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Wie leben wir morgen? Virtuelle Zukunftsstadt*Tour durch Deutschland

Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Wie werden unsere Städte
lebenswert, CO2-neutral, klimaangepasst, energie- und ressourceneffizient?
Dazu haben deutschlandweit rund 50 Forschungsteams unterschiedlicher
Disziplinen praxisnahe Lösungen entwickelt und erproben diese gemeinsam
mit Kommunen.

- Virtuelle Tour präsentiert Ergebnisse und Impulse aus der BMBF-
Zukunftsstadt-Forschung
- Zusammenarbeit von Wissenschaft, Kommunen, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft
- Tourauftakt Anfang Juni in Bochum

Berlin. Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Wie werden unsere Städte
lebenswert, CO2-neutral, klimaangepasst, energie- und ressourceneffizient?
Dazu haben deutschlandweit rund 50 Forschungsteams aus unterschiedlichsten
Disziplinen praxisnahe Strategien und Produkte entwickelt und erproben
diese gemeinsam mit Partnern in den Kommunen.

BMBF fördert nachhaltige Stadtentwicklung

Die transdisziplinären Projekte orientieren sich an zentralen Themen und
Zukunftsherausforderungen: Klimaanpassung und urbane Resilienz,
Grünflächen und Freiräume, urbane Mobilität und Logistik, sozialer
Zusammenhalt und Teilhabe, urbane Produktion sowie städtische
Infrastrukturen. Dazu arbeiten Wissenschaftsteams, Kommunalpolitik und
-verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in Reallaboren vor Ort
zusammen. Seit 2016 fördert das Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) die Zukunftsstadt-Projekte im Rahmen der Förderlinien
„Leitinitiative Zukunftsstadt“ und „Nachhaltige Transformation urbaner
Räume“.

„Mit der Zukunftsstadt-Forschung greift das Bundesministerium für Bildung
und Forschung die wichtigen Zukunftsherausforderungen der nachhaltigen
Stadtentwicklung auf", sagt Dr. Jens Libbe vom Deutschen Institut für
Urbanistik (Difu). Er leitet das „Synthese- und Vernetzungsprojekt
SynVer*Z", das die Zukunftsstadt-Forschung begleitet und strukturiert.

Mit Reallaboren in die Stadt von morgen

„Die Forschung zur Stadt der Zukunft ist sehr praxisorientiert.
Wissenschaft, Kommunalpolitik und -verwaltung sowie Zivilgesellschaft und
Wirtschaft müssen vor Ort eng zusammenarbeiten", erläutert Libbe. In
Reallaboren erprobten die Teams städtische Produktion, wandten neue
Konzepte der Klimaresilienz an, gestalteten Grünflächen und Verkehrswege
und setzten sich mit Migration und sozialem Zusammenhalt auseinander. Ziel
der Projekte sei es schließlich, innovative Lösungswege für Städte zu
entwickeln und auch umzusetzen. Experimentelle Forschung und Reallabore
seien für diesen transformativen Weg kennzeichnend.

Zwei der Zukunftsstadt-Projekte standen sogar im Finale für den Deutschen
Nachhaltigkeitspreis 2022. Der Gewinner HeatResilientCity beschäftigt sich
mit den Herausforderungen zunehmender Hitze in Städten und entwickelte
Lösungs- und Anpassungsstrategien, die in dicht besiedelten Quartieren in
Erfurt und Dresden erprobt wurden.

Zukunftsstadt*Tour zeichnet Bild der Zukunftsstadt

Die vielfältigen, innovativen Ergebnisse der praxisnahen Forschung in den
beteiligten Kommunen wurden auf der Website des Vernetzungsprojekts
SynVer*Z nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Mit einer virtuellen Deutschland-Tour legen wir den Fokus auf die Impulse
aus der Zukunftsstadt-Forschung der beteiligten Städte. Auf der virtuellen
Reise werden verschiedene Städte besucht und ausgewählte Konzepte und
Produkte auf der Tour-Website vorgestellt ", sagt Jens Libbe. Auch die
Akteure aus der Wissenschaft und Kommunalpraxis kommen zu Wort: Sie
berichten von den Wirkungen der Forschung und ihrem jeweiligen Bild der
Zukunftsstadt.

Die Tour führt von Juni 2022 bis Dezember 2023 durch mehr als 20 Kommunen
und stellt ausgewählte Ergebnisse der vom BMBF geförderten Zukunftsstadt-
Forschung vor.

Die Zukunftsstadt-Tour startet Anfang Juni 2022 in der Stadt Bochum. Dort
erprobte das Projektteam UrbaneProduktion.Ruhr innovative Ideen für
nachhaltige Produktionsweisen in der Stadt. Danach folgen die Stadt
Boizenburg an der Elbe mit dem Thema Klimaanpassung für Kleinstädte und
die Stadt Köln, die Lösungen für den Umgang mit Starkregen und
Hitzeperioden präsentiert.

Weitere Informationen zur Zukunftsstadt*Tour: https://www.nachhaltige-
zukunftsstadt.de/new/aktuelles/zukunftsstadtour-2022/

Kurzinfo: Synthese- und Vernetzungsprojekt SynVer*Z

Das Synthese- und Vernetzungsprojektteam von SynVer*Z initiiert die
Zukunftsstadt-Tour und begleitet die BMBF-Zukunftsstadt-Forschung. Es wird
gemeinsam vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), dem ISOE –
Institut für sozio-ökologische Forschung sowie Gröschel Branding getragen.
Das SynVer*Z-Team bündelt und vermittelt die Ergebnisse der Projekte und
stellt sich der Frage, welche Wirkungen von der Forschung für die
städtische Praxis ausgehen und wie diese gestärkt werden können.

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Gewebespende noch immer ein blinder Fleck in Politik und Gesellschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) begeht in
diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Die gemeinnützige Organisation ist
die größte bundesweit tätige Einrichtung, die Gewebespenden realisiert, in
Gewebebanken aufbereitet und an Transplantationszentren vermittelt. 2.923
Menschen spendeten im letzten Jahr Gewebe, zum Großteil nach Herz-
Kreislauf-Versterben (2.504). 6.422 Gewebe gingen zur Aufbereitung in die
12 Gewebebanken im Netzwerk der DGFG ein – darunter 4.165 Augenhornhäute,
445 Herzklappen, 335 Blutgefäße und 30 Plazenten zur Gewinnung der
Amnionmembran. 6.608 Menschen konnte die DGFG in 2021 mit einem
Gewebetransplantat versorgen.

Obgleich die Zahlen in der Gewebespende im Unterschied zur Organspende
jährlich steigen, haben wir in Deutschland nach wie vor einen Mangel an
Gewebe. „Noch immer führen wir Wartelisten für eine Augenhornhaut. Im
letzten Jahr konnten wir nur jede zweite Anfrage für eine Herzklappe
bedienen. Das ist noch immer zu wenig“, hält Martin Börgel,
Geschäftsführer der DGFG, fest. Auch das Wissen um die Gewebespende, ihre
Voraussetzungen und ihre Organisation, die sich von der Organspende
deutlich unterscheidet, ist erschreckend gering. Das zeigt sogar das
jüngst in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der
Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, das die Gewebespende zwar
betrifft, in seiner aktuellen Form jedoch erheblich gefährdet.

Online-Register gefährdet Versorgung mit Geweben

Bereits Anfang März veröffentlichte die DGFG einen offenen Brief und
appellierte an den Gesetzgeber, die Gewebespende in der Gesetzesreform der
etablierten Praxis angemessen zu berücksichtigen. Rückhalt erfährt die
DGFG dabei auch von ihren fünf Gesellschafterkliniken, der Medizinischen
Hochschule Hannover, den Universitätskliniken in Dresden, Leipzig und
Rostock sowie dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, die
allesamt das Anliegen der DGFG unterstützen.

In dem besagten Gesetz vorgesehen: ein Online-Register sowohl zur
Dokumentation der Entscheidung zur Organ- als auch zur Gewebespende. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches das Register
derweil einrichtet, verteilt für den Zugriff auf dieses Register
sogenannte Verordnungsermächtigungen an ausgewählte Personen, um im
Einzelfall die Entscheidung des potentiellen Spenders bzw. der
potentiellen Spenderin zu überprüfen. Dabei völlig außer Acht gelassen und
im Gesetz nicht mit berücksichtigt sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
von Gewebespendeeinrichtungen. Ändert sich an dem bereits in Kraft
getretenen Gesetz bis zum Registerstart nichts mehr, besteht die Gefahr,
dass eine Vielzahl an Gewebespenden nicht mehr realisiert werden kann und
sich damit die Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten in Deutschland
erheblich verschlechtert.

Ministerium, Ärztekammer Niedersachsen und MHH unterstützen die
Gewebespende

Zusammen mit der niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerin
Daniela Behrens, der Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen Doktor
Marion Charlotte Renneberg und dem Präsidenten der Medizinischen
Hochschule Hannover Professor Michael P. Manns macht die DGFG bei einer
Pressekonferenz auf die Bedeutung der Gewebespende für die
Patientenversorgung in Hannover, Niedersachsen und darüber hinaus
aufmerksam.

„Eine Gewebespende ist für viele Menschen die einzige Chance auf Heilung
oder Linderung. Der DGFG ist es in den letzten 15 Jahren gelungen, die
Gewebespende erfolgreich auszubauen und die Patientenversorgung zu
verbessern. Etwa die Hälfte aller Hornhaut-, Herzklappen- und
Amniontransplantate werden von Hannover aus in Zentren in ganz Deutschland
vermittelt. In Deutschland gilt – sowohl für die Organ- als auch für die
Gewebespende – die Entscheidungslösung. Eine Gewebespende nach dem Tod ist
nur möglich, wenn eine schriftliche oder mündliche Zustimmung der
Spenderinnen oder des Spenders vorliegt oder die Angehörigen eine
Entscheidung im Sinne der Ver¬storbenen treffen. Es bedarf stetiger
Aufklärung. Ein Projekt wie »Gewebespende erleben« trägt
öffentlichkeitswirksam dazu bei. Nutzen Sie die Chance, vorbeizukommen,
sich zu informieren und eine Entscheidung zu treffen. Damit entlasten sie
schließlich ihre Familie, die im Spendenfall nach ihrem Willen gefragt
wird“, sagt Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

„Die Gewebespende verdient dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit wie die
Organspende. Die Medizinische Hochschule Hannover ist stolzes
Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und
glaubt somit eine wesentliche Struktur mitgeschaffen zu haben, die als
Ergänzung zur traditionellen Organtransplantation hilft Leben zu retten
und Lebensqualität zu erhalten.“ sagt Professor Dr. med. Michael Manns,
Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Es ist für jeden einzelnen wichtig, sich frühzeitig mit der Frage
auseinanderzusetzen, ob eine Gewebespende nach dem Tod in Frage kommt.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber, mit Ihren Freunden, Verwandten und
Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt des Vertrauens. Denn je häufiger Sie sich mit
diesem Thema auseinandersetzen, desto fundierter können Sie schlussendlich
entscheiden“, ergänzt Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, Vizepräsidentin
der Ärztekammer Niedersachsen.

DGFG macht sich stark für die Aufklärungsarbeit mit „Gewebespende erleben“
Open Air

Mit der Fotografieausstellung »Gewebespende erleben« Open Air möchte die
DGFG die allgemeine Öffentlichkeit sowie Entscheiderinnen und Entscheider
aus der Politik und Gesundheitsbranche für die Gewebespende
sensibilisieren. Die Open Air-Ausstellung basiert auf einem
Gemeinschaftsprojekt mit der Hochschule Hannover: Sieben Fotografinnen und
Fotografen aus dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie
haben das Projekt 2019 mit der DGFG realisiert. In 2021 wurde
»Gewebespende erleben« gleich zweimal prämiert: einmal mit dem Silbernen
Nagel des Art Directors Club, dann holte das Projekt Gold im Rahmen des
German Design Award. Die Fotografien wurden bislang ausschließlich in
Kliniken gezeigt. Corona machte eine öffentliche Ausstellung bislang nicht
möglich. Doch das soll sich nun ändern. Als Open Air- Ausstellung ist
»Gewebespende erleben« noch bis zum 13. Juni 2022 auf dem Hannah-Arendt-
Platz in Hannover zu sehen. Am Abend des 2. Juni findet dort eine
öffentliche Abendveranstaltung statt – moderiert von Dr. Carola Holzner,
auch bekannt als Doc Caro aus Social Media und TV. Protagonistinnen und
Protagonisten der Fotografieausstellung, Expertinnen und Experten aus der
Gewebemedizin und Gesundheitsbranche sowie DGFG-Mitarbeitende kommen zu
Wort und geben Einblick in die Gewebespende und die Prozesse, die
dahinterstehen. Finanziert wird dieses Aufklärungsprojekt mithilfe von
Spendengeldern, Sponsoring und Fördermitteln. „Ein herzlicher Dank gilt
dabei insbesondere der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) und der AOK Niedersachsen, die dieses Aufklärungsprojekt als
Sponsoren großzügig unterstützen.“ Weitere Informationen zur Veranstaltung
und Ausstellung sind zu finden unter: https://gewebenetzwerk.de/15-jahre-
dgfg/


Die Ausstellung steht auch als Poster-Set für die öffentliche Aufklärungs-
und Bildungsarbeit zur Verfügung. Kliniken, Schulen, öffentliche
Einrichtungen, Gesundheitsämter und viele weitere sind herzlich dazu
eingeladen, »Gewebespende erleben« ihren Besucherinnen und Besuchern zu
zeigen. „Wir alle wünschen uns, dass die Bilder in die Welt hinausgetragen
werden, dass sie gesehen werden und dass wir im besten Fall einen kleinen
Beitrag dazu leisten können, auf das wichtige Thema der Gewebespenden
aufmerksam zu machen“, sagt Martin Börgel.

15 Jahre Gewebegesetz – 15 Jahre DGFG

Seit gut 15 Jahren wird die Gewebespende unabhängig von der Organspende in
Deutschland realisiert. Am 1. August 2007 trat das sogenannte Gewebegesetz
in Kraft: Das Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben
und Zellen wurde am 25. Mai 2007 vom Bundestag verabschiedet. Es setzt die
EU-Richtlinie (EG-Geweberichtlinie 2004/23/EG) aus dem Jahr 2004
insbesondere über Änderungen im Transplantationsgesetz (TPG) und
Arzneimittelgesetz (AMG) um. Die Richtlinie soll europaweit einheitliche
Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Gewebeprodukte schaffen. Auf Basis
des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot.

Inzwischen führen in der DGFG 48 Koordinatorinnen und Koordinatoren
zusammen mit sechs Ärztinnen und Ärzten täglich zahlreiche Gewebeentnahmen
durch – mit Erfolg. Sie sind diejenigen, die innerhalb der vergangenen 15
Jahre über 29.000 Gewebespenden realisieren und damit nahezu 60.000
Patientinnen und Patienten mit Gewebetransplantaten helfen konnten.
Täglich erhält die DGFG tausende Meldungen potentieller Spenderinnen und
Spender, die stets gründlich auf ihre Eignung überprüft werden. Hierbei
werden oft auch die zuletzt behandelnden Ärzte auf den Klinikstationen
kontaktiert. Jede potentielle Spende beansprucht personelle Ressourcen,
sowohl der Gewebespendeeinrichtung als auch der Klinik. Der zeitliche
Druck ist gleichzeitig hoch. Herzklappen und Blutgefäße müssen binnen 36
Stunden, Augenhornhäute innerhalb von 72 Stunden ab Todeseintritt
entnommen worden sein. Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine
Spende kommt es zum entscheidenden Schritt: der Klärung, ob eine
Entscheidung zur Gewebespende bereits vorliegt. Hier käme dann das
künftige Online-Register ins Spiel. Nun droht der DGFG als
Gewebespendeeinrichtung, fortan keine Auskunft über die dort dokumentierte
Entscheidung zu erhalten. Aus diesem Grund bittet die DGFG den Gesetzgeber
darum, die bereits in Kraft getretene Reform um Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter von Gewebespendeeinrichtungen als auskunftsberechtigte
Personen, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
ebenfalls ernannt werden sollen, zu erweitern.

DGFG

Die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland.
Von 1997 bis 2007 organisierte die DGFG noch als Tochtergesellschaft der
DSO (als sogenannte DSO-G) die Gewebespende. 2007 kam es mit Inkrafttreten
des Gewebegesetztes zur räumlichen und rechtlichen Trennung von der DSO
und zur Gründung der DGFG. Seitdem realisiert die DGFG eigenständig und
unabhängig die Gewebespende. Die Basis bildet das freiwillige Engagement
der Kliniken, die sich über die Jahre dem Netzwerk angeschlossen haben und
der DGFG potentielle Gewebespenderinnen und -spender melden. Die DGFG
vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit
einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in
Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige,
gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen
Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum
Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin
Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG
ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch
die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder
kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

Alle Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pressekonferenz
sowie Bildmaterial finden Sie unter:
https://gewebenetzwerk.de/25-jahre-gewebespende-15-jahre-dgfg/

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Sechs Millionen Euro für das Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin der TUM

Seit fast 20 Jahren verbindet das Else Kröner Fresenius Zentrum für
Ernährungsmedizin (EKFZ) der Technischen Universität München (TUM) moderne
Ernährungswissenschaften mit medizinischer Spitzenforschung. Dass dieses
Konzept erfolgreich ist, zeigen wegweisende Studien zu Themen wie
Ernährung in der Schwangerschaft, Erkrankungen von Verdauungsorganen oder
braunen Fettzellen. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) und die
Technische Universität München haben nun einen Vertrag über eine weitere
Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre
unterzeichnet.

„Das EKFZ schlägt eine fruchtbare Brücke zwischen der TUM School of Life
Sciences und den Fakultäten für Medizin und Sport- und
Gesundheitswissenschaften, welche ab Oktober 2023 die neue TUM School of
Medicine and Health begründen werden. Das EKFZ ist damit ein Ausdruck des
innovativen Ansatzes, moderne Ernährungswissenschaften mit medizinischer
Spitzenforschung und neuen Präventionsansätzen zu verbinden“, sagt TUM-
Präsident Thomas Hofmann bei der Vertragsunterzeichnung mit der Stiftung.
„Ich freue mich, dass unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Else
Kröner-Fresenius-Stiftung weitergeführt wird und wir mit ihr einen
verlässlichen Partner haben.“

Die EKFS hatte zur Jahrtausendwende den Aufbau des EKFZ initiiert und mit
elf Millionen Euro finanziert. 2018 schloss sich eine weitere Förderung
für fünf Jahre mit insgesamt fünf Millionen Euro an. Das EKFZ ist
mittlerweile eine national und international anerkannte Einrichtung auf
dem Gebiet der Ernährungsmedizin. Nun wird es für weitere fünf Jahre mit
sechs Millionen Euro gefördert.

Der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Dieter Schenk konstatiert: „Die Stiftung
sieht es als ihre Aufgabe an, das Wissen um Ursache, Diagnostik und
Therapie von Erkrankungen zum Wohle der Patientinnen und Patienten zu
mehren.“ Der Vorstandsvorsitzende der EKFS, Prof. Michael Madeja, betont:
„Die EKFS ist eine der größten privaten Förderorganisationen der Medizin
in Deutschland. Die Ernährungsmedizin war der Stiftung schon früh ein
Anliegen. Und so unterstützen wir die Weiterförderung und den damit
verbundenen Ausbau des Else Kröner Fresenius Zentrums für
Ernährungsmedizin an der TUM als wichtigen Baustein einer kurativ wie
präventiv ausgerichteten Gesundheitsversorgung.“

Projekte in der klinischen, pädiatrischen und molekularen
Ernährungsmedizin

Derzeit forschen drei Professoren am EKFZ in Projekten, die durch die
Stiftung gefördert werden. Hans Hauner, Professor für Klinische
Ernährungsmedizin, untersucht beispielsweise, mit welchen
Ernährungsstrategien Adipositas und seine Konsequenzen wie Typ 2 Diabetes
am besten behandelt beziehungsweise vermieden werden können. Welchen
Einfluss eine gesunde Lebensweise in der Schwangerschaft auf den
Schwangerschaftsverlauf, die Geburt und die Gesundheit von Mutter und Kind
hat, ist Forschungsschwerpunkt der GeliS-Studie („Gesund leben in der
Schwangerschaft"). „Wir beobachten die kindliche Entwicklung bis zum Ende
des fünften Lebensjahres. Dadurch wird es möglich sein, weitere
Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung des Gewichtsmanagements
beziehungsweise des Lebensstils schwangerer Frauen für das
Adipositasrisiko ihrer Kinder zu gewinnen. Hieraus könnten sich neue
Perspektiven für eine Prävention im Mutterleib ergeben“, erläutert Hauner.

Die Arbeitsgruppe von Heiko Witt, Professor für Pädiatrische
Ernährungsmedizin, beschäftigt sich mit Krankheiten der
Bauchspeicheldrüse, die zu einer Störung der Verdauungsfunktion führen.
Mittels genetischer und zellbiologischer Untersuchungen sollen die
Mechanismen aufgeklärt werden, die zu einer Fehlfunktion des Organs
führen. „Dies soll auch das Verständnis der normalen Funktionsweise des
Organs fördern, da viele Prozesse innerhalb der Pankreaszellen bislang nur
unzureichend verstanden sind“, erklärt Prof. Witt.

Am Lehrstuhl für Molekulare Ernährungsmedizin von Prof. Martin Klingenspor
werden die Forschungsarbeiten zur Funktion der Wärmebildung in Fettzellen
für die Regulation des Energiehaushalts fortgeführt und vertieft. Eine
zentrale Frage ist, wie solche wärmebildenden „thermogenen“ Fettzellen
nicht nur den Energieverbrauch steigern, sondern auch Hunger und Sättigung
beeinflussen. „Dazu erforschen wir die molekularen Mechanismen der
Kommunikation zwischen den thermogenen Fettgeweben und dem Gehirn“, sagt
Prof. Klingenspor.

Eine Verstärkung erfährt das EKFZ durch die Berufung von zwei weiteren
Professoren, die in naher Zukunft auf dem Gebiet der klinischen und der
translationalen Ernährungsmedizin an der TUM forschen und lehren werden.
Zusätzlich wird die Verwaltung des EKFZ erweitert und professionalisiert
und wird ein wissenschaftlicher Beirat installiert, in dem auch externe
Experten anderer Hochschulen und Forschungsinstitute an der Zukunft und
Evaluierung des Zentrums mitwirken. Universitätsübergreifend kooperiert
das EKFZ-Team zudem mit dem Else Kröner Seniorprofessor Prof. Berthold
Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), dessen
Forschungsschwerpunkt im Bereich von Stoffwechsel- und Ernährungsfragen im
frühen Kindesalter liegt.

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Halle Lectures: Philippe Büttgen spricht über „Kant und die Kirche“

Welchen Einfluss hatte Immanuel Kant auf die Theologie des 18.
Jahrhunderts? Was lässt sich heute mit Blick auf die Religion von seiner
berühmten Streitschrift "Was ist Aufklärung?" lernen? Mit diesen Fragen
befasst sich der Pariser Religionsphilosoph Prof. Dr. Philippe Büttgen in
seinem Vortrag im Rahmen der "Halle Lectures", der am Mittwoch, 8. Juni,
um 18 Uhr stattfindet. Organisiert wird die Reihe von der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (MLU) und den Franckeschen Stiftungen. Der
Vortrag ist sowohl in Präsenz als auch online zu verfolgen.

Welchen Einfluss hatte Immanuel Kant auf die Theologie des 18.
Jahrhunderts? Was lässt sich heute mit Blick auf die Religion von seiner
berühmten Streitschrift "Was ist Aufklärung?" lernen? Mit diesen Fragen
befasst sich der Pariser Religionsphilosoph Prof. Dr. Philippe Büttgen in
seinem Vortrag im Rahmen der "Halle Lectures", der am Mittwoch, 8. Juni,
um 18 Uhr stattfindet. Organisiert wird die Reihe von der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (MLU) und den Franckeschen Stiftungen. Der
Vortrag ist sowohl in Präsenz als auch online zu verfolgen.

Seit Habermas und Foucault konzentriert sich die Debatte um die Aktualität
der Aufklärung auf die Interpretation von Kants Schrift "Was ist
Aufklärung?" von 1784. Meistens, so Büttgen, liest man von ihr jedoch nur
die ersten Zeilen: "Sapere aude" - "Habe Mut, Dich Deines eigenen
Verstandes zu bedienen". In seinem Vortrag "Kant und die Kirche. 'Was ist
Aufklärung?' neu lesen" fordert er stattdessen dazu auf, die komplette
Schrift zu lesen und zu kontextualisieren: als eine Streitschrift, die wie
kaum eine andere die Theologie ihrer Zeit unterlief. Kant gelte als
Erfinder einer alternativen Pastoraltheologie; er habe sämtliche
Leitbegriffe dieser typischen Ausrichtung der Aufklärungstheologie - Amt,
Kirche, Bekenntnis - einer drastischen Transformation unterzogen. Die
Diskussion um "Aufklärung heute" werde erst wieder relevant, wenn man den
religionskritischen Ansatz im Sinn behält, den Kant anhand seiner
Auseinandersetzung mit der Macht der Pfarrer entwickelt hat.

Büttgen, Jahrgang 1970, zählt zu den renommiertesten Aufklärungs- und
Religionsforschern Frankreichs. Seit 2011 ist er Professor für
Religionsphilosophie an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.

In den "Halle Lectures" referieren jährlich zwei herausragende,
international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die
Vorträge richten sich sowohl an Forschende und Studierende als auch an die
breite Öffentlichkeit. Die Reihe findet in Kooperation der
Interdisziplinären Zentren für Pietismusforschung (IZP) und für die
Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA), der Alexander von
Humboldt-Professur für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen
Wissenstransfer, der Franckeschen Stiftungen zu Halle und des
Landesforschungsschwerpunkts "Aufklärung-Religion-Wissen" statt.



Philippe Büttgen: Kant und die Kirche. "Was ist Aufklärung?" neu lesen
Mittwoch, 8. Juni 2022, 18 Uhr
Bibliothek des IZEA
Franckeplatz 1, Haus 54
06110 Halle (Saale)

Und online unter: https://www.izea.uni-halle.de/

Eine Anmeldung ist bis zum 6. Juni möglich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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