Um zukünftig Produkte nachhaltiger gestalten zu können, müssen Unternehmen
den entsprechenden CO2-Fußabdruck kennen. Dabei ist es nicht einfach,
diesen zu bilanzieren. Eine Software, die das Start-up greenable, eine
Ausgründung der Technischen Universität Kaiserslautern, derzeit
entwickelt, will hier Abhilfe schaffen. Unternehmen sollen ohne Vorwissen
ihre Daten einpflegen und ihre CO2-Emissionen erfassen können. Das
Gründerteam wird derzeit mit einem EXIST-Gründerstipendium des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Auf der
Hannover Messe stellt es seine Software in der Young Tech Enterprise Area
(Halle 3, Stand A 20/B 08) vom 30. bis 31. Mai vor.
Ob das Flugzeug oder das Auto nutzen, das Smartphone oder das Tablet
regelmäßig laden – all dies trägt zu unserem individuellen CO2-Fußabdruck
bei. Was für Privatpersonen gilt, ist auch bei Unternehmen und deren
Produkten der Fall. Nicht nur Auflagen des Gesetzgebers schreiben künftig
vor, eine CO2-Bilanz auszuweisen. So wird es etwa digitale Produktpässe
geben, in denen die CO2-Emissionen der Produkte aufgeführt sein müssen.
„Das ist aber auch dem Kundenwunsch geschuldet“, sagt Dr. Patrick Kölsch
von greenable. Dabei ist es für Unternehmen nicht einfach, den
tatsächlichen Verbrauch zu ermitteln. „Ihnen fehlt oft das Know-how. Wir
möchten Unternehmen befähigen, den spezifischen CO2-Fußabdruck für die
verschiedenen Produkte, die sie herstellen, zu erstellen“, fährt er fort.
„Auf diese Weise sehen sie zum Beispiel auch, wo es Potential gibt, zu
reduzieren.“
Kölsch und seine Mitgründer Alexander David, Viktor Schiller und Lucas
Hartmann entwickeln die Software in ihrem Unternehmen greenable derzeit
zur Marktreife. „Wichtig ist uns, dass sie ohne Vorwissen funktioniert.
Die Firmen müssen sich keine Expertise aneignen oder zusätzliches Personal
einstellen.“
Auf dem Markt gibt es zwar schon Software, um diesen Verbrauch zu
erfassen. „Hier fließen aber meist nur industrielle Durchschnittswerte aus
Datenbanken ein. Wir nutzen bei unserem Verfahren zusätzlich direkte
Aktivitätsdaten“, so Kölsch. Dabei setzen die Gründer auf einen leichten,
nutzerfreundlichen Einstieg. „Bei jedem Schritt wird der Kunde durch die
Bilanzierung geführt. Er kann nichts falsch eingeben.“
Auch unterscheidet das Start-up zwischen dem Fußabdruck des Unternehmens
und seiner Produkte. „Für ein Unternehmen ist die Bilanzierung einfacher
als für seine Produkte“, fährt er fort. „Hier fließen beispielsweise
Strom- und Benzin- oder Dieselverbrauch ein. Das lässt sich leicht
umrechnen. Bei den Produkten gilt es andere Faktoren zu berücksichtigen,
wie zum Beispiel Transportwege und Lieferketten.“
Kölsch weiter: „Um dies alles zu erfassen, stellen wir verschiedenen
Schnittstellen zum Beispiel für die Maschinenanbindung bereit. Das heißt,
wenn eine Maschine ihre Energiedaten direkt misst, kann das direkt in
unsere Software einfließen.“ Ähnliches gilt für Warenverwaltungssysteme,
sogenannte Enterprise Resource Planning Systeme (ERP). „Hier sind zum
Beispiel spezifische Informationen zu Materialien und dem Maschinenpark
sowie Arbeitspläne und Stücklisten hinterlegt. So wissen wir
beispielsweise, welche Materialien in ein Produkt einfließen und wie lange
eine Maschine arbeitet. Daraus können wir dann den Energiebedarf und die
Emissionen ermitteln.“ Die Gründer arbeiten daran, dass solche Daten
künftig automatisch in ihr System einlaufen.
Die Daten bereitet die Software so auf, dass die Unternehmen die CO2-Werte
für verschiedene Prozesse oder Materialien sehen können. „Es lassen sich
auch Fertigungsschritte oder Materialien miteinander vergleichen“, so
Kölsch weiter. „Das gilt auch für Lieferanten. So kann man überlegen, an
welchen Stellen es Einsparungspotentiale gibt, beispielsweise kann man
beim Transport auf regionale Lieferanten setzen.“
Die Gründer stehen noch am Anfang der Entwicklung. „Langfristig wollen wir
Unternehmen anbieten, dass sie ihre CO2-Bilanz über Jahre vergleichen
können.“ Auch können die Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck im Rahmen des
digitalen Produktpasses über einen QR-Code auf dem Produkt platzieren.
„Der Kunde kann diesen scannen und sieht so direkt, wie es um den
Fußabdruck des Produkts bestellt ist.“
Seine Software möchte das Team als Lizenz anbieten. Interessierte
Unternehmen können sie künftig über einen Webbrowser mit einem
kostenpflichtigen Account nutzen.
Alexander David, Viktor Schiller und Patrick Kölsch sind Absolventen der
TU Kaiserslautern. Lucas Hartmann und Patrick Kölsch haben am Lehrstuhl
für Fertigungstechnik und Betriebsorganisation bei Professor Dr. Jan C.
Aurich gearbeitet. Alexander David arbeitet derzeit noch am Deutschen
Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. Seit dem
1. April werden Viktor Schiller, Lucas Hartmann und Patrick Kölsch mit
einem EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.
Zugleich unterstützt das Gründungsbüro der TUK und der Hochschule
Kaiserslautern die jungen Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.
Ihre Büroräume haben sie im Business and Innovation Center (BIC)
Kaiserslautern, das dem Team ebenfalls zur Seite steht.
Weitere Informationen unter www.greenable.tech