CAMPUS PREIS für Rechtswissenschaftler und Biologiedidaktikerin
Frösche in Ecuador, die erfolgreich ihr Land verklagt haben. Digitale
Unterrichtsmaterialen, die ein besseres Verständnis von Nachhaltigkeit und
moderner Landwirtschaft vermitteln. Das sind die Themen der Masterarbeit
der angehenden Lehrerin Iris Dücker aus Loxstedt bei Bremerhaven und der
Dissertation des Rechtswissenschaftlers Dr. Andreas Gutmann. Die beiden
Absolvent:innen der Universität Bremen wurden jetzt mit dem CAMPUS PREIS:
Forschen für nachhaltige Zukunft ausgezeichnet.
Die Auszeichnung wird jedes Jahr gemeinsam von der KELLNER & STOLL-
STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine
Tropenforschung (ZMT), den Alumni der Universität Bremen e.V. und der
Universität Bremen vergeben. Die Preisträgerin und der Preisträger des
Jahres 2021/22 wurden bei einer Feierstunde am Donnerstag, 28. April 2022,
an der Universität Bremen geehrt. Sie erhielten ein Preisgeld von
insgesamt 3.000 Euro.
Frösche verklagen ihr Land – wie geht das?
„Hybride Rechtssubjektivität: Die Rechte der „Natur oder Pacha Mama“ in
der ecuadorianischen Verfassung von 2008“ – so lautet der Titel der
rechtswissenschaftlichen Dissertation von Dr. Andreas Gutmann. Dahinter
steckt zum Beispiel die Geschichte der Froschart Atelopus Longirostris,
die in Ecuador erfolgreich gegen ein Bergbauprojekt geklagt hat. Warum
konnten die Frösche klagen? „Weil in der ecuadorianischen Verfassung seit
2008 auch die Rechte der Natur verankert sind“, erklärt Andreas Gutmann.
In seiner Arbeit hat sich der Rechtswissenschaftler intensiv mit der
Entstehungsgeschichte der ecuadorianischen Verfassung auseinandergesetzt
und festgestellt, dass diese von verschiedenen und zum Teil
widersprüchlichen Einflüssen geprägt ist. Diese Widersprüche werden
allerdings nicht aufgelöst, sondern gewissermaßen zum Verfassungsprinzip
erhoben. Eine herausragende Rolle kommt hierbei indigener Philosophie zu,
die auf eine europäisch beeinflusste Rechtsordnung trifft. Somit wird
indigenes Gedankengut aufgegriffen und in die gegenwärtige Zeit
übertragen.
„Wichtiger Beitrag zur Ökologisierung des Rechts“
„Die Arbeit von Herrn Gutmann leistet einen bahnbrechenden Beitrag zum
Verständnis der ecuadorianischen Rechte der Natur“, sagt sein Gutachter
Professor Andreas Fischer-Lescano von der Universität Bremen. Es handele
sich um die erste rechtswissenschaftliche Monografie zu diesem Thema
außerhalb des lateinamerikanischen Staates. „Mit seiner Arbeit legte
Andreas Gutmann nicht nur eine herausragende Analyse für Ecuador vor,
sondern weist auch für unser Rechtsverständnis hier Wege auf, wie den
Rechten der Natur mehr juristischer Raum gegeben werden kann und wie
Umweltschutz aus der Natur selbst heraus als eigene Rechtspersönlichkeit
vorangebracht werden kann“, so sein Gutachter. Er leiste damit einen
wichtigen Beitrag zur Ökologisierung des Rechts.
Der Laudator Professor Raimund Bleischwitz, wissenschaftlicher
Geschäftsführer vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und
Mitglied der Jury, formuliert es so: „Das kürzlich ergangene Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz zeigt bereits ein Umdenken
in der deutschen Justiz. Ecuador geht jedoch weiter. Herr Gutmann kann mit
seinen Erfahrungen aus Ecuador dazu beitragen, dass sich auch das Denken
hier verändert und die Rechte der Natur stärker Berücksichtigung finden.
Auch Umwelt- und Klimaschutz bei uns sind stark von Rechtsetzungen geprägt
und können nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“
„Die Auszeichnung mit dem Campus Preis ist für mich eine große Ehre“, sagt
der Preisträger. „Ich freue mich sehr über die Aufmerksamkeit, die meine
Arbeit über die ecuadorianischen Rechte der Natur auf diese Weise erhält.
Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass rechtliche Entwicklungen aus
dem globalen Süden in Deutschland und Europa verstärkt zur Kenntnis
genommen werden. Dort finden sich wichtige juristische Innovationen, die
uns möglicherweise helfen können, den Umweltkrisen unserer Zeit – zu deren
Entstehung das Recht selbst nicht unerheblich beigetragen hat – etwas
entgegenzusetzen.“
Schüler:innen tauchen in das Leben einer Bauernfamilie in Norddeutschland
ein
Als Iris Dücker in der Pandemiezeit ihr Unterrichtsprojekt für ihre
Masterarbeit in Biologiedidaktik vorbereitete, musste sie auf die
besonderen Umstände eingehen und digital denken. Inhaltlich lag ihr ein
landwirtschaftliches Thema am Herzen, da sie selbst in einem
landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Cuxhaven groß geworden ist. Wie
konnte sie beides verbinden? Die Antwort war ein von ihr selbst
entwickeltes sogenanntes Reflectory. Darunter versteht man eine digitale
Lernumgebung in Form einer Geschichte, in die Schülerinnen und Schüler
eintauchen. Dabei müssen sie immer wieder selbständig Entscheidungen
treffen und bestimmen dadurch den Verlauf der Geschichte. Konkret ging es
in Iris Dückers digitalem Unterrichtskonzept um die täglichen
Herausforderungen einer Bauernfamilie in Norddeutschland und das Mitdenken
einer nachhaltigen Landwirtschaft. Das Reflectory führte sie in einer 11.
Klasse am Lloyd Gymnasium Bremerhaven durch. Die Daten für die
ausgezeichnete Masterarbeit wurden auch dort erhoben.
„Frau Dücker zeigt, wie Vermittlung im modernen Unterricht geht.“
„Der Preisträgerin ist es gelungen, ein oft kontrovers diskutiertes Thema
mit einem eigenständig entwickelten, innovativen Werkzeug in den
Unterricht einzubringen“, urteilt die Betreuerin, Professorin Doris Elster
von der Universität Bremen. „Dadurch erwerben die Schülerinnen und Schüler
nicht nur fachliches Wissen, sondern stärken auch ihre
Entscheidungskompetenzen.“ Die Preisträgerin zeige mit ihrer Arbeit, wie
Vermittlung im modernen Unterricht gehe. Sie leiste damit einen wichtigen
Beitrag für die nachwachsende Generation und die Akzeptanz bäuerlichen
Handelns.
Die Laudatorin Professorin Jutta Günther, Konrektorin für Forschung,
wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer der Universität Bremen und Jury-
Mitglied: „Eine moderne Landwirtschaft ist zentral für das Erreichen der
Nachhaltigkeitsziele. Frau Dücker schafft für die Schülerinnen und Schüler
eine nachvollziehbare Transparenz zwischen den Herausforderungen von
Nachhaltigkeit und den damit verbundenen Handlungsweisen sowie Zwängen
einer modernen Landwirtschaft.“ Sie setze „Global denken, lokal handeln“
mit ihrem Reflectory in vorbildlicher Weise um.
„Bildung ist die Wurzel, um eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln“
„Mir ist es wichtig, mit meiner Arbeit einen Aufbruch zu beginnen, um
schrittweise eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – besonders zu
lebensnahen Themen – in den Fokus zu stellen und in Schulen zu
etablieren“, sagt die Preisträgerin Iris Dücker. „Denn Bildung ist die
Wurzel, um eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln und so die Umwelt zu
erhalten.“
Über den CAMPUS PREIS
Der „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ wird gemeinsam von
der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für
Marine Tropenforschung (ZMT), den Alumni der Universität Bremen e.V. und
der Universität Bremen ausgelobt. Er ist insgesamt mit 3.000 Euro dotiert.
Die Auszeichnung soll die Nachhaltigkeitsforschung auf dem Campus
besonders herausstellen und zeichnet Wissenschaftler:innen beziehungsweise
Absolventen und Absolventinnen der Universität Bremen in der Kategorie
„Dissertation“ und „Masterarbeit“ aus.
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