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Stadtentwicklung: Mitarbeit von HAWK-Absolvent*innen erwünscht

Ein Ort zum Verweilen ohne Autos, dafür mit vielen Sitzgelegenheiten – so stellten sich die HAWK-Absolvent*innen die Zukunft der Marktstraße in Wanfried vor
Ein Ort zum Verweilen ohne Autos, dafür mit vielen Sitzgelegenheiten – so stellten sich die HAWK-Absolvent*innen die Zukunft der Marktstraße in Wanfried vor

Wanfried erhält 250.000 Euro Förderung/Stadt setzt auf weitere Beteiligung
von HAWK-Absolvent*innen
Wie können Kleinstädte im ländlichen Raum ihr Potenzial entfalten und auch
in Zukunft attraktiven Lebensraum bieten? Das haben vier
Architekturstudierende der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und
Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen in ihren Masterarbeiten am Beispiel
der nordhessischen Stadt Wanfried untersucht. Das Extrakt ihrer
Abschlussarbeiten fassten sie in dem Buch „KLEIN.STATT.GROSS – Wanfried
erfindet sich neu“ zusammen. Sie analysierten Stärken und
Entwicklungspotenziale der Kleinstadt und entwickelten einen Masterplan
zur städtebaulichen Entwicklung. Nun erhält die Stadt Wanfried aus dem
hessischen Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ 250.000 Euro Fördermittel
zur Aufwertung des Stadtzentrums und möchte die HAWK-Absolvent*innen
weiter an dem Entwicklungsprozess beteiligen.

Die Fördermittel will die Stadt in ein Verkehrskonzept und in ein
„Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ investieren, erklärt Bürgermeister
Wilhelm Gebhard. „Wir möchten den Verkehr in der Altstadt minimieren und
Räume zum Verweilen schaffen.“ Mit den übrigen Mitteln sollen im Anschluss
dann schon einzelne Maßnahmen realisiert werden. Für die
Interessensbekundung, die die Stadt Wanfried für die Förderung einreichen
musste, hatte Gebhard die vier HAWK-Absolvent*innen um eine Stellungnahme
gebeten, in der sie die Zusammenarbeit mit den Wanfrieder Bürger*innen und
ihr Zukunftskonzept schilderten.

Was die Architekturstudierenden Mario Gellrich, Patrick Kellner, Johanna
Klumpe und Arne Meyer mit ihren Masterarbeiten und dem gemeinsamen Buch
leisteten, sei weit über „normale“ Abschlussarbeiten hinausgegangen,
betont Dr.-Ing. Birgit Franz, Professorin für Bauwerkserhaltung und
Denkmalpflege an der HAWK-Fakultät Bauen und Erhalten in Hildesheim. „Die
Studierenden haben extrem viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit gesteckt
und gezeigt, dass sie zu den Besten ihres Jahrgangs gehören.“ Gemeinsam
mit Friedhelm Meyer, Städtischer Baudirektor a.D., hat Franz die
Masterarbeiten zu Wanfried betreut und auch den Kontakt zu Gebhard und der
„Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser“ hergestellt, mit der die
Studierenden eng zusammenarbeiteten.

Denn gerade zum Anfang ihrer Arbeit waren die Studierenden auf die
Mithilfe der Bürger*innen von Wanfried angewiesen. „Zunächst haben wir vor
Ort mit den Menschen eine Ideenwerkstatt durchgeführt, um Problemstellen
abzufragen und zu hören, wo konkret der Schuh drückt“, berichtet Patrick
Kellner. Außerdem entwickelten die Studierenden einen Online-Fragenkatalog
und sprachen auch Passant*innen auf der Straße an, um herauszufinden, was
sich die Wanfrieder Bürger*innen von ihrer Stadt wünschen. „Uns war
wichtig, dass wir die Leute vor Ort abholen und eine Arbeit kreieren, die
wirklich einen Nutzen für Wanfried hat“, so Kellner.

Und das ist ihnen gelungen, findet Friedhelm Meyer: „Für mich war das
Geniale der Arbeit, dass die Studierenden die Expert*innen vor Ort befragt
haben. Und das sind immer die Bürger*innen.“ Und bei den Ideen, die dabei
entstanden seien, handele es sich keineswegs um Luftschlösser. Eine
autofreie Marktstraße gehört genauso zum Konzept der Studierenden wie ein
dezentrales Hotel und die Umnutzung einer alten Ölmühle zu einer
Bürgerhalle. „Die Ideen zur Verkehrsberuhigung oder zur Umnutzung einer
alten Fabrik – das sind alles kleine Bausteine, die ich mir für die Stadt
gut vorstellen kann,“ stellt Meyer fest.

Die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen war auch für Diana
Wetzestein, Fachwerkjournalistin und Mitglied der Wanfrieder Bürgergruppe,
ein sehr wichtiger Aspekt im Prozess. Das sei den Studierenden durch die
breite Beteiligung der Bürger*innen gut gelungen. „Ich glaube, dass wir
diesen Schwung wirklich nutzen können und dass er uns noch weitertragen
wird.“ Neben der Förderung durch „Zukunft Innenstadt“ sei auch eine
aktuelle Investition der Sparda-Bank in ein Mehrgenerationenhaus in
Wanfried ein Beispiel für diese positiven Entwicklungen. Die Sparda-Bank
Hessen habe sich bei ihrer Investitionsentscheidung für Wanfried
einerseits von dem bereits Erreichten der handelnden Akteure vor Ort
positiv leiten und begeistern lassen. „Andererseits gefällt der Sparda-
Bank auch die Zusammenarbeit mit der HAWK und im Besonderen die
Masterarbeit. Sie dient als Grundlage und als Ideenbörse bei der Umsetzung
des Mehrgenerationenprojekts mit angeschlossener Kulturscheune. Daher
macht auch die Masterarbeit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der
positiven Entscheidung für Wanfried aus“, so Gebhard.

Die Absolvent*innen der HAWK würden diesen Prozess gerne weiter begleiten.
„Durch die aktuellen Planungen können wir sehen, dass unsere Ideen in die
richtige Richtung gehen“, freut sich Johanna Klumpe. „Natürlich
interessiert es uns da, wie es in Wanfried weitergeht und welche Ideen
vielleicht noch umgesetzt werden.“ Bürgermeister Wilhelm Gebhard würde die
Absolvent*innen, die inzwischen alle im Arbeitsleben aktiv sind, gerne in
der Lenkungsgruppe für die Verwendung der Fördermittel wiedersehen. „Die
vier haben eine tolle Arbeit abgeliefert. Darum würden wir uns sehr
freuen, wenn sie sich weiter bei uns einzubringen können.“

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KIT: Sportwissenschaft: Appell für einen Bewegungspakt

Vor dem Hintergrund der Pandemie ist eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche erforderlich, sagen Forschende des KIT. (Foto: Irina Westermann, KIT)  Irina Westermann, KIT
Vor dem Hintergrund der Pandemie ist eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche erforderlich, sagen Forschende des KIT. (Foto: Irina Westermann, KIT) Irina Westermann, KIT

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich die meisten Kinder und
Jugendlichen in Deutschland weniger bewegt als von der
Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Durch Schul- und
Vereinsschließungen während der Lockdowns konnten die gesunderhaltenden 60
Minuten körperlich-sportliche Aktivität über den Tag verteilt erst recht
nicht erreicht werden, da beispielsweise der tägliche Schulweg wegfiel.
Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) halten deshalb eine Qualitätsoffensive von Kommunal- und
Bundespolitik für eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung
Heranwachsender für notwendig.

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich die meisten Kinder und
Jugendlichen in Deutschland weniger bewegt als von der
Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Durch Schul- und
Vereinsschließungen während der Lockdowns konnten die gesunderhaltenden 60
Minuten körperlich-sportliche Aktivität über den Tag verteilt erst recht
nicht erreicht werden, da beispielsweise der tägliche Schulweg wegfiel.
Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) halten deshalb eine Qualitätsoffensive von Kommunal- und
Bundespolitik für eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung
Heranwachsender für notwendig.

Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_2021_109_sportwissenschaft-appell-fur-einen-
bewegungspakt.php


„Wir haben die Sorge, dass die Pandemie eine Generation hinterlässt, der
es an Fitness fehlt, und sich dies langfristig negativ auf ihre Gesundheit
auswirkt“, sagt Sportwissenschaftler Professor Alexander Woll, Leiter des
Instituts für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) am KIT. Gemeinsam mit
Fachkolleginnen und -kollegen des deutschlandweit einzigen
interinstitutionellen Forschungszentrums für den Schulsport und den Sport
von Kindern und Jugendlichen (FoSS) – das vom KIT und der Pädagogischen
Hochschule Karlsruhe getragen wird – haben die Forscherinnen und Forscher
„5 Thesen und 11 Empfehlungen zur Bewegungs- und Sportförderung vor dem
Hintergrund der Corona-Pandemie“ veröffentlicht. Zum heutigen Tag der
Bildung (8. Dezember) weisen sie nachdrücklich darauf hin.

Das Papier betont die Bedeutung körperlicher Aktivität der Heranwachsenden
für lebenslange physische und seelische Gesundheit sowie soziales
Wohlbefinden. Es basiert auf Studiendaten der bundesweit repräsentativen
Motorik-Modul-Studie und des Fitnessbarometers der Kinderturnstiftung
Baden-Württemberg, die unter anderem zeigen, dass die körperliche
Alltagsaktivität und die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und
Jugendlichen im zweiten Lockdown im Vergleich zum ersten deutlich abnahm.
„Nicht nur in Mathe und Deutsch müssen Defizite aufgeholt werden, auch die
motorische Entwicklung ist unabdingbar für die ganzheitliche Bildung, und
wir sollten hier keine Kinder zurücklassen“, betont Dr. Claudia Niessner,
Projektleiterin der Motorik-Modulstudie.

Qualitätsoffensive für die sportpädagogische Ausbildung

Gemeinsame Anstrengungen, um Bewegungs- und Sportangebote in Schulen,
Vereinen und in der Freizeit zu sichern, seien auf Bundes-, Länder- und
Kommunalebene notwendig und sollten in einem Bewegungspakt umfangreich
finanziell gefördert werden, so Woll.

Auf kommunaler Ebene sei eine gute Vernetzung zwischen Sport- und
Bildungsinstitutionen (Kita/Schule) wichtig, damit Bewegungsangebote in
allen Settings (inklusive Schulsport und obligatorischem Sportunterricht)
qualitativ hochwertig sind und die Heranwachsenden davon nachhaltig
profitieren, sagt die Leiterin des FoSS Professorin Swantje Scharenberg.
„Es gibt in Deutschland eine flächendeckende Landschaft an
Sportorganisationen, die ein großes kreatives Potenzial und einen
Erfahrungsschatz haben, neue Formate und Konzepte zu erarbeiten“, so die
Expertin. „Der Pandemie geschuldet, haben diese viele gute Angebote
entwickelt, auch digital gestützt, und öffentlich bereitgestellt. Wir
sollten diese Ideen für das gesunde, aktive Aufwachsen der Kinder in einer
Qualitätsoffensive in der (sport)pädagogischen Aus- und Fortbildung
bündeln!“

Bewegungsflächen in den Städten

Städteplanerisch sei es wichtig, im nahen Wohnumfeld Flächen für Bewegung,
Spiel- und Sport zu schaffen, „besonders in eng bebauten Gebieten“, um
sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen, heißt es in
dem Papier. Kinder, die in mehrstöckigen Häusern in der Großstadt wohnen,
hätten sich während der Pandemie am wenigsten bewegt, erläutert Niessner.


Die Autorinnen und Autoren schlagen zudem vor, länderübergreifende
Konzepte für qualitativ hochwertige, digitale Bewegungsangebote
umzusetzen. „Während der Pandemie gab es erste gute Konzepte für
ergänzenden digitalen Kinder- und Jugendsport“, sagt Woll. Diese Ansätze
sollten gefördert und qualitätsgesichert weiterentwickelt in die
Gestaltung von Bildungsplänen einfließen.

Die Überlegungen der Autorinnen und Autoren basieren auf Erkenntnissen aus
der bundesweit repräsentativen Motorik-Modul-Studie (MoMo) zur Entwicklung
von Motorik und körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern und
Jugendlichen. „Ein deutschlandweites, langfristiges Monitoring der
motorischen Fähigkeiten und des Bewegungsverhaltens von Kindern und
Jugendlichen wird benötigt, um weiterhin die Folgen der Corona-Pandemie zu
beobachten, und die Datenbasis für Interventionen zu schaffen“, betonen
die Forschenden. Die seit 2003 laufende MoMo-Studie als Teil der Studie
zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) des
Robert Koch-Instituts (RKI) endet 2022. (afr)

Thesenpapier

Woll, A., Scharenberg, S., Klos, L., Opper, E., & Niessner, C. (2021).
Fünf Thesen und elf Empfehlungen zur Bewegungs- und Sportförderung für
Kinder und Jugendliche vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. „Es ist
bereits fünf nach Zwölf – wir fordern einen Bewegungspakt!“. KIT
Scientific Working Papers, 174.

https://doi.org/10.5445/IR/1000139901/v2

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Virtual Reality in der Pflege: Internationaler Preis für Bayreuther Doktorandin

Lena Schinner und Prof. Dr. Dr. Klaus H. Nagels  priv.  UBT
Lena Schinner und Prof. Dr. Dr. Klaus H. Nagels priv. UBT

An der Universität Bayreuth wird intensiv zur digitalen Transformation in
der Pflege gearbeitet. Lena Schinner, Gesundheitsökonomin und Doktorandin
am Lehrstuhl für Medizinmanagement und Versorgungsforschung der
Universität Bayreuth, untersucht ,,Virtual-Reality-Anwendungen zur
Verringerung sozialer Isolation und Einsamkeit bei Bewohnern in
Pflegeheimen‘‘. Für diese Studie hat sie jetzt in Paris den ORPEA
Excellence Award in der Kategorie „Research" erhalten.

Lena Schinner hat am Lehrstuhl für Medizinmanagement und
Versorgungsforschung der Universität Bayreuth untersucht, inwiefern
moderne digitale Entwicklungen wie Virtual Reality im Pflegealltag
Erleichterungen schaffen können. Konkret ging es bei der Studie um die
Entwicklung und Evaluation eines innovativen Virtual Reality-Konzepts, um
Einsamkeit und soziale Isolation von Bewohner*innen in Pflegeheimen zu
beheben. In das Forschungsvorhaben waren Bewohner, ihre Angehörigen und
insbesondere Pflegende eng eingebunden. Praxisbezug und wissenschaftliche
Relevanz konnten so optimal verknüpft werden.

Die Studie bestand aus einer qualitativen Vorstudie in ausgewählten
Pflegeheimen und einer breit angelegten Onlineumfrage unter Mitarbeitenden
des Pflegeheimbetreibers ORPEA in Deutschland. Im Rahmen der Studie haben
Angehörige Szenen aus dem Familienalltag zuhause, den Garten,
Geburtstagsfeiern oder das Büro eines zu Pflegenden gefilmt. Diese 360
-Grad-Videos wurde den Heimbewohner*innen durch eine VR-Brille gezeigt. So
gewannen die Pflegebedürftigen den Eindruck, selbst an einer Familienfeier
teilzuhaben oder wurden an Orte ihres früheren Lebens „mitgenommen“. Ein
Ergebnis: Bei den derzeitigen Bewohner*innen in Pflegeheimen bestehen zwar
noch technische Unsicherheiten, trotzdem ergeben die Auswertungen der
qualitativen Studie positive Reaktionen auf das entwickelte erweiterte VR-
Konzept (eVR). Auch von Mitarbeitenden kam positive Resonanz, weil diese
Filme z.B. als Teil der in Deutschland gesetzlich verankerten
Einzelbetreuung genutzt werden könnten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist für die Diskussion über Innovationen
in der Pflege besonders wichtig: „In kaum einem Pflegeheim in Deutschland
gibt es W-Lan. Eine gute technische Infrastruktur ist aber essentiell, um
digitale Ansätze, zum Beispiel im Sinne von personalentlastenden
Digitalisierungsmaßnahmen wie Pflegerobotern, umsetzen zu können“,
erläutert Lena Schinner. Nicht zuletzt unvorhergesehen Ereignisse, wie die
SARS-CoV-2-Pandemie und vor allem die zukünftigen „digitalen“
Generationen, die die Heime bewohnen werden, implizieren laut Schinner die
dringende Notwendigkeit eines digitalen Transformationsprozesses in
Pflegeheimen.

Lösungsansätze für den wachsenden Pflegebedarf stehen nicht nur in
Deutschland ganz oben auf der politischen Agenda – deshalb ist die Studie
von Lena Schinner ein wichtiger Beitrag. „Die Ergebnisse ihrer Studie
unterstreichen Wirksamkeit und Akzeptanz des VR-Ansatzes“, sagt Prof. Dr.
Dr. Klaus H. Nagels, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinmanagement und
Versorgungsforschung der Universität Bayreuth, an dem Lena Schinner
promoviert. „Die Studienergebnisse legen auch nahe, dass neben den
technischen Voraussetzungen auch Weiterbildungsprogramme für die
Mitarbeitenden erforderlich sind, um digitale Maßnahmen umzusetzen und auf
die zukünftigen digitalen Bedürfnisse der Bewohner in Pflegeheimen
vorbereitet zu sein“, gibt er zu bedenken. Eine stärkere Fokussierung auf
Innovationen ist aus Sicht von Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dr. Klaus H.
Nagels angesichts der großen Baustellen im Pflegebereich – Finanzierung,
Fachkräftemangel, Modernisierung - unausweichlich. Nagels und sein Team
planen bereits weitere Studien zur digitalen Transformation in der Pflege.

Über den Preis:
Zum siebten Mal hat das ,,International Scientific Ethics Council‘‘ (ISEC)
der ORPEA-Gruppe die ORPEA Excellence Awards verliehen. Jedes Jahr werden
die Teams ausgezeichnet, die die besten Projekte in den Kategorien
"Research“, „Clinical Ethics“ und „Innovation in Care“ eingereicht haben.
Dieses Jahr wurden die Gewinner unter 44 Projekten aus 12 Ländern
ausgewählt. Den Vorsitz des ISEC hat Professor Joël Belmin, Professor an
der Pariser Universität Sorbonne und Leiter der geriatrischen Abteilung
für kardiovaskuläre und neurokognitive Erkrankungen im weltberühmten
Pariser Hôpital de la Salpêtrière. Unterstützt wird er von Dr. Linda
Benattar, der internationalen medizinischen Direktorin der Orpea-Gruppe.
Die international tätige ORPEA-Gruppe mit Hauptsitz Paris betreibt 1.156
Pflege- und Gesundheitseinrichtungen mit 116.514 Betten in 23 Ländern.

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Verkehrssimulation: Ridepooling fördert Verkehrswende

Die Simulation bildet die Mobilität der Hamburger Bevölkerung sowie aller Besucherinnen und Besucher im Wochenverlauf ab. (ausführliche Bidlunterschrift am Ende des Textes; Abb.: MOIA Simulation)  MOIA Simulation
Die Simulation bildet die Mobilität der Hamburger Bevölkerung sowie aller Besucherinnen und Besucher im Wochenverlauf ab. (ausführliche Bidlunterschrift am Ende des Textes; Abb.: MOIA Simulation) MOIA Simulation

On-Demand-Verkehrsangebote nützen der Verkehrswende. Das haben Forschende
des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in einer aufwendigen
Verkehrssimulation festgestellt. Sie haben über zwei Jahre lang die
Wirkungen des von MOIA betriebenen, europaweit größten elektrischen
Ridepooling-Dienstes auf den Verkehr in Hamburg untersucht. Die Studie mit
einem eigens entwickelten Simulations-Tool liefert erstmals
wissenschaftlich unabhängige Erkenntnisse für den Anbieter MOIA, die
Verkehrspolitik und -planung. Demnach kann Ridepooling helfen, den
Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn
es weniger attraktiv wird, in der Stadt das eigene Auto zu benutzen.

„Unsere Simulationen auf Basis von Erhebungen und vielen weiteren Daten
zeigen, dass die Verkehrswende dann möglich wird, wenn attraktive
alternative Angebote zum privaten Auto geschaffen und zusätzlich
Regelungen für den motorisierten Individualverkehr eingeführt werden“,
sagt Dr. Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen (IfV) des KIT.
„Mit dieser Studie liefern wir wesentliche Hinweise darauf, welche
Bestandteile es braucht, um die Verkehrswende voranzubringen.“

Kagerbauer und sein Team haben zusammen mit der TU München über einen
Zeitraum von zwei Jahren erforscht, welche Auswirkungen die Ridepooling-
Angebote des Dienstleisters MOIA auf das Verkehrssystem in Deutschlands
zweitgrößter Stadt haben können. Das Mobilitätsunternehmen des Volkswagen-
Konzerns besetzt mit Ridepooling die Lücke zwischen Taxi und ÖPNV. Ein
Algorithmus sorgt dafür, dass Nutzerinnen und Nutzer mit einem ähnlichen
Fahrtziel gemeinsam in einem Fahrzeug befördert werden. Die Passagiere
werden dabei unabhängig von einem Fahrplan oder Linienweg befördert.
Fahrgäste können flexibel unterwegs zu- und aussteigen. Wer mitfahren
will, ordert das Fahrzeug per Handy-App, ein Algorithmus plant und
optimiert daraufhin die Route. „Anhand der Studie können wir das Verhalten
der Menschen, die Ridepooling nutzen, besser verstehen und so die
Potenziale solcher Dienste künftig noch zielgerichteter erschließen“, sagt
Nadine Kostorz vom IfV.

Ridepooling schadet dem ÖPNV nicht – dieser wird sogar profitieren

Befürchtungen, Ridepooling werde dem Öffentlichen Verkehr (ÖV) der
Elbmetropole Fahrgäste abspenstig machen, bestätigten sich laut den
Expertinnen und Experten nicht. Im Gegenteil: „Wenn neue Verkehrsmittel
hinzukommen, werden zwar Wege von den bereits vorhandenen Verkehrsmitteln
auf das neue Mobilitätsangebot verlagert, aber durch den sogenannten
Toureneffekt und die bessere Erreichbarkeit von Haltestellen profitiert
der Öffentliche Verkehr durch Ridepooling“, sagt Gabriel Wilkes vom IfV.
„Wenn zum Beispiel jemand von zu Hause ins Kino und wieder zurück fährt,
wird auf dieser Tour mit zwei Wegen oft nur einer mit Ridepooling
zurückgelegt, der andere Weg fast immer mit dem ÖV“, erläutert Wilkes den
Toureneffekt. In der Summe ergeben sich so positive Effekte für den
Öffentlichen Nahverkehr.

Im Verkehrswendeszenario der Simulation mit flächendeckender Verfügbarkeit
von autonom fahrenden Ridepooling-Angeboten mit vielen Fahrzeugen, einem
gut ausgebautem ÖV und gleichzeitigen Einschränkungen für den Autoverkehr
ließe sich der Autoverkehr in Hamburg um acht Prozentpunkte reduzieren.
„Der Rückgang der Fahrzeugkilometer um etwa 15 Millionen Kilometer pro
Woche wäre beachtlich. Die Hamburger Mobilität würde dadurch nachhaltiger
und grüner“, sagt Kagerbauer.

Die Verkehrssimulation mit dem am KIT entwickelten Software-Tool mobiTopp
ist einzigartig. „Das Tool bildet die Mobilität der gesamten Hamburger
Bevölkerung und aller dorthin Reisenden im Verlauf einer Woche ab.
Abgebildet werden dabei auf die Minute genau und räumlich hoch aufgelöst
sämtliche Wege zu allen Aktivitäten wie Arbeit, Einkauf oder Freizeit“,
erläutert Kagerbauer. „Dass dabei neben den konventionellen
Verkehrsmitteln auch neue Mobilitätsformen wie beispielsweise Ridepooling,
Car- und Bikesharing oder E-Scooter-Sharing detailliert berücksichtigt
werden, ist die Neuheit an unserem Tool.“ (mex)

Kontakt für diese Presseinformation:

Dr. Felix Mescoli, Pressereferent, Tel.: +49 721 608-41181, E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 600
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 23 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

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