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Für mehr Tiefe und Innovation im Wissenschaftsjournalismus – Klaus Tschira Stiftung ermöglicht Corona-Recherche

Anspruchsvolle Berichterstattung über Wissenschaft zu bieten und zu
stärken – dafür tritt die Riff freie Medien gGmbH ein. Die freien
Journalistinnen und Journalisten entwickelten schon aus einer ersten
Förderung der Klaus Tschira Stiftung (KTS) zu Pandemiebeginn mehrere
spannende Projekte. Nun fördert die Stiftung erneut die unabhängige Arbeit
des Netzwerks.

Heidelberg. Anspruchsvolle Berichterstattung über Wissenschaft zu bieten
und zu stärken – dafür tritt die Riff freie Medien gGmbH ein. Die freien
Journalistinnen und Journalisten entwickelten schon aus einer ersten
Förderung der Klaus Tschira Stiftung (KTS) zu Pandemiebeginn mehrere
spannende Projekte. Nun fördert die Stiftung erneut die unabhängige Arbeit
des Netzwerks und damit innovative Formen des Wissenschaftsjournalismus,
die neue Zugänge zur Wissenschaft aufzeigen.

Die RiffReporter sind eine Gemeinschaft von mehr als 100 freien
Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, die in ihrer
Berichterstattung über Wissenschaft auf fundierte Analysen und
tieferliegende Hintergründe setzt. Ein strenger Qualitätskodex sorgt für
herausragende Arbeit, für die die Gemeinschaft bereits den Netzwende Award
2017 und den Grimme Online Award im Jahr 2018 erhielt sowie als
„Wissenschaftsjournalisten des Jahres 2017“ ausgezeichnet wurde. Die Riff
gGmbH fördert in Kooperation mit Stiftungen freiberufliche Journalistinnen
und Journalisten und deren Arbeit für Medien aller Art.

Durch die erste Förderung der KTS wurde unter anderem der Podcast
„Pandemia - Die Welt. Die Viren und wir“ ermöglicht. Dort bringen Laura
Salm-Reifferscheidt, Kai Kupferschmidt und Nicolas Semak ihre langjährige
journalistische Epidemien-Expertise ein und diskutieren seit April 2020,
was wir aus der medizinischen Vergangenheit oder Gegenwart verschiedener
Länder für den Umgang mit Infektionserkrankungen lernen können. So erfährt
das Publikum beispielsweise, warum sich das 1989 entdeckte
Hepatitis-C-Virus in Ägypten so rasant wie sonst nirgends ausbreitete und
das Land heute als Paradebeispiel für die langfristige Bekämpfung dieses
Virus gilt.

Ein weiteres Beispiel ist das Projekt #50Survivors, bei dem das Team von
tactile.news bei RiffReporter auf innovative Weise frühzeitig über Long-
Covid berichtete. In „Deutschlands erster Dialogrecherche“ begleiteten die
Journalistinnen und Journalisten 50 Betroffene über Monate hinweg in ihrem
Alltag und veröffentlichten Erlebnisprotokolle in einer „Koralle“ des
RiffReporter-Portals. Dadurch wurden einzigartige Einblicke möglich, die
ein differenzierteres Bild von der Pandemie entstehen lassen – ganz im
Sinne des Community-Journalismus.

Um visuelle Eindrücke bereichert der Fotograf Patrick Junker die Corona-
Berichterstattung mit seinem Fotoprojekt zu Long-Covid. Von Februar bis
April 2021 begleitete er zwölf Patientinnen und Patienten mit Long-Covid,
einem Syndrom, das bis heute schwer zu fassen ist. Er gewinnt ihr
Vertrauen, portraitiert sie und lässt mit diesen Bildern gleichermaßen den
Alltag nach einer COVID-Infektion, aber auch emotionale und soziale
Schmerzen sichtbar werden.

„Besonders in diesen Pandemie-Zeiten besteht ein enormes Bedürfnis an
verlässlichen Informationen, nicht zuletzt, um kursierenden
Verschwörungserzählungen etwas entgegen zu setzen“, sagt Carsten Könneker,
Geschäftsführer der Klaus Tschira Stiftung. „Da die Pandemie nicht vorüber
ist, unterstützen wir die Riff freie Medien gGmbH und damit
wissenschaftliche Berichterstattung mit einer zweiten Förderrunde und
ermöglichen so auch besonders rechercheintensive Projekte.“

Zum RiffReporter-Portal

Zur Webseite der Riff freie Medien gGmbH: https://www.riffreporter.de/de

Zum Download der Bilder:

1. Team des Pandemia-Podcasts © Nyani Quarmyne: https://klaus-tschira-
stiftung.de/wp-content/uploads/2022/05/1_Podcast_Nicolas-Semak-Laura-Salm-
Reifferscheidt-Kai-Kupferschmidt_Foto-von-Nyani-Quarmyne.jpg


2. Illustration des Projekts #50survivors ©Neele Jacobi: https://klaus-
tschira-stiftung.de/wp-content/uploads/2022/05/2_50survivors-Copyright-
Neele-Jacobi.png


3. Einblick in das Fotoprojekt von Patrick Junker ©Patrick Junker: https
://klaus-tschira-stiftung.de/wp-content/uploads/2022/05/3_LongCovid_Luisa-
Meissner_Foto-von-Patrick-Junker-scaled.jpg

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Ukraine: 150. Hilfstransport - Medikamente für Krankenhäuser

Am Mittwoch, den 4. Mai, startet der 150. Hilfstransport der Malteser für die Menschen in der Ukraine und in den Anrainerstaaten. 44 Paletten mit Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial werden von Deutschland aus in die Ukraine versendet. Gespendet wird das medizinische Material vom Gesundheitskonzern Fresenius. Die Hilfslieferung, die mit zwei LKW direkt nach Lviv in der Ukraine gefahren wird, wird von dort aus von den ukrainischen Maltesern an Krankenhäuser verteilt, die derzeit einen hohen Bedarf an Medikamenten und medizinischem Material haben. Unterstützt wird der Transport von der Organisation „action medeor“.

„In der Region Kharkiv fehlt es in den Krankenhäusern derzeit an Allem, wie zum Beispiel Medikamenten für chronisch Kranke, aber auch Verbrauchsmaterial wie Spritzen und Kanülen. Die Gesundheitseinrichtungen vor allem im Osten des Landes sind völlig überlastet und jede Unterstützung wird dringend benötigt“, sagt Pavlo Titko, Leiter der Malteser Ukraine.

„Medikamente, Feldbetten für Geflüchtete sowie Lebensmittel – das sind die Dinge, die derzeit in allen Teilen der Ukraine dringend gebraucht werden. Wir haben das große Glück, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in Lviv trotz des Krieges noch immer im Einsatz sind und von ihrem Standort aus die Hilfslieferungen auch in die Gegenden bringen können, die zum Teil nur schwer erreichbar sind. Derzeit beliefern die Malteser Ukraine rund 50 Städte und Gemeinden in der Ukraine“, sagt Oliver Hochedez, Leiter der Nothilfeabteilung von Malteser International.

 

JETZT SPENDEN

Malteser International ist das weltweite Hilfswerk des Souveränen Malteserordens für humanitäre Hilfe. Die Organisation leistet in rund 100 Projekten in 30 Ländern Hilfe für Menschen in Not, unabhängig von deren Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung. Die christlichen Werte und die humanitären Prinzipien der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit bilden die Grundlage der Arbeit. Weitere Informationen: www.malteser-international.org 

Die Malteser sind Mitglied der „Aktion Deutschland Hilft“ und rufen dringend zu Spenden für die Menschen in der Ukraine auf:
Malteser Hilfsdienst e. V.

IBAN: DE10 3706 0120 1201 2000 12

S.W.I.F.T.: GENODED 1PA7

Stichwort: "Ukraine-Hilfe“

JETZT SPENDEN

Aktion Deutschland Hilft e. V.:

Konto IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30

Stichwort: „Nothilfe Ukraine“

www.aktion-deutschland-hilft.de  

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Wissenschaft aus Potsdam und Brandenburg an einem Tag erleben

9. Potsdamer Tag der Wissenschaften am Leibniz-Institut für Agrartechnik
und Bioökonomie e.V. Materialien der Zukunft entwickeln. Ernährung im
Alter verbessern. Verpackungen wiederverwerten. Künstliche Intelligenzen
verstehen. Sprachlandschaften entdecken. Unter dem Motto „Forschen.
Entdecken. Mitmachen.“ laden Wissenschaftler*innen und von mehr als 35
Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes Brandenburg am 7. Mai
auf dem Gelände des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie
e.V. (ATB) ein.Von 13 - 20 Uhr geben sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag,
zeigen spektakuläre Experimente, laden zum Mitmachen ein, präsentieren
innovative Projekte, die die Welt von morgen verändern.

Materialien der Zukunft entwickeln. Ernährung im Alter verbessern.
Verpackungen wiederverwerten. Künstliche Intelligenzen verstehen.
Sprachlandschaften entdecken. Unter dem Motto „Forschen. Entdecken.
Mitmachen.“ laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von mehr als 35
Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes Brandenburg am 7. Mai
auf dem Gelände des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie
e.V. (ATB) ein. Von 13 bis 20 Uhr geben sie Einblicke in ihren
Arbeitsalltag, zeigen spektakuläre Experimente, laden zum Mitmachen ein
und präsentieren innovative Projekte, die die Welt von morgen verändern.

„Wir zeigen den Bürgerinnen und Bürgern die Vielfalt der Forschung im Land
und laden zum Mitmachen ein. Denn Wissenschaft forscht für und mit der
Gesellschaft. Damit gemeinsam Antworten und Lösungen auf die drängenden
Fragen unserer Zeit gefunden werden können“, so Prof. Barbara Sturm,
Direktorin des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie. „An
ausgewählten Forschungsthemen des ATB werden drei Fragestellungen und
Herausforderungen konkret erlebbar. Worauf es in der Agrar- und
Ernährungswirtschaft mit ihren vor und nachgelagerten Bereichen bei der
Kreislaufführung von Stoffen und Energie ankommt, zeigen wir spielerisch
am Infostand des Modell- und Demonstrationsvorhabens Leibniz-
Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie. Das Mitmachexperiment Wie lebt
die 'moderne' Kuh und geht es ihr gut? zeigt wie Hitzestress und
Treibhausgasemissionen im Stall gemessen werden und bietet
Forschungsfakten rund um die Milchkuh. Ob und wie mit Huminstoffen die
Mikroorganismen im Boden und damit unsere Bäume gestärkt werden könnten,
untersucht das Verbundforschungsprojekt Rette einen Baum im Park
Sanssouci“, erläutert Barbara Sturm.

In Zeiten, in denen wissenschaftliche Fakten von Teilen der Gesellschaft
offensichtlich nicht mehr verstanden und deshalb in Frage gestellt werden,
gewinnt die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die
Gesellschaft an Bedeutung. „Experten verweisen darauf, dass die
Wissenschaftskommunikation weg kommen muss von der ‚Einbahnstraße‘
Vermittlung vom Experten zum Laien und sich stärker dialogisch ausrichten
sollte“, so die proWissen Geschäftsführerin Dr. Simone Leinkauf. Der
Potsdamer Tag der Wissenschaften macht genau das: Die Gäste der
Veranstaltung begegnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und
kommen mit diesen ins Gespräch. Das Thema des diesjährigen
Wissenschaftsjahres „Nachgefragt!“, bei dem Beteiligung und Dialog im
Vordergrund stehen, wird am proWissen Stand in Form einer Ausstellung
präsentiert.

Mit knapp 160 Programmpunkten repräsentiert der Potsdamer Tag der
Wissenschaften die vielfältige Wissenschaftslandschaft Brandenburgs. Wie
in den Vorjahren sind renommierte Forschungsinstitute der Leibniz- und der
Helmholtz-Gemeinschaft sowie der Fraunhofer- und der Max-Planck-
Gesellschaft vertreten. Erstmals dabei sind das Hasso-Plattner-Institut
für Digital Engineering und das Helmholtz-Zentrum Hereon.

Mike Schubert freut sich als Oberbürgermeister und Vorsitzender des
Vorstands von proWissen Potsdam e.V., dass der Potsdamer Tag der
Wissenschaften nach der Pause nun wieder als Veranstaltung vor Ort
stattfinden kann. Er ist davon überzeugt, dass der Potsdamer Tag der
Wissenschaften den Wissenstransfer für die Besucherinnen und Besucher
erlebbar macht. Darüber hinaus weist Herr Schubert   darauf hin, dass „auf
Anregung aus den Reihen der wissenschaftlichen Einrichtungen erstmals das
Thema Wissenschaft als Arbeitgeber eine Rolle spielen wird. Bei einer
Gesprächsrunde auf der Bühne und in einem Pavillon im Forschercamp werden
die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der reinen
Forschungstätigkeit sowie die Ausbildungsmöglichkeiten vorgestellt“.

Neben den Ausstellungen, Workshops und Vorträgen in den Gebäuden und
Versuchshallen des ATB können sich Besucherinnen und Besucher jeden Alters
in einem Forschercamp im Experimentieren üben, ihr Wissen testen und
brandenburgische Wissenschaft aus erster Hand erleben: Roboter
programmieren und ausprobieren, Vogelstimmen erraten, digitale Spuren im
Internet erkunden, Naturfasern benutzen oder Bakterien sichtbar machen.
Für die Unterhaltung zwischendurch sorgt ein vielfältiges Bühnenprogramm.

Träger der Veranstaltung ist der Verein proWissen Potsdam, der in der
Universität Potsdam, der Wirtschaftsförderung Brandenburg, der Industrie-
und Handelskammer Potsdam, der ProPotsdam, der Investitionsbank des Landes
Brandenburg und den Stadtwerken Potsdam sowie zahlreichen
wissenschaftlichen Einrichtungen und regionalen Unternehmen starke Partner
gefunden hat.

Das Veranstaltungsgelände kann mit dem Bus der Linie 692, Fahrt bis zur
Haltestelle „Institut für Agrartechnik“, erreicht werden. Fahrradständer
und eine Station für Next-Bike Räder sind am ATB vorhanden. PKW-
Stellplätze sind nur begrenzt verfügbar – die Anreise zum Potsdamer Tag
der Wissenschaften mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad wird empfohlen.

Das vollständige Programm und Details zur Veranstaltung finden Sie unter:
www.ptdw.de

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Synchrotronforschung für Klimaschutz und Energiewende

Eine Information des Komitees für Forschung mit Synchrotronstrahlung (KFS)

Synchrotronstrahlung zeigt uns, wie Materialien im Innersten aufgebaut
sind und funktionieren. Dazu gehören auch Materialien, die wir brauchen,
um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden - zum Beispiel
Materialien für Solarzellen, Batterien und für die Herstellung von grünem
Wasserstoff.

Was beeinflusst das Klima und wie können wir dem Klimawandel
entgegenwirken und mit den Folgen fertig werden? Mit diesen drei zentralen
Problemen (Physical Science Basis, Mitigation, Adaption laut IPCC) muss
sich die Gesellschaft auseinandersetzen, und die Forschung mit
Synchrotronstrahlung leistet dazu einen wertvollen Beitrag.
Der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung von Materialien, die uns
unabhängig von fossilen Energien machen - zum Beispiel Materialien für
Solarzellen, für Batterien, oder für die Herstellung von grünem
Wasserstoff und die Umwandlung von CO2. Für die Erforschung regenerativer
Bau- und Werkstoffe ist die Synchrotronstrahlung ebenso im Einsatz. Und
auch für das Verständnis des Systems Erde und des Klimas werden die
vielfältigen Synchrotronstrahlungmethoden genutzt. Die dafür nötige
Forschungsinfrastruktur wird in aktuellen BMBF-Programmen wie „Erforschung
von Universum und Materie ErUM“ durch das Bundesforschungsministerium
gefördert (ErUM-Pro und ErUM-Data).

Synchrotronstrahlung ist extrem intensive Strahlung bis in den
Röntgenbereich. Sie wird an Großforschungsanlagen wie Speicherringen oder
Freie-Elektronen-Lasern erzeugt, in denen geladene Teilchen bis auf nahezu
Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und intensives Licht, aussenden:
die Synchrotronstrahlung. In Deutschland gibt es die
Synchrotronstrahlungsquellen PETRA III und FLASH am Deutschen Elektronen-
Synchrotron (DESY) in Hamburg, BESSY II am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB),
den European XFEL bei Hamburg, mit deutscher Beteiligung die ESRF in
Grenoble, Frankreich, die KIT Light Source in Karlsruhe sowie DELTA in
Dortmund.

Bestimmte Informationen können mit Synchrotronlicht leichter oder
schneller erhalten werden als mit anderen Methoden - und andere,
entscheidende Informationen sind ausschließlich am Synchrotron zu
gewinnen. "Wenn chemische Energie in Batterien in elektrische Energie
umgewandelt wird, passieren dabei komplizierte Prozesse, die man mit
Synchrotronstrahlung verfolgen kann. Diese Forschung hat dazu beigetragen,
dass Lithium-Ionen-Akkus heutzutage Standard sind. Durch besseres
Verständnis werden ihre Energiedichte, Lebensdauer und Sicherheit immer
noch gesteigert. Aber wir denken noch weiter in die Zukunft, und bei der
Erforschung von Materialien für Batterien, die ganz ohne Lithium auskommen
und daher viel nachhaltiger sind, z.B. Natrium-, Kalium- und
Aluminiumbatterien, ist die Synchrotronstrahlung unverzichtbar", sagt
Prof. Dr. Helmut Ehrenberg (KIT).

Grundlagenforschung und technologische Entwicklungen sind durch
Forschungsverbünde und Kooperationsplattformen eng miteinander verbunden.
Im Folgenden sind einige aktuelle Beispiele herausgegriffen:

Photovoltaik

- Solarzellen aus Halbleitermaterialien sind die Basis der Stromerzeugung
aus Sonnenenergie. Meistens wird dafür Silizium verwendet, doch es gibt
Alternativen und Ergänzungsmöglichkeiten. Besonders vielversprechend sind
Perowskit-Solarzellen, deren Funktionsweise am Helmholtz-Zentrum Berlin
(HZB) und an DESYs Synchrotronquelle PETRA III mit Synchrotronstrahlung
erforscht wird. Sie haben den Vorteil, dass sie kostengünstig hergestellt
werden können und andere Wellenlängen verwerten als Silizium. In
sogenannten Tandem-Solarzellen, die beide Halbleiter kombinieren, lässt
sich daher eine höhere Effizienz erreichen als in herkömmlichen Modulen.
Mit Synchrotronstrahlung werden die Eigenschaften von Perowskit-
Solarzellen erforscht, zum Beispiel die Temperatur-Struktur-Beziehung, der
Prozess der Kristallisation oder die stabilisierende Wirkung von Fluor-
Additiven in bleifreien Perowskit-Solarzellen. Aber auch die
Siliziumschicht in der Tandem-Solarzelle kann durch gezielte
Nanotexturierung noch effektiver gemacht werden. Andere
Forschungsprojekte, beispielsweise an PETRA III, erforschen
„Plastik“-Solarzellen auf Polymerbasis, die einfach und kostengünstig
herzustellen und durch ihre Biegsamkeit vielfältig einsetzbar sind.

- Das Helmholtz-Innovationslabor HySPRINT ist eine Kooperationsplattform
für die Industrie am HZB mit dem Fokus auf (opto)elektronischen
Materialien und Bauelementen in einem frühen technologischen
Entwicklungsstadium. Hier werden Tandemsolarzellen entwickelt und
optimiert. Die Effizienz der Perowskit-Tandem-Solarzelle im Labormaßstab
lag Ende 2021 bei fast 30%, seitdem wurden weitere Fortschritte erreicht:
Die Verwendung von Standard-Silizium-Solarzellen und serienreifen
Silizium-Bottom-Zellen der Firma Q CELLS.

Batterien

- Zur Nutzung von erneuerbarer Energie gehört auch deren Speicherung.
Batterien haben hohe Wirkungsgrade und sind mobil einsetzbar, daher wird
intensiv an der gesamten Wertschöpfungskette geforscht - vom
Funktionsmechanismus, neuen Materialien bis hin zur Haltbarkeit,
Sicherheit und Nachhaltigkeit. Mit Synchrotronstrahlung kann zum Beispiel
die Rolle einzelner Elemente unterschieden werden, um maßgeschneiderte
Lösungen zu finden. Alterungsprozesse im Lade- und Entladezyklus können
live beobachtet werden.

- Forschungsverbünde spielen eine wichtige Rolle in der Batterieforschung.
Auf europäischer Ebene gibt es in der Großforschungsinitiative Battery
2030+ das EU-Projekt "BIG-MAP" (Battery Interface Genome - Materials
Acceleration Platform) zur Entwicklung nachhaltiger Batterien für die
Zukunft, in dem die European Synchrotron Radiation Facility (ESRF)
eingebunden ist. Dort wird Batterieforschung auch im "Grenoble Battery
Hub" vorangetrieben. Im Exzellenzcluster POLiS des Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) und der Universität Ulm und weiteren Partnern werden
Zukunftsbatterien erforscht, die leistungsfähiger, zuverlässiger,
nachhaltiger und umweltfreundlicher sind als die derzeitigen Lithium-
Ionen-Batterien. Dabei wird Synchrotronstrahlung eingesetzt, um die
Funktionsweise der Batterien zu verstehen und entsprechend anzupassen.
Auch in anderen Kompetenzclustern des BMBF-Dachkonzeptes „Forschungsfabrik
Batterie“ wird Synchrotronstrahlung genutzt, zum Beispiel in FestBatt und
ExcellBattMat.

Katalyse

- Große Erwartungen werden in die industrielle Verwendung von grünem
Wasserstoff gesetzt, zum Beispiel in der Stahlproduktion oder in der
Luftfahrt. Als "grün" wird Wasserstoff bezeichnet, der CO2-neutral
hergestellt wurde - entweder mit Ökostrom oder in Zukunft auch direkt
durch Photolyse in "künstlichen Blättern". Dabei sollen maßgeschneiderte
Katalysatoren die Spaltung von Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht möglich
machen. Geeignete Katalysatoren sind auch für effiziente Power-
to-X-Prozesse – also Verfahren zur Umwandlung von erneuerbarer Energie in
andere chemische Energieträger wie z. B. synthetische Kraftstoffe von
großer Bedeutung. Forschung mit Synchrotronstrahlung hilft nicht nur,
besonders geeignete Katalysatormaterialien zu finden, sondern auch,
besonders effiziente Strukturen oder Kombinationen von Materialien zu
entwickeln, Prozesse zu verstehen und während des Betriebs zu untersuchen.
Hierzu können auch molekulare Filme beitragen, wie sie der European XFEL
ermöglicht.

- Grundlagenforschung zur Katalyse ist derzeit z. B. gebündelt im
Schwerpunktprogramm SPP2080 "Katalysatoren und Reaktoren unter dynamischen
Betriebsbedingungen für die Energiespeicherung und -wandlung", in dem
unter anderem daran geforscht wird, Katalysatoren in Ruhephasen zu
reaktivieren und die Ausbeute der erwünschten Reaktionsprodukte zu
erhöhen. Viele Gruppen des SPP2080 nutzen Synchrotronstrahlung, ebenso wie
im DFG-Sonderforschungsbereich „TrackAct – Verfolgung der aktiven Zentren
in heterogenen Katalysatoren für die Emissionskontrolle" des KIT. Eine
Brücke zur Industrie soll die neue Forschungsplattform "CatLab" für die
Katalyse in Berlin Adlershof schlagen, die das HZB und die MPG gemeinsam
aufbauen. Hier sollen chemische Umwandlungsprozesse basierend auf
neuartigen maßgeschneiderten (Chemo-, Elektro- und Photo-) Katalysatoren
im industriellen Maßstab entwickelt werden.
Wasserstoffspeicher

- Auch zur Speicherung von Wasserstoff gibt es verschiedene Ansätze. Neben
der üblichen Druckgasspeicherung kann Wasserstoff auch chemisch in
Methanol oder flüssigen organischen Wasserstoffträgern (LOHC) gebunden
oder in Festkörper eingelagert werden, vor allem in Metallhydriden und
adsorptiv in nanostrukturierten Materialien. Deren Struktur und
Funktionsweise werden an Synchrotrons untersucht, z.B. die Anlagerung und
Freisetzung an Graphen-gestützte Pd-Nanocluster oder die Einlagerung in
ein Hydridkomposit-System.

- Die Erforschung der Eigenschaften von Wasser und die Forschung zu
Elektrolyse und Nanostrukturen liefern wichtige Grundlagen für die Nutzung
von Wasserstoff. Ein Zentrum der Synchrotronforschung zu diesen Themen
entsteht in Norddeutschland in zwei neuen Instituten bei DESY. Hier liegen
sowohl die DESY-Lichtquellen als auch der Röntgenlaser European XFEL in
unmittelbarer Nähe. Es handelt sich um das Centre for Molecular Water
Science (CMWS) unter Beteiligung einer Vielzahl von europäischen Partnern
und um das Center for X-Ray and Nano Science (CXNS) als Kooperation von
DESY, Helmholtz-Zentrum Hereon und der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel (CAU).

Klimawandel verstehen

- Forschung mit Synchrotronstrahlung leistet auch einen Beitrag zum
Verständnis unserer Umwelt, z.B. wie sich klimarelevante Aerosole in der
Atmosphäre verhalten, welche grundlegenden Eigenschaften Wasser oder
Gashydrate haben, welche Stoffe im Boden miteinander reagieren, welche
Böden oder Gesteinsformationen CO2 aufnehmen können oder welchen Anteil
die Subduktion von Gesteinen am globalen Kohlenstoffkreislauf hat.

- An der European Synchrotron Research Facility (ESRF) in Grenoble,
Frankreich, forscht die Arbeitsgruppe "Geobridge" zu solchen Themen, doch
auch andere Forschungsbereiche dort widmen sich dem Klimawandel.

„Die chemische Industrie nutzt heute noch fast vollständig fossile
Rohstoffe für die Herstellung der chemischen Produkte. Dies auf
erneuerbare umzustellen, ist eine große Herausforderung.
Synchrotronstrahlung ist dafür ein einzigartiger Schlüssel, denn sie
erlaubt zu beobachten, wie die dafür benötigten Katalysatoren arbeiten –
„operando“ im Fachjargon genannt. Nur so können Materialien zielgerichtet
und effizient entwickelt werden und eine Grundlage für Computer-gestütztes
Design schaffen“, sagt Prof. Jan-Dierk Grunwaldt, KFS-Vorsitzender und
selbst als Forscher am KIT in der Wandlung von Wind- und Solarenergie bzw.
Biomasse zu chemischen Produkten engagiert.

Das Komitee Forschung mit Synchrotronstrahlung:

Das KFS (Komitee Forschung mit Synchrotronstrahlung) ist die gewählte
Vertretung der mehr als 4000 Nutzerinnen und Nutzer von
Synchrotronstrahlungsquellen in Deutschland und an internationalen
Institutionen mit deutscher Beteiligung. Das KFS verfolgt das Ziel, die
Forschung mit Synchrotronstrahlung zu fördern. Dazu gehört auch der enge
Austausch mit verwandten Forschungsbereichen, um gemeinsame
Herausforderungen anzugehen - wie zum Beispiel die digitale
Transformation, die Stärkung der Industrieforschung und der Fokus auf
Energiewende und Nachhaltigkeit.

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