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Max Weber Stiftung und Akademienunion verlängern Kooperation bei "Geisteswissenschaft im Dialog"

Mit der Veranstaltungsreihe „Geisteswissenschaft im Dialog“ (GiD) leisten
die Max Weber Stiftung und die Union der deutschen Akademien der
Wissenschaften seit 2010 einen signifikanten Beitrag zum Dialog zwischen
Wissenschaft und Gesellschaft. Die gemeinsame Online-Podiumsdiskussion
„China zwischen Expansion und Abschottung“, die am 10. März 2022 von 18–20
Uhr stattfinden wird, läutet nicht nur das GiD-Veranstaltungsjahr 2022
ein, sondern bildet zugleich die Auftaktveranstaltung unserer
Kooperationsverlängerung für weitere drei Jahre.

Die chinesische Regierung unter Xi Jinping verfolgt aktuell eine
gleichzeitige Strategie von Expansion und Anpassung: Die auf ökonomische
Vernetzung abzielende „Neue Seidenstraße“ ebenso wie den ausländische
Medien aussperrenden „großen Feuerwall“; eine aktive Propagierung
chinesischer Kultur nach außen und ein zunehmend rigides Vorgehen gegen
vermeintlich schädliche ausländische Kultureinflüsse im Inneren; oder die
ständige Betonung einer Fortsetzung der Öffnungs- und Reformpolitik und
die gleichzeitige Ankündigung, einen doppelten Wirtschaftskreislauf zu
fördern, mit  klarem Fokus auf mehr inländischer Innovation, Produktion
und Nachfrage, um so die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu stärken.

Wie reflektiert China seine eigene Vergangenheit? Ist der Blick auf die
lange Geschichte des Landes hilfreich, um die Entwicklungen im heutigen
China zu erklären? Wie wird sich die Coronapandemie auf die Tendenzen der
Abschottung und Entkopplung vom Ausland in China auswirken? Wie wirkt sich
der Balanceakt zwischen Öffnung und Kontrolle auf die digitale
Transformation des Landes aus? Wie ist es um die Wissenschaft in China und
im globalen Kontext bestellt, und welche Auswirkungen haben die aktuellen
wissenschaftspolitischen Entwicklungen auf künftige Kooperationen?

Diese und weitere Fragen diskutieren:
Dr. Anna L. Ahlers, Leiterin der Lise-Meitner-Forschungsgruppe „China in
the Global System of Science“ am Max-Planck-Institut für
Wissenschaftsgeschichte
Prof. Dr. Hans van Ess, Professor für Sinologie an der Ludwig-Maximilians-
Universität München und Präsident der Max Weber Stiftung
Prof. Dr. Thomas O. Höllmann, Präsident der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften und Vizepräsident der Union der deutschen Akademien der
Wissenschaften
Prof. Dr. Genia Kostka, Professorin für chinesische Politik an der Freien
Universität Berlin
Prof. Dr. Dr. Nele Noesselt, Professorin für Politikwissenschaft und
Politik Ostasiens/Chinas an der Universität Duisburg-Essen

Moderation: Dr. Astrid Freyeisen, promovierte Historikerin und Sinologin
und Leiterin der Redaktion Wirtschaft und Soziales beim Bayerischen
Rundfunk

INFORMATIONEN ZUR VERANSTALTUNGSREIHE: https://gid.hypotheses.org/
ANMELDUNG BIS 8. MÄRZ: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, dem
European Research Centre for Chinese Studies (Peking) sowie der Max Weber
Stiftung.


Die MAX WEBER STIFTUNG – DEUTSCHE GEISTESWISSENSCHAFTLICHE INSTITUTE IM
AUSLAND fördert die Forschung mit Schwerpunkten auf den Gebieten der
Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in
ausgewählten Ländern und damit das gegenseitige Verständnis. Sie unterhält
zurzeit weltweit elf Institute sowie weitere Forschungsgruppen und Büros.
Mit ihren Infrastrukturen bietet die MWS beste Voraussetzungen für
exzellente geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, die durch
unmittelbare Nähe zu den Forschungsgegenständen und im Austausch
unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen entsteht.

Die UNION DER DEUTSCHEN AKADEMIEN DER WISSENSCHAFTEN ist der
Zusammenschluss von acht deutschen Wissenschaftsakademien. Gemeinsam
engagieren sie sich für den interdisziplinären Austausch, die
Sicherstellung der wissenschaftlichen Exzellenz und die
Nachwuchsförderung. Die Akademienunion koordiniert das Akademienprogramm,
das größte geistes- und sozialwissenschaftliche Langzeitforschungsprogramm
Deutschlands. Sie lädt regelmäßig zum Dialog über aktuelle Themen aus der
Wissenschaft ein und beteiligt sich an der wissenschaftsbasierten
Gesellschafts- und Politikberatung. www.akademienunion.de

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Neuer Hochleistungsrechner am DKRZ nimmt Betrieb auf

Levante - das neue, vierte Hochleistungsrechnersystem für die
Erdsystemforschung (HLRE-4) - nimmt am 3. März 2022 in der ersten
Ausbaustufe seinen Betrieb am Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) auf. Der
Supercomputer, der wie sein Vorgänger “Mistral” von der Firma Atos
bereitgestellt wird, vervierfacht mit 14 PetaFLOPS die Rechenleistung am
DKRZ..

Damit können Forscherinnen und Forscher auf dem DKRZ-System zukünftig z.B.
mehr oder längere Simulationen mit besonders hoch aufgelösten globalen
Klima- und Erdsystemmodellen durchführen. Solche Modelle erlauben erstmals
eine rein physikalische Darstellung wichtiger kleinräumiger Klimaprozesse,
während diese in den bisher eingesetzten, wesentlich gröberen Modellen
parametrisiert werden müssen. Weiterhin können so kleinräumige
Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und den weiteren Teilen des
Systems Erde berücksichtigt werden.

Eine wichtige Anwendung der Klimamodellierung ist es, mögliche
Klimaänderungen für den Verlauf dieses Jahrhunderts zu projizieren und für
verschiedene Szenarien zu untersuchen. Bisher konnten Simulationen mit
solchen hochauflösenden Klimamodellen allerdings nur für sehr kurze
Zeiträume von wenigen Monaten eingesetzt werden. Längere
Simulationszeiträume erfordern deutlich mehr Rechenzeit und
Speichervolumen – welche das DKRZ nun durch Levante zur Verfügung stellen
kann. Atos liefert dafür mit BullSequana eine effiziente Lösung zum
Berechnen und Speichern der Simulationsergebnisse.

„Das neue System bildet die Basis unserer Dienstleistungen. Die
leistungsfähigen neuen Systeme sind ein besseres Werkzeug für die
Forschung, und damit auch für die Risikoabschätzung des Klimawandels für
Gesellschaft und Ökologie. Am DKRZ wird der wesentliche deutsche Anteil an
den Klimasimulationen gerechnet, die zu den IPCC-Berichten beitragen”,
äußert sich Prof. Thomas Ludwig, Geschäftsführer des DKRZ, und fügt hinzu:
„Wie auch beim Vorgängermodell legen wir Wert auf hohe Energieeffizienz.
Das System verfügt über eine Hochtemperaturflüssigkeitskühlung, und ein
Anteil der Abwärme wird im Nachbargebäude der Universität in die
Heizungsanlage eingespeist.”

„Die Systeme am DKRZ stellen die wichtigste Infrastruktur für unsere
Forschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) dar”, sagt Prof.
Jochem Marotzke, Direktor der Abteilung „Ozean im Erdsystem” am MPI-M.
„Erste Tests haben bereits gezeigt, dass Levante uns deutlich schneller
zur Lösung bringt als sein Vorgängersystem.”

„Levante ist ein Meilenstein in der wissenschaftlichen Datenverarbeitung,
da nun mehr Klimasimulationen mit hochaufgelösten Modellen, z.B. mit einer
Gitterauflösung von 2,5 km, und für Zeiträume von mehreren Jahrzehnten
möglich werden   was der Klimawissenschaft gestattet, wissenschaftliches
Neuland zu betreten”, sagt Prof. Bjorn Stevens, Direktor der Abteilung
„Atmosphäre im Erdsystem” am MPI-M. „Wir freuen uns sehr auf die
Zusammenarbeit mit dem DKRZ-Team und in der deutschen
Klimaforschungsgemeinschaft, um dieses Neuland zu erforschen.”

TECHNISCHE SPEZIFIKATION VON LEVANTE

Die CPU-Partition von Levante umfasst 2.832 Rechnerknoten mit jeweils zwei
Prozessoren, die zusammen eine Spitzenrechenleistung von 14 PetaFLOPS
liefern. Das sind 14 Billiarden mathematische Operationen pro Sekunde. Das
System ist mit der dritten Generation von Prozessoren des Typs AMD EPYC
ausgestattet, die jeweils über 64 Prozessorkerne verfügen. Der gesamte
Hauptspeicher des Systems umfasst mehr als 800 Terabyte; das entspricht
dem Hauptspeicher von etwa 100.000 Laptops. Um unterschiedliche
Anforderungsklassen abzudecken, verfügen die Einzelsysteme, aus denen der
Supercomputer zusammengesetzt ist, über Hauptspeichergrößen zwischen 256
und 1.024 Gigabyte.

Zusätzlich zu den klassischen Prozessoren erhält Levante im Sommer eine
Partition mit 60 GPU-Knoten, die gemeinsam eine Spitzenrechenleistung von
2,8 PetaFLOPS haben. Jeder GPU-Knoten ist mit zwei AMD-EPYC-Prozessoren
sowie vier NVIDIA-A100-Grafikprozessoren (GPUs) ausgestattet, wobei 56
GPU-Knoten über GPUs mit 80 Gigabyte, und vier Knoten über GPUs mit 40
Gigabyte Grafikspeicher verfügen.

Diese zunehmend heterogene Hardware-Architektur stellt die
wissenschaftliche Software-Entwicklung vor sehr große Herausforderungen.
Das DKRZ wird seine Nutzerinnen und Nutzer darin unterstützen, ihre
Arbeitsmethoden (z.B. die Portierung von Programmcodes oder der Einsatz
Künstlicher Intelligenz) so anzupassen, dass sie diese Entwicklung im
Bereich des Hochleistungsrechnens nutzen können.

Zur Datenübertragung zwischen den Rechnerknoten und den
Speicherkomponenten nutzt Levante NVIDIA–Mellanox-InfiniBand-HDR-200G-
Technologie, mit der eine Datenübertragungsrate von bis zu 200 GBit/s
erzielt werden kann.

Für die Speicherung der berechneten Simulationsergebnisse ist Levante mit
einem etwa 130 Petabyte großen Speichersystem der Firma DDN ausgerüstet.
Damit steht nun mehr als das Doppelte des bisherigen Speicherplatzes zur
Verfügung. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Laptop mit 1 Terabyte
Festplattenplatz erreicht der Supercomputer etwa das 130.000-fache von
dessen Speicherkapazität.

Udo Littke, Geschäftsführer von Atos in Deutschland, sagt: „Wir freuen uns
sehr, dass der neue Supercomputer den Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern am DKRZ nun zur Verfügung steht. Mithilfe modernster
Komponenten in unserem BullSequana XH2000-System verfügt das DKRZ jetzt
über deutlich mehr Leistung und Speicher für anspruchsvolle
Klimasimulationen. Gleichzeitig konnten wir die Kosten pro
Rechentransaktion stark reduzieren. Das ist entscheidend, denn im Zuge
einer nachhaltigen digitalen Transformation der Wirtschaft und der
Wissenschaft gilt es, den Energieverbrauch in Rechenzentren stetig zu
verringern.”

FINANZIERUNG

Die Bereitstellung der Mittel erfolgt auf der Basis des im November 2017
geschlossenen Finanzierungsabkommens zwischen der Helmholtz-Gemeinschaft,
der Max-Planck-Gesellschaft und der Freien und Hansestadt Hamburg.
Insgesamt steht für das Projekt HLRE-4 ein Betrag von 45 Millionen Euro
bereit.

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Erfolgreich mit drei Kindern in Job und Studium Der Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bochum hat den "Förderpreis für die erfolgreiche Vereinbarkeit von Studium und Kindererziehung" an Absolventin Norma Theis verliehen.

Von Rüdiger Kurtz
Seit 2013 wird der Förderpreis jährlich an eine junge Mutter als Anerkennung für die Doppelbelastungen, denen sie während ihres Studiums ausgesetzt war, vergeben.  Bei Norma Theis handelte es sich sogar um eine Dreifachbelastung, da sie parallel zum Studium und der Erziehung ihrer drei Töchter auch noch einen Job in Führungsposition zu bewältigen hatte.
Nachdem sie 2010 ihre Berufsausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei der REWE Dortmund SE & Co. KG erfolgreich abgeschlossen hatte, arbeitete Norma Theis vier Jahre als Sachbearbeiterin und Junior Consultant, ehe sie in die Verwaltungsleitung der Kommende Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, wechselte. "Das war und ist eine spannende Arbeit, die mir viel Freude bereitet", erzählt die in Werne geborene 33-jährige Jungakademikerin. Dennoch verspürte sie immer wieder den Drang, sich neben ihrem Job weiterzubilden.
Nach dem erfolgreichen Abschluss einer nebenberuflichen Weiterbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin schrieb sich Norma Theis 2014 an der Hochschule Bochum für das Verbundstudium Betriebswirtschaft ein. "Die ersten Semester während des Studiums verliefen reibungslos", erinnert sich Norma Theis: "Ich hatte meinen Tagesablauf gut organisiert, habe tagsüber in Vollzeit gearbeitet und abends und an den Wochenenden zielstrebig studiert."
2015 folgte die Hochzeit mit ihrem Mann, Sebastian Theis. Kurz darauf wurde sie schwanger. "Zunächst dachte ich, dass ich das Studium parallel zur Schwangerschaft und Berufstätigkeit im gewohnten Tempo fortführen könnte", so Theis. Mit der Geburt von Tochter Mia Leonie im Mai 2016 wurde die Belastung dann aber doch zu hoch: "Die Verantwortung für einen kleinen Menschen hat mich mehr beansprucht als ich vorher gedacht habe." Im Sommersemester 2016 absolvierte sie erstmalig keine Prüfungen.
Der Ehrgeiz war aber nach wie vor da. Bereits vier Monate nach der Geburt nahm sie in geringem Umfang ihre Berufstätigkeit und das Studium wieder auf. "Aufgrund meiner hohen Ansprüche, plante ich den weiteren Studienverlauf mit reduziertem Tempo." Dann kam die zweite Schwangerschaft und schnell war klar: Zwillinge stehen ins Haus. Im November 2017 kamen Lea Marie und Ida Loreen zur Welt. An Studieren war mit zwei Säuglingen und einem Kleinkind zunächst nicht mehr zu denken. "Ich nahm zwei Urlaubssemester und habe mich ein Jahr lang voll und ganz auf meine Töchter konzentriert", erzählt Norma Theis. Danach hieß es dann die verlorene Zeit im Studium aufzuholen. In den Beruf stieg sie dazu erst zum zweiten Geburtstag der Zwillinge mit zunächst 25 Stunden pro Woche wieder ein. "Ich schätze mich sehr glücklich, mit dem Erzbistum Paderborn einen so familienfreundlichen Arbeitgeber zu haben, der mich zudem bei meinem Studium unterstützt hat", so Theis: "Mir ist bewusst, dass diese Flexibilität was Elternzeit und Studium betrifft nicht mit jedem Arbeitgeber möglich ist."
2019 entschließ sie sich gemeinsam mit ihrem Mann zum Hauskauf. "Da gab es dann zusätzlich auch noch jede Menge mit den Behörden und Handwerkern zu diskutieren und organisieren", schüttelt Norma Theis im Nachhinein ungläubig den Kopf: "Wir haben mit unseren drei Kleinkindern eine ganze Weile auf einer Baustelle gelebt." Ihr Mann arbeitet in Vollzeit als Produktionsleiter und kommt in der Regel werktags erst am frühen Abend nach Hause. Zum Glück stehen dem jungen Paar die Großeltern und Tanten unterstützend zur Seite. Dennoch kommt die junge Mutter immer wieder an ihre Belastungsgrenzen. "Die Kinder wurden grundsätzlich zur Klausurenphase oder zum Wochenende krank", lacht Norma Theis im Rückblick: "Grippe, Scharlach, eitrige Mandelentzündungen, Knochenbrüche, zweimal Corona inklusive Quarantäne - wir haben kaum etwas ausgelassen."
Das Studium kann sie zeitweise nur durch Nachtschichten aufrechterhalten. "Im letzten Semester habe ich bis 2 Uhr nachts am Schreibtisch gesessen, an sieben Nächten in der Woche", so Theis. Während der Bachelorarbeitsphase musste sie sich dann aufgrund einer akuten Blinddarmentzündung einer Operation unterziehen. "Ich wollte vermeiden, in das nächste Semester gehen zu müssen", erläutert die junge Mutter: "Die Dozenten zeigten zum Glück viel Verständnis und haben mich in dieser Situation toll unterstützt. Ich konnte sie sogar sonntags kontaktieren." Ein dauerhafter Spagat sei die Mehrfachbelastung trotzdem gewesen: "Als Führungskraft wollte ich für meine Mitarbeiter präsent und ansprechbar sein, als Fachkraft innovative Prozesse initiieren und als Studentin gute Leistungen erbringen." Die größte Herausforderung habe aber darin bestanden, den eigenen Ansprüchen als Mutter gerecht zu werden: "Vor allem die Phase der Bachelorarbeit hat uns als Familie viel abverlangt, da ich wochenlang nicht wie gewohnt für die Kinder da sein konnte."
Dennoch bereut sie ihre Entscheidung nicht. Als Tochter einer Arbeiterfamilie konnte sie den direkten Weg ins Studium nach dem Abitur aus finanziellen Gründen nicht gehen. Umso mehr freut sie sich nun, dass sie den Bachelor-Abschluss als Betriebswirtin über einige Umwege und Hürden mit sehr gutem Ergebnis absolviert hat. "Mir ist irgendwann klar, geworden, dass mir eine berufliche und fachliche Weiterentwicklung nur durch ein Studium möglich sein wird", so Norma Theis: "Die Bedingungen im Bochumer Verbundstudiengang waren dafür ideal."
Seit ihrem Abschluss genießt sie die Zeit mit der Familie. Die 500 Euro Preisgeld für den Förderpreis sind schon zu einem großen Teil in Ausflüge in ein Erlebnisbad, einen Freizeitpark und einen Zoobesuch geflossen. Im Juni steht ein gemeinsamer Bauernhof-Urlaub an. "Wir holen gerade so viel Familienleben wie möglich nach und genießen die gemeinsame Zeit", freut sich die Hochschulabsolventin, Verwaltungsleiterin und dreifache Mutter.

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Freie Fahrt im Weltraum

Mehr als 8500 Tonnen Weltraumschrott befinden sich momentan in der
Umlaufbahn um die Erde. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit können auch
kleine Teilchen bei einer Kollision großen Schaden an den Satelliten
anrichten. Das Start-up Vyoma, das mit Hilfe der Technischen Universität
München (TUM) gegründet wurde, will ein eigenes Warnsystem aufbauen, das
diese Kollisionen verhindern soll.

Seit Beginn des Weltraumzeitalters 1957 wurden laut der europäischen
Weltraumorganisation Esa bereits 6100 Raketen ins All geschossen, diese
brachten unter anderem 12.020 Satelliten in die Erdumlaufbahn. Mit der
Zeit hat sich dadurch auch eine ungeheure Menge an Schrott im All
angesammelt.

„Das sind einmal die alten Satelliten selbst, die nicht mehr
funktionsfähig sind“, erklärt Christoph Bamann, der an der TUM Luft- und
Raumfahrt studierte. „Oder Teile von Raketen, die so groß sein können wie
ein Bus.“ Aber auch kleinere Gegenstände fliegen durchs All. So werden
etwa sogenannte Jojo-Gewichte, die sich an Raketen befinden, gezielt
weggesprengt, um die Drehung der Rakete zu verlangsamen. Kleinere
Schrottteile entstehen aber auch durch Kollisionen oder Explosionen.

Auch kleinste Teilchen sind gefährlich

Die Schrott-Teile gefährden vor allem die funktionsfähigen Satelliten.
Denn die Teilchen erreichen Relativgeschwindigkeiten von 10 Kilometern pro
Sekunde. „Das bedeutet, auch wenn die Teilchen noch so klein sind, können
sie bei einer Kollision eine Wucht haben wie ein Auto mit einer
Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern“, so Bamann. Getroffene
Satelliten werden zerstört. Gemeinsam mit Luisa Buinhas und Stefan Frey
hat Bamann im August 2020 das Start-up Vyoma gegründet. Ihr Ziel: ein
europäisches Warnsystem zu etablieren, um den Betreibern zu helfen, ihre
Satelliten aus der Gefahrenzone zu navigieren.

„Wir beobachten den Satellitenschrott und berechnen dann voraus, wohin
dieser fliegen wird“, erklärt Stefan Frey. Dazu will das Team eigene
Satelliten nutzen, die mit optischen Kameras Bilder der Schrottteile
aufnehmen. „Wir haben dann eine Sequenz von Bildern, die wir mit
Informationen von früheren Aufnahmen kombinieren, und so können wir dann
die Umlaufbahn der Schrottteile bestimmen.“ Ist die Umlaufbahn bekannt,
kann auch die Geschwindigkeit der Teile bestimmt werden. „Da die Kräfte im
erdnahen Weltraum bekannt sind, können wir auch abschätzen, wohin sie
fliegen“, so Frey.

Das Problem wird immer größer

Zehn Satelliten in einer bestimmten Konfiguration ermöglichen eine
permanente Beobachtung der Objekte im Weltraum. „Wir sehen so 90 Prozent
aller gefährlicher Objekte mindestens ein bis zweimal pro Tag“, sagt Frey.
Diese spezielle Ausrichtung der Satelliten sowie die Software, um aus den
Bildern die Flugbahn der Objekte zu errechnen, haben die Gründerin und
Gründer selbst entwickelt.

Neu ist die Idee zur Entwicklung eines kommerziellen Warnsystems vor
Weltraumschrott natürlich nicht, erklärt Frey. Doch bisher war es für
kleinere Unternehmen nicht finanzierbar. „Die Satelliten werden immer
kleiner und die Kosten, einen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen sind
gesunken“, erklärt Frey. „Deswegen ist es jetzt einfach erschwinglich
geworden.“ Zeitgleich mit den Möglichkeiten wächst auch das Problem:
Bereits jetzt müssen die Satellitenbetreiber pro Jahr und Satelliten
mindestens ein Ausweichmanöver ausführen.

Erdbasierte Beobachtung

Auch jetzt werden Satellitenbetreiber bereits vor Kollisionen gewarnt. Ein
Netzwerk von erdbasierten Radaranlagen und Teleskopen, die von den USA
betrieben werden, katalogisieren Objekte mit einem Durchmesser von über
zehn Zentimetern. Mit dem Unternehmen Vyoma möchten die Forscherinnen und
Forscher ein weltallbasiertes Netzwerk aufbauen, das noch genauer ist und
auch kleinere Teilchen erkennen kann. „Europa hat außerdem ein großes
Interesse daran, in diesem Bereich eine gewisse Unabhängigkeit zu
erlangen“, sagt Frey.

Aktuell arbeiten die Gründer an einer Plattform, die ein Netzwerk von
erdbasierten Sensorstationen in Europa nutzt, um Daten zu erheben. Damit
wollen sie Satellitenbetreibern verschiedene Dienstleistungen anbieten:
Einmal können bestimmte Objekte, die dem Satelliten gefährlich werden
können, genauer beobachtet werden. Aber auch der Satellit selbst kann,
wenn etwa die Kommunikation gestört ist, lokalisiert werden. In etwa zwei
Jahren will das Unternehmen seine eigenen Satelliten launchen.

Förderung durch die TUM

Das Start-up wurde durch die TUM Gründungsberatung unterstützt. Das Team
erhielt außerdem die EXIST-Gründerförderung finanziert durch das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie den Europäischen
Sozialfond. Das Team nutzte vor der offiziellen Gründung des Starts-ups
die Büros im TUM Incubator. Mentor Prof. Urs Hugentobler von der Professur
für Satellitengeodäsie stand den Gründern außerdem mit seinem
Expertenwissen zur Seite. Vyoma nimmt am aktuellen Programm des XPRENEUR
Inkubators  von UnternehmerTUM teil.

Mehr Informationen:
Jedes Jahr werden an der TUM 70 bis 80 technologieorientierte Unternehmen
gegründet. TUM und UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und
Gründung, unterstützen Start-ups mit Programmen, die exakt auf die
einzelnen Phasen der Gründung zugeschnitten sind – von der Konzeption
eines Geschäftsmodells bis zum Management-Training, vom Markteintritt bis
zum möglichen Börsengang. Die TUM Venture Labs bieten Gründungsteams aus
bedeutenden Wissenschaftsfeldern ein ganzes Ökosystem in unmittelbarer
Anbindung an die Forschung. Bis zu 30 Teams können Büros im TUM Incubator
nutzen, um sich auf den Start ihres Unternehmens vorzubereiten.
UnternehmerTUM investiert mit einem eigenen Venture Capital Fonds in
vielversprechende Technologieunternehmen und bietet mit dem MakerSpace
eine 1.500 Quadratmeter große Hightech-Werkstatt für den Prototypenbau.
Diese Förderung ist laut „Gründungsradar“ die beste an den großen
deutschen Hochschulen.

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