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CAMPUS PREIS für Rechtswissenschaftler und Biologiedidaktikerin

Frösche in Ecuador, die erfolgreich ihr Land verklagt haben. Digitale
Unterrichtsmaterialen, die ein besseres Verständnis von Nachhaltigkeit und
moderner Landwirtschaft vermitteln. Das sind die Themen der Masterarbeit
der angehenden Lehrerin Iris Dücker aus Loxstedt bei Bremerhaven und der
Dissertation des Rechtswissenschaftlers Dr. Andreas Gutmann. Die beiden
Absolvent:innen der Universität Bremen wurden jetzt mit dem CAMPUS PREIS:
Forschen für nachhaltige Zukunft ausgezeichnet.

Die Auszeichnung wird jedes Jahr gemeinsam von der KELLNER & STOLL-
STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine
Tropenforschung (ZMT), den Alumni der Universität Bremen e.V. und der
Universität Bremen vergeben. Die Preisträgerin und der Preisträger des
Jahres 2021/22 wurden bei einer Feierstunde am Donnerstag, 28. April 2022,
an der Universität Bremen geehrt. Sie erhielten ein Preisgeld von
insgesamt 3.000 Euro.

Frösche verklagen ihr Land – wie geht das?

„Hybride Rechtssubjektivität: Die Rechte der „Natur oder Pacha Mama“ in
der ecuadorianischen Verfassung von 2008“ – so lautet der Titel der
rechtswissenschaftlichen Dissertation von Dr. Andreas Gutmann. Dahinter
steckt zum Beispiel die Geschichte der Froschart Atelopus Longirostris,
die in Ecuador erfolgreich gegen ein Bergbauprojekt geklagt hat. Warum
konnten die Frösche klagen? „Weil in der ecuadorianischen Verfassung seit
2008 auch die Rechte der Natur verankert sind“, erklärt Andreas Gutmann.

In seiner Arbeit hat sich der Rechtswissenschaftler intensiv mit der
Entstehungsgeschichte der ecuadorianischen Verfassung auseinandergesetzt
und festgestellt, dass diese von verschiedenen und zum Teil
widersprüchlichen Einflüssen geprägt ist. Diese Widersprüche werden
allerdings nicht aufgelöst, sondern gewissermaßen zum Verfassungsprinzip
erhoben. Eine herausragende Rolle kommt hierbei indigener Philosophie zu,
die auf eine europäisch beeinflusste Rechtsordnung trifft. Somit wird
indigenes Gedankengut aufgegriffen und in die gegenwärtige Zeit
übertragen.

„Wichtiger Beitrag zur Ökologisierung des Rechts“

„Die Arbeit von Herrn Gutmann leistet einen bahnbrechenden Beitrag zum
Verständnis der ecuadorianischen Rechte der Natur“, sagt sein Gutachter
Professor Andreas Fischer-Lescano von der Universität Bremen. Es handele
sich um die erste rechtswissenschaftliche Monografie zu diesem Thema
außerhalb des lateinamerikanischen Staates. „Mit seiner Arbeit legte
Andreas Gutmann nicht nur eine herausragende Analyse für Ecuador vor,
sondern weist auch für unser Rechtsverständnis hier Wege auf, wie den
Rechten der Natur mehr juristischer Raum gegeben werden kann und wie
Umweltschutz aus der Natur selbst heraus als eigene Rechtspersönlichkeit
vorangebracht werden kann“, so sein Gutachter. Er leiste damit einen
wichtigen Beitrag zur Ökologisierung des Rechts.

Der Laudator Professor Raimund Bleischwitz, wissenschaftlicher
Geschäftsführer vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und
Mitglied der Jury, formuliert es so: „Das kürzlich ergangene Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz zeigt bereits ein Umdenken
in der deutschen Justiz. Ecuador geht jedoch weiter. Herr Gutmann kann mit
seinen Erfahrungen aus Ecuador dazu beitragen, dass sich auch das Denken
hier verändert und die Rechte der Natur stärker Berücksichtigung finden.
Auch Umwelt- und Klimaschutz bei uns sind stark von Rechtsetzungen geprägt
und können nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

„Die Auszeichnung mit dem Campus Preis ist für mich eine große Ehre“, sagt
der Preisträger. „Ich freue mich sehr über die Aufmerksamkeit, die meine
Arbeit über die ecuadorianischen Rechte der Natur auf diese Weise erhält.
Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass rechtliche Entwicklungen aus
dem globalen Süden in Deutschland und Europa verstärkt zur Kenntnis
genommen werden. Dort finden sich wichtige juristische Innovationen, die
uns möglicherweise helfen können, den Umweltkrisen unserer Zeit – zu deren
Entstehung das Recht selbst nicht unerheblich beigetragen hat – etwas
entgegenzusetzen.“

Schüler:innen tauchen in das Leben einer Bauernfamilie in Norddeutschland
ein

Als Iris Dücker in der Pandemiezeit ihr Unterrichtsprojekt für ihre
Masterarbeit in Biologiedidaktik vorbereitete, musste sie auf die
besonderen Umstände eingehen und digital denken. Inhaltlich lag ihr ein
landwirtschaftliches Thema am Herzen, da sie selbst in einem
landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Cuxhaven groß geworden ist. Wie
konnte sie beides verbinden? Die Antwort war ein von ihr selbst
entwickeltes sogenanntes Reflectory. Darunter versteht man eine digitale
Lernumgebung in Form einer Geschichte, in die Schülerinnen und Schüler
eintauchen. Dabei müssen sie immer wieder selbständig Entscheidungen
treffen und bestimmen dadurch den Verlauf der Geschichte. Konkret ging es
in Iris Dückers digitalem Unterrichtskonzept um die täglichen
Herausforderungen einer Bauernfamilie in Norddeutschland und das Mitdenken
einer nachhaltigen Landwirtschaft. Das Reflectory führte sie in einer 11.
Klasse am Lloyd Gymnasium Bremerhaven durch. Die Daten für die
ausgezeichnete Masterarbeit wurden auch dort erhoben.

„Frau Dücker zeigt, wie Vermittlung im modernen Unterricht geht.“

„Der Preisträgerin ist es gelungen, ein oft kontrovers diskutiertes Thema
mit einem eigenständig entwickelten, innovativen Werkzeug in den
Unterricht einzubringen“, urteilt die Betreuerin, Professorin Doris Elster
von der Universität Bremen. „Dadurch erwerben die Schülerinnen und Schüler
nicht nur fachliches Wissen, sondern stärken auch ihre
Entscheidungskompetenzen.“ Die Preisträgerin zeige mit ihrer Arbeit, wie
Vermittlung im modernen Unterricht gehe. Sie leiste damit einen wichtigen
Beitrag für die nachwachsende Generation und die Akzeptanz bäuerlichen
Handelns.

Die Laudatorin Professorin Jutta Günther, Konrektorin für Forschung,
wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer der Universität Bremen und Jury-
Mitglied: „Eine moderne Landwirtschaft ist zentral für das Erreichen der
Nachhaltigkeitsziele. Frau Dücker schafft für die Schülerinnen und Schüler
eine nachvollziehbare Transparenz zwischen den Herausforderungen von
Nachhaltigkeit und den damit verbundenen Handlungsweisen sowie Zwängen
einer modernen Landwirtschaft.“ Sie setze „Global denken, lokal handeln“
mit ihrem Reflectory in vorbildlicher Weise um.

„Bildung ist die Wurzel, um eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln“

„Mir ist es wichtig, mit meiner Arbeit einen Aufbruch zu beginnen, um
schrittweise eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – besonders zu
lebensnahen Themen – in den Fokus zu stellen und in Schulen zu
etablieren“, sagt die Preisträgerin Iris Dücker. „Denn Bildung ist die
Wurzel, um eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln und so die Umwelt zu
erhalten.“

Über den CAMPUS PREIS

Der „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ wird gemeinsam von
der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für
Marine Tropenforschung (ZMT), den Alumni der Universität Bremen e.V. und
der Universität Bremen ausgelobt. Er ist insgesamt mit 3.000 Euro dotiert.
Die Auszeichnung soll die Nachhaltigkeitsforschung auf dem Campus
besonders herausstellen und zeichnet Wissenschaftler:innen beziehungsweise
Absolventen und Absolventinnen der Universität Bremen in der Kategorie
„Dissertation“ und „Masterarbeit“ aus.

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Hochschule für Künste lädt zur Schiffstaufe der „Dauerwelle“ ein

Die Hochschule für Künste (HfK) Bremen freut sich auf Zuwachs – durch die
„Dauerwelle“. Das umgebaute Passagierschiff der HfK ist ein beweglicher
Raum für Ausstellungen, Projekte und Veranstaltungen. Die Schiffstaufe
findet am 4. Mai 2022 um 18 Uhr am Liegeplatz an der Bürgermeister-Smidt-
Brücke – gegenüber der Weserburg – statt. Die Platzanzahl ist limitiert.
Der Eintritt ist frei.

Das 53 Meter lange Schiff hat bereits im Januar 2022 seinen Liegeplatz im
Zentrum Bremens eingenommen. Nun folgt die offizielle Schiffstaufe, die in
feierlichem Rahmen stattfinden wird. Neben Reden von Professor Roland
Lambrette, Rektor der HfK, und Dr. Antje Stephan, Kanzlerin der HfK, wird
auch Tim Cordßen-Ryglewski, Staatsrat bei der Senatorin für Wissenschaft
und Häfen, ein Grußwort halten.

„Die Dauerwelle wird, da bin ich mir sicher, ein besonderer Ort der
Begegnung von Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Die Vielfalt der
Hochschule für Künste und Bremens maritime Tradition verbinden sich auf
beste Weise und können auch in voller Fahrt über Bremens Grenzen
hinausgetragen werden. Ich bin begeistert von der Idee und der gelungenen
Umsetzung“, so Cordßen-Ryglewski.

Asli Serbest, Professorin für Temporäre Bauten, hat das Projekt der
Dauerwelle gemeinsam mit Mona Mahall, Professorin für Architektur und
Kunst an der Hafen-City Universität Hamburg, maßgeblich geprägt.
Professorin Serbest wird Einblicke in die Geschichte und in das Konzept
der „Dauerwelle“ geben. Ingo Vetter, Professor für Bildhauerei mit
klassischen Werkstoffen und Dekan an der HfK, wird über die Bedeutung der
„Dauerwelle“ für die HfK aber auch für Bremen sprechen.

Die Schiffstaufe wird von Peter Lilienthal, technischer Leiter der HfK,
anmoderiert. Lilienthal hat den Umbau der „Dauerwelle“ mitverantwortet und
mit viel Engagement begleitet.

Das Programm wird von Musik, Performances, Video-Projektionen und einer
Klanginstallation von HfK Studierenden abgerundet.

Unter dem Titel „Wasser“ wird Carla Emilie Anacker einen tanzbasierten
Versuch zeigen, der auf dem Deck des Schiffes stattfinden wird. SUNMI Park
wird mit „Wet Data“ ein interaktive Cloud-Installation im Schiffsinneren
projizieren und Chi Him Chik gibt mit „Into the SOUND“ eine instrumentale
Performance.

Konzept der Schiffsnutzung

Mit dem Schiff hat die Hochschule für Künste einen Ort geschaffen, der
unterschiedliche Öffentlichkeiten anspricht und quer zu sozialen,
ästhetischen und technologischen Kontexten agiert. „Als schwimmender,
nomadischer Raum ohne festen Boden soll das Schiff neue Formen des
Zusammenkommens als politischen und ästhetischen Impuls ermöglichen. Es
fordert neue kollektive Prozesse und verschiedene Weisen des Machens und
Wahrnehmens von Dingen ein“, so die Professorinnen Serbest und Mahall zum
inhaltlichen Konzept. Sie verstehen die „Dauerwelle“ als eine späte
Antwort auf die utopischen Projekte radikaler Architektur der 1960er- und
1970er-Jahre – etwa die Entwürfe einer „Walking City” oder „Nonstop City“
der Künstlergruppen Archigram (Großbritannien) und Archizoom Associati
(Italien). Sie hatten Räume, Architekturen und sogar Städte konzipiert,
die nicht an feste Orte gebunden, sondern in ständige Bewegung versetzt
werden sollten.

Ausstellungen und weitere Planungen

Vom 20. Mai bis zum 26. Mai 2022 werden acht Projekte aus dem
Masterstudiengang Digitale Medien auf der „Dauerwelle“ präsentiert. Die
Ausstellung „DIS/PLAY 22 - eight perms for a digital age“ soll Konzepte
der digitalen Medien erweitern und in Frage stellen.
In der Folgezeit sind weitere Ausstellungen, Konzerte, Vorträge,
Diskussionen und Projektpräsentationen geplant. Die Dauerwelle wird
außerdem immer wieder in See stechen und an anderen Orten anlegen.

„Dauerwelle“

Der Name „Dauerwelle“ bezieht sich auf die Fließgewässer, auf denen sich
das Schiff bewegt, zudem verweist er auf die Frisur und das feministische
Konzept, das dem Projekt zugrunde liegt. Es steht für eine kritische
Auseinandersetzung mit statisch institutionellem Denken, festen räumlichen
Gegebenheiten und organisatorisch unflexiblen Strukturen.

Über das Schiff

1962 auf der Werft „Edgar André“ in Magdeburg erbaut, gehört es zur
„Dichterklasse", einer Serie von acht Binnenschiffen in der DDR, die nach
berühmten Literaten benannt wurden. Die „Dauerwelle“ hieß damals „Heinrich
Mann“. Seit 2014 war das Schiff in Gelsenkirchen unter dem Namen „Pirat“
für Techno-Partys unterwegs. Die HfK hat es bei eBay Kleinanzeigen gekauft
und im November 2020 zur Kötter Werft ins emsländische Haren überführt.
Dort wurde das Schiff überholt und umgebaut. Letzte Arbeiten fanden am
Lankenauer Höft statt.

Über die Hochschule für Künste

Die Hochschule für Künste Bremen ist die führende Kunsthochschule in
Nordwestdeutschland. Mit mehr als 1.000 Studierenden, 87 Professor:innen
und 162 Lehrbeauftragten bietet die HfK Bremen ein einzigartiges Portfolio
von Lehrveranstaltungen und garantiert eine individuelle Förderung der
Studierenden in Werkstätten, Laboratorien und Studios sowie Übungsräumen
und Konzertsälen. Zentrale Qualität der HfK Bremen ist die
interdisziplinäre Verbindung der unterschiedlichen Disziplinen zwischen
Kunst, Design und Musik, die in gemeinsamen Projekten entwickelt wird. Die
HfK Bremen hat zwei Standorte, der eine befindet sich in einem
historischen Speichergebäude der Überseestadt, den ehemaligen Docklands
von Bremen, der andere in einem klassizistischen Gebäude im historischen
Zentrum der Stadt.
Die Hochschule und ihre Aktivitäten von Ausstellungen, Interventionen im
öffentlichen Raum bis zu Konzerten und Festivals ist eine Säule des Bremer
Kulturangebots (rund 400 Veranstaltungen der HfK Bremen) und bietet den
Studierenden viele Möglichkeiten, die eigenen Kompetenzen vor Publikum zu
erproben.
Bremen als historische Hansestadt hat in Jahrhunderten
Bürger:innenengagement, demokratische Traditionen, Eigenheiten und
Eigenständigkeiten entwickelt und gilt in Deutschland als Pionier- und
Experimentierstadt, die dem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist. Bei den
Studierenden ist Bremen als Lebensumfeld sehr beliebt.

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Lokale Klimapolitik: Policy Paper zeigt, was Städte von Potsdam, Remscheid und Würzburg lernen können

Kommunen fehlen oft die Ressourcen, um eine effektive Klimapolitik zu
betreiben. Dabei ist der Handlungsdruck hoch: Gerade Stadtkommunen sind
stark von der Klimaerwärmung betroffen, zugleich verursachen Städte einen
Großteil der Treibhausgasemissionen. In einem neuen Policy Paper stellen
Forschende des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS)
drei erprobte Handlungsmodelle vor, die gut in die kommunale Praxis
integrierbar sind: den kommunalen Klimarat (erprobt in Potsdam), den
Klima-Check in der Bauleitplanung (Remscheid) und die Einrichtung einer
Klima-Stabstelle (Würzburg).

Städte verursachen weltweit einen Großteil der Treibhausgasemissionen,
insbesondere durch Industrie, Bautätigkeit und Verkehr und sind damit ein
maßgeblicher Treiber des Klimawandels. Gleichzeitig sind sie durch ihre
Lage und baulichen Strukturen oft besonders vom Klimawandel betroffen:
Hitzewellen, Starkregen und Stürme richten in Städten zunehmend schwere
Schäden an und gefährden die Gesundheit der Stadtbevölkerung bis hin zu
Todesfällen.

Klimaschutz und Klimaanpassung sind in Deutschland bisher keine kommunalen
Pflichtaufgaben. Die Dringlichkeit der Lage erfordert daher, dass Kommunen
selbst aktiv werden. Ihnen bleibt nur noch wenig Zeit, eigene
Lösungsansätze zum Umgang mit dem Klimawandel zu entwickeln und zu testen.
„Hierfür fehlen Kommunen jedoch oft die personellen und finanziellen
Ressourcen“, sagt der Stadtforscher Wolfgang Haupt von der
Forschungsgruppe Urbane Nachhaltigkeitstransformationen des IRS.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autor*innen in ihrem neuen Policy
Paper „Handlungsempfehlungen für eine bessere Klimakoordination in
Kommunen“ den Fokus stärker auf den Transfer von bereits erprobten
Maßnahmen aus anderen Städten zu legen. Ihre Handlungsempfehlungen richten
sich an politische Verantwortliche in Kommunen und an Mitarbeitende von
Stadtverwaltungen, die für die Koordination der Klimapolitik (Klimaschutz
und/oder Klimaanpassung) innerhalb ihrer Stadt verantwortlich sind.

Kern ihrer Handlungsempfehlungen sind drei erfolgreich erprobte Maßnahmen,
die auf institutionelle Veränderungen innerhalb einer Stadtverwaltung
abzielen. Konkret geht es um die die Einrichtung eines Klimarats
(Potsdam), die Einführung eines Klima-Checks in der Bauleitplanung
(Remscheid) und die Einrichtung einer Klima-Stabstelle (Würzburg). Diese
Maßnahmen weisen ein hohes Transferpotenzial auf, da für deren Umsetzung
keine besonderen Voraussetzungen innerhalb der Stadt nötig sind. Das Paper
gibt knapp und übersichtlich Auskunft über die zentralen Erfolgsfaktoren
der drei Maßnahmen.

Das Policy Paper wurde in der IRS-eigenen Reihe IRS Dialog veröffentlicht.
Es wurde im Rahmen des Projekts „Urbane Resilienz gegenüber extremen
Wetterereignissen – Typologien und Transfer von Anpassungsstrategien in
kleinen Großstädten und Mittelstädten“, kurz „ExTrass“ erarbeitet. ExTrass
wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die
Handlungsempfehlungen wurden in Zusammenarbeit mit den ExTrass-
Projektstädten Potsdam, Remscheid und Würzburg entwickelt.

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Prof. Wooldridge erforscht die coolsten Materialien

Der Wilde Westen liegt hinter ihr. Rinder, Kakteen, Wüste. Die NASA. Die
Gas- und Ölindustrie. Vor ihr liegt Lichtenfels: Hier lehrt Prof. Dr.
Madison Wooldridge ab Oktober im neuen Studiengang der Hochschule Coburg
„Additive Manufacturing and Lightweight Design“. Sie ist voller
Leidenschaft für die Themen Leichtbau und 3D-Druck.

Mit Prof. Dr. Madison Wooldridge über Materialwissenschaften zu sprechen
ist lehrreich – und es macht irre Spaß. „Da ist dieses Metall“, erzählt
sie, „Shape memory alloy, eine Nickel-Titan-Legierung: Die ist so cool!“
Auf Deutsch heißen solche Metalle Formgedächtnislegierung, und wenn daraus
beispielsweise eine Feder gefertigt wird, lässt sie sich biegen, verformen
und sogar glattziehen. So weit nichts Ungewöhnliches. „Aber gibt man dann
Hitze dazu“, Wooldridges Hände vollführen eine Pirouette in der Luft,
„formt sich das Material zurück in den ursprünglichen Zustand.“ Im
Internet kursieren eine Menge Videos über diesen Effekt: Ein unförmiger
Draht wird mit einem Brenner erhitzt oder in warmes Wasser gelegt und
nimmt dann zum Beispiel die Form einer Feder an. Wooldridge strahlt wie
ein Zauberkünstler über einen gelungenen Trick. Aber es ist kein Trick. Es
ist eine Besonderheit auf molekularer Ebene, die dazu führt, dass die
Metalle abhängig von der Temperatur in zwei unterschiedlichen
Kristallstrukturen existieren. Die Memory-Metalle sind ein Beispiel für
neue Materialien, die sich für den 3D-Druck eignen.

Neuer Masterstudiengang startet im Wintersemester

„Wenn man ein Material, wie man es seit Jahrhunderten kennt, für einen
additiven Fertigungsprozess benutzt, hat es andere Eigenschaften“, erklärt
Wooldridge. Die Amerikanerin kam im Wintersemester 2021/22 als Professorin
für Werkstoffkunde für Metalle insbesondere der additiven Fertigung an die
Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik der Hochschule Coburg. Und sie
wird eine der ersten sein, die am neuen Hochschul-Standort Lichtenfels
lehren und forschen, wenn der Masterstudiengang „Additive Manufacturing
and Lightweight Design“ hier im Oktober 2022 startet. Er wird im
Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ)
zuhause sein. In der gemeinsamen Forschungs- und Transferstelle regionaler
Unternehmen und der Hochschule Coburg dreht sich alles ums Thema 3D-Druck.
Wooldridge passt hier perfekt hin: Sie liebt die Forschung, die Diskussion
mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – aber auch die Praxis und
den Austausch mit der Industrie. „Das Konzept einer Hochschule für
angewandte Wissenschaften gibt es in den USA nicht“, erklärt die
Amerikanerin. „Ich finde es super!“

Madison Wooldridge wurde 1988 auf einer Ranch in Texas geboren. „Und da
ist es wirklich so, wie sich die Menschen in Deutschland den Wilden Westen
vorstellen: Wüste, Kakteen, Pferde, Kühe, Cowboys.“ Als Kind ritt sie mit,
wenn eine Rinderherde zu einer anderen Wiese getrieben wurde. Oder zur
Entwurmungskur. Gleichzeitig war ihre Mutter aber auch
Wissenschaftslehrerin an der High School. „Unser Spielzeug war alles
irgendwie in Richtung MINT.“ Also Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und
Technik. So entstand die Liebe zur Wissenschaft. Als Schülerin durfte
Madison Wooldridge sogar am Highschool Aerospace Scholars-Programm der
NASA in Houston teilnehmen. Sie liebäugelte mit Medizin und
Biomedizintechnik, befasste sich kurz mit Bauingenieurwesen und überlegte,
Umweltingenieurin zu werden. Sie wollte etwas Gutes in der Welt bewegen.
Schließlich landete sie beim Maschinenbau. „In den USA sagen wir: Das ist
das Dach der Ingenieurwissenschaften, damit kannst du alles machen.“

„Wie Science Fiction im echten Leben"

Nach dem Master blieb es erst einmal texanisch: Sie arbeitete in Houston
für Baker Hughes, einen Energietechnik-Konzern, der insbesondere für die
Öl- und Gasförderung Technologien entwickelt. Als dort vor etwa zehn
Jahren ein kleines Team begann, sich mit der additiven Fertigung zu
beschäftigen, war Wooldridge dabei. „Eine Art Sand aus Metall mit einem
Laser zusammenzuschmelzen“, sie erinnert sich: „Ich fand das so spannend!
Wie Science Fiction im echten Leben.“ Die Ingenieurin blieb bei der Firma,
wechselte aber in die deutsche Niederlassung in Celle. Promoviert hat sie
in Paderborn über nickelbasierte Superlegierungen, die über eine sehr hohe
Festigkeit verfügen und gleichzeitig über eine hohe
Korrosionsbeständigkeit. „Um wirklich gute Eigenschaften zu erreichen,
muss man an den Materialien arbeiten.“ Und dann gibt es ganz neue, coole
Möglichkeiten. 3D-Druck und Leichtbau helfen zum Beispiel auch, nachhaltig
zu konstruieren und zu produzieren, denn was vor Ort „gedruckt“ wird, muss
nicht transportiert werden, es wird oft weniger Material benötigt, weniger
Energie – und wenn’s um Teile in Fahr- oder Flugzeugen geht, spart der
Leichtbau in der Nutzung auf Dauer Energie.

Auf diese Weise kann die Materialwissenschaftlerin etwas Gutes in der Welt
bewegen. Und auch dadurch, dass sie den Studierenden hilft, ihren Weg zu
finden. „Bei mir hat es ein bisschen lange gedauert, bis ich
herausgefunden habe, was ich genau machen will.“ Als Professorin kann sie
die jungen Menschen heute in einem Alter erreichen, in dem sie selbst noch
kein festes Ziel hatte. Sie kann sie auf den Beruf vorbereiten. „Ich will
die Lehre mit Leidenschaft rüberbringen, mit Spaß. So dass die
Studierenden sagen:“ Sie zeigt das Zaubertrick-Lächeln, „Materialien finde
ich richtig cool.“

Weitere Informationen

über Additive Manufacturing and Lightweight Design und die anderen
Masterstudiengänge der Hochschule Coburg gibt es auf der Webseite www.hs-
coburg.de und in der Veranstaltungsreihe Master-Mai unter www.hs-coburg.de
/master-mai

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