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Innovative Düngeverfahren: Weniger Emissionen bei Gülle-Düngung wachsender Bestände

Ein Verbundprojekt mit Beteiligung der Universität Hohenheim in Stuttgart untersucht, wie möglichst wenig Treibhausgas- und Ammoniakemissionen beim Düngen mit Gülle und Gärresten in wachsende Bestände entstehen.  Caroline Buchen-Tschiskale  Thünen-Institut
Ein Verbundprojekt mit Beteiligung der Universität Hohenheim in Stuttgart untersucht, wie möglichst wenig Treibhausgas- und Ammoniakemissionen beim Düngen mit Gülle und Gärresten in wachsende Bestände entstehen. Caroline Buchen-Tschiskale Thünen-Institut

Verbundprojekt mit Beteiligung der Uni Hohenheim untersucht, wie möglichst
wenig Treibhausgas- und Ammoniakemissionen beim Düngen mit Gülle und
Gärresten entstehen.

Bis zu 55 Prozent weniger Ammoniak-Emissionen durch innovative Methoden:
Wirtschaftsdünger, wie Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen ließen sich
erheblich umweltschonender auf die Äcker und Wiesen ausbringen. Das zeigen
erste Ergebnisse eines Verbundprojekts mit Beteiligung der Universität
Hohenheim in Stuttgart. Das Projekt nimmt ein Problem ins Visier, das die
Düngeverordnung von 2017 sowie deren Novelle von 2020 noch verschärft hat,
da verstärkt bereits bewachsene Felder gedüngt werden, bei denen der
Dünger nicht in den Boden eingearbeitet werden kann. Für das vom
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit etwa 1,7
Millionen Euro geförderte Verbundprojekt erhält Dr. Reiner Ruser vom
Fachgebiet Düngung und Bodenstoffhaushalt der Universität gut 360.000 Euro
an Fördermitteln. Das macht es dort zu einem Schwergewicht der Forschung.

„Wirtschaftsdünger setzen nicht nur große Mengen an Ammoniak frei, das
auch die menschliche Gesundheit schädigen kann. Den Pflanzen geht dadurch
auch Stickstoff als wichtiger Nährstoff verloren“, erklärt Dr. Ruser. „So
müssen nach der europäischen Richtlinie zur Luftreinhaltung bis 2030 die
Ammoniakemissionen in Deutschland um 29 Prozent gegenüber 2005 reduziert
werden.“

Außerdem trägt unter anderem aufgrund des intensiven Einsatzes von
Stickstoffdünger in Deutschland die Landwirtschaft mit etwa sieben Prozent
zu den gesamten Treibhausgasemissionen bei. Rund die Hälfte davon wird aus
landwirtschaftlich genutzten Böden in Form von Lachgas (N2O) freigesetzt,
das ein wesentlich stärkeres Treibhausgaspotenzial hat als Kohlendioxid.

Eine große Rolle bei der Freisetzung dieser Gase spielen neben der
Düngermenge auch die Techniken, mit denen der Dünger auf die Äcker und
Grünflächen ausgebracht wird. Wie innovative, emissionsarme
Ausbringungstechniken aussehen können, untersuchen Forschende im
Verbundprojekt „Minderung von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen und
Optimierung der Stickstoffproduktivität durch innovative Techniken der
Gülle- und Gärresteausbringung in wachsende Bestände“ – GülleBest.

Ansäuern reduziert die Ammoniakfreisetzung

Erste Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede bei der
Ammoniakfreisetzung. Vor allem das Ansäuern von Gülle und Gärresten
erweist sich als besonders effektiv: „Wenn wir einen pH-Wert von ca. 6,0
erreichen, den üblicherweise auch der Boden aufweist, können wir die
Ammoniak-Emissionen um bis zu 55 Prozent reduzieren“, sagt Dr. Ruser,
Mitarbeiter von Prof. Dr. Torsten Müller im Fachgebiet Düngung und
Bodenstoffhaushalt.

Auch die Befürchtung, dass es dadurch zu einer vermehrten Freisetzung von
Lachgas kommen könnte, hat sich nicht bestätigt. Was ihn und seinen
Doktoranden Christoph Essich, dessen Arbeitsschwerpunkt auf der Erfassung
der Lachgas-Emissionen liegt, besonders freut.

Allerdings ist die Technik zur Ansäuerung in Deutschland noch nicht weit
verbreitet und weitere Untersuchungen zur Optimierung der Ansäuerung, wie
pH-Wert, Arbeitssicherheit im Umgang mit konzentrierter Schwefelsäure und
mögliche alternative Methoden sind aus Sicht der Wissenschaftler sinnvoll.

Innovative Ausbringungstechniken können Emissionen reduzieren

Vor allem in Kombination mit der so genannten Schleppschuhtechnik ist die
Ansäuerung auf Grünlandböden sehr effektiv. Dabei handelt es sich um einen
Metallschuh, der das Gras zur Seite drückt, so dass die Gülle direkt auf
den Boden gelangen kann. Außerdem werden im Projekt GülleBest die
Schlitztechnik auf Acker- und Grünland sowie die Ausbringung über einen
Schleppschlauch auf Acker untersucht. Bei der Schlitztechnik wird die
Grasnarbe aufgeschnitten, bevor anschließend die Gülle injiziert wird, und
Schleppschläuche ermöglichen die Ausbringung sehr dicht am Boden zwischen
Weizenreihen.

Zusammen mit den Projektpartnern testen Dr. Ruser und Christoph Essich
verschiedene Ansätze bei wachsenden Beständen, wie beispielsweise auf
Feldern, auf denen Winterweizen oder Gras wächst, in einem Netzwerk
abgestimmter Feldversuche. Zusätzlich erfassen die Forschenden die
Stickstoff-Aufnahme durch die Pflanzen und beurteilen die ökonomischen und
betrieblichen Vor- und Nachteile.

Bislang führen alle getesteten Techniken zu vergleichbaren Erträgen,
sowohl beim Kornertrag des Winterweizens als auch bei der Biomasse-
Produktion des Grünlands, unterscheiden sich aber in ihren
Ammoniakemissionen. So könnten gerade bei wachsenden Kulturen innovative,
emissionsarme Techniken dazu beitragen, den Nährstoffbedarf der Kulturen
optimal zu bedienen und Stickstoffdünger einzusparen. Durch die
Reduzierung von klima- und umweltbelastenden Emissionen im Pflanzenbau
leisten sie zudem einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Ziel: Ableitung von Düngeempfehlungen für möglichst viele Standorte

Übergeordnetes Ziel von GülleBest ist es, aus den gewonnenen Daten
Düngeempfehlungen für organische Dünger bei unterschiedlichen
Bodenbeschaffenheiten und Standortseigenschaften für Winterweizen und
Grünland ableiten zu können. „Durch die Vorgaben der 2017 in Kraft
getretenen Düngeverordnung verlagert sich die Ausbringung zunehmend ins
Frühjahr und in bereits mit Pflanzen bewachsene Felder, beispielsweise mit
Wintergetreide“, sagt Dr. Ruser. „Dadurch können flüssige
Wirtschaftsdünger nicht in den Boden eingearbeitet werden, und die Gefahr
erhöhter Ammoniakemissionen steigt.“

Weitere Informationen:
Projekt-Website: https://www.guellebest.de/
Expertenliste Precision Farming / Smart Farming / Farming 4.0 /
Landwirtschaft 4.0: https://www.uni-hohenheim.de/expertenliste-precision-
farming
Expertenliste Klimawandel: https://www.uni-hohenheim.de/expertenliste-
klimawandel

HINTERGRUND: „Minderung von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen und
Optimierung der Stickstoffproduktivität durch innovative Techniken der
Gülle- und Gärresteausbringung in wachsende Bestände“ – GülleBest

Ziel des Verbundprojektes GülleBest ist es, innovative und emissionsarme
Ausbringungstechniken zu untersuchen, um Düngeempfehlungen für
unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, Nutzpflanzen und organische Dünger
treffen zu können.

Am Projekt beteiligt sind neben den Hohenheimer Forschenden die Christian-
Albrechts-Universität zu Kiel, die Hochschule Osnabrück und die Samson
Agro A/S. Die Gesamtkoordination liegt beim Thünen-Institut in
Braunschweig. Projektstart war am ersten September 2018, das
voraussichtliche Ende wird der 31. März 2022 sein.

Für das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über
die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit etwa 1,7
Millionen Euro geförderte Verbundprojekt erhält die Universität Hohenheim
gut 360.000 Euro an Fördermitteln.

HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung

33,8 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der
Universität Hohenheim 2020 für Forschung und Lehre. In loser Folge
präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende
Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000
Euro für apparative Forschung bzw. 150.000 Euro für nicht-apparative
Forschung.

Mehr Schwergewichte der Forschung: https://www.uni-hohenheim.de
/drittmittelstarke-forschungsprojekte

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Dem Denken auf der Spur

Oswald Külpe hatte von 1894 bis 1909 die Professur für Philosophie einschließlich der Ästhetik an der Uni Würzburg inne. In dieser Zeit ist vermutlich das Foto entstanden, das ihn mit einem Doppelschallpendel zeigt.  Adolf-Würth-Zentrum  AWZ / Universität Würzburg
Oswald Külpe hatte von 1894 bis 1909 die Professur für Philosophie einschließlich der Ästhetik an der Uni Würzburg inne. In dieser Zeit ist vermutlich das Foto entstanden, das ihn mit einem Doppelschallpendel zeigt. Adolf-Würth-Zentrum AWZ / Universität Würzburg

Seit 125 Jahren existiert das Institut für Psychologie der Universität
Würzburg. Bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 1896 brachte es eine
weltbekannte Schule hervor: Die Würzburger Schule der Denkpsychologie.

Irgendwann im Jahr 1900: Konzentriert sitzt Oswald Külpe (1862-1915),
Inhaber der Würzburger Professur für Philosophie einschließlich der
Ästhetik, als Versuchsperson im ersten Stockwerk oberhalb der Bibliothek
in der Alten Universität. Külpe hatte die Räume seit dem Wintersemester
1896 für Forschungszwecke und für seine Lehre in der Psychologie zunächst
widerruflich überlassen bekommen, nachdem ihre vorherigen Nutzer in den
Neubau am Sanderring umgezogen waren.

Sein engster und einziger Mitarbeiter Karl Marbe (1869-1953) ist der
Versuchsleiter. Gemeinsam arbeiten sie mit der neu konzipierten Methode
der kontrollierten systematischen Introspektion daran, dem Denken seine
Geheimnisse zu entlocken. Schnell wächst das Duo um interessierte
Studenten und ausländische Gastwissenschaftler an. Eine ganze Reihe von
Forschungsarbeiten entstehen und berichten über neue Entdeckungen über das
Denken in seinen vielfältigen Facetten. Bald ist man sich sicher, dass so
manche gängige Lehrmeinung und besonders die damals weit verbreitete
Assoziationspsychologie zumindest in Teilen unzureichend ist.

Das Denken – so Külpe und Marbe – ist zwar manchmal anschaulich, viel
häufiger jedoch unanschaulich, ein oft nur schwer verbal zu beschreibender
Prozess, dem man den Begriff „Bewusstseinslagen“ gab. Diese können aber
durchaus von Gefühlen der Anspannung, ja gar der Erregung begleitet sein,
um sich schließlich durch eine plötzliche Einsicht in einen Zusammenhang,
in eine Erkenntnis oder in eine Problemlösung, in einem befreienden ‚Aha-
Erlebnis‘ zu entladen.

Das Aha-Erlebnis – eine Entdeckung der Würzburger Denkpsychologie

Ja, tatsächlich, das „Aha-Erlebnis“ wurde in Würzburg entdeckt – und zwar
von Karl Bühler (1879-1963), einem bekannten Mitstreiter der Würzburger
Schule, der dieses jedermann bekannte Phänomen 1908 im Rahmen seiner
Habilitationsschrift publizierte. Gleichermaßen wie die „Röntgenstrahlen“
trat der Begriff einen Siegeszug um die Welt an, und genauso wie bei
Röntgen wissen die meisten nicht, dass die Universität Würzburg der
Geburtsort war.

Wie nur zu oft standen die neuen Erkenntnisse bald in einem heftigen und
öffentlich ausgetragenen Konflikt mit den althergebrachten. Kein geringer
als der Urvater der Psychologie, Wilhelm Wundt (1832-1920), attackierte
die Schüler seines einstigen und langjährigen Assistenten Oswald Külpe
aufs Heftigste. Wundt hatte dabei wohl nicht bedacht, dass er damit die
Würzburger Schule erst so richtig bekanntmachte.

Durch diese wissenschaftlichen Erfolge wurde Oswald Külpe, seit 1894 an
der Alma Julia tätig, zu einem begehrten Berufungskandidaten. Bereits 1903
versuchte ihn die Universität Stanford in Kalifornien abzuwerben, und 1904
folgte die Universität Münster mit einem Ruf. Beide konnten noch abgewehrt
und Külpe zum Bleiben bewegt werden. 1909 wurde dann das Werben der
Universität Bonn zu intensiv, und Külpe verließ Würzburg, um sowohl in
Bonn und nachfolgend auch an der Münchner Universität weitere
psychologische Institute zu begründen.

Das Institut in einem Vierteljahrhundert unter Karl Marbe

Für die dadurch frei gewordene Professur wünschte sich die Fakultät Karl
Marbe nach Würzburg zurück, der zwischenzeitlich an die Hochschule für
Handels- und Sozialwissenschaften, den Vorgänger der 1914 gegründeten
Universität Frankfurt, berufen worden war. Der Ruf gelang, und Marbe war
von 1909 bis 1935 als Ordinarius für Psychologie tätig.

Sicher führte er das Institut durch die ausgehende Kaiserzeit, den Ersten
Weltkrieg, durch die Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik bis in das
Dritte Reich.

Obwohl er noch nicht die damalige Altersgrenze von 68 Jahren erreicht
hatte, wurde ihm ein neues „Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung
von Hochschullehrern aus Anlaß des Neuaufbaus des deutschen
Hochschulwesens“ vom 21. Januar 1935 zum Verhängnis. Dieses erlaubte es,
unliebsam gewordene Professoren vorzeitig aus dem Amt zu entfernen. Marbe
war unliebsam geworden, nicht nur, weil seine Frau jüdischer Herkunft war
und er die Scheidung verweigerte, sondern auch, weil er sich erdreistete,
noch 1935 den Juden und späteren Rabbiner Leo Trepp die Promotionsprüfung
abzunehmen.


Psychologische Erklärung der NS-Verführungsmechanismen

Die Forschungsleistungen des von Marbe geleiteten Instituts waren
beachtlich und außerordentlich vielfältig. Neben zahlreichen Arbeiten zur
Angewandten Psychologie, der damaligen Psychotechnik, sticht sein großes,
zweibändiges Werk über die Gleichförmigkeit in der Welt (1916, 1919)
hervor, aus dem er zwischen 1943 und 1945 im Geheimen eine kleine Schrift
zur psychologischen Erklärung der Verführungsmechanismen der
Nationalsozialisten ableitete. Hätte eine bösartige Denunziation zu ihrer
Entdeckung geführt, wäre es vermutlich um das Ehepaar Marbe geschehen
gewesen.

Standhaft ertrugen die beiden die Anfeindungen der NS-Zeit, wobei Marbe
zustattenkam, dass er sich in juristischen Kreisen als einer der ersten
psychologischen Rechtsgutachter hohes Ansehen erworben hatte. Im Angesicht
des Todes überstand das Ehepaar Marbe auch die verheerende Bombennacht am
16. März 1945, die Würzburg beinahe auslöschte.

Der eher unscheinbare Carl Jesinghaus in der NS-Zeit

Auf Marbe folgte 1935 der von der NSDAP Reichsleitung in Berlin gegen
jegliche Voten der Fakultät eingesetzte Carl Jesinghaus (1886-1948). Er
hatte vor seiner Rückkehr nach Deutschland eine Professur in Argentinien
inne, war ein am Wundtschen Institut in Leipzig ausgebildeter
Experimentalpsychologe und damit selbst Marbe lieber, als wenn ein
Philosoph wieder die für die Psychologie errungene Professur bekäme.

Jesinghaus war wenig auffällig, publizierte kaum und wenn, dann in
Spanisch. 1938 gelang es ihm, das Institut aus der Alten Universität in
die Klinik Straße 8 zu verlegen und es damit zu erweitern und zu
modernisieren. Auch die mit Kriegsbeginn oft angeordnete Schließung vieler
Institute konnte er für die Psychologie verhindern, und so gingen
Forschung und Lehre unter den zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen
des Krieges weiter. Am späten Abend des 16. März 1945 war damit Schluss.
Das Institut brannte im Phosphorhagel bis auf die Grundmauern nieder.

Wie Phönix aus der Asche

Bereits im Frühjahr 1946 suchte man nach einer Neubesetzung des Instituts
für Psychologie. Der Dresdener Psychologe Gustav Kafka (1883-1953) war im
Gespräch. Kafka war 1933 aus Protest aus der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie ausgetreten, als diese vorauseilend die jüdischen Mitglieder
ausschloss.

Mit Hilfe eines befreundeten Arztes soll es ihm gelungen sein, eine
schwerwiegende Erkrankung so überzeugend vorzutäuschen, dass er noch in
jungen Jahren bei Erhalt der Bezüge in den Ruhestand versetzt wurde. Kafka
entzog sich so dem NS-Regime und wartete auf dessen Ende, das er trotz
Brandverletzungen in den Dresdner Bombennächten mit viel Glück noch
erleben durfte.

Als er nach Würzburg kam, soll er nur eine Hose besessen haben. Studenten
nähten ihm eine alte Militärhose um und schenken sie ihm anonym,
wohlwissend, dass er ansonsten zu zurückhaltend und bescheiden gewesen
wäre, um sie anzunehmen.

In einem Kellerraum am Sanderring 2 stand das Institut für Psychologie
unter Kafka wieder auf und nicht nur das: Kafka gelang es auch, die
Deutsche Gesellschaft für Psychologie im amerikanischen Sektor neu zu
begründen. Von 1951 bis kurz zu seinem Tod 1953 wurde er ihr Präsident.
Durch Gustav Kafka erhielt das Institut für Psychologie wieder Rang und
Namen.

Wilhelm Arnold legte den Grundstein für eine langanhaltende Ausbauphase

Auf Kafka sollte Wilhelm Arnold (1911-1983) folgen. Arnold war
hauptamtlich als Psychologe in höherer Position bei der Anstalt für
Arbeitsvermittlung in Nürnberg tätig, bevor er den Ruf nach Würzburg
annahm. Auch hier hat die Politik kräftig mitgemischt, denn Arnold war
nicht der Wunschkandidat der Fakultät, aber Gründungsmitglied der CSU in
Nordbayern. Die so düpierte Universität grollte jedoch nicht lange mit dem
Ministerium, denn Arnold setzte den Auf- und Ausbau des Instituts für
Psychologie sehr erfolgreich fort.

Bereits 1956 konnte in der Domerschulstraße 13 ein neues Domizil für die
Psychologie eingeweiht werden. Es war damals eines der am besten
ausgestatteten Institute für Psychologie und dies nicht zuletzt, weil es
Arnold über seine Kontakte in die Wirtschaft gelungen war, lukrative
Forschungsaufträge an Land zu ziehen. Selbst eine Außenstelle hatte das
Institut in dem zwischen Rom und Neapel gelegenen Sezze. Hier wurden unter
Leitung von Dr. Hermann Forster sprachvergleichende und
völkerpsychologische Forschungen betrieben. Das hatte einen durchaus
pragmatischen zeitgeschichtlichen Hintergrund, denn Professor Arnold war
an der Entwicklung von Auswahlverfahren für italienische Gastarbeiter
interessiert.

Arnold war von seiner Art her eher ein gewiefter Wissenschaftspolitiker
als ein in sich versunkener, tiefsinniger Grundlagenforscher.
Konsequenterweise wurde er von 1964 bis 1966 als erster Psychologe Rektor
der Alma Julia. Er nutzte diese Möglichkeiten und initiierte mit der
Einrichtung einer zweiten Professur die bis heute anhaltende Ausbauphase
der Psychologie.

Zahlreiche neue Lehrstühle

Bereits 1966 wurde Ludwig Pongratz (1915-1995) auf den Lehrstuhl II
berufen und vertrat fortan unter anderem die klinische Psychologie. 1975
folgte die Einrichtung des Lehrstuhl III für Allgemeine Psychologie und
Methodenlehre unter Otto Heller (1925-2012). 1977 schließlich wurde noch
die mit Heinz Alfred Müller (1930-1990) besetzte Professur für
Pädagogische Psychologie von der Pädagogischen Hochschule Würzburg nach
deren Auflösung als Lehrstuhl IV in das Institut für Psychologie
integriert. Mit den Jahren kamen an den Lehrstühlen weitere Professuren
hinzu, und das sich drehende Karussell der Berufungen ließ auf Wilhelm
Arnold Wilhelm Janke (1933-2011) folgen, auf Heinz Alfred Müller Wolfgang
Schneider, auf Otto Heller Joachim Hoffmann, auf Ludwig Pongratz über
Barbara Zoeke schließlich Fritz Strack.

Auch diese befinden sich inzwischen alle im Ruhestand, und eine neue
Generation von Psychologinnen und Psychologen folgte ihnen nach. Dem
Institut gelang es dabei bis heute, herausragende Forscherinnen und
Forscher zu gewinnen und so seit der Külpe-Ära fast kontinuierlich ein
international hoch renommiertes, innovatives und forschungsstarkes
Institut zu bleiben.

Ein pandemiebedingter Online-Festakt

Anlass genug, die inzwischen 125-jährige Geschichte in einem Online-
Festakt zusammen mit vielen ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitenden
des Instituts für Psychologie zu feiern. Zu den Rednern des Festaktes
gehörten der ebenfalls aus der Psychologie stammende Präsident der
Universität Würzburg, Paul Pauli, der einst in Würzburg Psychologie
studierende und aktuell amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Psychologie, Professor Markus Bühner, der ebenfalls dem Institut für
Psychologie angehörige Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät
Professor Johannes Hewig und der geschäftsführende Direktor des Instituts
für Psychologie, Professor Wilfried Kunde.

Während des Festakts wurde auch die vom Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte
der Psychologie unter Leitung von Professor Armin Stock vorbereitete
Online-Ausstellung: „Facetten aus der 125jährigen Geschichte des Instituts
für Psychologie“ eröffnet. Sie kann ab sofort unter diesem Link besucht
werden: https://artspaces.kunstmatrix.com/de/exhibition/6942219/facets-in-
the-history-of-the-institute-of-psychology-at-the-university-of

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Spielfeld mit endlosen Möglichkeiten

Lichtdurchflutet, detailverliebt und mit musikalischer Untermalung: So präsentiert sich der virtuelle Ausstellungsraum des Adolf-Würth-Zentrums.  Adolf-Würth-Zentrum  AWZ / Universität Würzburg
Lichtdurchflutet, detailverliebt und mit musikalischer Untermalung: So präsentiert sich der virtuelle Ausstellungsraum des Adolf-Würth-Zentrums. Adolf-Würth-Zentrum AWZ / Universität Würzburg

Im letzten Jahr feierte das Institut für Psychologie der Universität
Würzburg sein 125-jähriges Bestehen. Eine neue Ausstellung des Adolf-
Würth-Zentrums für Geschichte der Psychologie begleitet das Jubiläum.

Steigende Infektionszahlen, besorgniserregende Entwicklungen, eine nicht
enden wollende Baumaßnahme in den eigenen Museumsräumen und dann auch noch
ein 125-jähriges Jubiläum der Gründung des Instituts für Psychologie der
Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU): Ganz schön viele
Herausforderungen, denen sich das Adolf-Würth-Zentrum (AWZ) für Geschichte
der Psychologie im zweiten Jahr der Corona-Pandemie stellen musste.

Trotzdem ist es dem Team um AWZ-Leiter Professor Armin Stock gelungen,
auch unter diesen Bedingungen eine neue Ausstellung zu konzipieren und zu
realisieren. Ihr Titel: „Facetten aus der Geschichte des Institutes für
Psychologie“; zu sehen ist sie ab sofort.

„Es war ein großes Abenteuer, diese Ausstellung mal auf ganz andere Art
und Weise zu konzipieren“, berichtet Armin Stock. Vor allem drei Fragen
hätten ihn und sein Team dabei beschäftigt: Wie stellt man aus mit Blick
auf eine ungewisse Zukunft? Wie empfängt man die Besucher online? Und wie
fesselt man sie so für das Thema? Die Antwort sei relativ schnell gefunden
worden: auf dem Spielfeld der multimedialen endlosen Möglichkeiten.

Hürden und Herausforderungen

Doch zunächst musste die Gruppe ein geeignetes Format finden. „Wir wollten
nicht schon wieder so etwas, was man in den letzten anderthalb Jahren
schon zigmal gesehen hat, als überall pandemiebedingt Online-Alternativen
ausgeschöpft wurden“, erklärt Stock.

Die Entscheidung sei deshalb auf einen virtuellen Ausstellungsraum
gefallen, modern, lichtdurchflutet, detailverliebt, mit einem hellen
Innenhof und musikalischer Untermalung. Dadurch habe sich die
Ausstellungsfläche, die das Zentrum sonst zur Verfügung hat, plötzlich
vervielfacht – und damit auch die Möglichkeiten.

In der jetzt offiziell eröffneten Ausstellung wird der Besucher zu einem
multimedialen Entdecker: Hinter jedem Bild zeigt sich nicht nur ein
Infotext, oft ist es auch mit anderen Medien vernetzt, die die Online-
Ausstellung zu einem 3D-Erlebnis machen oder zu anderen interessanten
Projekten locken.

Wem das zu spielerisch und abenteuerlich ist, der kann sich auf eine
automatische Tour durch die große, 125-jährige Geschichte des
psychologischen Instituts mitnehmen lassen, um eine Zeitreise über dessen
Entwicklung von seinen Vorläufern über die weltberühmte Würzburger Schule
der Denkpsychologie unter Oswald Külpe und Karl Marbe, den Zusammenbruch
1945 und die Wiederaufbau- und Ausbaujahre bis hin zur aktuellen Forschung
zu erleben.

Neue Impulse durch Corona

So schlimm die Corona-Pandemie auch ist für kulturelle Einrichtung wie das
Adolf-Würth-Zentrum, das von Besucherinnen und Besuchern vor Ort und dem
spannenden Vermitteln von Wissenschaftsgeschichte lebt, so sehr hat die
Pandemie dennoch auch neue Impulse mit sich gebracht. Armin Stock und sein
Team haben die Umstände vor allem dazu angeregt, sich mit den neuesten
Technologien auseinanderzusetzen und die Digitalisierung voranzutreiben.

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, ansprechende virtuelle Umgebungen zu
schaffen, in denen die Besucherinnen und Besucher leicht vergessen können,
dass sie eigentlich ‚nur‘ vor dem Laptop sitzen“, erzählt Stock. Dieser
Ansatz ist für ihn das neue Motto einer modernen, zukunftsorientierten
Kultureinrichtung, die solche Möglichkeiten als eine große Chance für
Museen oder universitäre Sammlungen begreift.

Eine zukunftsträchtige Entwicklung

Angesichts der jüngsten pandemischen Entwicklungen war es nach Stocks
Worten die richtige Entscheidung, tiefer in die virtuelle Welt
einzutauchen und auszuloten, was möglich ist. Auch nach der Pandemie werde
sich dieser Ansatz zügig weiterentwickeln, ist er sich sicher: „Künftige
technische Innovationen sind vielversprechend, bringen einem Museum oder
einer Sammlung Aufmerksamkeit, sind für ausländische Besucher ohne
Reisewege zugänglich und damit – Stichwort: Klimawandel –
ressourcenschonend oder lassen sich als wunderbare Parallele zu realen
Ausstellungsräumen begreifen“, so der Psychologe.

Dementsprechend lautet Stocks Tipp für alle Interessierten: „Kochen Sie
sich ruhig noch eine gute Tasse Tee, dann können Sie die Anfahrt bequem
vom eigenen Sessel aus dem Wohnzimmer in Angriff nehmen. Die
Öffnungszeiten sind vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen in der Woche –
egal ob Sie sich in Würzburg oder Ohio, auf den Malediven oder auf Island
befinden.“ Im virtuellen Ausstellungsraum des AWZ werden Besucherinnen und
Besuchern keine Corona-Maßnahmen begegnen, ein Besuch ist also definitiv
nicht ansteckend, höchstens „ansteckend an Begeisterung“.

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Mahmoud Ghazala Einieh erhält den DAAD-Preis 2021 für internationale Studierende

Mahmoud Ghazala Einieh  HCU Hamburg
Mahmoud Ghazala Einieh HCU Hamburg

Einieh studiert Architektur im Master und wird für sein vielfältiges
Engagement an der Hochschule ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vom
DAAD ausgelobt und ist mit 1.000 Euro dotiert.

Mahmoud Ghazala Einieh ist Syrer und lebt seit sieben Jahren in
Deutschland. Er studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Architektur an
der HCU. Neben sehr guten fachlichen Leistungen engagiert er sich unter
anderem als Tutor, in der Einführungswoche (OE-Woche) und als sogenannter
„Welcome Buddy“ für ausländische/internationale Studierende, teilweise mit
Fluchthintergrund. An der HCU ist er außerdem in der studentischen
Selbstverwaltung der Hochschule und als Mitglied im waterfront e.V., dem
Förderverein der HCU, aktiv.

Sein Einsatz geht dabei aus eigener Motivation sehr weit über den
Aufgabenbereich und den zeitlichen Umfang seiner Beschäftigung als Tutor
hinaus und er ist eine immense Bereicherung des akademischen und
kulturellen Lebens an der HCU, so die vorschlagenden Professoren.

Syrisch-Deutsche Lehrkooperation & Summer School

Der künftige Architekt hat außerdem eine syrisch-deutsche Lehrkooperation
initiiert. Die Initiative widmet sich kreativ dem Wiederaufbau von durch
kriegerische Auseinandersetzungen zerstörter Gebäude in seiner Heimat
Syrien.

Aus dieser Initiative ist die Summer School „Re‐Coding Post‐War Syria –
Echo of Children“ im Jahr 2020 entstanden, in der HCU‐Studierende und
Studierende der Universität Damaskus gemeinsam Ideen erarbeitet haben.
Beteiligt war zudem das syrische Architekturbüro „Reparametrize Studio“.

Jury-Wahl einstimmig

Sein herausragendes Engagement in fachlicher und sozialer Hinsicht
überzeugte die Jury: Die Wahl fiel einstimmig auf ihn. In der Jury saßen
Prof. Dr.-Ing. Annette Eicker (Geodäsie und Ausgleichsrechnung) als
Vertreterin der Professor:innen, Mohanjot Kaur als Vertreterin des AStA
und Philippa von Kleist als Vertreterin des International Office.

Mahmoud Ghazala Einieh: „Ich freue mich sehr über den DAAD-Preis 2021 und
bedanke mich herzlich. Ich ermutige alle internationalen Studierenden sich
ehrenamtlich in ihrem Bereich zu engagieren. Das eigene Engagement erzeugt
Wissen, Erfahrung und Selbstentwicklung.“

Über den DAAD-Preis

Der DAAD-Preis wird jährlich vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst
(DAAD) ausgelobt. Mit diesem Preis sollen ausländische Studierende mit
besonderen akademischen Leistungen und bemerkenswertem gesellschaftlich-
interkulturellen Engagement ausgezeichnet werden. Mit der Verleihung des
DAAD-Preises soll zugleich einer breiteren Öffentlichkeit verdeutlicht
werden, welche Bereicherung ausländische Studierende für die
Hochschulgemeinschaft darstellen.

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