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Schwer was los auf der Erde: 20 Jahre GRACE-Satellitenmission gefeiert

Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mit Eisblockinstallation  Ben Kriemann  GFZ
Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mit Eisblockinstallation Ben Kriemann GFZ

Das GFZ hat den 20. Jahrestag des Starts der beiden GRACE-Satelliten mit
Brandenburgs Forschungsministerin Manja Schüle und der
Raumfahrtbeauftragten des Bundes, Anna Christmann, sowie mehreren
Bundestagsabgeordneten gefeiert. Die Politiker:innen informierten sich aus
erster Hand bei Forschenden und Industriepartnern der beiden Missionen
GRACE (2002–2017) und GRACE-Follow On (seit 2018). Die Tandem-Satelliten,
eine gemeinsame Mission der NASA, des DLR sowie des GFZ mit weiteren
Forschungs- und Industriepartnern, ermöglichen erstmals die
kontinuierliche Überwachung des Schwerefelds der Erde – und damit auch des
Einflusses, den der Klimawandel auf den globalen Wasser- und Eishaushalt
hat.

Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ hat den 20. Jahrestag des Starts der
beiden GRACE-Satelliten mit Brandenburgs Forschungsministerin Manja Schüle
und der Raumfahrtbeauftragten des Bundes, Anna Christmann, sowie mehreren
Bundestagsabgeordneten gefeiert. Die Politiker:innen informierten sich aus
erster Hand bei Forschenden und Industriepartnern der beiden Missionen
GRACE (2002–2017) und GRACE-Follow On (seit 2018). Die Tandem-Satelliten,
eine gemeinsame Mission der NASA, des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt DLR sowie des GFZ mit weiteren Forschungs- und
Industriepartnern, ermöglichen erstmals die kontinuierliche Überwachung
des Schwerefelds der Erde – und damit auch des Einflusses, den der
Klimawandel auf den globalen Wasser- und Eishaushalt hat.

Am 17. März 2002 hob das „Gravity Recovery and Climate Experiment“, kurz
GRACE, vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk ab. Die Mission, bestehend
aus zwei hintereinander fliegenden Zwillingssatelliten, hat erstmals das
Schwerefeld der Erde und vor allem dessen kurzfristige Änderungen präzise
und über einen langen Zeitraum vermessen. Nach mehr als dem Dreifachen der
nominellen Laufzeit von fünf Jahren endete die Mission Ende 2017. Im Mai
2018 hob das Nachfolge-Duo GRACE-FO aus Kalifornien ab und setzt die
Zeitreihe fort. „Was uns die 20 Jahre Daten an Umweltveränderungen und
Folgen des Klimawandels zeigen, ist dramatisch“, fasst Niels Hovius,
wissenschaftlicher Direktor (interim) des GFZ die Ergebnisse zusammen.
„Ohne die beiden Missionen GRACE und GRACE-FO wären wir weiter auf
Schätzungen angewiesen, was den globalen Wasserkreislauf betrifft.“ Umso
wichtiger sei es, so Hovius weiter, „dass wir die Zeitreihe nicht abreißen
lassen und in spätestens fünf Jahren eine Nachfolgemission starten“.

Bei einer Jubiläumsveranstaltung auf dem Potsdamer Telegrafenberg
informierten Forschende des GFZ, aber auch der Nachbarn – vom Potsdam-
Institut für Klimafolgenforschung und Alfred-Wegener-Institut für Polar-
und Meeresforschung – gemeinsam mit Kolleg:innen der NASA, des Deutschen
Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), zweier Max-Planck-Institute und
von Airbus Defense & Space die Politiker:innen über die Missionen.

Anna Christmann: „Ursachen und Folgen der Klimakrise noch besser
verstehen“

Die Raumfahrtbeauftragte des Bundes, Anna Christmann, sagte: „20 Jahre
GRACE-Mission sind ein Grund zum Feiern. Die Messdaten der
Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO liefern wichtige Beiträge zur
Modellierung des Systems Erde. Beide Missionen basieren auf einer
erfolgreichen und vertrauensvollen Kooperation zwischen Deutschland und
den USA. Erst durch die Expertise und Kompetenzen beider Länder ist es
möglich, einzigartige Schwerefeldmessungen durchzuführen und so die
Ursachen und Folgen der Klimakrise noch besser zu verstehen."

Manja Schüle: „Wichtiger Beitrag zum Monitoring des Klimawandels“

Brandenburgs Forschungsministerin Manja Schüle schloss sich der
Gratulation an und fügte hinzu: „Auf dem Telegrafenberg wird seit
Jahrzehnten Spitzenforschung im Bereich der Erdsystemforschung, des
Umwelt-Monitorings und der Klima-Modellierung betrieben. Vom
GeoForschungsZentrum, aber auch vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung und vom Alfred-Wegner-Institut für Polar- und
Meeresforschung – geballte Expertise, um Lösungen für die globalen
Herausforderungen des Klimawandels zu finden. Dazu hat vor genau 20 Jahren
auch und insbesondere der Start der GRACE-Mission beigetragen. Deren
Satelliten haben einen wichtigen Beitrag zum Monitoring des Klimawandels
geleistet, indem sie beispielsweise Änderungen im globalen
Wasserkreislauf, Details des Meeresspiegelanstiegs und das immer raschere
Abschmelzen des Polareises anzeigten.“

Bedeutung der Schwerefelddaten für die Erdsystemforschung

Wichtigstes Produkt von GRACE und nun GRACE-FO sind monatliche Karten des
Schwerefeldes für den ganzen Globus. Andreas Lindenthal, Leiter von Airbus
Space Systems Deutschland, sagte: „Die von GRACE bzw. GRACE-FO gemessenen
Unterschiede im Erdschwerefeld liefern grundlegende Hinweise auf die
großräumige Dynamik des Planeten. Die Überwachung beispielsweise der
oberflächennahen und unterirdischen Wasserspeicherung, sowie der
Veränderungen des Meeresspiegels und der Meeresströmungen bietet ein
integriertes globales Bild davon, wie sich der Energiehaushalt der Erde
entwickelt - Veränderungen, die wichtige Auswirkungen auf das tägliche
Leben vieler Menschen haben.“

Die GRACE- und GRACE-FO-Satelliten geben unter anderem Auskunft über den
gesamten Wassergehalt auf und unter der Erdoberfläche („Total Water
Storage“, kurz TWS) und dessen räumliche und zeitliche Änderungen. Das
Global Climate Observing System der World Meteorological Organization hat
TWS im Jahr 2020 als „essenzielle Klimavariable“ („Essential Climate
Variable“) definiert und damit deutlich gemacht, welch große Rolle die
Daten von Schwerefeldmissionen für die Überwachung und Beschreibung des
Klimawandels spielen.

Der Leiter des GRACE-Programms bei Airbus, Albert Zaglauer, unterstreicht:
„Mit unseren äußerst zuverlässigen und langlebigen GRACE und GRACE-FO-
Satelliten hat Airbus Wissenschaftlern und Anwendern die entscheidenden
Messwerkzeuge geliefert, die eine globale, nachhaltige Forschung über den
Zustand unseres Planeten ermöglichen. Mit unserer fortgeschritten
Satellitentechnologie und unserem Fertigungs-Know-how verfügen wir auch
heute schon über die Antworten auf künftige Missionsanforderungen und
können diese zuverlässig entwickeln und umsetzen.“

Messprinzip des Satellitenduos

Das mit GRACE realisierte Messprinzip ist das einzige Verfahren, das
Änderungen im Wasserkreislauf – sogar bis weit unter der Erdoberfläche –
beobachten kann. Die GRACE- und GRACE-FO-Daten ermöglichten es erstmals,
den Eismassenverlust der großen Eisschilde auf Grönland und der Antarktis
genau zu quantifizieren, ebenso wie Verläufe von Dürren. Besondere
Aufmerksamkeit erregten die Rekordverluste des Grönlandeises im Jahr 2019
und die Dürrejahre 2018 und 2019 in Europa: So sind in Grönland 2019 mehr
als 530 Milliarden Tonnen Eis geschmolzen, in etwa zweimal so viel wie das
jährliche Mittel seit 2002. In Mitteleuropa führte die Dürre der letzten
Jahre im Sommer 2019 zu einem Wasserdefizit, das doppelt so groß war wie
das übliche Wasserdefizit im Sommer. Die Mission trägt entscheidend dazu
bei, das System Erde besser zu verstehen. Im aktuellen Bericht des
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist GRACE die am
dritthäufigsten genannte Satellitenmission.

Bei der Jubiläumsveranstaltung informierten die Forschenden und
Industriepartner auch über das Messprinzip und dessen Weiterentwicklung.
Die beiden GRACE und GRACE-FO-Satelliten senden kontinuierlich
Mikrowellensignale aus, die vom jeweils anderen empfangen werden. Daraus
werden minimale Abstandsänderungen im Mikrometerbereich zwischen den
beiden Raumfahrzeugen abgeleitet, die wiederum durch Massenänderungen auf
der Erde hervorgerufen werden. Aus den etwa 500 Umläufen des
Satellitentandems innerhalb eines Monats lassen sich dann fortlaufend
Karten des globalen Erdschwerefeldes mit einer Auflösung von rund 300
Kilometer mal 300 Kilometer ableiten. Diese nun 20 Jahre langen Zeitreihen
haben gezeigt, wie sich im Lauf der Zeit Wasser, Eis und festes Material
auf der Erde beziehungsweise unter ihrer Oberfläche bewegen. Die auf
GRACE-FO erstmals im Weltall erprobte Abstandsmessung zwischen den beiden
Satelliten per Laser-Interferometrie (LRI für Laser Ranging
Interferometer) hat sich bewährt. Das LRI soll bei der geplanten
Nachfolgemission GRACE-I die bisherige Abstandsmessung per Mikrowellen
ersetzen. Das LRI wurde vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik
mitentwickelt und soll bei einem Weltraumteleskop für Gravitationswellen
eingesetzt werden.

Künftig soll ICARUS mitfliegen

An den Plänen für die Nachfolgemission GRACE-I arbeiten Forschende des Jet
Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR) und des GFZ bereits gemeinsam mit Kolleg:innen von zwei
Max-Planck-Instituten. Wie ihre beiden Vorgängermissionen wird GRACE-I
wissenschaftliches und technologisches Neuland betreten. Das I steht für
die zusätzliche Nutzlast ICARUS (International Cooperation for Animal
Research Using Space) – ein System, mit dem Tierwanderungen vom All aus
verfolgt werden können. Außerdem soll ein neuartiges Gerät zur Ausmessung
des Schwerefeldes mitfliegen, ein Quantum Gravity Gradiometer QGG. Das QGG
soll – wie das LRI auf GRACE-FO – als Technologiedemonstrator für
nachfolgende Schwerefeldmissionen erprobt werden.

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Fazıl Say und das Luzerner Sinfonieorchester, KKL Luzern, 17.3.2002, besucht von Léonard Wüst

Fazıl Say Solist am Piano und Leitung
Fazıl Say Solist am Piano und Leitung

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester
Fazıl Say, Klavier & Leitung
Lisa Schatzman, Konzertmeisterin
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788)
Sinfonie Es-Dur Wq. 179 H654
Fazıl Say (* 1970)
«Yürüen Köşk» («Das verschobene Haus»), Hommage an Atatürk, Schweizer Erstaufführung
in der Version für Klavier und Streichorchester.
Carl Philipp Emanuel Bach
Sinfonie C-Dur Wq. 182 Nr.3 H659
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 21 C-Dur KV 467

Carl Philipp Emanuel Bach  Sinfonie Es-Dur Wq. 179 H654

Das Orchester, ausser den Streichern noch durch je zwei Hörnern und Oboen ergänzt, wird den unterschiedlichen Anforderungen vollauf gerecht und wechselt spielerisch von langsamem, getragenem Legato in rasende Allegro-Läufe oder prasselnde Staccato-Bewegungen. Besonders beeindruckend sind zudem die Dynamikabstufungen und -kontraste gestaltet, die die immense Ausdrucksvielfalt des Werkes meisterhaft hervorkehren. Das wird zusätzlich verstärkt durch die durchdachte Tempowahl und -gestaltung. So erzeugen die Musiker*innen beispielsweise durch eine homogene, kontinuierliche Veränderung des Tempos einen effektvollen, sanften Übergang vom aufbrausenden, wilden ersten Satz der Symphonie in Es-Dur zum ruhigen, fast zerbrechlich wirkenden kantablen ‘Larghetto’. Eine große Balance ist dem Ensemble dabei zu eigen; die Musiker*innen gehen meisterhaft aufeinander ein, ergänzen und unterstützen sich, woraus ein homogener, durchsichtiger Orchesterklang resultiert. Das Orchester traf den Ton dieser Musik, ließ es an Transparenz und Schwung bei der Interpretation nicht fehlen, bestach durch hohe Phrasierungskultur. Das Ensemble verlieh dieser Komposition die nötige Innigkeit und kantabile Leichtigkeit und dies alles belohnte das Auditorium im nicht ganz ausverkauften Konzertsaal, mit dem entsprechenden Applaus.

Fazıl Say (* 1970) «Yürüen Köşk» («Das verschobene Haus»)

Besonders gespannt waren wir natürlich auf diese schweizerische Erstaufführung des, vor allem als Pianisten bekannten türkischen Künstlers. Wie würde osmanische Musik tönen ohne die typischen, landesüblich benutzten Instrumente, wie z.B. Blasinstrumente wie: Çığırtam, Çifte, Kaval (mit oder ohne Zunge), Mey, Sipsi, Tulum, Zurna. Dann die Saiteninstrumente, welche Zupfinstrumente oder Streichinstrumente sein können, und zum anderen natürlich die Schlaginstrumente. Dazu gehören: Çalpara, Çift nağra, Darbuka usw.

Interessantes Gebilde,  angesiedelt zwischen Kakophonie und Sphärischer Mystik

Diese Ungewissheit war schnell eliminiert, waren doch auf der Bühne in etwa noch die gleichen Musiker*innen präsent wie beim vorherigen Bach’schen Werk. Fazil Say’s Komposition existiert ja in drei Versionen, die eine als reines Klavierstück, dann als Klavierquintett und last but not least, die an diesem Abend aufgeführte Version  für die Begleitung durch ein Streichorchester. Diese Besetzung erlaubt die nuanciertere akustische  Wiedergabe der, als Vogelgezwitscher gesetzten Noten,von denen es doch eine ganze Menge gibt. Dieses Gezwitscher, von den Violinen perfekt interpretiert, prägen denn auch das doch sehr futuristische Werk irgendwo zwischen sphärischer Mystik und mystischer Sphäre.

Auch ungewohnte Disharmonie vermag zu fesseln

Sehr ungewohnte Töne für unser, eher harmonischen Musik Gebilden zugeneigtem Gehör. Klänge aber, die durchaus zu fesseln wussten, was den gespannt, interessiert zuschauenden – und hörenden Konzertbesucher*innen anzusehen war. Der 1970 in Ankara geborene Komponist zeichnet eine bekannte Episode nach, die Mustafa Kemal Atatürk, den Gründer der modernen Türkei, als fortschrittlichen Naturfreund zeigt: Zur Rettung einer Platane ließ er 1930 ein Haus um mehrere Meter versetzen, was einiges an technischem know how und türkischen Ingenieurwissen erforderte und so ein Zeichen setzen sollte für einen aufgeklärten modernen Staat, aber auch für die Achtung der Natur und deren Schutz.

Klavierklänge visualisierten akustisch grollend die Verschiebung einer Villa

Der Komponist zeichnet akustisch auch die fünf Meter Wegstrecke, auf fast 100 Takte verteilt,  grollend nach, den das Haus, auf eigens herangeschafften und aufgebauten Gleisen rollend, an den neu bestimmten Standort.zurücklegen musste Nach Kemal Atatürks Tod ging der, auch heute noch stehende Baum, samt der dazugehörigen Villa, in Staatseigentum über und wird seit dem Jahr 2006 als Museum genutzt.

Das Publikum würdigte Werk, Solisten und Orchester mit einem langen, stürmischen Applaus, um sich danach gutgelaunt in die Pause zu begeben.

Carl Philipp Emanuel Bach Sinfonie C-Dur Wq. 182 Nr.3 H659

Lisa Schatzman Konzertmeistein
Lisa Schatzman Konzertmeistein

Drängend in den abrupten Stimmungswechseln lässt sie Konzertmeisterin die Streichersinfonie C-Dur (Wq 182) spielen. Lyrischen Ruhepunkten folgen schmerzvolle Passagen, die auf entsprechende Eingebungen von Mozart verweisen. Weich und warm ist der Ensembleklang, wenn nötig auch schroff. Die Musiker*innen wissen hörbar um die Erfordernisse historischer Spielweisen, auch wenn sie moderne Instrumente verwenden und auch vorm Gebrauch eines wohldosierten Vibrato nicht zurückschrecken. Wie sonst sollte man Gefühle zum Klingen bringen? Selbst bei forschen Tempi wirkt nichts überhetzt oder überakzentuiert, stattdessen gewinnen die Musiker ihre spielerische Kompetenz ganz aus dem Puls der Musik, gewürdigt vom Auditorium mit der entsprechenden Akklamation.

1. A. Mozart Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467

Fazıl Say Solist am Piano Symbolfoto
Fazıl Say Solist am Piano Symbolfoto

Wie schon das Klavierkonzert Nr. 20, gehört das Klavierkonzert Nr. 21 zu den sogenannten sinfonischen Konzerten, denn der orchestrale Part ist hier von großer Bedeutung. Das Klavierkonzert in C-Dur schuf Mozart in nur vier Wochen nach der Vollendung des d-Moll Konzertes. Eine Probe musste genügen, um das neue Werk am 10. März 1785 – mit Mozart als Solisten – zur ersten Aufführung zu bringen.

Die Proportion von Soloinstrument und Orchester wird zugunsten des Letzteren verändert. Das Orchester bekommt durch längere Zwischenspiele mehr musikalisches Gewicht. Das Hauptthema liegt beim Orchester und nicht beim Soloinstrument. Auch die Orchesterbesetzung ist größer.
Insgesamt ist es ein heiteres Werk, in dem mit relativ einfacher Melodik eine differenzierte Komplexität entwickelt wird. Das Soloinstrument scheint sich immer wieder unabhängig machen zu wollen und wird dann in das Gesamtgeschehen integriert. Der erste Satz trägt die Überschrift “Allegro maestoso” – und erfüllt die damit verbundenen Erwartungen auf ganzer Linie. Das prächtige Hauptthema wird zuerst vom Orchester in unterschiedlicher Form – kammermusikalisch, orchestral und kontrapunktisch – wiederholt, bis es dann vom Klavier aufgenommen wird. Die unterschiedlichen Motive innerhalb des Klavierkonzerts sind miteinander im Einklang: wie er auch seinen Opern eine perfekte Dramaturgie unterlegt hat, so hat es Mozart auch hier wieder verstanden, alles zu einem homogenen Ganzen zusammenzuführen. Im dritten Satz findet man dafür ein besonderes Beispiel: Hier verbindet Mozart das Thema des Rondos über ein zweites neues Thema mit dem Thema des Sonatenhauptsatzes. Das Klavier kann sich ganz der Spielfreude hingeben und doch entsteht eine Gleichstimmigkeit des Soloinstrumentes mit dem Orchester.

Fazil Say antizipiert Mozarts Spitzbübigkeit

Die Qualität dieses Mozartspiels liegt allerdings ohnehin nicht in der Duftigkeit mühelos hin geperlter Sechzehntel Schleppen. Say umschifft Kanten und Brüchen in dieser virtuos parlierenden Partitur. Manchmal – etwa im choralhaften Abgesang des Finale-Seitengedankens belässt er die konfliktlos dargebotene Schönheit des Themas, das er aber mit Witz und Schalk, wohl ganz im Sinne des Salzburger Komponistengenies ausschmückt. Der Mittelsatz, oft missbraucht, fließt bei ihm in bewunderungswürdig schlichtem, ungekünsteltem Gesang. Im Zusammenspiel mit dem Orchester waren besonders die superben Dialoge der Fagotte mit dem Solisten herausragend.

Das Auditorium war begeistert ob der neckischen, rasanten Mozart Interpretation, bei der das Luzerner Sinfonieorchester den Solisten kongenial unterstützte und belohnte die Protagonisten mit einem langanhaltenden stürmischen Schlussapplaus. Dieser wurde schlussendlich noch mit einer kurzen Zugabe in Form einer etwas sehr eigenwilligen Improvisation belohnt, welche das Auditorium etwas ratlos zurückliess.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.sinfonieorchester.ch

Homepages der andern Kolumnisten:   https://noemiefelber.ch/

www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch

I love Luzerner Sinfonieorchester
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Unabhängigkeit von Erdgasimporten: Studie empfiehlt sofortigen Ausbau der Ökowärme mit Geothermie

Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) hat eine Metastudie
zum Potenzial der Geothermie als erneuerbare Energie und als Ersatz für
fossile Brennstoffe in der Wärmeversorgung in Deutschland veröffentlicht.
Die Ergebnisse machen deutlich: Ohne den durch Sofortmaßnahmen
initiierten, massiven Ausbau der Geothermie ist der Aufbau des
Ökowärmesektors zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele nicht
möglich. Dies geht auch mit einer praxistauglichen Reduktion des
Energiebedarfs im Bereich Raumwärme und Warmwasser durch Gebäudesanierung
einher. Die Handlungsempfehlungen können die Ausarbeitung einer nationalen
Erdwärmestrategie unterstützen.

Insgesamt sind Dreiviertel der aktuellen Wärmeversorgung Deutschlands von
Importen kohlenstoffhaltiger fossiler Brennstoffe wie Erdgas, Erdöl und
Kohle abhängig. Der Bereich Raumwärme und Warmwasser machte im Jahr 2020
33,4 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus. So verursacht
dieser Sektor zwischen 87 bis 89 Millionen Tonnen CO2-Emissionen jährlich.
Er ist damit für den Großteil der CO2-Emissionen im Gebäudesektor
verantwortlich. Im Zuge der Reduktion von Kohlendioxidemissionen im
Wärmesektor muss der Anteil fossiler Wärmeversorgung künftig durch
erneuerbare Energien – also Ökowärme – ersetzt werden. Die neue Studie des
LIAG hat bestehende Potenzialstudien zur Geothermie übergreifend
ausgewertet und den Energiebedarf im Bereich Raumwärme und Warmwasser der
Bundesrepublik Deutschland über die vergangenen 12 Jahre analysiert. Sie
verdeutlicht das Potenzial von Geothermie als erneuerbare Energie für den
Wärmesektor. Bislang macht die Geothermie als erneuerbare Ökowärme nur
einen Anteil von 10 Prozent aus – und damit nur rund 1,5 Prozent des
gesamten Wärmebedarfs in Deutschland. Die Studie sieht dringenden
Handlungsbedarf mit konkreten und zeitlich terminierten Ausbauzielen für
die oberflächennahe, mitteltiefe und tiefe Geothermie. Ohne den Ausbau der
Geothermie würde im Ökowärmesektor bis 2045 eine Versorgungslücke von
mindestens 138 TWh/a entstehen.

Ausbau der Geothermie verhindert Versorgungslücke im Ökowärmesektor

„Die Geothermie, bestehend aus oberflächennaher Geothermie mit Einsatz
erdgekoppelter Wärmepumpen sowie tiefer Geothermie, kann unter Einsatz
etablierter Technologien zukünftig bis zu 42 Prozent der Ökowärme für den
Bereich Raumwärme und Warmwasser abdecken“, erklärt Prof. Dr. Inga Moeck,
Leiterin des Fachbereichs Geothermik und Informationssysteme am LIAG und
Autorin der Studie. „Für die Formulierung der Ausbauziele der
oberflächennahen und tiefen Geothermie bieten bereits vorhandene Studien
unterschiedliche Lösungen. Mit einem Blick in den Energieverbrauch der
vergangenen 12 Jahre konnte ich so entscheiden, welche der analysierten
Studien solide Zielmarken zum Ausbau der Ökowärme mit Geothermie liefern.“

Für die Umsetzung sieht Moeck die Notwendigkeit von verschiedenen
Maßnahmen. Bei entsprechender geologischer Datengrundlage und gezielter
Förderung kann der geothermische Untergrund in verschiedenen Tiefen
effizient genutzt werden. Bereits jetzt steht schon eine große Bandbreite
geothermischer Technologien zum Einsatz bereit. Eine effiziente Nutzung
etablierter geothermischer Technologien sieht die Nutzung des geologischen
Untergrunds für den Bedarf an Wärme, Kälte und Speicherung vor. Der Anteil
erdgekoppelter Wärmepumpen in der oberflächennahen Geothermie soll zudem
von derzeit knapp 30 Prozent auf gut 50 Prozent der insgesamt verbauten
Wärmepumpen angehoben werden. Erdgekoppelte Wärmepumpen sind effizienter
als Luftwärmepumpen, so dass ein zusätzlicher Strombedarf von etwa 4 TWh
pro Jahr bis 2045 insbesondere zu Spitzenlastenzeiten im Winter eingespart
werden könnte.

Wärmebedarf soll durch Stufenmodell reduziert werden

Der Ausbau der Geothermie soll gleichzeitig mit der Reduktion des
Energiebedarfs im Bereich Raumwärme und Warmwasser durchgeführt werden.
Ein Modell solider Bedarfsreduktion sieht ausgehend vom Verbrauchsniveau
2020 eine Einsparung von 3 Prozent pro Jahr bis 2030 und von 1 Prozent pro
Jahr bis 2045 vor. Die Bedarfsreduktion kann durch Effizienzsteigerung im
Rahmen der Gebäudesanierung und der Modernisierung der Wärmenetze erreicht
werden. Zudem sollten Gas-, Öl- und Kohle-Heizungssysteme durch
Geothermie-Heizungen ersetzt werden.

Weitere Empfehlungen in der Publikation:
MOECK, I. (2022): Metastudie zur nationalen Erdwärmestrategie: Ersatz
fossiler Brennstoffe im Bereich Raumwärme und Warmwasser durch Geothermie
als unverzichtbarer Bestandteil im Energiesektor Ökowärme bis 2045. -
Leibniz Institut für Angewandte Geophysik. (Anhang)

Wichtiger Hinweis:
Die Studie wurde als Preprint veröffentlicht. Sie befindet sich somit
derzeit noch im zweiten Peer-Review-Prozess in Begutachtung durch die
fachliche Wissenschaftscommunity. Das dient der Qualitätssicherung. Dieser
Prozess kann jedoch noch einige Wochen dauern. Die Veröffentlichung als
Preprint dient der frühen Information für die wissenschaftliche,
politische und allgemeine Öffentlichkeit.

Um die Anfragen für die Expertin bündeln zu können, wird um eine kurze
E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder telefonische Anmeldung via 0511 643
2066 gebeten.
In einem virtuellen Gespräch mit Frau Moeck am 28.04. um 14:30 Uhr können
Fragen gesammelt beantwortet werden. Der Online-Link via Webex wird nach
Anmeldung versendet.

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Solidarität mit Ukraine: Hochschule für Musik und Theater München nimmt 50 Studierende auf

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine trifft auch viele junge
Künstlerinnen und Künstler. Ukrainische Studierende sind nicht nur
gezwungen, ihr Studium zu unterbrechen, oder können es gar nicht erst
beginnen, sondern sie müssen sich auch auf die Flucht außer Landes
begeben. An der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) trafen in
den letzten Wochen zahlreiche Anfragen für eine Studienmöglichkeit ein.

Dank des großen Engagements zahlreicher Hochschulmitglieder und weiterer
institutioneller und privater Unterstützung konnte die HMTM nun
kurzfristig 50 geflüchtete Studieninteressierte aus der Ukraine aufnehmen.

Insgesamt wurden an der Hochschule für Musik und Theater München 28
Studierende im Musikbereich, 10 Schauspielstudierende in Kooperation mit
der Theaterakademie August Everding und 12 Studierende an der Ballett-
Akademie aufgenommen. Die Studierenden können damit schnell und
unbürokratisch ihre Ausbildung im Rahmen eines spezifischen Gaststudiums
an der HMTM fortsetzen, erhalten eine kostenfreie Unterkunft und
finanzielle Unterstützung, Mittagsmahlzeiten, einen speziellen Deutschkurs
sowie umfangreiche Hilfe bei Registrierungen und beim Ankommen in München.
Um ihnen und anderen geflüchteten Künstler*innen eine langfristige
Perspektive zu bieten, hat die HMTM außerdem die Bewerbungsfrist zur
Eignungsprüfung für geflüchtete Personen aus der Ukraine bis zum 30. April
2022 verlängert.

Die Aufnahme der Studierenden im laufenden Studienjahr war nur möglich,
aufgrund des großen gemeinsamen Engagements von Lehrenden, Studierenden
und der Verwaltung der Hochschule.

Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der HMTM: »Die Bereitschaft unserer
Lehrenden, kurzfristig junge Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine
zusätzlich zu ihren bestehenden Lehrverpflichtungen zu unterrichten, war
überwältigend. Viele Studierende und Lehrende unterstützen die jungen
Menschen, die nach München kommen, im direkten Austausch oder mit
Benefizkonzerten. Die Hochschulverwaltung hat schnelle und unkomplizierte
Wege für geflüchtete Studierende gefunden. Viele Hochschulmitglieder
helfen außerdem bei der Vermittlung von Wohnraum, bei der Einwerbung von
Spenden oder bei alltäglichen Fragen wie etwa Übersetzungen. Ich möchte
daher allen Beteiligten in unserer Hochschulfamilie meinen ausdrücklichen
Dank aussprechen.«

Der Dank der Hochschule gilt auch der großzügigen privaten und
institutionellen Unterstützung in diesem Zusammenhang, etwa durch die
Gesellschaft Freunde der Hochschule für Musik und Theater München e.V.,
der Erika und Georg Dietrich-Stiftung, der UNITEL Musikstiftung, des
Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Prof. von
Voss/»Kinder im Zentrum – Für Kinder e. V.« u.v.a.

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