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Neue Leitung am ZPID

Das Leibniz-Instituts für Psychologie (ZPID) in Trier hat mit Prof. Dr.
Claudia Dalbert eine neue Direktorin ad interim.

Prof. Dr. Claudia Dalbert wird Direktorin ad interim des Leibniz-Instituts
für Psychologie (ZPID)

Zum Beginn des Jahres 2022 übernimmt ad interim Prof. Dr. Claudia Dalbert
das Amt der Direktorin des Leibniz-Instituts für Psychologie (ZPID) in
Trier.

Claudia Dalbert ist 1954 in Köln geboren, hat an der Universität Trier
Psychologie studiert, promoviert und als Wissenschaftliche Angestellte
gearbeitet. Im Laufe ihrer wissenschaftspolitischen Karriere habilitierte
sich sich 1995 an der Universität Tübingen, bevor sie als Ordentliche
Universitätsprofessorin für Psychologie 1998 an die Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg berufen wurde. Von April 2016 bis September
2021 bekleidete sie das Amt der Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und
Energie des Landes Sachsen-Anhalt und wirkte als zweite Stellvertreterin
des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt.

Dem Leibniz-Institut für Psychologie und der Stadt Trier ist sie seit
langem verbunden. Von 2005 bis 2012 war sie stellvertretende Vorsitzende
des Kuratoriums und von 2013 bis 2017 Mitglied des Verwaltungsrats des
Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID).
“Ich kenne das ZPID vom ersten Tag”, berichtet Claudia Dalbert. “Als man
mir angeboten hat, übergangsweise die Leitung zu übernehmen, habe ich sehr
gerne zugesagt. In meiner Funktion werde ich das Institut auf seinem
eingeschlagenen Weg bestmöglich unterstützen. Hier kann ich den guten Weg,
den das ZPID in den vergangenen Jahren gegangen ist, bis zur Ernennung
eines neuen Direktors oder einer neuen Direktorin begleiten.”

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DGFG baut Gewebespende trotz Corona weiter aus

Trotz Corona-Pandemie ist es der Deutschen Gesellschaft für
Gewebetransplantation (DGFG) erneut gelungen, die Gewebespende weiter
auszubauen und mehr Patienten mit Augenhornhäuten, Herzklappen,
Blutgefäßen und Amnionmembranen zu versorgen: Mithilfe der insgesamt 2.897
realisierten Gewebespenden war es der DGFG im letzten Jahr erstmals
möglich, über 7.000 Patienten mit einem Gewebetransplantat zu versorgen,
darunter 4.145 mit einer Augenhornhaut. Damit konnte die DGFG die Anzahl
der zur Transplantation abgegebenen Gewebe in den letzten zehn Jahren mehr
als verdoppeln. Die Pandemie sorgt außerdem offenbar für hohe Solidarität
in der Bevölkerung: 42 Prozent stimmten einer Gewebespende zu.

Hohe Solidarität in der Gewebespende unter Corona

Die Corona-Pandemie hält insbesondere die Medizinwelt weiter in Atem,
führte jedoch bislang zu keinem Einbruch in der Gewebespende. Im Rahmen
der 7.390 Aufklärungsgespräche wurde 3.103-Mal einer Gewebespende
zugestimmt. Damit liegt die Zustimmungsquote in 2021 bei 42 Prozent,
erneut höher als im Vorjahr (2020: 40,7 %). Insgesamt meldeten die
Kliniken der DGFG 44.231 potentielle Gewebespender. Obwohl ein Großteil
aus medizinischen Gründen wie einer COVID-19-Infektion für eine
Gewebespende nicht in Frage kam, führte die hohe Zustimmung in der
Bevölkerung zu einem dennoch positiven Ergebnis in den Spendezahlen.
Spendenstärkstes Bundesland in 2021 ist Nordrhein-Westfalen: Hier wurden
insgesamt 475 Gewebespenden realisiert.

Mehr Menschen treffen zu Lebzeiten eine Entscheidung für die Gewebespende

Erfreulich ist auch die gestiegene Zahl an einer bereits zu Lebzeiten
getroffenen Entscheidung: 28 Prozent haben 2021 ihren Willen zu einer
Gewebespende bereits zu Lebzeiten geäußert oder dokumentiert. Vor zehn
Jahren lag dieser Anteil bei nur 14 Prozent. Ist der Wille nicht bekannt,
können Angehörige im Sinne der Verstorbenen entscheiden – in 2021 war dies
in mehr als zwei Dritteln der Fall (69,7 %). Der deutliche Appell der DGFG
lautet daher: Treffen Sie Ihre Entscheidung bereits zu Lebzeiten und
teilen Sie sie ihren Angehörigen mit. Schaffen Sie mit Ihrer Entscheidung
Klarheit über den Tod hinaus!

Gewebespende auch unabhängig von Organspende möglich

Im Unterschied zur Organspende ist die Gewebespende nicht an die
Hirntoddiagnostik gebunden. So wurde auch in 2021 der Großteil der
Gewebespenden nach Herz-Kreislauf-Stillstand realisiert (85,7 %). Eine
Entnahme von Herzklappen und Gefäßen ist bis zu 36 Stunden, eine
Augenhornhautspende sogar bis zu 72 Stunden nach Todeseintritt möglich. In
2021 fand eine Gewebeentnahme durchschnittlich nach 29 Stunden ab
Feststellung des Todeszeitpunktes statt.

Nach wie vor ist die Organspende wichtig für die Patientenversorgung
insbesondere mit kardiovaskulärem Gewebe (KVG), d. h. Herzklappen und
Blutgefäßen: Insgesamt stammten 369 Gewebespenden von Organspendern (12,7
%). Bei 59 Prozent dieser Gewebespenden konnte das Herz für die Gewinnung
der noch funktionsfähigen Herzklappen und Gefäße entnommen werden. Der
Bedarf dieser Gewebe ist hoch. Mit 154 vermittelten Herzklappen konnte in
2021 die Hälfte aller Anfragen bedient werden. „Das ist noch immer zu
wenig. Hinter jeder dieser Anfragen steht ein Patient, dessen Leben auf
dem Spiel steht“, so Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Aus diesem
Grund treibt die DGFG die von der Organspende unabhängige KVG-Spende bei
Herz-Kreislauf-Verstorbenen voran und konnte seit 2017 insgesamt 122
solcher Spenden realisieren.

Bedarf an Gewebe trotz steigender Spendezahlen noch immer nicht gedeckt

Der stete Ausbau des Spendeprogrammes im gesamten Bundesgebiet sowie die
wachsende Bereitschaft in der Bevölkerung haben dazu geführt, dass die
DGFG die Patientenversorgung mit Gewebe innerhalb der letzten zehn Jahre
mehr als verdoppeln konnte. Um diesem hohen Spendevolumen gerecht zu
werden, arbeiten 13 Gewebebanken im Netzwerk der DGFG für die Aufbereitung
der Gewebe zusammen. Insgesamt haben die Gewebebanken allein im letzten
Jahr 6.362 Spendeneingänge bearbeitet. Trotz steigender Zahlen herrscht in
Deutschland jedoch noch immer ein Mangel an Gewebe: In 2021 konnte die
DGFG 73 Prozent aller Anfragen für ein Hornhauttransplantat zeitnah
bedienen; bei den Herzklappen waren es nur 50 Prozent. Jede offene Anfrage
bedeutet für die Patienten ein noch längerer, mit Leid verbundener Weg zum
Erhalt eines erlösenden Transplantats.

Amnionmembran echte Alternative in der Behandlung schwerer Wundheilungen

46 Lebend-Gewebespenden konnte die DGFG in 2021 realisieren. Zur Lebend-
Gewebespende zählt die Spende der Plazenta und der darin enthaltenen
Amnionmembran im Rahmen einer geplanten Kaiserschnittgeburt. In der
Augenheilkunde kommt sie zur Behandlung der Hornhautoberfläche zum Einsatz
und kann als AmnioClip-plus ähnlich wie eine Kontaktlinse auf das
erkrankte Auge gelegt werden. Insgesamt konnte die DGFG 2.072
Amniontransplantate, darunter 74 AmnioClip-plus, vermitteln. Die
wundheilungsfördernden und antientzündlichen Eigenschaften der
Amnionmembran machen sie auch für die Versorgung weiterer Wundgebiete
wertvoll – und führen zu wachsendem Interesse unter Medizinern: Zwölfmal
kam die Amnionmembran bei chronischen Wunden in Form eines „Wundpflasters“
bereits erfolgreich zum Einsatz. Mit der Auszeichnung des Deutschen
Wundpreises 2021 erfährt die Zusammenarbeit zwischen DGFG und dem Rhein-
Maas-Klinikum im Kontext Wundversorgung besondere Wertschätzung.

Erstmals berührungslose Hornhauttransplantation in Deutschland möglich

Eine weitere Errungenschaft in 2021 im Netzwerk der DGFG war die
Einführung der sogenannten LaMEK preloaded: Die bereits vorgeladene
Hornhautlamelle, eine dünne Schicht der Spenderhornhaut, kann von
Augenärzten bei einer speziellen Form der Hornhauttransplantation (DMEK)
berührungsfrei injiziert werden. Diese dünne Schicht wird in einer
Gewebebank im DGFG-Netzwerk bereits vorpräpariert und qualitätsgeprüft,
was hohe Sicherheit für Operateur und Patient garantiert. Die Vermittlung
der LaMEK preloaded erfolgt über die DGFG. Das Transplantationssystem
wurde zusammen mit der Augenklinik Sulzbach und der Geuder AG entwickelt.

25 Jahre Gewebespende – 15 Jahre DGFG

In 2022 begeht die DGFG ihr 15-jähriges Jubiläum. Von 1997 bis 2007
organisierte sie noch als Tochter der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) als Gesellschaft für Gewebetransplantation
(DSO-G) die Gewebespende. Heute profitiert die DGFG von ihren 25 Jahren
Erfahrung in der Gewebemedizin und mit ihr die zahlreichen Patienten, die
Jahr für Jahr mit Gewebe versorgt werden können. Diese beiden Jubiläen
geben der DGFG den Anlass, am 2. Juni 2022 in Hannover im Rahmen einer
öffentlichen Veranstaltung auf die Entwicklungen in der Gewebemedizin
zurückzuschauen sowie Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Den Rahmen wird
die jüngst mit dem German Design Award ausgezeichnete
Fotografieausstellung Gewebespende erleben bilden. Entstanden sind die
Patienten- und Berufportraits, Stillleben und Reportagen in einem
mehrsemestrigen Kooperationsprojekt mit Fotografiestudierenden an der
Hochschule Hannover (HsH). Weitere Informationen zu der
Jubiläumsveranstaltung entnehmen Sie der Internetseite
www.gewebenetzwerk.de/15-jahre-dgfg/.

Über die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in
Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten
und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle
Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre
Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten
Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von
der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die
DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens
getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule
Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-
Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der
Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer
Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in
Deutschland.
Hinweis an die Redaktion: Zahlen zur Gewebespende nach Region und
Bundesland werden gerne auf Anfrage kurzfristig zur Verfügung gestellt.

Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2021 sind vorläufig (Stand 27.12.2021).

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Depressionen oder Schizophrenie können jeden treffen! Neuer Stiftungsfonds fördert psychologische Forschung

Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm  Elvira Eberhardt  Universität Ulm
Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm Elvira Eberhardt Universität Ulm

Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind weit verbreitet - trotzdem
erhalten nicht alle Betroffenen rechtzeitig Hilfe. Diese Erfahrung musste
eine Ulmer Familie machen, deren erkrankter Sohn sich das Leben genommen
hat. Um die psychologische Forschung zur Prävention, Früherkennung und
Behandlung solcher Krankheiten zu stärken, haben Mutter und Bruder des
Verstorbenen einen Stiftungsfonds an der Universität Ulm eingerichtet. Das
Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm ist in diesem
Forschungsfeld nämlich sehr aktiv. Künftig sollen aus dem
Stiftungsvermögen unter anderem Preise für exzellente Dissertationen und
Abschlussarbeiten vergeben werden.

An der Universität Ulm ist der Clemens Gabriel-Stiftungsfonds eingerichtet
worden. Stiftungszweck ist die Förderung von Forschungsprojekten zur
Prävention, Früherkennung und Therapie psychischer Erkrankungen. Die
Zuwendung an die Universität hat einen traurigen Hintergrund: Der Sohn der
Stifterin hat sich unerwartet das Leben genommen. Familie und Freunde
ahnten nicht, dass der Student schwer erkrankt war und psychologische
Hilfe in Anspruch nehmen wollte.

Bundesweit leidet etwa jeder vierte Erwachsene an einer psychischen
Störung. Doch nicht allen Betroffenen kann rechtzeitig geholfen werden.
Diese Erfahrung musste eine Ulmer Familie machen, deren Sohn tot
aufgefunden wurde. Wenige Tage zuvor hatte der 19-Jährige seine seelischen
Probleme offenbart. Den tatsächlichen Leidensdruck haben Familie, Freunde
und Ärzte jedoch nicht erahnt.

Um die Forschung zur Prävention, Früherkennung und Behandlung psychischer
Erkrankungen zu fördern, haben Mutter und Bruder des verstorbenen Uni-
Studenten einen Fonds bei der Stiftung der Universität Ulm eingerichtet.
Künftig sollen aus dem Stiftungsvermögen unter anderem Forschungspreise
für exzellente Dissertationen und Abschlussarbeiten aus der Psychologie
vergeben werden. Auch die fachgebundene Vergabe von Deutschlandstipendien
ist denkbar. „Der Tod unseres Sohnes hat die Familie in den Grundfesten
erschüttert. Mit dem Clemens Gabriel-Stiftungsfonds soll nun die
psychologische Forschung zur Diagnostik und Therapie solcher Erkrankungen
unterstützt werden und mehr Aufmerksamkeit bekommen“, betont die
Stifterin. Betroffene sollten sich trauen, Hilfe zu suchen, denn diese
Krankheiten können vielfältige Ursachen haben und jeden treffen.

Das Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm ist in
diesem Forschungsfeld bereits sehr aktiv: In Zukunft können diese und
weitere Projekte aus dem Stiftungsfonds unterstützt werden.
Im Zuge eines ERC Consolidator Grants ergründet zum Beispiel Professorin
Iris-Tatjana Kolassa (Leiterin Abteilung für Klinische und Biologische
Psychologie) die biologischen Ursachen von Depressionen, die sie als
systemische Energiemangelerkrankung betrachtet. Auslöser können psychische
Dauerbelastungen, Traumata, aber auch  Stressoren wie Infektionen oder
Antibiotikaeinnahme sein, die in Summe Veränderungen im Stoffwechsel sowie
in Entzündungsprozessen auslösen können. Individuelle genetische Faktoren
und Ernährungsfaktoren sind zusätzliche mögliche Risiko- aber auch
Resilienzfaktoren. Iris-Tatjana Kolassas Forschungsziel sind individuell
angepasste biologische Begleittherapien.

Die Prävention von psychischen und internistischen Erkrankungen steht
hingegen im Mittelpunkt des Projekts INFLAME HEALTH: Gemeinsam mit
Forschenden der Universitätsmedizin ergründen die Psychologie-
Professorinnen Cornelia Herbert, Iris-Tatjana Kolassa und Olga Pollatos
die Auswirkungen von Lebensstiländerungen auf die Krankheitsentstehung. Zu
nennen sind beispielsweise körperliche Aktivität oder
Entspannungstechniken.

Erkrankte müssen oft lange warten, bis sie eine Psychotherapie beginnen
können. Daher nimmt Professor Harald Baumeister Online-Interventionen als
Alternative und Ergänzung zur klassischen Präsenztherapie in den Blick. Im
Vorhaben PSYCHOnlineTHEARAPIE erforscht der Abteilungsleiter Klinische
Psychologie und Psychotherapie die Wirksamkeit einer Kombination aus
psychotherapeutischer Routineversorgung und Online-Modulen.

Ein Gütesiegel für das Ulmer Institut Psychologie und Pädagogik sei zudem
die Beteiligung an den entstehenden Deutschen Zentren für Psychische
Gesundheit (DZP) und Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ), betonte
Institutsleiterin sowie Prodekanin Professorin Anke Huckauf bei der
Einrichtungsfeier des Stiftungsfonds.
„Im Namen der Universität Ulm bedanke ich mich bei der Stifterin und ihrer
Familie für die großzügige Zuwendung, die unsere psychologische Forschung
in den Bereichen Diagnostik, Prävention und Therapie weiter voranbringt“,
sagte Professorin Olga Pollatos, Uni-Vizepräsidentin sowie Leiterin der
Abteilung Klinische und Gesundheitspsychologie.

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Klimaresilientes Wassermanagement grenzüberschreitend: Jordanisch- Deutscher akademischer Austausch

Die jordanisch-deutsche Gruppe bei einer Exkursion in Jordanien
Die jordanisch-deutsche Gruppe bei einer Exkursion in Jordanien

Seit vielen Jahren unterhält die Hochschule Koblenz einen intensiven
akademischen Austausch mit zwei jordanischen Partnerhochschulen in Amman,
mit denen sie länderübergreifend gemeinsame Projekte vorantreibt. 27
Studierende und Lehrende von der Deutsch-jordanischen Universität sowie
der Al-Balqaʼ Applied University in Amman waren im Rahmen des kooperativen
Seminars zum Thema "Climate-resilient Cities" zu Gast an der Hochschule
Koblenz. Bei ihrem einwöchigen Aufenthalt beschäftigten sie sich mit
klimaresilientem Wassermanagement sowie mit nachhaltiger Mobilität und
nachhaltigem Bauen. Anschließend unternahmen Studierende und Lehrende der
Hochschule Koblenz einen Gegenbesuch in Jordanien.

Bei ihrem Besuch in Deutschland erkundeten die jordanischen Studierenden
mit Professorinnen und Professoren aus Deutschland und Jordanien aus den
Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen, Umweltingenieurwesen und
Verfahrenstechnik sowie Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Erneuerbare
Energien in Koblenz unter anderem die Innenstadt und südliche Vorstadt
hinsichtlich der Radverkehrsinfrastrukturen. Lokale Fachleute informierten
sie dabei über Besonderheiten im Straßenraum sowie die hiesigen
Verkehrsregelungen und Verkehrszeichen. Eine Teilgruppe war zu Fuß
unterwegs und lotete zum Beispiel in den Rheinanlagen aus, ob und
inwieweit sich Fuß- und Radverkehr auf einer Fläche vertragen. Die zweite
Gruppe radelte gemeinsam mit Prof. Dr. John Schoonbrood von der Hochschule
Koblenz und Arndt Schwab, Verkehrsplaner der Stadtverwaltung, über hiesige
Straßen und Wege. Dabei wurden Lösungen gezeigt, aber auch kritische
Abschnitte befahren. Im Kontext von nachhaltiger Stadtentwicklung
beschäftigten sich die Gäste auch mit dem Koblenzer ÖPNV.

Im Ahrtal konnte sich die Studierenden aus Jordanien ein Bild vom Ausmaß
der Zerstörung machen. Die Gäste informierten sich über die Hintergründe
der Flutkatastrophe und diskutierten in diesem Zusammenhang über
Hochwasserrisikomanagement und mögliche Minderungsmaßnahmen. Eine weitere
Exkursion führte die Gruppe nach Köln, wo sie gemeinsam mit Prof. Jo Ruoff
unter anderem autofreie Viertel, das Clouth Quartier und die historische
Altstadt besichtigten.

„Die Studierenden haben die Ahrtalkatastrophe natürlich als sehr
bedrückend empfunden, zeigten sich ansonsten aber begeistert über die
Eindrücke ihres Aufenthalts in Deutschland, für den einige zum ersten Mal
geflogen waren oder überhaupt ihr Land verlassen hatten“, berichtete Prof.
Dr. Dörte Ziegler, Leiterin des Studiengangs Umwelt-, Wasser- und
Infrastrukturmanagement an der Hochschule Koblenz, „da es in Jordanien
kein Eisenbahnnetz gibt, beeindruckten sie auch die Züge und die
Bahnhöfe“.

Drei Wochen nach dem Besuch der Jordanier an der Hochschule Koblenz folgte
der Gegenbesuch der Koblenzer Studierenden in Jordanien. Bei einem
einwöchigen Aufenthalt in einem der wasserknappsten Länder der Welt
beschäftigten sich die Bauingenieure der Hochschule Koblenz mit
klimaresilienter Stadtentwicklung.

Nachdem in lehrreichen Vorträgen an der German-Jordanien-University und
der Al-Balqa Applied University Themen wie Wasserknappheit,
Wasserversorgung und -management sowie Mobilität in Jordanien erläutert
wurden, sind diese anhand von Exkursionen für die Studierenden greifbar
geworden. Ein Beispiel für die Nutzung erneuerbarer Energien ist der
Hauptcampus der German-Jordanian-University. Dieser wird mit
eigenproduziertem Solarstrom versorgt.

Zu Beginn der Exkursionen stand der Jordan als wichtigste Süßwasserquelle
für Jordanien und Israel im Fokus. Seine immense Bedeutung für die
Wasserversorgung konnte durch die Problematik von versalzenen Stauseen und
äußerst geringer Niederschlagsmenge pro Jahr verdeutlicht werden. Aufgrund
dieser weisen die Stauseen aktuell einen sehr geringen Wasserstand auf,
sodass die Abwasserbehandlung und -aufbereitung umso bedeutender wird.

Ein renommiertes Projekt an der Al-Balqa-University ist die dezentrale
Behandlung und Aufbereitung von Abwässern, die Wiederverwendung des
Wassers für Bewässerung und die damit verbundene Bedarfsreduzierung
konventioneller Wasserressourcen. Die unterschiedlichen Modelle von der
Kleinkläranlage bis zur Pflanzenkläranlage sind im Rahmen eines deutsch-
jordanischen Forschungsprojekts errichtet worden und haben 2018 den
Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erhalten.

Entgegen dem vorherrschenden warmen und trockenen Klima kann es auch in
Jordanien zu Starkregenereignissen und Sturzfluten kommen – Ereignisse,
deren Auftreten der Klimawandel verschärft. Die Sturzflut von 2018 führte
zu massiven Überschwemmungen im Stadtzentrum Amman. Davon besonders
betroffen war der am tiefsten gelegene Stadtteil Downtown. Bei der
Besichtigung Downtowns erläuterte Mr. Mohammed Matouq wurden die
Auswirkungen der Sturzflut. Ein weiteres Ziel war der EcoPark, welcher zum
Schutz und Erhalt ökologischer Lebensräume im Jordan Valley 2004 angelegt
wurde. Als derzeit einzigartiges Konzept in Jordanien sensibilisiert der
EcoPark für nachhaltige Infrastrukturen vor dem Hintergrund des
Klimawandels. Er bietet auf einer Fläche von 2,7 km² neben einem
Klimalehrpfad die Möglichkeit der Naherholung in der Natur für Jung und
Alt.

Zum Bereich der Mobilität stellte die frühere Verkehrsministerin und
jetzige Professorin Dr. Lina Shbeeb Entwicklungspläne für Jordanien vor.
Das momentan vorherrschende Verkehrsmittel in Jordanien ist aufgrund
fehlender Schienennetze und Fahrradwege nach wie vor der Privat-PKW. Ein
kürzlich fertiggestelltes Großprojekt in Amman ist die Schnellbusstrecke,
welche Großteile der Stadt erschließt. Eigens für die Koblenzer
Studierenden gab es eine Sonderfahrt auf dem ersten Streckenabschnitt, der
gerade drei Monate eröffnet ist.

Neben zahlreichen thematischen und fachlichen Fragestellungen sammelten
die Studierenden auch kulturelle Erfahrungen im Land. Dazu zählen
Besichtigungen der UNESCO-Weltkulturerbestätten Petra, Wadi Rum und der
Taufstätte „Bethanien jenseits des Jordans“ (al-Maghtas). Auch ein Bad im
Toten Meer am tiefsten Punkt auf trockenem Land mit ca. 400 m unter dem
Meeresspiegel durfte nicht fehlen. „Besonders die Gastfreundlichkeit und
Herzlichkeit der jordanischen Studierenden bleibt uns in Erinnerung“,
betont Leonie Hörter, Studentin des Bauingenieurwesens im zweiten
Mastersemester.

Gefördert wurden beide Aufenthalte aus DAAD Mitteln zur Förderung der
deutsch-islamischen Hochschulkooperation.

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