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LUCERNE FESTIVAL, Oster-Festival 2018: Sinfoniekonzert 4; Matthias Pintscher dirigiert das Ensemble intercontemporain zusammen mit dem Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Priska Ketterer

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 4 Ensemble intercontemporain | Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI | Matthias Pintscher | Solisten, 23. März 2018, besucht von Léonard Wüst

LUCERNE FESTIVAL, Oster-Festival 2018: Sinfoniekonzert 4; Matthias Pintscher dirigiert das Ensemble intercontemporain zusammen mit dem Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Priska Ketterer
LUCERNE FESTIVAL, Oster-Festival 2018: Sinfoniekonzert 4; Matthias Pintscher dirigiert das Ensemble intercontemporain zusammen mit dem Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Priska Ketterer

Besetzung und Programm:

Gilles Durot  Xylorimba
Samuel Favre  Glockenspiel
Ann Veronica Janssens  Visualisierung (Lichtkonzept)
Olivier Messiaen (1908–1992)
Des canyons aux étoiles für Klavier, Horn, Xylorimba, Glockenspiel und Orchester

 

Rezension:

Das Werk kann Messiaen-„Anfängern“ nicht empfohlen werden, es ist zu vielschichtig, zu kompliziert, wohl auch zu umfangreich für einen Einstieg, gleichwohl aber eines der bedeutendsten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts, so Edwin Baumgartner in der Wiener Zeitung. Also alles andere als leichte Kost, die das Auditorium im gut besetzten Saal erwartete.

Aussergewöhnliche Töne im Konzertsaal des KKL Luzern

Dirigent Matthias Pintscher  Foto Felix Broede
Dirigent Matthias Pintscher Foto Felix Broede

Es waren dann auch sehr aussergewöhnliche, ungewohnte Klänge, die den Konzertsaal erfüllten, hatte doch Olivier Messiaen u.a. 82 Vogelstimmen für seine Komposition transkribiert und in das Auftragswerk der amerikanischen Mäzenin Alice Tully eingefügt. „Des Canyons aux Étoiles . . .“ ist ein Wunder des Klanges: Mit außergewöhnlicher Besetzung, die auch eine Wind- und eine Sandmaschine einschließt, verleiht der Komponist der Musik eine einzigartige Textur, die sowohl die majestätische Landschaft, ihre Einsamkeit und die sie bewohnenden Vögel vor dem inneren Auge des Zuhörers Gestalt annehmen lässt. Einem normal bis groß besetzten Bläserensemble (mit u. a. immerhin 4 Flöten und 4 Klarinetten) stehen Solo-Klavier, umfangreiches Schlagzeug, aber nur 13 solistische Streicher gegenüber. Dazu hat der erste Hornist konzertante Aufgaben zu erfüllen. Das Werk enthält Kantilenen von nahezu riskanter Süße ebenso wie Choräle in grandios resonierenden Akkorden und virtuose Klavierkaskaden.

Messiaens transkribierte Vogelstimmen als Herzstück der Komposition

Dirigent und Pianist im Dialog
Dirigent und Pianist im Dialog

Vogelrufe, scheinbar abstrakter Konstruktivismus und Freude am Schönklang verbinden sich zu leuchtendem Gotteslob. Eben diese religiöse Botschaft begriffen die Musikkritiker anlässlich der New Yorker Uraufführung im November 1974 nicht, oder wollten sie nicht verstehen, wie sich der Komponist bitter beklagte. Dagegen reagierte das Publikum äusserst enthusiastisch auf das grandiose avantgardistische Klanggemälde. Es gibt kein Leitmotiv, woran sich der Zuhörer festhalten könnte, keine Repetitionen, alles ist im Fluss und unbeständig wie die Naturgewalten, die die beschriebenen Landschaften über Jahrmillionen geformt haben. Man wähnte sich eher an einem Zeremoniell, denn an einem Konzert. Dirigent Matthias Pintscher leitete eher passiv, viel mit Augenkontakt, statt mit Gesten. Besonders innig der lautlose Dialog mit dem Solisten am Konzertflügel.

Exzellente Solisten überzeugten durchwegs

Solist am Piano Hidéki Nagano Foto Franck Ferville
Solist am Piano Hidéki Nagano Foto Franck Ferville

Es war denn auch der japanische Pianist Hidéki Nagano, der die Aufführung am nachhaltigsten prägte, dies als Primus inter Pares, da am häufigsten als Solist in Aktion. Gefordert auch die Schlagwerke, ins besonders Gilles Durot am Xylorimba, Samuel Favre am Glockenspiel und dazu der grossartige Solist am Horn Jean-Christophe Vervoitte. Diese Protagonisten durften sich dann am Konzertende auch alle einen Extraapplaus abholen. Ein Schlussapplaus, der sehr kräftig und langanhaltend ausfiel, fast etwas ehrfürchtig das Gebotene würdigend.

 

Länge des Werkes fordert nicht nur die Musiker, sondern auch das Auditorium

Dirigent Matthias Pintscher Foto Priska Ketterer
Dirigent Matthias Pintscher Foto Priska Ketterer

Das Werk ist, mit einer Spieldauer von ca. 1 Stunde und 40 Minuten aussergewöhnlich lang, fast zu lang, widerspiegelt aber die von Messiaen tonal beschriebenen Landschaften wahrscheinlich bis in das kleinste Detail. Ihm hatten es ja vor allem auch die vielfältigen Rottöne angetan, wie er auch schriftlich festhielt. („Es gibt Schlösser, Türme, Verliese, es gibt Kanzeln, Brücken, Fenster und dann, noch schöner, gibt es die Farben! Alles ist rot, alle Arten von Rot, rot – violett, rosé, dunkles Karmesinrot, Scharlachrot, alle möglichen Nuancen von Rot, eine aussergewöhnliche Schönheit“) notierte er, während seine Frau, die bekannte Konzertpianistin Yvonne Loriod,  Fotos der Landschaften machte.

Unnötige Lichtinstallation  

Diriigent und Solisten holen sich den Spezialapplaus ab, Foto Priska Ketterer
Diriigent und Solisten holen sich den Spezialapplaus ab, Foto Priska Ketterer

Kleiner Wehmutstropfen: Die angekündigte Visualisierung (Lichtkonzept) des Konzertes der weltbekannten Art Performerin  Ann Veronica Janssens, hat diesen Namen nicht verdient, war eher störend, denn ergänzend oder gar bereichernd. Die an die Wände projizierten farbigen Lichtkegel wirkten wie die Spielerei eines Kindes mit einer grossen Taschenlampe.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Filarmonica della Scala Riccardo Chailly Foto Peter Fischli

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 2 Filarmonica della Scala | Riccardo Chailly, 21.März 2018, besucht von Léonard Wüst

Filarmonica della Scala Riccardo Chailly Foto Peter Fischli
Filarmonica della Scala Riccardo Chailly Foto Peter Fischli

Besetzung und Programm:

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893)
Sinfonie Nr. 2 c-Moll op. 17 Kleinrussische
Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Drei Stücke aus der Oper Lady Macbeth von Mzensk op. 29
Igor Strawinsky (1882–1971)
Petruschka. Ballett in vier Bildern (Fassung von 1947)

 

Rezension:

Riccardo Chailly, Foto Teatro alla Scala
Riccardo Chailly, Foto Teatro alla Scala

Riccardo Chailly, seit 2015 Musikdirektor an der Mailänder Scala, mit seinem eigentlichen Stammorchester, der Filarmonica della Scala (gegründet im Jahre 1982 von seinem Mentor Claudio Abbado) im Konzertsaal des KKL in Luzern, eine äusserst spannende Konstellation, amtiert Chailly seit 2016 doch auch als Chefdirigent des „Lucerne Festival Orchestra“. Demnach fast so etwas wie ein doppeltes Heimspiel.

Tschaikowskys „Sinfonie Nr. 2, genannt die „kleinrussische“, im ersten Konzertteil

Konzertimpression, Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Foto Priska Ketterer

Während eines Aufenthaltes auf dem Hofe seines Schwagers in Kamenka ( Kamjanka) in der heutigen Ukraine, die man damals, zu Zarenzeiten,  Kleinrussland nannte, komponierte Tschaikowsky diese Sinfonie, aufbauend auf drei kleinrussischen Volksliedern und geprägt von ländlichen Eindrücken dieses Sommers 1872. Das Werk wurde am 7. Februar 1873 in Moskau uraufgeführt, die total revidierte Fassung am 12. Februar 1881 in Sankt Petersburg. Ausser das erste der Lieder, das bekannte „Drunter bei Mutter Wolga“ ist es ein schon fast fröhliches, heiteres Werk, im Gegensatz zu doch eher düsteren anderen Kompositionen des in Kamsko-Wotkinski Sawod (heute Wotkinsk, Udmurtien), geborenen Künstlers. Mit der Kombination statischer Variationsreihen mit einem dynamischen Sonatensatz und deren harmonisch – tonale Verschiebungen scheint der Komponist bereits im folgenden, dem 20. Jahrhundert, angekommen.  Dirigent Chailly führte denn das Orchester fast beschwingt durch die Partitur, die trotz der scheinbarer Leichtigkeit, doch einige Tücken aufweist, die aber keinerlei Problem darstellten für das routinierte, im Jahre 1982 von Claudio Abbado gegründete Orchester aus Mailand.

Konzertimpression, Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Foto Priska Ketterer

Die relativ selten gespielte Sinfonie, die zum ersten Mal überhaupt am Lucerne Festival aufgeführt wurde, sowie deren Interpretation durch die Protagonisten, vermochte das Publikum zu begeistern, das dementsprechend kräftigen, langanhaltenden Applaus spendete. Gutgelaunt und aufgeräumt begab man sich in die folgende Pause.

Etwas Schostakowitsch und viel Strawinsky im zweiten Konzertteil

Konzertimpression, Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Foto Priska Ketterer

Ebenfalls erstmal am Lucerne Festival aufgeführt wurde zuerst die Suite aus der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“, Schostakowitschs verstörende Adaption des Klassikers. Da offensichtlich die Musik nicht liniengetreu war, resultierte damals der folgende Verriss in der „Prawda mit dem Titel „Chaos statt Musik“: Zitat: „und das alles ist grob, primitiv und vulgär, sodass in keiner Weise von Satire die Rede sein“. Man vermutet bis heute, dass Stalin selbst der Autor dieser Zeilen war. Schostakowitsch fiel denn auch prompt für eine lange Zeit in Ungnade, seine Werke nur noch selten gespielt bis zu seiner Rehabilitation. Die Suite widerspiegelt die damals im Lande herrschende Verrohung, die brutalen Sitten und die Atmosphäre beständiger Gewalt im Volk. Er verfasste sie, die drei Zwischenspiele koppeln sollte, höchst selbst kurz nach Abschluss der Opernpartitur. Eine Aufführung aus dieser Zeit ist nicht dokumentiert, sodass der 8. Juni 2005, Aufführung durch das Radio – Sinfonieorchester Stuttgart, als eigentliche Uraufführung gilt. Auch dieses kurze Werk und dessen Interpretation fanden den Gefallen des Auditoriums, das wiederum begeistert applaudierte.

Krönender Abschluss mit Strawinsky

Konzertimpression, Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Foto Priska Ketterer

Die Gelegenheit, um noch einmal so richtig ihr grosses Können demonstrieren, bot sich den Musikern mit dem letzten Werk des Abends, dem 1910 von Igor Strawinsky in Paris für die Compagnie der Ballets Russes komponierten „Petrouschka“, zu welchem der Komponist, zusammen mit Alexandre Benois, auch das Libretto verfasste. Ursprünglich als Konzertstück für Klavier und Orchester konzipiert, adaptierte Strawinsky den Stoff für das Ballett, erschuf mit seinen Puppenfiguren eine Fantasiewelt, die er aber in den Rahmen einer realen Welt, den Sankt Petersburger Fastnachtsmarkt einbettete.

Ein Werk mit zwei völlig unterschiedlichen Klangwelten

Konzertimpression, Foto Priska Ketterer
Konzertimpression, Foto Priska Ketterer

So entstehen eigentlich zwei Klangwelten, die real – folkloristische mit Jahrmarktsgeräuschen u.a. von Drehorgeln, Ausrufern usw. und die surreale Klangwelt der Puppen, die in einer Dreiecksbeziehung gefangen sind. Berühmtheit erlangte vor allem das Leitmotiv Petrouschkas, eines auf – und absteigenden Dreiklangs, ein total schräger, weil bitonal aus C Dur und Fis Dur. was zusammen den berühmten  „Petrouschka Akkord“ ergibt, ähnlich bekannt wie Wagners „Tristan Akkord“. Riccardo Chailly schälte die Nuancen der Komposition feinfühlig heraus, liess es, immer mit vollstem Körpereinsatz, auch mal krachen, zelebrierte die Pianissimo mit zarten Fingergesten, lobte mit zustimmendem Kopfnicken, forderte mit ausholenden Armbewegungen mehr Tempo ein. Die Filarmonica ergab sich ihrem Leiter, interpretierte die Komposition in Perfektion, auch mal mit einem leisen Schmunzeln, dann wieder energisch kraftvoll. Die Figuren, der Kasperl (Petruschka), die selbstverliebte Ballerina und der ebenso prächtige, wie dumme Mohr, präzis herausgearbeitet, kontrapunktierten das kommune Jahrmarktstreiben. Absolute Weltklasse, ob Solisten, das Orchester als gesamtes und die Interpretation. Dementsprechend begeistert fiel dann der Schlussapllaus aus, der Maestro wurde immer wieder auf die Bühne zurück applaudiert. Chailly genoss sichtlich die Oviationen und wie ihm sein „Heimpublikum“ huldigte und so gewährte er dann doch noch eine Zugabe.

Dirigent Riccardo Chailly
Dirigent Riccardo Chailly

Für diese wählte er die Ouvertüre des „Wilhelm Tell“ von Gioachino Rossini, wie mir schien, um mit diesem Gassenhauer doch noch eine stehende Ovation zu provozieren in etwa so, wie zum Abschluss des Neujahrskonzerte im Saal des Wiener Musikvereins Am Ende der „Radetzky Marsch“ dazu gehört. Dies löste durchaus geteilte Reaktionen aus. Während die einen dies wohl als Hommage an die Innerschweiz empfanden, wenn Chailly mit dem lombardischen Orchester unseren Nationalhelden musikalisch hochleben liess,  waren etliche der Meinung, etwas russisches, oder zumindest slawisches, wäre passender gewesen zum Abschluss. Ein grosser kräftiger Schlussapplaus war den Protagonisten, im praktisch vollbesetzten Saal dennoch sicher, wenn es auch nicht  ganz für eine „Standing Ovation“ reichte.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Philipp Fankhauser on stage, Symbolbild

Philipp Fankhauser im KKL Luzern, 8. März 2018, besucht von Léonard Wüst

Philipp Fankhauser on stage, Symbolbild
Philipp Fankhauser on stage, Symbolbild

Besetzung:

Philipp Fankhauser, vocals/guitar – Marco Jencarelli, guitar – Hendrix Ackle, hammond/piano – Angus Thomas, bass – Richard Spooner, drums & 3 backing vocals & 5 horns

Rezension:

Philipp Fankhauser, Symbolbild
Philipp Fankhauser, Symbolbild

Philipp Fankhauser reitet nun schon über drei Jahrzehnte auf der Erfolgswelle und einmal mehr demonstrierte er bei diesem Konzert, wieso dies so ist. Unterstützt von seinen grossartigen Mitmusikern performte er Song für Song, neuere und ältere, aber alle mit der gleich grossen Leidenschaft, die er seit seiner Kindheit für dieses Musikgenre verspürt.

Das Konzert in der Höhle des Löwen

Luzern verfügt ja mit dem alljährlich im Herbst stattfindenden Bluesfestival über einen Bluesevent, der weltweit als einer des besten Festivals dieser Musikrichtung gilt.

Hendrix Ackle
Hendrix Ackle

Trotzdem wagt sich der unerschütterliche Berner mit seinem neuen Programm in die Leuchtenstadt und eröffnet das Konzert mit  «Horse of a different Color», begleitet nur von seiner Stammband, bevor sich zum zweiten Song, «Homeless», auch die sechs Bläser und die drei Backgroundsängerinnen dazu gesellen. Ein erstes Saxofon-Solo gibt es dann bei «Big ol’ easy», bevor sich Fankhauser für «Cryin’ shame» noch selber die Gitarre umhängt. Song um Song spielen die Protagonisten praktisch chronologisch das neue Album durch, zwischendurch auch mal mit ein paar launisch – witzigen Worten des Bandleaders gewürzt, der auch seine Mitmusiker kurz vorstellt, mal erzählerisch an seine Mentoren, Wegbereiter und Wegbegleiter erinnert, die ihm eine, für schweizerische Verhältnisse, ungewöhnliche und auch einmalige Karriere als „Blueser“ mitermöglicht hätten. Diese Karriere, die er sich schon als kleiner Junge erträumt und für die er selber eben auch alles getan hat und die nun schon über drei Jahrzehnte dauert, eine selbstverschuldete Erfolgsstory. Fankhauser bespielt nicht nur kleine intime Clubs, sondern füllt auch grössere, gar grosse Säle, was dies der praktisch ausverkaufte Konzertsaal des KKL Luzern einmal mehr zeigte.

Wenn Fankhauser zum Funkhauser mutiert

Es gab durchaus zwischendurch auch poppigere, funky Songs, die Fankhauser zu einem Funkhauser mutieren lassen, aber auch hier ausgeprägt experimentier – und spielfreudig,  unterstützt von grossartigen Mitmusikern, denen der Chef auch ausreichend Raum und Zeit gab, ihr solistisches Können zu präsentieren und Akzente zu setzen, ohne dem Platzhirsch mit der rauchigen Stimme die Show zu stehlen.

Marco Jencarelli
Marco Jencarelli

Mit dem für den Swiss Blues Award nominierten Gitarristen Marco Jencarelli stand ihm ein kongenialer Partner zur Seite, der immer wieder mit virtuosen Blues-Rock-Soli Glanzpunkte setzte und sich dafür jeweils den wohlverdienten Szenenapplaus abholte. Ergänzend dazu bespielte der  43jährige Keyboarder Hendrix Ackle u.a. auch eine Original Hammondorgel, deren unerreichter Klang nicht unwesentlich zum überzeugenden Gesamtsound beitrug, vor allem, wenn sie so quirlig eloquent genutzt wird, wie Ackle dies tat. Das Set wurde komplettiert durch den US-Bassisten Angus Thomas, den englischen Schlagzeuger Richard Spooner, einer sechsköpfigen Bläser-Sektion und drei Background-Sängerinnen.

Das vollauf begeisterte Publikum applaudiert die Protagonisten noch zu Zugaben.

Marco Jencarelli  Foto Dragan Tasic 1Marco Jencarelli  Foto Dragan Tasic
Marco Jencarelli Foto Dragan Tasic

Die erste nutzte Keyboarder Ackle zu einer Extrashow, indem er auch singt, virtuos über die Tasten fegt  und mit Band und Bläsern eine Akustikorgie zelebriert, Hörgenuss pur. Schlussendlich applaudiert das beeindruckte Auditorium auch Fankhauser dazu, sich die Gitarre nochmals umzuschnallen für ein paar letzte Akkorde, die Gitarrist Marco Jencarelli abermals mit einem fulminanten Solo veredelt. Den Dank ernteten die Protagonisten erneut in Form einer Applauskaskade.

Ein toller Konzertabend, der nicht nur angefressene Bluesfans bedient, sondern auch ein breiteres Publikum zu begeistern vermag.

Fotos: www.allblues.ch

und http://www.philippfankhauser.com/

Ein Konzert von www.allblues.ch und www.kkl-luzern.ch

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Die LGT Young Soloists

LGT Young Soloists Konzert am 04.03. in Zug, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Die LGT Young Soloists
Die LGT Young Soloists

Programm und Besetzung:

Kurt Atterberg (1887-1974)
Suite Nr. 3 op. 19 Nr. 1 für Violine, Viola und Streicher – Solisten: Leo Esselson & Anna Krzyzak

Dag Wirén (1905-1986)
Serenade für Streichorchester C-Dur op. 11

Edvard Bræin (1924-1976)
Serenade für Viola und Streicher – Solist: Gerald Karni

Christian Sinding (1856-1941)
Suite im alten Stil a-Moll op. 10 für Violine und Streicher – Solist: David Nebel

Besetzung

Alexander Gilman Konzertmeister und Leitung
LGT Young Soloists

Rezension:

Die LGT Young Soloists sind hochtalentierte Musiker im Alter zwischen 12 und 23 Jahren aus mehr als 15 Nationen. Unter der Leitung von Alexander Gilman haben sie bereits mehr als 80 Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen. Dieses Jahr spielen sie unter anderem in Belgrad, Zürich, München, Düsseldorf, London, Hongkong, Singapur und erstmalig an den Dresdner Musikfestspielen.

«Nordic Dream» – Perlen der nordischen Romantik

Gruppenfoto
Gruppenfoto

Am vergangenen Sonntagmorgen erfreute dieses ganz spezielle Ensemble das Zuger Publikum im Festsaal des Casinos mit Werken unbekannter Komponisten aus Schweden und Norwegen: Kurt Atterbergs Suite Nr. 3 für Violine, Viola und Streicher, Dag Wiréns Serenade für Streichorchester C-Dur, Edvard Bræins Serenade für Viola und Streicher und Christian Sindings Suite im alten Stil für Violine und Streicher.

Eins wird sehr schnell klar, wenn man das Ensemble zum ersten Mal hört: Hier spielen absolute Ausnahmekönner. Die blutjungen, hochtalentierten Solisten im Alter zwischen 12 und 23 Jahren, begeistern auf der ganzen Linie, sei es als Begleitende der Solisten, als Streichorchester oder selber als Solisten. Sie interpretierten die melodiösen, lyrischen, romantischen Werke mit unglaublicher Hingabe und gleichzeitig mit Schalk, Lebens- und Spiellust. Im Verlauf des Konzertes verloren sie nach und nach ihre Ernsthaftigkeit, ohne aber im Geringsten an Virtuosität einzubüssen. Immer wieder flogen amüsierte, schelmische, beinahe verschwörerische Blicke hin und her  oder lächelten sie sich über ihre Instrument hinweg zu. Allein diese Spiellust liess einen das trübe Wetter draussen vorübergehend vergessen.

Samtene Verführung

LGT Young Soloists Foto  Paul Fenkart
LGT Young Soloists Foto Paul Fenkart

Wenn der junge Leo Esselsons in Kurt Attenbergs Suite Nr. 3 für Violine, Viola und Streicher Anna Krzyzak mit ihrer Viola, die übrigens für die zarte Frau viel zu riesig scheint, musikalisch ver- und entführt – er der Liebhaber, sie die Nonne – versteht man, dass diese ihm nicht wiederstehen konnte. Wie auch, bei dieser Hingabe, dieser Verinnerlichung und mit diesem wunderbar samtenen Ton! Und wenn die 13-jährige Lir Vaginsky mit Zahnspange und elegant-langem roten Kleid in aller Selbstverständlichkeit den Solistenpart übernimmt, kommt etwas wie Ehrfurcht auf vor dem, was dies jungen Menschen da leisten.

Jeder dieser Musiker ist  Solist, alle ausserordentlich musikalisch, virtuos, dabei unprätentiös, unverkrampft, jung und lebendig, eine wahre Freude, ihnen zuzuhören und zuzuschauen. Sie spielen auf unglaublich hohem Niveau und man kommt nicht umhin sich vorzustellen, wie sie auf Kosten vieler Dinge, welche junge Menschen in diesem Alter sonst leben und erleben, dieses Niveau erreicht haben.

Schade dass dieses Ensemble nicht öfter zu hören ist. Das nächste Mal treten sie am 28. September in der Tonhalle Zürich auf. Wenn Sie die Möglichkeit haben, gehen Sie hin, es lohnt sich in jeder Hinsicht!

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: Paul Fenkart und http://lgtyoungsoloists.com/de

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