Den Klimawandel anpacken: Vom Wissen ins Handeln kommen
Vom Wissen ins Handeln kommen: Warum die Klaus Tschira Stiftung dem WWF
mit „klimafit“ ein innovatives Projekt ermöglichte.
Heidelberg/Berlin. Zu Beginn stand die Frage: Wieso gelingt es in Sachen
Klimaschutz nur schwer, vom Wissen ins Handeln zu kommen? Die Fakten
liegen auf dem Tisch und doch ändert sich am gesellschaftlichen Verhalten
kaum etwas und das Zeitfenster schließt sich. Diese Kluft zu verkleinern,
hat sich der World Wildlife Fund (WWF) vor knapp fünf Jahren mit dem
aktivierenden Bildungsangebot „klimafit“ auf den Weg gemacht und sich
dabei ungewöhnliche Partner gesucht. Von Anfang an mit dabei waren neben
den Volkshochschulen und REKLIM (dem Helmholtz-Forschungsverbund für
regionale Klimaänderungen und Mensch) auch die Robert Bosch Stiftung sowie
die Klaus Tschira Stiftung (KTS).
Dort begeisterte der Ansatz, Forschungserkenntnisse auf ungewöhnliche Art
in die Bevölkerung zu tragen und damit die Brücke zum Handeln zu schlagen,
nicht zuletzt deshalb, weil er trefflich zum eigenen Profil passt. Das
Projekt verlief so erfolgreich, dass nach Ablauf der von den Stiftungen
ermöglichten Pilotphase das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz im Rahmen der „Nationalen
Klimaschutz Initiative“ als Projektträger einstieg.
Der Kurs „klimafit“ war und ist viel mehr als reine Wissensvermittlung.
„Hier geht es darum, Menschen zusammenzubringen, denen es nicht egal ist,
was die Zukunft bringt, und die vor Ort den Klimaschutz aktiv anpacken
wollen“, so Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung.
Sie betont die politische und soziale Dimension des Klimawissens, das in
den Kursen vermittelt werde, und die Stiftung von Anfang an überzeugte:
„Es kommt auf jeden an und alle können etwas dafür tun.“
An den sechs Kursabenden, davon vier in Präsenz und zwei digital, treffen
sich im Kurs Menschen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedensten
Erfahrungen: vom 14-jährigen Schüler, der eine Klimagruppe an der Schule
gründen möchte, über die angehende Lehrerin sowie die engagierte
Gemeinderätin bis hin zum frischgebackenen Rentner, der um die Zukunft
seiner Enkel fürchtet.
Der Anspruch ist hoch: Geht es doch darum, den Dialog verschiedener
Akteure in Sachen Klimaschutz in Gang zu bringen und zu stärken, Menschen
untereinander zu vernetzen und damit zum Handeln zu motivieren. Denn in
Gemeinschaft und vor der eigenen Haustüre fällt es viel leichter. Und:
Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe, muss erspürt und erfahren
werden. Außerdem stärkt der gemeinschaftliche Charakter die Zuversicht,
ins eigenverantwortliche Tun zu kommen und sich – zusammen mit anderen –
als wirksam zu erleben. Besonders dabei: Das alles geschieht stets vor dem
Hintergrund der neuesten Forschung, sowohl was die regionale als auch die
internationale und globale Dimension betrifft.
„Wissen, wollen, wandeln“, diesem Dreiklang haben sich die Projektpartner
von REKLIM, WWF und der Universität Hamburg, die das Ganze
wissenschaftlich evaluiert, verpflichtet. Die wissenschaftliche
Begleitforschung zielt darauf ab, Vergemeinschaftungsprozesse für den
Klimaschutz besser zu verstehen, um so die Lücken zwischen wissen, wollen
und wandeln aus einer anwendungsbezogenen Perspektive zu begreifen. Die
Ergebnisse fließen in die kontinuierliche Weiterentwicklung des
Bildungsangebotes ein und belegen dessen Wirkkraft. So könnte „klimafit“
zu einer Art Blaupause für die niederschwellige und effektive Vermittlung
von Wissenschaft in die Gesellschaft werden.
Jetzt geht es erst einmal darum, das erprobte Kursformat bundesweit als
dauerhaftes Klima-Bildungsangebot nachhaltig zu etablieren. Da ist
„klimafit“ auf einem guten Weg. Was 2018 mit sechs Volkshochschulen und
108 Teilnehmenden in Baden-Württemberg begann, konnte 2021 schon 66
Volkshochschulen und knapp 1000 Teilnehmende bundesweit begeistern. Im
Jahr 2024 sollen sich 170 Bildungseinrichtungen beteiligen. Mit mehreren
Tausend Teilnehmenden, die lernen wollen, wie sich dauerhaft
klimaschützend leben lässt.
Darüber hinaus ist die im Kurs integrierte „klimafit“-Challenge ein
wichtiger Bestandteil zur Erfassung der durch das Bildungsangebot
bewirkten konkreten CO2-Reduktionen. Die „klimafit“-Challenge umfasst 16
Einzelmaßnahmen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen durch die
aktive Veränderung des eigenen Lebensstils. Auch hier geht es um das
konkrete Tun.
Die Maßnahmen reichen von „das Auto öfters stehen lassen für
Kurzstrecken“, „weniger Fleisch essen“ bis dahin, den Stromanbieter zu
wechseln. Insgesamt konnten so im Kursdurchlauf 2021 43,7 Tonnen CO2
eingespart. Das entspricht den Emissionen von vier Kleinwagen, die die
Erde je einmal entlang des Äquators umfahren. Würden diese Maßnahmen von
zehn Prozent aller Deutschen ein Jahr lang umgesetzt, könnten dadurch die
Emissionen einer Stadt wie Mönchengladbach vermieden werden. Aber damit
nicht genug. In der neuen Förderphase wird die „klimafit“-Challenge auch
auf die Kommune ausgeweitet. So beteiligen sich in diesem Jahr die Klima
Arena und die Kommune Sinsheim an der Challenge, ebenso wie die Landkreise
Emmendingen und Birkenfeld und die Städte Bremerhaven und Greifswald.
Schon 300 Bürgerinnen und Bürger haben sich registriert und leisten somit
ihren ganz persönlichen Beitrag zum Klimaschutz. Denn: Klimaschutz ist
Gemeinschaftsaufgabe.
Mehr Informationen unter: www.klimafit-kurs.de
Zum Hintergrund:
Die Klaus Tschira Stiftung
Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik
und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie
wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015)
mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind:
Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite
Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen
und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter:
www.klaus-tschira-stiftung.de
WWF Deutschland
Der WWF ist eine der größten und einflussreichsten Umweltorganisationen in
Deutschland und weltweit. In Übereinstimmung mit der von den Vereinten
Nationen verkündeten Verantwortlichkeit aller Völker für den Natur- und
Umweltschutz als wirtschaftliche, soziale, wissenschaftliche und
kulturelle Aufgabe hat es sich der WWF zum Ziel gemacht, Natur- und
Umweltschutz, Wissenschaft, Erziehung und Bildung im Natur- und
Umweltbereich zu fördern. Der WWF ist derzeit weltweit in mehr als 100
Ländern mit mehr als 160 Projekten aktiv. (www.wwf.de)
REKLIM
Der Helmholtz-Forschungsverbund REKLIM (Regionale Klimaänderungen und
Mensch) ist ein Verbund von neun Forschungszentren der Helmholtz-
Gemeinschaft. REKLIM nutzt die in der Helmholtz-Gemeinschaft gebündelte
Kompetenz für regionale Beobachtungs- und Prozessstudien in Kombination
mit Modellsimulationen zur Verbesserung von regionalen und globalen
Klimamodellen, die eine solide Basis für klimabezogene Entscheidungshilfen
bieten sollen. REKLIM bringt seine wissenschaftliche Expertise in das
Projekt mit ein und unterstützt die Veranstaltungen vor Ort mit
Expertinnen und Experten aus dem Helmholtz-Verbund. (www.reklim.de)
Universität Hamburg
Die Universität Hamburg ist mit mehr als 42.000 Studierenden die größte
Forschungs- und Ausbildungseinrichtung Norddeutschlands und langjähriger
Kooperationspartner im Forschungsverbund REKLIM. Der Schwerpunkt im
derzeitigen Exzellenzcluster CLiCCS liegt auf der sozialwissenschaftlichen
Klimaforschung. Im Projekt „klimafit“ beschäftigt sich die Arbeitsgruppe
von Professorin Beate Ratter mit den Möglichkeiten und Hindernissen einer
aktiven bürgerlichen Teilhabe am Klimaschutz.
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