinje neurons. eLife 2016; 5 (DOI: 10.7554/eLife.13810)
14. Heide W. Augenbewegungsstörungen und Schwindel. In: Berlit P. (Ed.) Klinische Neurologie. 3. Auflage 2011, Springer Verlag, Heidelberg, S. 425–453
15. Leigh RJ, Zee DS. The Neurology of Eye Movements. 5th Edition, Oxford University Press, New York 2015

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
www.dgn.org

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