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Resilienz im Unternehmen verankern – Forschungsergebnisse des Fraunhofer IPT zeigen Erfolgsstrategien

Mit dem Konzeptpaper »Resilienz im strategischen Management produzierender Unternehmen« zeigt das Fraunhofer IPT theoretische Ansatzpunkte auf, wie Unternehmen die neue Zielgröße der Resilienz im eigenen Strategieprozess verankern können.  © Fraunhofer IPT
Mit dem Konzeptpaper »Resilienz im strategischen Management produzierender Unternehmen« zeigt das Fraunhofer IPT theoretische Ansatzpunkte auf, wie Unternehmen die neue Zielgröße der Resilienz im eigenen Strategieprozess verankern können. © Fraunhofer IPT

Der Erfolg eines produzierenden Unternehmens hängt in starkem Maße von
seiner Fähigkeit ab, auch in Krisenzeiten souverän zu agieren. Mit Blick
in eine ungewisse Zukunft, in der es jederzeit zu Störungen der globalen
Wertschöpfungsketten kommen kann, gewinnt diese Fähigkeit unter dem
Schlagwort der Resilienz auch in der strategischen Planung von Unternehmen
an Bedeutung. Ausgehend von der pandemiebedingten Ausnahmesituation hat
das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen, deshalb
in einem kostenlosen Whitepaper zusammengefasst, wie erfolgreiche
Unternehmen schon heute Resilienz in ihrer Strategiearbeit
berücksichtigen.

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Verbund Produktion ist ein
Konzeptpapier entwickelt worden, in dem die Aachener Forscherinnen und
Forscher erläutern, wie das strategische Management dabei vorgehen kann.
Die darin vorgestellten Ergebnisse können Unternehmen helfen auch bei
zukünftigen Krisen sicher aufgestellt zu sein.

Nicht nur die Corona-Krise, sondern auch Ereignisse wie gestörte
Lieferketten, Chipmangel oder Hochwasserkatastrophen und damit verbundene
Produktionsengpässe zeigen, dass Unternehmen auf gravierende Störungen im
Geschäftsalltag besser vorbereitet sein müssen. Denn Analysten großer
Beratungshäuser gehen davon aus, dass im Schnitt alle drei bis vier Jahre
solche umweltbedingten Krisen mit einer Dauer von ein bis zwei Monaten
auftreten. Kürzer andauernde Ereignisse dieser Art sogar in wesentlich
geringeren Abständen von ein bis zwei Jahren. Diese unerwartet
auftretenden »Black Swans« bewirken enorme finanzielle Unsicherheiten in
der Industrie.

Organisationale Resilienz als Wettbewerbsvorteil in der Zukunft

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie Unternehmen sich strategisch für
absehbare Krisen vorbereiten können und müssen, hat das Fraunhofer IPT im
Rahmen eines kostenlosen Whitepapers eine qualitative Untersuchung
durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden Interviews mit Entscheidungs- und
Strategieverantwortlichen aus unterschiedlichen Funktionsbereichen von 17
internationalen Unternehmen unterschiedlicher Industrien, Rechtsformen und
Größen durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, zu verstehen, wie
Unternehmen in ihrer Strategiearbeit mit aktuellen oder bereits
vergangenen Ereignissen dieser Art umgegangen sind.

Zu den betrachteten Branchen zählten unter anderem die Luft- und
Raumfahrtindustrie, Industriegüterproduzenten, Unternehmen der
Energiebranche, Haushaltsgerätehersteller und der Automobilsektor.

Die Antworten der Unternehmen, die das Whitepaper zusammenfasst, zeigen,
dass organisationale Resilienz – die Widerstandskraft eines Unternehmens
gegenüber widrigen externen Einflüssen – ein zentrales Thema auf der
Management-Agenda erfolgreicher Unternehmen ist.

Eine praxisorientierte Anleitung zur Gestaltung strategischer Resilienz

Mit dem Konzeptpaper »Resilienz im strategischen Management produzierender
Unternehmen« zeigt das Fraunhofer IPT theoretische Ansatzpunkte auf, wie
Unternehmen die neue Zielgröße der Resilienz im eigenen Strategieprozess
verankern können.

Download

Das Whitepaper steht zum kostenlosen Download bereit unter

https://www.ipt.fraunhofer.de/resilienz-in-der-strategiearbeit

Das Konzeptpaper steht zum kostenlosen Download bereit unter

https://www.ipt.fraunhofer.de/resilienz-im-strategischen-management

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„klimafit“ – Wissen für den Klimawandel vor der Haustür

„klimafit“ – Wissen für den Klimawandel vor der Haustür  Grafik: klimafit WWF / REKLIM
„klimafit“ – Wissen für den Klimawandel vor der Haustür Grafik: klimafit WWF / REKLIM

Bundesweites Kursangebot für soziale Handlungskompetenz im Klimaschutz
startet unter dem Schirm der Nationalen Klimaschutzinitiative
Steigende Temperaturen, extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Stürme
– der Klimawandel zeigt sich auch in Deutschland immer deutlicher. Dabei
steht jede Region vor ihren ganz eigenen Herausforderungen. Mit dem Kurs
„klimafit“ wollen der Helmholtz-Forschungsverbund REKLIM, der WWF
Deutschland und die Universität Hamburg Bürgerinnen und Bürger auf die
Auswirkung des Klimawandels direkt vor ihrer Haustür vorbereiten. Das
Bildungsangebot wird mit 2,2 Millionen Euro für drei Jahre in der
Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Im März 2022 startet der
nächste Kursdurchlauf an 128 Volkshochschulen in ganz Deutschland.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den privaten oder beruflichen Alltag
aus? Auf welche Folgen müssen sich Bürgerinnen und Bürger in einzelnen
Regionen einstellen? Wie können Kommunen gemeinsam ins Handeln kommen? Der
Kurs „klimafit“ spricht Fragen wie diese direkt an. Der Helmholtz-
Forschungsverbund „Regionale Klimaänderungen und Mensch" (REKLIM), der WWF
Deutschland und die Universität Hamburg wollen so Wissen zum Klimawandel
vermitteln, Menschen in den Regionen miteinander vernetzen und konkrete
Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Die Kurse tragen so aktiv und nachhaltig
zum notwendigen Wandel der Gesellschaft bei, um das Klimaproblem als
gemeinschaftliche Aufgabe zu verankern.

Die Kurse

Mit ihrem Leuchtturmprojekt „klimafit“ wollen REKLIM, der WWF Deutschland
und die Universität Hamburg die Bildung für nachhaltige Entwicklung durch
direkte Bürger:innenbeteiligung fördern und den Wissenstransfer zwischen
Forschung und Gesellschaft aktiv umsetzen.

Das Kurskonzept besteht aus sechs Abenden mit Präsens- und Onlineterminen.
In Expertenvorträgen, Gruppendiskussionen und digitalen Lernangeboten
erfahren die Teilnehmenden, was die Ursachen und Folgen der Klimakrise
sind und welche Faktoren diese verstärken. Dabei haben sie die
Möglichkeit, mit führenden Forschenden sowie lokalen Fachleuten und
Initiativen zu sprechen. Die Kurse stellen die regionalen Veränderungen
der Veranstaltungsorte in den Mittelpunkt. Deshalb informieren die
Klimaschutzbeauftragten der entsprechenden Kommunen, wie ihre Schutz- und
Anpassungskonzepte aussehen.
Nach dem Kurs kennen die Teilnehmenden die wichtigsten wissenschaftlichen
Grundlagen zum Thema Klima und Klimawandel. Sie haben einen Überblick über
Veränderungen direkt vor ihrer Haustür und darüber, was sie tun können, um
diesen Folgen zu begegnen.

Das sagen die Initiator:innen

„Mit den Teilnehmenden des klimafit Kurses haben Städte und Gemeinden neue
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für den kommunalen Klimaschutz
gewonnen, die wissen, wie sich der Klimawandel in der Region auswirkt,
welche Maßnahmen die Kommune zur Klimaanpassung plant und was sie selbst
zum Klimaschutz beitragen können“, sagt Bettina Münch-Epple, Leitung
Bildung, WWF Deutschland.

„Es wird immer wichtiger, über die Folgen und die Möglichkeiten der
Klimaanpassung Bescheid zu wissen. Extremwetterereignisse wie Starkregen
und lange Hitzeperioden sind hier schon lange keine Seltenheit mehr.
Deshalb brauchen wir Menschen, die Klimaschutz in ihre Region bringen. Und
genau hier setzt klimafit an“, berichtet Dr. Klaus Grosfeld,
Geschäftsführer REKLIM, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für
Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven.

„Klimawandel geht uns alle an und wir sollten uns nicht nur betroffen
fühlen, sondern auch ins Handeln kommen. Gemeinsam fällt das leichter, als
jeder für sich alleine. Gemeinsam lassen sich neue Routinen entwickeln und
ein notwendiger Gestaltungswille kooperativ und solidarisch umsetzen“,
erläutert Prof. Dr. Beate Ratter, Professorin für Integrative Geographie,
Universität Hamburg.

Mehr zu „klimafit“

Der WWF Deutschland und der Helmholtz-Forschungsverbund „Regionale
Klimaänderungen und Mensch" (REKLIM) haben den Kurs „klimafit“ 2016
gemeinsam entwickelt. Die Universität Hamburg führt Begleitforschung
durch. Seitdem haben bereits etwa 2000 Menschen an den Kursen
teilgenommen. Sie bewerten besonders positiv das neue Wissen über den
Klimawandel und die regionalen Veränderungen, die Teil des Kurses sind.

Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse und innovativer Technologien
in die Gesellschaft ist ein wichtiges Element im Forschungsprogramm „Erde
und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz fördert das „klimafit“-Projekt seit Januar 2022 als Teil
der Nationalen Klimaschutzinitiative. Bis 2024 soll das Kursangebot an 170
Standorten bundesweit angeboten und langfristig etabliert werden und somit
einen konkreten Beitrag zum Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung
leisten.

Weitere Informationen zum Projekt, zu den bundesweiten Standorten und zur
Anmeldung auf https://www.klimafit-kurs.de/ und https://www.reklim.de/ .

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Neue Firmen-Kooperation für den Studiengang E-Commerce „mit vertiefender Praxis“

Studierende des Studiengangs E-Commerce der EAH Jena  Sebastian Reuter  EAH Jena
Studierende des Studiengangs E-Commerce der EAH Jena Sebastian Reuter EAH Jena

Für den Studiengang E-Commerce „mit vertiefender Praxis“ an der Ernst-
Abbe-Hochschule Jena wurde im Februar 2022 mit der Jenaer Firma XCEPTANCE
Software Technologies GmbH eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Diese ermöglicht es, mittels eines individuellen Vertrages zwischen
Studierenden und Unternehmen im Verlauf des Studiums vertiefende
Praxiserfahrungen zu vermitteln. Studierende können in der Praxisphase
aktiv in Firmenprojekten mitwirken, beispielsweise am funktionalen Test
einer E-Commerce-Website oder bei der Automation von Tests.
Geschäftsführer Roy Sarnoch und Prof. Steffen Teichert, Rektor der EAH
Jena, unterzeichneten den Vertrag.

Bereits ab dem kommenden Wintersemester, welches im Oktober 2022 startet,
können sich Interessierte in den Studiengang E-Commerce „mit vertiefender
Praxis“ einschreiben. Dabei bleiben Studienganginhalte und der Abschluss
„Bachelor“ unverändert, zusätzlich steht jedoch über die gesamte
Studiendauer von 7 Semestern hinweg das jeweilige Partnerunternehmen für
Praktika, Werkstudententätigkeit und Bachelorarbeitsbetreuung an der Seite
der Studierenden. Die konkrete Vergütung und weitere Vereinbarungen
treffen Unternehmen und Studierende direkt und außerhalb des
Kooperationsvertrags der EAH Jena miteinander. E-Commerce fungiert als
Pilotstudiengang für die neue Studienform, in Zukunft wird das Angebot
auch auf andere Studiengänge der EAH Jena ausgeweitet.

Mit den bereits kooperierenden Firmen Accenture, dotSource GmbH, JENOPTIK
AG und Intershop Communications AG ist mit der XCEPTANCE Software
Technologies GmbH das fünfte Unternehmen an der Kooperation beteiligt.

Den Studiengang E-Commerce im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen gibt
es seit 2013 an der EAH Jena. Der Studiengang ist auch in der Wirtschaft
hoch angesehen und NC zulassungsfrei. Mit ihrem Abschluss haben junge
Menschen hervorragende Berufsaussichten in den Bereichen E-Commerce,
Online-Shops und -Plattformen, Social Media, Online-Marketing, Analytics,
Digitalisierung sowie Content Management.

Zum Hochschulinformationstag am 9. April 2022 bietet sich für alle
Studieninteressierten die Möglichkeit, sich über den Studiengang und seine
besondere Ausprägung ausführlich zu informieren.

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Feeling the Groove: Warum uns Samba besonders zum Tanzen bringt

Sambarhythmen reißen Menschen mit – selbst Tanzmuffel. Ihr Geheimnis ist ihre Synchronität.  Ruslan Alekso  pexels.com
Sambarhythmen reißen Menschen mit – selbst Tanzmuffel. Ihr Geheimnis ist ihre Synchronität. Ruslan Alekso pexels.com

Die Karnevalsumzüge in Rio de Janeiro machen es jedes Jahr aufs Neue
deutlich: Sambarhythmen reißen die Menschen mit – sie entlocken ihnen
ausgelassene Bewegungen und lösen enorme Freude aus. Worin aber liegt das
Geheimnis dieser Musik und die Ausdruckskraft der Trommelgruppen?
WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und
Neurowissenschaften (MPI CBS) und des D’OR Institut für Forschung und
Lehre in Rio de Janeiro haben jetzt herausgefunden: Es ist die Synchronie,
mit der die MusikerInnen zusammenspielen. Die aktiviert besonders die
Hirnareale, in denen Rhythmus und Bewegung verarbeitet werden und die zu
Vorhersagen beitragen.

Der Karneval am Zuckerhut n Brasilien ist einzigartig. Charakteristisch
für die Umzüge sind die Trommeleinheiten von hunderten Perkussionisten,
die mit ihren Rhythmen die Gesänge und den Umzug einer Sambaschule
begleiten. Diese Gruppen versetzen nicht nur die MusikerInnen und
TänzerInnen selbst in Ekstase. Sondern auch die meisten ZuschauerInnen.
Die werden von der Stimmung mitgerissen, bewegen sich ausgelassen und
fühlen sich mit den Menschen um sich herum verbunden. Darunter selbst
Menschen, die sich eigentlich als Karneval- und Tanzmuffel bezeichnen.

Annerose Engel, Neurowissenschaftlerin und Neuropsychologin am MPI CBS und
dem Universitätsklinikum Leipzig wollte wissen: Was steckt in der
Trommelmusik, dass sie ein derart starkes Gefühl von „Groove“ auslöst,
also die Freude und den unwiderstehlichen Drang, sich zu bewegen und zu
tanzen? Welchen Einfluss haben dabei das synchrone Zusammenspiel der
MusikerInnen oder die Lautstärke? Und was passiert im Gehirn, wenn wir
diesen Groove empfinden?

Um das herauszufinden, reiste Annerose Engel nach Rio de Janeiro,
Brasilien, und engagierte einen anerkannten Meister einer Samba-
Trommeleinheit. Der nahm die typischen neun Rhythmusinstrumente auf und
arrangierte daraus ein typisches Musikstück. Im Anschluss daran variierte
Engel diese Aufnahmen, indem sie das Zusammenspiel dieser
Instrumentengruppen manipulierte. Im Mittelpunkt standen dabei die snare
drums, die Marschtrommeln, die der Gruppe einen akzentuierten stetigen
Puls vorgeben. Sie erklangen entweder in ihrer Originalversion ohne
Verzögerung – oder mit 28, 55 oder 83 Millisekunden Verzögerung im
Verhältnis zu den anderen Instrumenten. So, als spiele die gesamte Truppe
nicht mehr exakt im Takt.

Diese Versionen bekamen zuerst 12 StudienteilnehmerInnen in
unterschiedlicher Lautstärke  (laut mit 85 db oder sehr laut mit 95 db) zu
hören. Sie beurteilten jeweils, wie stark ihr Drang war, sich dazu zu
bewegen und wie angenehm sie die Aufnahmen empfanden. In einem zweiten
Experiment lauschten weitere 21 StudienteilnehmerInnen den
Musikausschnitten, während ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller
Magnetresonanztomographie gemessen wurde. Dabei nahmen nur die Menschen an
der Studie teil, die Sambarhythmen mochten und meist selbst den Samba
Rhythmus auch spielen konnten.

Es zeigte sich: Die Trommeleinheiten, die exakt im Takt spielten, wurden
als besonders angenehm und animierend wahrgenommen. Selbst kleine
Abweichungen vom Takt (weniger als 50 ms) lösten noch Freude beim Hören
und die Lust zu tanzen, also das Groove Gefühl, aus. Je lauter die Stücke
ertönten, desto stärker wurde der Drang, sich zu bewegen – jedoch nur
dann, wenn die Instrumente im Takt spielten. Interessanterweise waren
StudienteilnehmerInnen, die in einem Test ein besonders gutes
Rhythmusgefühl zeigten, besonders sensitiv für die Manipulation der
Synchronie zwischen den Instrumentengruppen.

Dieses Groove-Erleben spiegelte sich auch in den Hirnprozessen der
TeilnehmerInnen wider. Je synchroner die Trommeln der verschiedenen
Instrumentengruppen erklangen, desto aktiver war ein Netzwerk, das für
Bewegungen und die Wahrnehmung von Rhythmen zuständig ist: Das
supplementär-motorische Areal, der linke prämotorische Cortex und der
linke frontale Gyrus. Diese Hirnregionen treten nicht nur bei Bewegungen
in Aktion, sondern auch, wenn etwas vorhergesagt werden soll – ein
fundamentaler Prozess unserer Wahrnehmung. „Die Aktivität im Netzwerk
dieser motorisch assoziierten Regionen könnte die neuronale Grundlage für
das Empfinden von Groove sein, insbesondere dem ausgeprägten
Bewegungsdrang“, erklärt Engel, Erstautorin der zugrundeliegenden Studie,
die jetzt im Fachmagazin „Frontiers of Neuroscience“ erschienen ist. „Je
synchroner die Instrumente zusammenspielen, desto klarer kann der
zugrundeliegende Takt erfasst werden. Das vereinfacht vermutlich die
Vorhersageprozesse.“

Zudem könnte die Wahrnehmung von Synchronie zwischen den Instrumenten auch
eine soziale Verbundenheit erzeugen. Ein Teil der StudienteilnehmerInnen
gab an, bei Sambamusik besonders intensive Emotionen zu empfinden. Bei
ihnen, den sogenannten deep listeners, zeigte sich während der synchronen
Trommeleinheiten eine stärkere Aktivität im subgenualen cingulären Kortex
– einer Hirnregion, in der soziale Bindung, prosoziales Verhalten und
Gruppenidentifikation verarbeitet wird. Vermutlich triggert die
Wahrnehmung von Synchronie Kopplungsprozesse im Gehirn, die wiederum eine
wichtige Rolle beim emotionalen Erleben haben.

Die ForscherInnen gehen davon aus, dass sich die Beobachtungen auch auf
andere Musikstile wie Jazz oder elektronische Musik aber auch auf rituelle
Trommelmusik anderer Kulturen übertragen lassen. Je besser das
Zusammenspiel zwischen MusikerInnen oder Klängen, desto klarer der Puls –
und desto stärker das erzeugte Groove-Empfinden.

„Diese Erkenntnisse könnten uns auch in der Neurorehabilitation helfen“,
sagt Engel. Für die Behandlung eines Schlaganfalls oder anderer
neurologischer Erkrankungen wird Musik gezielt eingesetzt, um durch
rhythmische Stimulation Bewegungsabläufe aber auch Aufmerksamkeit und
andere kognitive Fähigkeiten zu trainieren. „Musik, die ein Groove-Erleben
fördert, könnte sich dafür besonders eignen“, so die Neuropsychologin.

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