Jan Thomson, 19, angehender Elektroniker für Geräte und Systeme Dom Jack, MPI für Chemie
Das Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) ist ein weltweit anerkanntes Forschungsinstitut, das sich mit Fragen rund um Umwelt, Klima und Gesundheit befasst. Zur Unterstützung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzt das Mainzer Institut seit vielen Jahren auf die Ausbildung technischer Fachkräfte in den hauseigenen Werkstätten. Das Motto der diesjährigen Ausbildungsinitiative lautet: Das hat Zukunft!
Aktuell bildet das MPI für Chemie junge Menschen in den Sparten Feinwerkmechanik und Elektronik für Geräte und Systeme aus. „Der Slogan ist im doppelten Sinn zu verstehen“, erklärt Stephan Blanckart, Ausbildungsleiter in der Sparte Elektronik. „Erstens leisten die Forschenden mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft. Und zweitens: Die Ausbildung bei uns hat Zukunft.“
Von der hohen Qualität der Ausbildung am Max-Planck-Institut für Chemie zeugen eine Reihe beachtlicher Abschlüsse. Das Institut brachte einen Bundessieger, zahlreiche Zweit- und Drittplatzierte sowie Landes- und Kammersieger der Leistungswettbewerbe der IHK- und Handwerksjugend hervor. „Gerade in den letzten beiden Jahren, die wegen der Pandemie eine besondere Situation darstellten, hatten wir tolle Auszubildende mit Top- Leistungen“ ergänzt Stefan Viehl, der für die Ausbildung der Feinwerkmechaniker und -mechanikerinnen zuständig ist.
Dreifach ausgezeichnete Ausbildung
Gleich drei Azubipreise erhielt das Max-Planck-Institut für Chemie im vergangenen Jahr von der Max-Planck-Gesellschaft, der insgesamt 82 Institute angehören. Die Auszeichnungen wurden in den Kategorien „Metallberufe“, „Elektronik“ und „Ausbildungsstätte“ vergeben. Anerkennung fand das hohe Niveau der Ausbildung, die sehr fundiert und fächerübergreifend ausgelegt ist. Auch dass die Azubis Einblicke in die Forschungsexpeditionen bekommen und sich die Ausbilder viel Zeit für sie nehmen, sind Aspekte, mit denen das MPIC die Jury überzeugen konnte.
Zukünftige Azubis dürfen sich freuen, versprechen die beiden Ausbilder: Ihr Arbeitsalltag ist abwechslungsreich und spannend, da sich die Projekte oft stark voneinander unterscheiden. Die Azubis in der Werkstatt oder der Arbeitsgruppe Elektronik/Instrumentenentwicklung bauen Geräte und Instrumente, mit denen sie die Messungen und Analysen der Forschenden maßgeblich unterstützen.
Vier Ausbildungsplätze ab September 2022
2022 bietet das Max-Planck-Institut noch zwei Plätze in der Feinwerkmechanik sowie zwei Plätze in der Elektronik für Geräte und Systeme an. „Wir freuen uns auf viele, gute Bewerbungen unter www.mpic.de/dashatzukunft“ sagen Stephan Blanckart und Stefan Viehl. An einer Ausbildung Interessierte Interesse an Forschung und Technik haben.
Ausbildungsgang IT-Systemelektroniker geplant
Zudem will das Mainzer Institut die Ausbildung um einen Beruf erweitern. Ab 2023 sollen zusätzliche Ausbildungsplätze im Beruf IT-Systemelektronik angeboten werden. Gemeinsam mit dem IT-Team des Instituts bereitet Stephan Blanckart, der auch Prüferausschussvorsitzender der IHK ist, derzeit einen Plan für die dreijährige Ausbildung vor.
In Bogotá v.l.n.r. Luisa Godoy, Vice President for International Affairs, Dr. Sergio Pulgarín Molina, Vice President and Provost at Universidad del Rosario, Prof. Dr. Solveig Richter, Universität Leipzig, Prof. Laura Camila Barrios, Prof. Carolina Galindo Foto: Universidad Del Rosario
Zwischen den Universitäten in Leipzig und Bogotá (Kolumbien) wurde ein Kooperationsvertrag vereinbart. Darin verpflichten sich die beiden Bildungseinrichtungen zu einer engen Zusammenarbeit auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten. Die Unterlagen haben Prof. Dr. Sergio Andres Pulgarin Molina, Vizerektor der Universidad del Rosario und die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking, pandemiebedingt jeweils an ihren Universitäten unterzeichnet.
„Wir haben bereits ausgezeichnete Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einer der größten kolumbianischen Universitäten gemacht“, erklärte Rektorin Beate Schücking. „Gerade der Friedensprozess, der 2016 eingeleitet wurde, bietet für Forscher:innen sowie Studierende beider Länder vielfältige Möglichkeiten des Wissenstransfers.“ Kolumbien belegt laut Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mit gut 3.500 eingeschriebenen lateinamerikanischen Studierenden an deutschen Universitäten Platz 2 hinter Brasilien.
In Leipzig: Die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking (links), und Prof. Dr. Solveig Richter von der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig Foto: Swen Reichhold
Für die Kooperation haben die beiden Universitäten zwei Forschungsschwerpunkte an erste Stelle gesetzt. Über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde bereits ein aktuelles Forschungsprojekt finanziert. Unter dem Titel „Die Dynamik zwischen Gesundheit und Sicherheit während der Covid-19-Pandemie in Konfliktgebieten in Kolumbien“ gehen die Forscher:innen der Frage nach, welche Auswirkungen die Covid-19-Pandemie auf die Bevölkerung in den fragilen, konfliktreichen Gebieten im Süden Kolumbiens hat. Dabei untersuchen sie insbesondere den ländlichen Raum, der durch das Fehlen einer grundlegenden Gesundheitsinfrastruktur und eine weitverbreitete Unsicherheit durch die Präsenz bewaffneter Gruppen und mangelnde staatliche Unterstützung gekennzeichnet ist. Erste Feldstudien konnten bereits von Wissenschaftler:innen der beiden Universitäten in Zusammenarbeit mit der Pontificia Universidad Javeriana durchgeführt werden. „Es zeigen sich sehr interessante Dynamiken, denn viele Gemeinden haben nicht auf staatliche Maßnahmen vertraut, sondern haben sich selbst geschützt. Dank der Kooperation wurde Feldforschung unter solch schwierigen Umständen überhaupt möglich“, erklärt Prof. Dr. Solveig Richter, Heisenberg Professorin für Internationale Beziehungen und Transnationale Politik an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig. Sie hat maßgeblich an dem Zustandekommen der Kooperation zwischen Bogotá und Leipzig mitgewirkt und betreut mehrere Forschungsprojekte.
Das zweite Forschungsthema ist die Förderung des Friedensprozesses in dem lateinamerikanischen Land. Hier wird das Leipzig Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe) als zentrale Einrichtung der Universität Leipzig federführend mit dem Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstitut – CAPAZ die wissenschaftliche Arbeit leiten. „Der Friedensprozess ist durch die Politik der aktuellen Regierung ins Stocken geraten“, betont Professorin Richter. „In einem optimistischen Szenario könne man nach den Wahlen in diesem Jahr von den gesellschaftlichen und politischen Akteuren eine Deeskalation und eine Neuaufnahme des friedlichen Dialogs erwarten. Durch die enge Zusammenarbeit und die finanzielle Förderung aus Deutschland werden wir mit unseren Partner:innen die Auswirkungen der Wahlen genau analysieren und Schlussfolgerungen für den weiteren Friedensprozess erarbeiten.“
Das Kooperationsabkommen bietet beiden Universitäten darüber hinaus große Potenziale, die Forschungskooperation auch auf andere Schwerpunkte auszuweiten. So ist etwa der Themenbereich der Biodiversität für beide Partner von hoher Relevanz, denn nach Brasilien verfügt Kolumbien über die zweitgrößte Biodiversität weltweit. 10 Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten wurden in Kolumbien katalogisiert. Gerade in Kolumbien zeigt sich dabei, wie stark bio-ökologische und politisch-gesellschaftliche Dynamiken miteinander verwoben sind. „Im Kontext eines bewaffneten Konfliktes müssen diese Faktoren interdisziplinär gedacht und analysiert werden. Dadurch ergibt sich ein breites Forschungsfeld für die Wissenschaftler:innen der beiden Universitäten“, schätzt Solveig Richter ein.
Bereit für das folgende Konzert ist der grosse Konzertsaal der Zürcher Tonhalle Foto Vanessa Bösch
Besetzung und Programm:
Jean-Yves ThibaudetKlavier Lisa BatiashviliVioline Gautier CapuçonVioloncello
Joseph HaydnKlaviertrio Nr. 44 E-Dur Hob. XV:28 Anton ArenskijKlaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 32 Johannes BrahmsKlaviertrio C-Dur op. 87
Joseph Haydn Klaviertrio Nr. 44 E-Dur Hob. XV:28
Das Klaviertrio E-Dur, Nr. 28, gehört zu einer Gruppe von drei Werken, die er während seines zweiten Londoner Aufenthaltes 1795 für eine damals gefeierte englische Pianistin schrieb: Miss Theresa Jansen, spätere Mrs. Bartolozzi.
Die verschiedenen harmonischen und klanglichen Schattierungen im Allegretto von Hob. XV:30, einem barockisierenden Nachtstück von geheimnisvoller Tiefe, werden nur schwach ausgeleuchtet, die Musik prescht zu schnell am Ohr des Hörers vorbei. In Kopfsatz des Trios Hob. XV:30 wird der regelrecht mozartianische Reiz der Themengestaltung hervorgehoben, werden die verschiedenen Stimmungsmuster plastisch genug herausgearbeitet.
Diese Komposition deutet Haydns Stilwechsel an
Es zeigt sich, wie sehr sich die Musik Haydns gegen Ende seines Lebens schon vom Idealbild klassischer Ausgewogenheit entfernt hatte und ähnlich wie bei Mozart die individuellen Stimmungen widerspiegelte – wie sich die Musik also der Romantik näherte. Das gibt der Musik Leichtigkeit und Transparenz in den Allegros, die langsamen Sätze gewinnen viel Stille und Intimität. Batiashvili und Capuçon treten mit weniger Individualität in Erscheinung. Dadurch, dass sich ihr Spiel an das von Thibaudet anpasst, erscheint die Musik aber auch sehr ausgewogen und harmonisch, ein Bild von klassischem Ebenmaß perfekt abbildend.
Jean-Yves Thibaudet Klavier
Pianist Thibaudet bekam da schon einige Hals- oder besser Fingerbrecherische Tastenkombinationen vorgesetzt, die er aber scheinbar locker und mühelos bewältigt, die Läufe quasi aus dem Handgelenk schüttelt. Mit seinem Landsmann Gauthier Capuçon, 1981 in Chambéry geboren am Violoncello und der Georgierin Lisa Batiashvili (*1979 Tiflis) mit ihrer Violine, standen mit ihm zwei ebenbürtige Partner*innen auf der Bühne. Für die stilvolle Darbietung bedankte sich das Publikum mit langanhaltendem Applaus.
Johannes Brahms Klaviertrio C-Dur op. 87
Lisa Batiashvili Violine
Es folgte das C-Dur-Trio aus Opus 87 von Johannes Brahms. Wunderbar ließ man hier die musikalischen Charaktere wachsen, verlieh ihnen Kraft und Weite. Und so drangen die Musiker in ihrem Spiel ein bis in die kleinsten Verästelungen dieses raffinierten und oft vielschichtigen Satzes und machten diese für die Hörer nachvollziehbar. Keine Frage: Das war Interpreten Kunst vom Feinsten. Mehr als 25 Jahre hat Brahms gewartet, bis er seinem (falls man das ihm zugeschriebene A-dur-Trio ausser Betracht lässt) ersten Klaviertrio ein neues folgen liess. Es waren sogar zwei geplant, doch ist das gleichzeitig in Bad Ischl begonnene Es-Dur-Fragment verschollen. Dem umfangreichen Opus 8 von 1854 mit seiner Demonstration gelehrten kompositorischen Könnens und emotionalen Übersteigerungen stellte er nun ein knapperes, konzentriertes Werk gegenüber. Die vier Sätze des op. 87 dauern nur wenig länger als die beiden ersten der Erstfassung von op. 8. Gleichwohl stehen im 1880 entstandenen Kopfsatz den beiden Hauptthemen nicht weniger als sechs Nebengedanken gegenüber, was den ersten Brahms-Biographen nach dessen Tod, Heinrich Reimann, 1897 zur Kritik veranlasst hat, es seien «etwas heterogene Stimmungen aneinandergeschweisst». Die drei übrigen Sätze kamen erst 1882 dazu.
Beeinflusst von seiner Ungarnreise?
Gautier Capuçon Cello Foto Gregory Batardon
Das Andante in a-Moll ist ein Variationen Satz über ein pathetisches Thema mit magyarischem Einschlag. Auf das spukhafte, von einem klangvollen Trio unterteilte Scherzo folgt ein helles, oft geistreich-witziges Finale in Form eines Sonatensatzes. Clara Schumann war ganz begeistert: «Welch ein prachtvolles Werk ist das wieder! Wie vieles entzückt mich darin, und wie sehnsüchtig bin ich, es ordentlich zu hören. Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich sind die Durchführungen, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen! – Wie reizend ist das Scherzo, dann das Andante mit dem anmutigen Thema, das eigentümlich klingen muss in der Lage der doppelten Oktaven, ganz volkstümlich!» Die Uraufführung fand am 29. Dezember 1882 mit Mitgliedern des Joachim-Quartetts und dem Komponisten am Klavier in Frankfurt statt, nur knapp drei Wochen, nachdem Brahms seinen «Gesang der Parzen» in Basel zur Uraufführung gebracht hatte.
Denkwürdiger Abend in der ehrwürdigen Zürcher Tonhalle
Jean-Yves Thibaudet Klavier Symbolbild
Es war ein denkwürdiger Abend. Der 1961 in Lyon geborene Starpianist Jean–Yves Thibaudet spielte den Klavier-Part in der ihm eigenen breiten, prägnanten Weise. Das Werk ist jung und lebhaft ohne jede Überschwänglichkeit. Auch das Andante will nicht in die Tiefe bohren, süss und schwärmerisch wie ein alter Minnesang, aber einfach und natürlich strömt es dahin. Die Streicher auf der einen, das Klavier auf der anderen Seite führen einen überaus reizvollen Wechselgesang. Ist es ein altes Lied, auf das sich beide besinnen müssen? Wo die eine Gruppe den Faden verlor, nimmt ihn die andere auf und spinnt ihn weiter, und so ergänzen und erwärmen sie sich gegenseitig. Das Trio führt die Sprache des Komponisten Brahms, der aus dem Vollen schöpft; mit leichter Hand führt er seine Stimmen durch die sonnigen Gefilde quellenden Wohllautes, seltener als früher durch zerklüftete Engpässe. Der französische Pianist entwickelt eine Eleganz und Geschmeidigkeit in seinem Spiel, wohin ihm seine beiden Agonist*innen nur zu gerne folgen und ab und an Solosequenzen einfügen können, die Thibaudets Spiel veredeln und nicht etwa unterbrechen. Ein perfektes Trio jede*r für sich schon brillant, im Zusammenspiel aber schlicht meisterhaft.
Anton Arenskij Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 32
Der Erfolg des d-Moll-Trios erklärt sich schon aus dem ersten Satz, einem Allegro moderato. Es beginnt mit einer der schönsten Violinmelodien der Spätromantik. Über dem Triolen-Klanggrund des Klaviers setzt die Geigerin auf der G-Saite ein und schwingt sich langsam in die Höhe. Ihre ausdrucksvolle Melodie berührt statt des Leittons Cis ständig die dorische siebte Stufe C, weshalb sie zwischen d-Moll und F-Dur zu schwanken scheint. Diese reizvolle Zweideutigkeit bleibt auch erhalten, wenn das Thema vom Cello wiederholt wird und sich im Dialog der Streicher leidenschaftlich steigert. Erst mit dem Fortissimo-Einsatz des Klaviers zum Tremolo der Geige hört man den ersten Dominantakkord A-Dur. Danach spielt auch der Pianist seine Variante des schönen Hauptthemas. Die Überleitung lebt von leichtfüßigen Arabesken alla Schumann, das Seitenthema vom langen Atem eines Cellogesangs auf der A-Saite, in den die Violine einstimmt. Das Duett der Streicher wird von wogenden Klavier-Arpeggios getragen und steigert sich zu wehmütigem Ausdruck. Massive Klavierakkorde wollen die Zweisamkeit der Streicher stören, wodurch ihr Duett immer leidenschaftlicher wird. Eine knappe tänzerische Wendung im Staccato bildet die Schlussgruppe.
Kombination von kurzen, lebhaften Intentionen mit dem Leitmotiv
Lisa Batiashvili Violine Symbolfoto
Diesen kurzen, lebhaften Gedanken hat Arensky in der Durchführung wirkungsvoll erst mit dem Hauptthema kontrastiert, dann mit den Schumann-Arabesken aus der Überleitung. Daraus hat er einen riesigen Spannungsbogen gebaut, der vom langen anhaltenden Piano allmählich ins leidenschaftliche Fortissimo übergeht. Im Tremolo scheinen die Streicher den Höhepunkt anzusteuern, doch er bleibt aus und wird durch die leise Reprise des Hauptthemas ersetzt. Diese Antiklimax ließe Raum für eine gewaltige Schluss-Steigerung in der Coda, doch auch sie hat Arensky verweigert. Stattdessen klingt der Satz mit einem tief bewegenden Adagio über das Hauptthema aus, vom Cello eröffnet. Die Totenklage auf den Cellisten Davidow verhindert den rauschenden Schluss.
Moll überschattet D Dur mit einem Trauerflor
Das Scherzo steht an zweiter Stelle, ein Allegro molto im heiteren D-Dur, das freilich ständig von Moll überschattet wird. Nicht nur daraus erklärt sich das gespenstische Zwielicht dieses Satzes, sondern auch aus dem raffinierten Klang: Eine knappe Dreitonfigur der Geige fügt sich mit dem Pizzicato des Cellos und irrwitzigen Klavierläufen zu einer Art groteskem Springtanz zusammen. Raffiniert wird dieses Klangbild variiert, bis kurz vor dem Trio noch Flageolett-Töne der Geige hinzukommen. Das Trio (Meno mosso) ist im Ton kräftiger, in der Anlage simpler: ein robuster russischer Walzer in B-Dur, dessen Melodie die Streicher einander gegenseitig zusingen. Am Ende kündigt sich die Reprise des Hauptteils an, die natürlich im Pianissimo ausklingt.
Wo die melancholische russische Seele durchschimmert
Gautier Capuçon Cello Symbolfoto
Das Cello eröffnet den langsamen Satz, der den Titel Elegie trägt. Es ist Arenskys Trauermarsch auf den großen Cellisten Davidow. Schwer lastende punktierte Rhythmen des Klaviers deuten den Duktus eines Kondukts an. Darüber stimmt das Cello mit Dämpfer auf den Saiten sein Klagethema in g-Moll, das von der Violine ebenfalls con sordino aufgegriffen wird. Wenn sich beide Instrumente zu Duett vereinen, wird aus dem Marsch ein tief bewegender Klagegesang. Plötzlich aber wechselt die Tonart ins helle G-Dur. Über murmelnden Triolen der Streicher erscheint in der hohen Klavierlage wie eine Vision eine G-Dur-Variante des Elegie-Themas – die Apotheose des Helden in den Höhen des Himmels. Wenn das Klavier die changierenden Triolen aufgreift und mit gezupften Cellotönen betörend mischt, erscheint die G-Dur-Melodie in der hohen Violinlage als wahrer Engelsgesang. Danach kehrt die Totenklage wieder und klingt im Pianissimo aus.
Arenskys Finale kurz und bündig aber schlüssig
Die viel gepriesene Kürze der Finalsätze bei Arensky, die sich so wohltuend von den ausufernden Finali der Spätromantik abhebt, zeigt sich auch im d-Moll-Trio. Das wuchtige Hauptthema im Allegro non troppo „nimmt den Stil Rachmaninows vorweg, und die Coda enthält eine schöne, höchst effektvolle Reminiszenz an das zweite Thema aus der Elegie“ (Belaiev). Nach einer gewaltigen Steigerung des wuchtigen d-Moll-Finalthemas bricht die Musik plötzlich ab und gibt den Blick frei auf die himmlische Vision aus dem langsamen Satz. Con sordino wiederholen die Streicher*innen in die Apotheose des Helden und erinnern danach senza Sordino an das traurige Hauptthema des ersten Satzes, bevor das Finale im Strudel der Erregung ungestüm zu Ende geht. Die drei Protagonisten transformierten Kammermusik zu einem wahrhaften Kammerspiel, obwohl die Kammer, also der Konzertsaal der Tonhalle dafür schon etwas zu voluminös ist, die Lautstärke dadurch etwas zurückhaltend, gar zu leise rüberkam. Nichtsdestotrotz feierte das Auditorium das Künstlertrio mit stürmischem Applaus, garniert mit einigen Bravorufen und liess mit klatschen nicht nach, bis die erhoffte Zugabe in Form des 2. Satzes aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Klaviertrio Nr.1d-Moll op. 49 gewährt wurde.
Online-Therapien und Online-Trainings haben pandemiebedingt in vielen Bereichen einen starken Aufschwung erfahren und werden auch zukünftig ein wichtiger Bestandteil der Betreuung von Klienten bleiben. Diese Entwicklung bietet insbesondere den technologiegestützten Methoden Bio- und Neurofeedback neue Einsatzmöglichkeiten. Um diese Möglichkeiten vollumfänglich nutzen und zugleich die erforderliche Qualität und rechtliche Konformität sicherstellen zu können, hat die DGBfb nun die Initiative “Biofeedback in besonderen Onlineformaten” (BibO) ins Leben gerufen.
“Ziel von BibO ist es, umfassende Leitlinien für Online-gestützte und -unterstützte Therapie sowie Online-Trainingsformen im Bereich des Bio- und Neurofeedbacks zu entwickeln. Diese Leitlinien sind dringend nötig, da die zahlreichen Möglichkeiten der Online-Anwendung längst genutzt werden und sich permanent weiter entwickeln, während ein einheitlicher rechtlicher und inhaltlicher Orientierungsrahmen nach wie vor fehlt”, so Prof. Dr. phil. Axel Kowalski, Präsident der DGBfb. “Es ist daher eine wichtige Zukunftsaufgabe der DGBfb, ein multiprofessionelles Expertengremium zu etablieren, das diese nötigen Standards hinsichtlich Qualität, Recht und Technik erarbeitet und kontinuierlich weiter entwickelt.”
Die Initiative zu BibO wurde auf einer DGBfb-internen Sitzung am 19. Januar gestartet. In der Folge werden nun verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die auch Nicht-DGBfb-Mitgliedern offen stehen sollen. Fachleute aus universitärer Forschung, therapeutischer Praxis sowie Entwickler und Hersteller von Biofeedback-Technologie sind gleichermaßen aufgerufen, sich zu beteiligen. Interessierte wenden sich bitte an das Sekretariat der DGBfb, die Sitzungstermine und Themenschwerpunkte der Arbeitsgruppen werden in Kürze bekannt gegeben.
Über Bio- und Neurofeedback Bio- und Neurofeedback sind innovative, auf empirischer Wissenschaft beruhende Therapiemethoden. Mittels Messung und visueller oder akustischer Rückmeldung werden Vorgänge innerhalb des Körpers (Biofeedback) bzw. des Gehirns (Neurofeedback) in Echtzeit sichtbar gemacht, so dass Patient*innen lernen können, ebendiese Vorgänge aktiv zu steuern. Die Wirksamkeit der Methoden ist mittlerweile in vielfältigen Einsatzgebieten belegt, etwa in der Behandlung von Schmerzsyndromen, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, psychischen und psychosomatischen Beschwerden oder ADHS; die Methoden werden zudem erfolgreich in Bereichen wie Coaching oder Peak-Performance-Training angewendet.
Über die DGBfb Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback (DGBfb e.V.) ist die einzige unabhängige Fachgesellschaft für die Methode des Bio- und Neurofeedbacks in Deutschland. Sie versteht sich als gemeinnütziger, wissenschaftlich orientierter und multiprofessioneller Mittler zwischen universitärer Forschung und therapeutischer Praxis in einem stark an Bedeutung gewinnenden Fachgebiet. Derzeit sind etwa 600 Mitglieder in der Gesellschaft organisiert, insbesondere aus den Bereichen Psychologie, Psychotherapie, Medizin und weiteren Gesundheitsberufen.