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Sechs junge Menschen erleben den „Barnum-Effekt“: Was glauben wir wem und warum

Prof. Dr. Christoph Bördlein begleitete das Experiment in Kooperation mit der Redaktion „Die Frage“.  (Screenshot „Die Frage“, https://www.youtube.com/watch?v=aDgqCQMUma0)
Prof. Dr. Christoph Bördlein begleitete das Experiment in Kooperation mit der Redaktion „Die Frage“. (Screenshot „Die Frage“, https://www.youtube.com/watch?v=aDgqCQMUma0)

Horoskop, Wahrsagung, Coaching: FHWS-Professor zeigt Techniken und Tricks
unseriöser Persönlichkeitsanalysen

„Das kann mir doch nicht passieren“ – sechs junge Menschen nahmen an einer
Persönlichkeitsanalyse teil und sind nach dem psychologischen Experiment
besser gewappnet, Scharlatanen und Scheinwissenschaften auf den Leim zu
gehen. In einem seriös wirkenden Set mit einer Moderatorin und einer
Coachin erhielten die Teilnehmenden Fragebögen, die anschließend
ausgewertet und ihnen als persönliches Profil erläutert wurden.

Angewendet wurde in dem Experiment der sogenannte „Barnum-Effekt“,
abgeleitet vom Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum, der in seiner Manege
für jeden etwas im Programm dabeihatte. Der „Barnum-Effekt“ bezeichnet die
Neigung von Menschen, unspezifische allgemeingültige Aussagen über sich
selbst so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung
empfunden werden könnten. Dr. Christoph Bördlein, Professor an der
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und Mitglied
der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften (GWUP, https://www.gwup.org/), begleitete das Projekt.

Zum Ablauf: Sechs junge Menschen, die sich auf einen Redaktionsaufruf der
Sendung „Die Frage“ zur Teilnahme gemeldet hatten, sollten zur
Persönlichkeitsanalyse ihren Lieblingsgegenstand mitbringen, den
Fragebogen ausfüllen und ein Bild eines persönlichen „perfekten“ Tages
malen. Anschließend nahm die Coachin die Bögen mit, um
Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Eine Stunde später erhielten die
Teilnehmenden ihre Profile und zeigten sich gespannt, ob sie sich mit den
eigenen Empfindungen deckten, wie sie sich selbst sehen und wie sie auf
andere wirken.

Prof. Bördlein begleitete die Abläufe unsichtbar im Hintergrund. Es gehe
um die Frage, was Menschen wem glauben und warum. Im Interview mit der
Moderatorin Lisa-Sophie Scheurell des Formats „Die Frage"
(https://www.youtube.com/watch?v=aDgqCQMUma0) erläuterte er die einzelnen
Schritte sowie die Hintergründe, die Menschen bewegten, Horoskopen,
Wahrsagungen oder vermeintlichen Coaches Glauben zu schenken und ggf. für
Prognosen Geld auszugeben.

Die vermeintlich individuell formulierten Persönlichkeitsprofile des Test-
Plazebos seien sehr allgemein und „schwammig“ gehalten, so Bördlein. So
wurden u.a. Fragen mit der Bitte um zutreffendes Ankreuzen gestellt wie
„Ich arbeite hart“ / „Manchmal bin ich ein bißchen faul“ oder „Ich lebe in
einer glücklichen Beziehung.“ / „Ich bin Single. Es ist kompliziert.“ Im
Persönlichkeitsprofil wurden den Teilnehmenden beispielsweise folgende
Charaktereigenschaften zugesprochen: „Du hast eine Neigung zur
Selbstkritik.“, „In manchen Situationen fällt es dir deutlich leichter zu
reden als in anderen.“ oder „Deine Persönlichkeit weist zwar auch
Schwächen auf, die du aber allgemein auszugleichen weißt.“ Menschen
suchten Belege für das Formulierte, ob es tatsächlich zutreffen könnte.
Mitgebrachte persönliche Gegenstände seien „eine nette Finte“: Sie
offenbarten etwas von den Befragten und machten es glaubhaft, dass das
Persönlichkeitsprofil ganz individuell auf einen selbst gemünzt sei.

Die Umgebung u.a. mit Coachin und Fragebögen vermittele eine Seriosität
des Projektes. Auch die Aufforderung zum Malen eines perfekten Tages zähle
zur Strategie von Scharlatanen: Vielen Beteiligten sei es peinlich, ein
Bild mit Strichmännchen zu malen; sie machten im Rahmen der Befragung
trotzdem mit, weil es dazu gehöre, und erwarteten anschließend, dass es
ihnen etwas bringe im Rahmen der Profilbildung.

Anschließend erhielten die Teilnehmenden ihre Profile. Ohne es zu wissen,
handelte es sich hierbei jedoch um einen identischen, sogenannten
Standard-Barnum-Text. Ihre Reaktionen zu den Charakteristika: „Das würde
ich absolut so unterschreiben – krass“ und „Ich habe das Gefühl, dass das
hundert Prozent passt.“ Der Barnum-Effekt greife, so Bördlein: Die teils
widersprüchlichen wie schmeichelhaften Aussagen werden gern angenommen,
während Aspekte, die als nicht so zutreffend erachtet werden, ausgeblendet
werden. Im Schnitt, so der Wissenschaftler, werden 98 Prozent der Aussagen
in Barnum-Texten für richtig und zutreffend erachtet.

Anschließend wurde das Experiment aufgelöst und die Teilnehmenden über die
wissenschaftlichen Hintergründe aufgeklärt. Der Professor versicherte, das
Verhalten sei keine Schwäche. Die Teilnehmenden hätten sich rational
verhalten und geprüft, inwiefern der Profiltext stimmen könnte; sie hätten
ihn gelesen in der Annahme, dieser sei individuell angefertigt worden. Die
Kommentare der jungen Beteiligten: „So würde man sich selber eigentlich
beschreiben“ und „Ich habe gemerkt, wie gutgläubig ich bin.“ Ihr Fazit:
Sie wollen künftig bei vermeintlichen Fakten mehr hinterfragen, was ihnen
gesagt werde.

Bereits 1948 wurde das Experiment durchgeführt

Bereits 1948 hatte der Psychologe Bertram R. Forer dieses Experiment mit
Studierenden durchgeführt. Anschließend händigte er die angeblichen
Testergebnisse aus und forderte die Teilnehmenden dazu auf, den
Wahrheitsgehalt dieser Auswertung zu bewerten. Der Durchschnitt lag bei
4,26 von 5 Punkten, die Auswertung wurde also mehrheitlich als zutreffend
gewertet. Tatsächlich hatte Forer den Test nicht ausgewertet, sondern
allen Teilnehmenden dieselbe Charakterisierung ausgehändigt. (Barnum-
Effekt, https://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt)

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Weltkatalog der Spinnentiere fördert grenzenlose Forschung

Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles  LIB, Nadine Dupérré
Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles LIB, Nadine Dupérré

Grenzenlose Spinnentierforschung: Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere
(World Arachnid Catalog, WAC) ist jetzt eine neue internationale
Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen.
Dieses interaktive Arbeitsmedium soll der weltweit verbundenen
arachnologischen Gemeinschaft als primäre Quelle zu taxonomischen Daten
sowie neuster Literatur dienen und deren Forschung fördern. Das Leibniz-
Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat als
Kooperationspartner einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der Plattform
geleistet.

Der World Arachnid Catalog (WAC) gründet auf dem im Internet frei
zugänglichen und 2014 neu aufgelegten Weltspinnenkatalog (World Spider
Catalog). Unter Leitung des Naturhistorischen Museums Bern (Schweiz) hatte
er einen Standard für taxonomische Kataloge gesetzt.

Mit dem Ausbau zum WAC bezieht die zugrunde liegende Datenbank erstmals
Informationen zu bisher wenig berücksichtigten weiteren Ordnungen der
Spinnentiere mit ein. Dank der kuratorischen Arbeit von Dr. Danilo Harms,
Kurator und Sektionsleiter Arachnologie am LIB, Hamburg, und seinen
Kolleginnen und Kollegen aus Perth (Australien) wird hier nun gebündelt
der Großteil der taxonomischen Literatur für Pseudoskorpione und weitere
Spinnentierordnungen wie beispielsweise Geißelspinnen und Geißelskorpione
bereitgestellt.

„Die neue Datenbank bietet damit einen großen Diversitätsgewinn und legt
die Grundlage zu einer vollständigen Erfassung aller Arten der
Spinnentiere“, betont Harms. Zudem listet der WAC auch die fossilen Arten
aus den einzelnen Spinnentierordnungen auf, so dass neben der heutigen
Vielfalt auch die Diversität über die Zeit abgeschätzt werden kann.
Basierend auf einer über 80-jährigen Tradition stellt der neue WAC
kuratierte Informationen kostenlos und leicht zugänglich bereit. Im Sinne
einer dynamischen, interaktiven und gemeinschaftlich gepflegten Datenbank
sind Rückmeldungen sowie Vorschläge von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern erwünscht. Kontinuierlich überprüfen Expertinnen und
Experten die Informationen und aktualisieren die Einträge. Zudem
gewährleistet ein wissenschaftlicher Beirat einen hohen akademischen
Standard. So soll der WAC fortlaufend auf hohem Niveau weiterentwickelt
werden. „Wir hoffen, dass der neue Katalog die grenzüberschreitende
Forschung sowie die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten und
Erkenntnisse für Arachnologen in aller Welt erleichtert“, betont Harms.

Im neuen Weltkatalog der Spinnentiere fließen internationale
Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahrhunderten zusammen.
Inhaltlich ist es ein Zusammenschluss bislang getrennt gepflegter
Kataloge: die des äußerst erfolgreichen World Spider Catalog, des
Pseudoscorpions of the World Catalog und der Smaller Arachnid Order
Catalogues. Die neue digitale Plattform bietet gebündelt alle verfügbaren
taxonomischen Informationen inklusive Literatur zu acht der aktuell zwölf
Spinnentierordnungen (Amblypygi, Araneae, Pseudoscorpiones, Ricinulei,
Palpigradi, Schizomida, Solifugae und Uropygi). Aktuelle Zählungen von
Familien, Gattungen und Arten werden zusammen mit der aktuellen Taxonomie
und der kompletten Nomenklatur für jede Ordnung angegeben.

Die Geschichte dieser Kataloge reicht in die erste Hälfe des 20.
Jahrhunderts zurück. Die Basis bildeten die Forscher Pierre Bonnet
(University of Toulouse, Frankreich), Carl Friedrich Roewer
(Überseemuseum, Bremen), und Norman Platnick (American Museum of Natural
History, New York). Bonnets von 1945 bis 1961 veröffentlichte Bände geben
einen detaillierten Überblick über die bis 1939 erschienene Literatur zu
allen Aspekten der Spinnenbiologie. Hier knüpft Roewers Spinnenkatalog an,
der das Spektrum der 1940 bis 1954 erschienenen taxonomischen Literatur
zur Arachnologie abdeckt. Ab Mitte der 1980er Jahre spielte Norman I.
Platnick vom American Museum of Natural History New York eine wichtige
Rolle in der Fortführung und stellte seinen World Spider Catalog 2000 frei
verfügbar ins damals noch neue Internet. 2014 schließlich übernahm das
Naturhistorische Museum Bern (Schweiz) die Federführung des
internationalen Spinnenkatalogs, der damals zu einer echten Datenbank
verbessert und jetzt zum WAC ausgebaut wurde.

Danilo Harms: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Daten
verschiedener Kataloge nun hier im WAC in aktualisierter Form für die
Forschung zugänglich zu machen. Der WAC wird die arachnologische Forschung
dynamisieren und insbesondere Forscherinnen und Forschern in weniger gut
ausgestatteten Institutionen Zugang zu Spezialliteratur und
wissenschaftlichen Daten ermöglichen. Dies ist insbesondere wichtig für
Spinnenforschende in den extrem biodiversen Tropen, wo auch die meisten
Arten vorkommen“.

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Notfallhilfe für autistische Menschen mit dem digitalen Gesundheitspass

Carola Niekisch (links) entwickelte gemeinsam mit dem Medizininformatik-Studenten Tino Nicksch und der Akademischen Mitarbeiterin Dr. Katja Orlowski eine App als digitalen Gesundheitspass für Menschen mit Autismus.  Bianca Kahl  THB
Carola Niekisch (links) entwickelte gemeinsam mit dem Medizininformatik-Studenten Tino Nicksch und der Akademischen Mitarbeiterin Dr. Katja Orlowski eine App als digitalen Gesundheitspass für Menschen mit Autismus. Bianca Kahl THB

Die Unternehmerin und engagierte Mutter Carola Niekisch wurde gemeinsam
mit ihrem Ehemann mit dem Brandenburger Inklusionspreis für ihren
unermüdlichen Einsatz für Menschen mit Autismus ausgezeichnet. Gemeinsam
mit der Technischen Hochschule Brandenburg hat sie einen digitalen
Gesundheitspass entwickelt, der bald auch anderen Menschen in
Notsituationen helfen könnte.

„Menschen mit Autismus verhalten sich unter Umständen nicht so, wie es
erwartet wird. Das betrifft zum Beispiel Notfallsituationen, in denen sie
sehr aufgeregt sein können und dann am besten nicht angefasst werden
sollten“, erklärt Carola Niekisch, die einen autistischen Sohn großgezogen
hat. Aufgrund der eigenen Erfahrungen und der damit verbundenen
Schwierigkeiten gründete sie die „Selbsthilfegruppe Autismus Brandenburg“,
hält Vorträge und hat ein Kinderbuch geschrieben.

Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Brandenburg hat Carola Niekisch
eine App entwickelt, mit deren Hilfe sich Menschen mit Autismus in
Notfallsituationen ausweisen können: den digitalen Gesundheitspass. Die
Verantwortung dafür tragen die Akademische Mitarbeiterin Dr. Katja
Orlowski sowie der Medizininformatik-Student Tino Nicksch. Mit der App
kann ein individueller QR-Code erzeugt werden. Dieser liefert wichtige
Informationen zur Person und zu besonderen Verhaltensweisen in
Notsituationen. Das könnte zum Beispiel bei Problemen während der
Fahrkartenkontrolle im Öffentlichen Nahverkehr helfen. Außerdem werden
Kontaktdaten von Angehörigen bereitgestellt, sodass diese bei Bedarf
informiert werden können.

Der digitale Gesundheitspass hält zwei verschiedene Varianten des QR-Codes
bereit, die entweder online oder offline genutzt werden können. Der
jeweilige QR-Code kann vorgezeigt werden, um die Situation unter Kontrolle
zu halten. Er verweist entweder auf eine dynamische Webseite und zeigt
dort die eingegebenen Daten an oder öffnet eine Textdatei auf dem
Smartphone, sofern keine Internetverbindung besteht.

„Perspektivisch könnten wir die Informationsübermittlung auch mithilfe des
generierten QR-Codes auf einem Armband, Schlüsselanhänger, Anstecker oder
an einer Halskette lösen“, erklärt Dr. Katja Orlowski und die Initiatorin
Carola Niekisch ergänzt: „Ebenso kann ich mir ganz andere Aufgabenbereiche
vorstellen, zum Beispiel als Medikamentenausweis für chronisch Kranke oder
in Situationen, wenn demenzkranke Menschen das Pflegeheim verlassen und
sich verirren.“ Aktuell sucht sie nach Finanzierungsmöglichkeiten für die
Weiterentwicklung der App. Der bisherige Stand konnte mithilfe des
Brandenburgischen Innovationsgutscheines verwirklicht werden, über den
unter anderen Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie
Digitalisierungsmaßnahmen von kleinen und mittelständischen Unternehmen
gefördert werden. Für die förderfähigen Forschungsarbeiten an der
Technischen Hochschule Brandenburg im Auftrag von Unternehmen steht Kevin
Schuster zur Beratung zur Verfügung.

Nähere Informationen zu Carola Niekisch‘ Engagement für Menschen mit
Autismus sind im Internet erhältlich: https://autismusgruppe-in-
brandenburg.de
Die entwickelte App soll demnächst dort kostenlos zum Download zur
Verfügung stehen.

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Technologieentwicklung für kohlenstoffreie Energiesysteme geht in die Umsetzung

Ammoniak-Bunkerschiff
Ammoniak-Bunkerschiff "Odin" INP e.V.

Das Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“, seit 2017 am
Start, schreitet voran. 23 Bündnisse, im August 2021 im Rahmen von „WIR!“
ausgewählt, befinden sich nun in ihrer sechsjährigen Umsetzungsphase.
„Wir unterziehen CAMPFIRE jetzt einer „Soll-Ist-Analyse“ hinsichtlich
neuer notwendiger Lösungs- und Strategieansätze einschließlich der bis
jetzt abgeleiteten Förderprojekte und weisen in einem erweiterten Konzept
unsere nächsten Schritte aus", erklärt Dr. Angela Kruth, Koordinatorin &
Sprecherin von CAMPFIRE.

Deutschlands Ziel ist es, bis zum Jahr 2045 weitgehend treibhausgasneutral
zu werden.  Mindestens 80 Prozent der Stromversorgung und 60 Prozent der
gesamten Energie-versorgung sollen dann aus Erneuerbaren Energien
bereitgestellt werden. Das gegen-wärtige Energiesystem soll dabei in ein
emissionsfreies, auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem
transformiert werden.

„Im Rahmen der Soll-Ist-Analyse von CAMPFIRE überprüfte unser
unternehmens-geführtes Strategieteam und unser Fachbeirat den CAMPFIRE-
Ansatz für ein zukünftiges globales, kohlenstofffreies Ammoniak-
Wasserstoff-Energiesystem und entwickelte die notwendigen Strategie dazu
weiter“, so Dr. Angela Kruth.

„CAMPFIRE“ steht für einen nachhaltigen Strukturwandel in der Region Nord-
Ost mittels Aufbau innovativer Pfade und der Erschließung wirtschaftlicher
Vorteile für kleine und mittelständige Unternehmen in der Region Nord-Ost,
die hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommer (M-V) liegt. Die mittlerweile
72 Partner, vorrangig ansässig in der Region Nord-Ost, verfolgen gemeinsam
das Ziel der Entwicklung exportfähiger Technologien zur NH3-Erzeugung,
Transport sowie Nutzung als Kraftstoff und Energiespeicher.

In der nächsten Phase der Umsetzung geht es vorrangig um den
Technologietransfer und die Verstetigung wissenschaftlicher Erfindungen im
Markt mit dem Ziel der Erzeugung von Ammoniak (NH3) zur Nutzung als
Kraftstoff zu Wasser und zu Land. Dazu zählt die Realisierung
erforderlicher Forschungsschnittstellen im Rahmen von TransHyDE, dem
CAMPFIRE-Umsetzungsprojekt. Es ist eines der drei Wasserstoff-Leitprojekte
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aus dem
Zukunftspaket zur Umsetzung der 2020 beschlossenen „Nationalen
Wasserstoffstrategie" in Deutschland. Im Detail bedeutet es die
Adressierung von Forschungsschnittstellen zur saisonalen Erzeugung von
grünem Ammoniak, zum Bau von Betankungsanlagen für den Import von grünem
NH3 von Schiff zu Land sowie von Schiff zu Schiff, die Schaffung
lastflexibler Ammoniak-Anlagen zur saisonale Erzeugung von NH3 aus
erneuerbarer Energie inclusive dynamischer Wandlungstechnologien für eine
stationäre und mobile Energieversorgung sowie den Bau von Ammoniak-zu-
Wasserstoff-Tankstellen in Verbindung mit dem Aufbau der dazugehörigen
Logistik sowie die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Nutzung von NH3 und
Wasserstoff für Brennstoffzellen, Ammoniakcracker und saisonale Mikro-
Haber-Boschverfahren zur Energiespeicherung.

Über allem steht eine kohlenstoffreie, sichere Energieversorgung.
Langfristig entstehen effektive wirtschaftliche Wege zur Verminderung des
globalen Kohlendioxidgehaltes in der Erdatmosphäre. „Wir sorgen jetzt in
Phase Nr. 2 von „WIR!“ mit der Schaffung einer „Open Innovation Plattform“
für eine Verstetigung der industriellen und wissenschaftlichen
Schwerpunktsetzung von „CAMPFIRE“. Unser Ziel ist dabei die Gründung der
CAMPFIRE gAG“, so Angela Kruth.

„WIR!“ richtet sich an breit angelegte regionale Bündnisse wie das
regionale Partner-Bündnis „CAMPFIRE“ unter der Koordination des Leibniz-
Institutes für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP) in Greifswald
und der strategisch-technologischen Leitung des Zentrums für
Brennstoffzellentechnik in Duisburg. Auf dem Industriegelände der YARA
Rostock am Standort Poppendorf werden im Rahmen des CAMPFIRE-Umsetzungs-
projekte im BMBF - Leitvorhaben TransHyDE dafür industrierelevante Prüf-
und Testfelder im COIL - CAMPFIRE Open Innovation Lab für die neuen
Ammoniak-Technologien aufgebaut.

Die Fördermaßnahme „WIR!“ ist Teil der Programmfamilie „Innovation &
Strukturwandel“, mit der das BMBF den Wandel in strukturschwachen Regionen
unterstützt. Allein bis 2025 stehen für „Innovation & Strukturwandel“ rund
600 Millionen Euro bereit.

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