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Interview: „New Work ist mehr als Homeoffice“

Eine Besprechung im Campingwagen am See, das Homeoffice im fränkischen
Dorf oder sogar in Lissabon: Es muss nicht die Firmenzentrale sein; heute
kann von vielen Orten aus gearbeitet werden. Mit der richtigen Gestaltung
ermöglichen neue Arbeitsorte den Einklang von Leben und Arbeit, wie Prof.
Mark Phillips erklärt. Er lehrt an der Fakultät Design der Hochschule
Coburg und forscht über New Work und New Office.

Vor fünf Jahren kannte kaum einer den Begriff New Work. In der Pandemie
wurde er zu einem gern genutzten – und oft falsch verstandenen –
Schlagwort. Was sind die größten Missverständnisse?
Prof. Mark Phillips: Erstens: Ich kann nicht von persönlichen Erfahrungen
auf die Allgemeinheit schließen. In den Sozialen Medien ist es die Norm,
aber das ist sehr weit entfernt von wissenschaftlichem Denken. Zweitens:
Etwa fünf Jahre vor der Pandemie kam in einer großen wissenschaftlichen
Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) heraus, dass manche
Menschen im Homeoffice effektiver und effizienter arbeiten, und dass es
dazu beiträgt, Arbeit und persönliche Lebensumstände besser in Einklang zu
bringen. Kind ist krank, ich muss zum Frisör oder etwas einkaufen: All das
lässt sich ja nicht so einfach mit einem Nine-to-five-Büro-Job verbinden.
Ähnliches wurde auch während der Pandemie festgestellt. Aber Corona war
kein großes Homeoffice-Experiment, kein strategisch geplantes Projekt. Es
war eine Notlage und es ist absurd, daraus wissenschaftliche Erkenntnisse
ziehen und 1:1 in den Alltag übernehmen zu wollen. Das ist das zweite
große Missverständnis. Das dritte ist, dass New Work nicht nur Homeoffice
bedeutet. Es geht darum, dass man ein glücklicherer Mensch ist, wenn man
selbstbestimmt arbeitet.

Sie sind Architekturforscher, Professor für experimentellen Raum, und Sie
leiten den Bachelor-Studiengang Innenarchitektur an der Hochschule Coburg.
Wie kommen Sie zu dem eher sozialwissenschaftlichen Thema New Work?
Wir nutzen Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen. Den Begriff New
Work hat der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann geprägt. Er beschäftigte
sich mit sinnstiftender Arbeit. In den Sozialwissenschaften und der
Betriebswirtschaft wurde dann viel darüber geforscht. Da geht es um
Arbeit, bei der ich sage: Das möchte ich wirklich, wirklich tun. Und das
möchte ich in diesen Räumen tun. Architektur und Innenarchitektur haben
die Aufgabe, diese Räume zu bauen und zu gestalten. Deshalb muss das Thema
von uns angegangen werden. Und das habe ich in Deutschland dann getan.

Das heißt?
Nach zwei halben Forschungssemestern 2015 und 2016 habe ich das erste Buch
veröffentlicht: Kollisionen: Raum für Kreativität und Innovation im Büro.
Es war das erste Mal, dass der Zusammenhang zwischen ungeplanten
Begegnungen und Kreativität aus innenarchitektonischer Sicht untersucht
wurde. Seitdem forsche ich zu New Work und New Office, wir haben an der
Hochschule Coburg im Master Design den Schwerpunkt New Work und
verschiedene Seminare zum Thema. Im Lauf von zwei Jahren sind dabei einige
sehr gute Arbeiten entstanden. Fünf sehr gute, haben wir überarbeitet und
unter dem Titel New Work – New Office im Fachverlag av edition als Buch
herausgebracht.

Worum geht es?
Darum, wie man menschengerechte Büroräume schafft und darum, wie künftige
Generationen arbeiten wollen. Die Studierenden haben wissenschaftliche
Standards eingehalten, die Beiträge aber aus ihren Perspektiven
geschrieben. Das ist auch für Fachfremde gut verständlich, für
Unternehmenslenker und Managerinnen, für Praktiker und Praktikerinnen und
für andere Studierende. Außerdem haben wir weitere einzelne
Veröffentlichungen. Wir erleben ein starkes öffentliches Interesse an dem
Thema.

Und wie geht es mit Büro und Homeoffice weiter?
Bürogebäude sind seit 100 Jahren Thema. Heute geht es hier darum, Räume
für Begegnungen zu schaffen. Das Homeoffice ist eine Sache der letzten
Jahre. Würde man sich darüber genauso viele Gedanken machen wie über
Bürogebäude, würde beispielsweise die Trennung zwischen Beruf und Privatem
besser funktionieren. Und auch an dritten Orten lässt sich besser
arbeiten, wenn sie professionell gestaltet sind. Da geht es um Orte, an
denen Menschen arbeiten, wenn sie nicht in die Zentrale pendeln aber auch
nicht alleine im Homeoffice sitzen wollen. Im Coworking-space in Coburg
mit Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, ist eine Option. Oder in einem
Camper am Goldbergsee. Es werden neue Orte zum Arbeiten erschlossen.
Bekanntes Beispiel sind die Starbucks Cafés. Oder Portugal, das eine große
Workation Destination für Beschäftigte aus den USA geworden ist.

Portugal als working place? Da müssen Arbeitgeber aber viel Vertrauen
haben …
Genau. Das ist das gleiche Dilemma, das wir zum Beispiel auch in der
Erziehung haben: Kontrolle oder Vertrauen? Wie gehen wir damit um? Es ist
eigentlich einfach. Wenn ich keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr
bekomme, weil ich ein kontrollierendes Unternehmen bin, braucht‘s keine
wissenschaftlichen Studien: Das regelt dann der Markt. Es ist auch eine
Generationenfrage. Die Fachkräfte in zehn Jahren sind unsere Studierenden
von heute. Sie fragen, wie es funktioniert, Beruf und Privates zu trennen.
Oder zu vereinbaren. Arbeit wird als sinnstiftender Teil des Lebens
gesehen. Das ist eine interessante Entwicklung, denn wenn wir heute
fragen: Wo lebst du? – dann wird kaum jemand antworten: in meinem Büro.
Obwohl wir dort sehr viel Zeit verbringen.

Mehr zum Thema
•       New Work – New Office: Ein Reader zu neuen Arbeitswelten.
Herausgegeben von Mark Phillips. Stuttgart 2022, 240 Seiten, 34 Euro
•       Das menschliche Büro - The human(e) office“. Herausgegeben von
Prof. Dr. Christine Kohlert (Beiträge aus der Hochschule Coburg von
Lehrbeauftragter  Angelika Donhauser, Hochschulrats-Vorsitzender Andrea
Prehofer und Prof. Mark Phillips mit Studentin Jennifer Vogt)

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POL-BO: 2. Nachtrag: Tödlicher Verkehrsunfall in Bochum

Bochum (ots) Wie berichtet (https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/5223386), kam es am 15. Mai zu einem tödlichen Unfall in Bochum.

Nach eingehender Prüfung der Staatsanwaltschaft Bochum wurde am gestrigen Tage der 20-jährige Fahrzeugführer wegen des Verdachtes der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge beim zuständigen Gericht in Bochum vorgeführt. Mit richterlichem Beschluss wurde die Untersuchungshaft angeordnet.

Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Derzeit ist nicht auszuschließen, dass die Fahrzeugführer bereits vorher ein Rennen gefahren sind.

Aus diesem Grunde suchen die Ermittler Zeugen, welche die beiden Fahrzeuge im Vorfeld gesehen haben. Hierbei handelte es sich um einen grauen Audi A6 sowie einen schwarzen VW Golf.

Hinweise bitte an die 0234 909-4105 oder -4441 (Kriminalwache) oder jede weitere Polizeidienststelle.

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Gesellschaftlichen Wandel verstehen und gestalten im Zeitalter multipler Krisen

An der Europa-Universität Flensburg startet der bundesweit einzigartige
Bachelorstudiengang „Sozialwissenschaften: Social and political change“

An der Europa-Universität Flensburg startet zum Herbstsemester 2022 ein
bundesweit einzigartiger sozialwissenschaftlicher Bachelorstudiengang. Der
B.A. „Sozialwissenschaften: Social and political change“ stellt eine der
grundlegendsten Fragen der Sozialwissenschaften in den Mittelpunkt des
Studienprogramms: Die Frage, was genau die Veränderungen im Zusammenleben
der Menschen auslöst, wie soziale Wandlungsprozesse entstehen und sich
entwickeln.

„Dieser Studiengang ist nötig“, erklärt Studiengangsleiter Torben Lütjen,
Professor für Partizipations- und Demokratieforschung an der EUF.  „Gerade
im Zeitalter multipler Krisen, in dem wir uns gerade befinden, und wo
vieles in unserer Lebens—und Denkweisen in Frage gestellt wird, brauchen
wir ein verstärktes Nachdenken darüber, wie wir als Gesellschaft leben
wollen“.

Das Tempo der Veränderung ist dabei rasant. Gründe dafür sind etwa die
Digitalisierung, der Klimawandel, die Schwächung demokratischer
Institutionen in verschiedenen Ländern, wachsende gesellschaftliche
Polarisierungen und globale soziale Ungleichheit, gewaltsame
gesellschaftliche und politische Konflikte und daraus resultierende
Migrationsbewegungen.
„Diese globalen Problemlagen treffen auf Gesellschaften, die politisch und
sozial weiterhin lokal und regional organisiert sind und die daher große
Schwierigkeiten haben, diesen Problemen koordiniert zu begegnen“, sagt
Lütjen. „Genau deshalb braucht es Expertise, um diesen Wandel zu
verstehen, zu moderieren und zu gestalten. Diese Expertinnen und Experten
bildet der neue Studiengang aus.“

Die Besonderheiten des grundständigen Studiengangs: Er untersucht die
Wechselwirkungen zwischen veränderten Einstellungen, Denk- und
Verhaltensweisen der Menschen und den Strukturen der Gesellschaft aus den
Perspektiven der beiden Kernfächer Soziologie und Politikwissenschaften –
als einziger Bachelorstudiengang in Deutschland.

Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch, Unterricht in einer
weiteren Sprache ist ab dem zweiten Semester möglich. Das fünfte Semester
verbringen alle Studierende im Ausland, ein Berufspraktikum kann
integriert werden.

Bereits ab dem ersten Semester beschäftigen sich Studierende umfassend und
grundlegend mit den Methoden der empirischen Sozialforschung. Schon im
zweiten Studienjahr bearbeiten sie im Lehrforschungsjahr eigene
Forschungsfragen.

Der Studiengang sensibilisiert für eine Vielzahl politischer und
gesellschaftlicher Probleme, die zwar nach Antworten verlangen, für die es
aber meist keine „einfache“ Lösung gibt. So bietet er die Möglichkeit,
Bereiche des eigenen sozialen Engagements kritisch und analytisch zu
erforschen. Vier Wahlbereiche stehen dafür zu Verfügung: Soziale Teilhabe
und Demokratie, Migration und Integration, soziale Ungleichheit und
Wohlfahrtsstaat und der Wandel gesellschaftlicher Naturverhältnisse.

„Der BA ‚Sozialwissenschaften: Social und political Change‘ richtet sich
an Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen, Zeitung lesen und
Fragen haben an das, was passiert, an Menschen, die  die sozial
interessiert sind, gesellschaftlichen Wandel verstehen und später
beruflich Reformprozesse gestalten wollen“, skizziert Lütjen die
Zielgruppe des Studiengang.

Bewerbung ist jetzt möglich.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Torben Lütjen
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Mathias Antlfinger neuer Rektor der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM)

Der Künstler und Professor für Medienkunst ist seit 1. April neuer Rektor
der KHM. Mit der Wahl der neuen Prorektor*innen ist das Rektorat der KHM
wieder komplett.

Der Senat hatte gewählt und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft
des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) hat die Wahl mit einem Vertrag
für fünf Jahre festgemacht. Mathias Antlfinger hat sein Amt als neuer
Rektor der KHM am 1. April 2022 angetreten. Er wechselte damit von der
Position des Prorektors für Planung und Finanzen, die er seit September
2020 innehatte, in das Rektorenamt. Er lehrt zudem seit 2009 als Professor
für Medienkunst / Transmediale Räume an der KHM. Mathias Antfinger (*1960)
ist der 10. Rektor in der 32jährigen Geschichte der Kunsthochschule, die
1990 eröffnet wurde.

Er studierte Kunsterziehung mit Schwerpunkt Bildhauerei an der staatl.
Akademie der bildenden Künste Stuttgart (1983-88) und Mathematik an der
Universität Stuttgart, in den Jahren 1990 bis 1995 Bildhauerei und
Kybernetik an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 1988 bis 1992 war er
Mitglied der Künstler*innengruppe Büro Bert. Seit 1990 arbeitet er mit der
Künstlerin Ute Hörner. Vor allem kollaborative Prozesse stehen im Zentrum
ihrer Zusammenarbeit. Ihre Installationen, Videos und Skulpturen handeln
von Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Maschinen und eröffnen
sowohl kritische Perspektiven auf veränderbare gesellschaftliche
Konstrukte als auch utopische Visionen eines gleichberechtigten Umgangs
zwischen den Akteur*innen.

Als Prorektor hat Mathias Antlfinger das am 6. und 7. Mai 2022
veranstaltete Symposium mit internationalen Gästen „The Damaged Planet -
Solidarität mit unserem verletzten Planeten“ zusammen mit Kolleg*innen aus
der Lehre mit auf den Weg gebracht. Als Rektor erachtet er "die
Herausforderungen der Klimakrise als ein langfristiges zentrales Thema
einer Kunsthochschule für Medien. Einen weiteren Fokus möchte ich auf die
Themen Diversität und Antidiskriminierung richten".
Stark in Anspruch nehmen werden ihn und die ganze KHM voraussichtlich im
nächsten Jahr der Umzug mit dem Großteil des Lehr- und
Verwaltungspersonals vom Peter-Welter-Platz 2 an den Heumarkt 14. Das neue
Hauptgebäude der KHM wird das gerade sanierte und zum Rhein liegende
Hochhaus der Handwerkskammer zu Köln.

Ebenso für die nächsten beiden Jahre gerade neu gewählt wurden vom Senat
der KHM Solveig Klaßen als Prorektorin für Lehre und Studium und Zilvinas
Lilas als Prorektor für Planung und Finanzen. Solveig Klaßen als
künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin für Dokumentarfilmproduktion
und Zilvinas Lilas als Professor für 3D-Animation lehren beide seit 2004
an der KHM. Sie alle zusammen bilden mit der Kanzlerin Dr. Sabine Schulz
das neue Rektorat der KHM.

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