Zum Hauptinhalt springen

Lifestyle

Stadttheater Sursee

Ein kleines Geschichtchen über das Stadttheater Sursee von Léonard Wüst

Stadttheater Sursee
Stadttheater Sursee

Seit neun Jahrzehnten ist die Surseer Operettenbühne schweizweit bekannt und galt immer schon als die beste Laienoperettenbühne des Landes. Bis weit in die 1970er Jahre  gehörte für die ländliche Bevölkerung ( vor allem aus dem Entlebuch und dem anschliessenden Emmental ) der jährliche Besuch der Operette Sursee zum kulturellen Höhepunkt des Jahres. So beförderten denn viele Carunternehmen aus der Deutschschweiz fast allabendlich teilweise ganze Dorfgemeinschaften, Trachtenvereine usw. aus fast allen Kantonen der deutschsprachigen Schweiz nach Sursee zur alljährlichen „Operette“.

Die Sorser Operette, der alljährliche Strassenfeger auf der Luzerner Landschaft

Theatersaal Stadttheater Sursee
Theatersaal Stadttheater Sursee

Kinos waren auf dem Lande spärlich gesät, Fernseher gabs noch nicht und wer schon, wer hatte gar ein eigenes Auto zu dieser Zeit. Das Angebot an kulturellen Anlässen auf dem Lande war damals, im Gegensatz zu heute, problemlos überschaubar, Heimunterhaltung wie z.B. Fernsehen oder Video schauen, den allerwenigsten zugänglich. So fusst teilweise der grosse Erfolg, den man am Stadttheater Sursee Dank dem Wechsel vom Schauspiel zum Singspiel vor 90 Jahren hatte und immer noch hat, auch auf der treuen Stammkundschaft aus ländlichen Gebieten. Unterstützt auch von den Carunternehmern, die die Tickets gleich hunderterweise kauften und die Carfahrten an die Sorser Operette fix in ihrem jährlichen Ausflugsprogranmm proklamierten.

Auch kritische Zeiten überstand man schadlos

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Eine besonders heikle Phase gabs mal im Jahre 1966, als in der Innerschweiz die Maul – und Klauenseuche ausgebrochen war. Von den Behörden wurden recht restriktive Vorschriften erlassen, um eine weitere Verbreitung derselben möglichst zu verhindern. So mussten u.a. vor den Eingängen des Theaters, der Restaurants usw. Seuchenteppiche gelegt werden. Immerhin wurden die Fahrten der Cars nach Sursee nicht untersagt, wie anfänglich allseits befürchtet. Heute ist das Publikum weit durchmischter als früher, aber noch immer ist der Besuch der Operette ein gesellschaftliches Ereignis und fix in der Agenda eingetragen und auch viele, die früher mal mit ihren Eltern mit dem Marti Car an der Operette waren, kommen heute mit dem eigenen Auto und mit ihren Kindern und schwärmen von früheren Zeiten, als alles noch viel einfacher und weniger luxuriös war.

Erfolgsgeschichte wird auch im renovierten Stadttheater fortgeschrieben

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Seit der grossen Renovation des Stadttheaters 199972000, sieht das neue Theater ja schon fast aus wie solche in grösseren Städten, der Charme der ganzen Inszenierung atmet aber nach wie vor in jeder Ritze des ehrwürdigen Gebäudes hinter der katholischen Pfarrkirche, dem man sich auch noch heute mit einer gewissen Ehrfurcht, aber auch grosser Vorfreude nähert. Noch immer sind Spuren früherer Akteurinnen zugegen, wenn auch nicht mehr visuell, so doch spirituell. Gute Geister, die mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass die ihnen folgenden Generationen mit ebenso viel Engagement und ebensolcher Spielfreude diese Tradition fortführen und den guten Ruf des Hauses mit ihren Leistungen bewahren, ja gar ausbauen.

Erfolg auch mit Produktionen wie an den grossen Häusern

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Mit grossem Respekt würden die Gründerväter feststellen, dass die heutigen Protagonisten die beiden letzten Jahre mit der „Fledermaus“ und „Boccaccio“ gar schon fast „richtige“ Opern erfolgreich auf die Bühne gebracht haben, ganz wie in grossen Häusern eben. Es gehört heute zum guten Ton, dass man in der Operette war, ist es doch auch noch so, dass man trotz teilweiser Professionalisierung, sehr viele Akteure persönlich kennt, gar mit ihnen verwandt ist. Sehr viel wird getan, ob auf der Bühne oder hinter der Kulisse, sei es als künstlerische Leiterin, sei es als Garderobiere oder Mittelbeschaffer, damit das Gesamtpaket Operette Sorsi sich weiterhin erfolgreich gegen eine immer grösser werdende Unterhaltungskonkurrenz behauptet und somit zuversichtlich den kommenden Jahren entgegengeblickt werden kann. Erneut ein starkes Zeichen gesetzt haben die Mitwirkenden auch dieses Jahr mit ihrem „Boccaccio“, dessen „Dernière“ ich, im ausverkauften Haus, angesehen habe. Auch am Schluss dieser Aufführung, wie an fast allen vorherigen, gab es eine verdiente „Standing Ovation“ für die Glanzleistung des Ensembles. Zum ausführlichen Bericht unserer Kolumnistin Noémie Felber über die Inszenierung gelangen Sie über unten eingefügten Link.

Kleine Fotodiashow der Boccaccio Produktion von Roberto Conciatori:

https://fotogalerien.wordpress.com/2018/01/14/stadttheater-sursee-boccaccio-operette-in-drei-akten-von-franz-von-suppe/

Bericht der Boccacio Première von www.noemiefelber.ch

https://innerschweizonline.ch/wordpress/stadttheater-sursee-boccaccio-von-franz-von-suppe-13-januar-2018-premiere-besucht-von-noemie-felber/

Text  www.leonardwuest.ch

Fotos: stadttheater-sursee.ch/willkommen

  • Aufrufe: 599
Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen

Gregory Porter und Band, KKL Luzern, 26. März 2018, besucht von Léonard Wüst

Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen
Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen

Besetzung:

Gregory Porter, Vocals – Chip Crawford, Piano – Ondřej Pivec, Hammond Organ – Tivon Pennicott, Saxophone – Jahmal Nichols, Bass – Emanuel Harrold, Drums

Rezension:

Gregory Porter  Kopfbedeckung
Gregory Porter Kopfbedeckung

Des Sängers Markenzeichen sind seine rau – melodiöse, raumfüllende  Baritonstimme und seine Kopfbekleidung. Und tatsächlich lässt Porters „Jazz Hat, wie er selbst ihn nennt, den Sänger aussehen wie das Mitglied einer religiösen Bruderschaft. Um seinen Kopf trägt er ein schwarzes Tuch, das nur sein Gesicht und seinen dichten, krausen, schwarzen Bart ausspart, obenauf sitzt eine dunkle Ballonmütze.

Warum? Die Erklärung fällt leicht. Gregory Porter ist ein Nachfahre des Hipsters. Des eigentlichen, ursprünglichen, echten und wahren. Des schwarzen, der dem Dandytum näher steht als den Subkulturen. Den gängigen, heutigen, blutleeren, ausverkauften. Er, der Hypster, jene Person der 40er und 50er Jahre, ist erwachsen, trägt Anzug und Herrenschuhe, nicht Sneakers. Hört Jazz – Bebop -, macht Jazz – Bebop -, und ist eigentlich heute längst ausgestorben. In seiner Ahnengalerie hängen: Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Cannonball Adderley, Miles Davis, Thelonious Monk.

Monk damals: ebenfalls Hühne, ebenfalls seltsame Mütze und Bart.

Porter heute: rosafarbenes Sakko, weisses Hemd und eben diese eigenwillige Kopfbedeckung.

Gregory Porter
Gregory Porter

Ein Bebopper? Nein. Ein Jazzer? Vielleicht. Zu gefällig sind seine anrührenden Balladen, zu massentauglich seine mitreißenden Up-tempo-Stücke. Zu viel Soul und Blues steckt in seiner Musik. Zu angenehm und unsperrig ist seine Person. Wenn er die Augen zusammenkneift, ein breites Grinsen aufsetzt, sein mächtiges Hepcat-Haupt durch die Songs schüttelt, die Brust rausstreckt und mit vollem Körpereinsatz den Gospel-Train anpeitscht – mit Schnippen, Pumpen und Klatschen sowie anderen Finger-, Hand- und Armgesten. Mit seinem umwerfenden Album «Liquid Spirit» schaffte er erst relativ spät,  nämlich 2013, den Durchbruch fast über Nacht. Heute ist Gregory Porter, der 46-jährige Hüne mit der Ballonmütze und der raumfüllenden Baritonstimme, der derzeit erfolgreichste Jazzsänger überhaupt.

Preisgekrönte Alben  in der Sparte Jazz

Mit den Alben «Liquid Spirit» und «Take Me to the Alley» holte er in England und Deutschland Gold sowie gar Platin und wurde beide Male mit dem ­Grammy für das beste Jazz-Gesangs­album des Jahres ausgezeichnet. Auch in der Schweiz schaffte es der Kali­fornier mit Letzterem auf Platz elf in den Charts. Parker ging die Sache, auf einem Barhocker sitzend, gelassen lässig an. Er pendelt zwischen jazzigen Oden an die Liebe und Black Power. Nebsts Songs von seinen Alben, coverte er u.a. solche von Nat King Cole (in Form eines Medleys), Nina Simone und Leon Thomas. Mit auf dem Set waren Tivon Pennicot am Saxophon, Chip Crawford am Piano, Jahmal Nichols mit dem Kontrabass, Emanuel Harrold am Schlagzeug und der versierte Hammondorgelvirtuose Ondřej Pivec. Von diesen bekamen der Pianist, der Saxophonist, wie auch der Bassist ausreichend Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, während die Hammondorgel etwas zurückstehen musste und der Drummer wenig auffiel. Routiniert spielten sie das Set durch, einzelne Songs als eigentliche Highlights gabs keine.

Das Beste gabs zum Schluss

Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen
Gregory Porter und Band, Foto Klaus Rothen

Nach dem grossen Schlussapplaus verliess Gregory Porter die Bühne, während seine Mitmusiker eine Zugabe in Form von Soli gaben und so ihr grosses musikalisches Können demonstrierten. Das sachkundige Publikum geizte denn auch nicht mit Extraapplaus für jedes einzelne Instrumentalsolo und schlussendlich, als der Sänger sich wieder zur Band gesellt hatte, auch nicht mit stürmischen Applauskaskaden und vereinzelten Bravorufen für alle Protagonisten.

Gregory Porter, KKL Luzern, 26. März 2018 Video 1 von Klaus Rothen

youtu.be/wWBy3flbEww

Gregory Porter, KKL Luzern, 26. März 2018 Video 2 von Klaus Rothen

youtu.be/iVUEnghn0yM

Fotos: www.allblues.ch und Klaus Rothen

und  http://www.gregoryporter.com/und www.jazzluzern.ch

  • Aufrufe: 511
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Foto Priska Ketterer

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 5 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks | Mariss Jansons | Denis Matsuev, 25. März 2018, besucht von Léonard Wüst

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Foto Priska Ketterer
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Foto Priska Ketterer

Besetzung und Programm:

Robert Schumann (1810–1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 Frühlingssinfonie
Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43
Leonard Bernstein (1918–1990)
Divertimento für Orchestra

 

Rezension:

Denis Matsuev, Solist am Piano
Denis Matsuev, Solist am Piano

Russische Pianisten, die russische Kompositionen spielen, immer ein besonderes Vergnügen. Wenn sie davor auch noch die „Frühlingssinfonie“ von Robert Schumann meisterhaft vortragen, danach noch Leonard Bernsteins „Divertimento für Orchestra“ perfekt interpretieren, ist es gleich Konzertvergnügen „hoch drei“. Dazu noch begleitet von einem gutaufgelegten Orchester, was will Musikliebhaber mehr.

Frühlingserwachen in der Innerschweiz

Dirigent Mariss Jansons  Foto  Peter Meisel
Dirigent Mariss Jansons Foto Peter Meisel

Im praktisch ausverkauften Konzertsaal führte uns das Symphonieorchester des bayerischen Rundfunks unter der magistralen Leitung von Mariss Jansons mit Robert Schumanns Sinfonie Nr. 1 (auch Frühlingssinfonie genannt) musikalisch in den, auch in Luzern, an diesem Tag mit angenehmen Temperaturen und Sonnenschein sich meldenden Frühling. Der Komponist skizzierte das Werk in einem wahren euphorischen Schaffensrauch innerhalb von nur vier Tagen Ende Januar 1841, kurz nachdem er seiner angebeteten Clara Wieck begeistert von einer Sinfonie von Franz Schubert vorgeschwärmt hatte, deren Partitur er selbst anlässlich eines Wienaufenthaltes in dessen Nachlass gefunden hatte.

Skizziert innert vier Tagen, drei Wochen später auch instrumentiert

Konzertimpression, Dirigent Mariss Jansons Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Dirigent Mariss Jansons Foto Priska Ketterer

Für die Instrumentierung seiner eigenen Sinfonie brauchte er dann noch drei Wochen, bevor sie am 31. März desselben Jahres, nach ein paar kleineren Nachkorrekturen, im Leipziger Gewandhaus unter Leitung von Felix Mendelssohn uraufgeführt wurde, worauf Schumann in seinem Tagebuch notierte: Ein schöner, glücklicher Abend! Als Grundlage für seine Komposition diente ihm u.a.  das „Frühlingsgedicht“ des Leipziger Biedermeier – Poeten Adolf Böttger. Mächtig setzt Schumann die Fanfaren zu Beginn des ersten Satzes, der in der Folge breit aufgestellt, mächtig, ja fast wuchtig daherkommt, aber auch mal unvermittelt ins zart – frühlingshafte abgleitet, wobei sicher die Idee des Frühlings, der allmählichen Entfaltung der Natur aus kleinsten Keimzellen bei der Konzeption der diversen Themen eine Rolle spielte. Dirigent Mariss Jansons lebte das Frühlingserwachen psychisch , aber auch physisch voll mit, leitete er doch das Orchester mit ausschweifenden Gesten und vollem Körpereinsatz, mal streckte er sich, dann sackte er kurz zusammen und lebte die Partitur auch mimisch mit.

Oboe als Schlüsselinstrument der Sinfonie

Schumann wies der Oboe in allen Sätzen eine prägende Rolle zu, schwingt sie sich doch immer wieder in die Höhe, schwebt über dem Basisklang des Orchester, interagiert auch mal mit den Violinen, unterordnet sich wieder und fügt sich dann demütig ins Ganze ein. Die rassige, schwungvolle Umsetzung der Intentionen des Komponisten honorierte das Auditorium mit langanhaltendem, stürmischem Applaus, und beorderte so den Dirigenten noch ein paarmal auf die Bühne zurück, was diesen sichtlich emotional bewegte.

Der nahezu total besetzte Konzertsaal (sogar die Plätze auf der Empore unter der Orgel, im Rücken des Orchesters, waren voll belegt), zeigt, welch grosse, treue Fangemeine sich dieses Orchester, seit dem Jahre 2004 alljährlich „in residence“ beim Luzerner Oster Festival, aufgebaut, respektive erspielt hat. Ein wichtiger Grund dafür ist auch der richtige Spürsinn für die Werksauswahl.

Rachmaninow und Bernstein im 2. Konzertteil

Konzertimpression, Denis Matsuev, Solist am Piano Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Denis Matsuev, Solist am Piano Foto Priska Ketterer

Mit Denis Matsuev, im Moment wohl der ausgewiesenste Spezialist schlechthin für Rachmaninow Interpretationen, gesellte sich für den zweiten Konzertteil ein ebenbürtiger Partner zu den andern Musikern. Die 24 Variationen der „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ boten ihm ausreichend Gelegenheit, diesem Ruf gerecht zu werden. Wie er diese Höchstschwierigkeiten meisterte, nötigte selbst seinen Mitmusikern Respekt ab.

Matsuev ist auch Botschafter des FIFA World Cup 2018 in Russland, zu dessen Eröffnung er ein Konzert auf dem Roten Platz in Moskau gestalten wird. Auch hatte er schon die Ehre, auf Einladung der Rachmaninow Stiftung, die Werke des Komponisten auf dessen eigenem Konzertflügel in der Villa „Senar“ (Wohnsitz der Rachmaninows von 1932 bis 1939) in Hertenstein am Vierwaldstättersee zu spielen.

Das Publikum genoss und honorierte am Schluss die aussergewöhnliche Darbietung des Pianisten mit grossem, stürmischem Applaus

Zum Konzertabschluss eine Leonard Bernstein Komposition

Zum 100 Jahr Jubiläum des Boston Symphony Orchestra (BSO), das er seit seiner Jugend kannte und dem er sehr verbunden war, komponierte Bernstein im Jahre 1980  das „Divertimento for Orchestra“. Gegliedert in acht Sätze, vermittelt sie die Art neue, eigenständige amerikanische Musik, die George Gershwin „erfunden“ hatte. Er bediente sich Themen diverser Komponisten, die er virtuos variiert. So lehnt sich der 1. Satz an Richard Strauss` „Till Eulenspiegel“ und Strawinskys „Petrouschka“ an.

Der 2. Satz vermittelt einen Walzer in der Art Tschaikowskys, Bernstein verbiegt aber vom üblichen 3/4  weiter bis zu einem  7/8 Takt. Die darauffolgende „Mazurka“ verweist auf „Chopin“, die kurze Sequenz der Oboe zum Ende jedoch,  ist dem Kopfsatz von Beethovens 5. Sinfonie entnommen. Bezug auf seine eigene „West Side Story“ nimmt er im „Samba“, mit einer Zwölftonreihe verweist er in „Turkey Trot“ auf Arnold Schönberg. Die jazzigen Blechbläser im „Blues“ sind eine Hommage an Gershwin. Den Kanon der drei Flöten des finalen Satzes widmet er allen verstorbenen Orchestermitgliedern und Dirigenten des BSO, auf den er einen rassigen Marsch folgen lässt, eine Art Mixtur zwischen „Stars and Stripes forever“ und dem „Radetzky Marsch“.

Das bayerische Orchester machte daraus seinen persönlichen Triumphmarsch, dies sehr zur Freude des Auditoriums, das dieses grandiose Konzert mit einer wahren Applauskaskade und Bravorufen belohnte.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 396
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Luzerner Theater, Faust-Szenen von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche, Premiere, 24. März 2018, besucht von Noémie Felber

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Produktionsteam: Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Lene Schwind Video: Bert Zander Licht: Clemens Gorzella Choreinstudierung: Mark Daver Dramaturgie: Laura Schmidt, Sylvia Roth Besetzung: Sebastian Geyer (Faust / Dr. Marianus) Rebecca Krynski Cox (Gretchen / Sorge / Una Poenitentium) Vuyani Mlinde (Mephisto / Böser Geist / Pater Profundus) Magdalena Risberg (Elfe / Engel / Seliger Knabe / Sorge) Sarah Alexandra Hudarew (Engel / Schuld / Mater Gloriosa) Robert Maszl (Ariel / Engel / Geist / Pater Ecstaticus) Gianna Lunardi (Elfe / Mangel / Seliger Knabe) Bernt Ola Volungholen (Geist / Engel / Pater Seraphicus) Jeanette Neumeister (Not) Chor und Extrachor des LT Mitglieder des 21st Century Chorus Luzerner Sinfonieorchester Luzerner Mädchenchor und Luzerner Sängerknaben

Rezension:

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Ein gespenstisch geschminkter Kinderchor, eine Braut mit meterlanger Schleppe, Fausts Schuldregister, das vom Luzerner Theater hängt: Momentaufnahmen, die den Besuchern der Faust-Szenen noch lange in Erinnerung bleiben werden. Doch nicht nur diese einzelnen Bilder, das gesamte Konzept der Inszenierung unter Benedikt von Peter ist so aussergewöhnlich, dass es sich ins Gedächtnis einbrennt. Und zwar zu Recht, schliesslich wird nicht alle Tage ein Oratorium theatralisch dargestellt.

Altbekannt und doch neu

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Wie schon zahlreiche Komponisten vor ihm bediente sich Robert Schumann am Stoff von Goethes «Faust». Anders als seine Kollegen behandelt er allerdings nicht nur den ersten Teil, sondern auch die Fortsetzung «Faust II». Der Kompositionsprozess war langwierig und dauerte fast zehn Jahre. Die Uraufführung aller drei Teile und der Ouvertüre erfolgte 1862, sechs Jahre nach dem Tod des Komponisten. Der schwer depressive Schumann begann das Werk für Solostimmen, Chor und Orchester mit dem Ziel, eine Oper zu schaffen, näherte sich aber immer mehr einem Oratorium an. Schlussendlich entstand ein Werk, das zwischen den beiden musikalischen Formen steht, zwischen Licht und Schatten, zwischen Himmel und Hölle.

Zwischen den Welten

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Den Anfang macht eine Versammlung auf dem Platz vor der Jesuitenkirche. Der Luzerner Mädchenchor und die Luzerner Sängerknaben präsentieren Schumanns Choral «Wenn mein Stündlein vorhanden ist». Komponiert wurde dieser in Endenich in einer Anstalt für psychisch Erkrankte, wo der Komponist seine letzten beiden Lebensjahre verbracht hat. Aus der Jesuitenkirche ertönt nach Abschluss des Chorals das Luzerner Sinfonieorchester mit der Ouvertüre der Faust-Szenen und gemeinsam mit Gretchen im Brautkleid begibt sich das Publikum ins Theater.

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Die Zuschauenden finden sich in Fausts Erinnerungen wieder. Die Bühne ist komplett schwarz gehalten, bis auf einige eindrückliche Projektionen und die Darstellung des Sonnenaufgangs wird Licht nur sehr sparsam eingesetzt. Faust erinnert sich an Gretchen, ihre gemeinsame Zeit, seinen Verrat, ihre Hinrichtung. Er ist verzweifelt, heimgesucht von albtraumhaften Visionen und der Erscheinung Mephistos.
Nach 45 Minuten geht es wieder nach draussen, auf den Platz vor der «Box», von welcher herab ein mit Megaphon bestückter Faust eine Rede an die Menschheit hält. Vom gegenüberliegenden Theater aus antwortet ihm Mephisto und die beiden Protagonisten liefern sich ein gesangliches Duell.
Nach Fausts Tod beginnt die letzte Station in der Jesuitenkirche: die Himmelfahrt. Folgt auf Fausts ständigen Wechsel zwischen Schuldgefühl und Vergessen endlich die Erlösung durch einen Engel in Gestalt von Gretchen? Oder ist dies nur ein Trick seines ständigen Begleiters Mephisto?

Patchwork Truppe

Faust Szenen Foto Ingo Hoehn
Faust Szenen Foto Ingo Hoehn

Die Inszenierung des Luzerner Theater fordert ein ausgefeiltes Zusammenspiel der Beteiligten. Unter der Leitung von Clemens Heil spielt das Luzerner Sinfonieorchester live in der Jesuitenkirche und wird akustisch an die anderen Spielorte übertragen. Der Chor des Luzerner Theaters wird sowohl von einem Extrachor als auch den Kinderchören und Mitgliedern des 21st Century Chorus’ unterstützt. Solistisch sind nicht nur festangestellte Ensemblemitglieder des Luzerner Theaters zu hören: Die Rolle des Fausts übernimmt Sebastian Geyer, der normalerweise an der Oper Frankfurt spielt. Doch egal woher die verschiedenen Musizierenden kommen, ihre Leistungen waren auf hohem Niveau und begeisterten.
Ohne Zweifel, die Faust-Szenen sind in dieser Inszenierung eine einmalige Angelegenheit. So sah es auch das Publikum, welches von der Aufführung begeistert war. Der Schlussapplaus der Premiere mit einer Standing Ovation ist wohl Beweis genug.

Szenenfotos von Ingo Hoehn

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/26/luzerner-theater-falstaff-szenenfotos-von-ingo-hoehn/

Trailer über die Produktion:

http://www.luzernertheater.ch/falstaff

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos:   Ingo Höhn  www.luzernertheater.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.gabrielabucher.ch

leonardwuest.ch  Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 576