Der Verband für Ernährung und Diätetik e. V. (VFED) veranstaltet am 7.
März 2022 den „Tag der gesunden Ernährung“ zum 25. Mal. Mit dem Thema
„Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ verfolgt auch der diesjährige
Aktionstag das Ziel, auf die Bedeutung einer gesunden Ernährung aufmerksam
zu machen. Zwischen dem Herz-Kreislauf-System und der Leber bestehen enge
Wechselwirkungen – auch Erkrankungen können schwerwiegende gegenseitige
Auswirkungen zur Folge haben. Aus diesem Grund nimmt die Deutsche
Leberstiftung den „Tag der gesunden Ernährung“ zum Anlass, auf das immer
weiter zunehmende Problem der Fettlebererkrankungen hinzuweisen und die
Risikofaktoren zu benennen.
Dass die moderne Lebensweise mit zu reichlichem Essen und zu wenig
Bewegung nicht nur positive Auswirkungen auf das Leben und die Leber der
Menschen hat, zeigen die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie das
„Metabolische Syndrom“. Manche Experten schätzen, dass in Deutschland über
30 Prozent an einem „Metabolischen Syndrom“ leiden, zu dem Störungen des
Stoffwechsels im Rahmen der Zuckerkrankheit (Typ-2-Diabetes) sowie
Übergewicht gehören und das häufig zur Einlagerung von Fett in der Leber
führt. Auch Fettlebererkrankungen werden von Experten als
Zivilisationskrankheit eingestuft und gelten als eine Herausforderung für
das Gesundheitswesen in Deutschland.
Bei der Fettleber wird zwischen der nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL)
und der alkoholischen Fettleber (AFL) unterschieden – oft ist es
allerdings schwierig, diese Unterscheidung eindeutig zu treffen. Zu den
Ursachen, die oft in Kombinationen zu einer Fettleber führen, zählen neben
falscher Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht, starker Alkoholkonsum
oder auch ein bestehender Diabetes mellitus. Rund ein Drittel der
Erwachsenen hat eine durch Fetteinlagerung vergrößerte Leber – und die
Zahl nimmt stetig zu. Auch bereits jedes dritte übergewichtige Kind hat
eine Fettleber.
Welche ernsten gesundheitlichen Probleme folgen können, wenn dieser erste
Umbauprozess der Leber nicht aufgehalten wird und über einen längeren
Zeitraum andauert, erläutert der Leberspezialist und Vorstandsvorsitzende
der Deutschen Leberstiftung, Prof. Dr. Michael P. Manns: „Während die
einfache Verfettung, also beispielsweise eine NAFL noch relativ harmlos
ist, liegen bei einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung, der
sogenannten NASH (Non-alcoholic Steatohepatitis), entzündliche
Veränderungen in der Leber vor. Bei einer länger anhaltenden Entzündung
führt dieser Prozess zu einem Absterben der Leberzellen, welche dann durch
Bindegewebe ersetzt werden (Leberfibrose). Dieser Prozess kann schließlich
zu einem kompletten, bindegewebigen Umbau der Leber (Leberzirrhose)
führen, wodurch die Funktion der Leber deutlich beeinträchtigt wird. Durch
Laborwerte, bildgebende Verfahren wie Ultraschall und eventuell eine
Leberprobe (Biopsie) können wir diese Stadien unterscheiden. Es ist zu
beachten, dass bei einer Fettlebererkrankung das Risiko für die
Entwicklung eines Leberzellkrebses (HCC) deutlich erhöht ist. Während sich
bei den meisten Lebererkrankungen ein HCC aus der Leberzirrhose
entwickelt, muss dies bei der Fettleber nicht der Fall sein. Bei fast 50
Prozent der fettleberbedingten Krebsfälle litten die Patienten vorher
offensichtlich nicht an einer Leberzirrhose, sondern lediglich an einer
NASH.“
Die NASH wird von Experten als sogenannte Indikator-Erkrankung eingestuft:
Man stirbt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an einer Herz-Kreislauf-
Erkrankung, wenn man eine Fettleber-Entzündung hat. Diese kann somit als
ein Hinweis für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gesehen werden. Es gibt
bislang keine zugelassenen Medikamente für die Diagnose nicht-alkoholische
Fettleber. Die Therapie zielt in erster Linie auf eine Lebensstil-Änderung
mit mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung.
Die Leber ist ein sehr regenerationsfähiges Organ: Eine Fettleber, auch
eine Fettleberentzündung, kann sich zurückbilden – vorausgesetzt, die
Betroffenen ändern ihren Lebensstil. Abhängig von der Ursache der
Fettlebererkrankung umfasst der veränderte Lebensstil eine kontrollierte
Gewichtsreduktion, eine Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und einen
Alkoholverzicht.
„Mit der Fokussierung des diesjährigen Tages der gesunden Ernährung auf
das relevante Thema Herz-Kreislauferkrankungen und den damit in
Zusammenhang stehenden Erkrankungen ergänzt der Aktionstag das Engagement
der Deutschen Leberstiftung bei der Aufklärung über vermeidbare
Lebererkrankungen. Wie eine aktuelle Studie belegt, hat die Leberzirrhose
von allen chronischen Krankheiten, die in Deutschland die Einweisung in
ein Krankenhaus erfordern, die höchste Mortalitätsrate. Die Häufigkeit von
Zirrhosen, die durch eine NAFL bedingt sind, hat sich von 2005 bis 2018
vervierfacht und geht einher mit dem Anstieg von Patienten mit Adipositas,
also krankhaftem Übergewicht. Die Gesundheitspolitik ist gefordert,
verstärkt Aufklärungskampagnen über die Gefahren von ungesunder Ernährung
und mangelnder Bewegung zu initiieren. Außerdem müssen intensive
Forschungen vorangetrieben werden, um die Ursachen, Risikofaktoren und
mögliche Diagnosen und Therapieansätze der Fettlebererkrankung und
resultierende Schädigungen anderer Organsysteme zu analysieren“, betont
Prof. Manns.
Die Deutsche Leberstiftung bietet eine aktuelle Kurzbroschüre zum Thema
„Leber und Fett“ mit Informationen und Therapie-Empfehlungen für
Betroffene und Angehörige an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der
Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.
In der aktualisierten und erweiterten Auflage von „Das Leber-Buch“,
herausgegeben von der Deutschen Leberstiftung, ist die Fettleber ein
inhaltlicher Schwerpunkt. Darüber hinaus thematisiert ein ganzes Kapitel
die Ernährung bei verschiedenen Lebererkrankungen. Es beinhaltet außerdem
Hinweise, worauf zu achten ist.
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.
BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.