Schon gewusst? Secondhand hat seine Wurzeln in Italien, genauer gesagt in der Kult-Stadt Florenz. Bereits im Jahr 1280 haben Straßenverkäufer mit gebrauchter Kleidung gehandelt. Heute ist Secondhand weitverbreitet und beschränkt sich nicht nur auf den Mode-Bereich.
Was genau es damit auf sich hat und weshalb Secondhand essenziell für unsere Zukunft ist, lesen Sie hier.
Was ist Secondhand?
Secondhand bedeutet übersetzt “aus zweiter Hand” und steht für Gegenstände, die bereits gebraucht sind, sich aber in guter Verfassung befinden. Man kennt Secondhand in erster Linie von Kleidungsstücken. Diese wurden bereits getragen, sind aber noch gut erhalten und können deshalb problemlos von einer anderen Person weitergetragen werden.
Mit dem Kauf gebrauchter Ware schützt man die Umwelt und schont gleichzeitig den Geldbeutel, denn das Erwerben von Secondhand-Artikeln ist günstiger als ein Neukauf.
Designer Möbel aus zweiter Hand
Wie bereits erwähnt, beschränkt sich Secondhand nicht nur auf Mode. Auf Whoppah gibt es zum Beispiel ein verlockendes Angebot an Kunst und Designermöbeln, die ein zweites Zuhause suchen. Hört man das Wort “Designer”, denkt man vielleicht an teure, luxuriöse Produkte, die sich nur die Superreichen leisten können. Doch diese Überzeugung gehört ab sofort der Vergangenheit an. Aus zweiter Hand sind die Möbel für die breite Masse zugänglich und bringen mit innovativen Farben und Formen neues Leben in jedes Zuhause.
Sie finden etwa den heiß begehrten Vitra Sessel zu bezahlbaren Preisen. Dieser passt unserer Meinung nach besonders gut ins Homeoffice, denn er verleiht Ihrem Arbeitsplatz einen Hauch Eleganz und ein luxuriöses Gefühl beim Arbeiten.
Secondhand-Mode
Fast Fashion ist ein Problem der Neuzeit. Am laufenden Band werden neue Kollektionen zu Billig-Preisen produziert und vertrieben. Was letzte Woche im Trend war, ist heute wieder out. Dadurch werden wir ständig dazu angehalten, Geld für Kleidung auszugeben, um modisch auszusehen und dazuzugehören. Das ist einerseits schlecht für unseren Geldbeutel, aber noch viel schlimmer für die Umwelt. Die Herstellung der enormen Mengen an Textilien produziert jährlich mehr als eine Billion Tonnen CO2. Das ist belastender als der internationale Flug- und Schiffsverkehr zusammen.
Gegen diese erschreckenden Zahlen müssen wir dringend etwas tun. Mit dem Kauf gebrauchter Kleidung unterstützt man einen nachhaltigen Konsum, schont die Umwelt und spart nebenbei noch Geld.
Geld sparen bei Babyzubehör & Kinderspielzeug
Babys und Kinder sind teuer – man benötigt ein großes Budget, um das nötige Zubehör, Kleidung und weitere Ausrüstung anzuschaffen. Als Familie spart man sich riesige Summen Geld, wenn man bei diesen Investitionen auf gebrauchte Ware zurückgreift. Ein Kinderwagen, Spielzeug oder ein Laufrad lassen sich heutzutage problemlos aus zweiter Hand erwerben. Eltern sparen dadurch Beträge im drei- bis vierstelligen Bereich.
Für den Kauf eignen sich beispielsweise Flohmärkte, Online-Plattformen wie eBay-Kleinanzeigen oder Freunde und Bekannte, die bereits ältere Kinder haben.
Kontostand aufbessern durch eigene Verkäufe
Von Secondhand kann man nicht nur als Käufer profitieren. Jeder hat die Möglichkeit, selbst tätig zu werden und sich durch den Verkauf alter Gegenstände etwas Geld zu verdienen. Als Familie, die keine weiteren Kinder plant, kann man Zubehör wie den Kinderwagen, Autositz, Babybett oder Kinderstühle verkaufen. Diese Ausrüstung benötigt man nie wieder, durch das Weitergeben hilft man einer anderen Familie beim Geld sparen und bessert den eigenen Kontostand auf. Außerdem schafft man wieder mehr Platz im Eigenheim – eine klare Win-win-Situation.
Für jeden, der kein Kinderzubehör zum Abgeben hat, lohnt sich ein Blick in den Keller und den Kleiderschrank trotzdem. Ungetragene, gut erhaltene Klamotten können problemlos im Internet oder auf einem Flohmarkt weiterverkauft werden. Altes Spielzeug, Möbel und Co. lassen sich ebenfalls vertreiben.
Unser Fazit
Secondhand ermöglicht es uns, ein nachhaltiges und bewusstes Leben zu führen. Es ist zudem die ideale Möglichkeit, bei neuen Anschaffungen Geld zu sparen. Wer nicht nur sparen, sondern auch verdienen möchte, kann selbst zum Secondhand-Verkäufer werden und gebrauchte Gegenstände vertreiben.
West Side Story die Jets sind im “Anflug” Foto Jeff-Busby
Lonny Price Director
Julio Monge
Choreographer
Grant Sturiale
Musical Supervisor
Anna Louizos
Set Design
Alejo Vietti
Costume Design
Fabrice Kebour
Lighting Design
Martin Flohr
Executive Producer
West Side Story die Besucher warten gespannt auf den Beginn Foto Fleur Fuchs
In der New Yorker Upper West Side vibriert die Luft: Rivalisierende Strassengangs, leidenschaftliche Rhythmen, eine verhängnisvolle Feindschaft und mittendrin die ganz grosse Liebe, die dafür kämpft, alle Hindernisse zu überwinden – und tragisch scheitert. Lassen Sie sich begeistern von der mitreissenden Neuinszenierung der West Side Story, die den unsterblichen Musical-Klassiker in ein neues Zeitalter führt.
Längst im Rentenalter angekommen, ist das Musical und immer noch taufrisch, höchst lebendig und spritzig.
Zum Musical an sich
West Side Story die Besucher warten gespannt auf den Beginn Foto Fleur Fuchs
Kaum erklingen die ersten Töne der Ouvertüre findet man sich in den Straßen New Yorks wieder, inmitten des Verkehrsgewirrs, sieht vor dem geistigen Auge den Dampf aus den Gullydeckeln über den U-Bahn-Stationen aufsteigen, riecht die Armut und Hoffnungslosigkeit der Upper West Side.
Die Liedtexte: zur Musik von Leonard Bernstein verfasste Stephen Sondheim ; Literarische Vorlage war William Shakespeares « Romeo und Julia» ; Die Uraufführung: des Musicals fand statt am 26. September 1957 im: Winter Garden Theater in New York City. Die erste Verfilmung mit Natalie Wood: als Maria, gesungen von Marni Nixon und Richard Beymer als Tony, gesungen von Jimmy Bryant, gabs 1961, ausgezeichnet mit 10 Oscars, das Remake von Steven Spielberg kam im Dezember 2021 in die Kinos mit Ariana DeBose als Maria und Ansel Elgort als Tony, trotz 7 Oscar Nominierungen reichte es grad mal für einen , nämlich den Oscar als beste Nebendarstellerin für Ariana DeBose.
Handlung kurz und bündig
Szenenfoto von Johan Persson
Auf den Straßen der New Yorker West Side liefern sich in den 1950er Jahren zwei verfeindete Gangs einen erbitterten Bandenkrieg. Die einheimischen «Jets» wollen um jeden Preis ihr Revier gegen die zugewanderten puertoricanischen «Sharks» verteidigen. Die ohnehin angespannte Situation eskaliert, als sich der frühere Jets-Anführer Tony in die schöne Maria verliebt – die Schwester des Sharks-Anführers Bernardo. Ihre verbotene Romanze führt zu weiterem Blutvergießen.
Der Sohn des Komponisten in einem Interview
«Die erste klassische Oper der USA?», fragt er skeptisch. «Nein, es ist ein Musical – ein Musical mit opernhaften Zügen», sagt Alexander Bernstein. «Mein Vater und seine Mitstreiter wollten ein Werk schaffen, das in seiner Struktur europäisch, doch im Geist absolut amerikanisch sein sollte, durchsetzt mit verrückten Ideen aus dem Jazz und anderen Musikgenres sowie modernen Formen des Tanzes.».
Andere Adaptionen von Shakespeares Klassiker
Szenenfoto von Johan Persson
Die Macher der «West Side Story» waren bei weitem nicht die einzigen, die sich bei der Grundlage von Shakespeares Klassiker bedienten. So z.B. auch Charles Gounod für seine Oper «Roméo et Juliette», Angelin Preljocaj und Sergei Sergejewitsch Prokofjew für ihre Ballettmusik, ebenso ist «Romeo und Julia» auch eine vom Komponisten als „Fantasie-Ouvertüre“ bezeichnete sinfonische Dichtung des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski, selbst ein anderes Musical basiert auf dem Stoff, «Roméo et Juliette, de la Haine à l’Amour» ist das bisher erfolgreichste Musical in französischer Sprache. Text und Musik stammen von Gérard Presgurvic und mit seinem Werk «Romeo und Julia auf dem Lande» scheute sich mit Gottfried Keller selbst ein Schweizer nicht, die Grundlagen zu adaptieren und trotzdem überstrahlt, nebst dem Original von Shakespeare natürlich, Bernsteins Adaption bei weitem alle anderen an Bekanntheit und Beliebtheit.
Die Inszenierung im Zürcher Theater 11
Das Besondere am wohl bekanntesten Musical überhaupt ist, dass jedes Lied für sich ein Hit ist und nicht wie die meisten von einem, vielleicht zwei «musikalischen Aufhängern» lebt, wie z.B. bei «Hair» «Aquarius» und» Let the Sunshine in», «Cats» mit «Memory», «Old Deuteronomy», «Macavity. « und «Mr. Mistofelees», im «Phantom of the Opera» «The Show must go on» «All I Ask of You»
und «Angel of music», in »Jesus Christ Superstar « I dont know how to love him» und »Jesus Christ Superstar« in «Les Misérables» – «I Dreamed A Dream» in « Porgy & Bess «Summertime» und «It Ain’t Necessarily so», «Cabaret» mit «Welcome» und «Cabaret» usw.
Brillante Töne aus dem Orchestergraben
Braune Ziegelwände und Feuerleitern in den engen Häuserschluchten New Yorks sorgen für eine neue Intimität in den Dialogszenen. Foto Johan Persson
Dass diese “West Side Story” auch nach über sechs Jahrzehnten so frisch wie am ersten Tag wirkt, liegt – wie sollte es anders sein – vor allem an Bernsteins mit Ohrwürmern gespickter Partitur, die hier von einem für Musical – Tourneen Verhältnisse erfreulich groß besetzten Orchester unter Leitung von Grant Sturiale mit viel Herzblut umgesetzt wird. Da dürfen die Streicher im berühmten “Maria” oder in der ähnlich ikonischen Balkonszene pathetisch schwelgen und die jungen Liebenden in den siebten Himmel heben. Gleichzeitig kommt aus dem Graben aber auch ordentlich Druck bei den Auseinandersetzungen zwischen den «Jets» und «Sharks» und zudem harmonierte der «Graben» perfekt synchron mit den Bühnendarstellern.
Bühnenbild dient als überzeugende Grundlage für eine eindrückliche Inszenierung
West Side Story das ebenso einfache wie geniale Bühnenbild Foto Fleur Fuchs
Ein schon fast einfaches, unspektakuläres, in seiner Funktionalität, erlaubt mit wenigen Handgriffen rasche Szenenwechsel, aber schlicht geniales Bühnenbild in Form eines Hauses, in seinem düsteren Äussern durchaus mit dem Haus in Alfred Hitchcocks Horrorklassiker «Psycho» vergleichbar, dient, ebenso wie die stilechten, stimmigen Kostüme, für das grossartige Spektakel auf der Zürcher Theaterbühne.
«When you`re a Jet* Mit provokantem Fingerschnippen durchstreifen die Mitglieder der New Yorker Strassengang „Jets“ ihr staubiges Revier, auf der Suche nach ihren Rivalen, den puerto-ricanischen „Sharks“. In der sommerlichen Hitze der Stadt lassen leidenschaftliche Latinas zu feurigen Mambo-Rhythmen die Röcke fliegen und träumen dabei von einem besseren Leben. Mittendrin: Die grosse Liebe, die Grenzen und Vorurteile überwindet – in der Upper West Side vibriert die Luft vor Spannung. Eine direkte handgreifliche Konfrontation wird jedoch noch rechtzeitig von Officer Krupke unterbunden
«Something`s coming» Obwohl dem Gang Alter eigentlich entwachsen und von einer besseren Zukunft träumend, lässt sich Tony, Mitbegründer der «Jets», von deren aktuellen Anführer Riff dazu drängen, aus Loyalität beim «Feldzug» gegen die PQ`s, wie die «Sharks» von den Polizisten genannt werden, mitzutun.
Die erst kürzlich aus Puerto Rico nach New York gekommene Maria, Schwester des »Shark» Anführers Bernardo, arbeitet mit dessen Freundin in einem Brautkleiderratelier und freut sich auf die abendliche Tanzveranstaltung, der für sie den Start ihres Lebens in Amerika symbolisiert und für die ihr Anita ein Kleid näht.
Alle treffen sich beim Tanzanlass am Abend
Szenenfoto von Johan Persson
Zusammen mit Chino, dem für Maria vorgesehenen Bräutigam, holt Bernardi die Chicas zum Tanz ab, wo sich beim «Dance oft he Gym», einer Massenszene mit Tanzeinlagen, die dem puerto-ricanischen Temperament ebenso gerecht wird wie dem Tanzfieber der 50er Jahre., Tony und Maria zum ersten Mal begegnen und sich Knall auf Fall unsterblich ineinander verlieben, Das passt natürlich Bernardo gar nicht, was er denn auch unmissverständlich zum Ausdruck bringt und Chino anweist, Maria nach Hause zu bringen. Die Choreografien von Julio Monge sind im Allgemeinen bemerkenswert. So wird bereits in der Eröffnungsszene die Rivalität zwischen den Gangs allein durch einen Tanz verdeutlicht, der sich trotz einer am Ballett angelehnten Ästhetik sehr harmonisch in den Stil des Abends einfügt.
Maria und Tony Liebe ohne ZukunftFoto Jeff Busby
«Maria» Das Lied auf seinen Lippen macht Tony die Wohnung der Geschwister ausfindig und ruft Maria ans Balkonfenster, wo sie sich ewige Treue schwören und sich für den nächsten Abend im Atelier verabreden. «Tonight», während sich Anita mit ihren Freundinnen über ihr kommendes Leben in. «America» austauscht.
In Doc`s Drugstore, dem temporären Arbeitsort von Tony, handeln die beiden Gangchefts Riff und Bernardo die Bedingungen für den ultimativen Kampf aus.
Währenddessen bittet Doc die Jets «Cool» zu sein und die Strassenschlacht zu unterlassen. Worauf sich die beiden Gangs treffen und Tony den Vorschlag macht, dass sich je die beiden besten Kämpfer, stellvertretend für deren Gangs, in einem waffenlosen Zweikampf gegenüber stehen sollten.
Anita informiert Maria vom geplanten Kampf der Gangs. Tony erscheint, wie verabredet, kurz darauf im Atelier, worauf Anita dieses verlässt und die Verliebten allein lässt. Tony verspricht seiner Angebeteten auf deren Flehen hin, alles zu versuchen, um den Kampf zu verhindern, worauf die beiden sich ihre gemeinsame Zukunft und Heirat vorstellen, im Sinne und Duett von «One Hand, one Heart».
Maria fasst ihre Gefühlwelt im Hinblick auf das Treffen mit Tony im Song *I feel pretty» zusammen.
Am nächsten Abend treffen sich beide Gangs unter der Autobahnbrücke, um den Zweikampf auszutragen «The Rumble». Doch bevor dies geschieht, kommt Tony aufgebracht hinzu. Auf Marias Wunsch versucht er, den Kampf zu verhindern. Bernardo missversteht Tonys Absicht und fordert ihn zum Kampf heraus. Das gefällt Riff nicht, und er schlägt Bernardo nieder. Daraufhin zücken die beiden ihre Springmesser. Bevor Tony oder irgendein anderes Mitglied der beiden Gangs eingreifen kann, wird Riff von Bernardo erstochen. Dies entfacht einen heftigen Kampf, in dem Tony Bernardo mit dem Messer seines Freunds Riff tötet. Dieser Kampf kann erst mit dem Eintreffen der Polizei gestoppt werden.
Chino überbringt Maria die Nachricht vom Tod ihres Bruders Bernardo. Als Tony bei Maria auftaucht, macht sie ihm heftige Vorwürfe. Er überzeugt sie jedoch davon, dass Bernardos Tod nicht beabsichtigt war. Die beiden fallen einander in die Arme und träumen von einer besseren Zukunft «Somewhere».
Als Anita auftaucht, flieht Tony, vergisst jedoch seine Jacke. Anita bemerkt das sofort und rät Maria, von ihm abzulassen, da er schlecht für sie sei «A Boy like that». Maria überzeugt sie jedoch von ihrer Liebe zu Tony «I Have a Love». Sie schickt Anita zu Doc’s Drugstore, um Tony die Nachricht von einem Treffen am Abend zu überbringen, als Lieutenant Schrank hereinkommt, um Maria zu den Morden des Vorabends zu befragen.
Im Drugstore möchte Anita Tony die Nachricht von Maria überbringen. Die Jets trauen ihr jedoch nicht und unternehmen den Versuch, sie zu vergewaltigen. Daraufhin behauptet sie, dass Chino Maria aus Eifersucht erschossen habe. Als Doc, der Besitzer von Doc’s Drugstore, Tony diese Nachricht überbringt, beginnt dieser, verzweifelt durch die Straßen der West Side zu laufen, um Chino zu finden, dass dieser ihn ebenfalls erschieße. Dabei trifft er auf Maria und läuft auf sie zu. Doch da erscheint Chino und erschießt Tony in Marias Armen.
Schließlich begreifen die Gangs, dass es sich nicht lohnt, wegen ihrer Konflikte Menschenleben zu opfern, und tragen gemeinsam die Leiche von Tony davon «Reprise Somewhere».
Ausdrucksstarke, spielfreudige Darsteller*innen
Romeo und Julia 2023 Jadon Webster als Tony, Melanie Sierra als Maria
Melanie Sierra und Jadon Webster verkörpern die beiden Liebenden mit großer Authentizität. Keine großen Opernstimmen, denen man bei Tonaufnahmen oftmals begegnet, hier aber falsch am Platz wären, sondern zwei ausgewiesene Musicalprofis mit solidem klassischem Fundament, die Bernsteins populären Songs ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken und auch im “Somewhere”-Traumballett eine gute Figur machen. Alle Agierenden, auch in den kleinsten Rollen, so ist seh- und hörbar, verfügen über die heute geforderte sehr anspruchsvolle professionelle Musicalausbildung die bis zu drei Jahren dauert.
Die originalen Tanznummern faszinieren auch heute noch
West Side Story die Akteurinnen beim Schlussapplaus Foto Fleur Fuchs
Genau wie die Tanznummern von Fred Astaire und Ginger Rogers in deren Filmen auch heute noch Kult und Wegweisend sind, ist es auch die Originalchoreografie von Broadway-Legende Jerome Robbins, die von Julio Monge wieder zum Leben erweckt wird. Dies ist die wohl grösste Stärke dieser Inszenierung, bei der das junge Ensemble absolut vehement und mit jeder Menge Adrenalin und sehr viel gymnastischen und tänzerischen Können in den großen Ballettsequenzen agiert und liefert die Nummern mit einer schon fast unheimlichen Präzision ab. Da steigert sich die Spannung beim “Dance at the Gym”, wo sich die verfeindeten Gangs zu pulsierenden lateinamerikanischen Rhythmen auf dem Tanzparkett “duellieren”. Und auch das von Kyra Sorce als Anita mit wehenden Röcken angeführte “America” schäumt geradezu über vor Lebensfreude und Glauben an den amerikanischen Traum, der in der straffen, zügigen Produktion trotz Unerreichbarkeit, immer wieder angedeutet wird.
Fazit
Da lohnt es sich, auch von der Innerschweiz, ja gar von Züri West nach Zürich zu pilgern, wenn man solch einen Augen- und Ohrenschmaus vorgesetzt bekommt.
Märchenhaftes Konzerterlebnis: Daniel Dodds (Violine), Julian Riem (Klavier) und Raphaela Gromes (Cello) im Zeugheersaal des Hotels Schweizerhof Foto Dominik Fischer Festival Strings Lucerne
Besetzung und Programm: Daniel Dodds Violine Raphaela Gromes Cellist Julian Riem Klavier
ROBERT SCHUMANN · Märchenerzählungen op. 132 · Fantasiestücke op. 73 KAROL SZYMANOWSKI · Mythen op. 30 FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY · Scherzo aus «Ein Sommer nachts-traum» op. 61 Nr. 1 MAURICE RAVEL · Ma mère l’oye (1908/1910) ERNEST CHAUSSON · Poème op. 25 FRANZ LISZT · Gnomenreigen, aus 2 Konzertetüden S. 145 PAUL JUON · Märchen a-Moll op. 8 PETER ILJITSCH TSCHAIKOWSKY · Walzer aus dem Ballett «Dornröschen» op. 66
Wie immer begrüsste Orchesterdirektor Hans Christoph Mauruschat die Gäste, diesmal mit den besten Neujahrswünschen für das noch junge neue Jahr 2023.
Daniel Dodds Foto Fabrice Umiglia
Die künstlich-künstlerische Verschleierung der Wirklichkeit ist einer der Topoi der romantischen Schaffensweise, und den Literaten wie auch den Musikern jener Epoche kamen u. a. Mythen und Märchen als Inspiration für den Akt des Verschleierns entgegen: Wie wunderbar lassen sich sensible innere Erfahrungen, die als zu fragil für den harten Zusammenprall mit Wirklichkeit empfunden werden, in die traumähnlichen, irrealen Bilder fantastischer Erzählungen kleiden! Ein Musiker wie Robert Schumann, dem der innere Zusammenhang verschiedener Kunstgattungen bewusst war und am Herzen lag, ließ sich vom Märchengenre denn auch musikalisch inspirieren, wovon seine Zyklen „Märchenerzählungen“, „Märchenbilder“ und „Fantasiestücke“ zeugen.
Raphaela Gromes Foto Wildundleise
Musik im Stile Schumanns erklingt hier anfangs noch fetzenweise wie im Nebel, gleitet aber immer wieder rasch in ein atonales, teils auch bis zum Geräuschhaften vordringendes Idiom ab, das sich dann für die folgenden Sätze weiter etabliert und ausdifferenziert. Spannender fast als Schumanns Musik sind diese Stücke, die ganz zeitgenössisches Empfinden und Erleben im Umgang mit Realität und Fiktion, mit Wirklichkeit und Unwirklichkeit widerzuspiegeln scheinen.
Trotz des gedämpft wirkenden, dunkel gefärbten Klangbildes dominiert die mit „Lebhaft“ umschriebene Ausdrucksdimension der Stücke, deren Grundhaltung durchaus optimistisch wirkt. Im Rahmen der kammermusikalisch besetzten Werke in freien Formen etabliert Schumann im Laufe seines Schaffens ein neues Genre, indem er diese mit konzeptionellen Inhalten bereichert: Bei klarer Trennung zur zyklisch gebundenen Sonatenform bringt er dennoch Momente der dort vorgegebenen formalen Strukturen sowie motivische und harmonische Techniken ein. So scheinen auch die Vier Märchenerzählungen für Klarinette, Viola und Klavier op. 132 zyklisch verbunden. Allein durch ihre tonartliche Disposition entsteht ein Zusammenhalt. Außerdem finden sich einige Kernmotive, die einzelne Abschnitte in Beziehung zueinander setzen. So schildert Schumann sein musikalisches Material auf vielfältige charaktervolle Weise, was nicht zuletzt das im Titel angedeutete „Erzählen“ einlöst.
Julian Riem Foto Georg Thum
Während das eröffnende Stück recht anmutig, aber noch verhalten lebhaft daherkommt, zeigt sich im folgenden eine dynamische Steigerung zum Kraftvollen. Ein kontrastierender lyrischer Mittelteil nimmt bereits die Stimmung des dritten Stücks vorweg, das sehr melodiös und beinahe volkstümlich-schlicht gehalten ist. Zwar fügt Schumann auch in die Mitte des Finales eine ruhigere Episode ein, dennoch überwiegt hier ein vor Kraft sprühender, schalkhaft-auftrumpfender Gestus, den die drei Musiker*innen meisterhaft zum Ausdruck bringen.
Dies verdankte das Publikum im ausverkauften Zeugheersaal mit reichlich Zuspruch in Form des stürmischen Applauses.
KAROL SZYMANOWSKI Mythen op. 30
v.l.n.r. Daniel Dodds Violine Julian Riem Klavier Raphaela Gromes Cello
Mit den 1915 komponierten “Mythen” schuf Szymanowski eine ebenso narkotisierende wie sensualistisch raffinierten Musik. Mit flirrenden Linien und Trillermelodien, immer neu eingefärbten Klangflächen, Flageoletts und anderem mehr entführen die Cellistin und Julian Riem am Klavier die Hörer in ferne, traumhaft unwirkliche Welten voller geheimnisvoller Klänge. Ein überragendes Plädoyer für Szymanowskis fantastische Musik, die leider viel zu selten programmiert ist.
Felix Mendelssohn Bartholdy Scherzo aus «Sommernachtstraum»
Hier lassen die drei auf der Bühne, entsprechend dem Namen des Werkes, scherzhaft, neckisch die Elfen durch den Saal tanzen, ganz im Gegensatz zu seinem *Tanz von Rüpeln», ist hier alles federleicht und filigran, die Künstler agieren phonetisch zurückhaltend, ergänzen sich bestens und harmonieren vorzüglich.
Sehr oft auf den Programmzetteln steht dafür das darauf folgende Werk von Maurice Ravel.
MAURICE RAVEL Ma mère l’oye
v.l.n.r. Daniel Dodds Violine Julian Riem Klavier Raphaela Gromes Cello
Der Pianist Julian Riem erklärte, dass Dornröschen, der Kleine Däumling, Die Kaiserin von den Pagoden und die Schöne und das Biest, alles Figuren aus Charles Perraults Märchensammlung, als Grundlage diente für Ravels Komposition. Diese Figuren lässt, der Komponist lebendig werden und schließlich in einem farbenprächtigen Feengarten das große Finale von “Ma mère l’oye” zelebrieren. Ein Stück für Kinder? Ja! Weil Ravel die ursprüngliche Klavierversion für die Kinder von Freunden komponiert hatte. Eine Miniatur? Auch! Weil der große Gestus dem intimen Detail weicht. Aber dennoch ein Stück mit Tücken. Voller Raffinesse. Eine gewisse Naivität wird, wie oft bei Ravel, zum Stilprinzip.
Cellistin Raphaela Gromes erläuterte, dass alle gespielten Stücke eigens vom Pianisten Julian Riem für die Besetzung im Schweizerhof und die daraus entstehende CD, arrangiert wurden, da einige im Original teilweise anders instrumentiert sind, wie bei Schumann z.B. das erste Stück Klarinette (ad lib. Violine), Viola und Klavier, ds zweite Klarinette in A, Flöte, Harfe und 2 Violen.usw.
ERNEST CHAUSSON Poème op. 25
v.l.n.r. Daniel Dodds Violine Julian Riem Klavier Raphaela Gromes Cello
Hier gelingt es den Protagonist*innen immer, bei den vielen in Oktaven geführten Passagen im Trio zu einem riesigen „Violin-Cello“ zu verschmelzen, was vor allem an der immer exakten Einheitlichkeit in der Intonation liegt. Hier wirken sie wie ein schon lange eingespieltes Trios, das den Chausson sehr souverän im Griff hat. Auch in den beiden im Kern lyrischen, in Aufschwüngen jedoch hochvirtuosen Ysaÿe-Soli . Hier kann aber Julian Riem aufgrund des unübersichtlichen und unglaublich dicken Klavierauszugs fast nur in Korrepetitoren-Manier agieren.
FRANZ LISZT Gnomen Reigen, aus 2 Konzertetüden S. 145
Unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts gehörte Franz Liszt zu den schillerndsten Persönlichkeiten. Er war Exzentriker und Frauenschwarm, Intellektueller, Geistlicher, Kosmopolit und Vielreisender, Unternehmer und Entertainer, ein virtuoser Pianist, der Konzertsäle füllte, ein Pädagoge und ein Komponist, der eine Vielzahl von Werken unterschiedlichster Gattung schuf.
Der Gnomen Reigen gehört zu den vielen Werken Liszts die neben Fingerakrobatik vor allem nach Charakterschilderung, nach Stimmungen und Impressionen verlangen. Diesem Verlangen kam das Trio auf der Bühne in jeder Hinsicht nach und man empfindet – bei geschmackvoll eingesetztem Rubato – eine ausgereifte Kontrolle des Materials, was zu Durchsichtigkeit und auch Klangschönheit führt, aber dafür Wildheit oder gar Exzess außen vorlässt.
PAUL JUON Märchen a-Moll op. 8
Raphaela Gromes und Julian Riem spielen vorzüglich aufeinander abgestimmt. Gromes besitzt ein sicheres Gefühl für melodische Entwicklungen. Sie hält sich streng an die Phrasierungsvorschriften der Komponisten, verliert sich aber nicht in einem bloßen Aneinanderreihen der einzelnen Phrasen, sondern erfasst stets auch die längeren Verläufe der Melodiebögen, in denen sie den Wechsel der Schwer- und Leichtpunkte sorgfältig herausarbeitet.
PETER ILJITSCH TSCHAIKOWSKY Walzer aus dem Ballett «Dornröschen» op. 66
Im Jahr 1889 schrieb der Komponist in einem Brief: „Mir scheint, dass die Musik dieses Balletts eine meiner besten Schöpfungen sein wird.“ Zu diesem Zeitpunkt war Tschaikowsky zwar bereits ein anerkannter Komponist, doch sein Lebensweg war kein leichter. Seine Eltern wollten, dass ihr Sohn Beamter wird. Doch ›Peter‹ – das ist der deutsche Name für Pjotr – setzte sich letztlich durch, lebte dafür aber zeitweise in bitterer Armut und musste viel Kritik einstecken. Das war nicht einfach für den sehr empfindsamen Musiker. Immer wieder verfiel er in Trübsinn und depressive Stimmungen. Seiner romantischen ›Dornröschen‹-Musik ist dies jedoch kaum anzuhören: Sie strotzt vor Leichtigkeit und großartigem musikalischem Ideenreichtum. Diese Leichtigkeit verströmte denn auch das Trio auf der Bühne, nur so strotzend vor Spiel- und voller Lebensfreude. Dieses Dornröschen war gar nicht im Tiefschlaf, sondern, im Gegenteil, hellwach und äusserst lebendig.
Die Künstler freuen sich über die stehende Ovation
Als Zugabe in Verdankung der stehenden Ovation zelebrierten die drei noch den «Abendsegen” aus der Oper “Hänsel und Gretel” von Engelbert Humperdinck.
Ein Stück, das nebst den andern dargebotenen auch auf der CD «Imagination» ( war gleichzeitig auch der Konzertname), die die Künstler nachher auch signierten, so man eine erworben hatte.
Diese Kammermusikkonzerte am späten Sonntagnachmittag, eigentlich während der Corona Pandemie fast aus der Not geboren, haben sich mehr als etabliert, erfreuen sich immer regem Zuspruch, d.h. der Zeugheersaal im «Schweizerhof» ist eigentlich immer bis auf den letzten Platz gefüllt und haben inzwischen auch ihren festen Platz im Konzertkalender der «Strings».
Szenenfoto von Roberto Conciatori Martin Weidmann als Kálmán Zsupán umringt vom Kinderchor
Produktion und Besetzung Katrin Gurtner Produktionsleitung Harald Siegel Musikalische Leitung Francesco Cagnasso Musikalische Assistenz/Nachdirigate Ursula Lysser Regie Christina Teuber Regieassistenz Peter G. Meyer Chorleitung Catherine Treyvaud Fix Choreografie Ballett Dietlind Ballmann Leitung Kosümbild Hanni Nievergelt Leitung Maske Lars Bolliger Leitung Bühnenbild Solist*innen Max von Lütgendorff Sándor Barinkay Valentina Russo Sáffi Jeanne-Pascale Künzli Czipra Martin Weidmann Kálmán Zsupán Raphaela Felder Arsena Niklaus Loosli Ottokar Raya Sarontino Mirabella Fabian Egli Graf Peter Homonay Wolf H. Latzel Graf Peter Homonay Christian Menzi Conte Carnero Andreas Fitze Pali ChorKinderchorBallettOrchester
Vorgeschichte
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Katrin Gurtner, die die Produktionsleitung von Isabelle Ruf übernommen hat, bestätigt an der Medienorientierung vor der Premiere, dass einiges neu sei, das gut bewährte aber beibehalten würde. Natürlich spürten auch die Sorser Corona-Auswirkungen erläuterte Daniel Gloor, der Präsident der Theatergesellschaft, so habe man eine ungewöhnlich hohe Fluktuation verzeichnet, sei aber in der glücklichen Lage, die entstandenen Lücken ebenbürtig aufzufüllen, ja, der Chor ist eher gewachsen und hat sich verjüngt. Zudem konnte, in Zusammenarbeit mit der Musikschule Sursee, zum ersten Mal einen Kinderchor aufgestellt werden, dies ganz im Sinne des Komponisten, der sich wünschte, dass auch Kinder mitspielen.
Nachdem auch die Regisseurin Ursula Lysser, die erst im September zum neuen Team dazugestossen war und der musikalische Leiter Harald Siegel einige Erläuterungen abgegeben hatten, war die Journalistinnen Gruppe gut gerüstet für die gleich anschliessende Vorstellung.
Entstehungsgeschichte
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Ungewöhnlich lange brauchte Johann Strauß (Sohn) für die Fertigstellung seiner Operette „Der Zigeunerbaron“. Zwei Jahre lang arbeitete er an den drei Akten, deren Handlung auf einer Novelle des ungarischen Schriftstellers Mór (Maurus) Jókai beruht, bevor das Werk 1885 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde. „Der Zigeunerbaron“ zählt zu Strauß’ größten Bühnenerfolgen und ist auch heute noch sehr beliebt. Die Handlung spielt 1741 in der Gegend um Temesvár, als 25 Jahre nach der Schlacht bei Belgrad Sándor Barinkay in die Heimat seines damals verstoßenen Vaters zurückkehrt. Die elterlichen Güter sind besetzt und er verliebt sich zunächst in eine Frau, die ihn wegen seines verlorenen Titels verspottet
Die Handlung des «Zigeunerbaron»
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die ungarischen Grenzlande in Siebenbürgen sind vom Krieg verwüstet. Der türkische Statthalter, der Pascha von Temesvár, musste fliehen und seine kleine Tochter Sáffi zurücklassen, die, von der alten Zigeunerin Czipra behütet, als Zigeunerin aufwächst.
Die wohlhabenden Eltern von Sándor Barinkay, mit dem türkischen Pascha befreundet, mussten ins Exil gehen und starben dort.
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Story um den Abenteurer Sándor, der die Schweinezüchtertochter heiraten will und sich dafür zum “Zigeunerbaron» ernennt, hat die Regisseurin verdichtet, gekürzt. Sie erzählt sie aus der Perspektive eines ewiggestrigen Grafen, der nichts Anderes will, als die gute alte Ordnung wiederherzustellen, die nach dem Krieg im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn allerdings komplett out ist.
Das Bühnenbild von Lars Bolliger zweckmässig, in etwa so (un)spektakulär wies halt die ungarische Puszta ist.
Das Ballett, das des Öftern zwischendurch kurze Auftritte hat, wirkt durch den Hinzuzug von Choreografin Catherine Treyvaud Fix deutlich professioneller und lockert die Szenerie angenehm auf.
1.Akt
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Nachdem er 10 Jahre durch die Welt gereist ist, erbt Sándor Barinkay das heruntergekommene Landgut seines Vaters. Conte Carnero, ein königlicher Kommissär, unterstützt ihn bei der Abwicklung der Erbschaft.
Die Solisten, vor allem Max von Lütgendorff als Sándor und Valentina Russo als die begehrte “Zigeunerin” Saffi spielen und singen mit Verve und Witz, sehr operettenhaft und schmissig,
Eine Zigeunergruppe lebt auf seinem Anwesen und sein Nachbar, Schweinezüchter Zsupán, hat sich mit seinem Unternehmen auf Barinkays Grundstück breitgemacht. Barinkay möchte keinen Streit und willigt im Gegenzug ein, Arsena, die Tochter Zsupáns, zu heiraten. Arsena weist ihn jedoch ab, weil sie nur (mindestens) einen Baron heiraten will. Tatsächlich liebt sie Ottokar, den Sohn ihrer Erzieherin und Gouvernante Mirabella, kongenial verkörpert und gesungen von Raya Sarontino, die, so wird sich später noch herausstellen, die Exfrau des Conte Carnero ist, die dieser in einen türkischen Harem verschleppt wähnte.
Barinkay zieht sich zu den Zigeunern zurück, die ihn mit offenen Armen aufnehmen und zum Zigeunerbaron krönen. Da er trotz seines Titels von Arsena wieder abgewiesen wird, beschließt er aus Rache das Zigeunermädchen Sáffi zu heiraten, die Tochter der Wahrsagerin Czipra, herrlich verkörpert von Jeanne-Pascale Künzli, die auch über das nötige stimmliche Rüstzeug für diesen anspruchsvollen Part verfügt.
Die beiden verlieben sich aber tatsächlich Hals über Kopf ineinander, was in diesen Zeiten ein absoluter Skandal war.
Die Arien des ersten Aktes
Nr. 1, Introduktion – „Das wär’ kein rechter Schifferknecht“ (Ottokar, Czipra, Chor)
Nr. 2, Entrée-Couplet – „Als flotter Geist“ (Barinkay, Chor)
Nr. 3, Melodram und Ensemble – „So täuschte mich die Ahnung nicht“ / „Ja, das Schreiben und das Lesen“ (Czipra, Saffi, Barinkay, Carnero, Zsupán)
Nr. 4, Couplet – „Just sind es vierundzwanzig Jahr“ (Mirabella, Chor) [Die Nr. 4 wird oft in Aufführungen und Einspielungen gestrichen, so auch in der Surseer Inszenierung.]
Nr. 5, Ensemble – „Dem Freier naht die Braut“ (Arsena, Barinkay, Zsupán, Carnero, Mirabella, Chor)
Nr. 5a, Sortie – „Ein Falter schwirrt ums Licht“ (Arsena)
Nr. 6, Zigeunerlied – „So elend und so treu“ (Saffi)
Nr. 7, Finale I – „Arsena! Arsena!“ (Saffi, Arsena, Czipra, Mirabella, Barinkay, Ottokar, Zsupán, Carnero, Chor)
2.Akt
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Sáffi träumt in der Brautnacht von einem versteckten Schatz, den Barinkay auch findet. Da erscheint Graf Homonay, stehend auf einem Planwagen wie man sie auch aus alten Westernfilmen kennt, um lautstark Soldaten für den Krieg in Spanien zu rekrutieren. Er trickst Ottokar und Zsupán per Handschlag aus und setzt auch viele Fässer Tokajer, sogenannter Werber Wein ein, um potentielle Kandidaten euphorischer zu stimmen und so leichter rekrutieren zu können. Sie müssen als Soldaten mitziehen.
Barinkay übergibt seinen Schatz als Unterstützung an sein Vaterland. Da enthüllt Czipra, dass Sáffi die Tochter des ehemaligen türkischen Paschas ist, also eine Prinzessin. Barinakay fühlt sich ihrer nicht ebenbürtig und beschließt, in den Krieg zu ziehen um sich zu beweisen.
Im zweiten und dritten Akt – Sándor liebt jetzt Saffi, die Jungs ziehen in den Krieg und kehren arg lädiert, wenngleich lebendig zurück – zieht das Tempo an. Die Darsteller*innen dürfen viele Male spontanen Szenenapplaus geniessen. Dirigent Harald Siegel lässt akustische Funken sprühen, die Walzer laden ein zur Seligkeit. Fast drei Jahre erzwungene Untätigkeit haben praktisch keine Spuren hinterlassen, die Spielfreude ist gross, die Erleichterung, endlich wieder im Sorser Orchestergraben zu sitzen spürbar. Die Musiker und das Ensemble harmonieren, trotz teils grossen Fluktuationen in der Leitung und im Chor, als wäre nie was anderes gewesen. Die Inszenierung hat Witz, sie ist durchdacht, das Premierenpublikum, wie immer zum grossen Teil Einheimische und/oder aus der näheren Umgebung, zwar durchaus kritisch aber auch überzeigt von den Leistungen der über 150 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne.
Die Arien des zweiten Aktes
Nr. 8, Terzett – „Mein Aug’ bewacht“ (Saffi, Czipra, Barinkay)
Nr. 9, Terzett – „Ein Greis ist mir im Traum erschienen“ (Saffi, Czipra, Barinkay)
Nr. 10, Ensemble – „Auf, auf, vorbei ist die Nacht!“ (Pali, Chor)
Nr. 11, Duett – „Wer uns getraut“ (Saffi, Barinkay)
Nr. 12, Couplet – „Nur keusch und rein“ (Carnero) [Die Nr. 12 wird regelmäßig in Aufführungen und Einspielungen gestrichen.]
Nr. 12 1/2, Werber Lied – „Her die Hand, es muss ja sein“ (Homonay, Chor)
Nr. 13, Finale II – „Nach Wien!“ (Saffi, Czipra, Mirabella, Arsena, Barinkay, Ottokar, Carnero, Homonay, Zsupán, Chor)
3.Akt
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Einen Spanienfeldzug später … In der Hauptstadt des Hauses Habsburg, der Walzerstadt Wien, kehren die mehr oder weniger mutigen Helden des Krieges heim und werden – kraft der hoheitsvollen Hand Graf Homonays – mit den für sie vom Schicksal vorgesehenen Damen vereint. Barinkay wird für seinen Mut ausgezeichnet und erhält den Titel „Baron“. Sáffi wird endlich hochoffiziell seine Frau. Zsupán muss das seit Jahrzehnten gehegte Pantscherl mit Mirabella legitimieren, Arsena bekommt endlich ihren Ottokar und auch Bárinkay und Saffi finden zu guter Letzt zueinander. „Wenn man’s kann ungefähr, ist’s nicht schwer …Also fast wie in jeder Operette Ende gut, alles gut.“
Neues Leitungsteam meistert die Feuertaufe souverän
Auch mit dem neuen Leitungsteam ist die Surseer Operette auf gutem Weg, die fast 100jährige Erfolgsgeschichte, seit dem «Fidelen Bauer» 1928, weiterzuschreiben. Die Solist*innen agierten gesanglich, wie auch schauspielerisch auf sehr hohem Niveau, lassen vergessen, dass immer noch mehrheitlich Laien auf der Bühne agieren. Der in dieser Operette gesanglich stark geforderte Chor war jederzeit auf der Höhe der Aufgabe.
Die Arien des dritten Satzes
Nr. 14, Chor – „Freuet euch!“ (Chor)
Nr. 15, Couplet – „Ein Mädchen hat es gar nicht gut“ (Arsena, Mirabella, Carnero)
Nr. 16, Marsch-Couplet – „Von des Tajo Strand“ (Zsupán, Chor)
Nr. 17, Einzugsmarsch – „Hurra, die Schlacht mitgemacht!“ (Chor)
Nr. 18, Finale III – „Heiraten! Vivat!“ (Saffi, Czipra, Mirabella, Arsena, Barinkay, Ottokar, Homonay, Zsupán, Chor)
Zur musikalischen Seite
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Musikalisch arbeitete Strauß in seinem „Zigeunerbaron“ herrlich filigran die Gegensätze zwischen der feinen österreichischen Gesellschaft und den leidenschaftlichen Zigeunern heraus. Mit Witz und Charme verknüpft er die musikalisch dargestellten unterschiedlichen Lebensweisen, indem er zum Beispiel mal melancholische mal energische Zigeunermusik und wienerisch angehauchte Polka- und Walzerklänge einander gegenüberstellt. Die Blasorchesterbearbeitung der Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron“ bietet für sämtliche Register musikalische und technische Herausforderungen. Ihre einzigartige Wirkung kann sich nur dann entfalten, wenn die Musiker blitzschnell zwischen den vielen unterschiedlichen Stimmungen und Musikstilen wechseln und sowohl den österreichischen Schmäh als auch die Exotik der Zigeuner überzeugend zum Erklingen bringen.
Höhepunkte u.a. die folgenden Arien
Als flotter Geist mit dem Refrain Ja, das alles, auf Ehr‘ (Auftrittslied des Sandor Barinkay),
Ja, das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fach gewesen (Auftrittslied des Kalman Zsupan),
O habet acht, habet acht vor den Kindern der Nacht! (Arie der Saffi)
Wer uns getraut? (Duett Saffi-Sandor)
Einige Bedenken bleiben
Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die einzige, aber wichtigste Frage die offen bleibt: Wie wird das traditionell eher ländlich geprägte Surseer Operettenpublikum auf dieses, schon fast Opern artige Werk reagieren. Ein Publikum, das sich von einer Operette eher etwas mehr Klamauk und Gaudi erwartet, beim «Zigeunerbaron» aber fast ausschliesslich mit Musik, wenn auch sehr guter und schöner, Vorlieb nehmen muss. Kommt hinzu, dass der Text des Librettisten Ignaz Schnitzer, basierend auf der Novelle „Sáffi des populären ungarischen Schriftstellers Maurus „Mór“ Jóka, äusserst umfangreich ist. Dieser wurde vorsichtshalber von Regisseurin Ursula Lysser gestrafft. Sie übertrug dafür dem Conte Carnero die zusätzliche Rolle eines Erzählers, dessen Dialoge, witzig, hintergründig, amüsant sich wie ein roter Faden ziehen, ein Kompass zur Orientierung durch die Handlung dienten. Ein äusserst kluger Schachzug. Zwar läuft auch diese Geschichte ab, wie fast alle anderen Operetten. Zuerst findet sich ein Pärchen, obwohl mindestens ein Teil davon auf eine andere Partnerin fixiert wäre, aber am Schluss haben sich, natürlich nach den üblichen Irrwegen, Verwirrungen, Intrigen usw. doch die jeweils richtigen Duos gefunden. Soweit so gut, nur kommen hier noch die Nebenschauplätze einer Erbschaftsangelegenheit, einer Schatzsuche ( nicht in Form einer weiblichen Person) und eines reellen Krieges dazu, was den Plot natürlich sehr kompliziert. Umso mehr sind da die Informationen des Erzählers hilfreich, damit man sich auch einigermassen im Gewirr der Geschichte orientieren kann und kapiert, was da vor sich geht.
Die Bedenken relativieren sich angesichts der Tatsache, dass doch jetzt schon 90 Prozent aller Tickets im Vorverkauf abgesetzt worden, so Präsident Daniel Gloor.
Dem Auditorium an der Première jedenfalls hats gefallen und sie belohnten die Protagonist*innen mit einer langanhaltenden stehenden Ovation, worauf diese sich mit einer Wiederholung der Schlussarie bedankten.
Blödsinnige Diskussionen über den, politisch unkorrekten? Operettentitel
Bereits sind in vielen deutschsprachigen Musikhäusern grosse Diskussionen im Gange, ob gewisse Texte noch als politisch korrekt so belassen werden dürfen und natürlich ist auch der Operettentitel «Der Zigeunerbaron» für einige nicht mehr vertretbar. Besonders hoch gingen die Wogen an der Wiener Volksoper und die Diskussionen über die dortige Inszenierung füllte die entsprechenden Gazetten.
Irgendwann sollte es doch mal genug sein mit diesen ewigen Gender- und political corectness Diskussionen, als ob wir keine grösseren Probleme hätten auf der Welt, ich jedenfalls gehe gerne in Lokale wo Gypsy Jazz, also Zigeunerjazz, gespielt wird, selbstredend, für einen absoluten Django Reinhard Fan.
Ich möchte wirklich nicht einen Bericht schreiben über die Operette eines von nicht sesshaften ungarischen Fahrenden zum Baron ernannten Landbesitzers.