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Tuberkulose-Behandlung: Kontinuierliche Versorgung von Geflüchteten muss gesichert werden

Mediziner erwarten unter den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine auch
Tuberkulose-Patientinnen und -Patienten. „Deshalb muss jetzt
sichergestellt werden, dass diese Menschen lückenlos medizinisch
weiterversorgt werden, damit deren Behandlung Erfolg hat“, sagt Professor
Torsten Bauer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP). Abhängig von der Komplexität dieser bakteriellen
Lungenerkrankung kann eine Tuberkulose-Therapie mindestens sechs und
teilweise mehr als 20 Monate dauern. „Bei einer Unterbrechung von nur acht
Wochen muss die Behandlung wieder von vorne beginnen“, so Professor Tom
Schaberg, federführender Autor der deutschen Tuberkulose-Leitlinie.

Die DGP fordert die Gesundheitspolitik auf, schnellstmöglich die
Strukturen für die ambulante und stationäre Versorgung der Geflüchteten
personell zu stärken und zugleich die Kostenübernahme unbürokratisch zu
garantieren. „Wir haben in Deutschland ausreichend Versorgungskapazitäten.
Die Konzepte für solche Notsituationen haben wir längst entwickelt, nur
dürfen die Behandler nicht auf den Zusatzkosten sitzen bleiben“, sagt
Bauer, Chefarzt einer Berliner Lungenklinik.

Tuberkulose gilt als die bakterielle Infektionskrankheit mit der höchsten
Zahl an Todesopfern weltweit. In Ländern wie Deutschland mit einer
exzellenten Versorgung und Medikamentenbehandlung ist die Tuberkulose in
den letzten Jahrzehnten seltener aufgetreten. Betroffen sind im
Jahresschnitt fünf von 100.000 Einwohnern. Anders in der Ukraine: hier
sind es rund 73 Fälle auf 100.000 Einwohner. Insbesondere der Anteil von
Patientinnen und Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose – bei
welcher wesentliche Medikamente nicht wirken – ist mit 29 Prozent unter
den Neudiagnosen sehr hoch und deren Behandlungserfolg liegt in der
Ukraine bei nur etwa 51 Prozent. Hinzu kommt die Problematik von Ko-
Infektionen, die eine Tuberkulosebehandlung erheblich erschweren. Bei rund
22 Prozent der ukrainischen Tuberkulose-Patientinnen und -Patienten liegt
eine das Immunsystem schwächende HIV-Infektion vor, oft kommt eine
Hepatitis-C-Infektion dazu. „In Deutschland existieren in spezialisierten
Zentren die notwendigen Behandlungsstrukturen, auch für das komplexe
Management von Ko-Infektionen“, sagt Torsten Bauer, der in Personalunion
auch Präsident des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der
Tuberkulose (DZK) ist.

Was jetzt passieren muss: Tuberkulose-Patientinnen und -Patienten
auffinden – Ärztinnen und Ärzte informieren – Finanzierung sichern

Die aktuelle Herausforderung ist, die betroffenen Patientinnen und
Patienten aus der Ukraine aufzufinden, um eine möglichst verzögerungsfreie
Weiterbehandlung zu ermöglichen. „Ein Aussetzen der Behandlung kann den
Therapieerfolg gefährden und zu weiteren Medikamenten-Resistenzen führen“,
erklärt Bauer. „Zudem kann nur durch die Fortführung der Behandlung
verhindert werden, dass Patientinnen und Patienten mit einer
multiresistenten Tuberkulose wieder ansteckungsfähig werden.“ Deshalb
fordern die Lungenärztinnen und -ärzte von DGP sowie DZK:

•       Der öffentliche Gesundheitsdienst muss kurzfristig mehr Personal
und Budget erhalten, um das Tuberkulose-Screening und notwendige
Umgebungsuntersuchungen von Geflüchteten schnellstmöglich zu
gewährleisten.
•       Die Kosten für die stationäre und ambulante Behandlung der
multiresistenten Tuberkulose müssen vollständig übernommen und dürfen
nicht den Behandlern überlassen werden. Das gilt auch für Kosten, die
durch die Unterbringung von Patientinnen und Patienten aus
Infektionsschutzgründen entstehen.
•       Die Kostenübernahme der längerfristigen Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit Ko-Infektionen wie HIV oder einer
zusätzlichen Abhängigkeit von intravenösen Drogen muss durch den
Gesetzgeber gesichert sein.
•       Verbreitung von Informationen für Ärztinnen und Ärzte, die im
Erstkontakt mit den Geflüchteten stehen, um Aufmerksamkeit für die
Tuberkulose als Differentialdiagnose zu schaffen (www.dzk-tuberkulose.de
und Ratgeber für Tuberkulose des RKI). Mittelfristig muss die Fortbildung
der Ärzteschaft in infektionsrelevanten Fragen gefördert werden, um auch
zukünftig in Krisensituationen schnell handeln zu können.

„Mit der personellen und finanziellen Unterstützung durch die
Gesundheitspolitik von Bund und Ländern werden wir die geflüchteten
Tuberkulose-Patientinnen und -Patienten aus der Ukraine ausfindig machen
und wie jeden anderen versorgen können. Eine erhöhte Tuberkulose-Gefahr
für die Bevölkerung besteht dann nicht“, sagt Professor Roland Diel vom
DZK.

Erfahrungen aus früheren Flüchtlingswellen: „Wir haben viele
Lösungsstrategien erarbeitet“

Gut vorbereitet durch Erfahrungen der Flüchtlingswelle infolge des Syrien-
Krieges: Im Jahr 2015 sind schon einmal viele Menschen nach Deutschland
geflüchtet, was stellenweise zu einer vorübergehenden Überlastung des
Gesundheitssystems geführt hat. Davon betroffen war auch die Versorgung
von Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten wie Tuberkulose.
„Wir haben aus dieser Zeit gelernt und viele Lösungsstrategien erarbeitet,
die wir auf die heutige Situation übertragen können“, erklärt Torsten
Bauer. Er rechnet beispielhaft vor: „Sollten eine Million Geflüchtete in
Deutschland aufgenommen werden, könnten auf Grundlage der für die
Allgemeinbevölkerung bekannten Zahlen mindestens 500 bis 1.000 neue
Tuberkulose-Fälle dazu kommen. Es ist davon auszugehen, dass etwa 25 bis
30 Prozent davon multiresistente Tuberkulosen sind. Das ist ein durchaus
handhabbares Problem, wenn die Rahmenbedingungen geschaffen sind“, sagt
Bauer. Im Vergleich: Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 4.127 Tuberkulose-
Fälle beim Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet, darunter 79 Fälle mit
einer multiresistenten Tuberkulose. „Die Arbeiten und Abstimmungen zur
Aufnahme und Versorgung der Geflüchteten aus der Ukraine laufen in den
Städten und Gemeinden auf allen Ebenen auf Hochtouren. Die Versorgung und
die Koordination mit den medizinischen Leistungserbringern ist dabei eines
der zentralen Themen", sagt Dr. Cornelia Breuer, Vize-Präsidentin des DZK.

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Warum Kinder mehr Schlaf brauchen

Anlässlich des Weltschlaftages am 18. März informiert die Stiftung
Kindergesundheit über die Schlafprobleme von Heranwachsenden und was
Eltern dagegen tun können

Ausreichender und erholsamer Schlaf ist eine wesentliche Grundlage der
Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dennoch schlafen
viele Kinder und Jugendliche nicht genug, beklagt die Stiftung
Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme: Sie schlafen schlecht
ein, wachen in der Nacht oft oder zu früh auf, fühlen sich am Morgen eher
matt als erholt und starten missmutig und müde in den neuen Tag. Nach
aktuellen Untersuchungen leidet heute jeder achte 12- bis 17-Jährige unter
einem chronischen Schlafmangel. Guter Schlaf ist außerdem ungerecht
verteilt: Mädchen sind häufiger von Schlafmangel betroffen als Jungen.

Der Schlafbedarf von Heranwachsenden verringert sich mit zunehmendem
Alter, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Während Kinder im Alter
von 3 oder 4 Jahren noch circa 11,5 Stunden schlafen, reduziert sich die
nächtliche Schlafdauer bis zum Schuleintritt auf etwa 10,5 Stunden. Kinder
im Grundschulalter schlafen noch circa 9,5 Stunden. Allerdings benötigen
auch Jugendliche durchschnittlich noch rund 9 Stunden Schlaf. Dies ist
vielen Jugendlichen und auch den Eltern oft nicht bewusst. Erst mit 17 bis
18 Jahren pendelt sich dann das Schlafbedürfnis auf täglich 7 bis 8
Stunden ein.

Um den tatsächlich Schlafbedarf eines Kindes festzustellen, hilft es, in
den Schulferien über zwei Wochen hinweg ein Schlaftagebuch zu führen,
empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Man schreibt dabei genau auf,
wann das Kind ins Bett geht und wann es morgens von selbst aufwacht. Daran
sieht man, wie viel Schlaf es wirklich braucht, um ausgeschlafen zu sein.


Guter Schlaf macht schlau und schlank
„Sind Kinder oder Jugendliche unausgeschlafen, zeigen sich vielfältige
Auswirkungen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden“, sagt
Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung
Kindergesundheit: „Der Mangel an Schlaf führt zu Schläfrigkeit am Tage,
beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis und hat
nicht selten schlechtere schulische Leistungen zur Folge. Zu wenig Schlaf
macht außerdem manche Kinder fahrig oder auch aggressiv“.

Schlafmangel in den jungen Jahren kann auch langfristige Folgen haben,
berichtet die Stiftung Kindergesundheit: Im Schlaf wird das
Wachstumshormon produziert, das für das Knochenwachstum benötigt wird.
Manche Kinder, die andauernd zu wenig oder schlecht schlafen, erreichen
deshalb möglicherweise später nicht die Körpergröße, die sie bei
ausreichendem Schlaf hätten.

Eine besonders schwerwiegende Folge von Schlafstörungen geriet erst in den
letzten Jahren in den Fokus der Wissenschaft, nämlich der Einfluss des
Schlafes auf das Körpergewicht. Professor Berthold Koletzko berichtet:
„Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine zu kurze Schlafdauer mit
gehäuftem Auftreten von Übergewicht und Adipositas bei Kindern verbunden
ist. Eine längere Schlafdauer kann ein hilfreicher Faktor zur
Normalisierung des Körpergewichts sein“.

Schlaf-Risiko: Exzessive Nutzung von Medien
Fernsehgeräte, Handys und Smartphones begleiten heute viele Jugendliche
bis ans Bett und hindern sie am Schlafen, beklagt die Stiftung
Kindergesundheit. Die Folgen kann man sich leicht denken: Wie eine Studie
der Universität Koblenz-Landau in Landau in der Pfalz zeigte, waren
Jugendliche, die nachts gewollt oder ungewollt durch ihr Smartphone
geweckt wurden, tagsüber häufiger müde und neigten dazu, im Unterricht
einzunicken.

Die Ergebnisse der Landauer Untersuchung stimmen mit den Daten überein,
die in der 2015 veröffentlichten Deutschen Azubi-Gesundheitsstudie (DAG)
mit über 13.000 Auszubildenden im Alter zwischen 16 und 25 Jahren
ermittelt wurden. Auch in dieser Studie kam es heraus, dass Jugendliche
mit hohem Medienkonsum weniger ausgeruht und leistungsfähig sind, häufiger
in der Schule und am Arbeitsplatz fehlen, häufiger unter Schlafstörungen
leiden und ein geringeres Wohlbefinden haben. Sie bewegen sich außerdem
weniger, nehmen mehr koffeinhaltige Getränke zu sich und schlafen weniger
und schlechter.

Blaulicht hemmt das Schlafhormon
In einer weiteren Studie kalifornischer Wissenschaftler zeigte sich, dass
allein die Anwesenheit eines „small screens“ in der Bettumgebung von
Jugendlichen, wie es ein Smartphone oder ein Tablet-PC darstellt, die
Schlafzeit um 20,6 Minuten verkürzt. Einer der Gründe für die
schlafkillende Wirkung der Geräte liegt offenbar in dem blauen Licht ihrer
LED-Bildschirme. Helles Licht hemmt die Produktion von Melatonin, des
Hormons, das die innere Uhr steuert, müde macht und das Einschlafen
fördert.

Die LED-Bildschirme der meisten digitalen Medien enthalten einen höheren
Anteil von blauem Licht. Dadurch führt das Betrachten von Bildschirmen am
Abend und in der Nacht zu späterem Einschlafen und zu einer Verlangsamung
der inneren Uhr und damit zu einer erhöhten Müdigkeit am nächsten Morgen –
mit entsprechenden Folgen für die Leistungen in der Schule und am
Arbeitsplatz.

Guter Schlaf – bessere Noten
Erholsamer Schlaf macht jedoch klüger: Während der Nachtruhe ordnet das
Gehirn die Lernerfahrungen des Tages und arbeitet an Problemlösungen.
Schlafmangel dagegen führt zu Erinnerungslücken, reduziert die
Arbeitsleistung am Tage um 25 Prozent und macht durch die Schädigung des
Immunsystems anfälliger für Krankheiten.

Eine Bestätigung erbrachte eine kürzlich veröffentlichte Studie
niederländischer Wissenschaftler an der Universität Leiden, für die 1.400
Studenten befragt wurden. Sie ergab bei jedem dritten Studenten einen
chronischen Schlafmangel. Diese Studenten litten häufiger unter
Konzentrationsstörungen und schnitten bei Prüfungen schlechter ab als ihre
ausgeschlafenen Kommilitonen.

Um den gesundheitsschädlichen Medienkonsum bei Jugendlichen zu reduzieren,
sollte die Nutzung von Smartphones möglichst klar geregelt werden,
empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Ein wichtiger Ansatzpunkt für
mehr Leistung und besseres Wohlbefinden sei der Verzicht auf digitale
Medien schon in den letzten zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen und
erst recht in der Nacht.

Wer gut schläft, ist gesünder, erfolgreicher und lebt länger: Studien
haben gezeigt, dass Menschen, die zwischen sieben und neun Stunden pro
Nacht schlafen, ein geringeres Sterberisiko zeigen, als solche mit
kürzeren Schlafzeiten. Schlafgestörte Menschen haben dagegen ein fünffach
höheres Risiko, während eines Jahres einen schweren Unfall in Haushalt,
Beruf oder Verkehr zu erleiden als Menschen mit gesundem Schlaf.

Zehn Tipps für einen gesunden Schlaf
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin DGKJ hat für ihre
Elterninformationen folgende Liste zur Förderung des Schlafes bei
Grundschulkindern erstellt:

1.      Regelmäßige Einschlaf- und Aufstehzeiten einhalten. Schlafrituale,
wie z. B. ein Lied singen, beruhigende Musik hören oder eine Geschichte
erzählen fördern diese Regelmäßigkeit.
2.      Das Kind wird erst dann zum Schlafen gelegt, wenn es müde ist.
3.      Zubettgehen sollte Spaß machen und keine Strafe darstellen.
4.      Das Bett ist zum Schlafen gedacht.
Im Bett sollten die Kinder weder lesen, noch spielen, fernsehen oder gar
herumtoben.
5.      Zwischen Abendmahlzeit und Zubettgehen sollte genügend Zeit sein.
Leichte Kost kann schlaffördernd wirken.
6.      Koffeinhaltige Getränke sind für Kinder generell zu vermeiden.
7.      Sport oder aufregende Aktivitäten wie Fernsehen, Computerspiele,
spannende Lektüre u. ä. vor dem Schlafengehen behindern einen erholsamen
Schlaf.
8.      Störende Lichtquellen, Lärmgeräusche und extreme Temperaturen im
Schlafzimmer des Kindes sollten beseitigt oder reduziert werden. Kurz: das
Ambiente muss stimmen.
9.      Möglicherweise schläft Ihr Kind deshalb nachts schlecht, weil der
Mittagsschlaf nicht mehr nötig ist?
10.     Nachts werden viele Informationen des Tages verarbeitet – Träumen
ist normal. Ein Kind ist ausgeschlafen, wenn es rasch wach wird und sich
tagsüber aktiv beschäftigt.

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Eine Frage der Haltung: rückenschonendes Arbeiten mit dem Laptop durch extra Bildschirm, Maus und Tastatur

Tag der Rückengesundheit am 15. März

Arbeiten am Laptop führt schnell zu einer Sitzhaltung mit krummem Rücken,
was auf Dauer Nacken- und Rückenschmerzen verursacht. Um Schmerzen zu
vermeiden, empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen die Trennung von
Bildschirm, Maus und Tastatur, denn diese sorgt für eine aufrechtere
Kopfhaltung und entlastet Nacken und Rücken.

„Das Problem ist nicht das Laptop selbst, sondern die vorgeneigte Haltung
kann mit der Zeit zur Verkürzung der Brust- und Bauchmuskulatur sowie zur
Versteifung der Nackenmuskulatur führen“, sagt Prof. Dr. Andreas Halder,
stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie (DGOU) sowie Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik
für Operative Orthopädie der Sana Kliniken Sommerfeld.

Zwar lockern sich gerade die pandemiebedingten Homeoffice-Regeln, für
viele lässt sich jedoch das Arbeiten von zuhause aus oder von unterwegs
auch in Zukunft nicht mehr wegdenken. Wenn allerdings aus dem sporadischen
Arbeiten zuhause der feste Arbeitsplatz wird, müssen einige Regeln
beachtet werden, um Rücken und Nacken keinen Schaden zuzufügen. Dauerhaft
mit dem Laptop am Küchentisch oder gar auf dem Sofa zu sitzen, ist keine
gute Lösung. „Der sogenannte Tech Neck, der Technik-Nacken, ist ein
zunehmendes Problem, wenn man viele Stunden täglich mit nach vorne
geneigtem Kopf und hängenden Schultern auf den Laptop-Bildschirm oder das
Smartphone blickt. Mit einem gut eingerichteten Arbeitsplatz ist
regelmäßiges Arbeiten auch am Laptop jedoch kein Problem“, sagt Prof. Dr.
Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOU. Gerade im Homeoffice ist die
Verführung groß, durch lange Online-Meetings sehr lange Arbeitseinheiten
zu absolvieren und zu lange vor dem Bildschirm zu sitzen. „Ich empfehle
zusätzlich dynamisches Arbeiten und aktives Sitzen: Also nicht den ganzen
Tag mit dem Rundrücken vor dem Laptop sitzen, sondern regelmäßig Pausen
einlegen, sich strecken und aufrichten oder auch mal lümmeln“, sagt
Kladny, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie in der
Fachklinik Herzogenaurach.

Orthopäden und Unfallchirurgen geben 5 Tipps für eine rückenschonende
Sitzhaltung am Laptop:
•       Ergonomischer Arbeitsplatz: Wenn möglich, das Notebook auf einen
Tisch stellen und einen zusätzlichen Monitor, eine Maus sowie eine externe
Tastatur anschließen.
•       Höhe anpassen: Ein höhenverstellbarer Stuhl sorgt dafür, dass man
beim Tippen die Schultern nicht nach oben oder unten zieht und damit
verspannt. Gut ist auch ein höhenverstellbarer Schreibtisch, um
zwischendurch auch mal im Stehen zu arbeiten.
•       Bildschirm in Augenhöhe: Zu beachten ist auch die richtige
Blickachse der Augen zum Bildschirm. Lässt sich der Bildschirm nicht höher
stellen, empfiehlt es sich, einen Ständer oder ein paar Bücher zu nutzen,
auf die man den Bildschirm oder das Laptop stellen kann.
•       Aktives Sitzen: Um die Muskeln locker zu halten, hilft es,
regelmäßig in eine andere Haltung zu wechseln und sich auch im Sitzen
immer wieder zu bewegen, beispielsweise kann man die Schulter- und
Rückenmuskulatur an- und entspannen.
•       Bewegungspausen: Mehrmals pro Stunde aufstehen, beispielsweise im
Stehen telefonieren.

Ein Problem beim Arbeiten mit dem Laptop ist neben der gekrümmten
Rückenhaltung der vorgeneigte Kopf. Der menschliche Schädel wiegt
normalerweise vier bis fünf Kilo. Wird der Kopf nach vorne gehalten, muss
die Muskulatur nach den Hebelgesetzen mehr Kraft aufbringen, um die Last
des Kopfes zu halten. Das sind bei einer Neigung von 30 bis 45 Grad nach
vorne rund 18 bis 20 Kilogramm. Das entspricht einem vollen
Getränkekasten. Diese vorgestreckte Kopfhaltung führt zu einer Krümmung
der Wirbelsäule und zu einer Verspannung der Schulter- sowie
Nackenmuskulatur, die versucht, gegen die unnatürliche Kopfhaltung zu
arbeiten. Durch die Dauerbelastung können sich die Muskeln verhärten und
zu einer schmerzhaften Versteifung des Nackens führen.

Diese Belastung kann sich über den Nacken auch auf den ganzen Rücken
auswirken. So neigen bestimmte Muskelgruppen, auch die Brust- und
Bauchmuskeln, zur Verkürzung. Das Problem verschlimmert sich durch das
Arbeiten am Laptop mit dem Blick nach unten. Mit der Zeit verkürzen sich
die Brust- und Bauchmuskeln und auch die Gegenspieler-Muskeln werden
geschwächt. So verkümmert bei einem verkürzten Brustmuskel die Muskulatur,
die das Schulterblatt führt. Das führt zu Verspannungen im Schulter- und
Nackenbereich und nach längerem Sitzen in gekrümmter Haltung entstehen
Schmerzen beim Wiederaufrichten.

Spätestens dann sollte man die Muskeln dehnen und mit gezielten Übungen
trainieren. Dabei ist es ratsam, behutsam vorzugehen. So werden verkürzte
Muskeln zunächst besser erst vorsichtig langsam gedehnt, bis sie sich an
die Bewegungsabläufe anpassen. Werden verkürzte Muskeln gleich zu stark
oder ruckartig gedehnt, besteht die Gefahr, dass sie sich verspannen. Es
empfiehlt sich, langsam Spannung aufzubauen und dann zu halten. Auf keinen
Fall sollte man während der Dehnphase wippen, denn das kann zu
schmerzhaften Mikroverletzungen führen. Erst wenn die Muskeln gedehnt
sind, kann man sie trainieren und kräftigen.

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Menschliches Bewusstsein und Künstliche Intelligenz – eine grenzüberschreitende Beziehung? – Diskussion | 15. März 2022

Die Frage, wodurch sich menschliches Bewusstsein auszeichnet, gewinnt
angesichts der Entwicklungen auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz (KI)
an Brisanz. Wie lässt sich künstliche Intelligenz von menschlicher
Intelligenz abgrenzen und welche ethischen Fragen wirft die Nutzung von KI
auf? Dazu diskutieren am 15. März 2022 ab 19 Uhr der Hirnforscher John-
Dylan Haynes, die Philosophin Karen Joisten und der Künstler Damjanski in
Berlin. Eine Veranstaltung der Reihe „Menschwerdung – was macht uns aus?“
der Akademienunion und Schering Stiftung.

Die Diskussion wird im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie
der Wissenschaften im Fishbowl-Format durchgeführt. Das Publikum ist
eingeladen, sich aktiv an der Debatte zu beteiligen.

Kann ein selbstlernendes System ein Bewusstsein entwickeln? Lernen wir in
der Interaktion mit Maschinen Neues über unser Mensch-Sein und welche
ethischen Fragen werden dabei aufgeworfen? Wie verhält es sich mit der
Beziehung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz, wenn Emotionen ins
Spiel kommen?

Es diskutieren:

Prof. Dr. John-Dylan Haynes
Hirnforscher, Direktor des Berlin Center for Advanced Neuroimaging,
Professor für Theorie und Analyse weiträumiger Hirnsignale am Bernstein
Center for Computational Neuroscience der Charité Berlin

Prof. Dr. Karen Joisten
Philosophin, Technische Universität Kaiserslautern

Damjanski
Künstler

Moderation: Lisa Ruhfus, Journalistin

Zeit und Ort:
Dienstag, 15. März 2022, 19 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal,
Markgrafenstr. 38, 10117 Berlin

Der Eintritt ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich unter:
https://www.akademienunion.de/veranstaltung/menschliches-bewusstsein-und-
kuenstliche-intelligenz


Bitte informieren Sie sich rechtzeitig auf unserer Website über die
geltenden Hygieneauflagen. Es gilt die 2G+-Regelung.

Die Veranstaltung ist Teil der Brain Awareness Week. Weitere Informationen
sowie den Programmflyer zur Veranstaltungsreihe „Menschwerdung – was macht
uns aus?“ finden Sie unter:
https://www.akademienunion.de/veranstaltung/menschwerdung

SAVE THE DATE

Ich-Werdung – Wie entsteht unser Selbst?
Dienstag, 15. November 2022, 19 Uhr, Berlin-Brandenburgische Akademie der
Wissenschaften, mit Neurowissenschaftler Olaf Blanke, Anthropologin
Kristina Musholt und Künstlerin Nicole Ottiger

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