Stadtentwicklung: Mitarbeit von HAWK-Absolvent*innen erwünscht
Wanfried erhält 250.000 Euro Förderung/Stadt setzt auf weitere Beteiligung
von HAWK-Absolvent*innen
Wie können Kleinstädte im ländlichen Raum ihr Potenzial entfalten und auch
in Zukunft attraktiven Lebensraum bieten? Das haben vier
Architekturstudierende der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und
Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttinge
der nordhessischen Stadt Wanfried untersucht. Das Extrakt ihrer
Abschlussarbeiten fassten sie in dem Buch „KLEIN.STATT.GROSS – Wanfried
erfindet sich neu“ zusammen. Sie analysierten Stärken und
Entwicklungspotenziale der Kleinstadt und entwickelten einen Masterplan
zur städtebaulichen Entwicklung. Nun erhält die Stadt Wanfried aus dem
hessischen Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ 250.000 Euro Fördermittel
zur Aufwertung des Stadtzentrums und möchte die HAWK-Absolvent*innen
weiter an dem Entwicklungsprozess beteiligen.
Die Fördermittel will die Stadt in ein Verkehrskonzept und in ein
„Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ investieren, erklärt Bürgermeister
Wilhelm Gebhard. „Wir möchten den Verkehr in der Altstadt minimieren und
Räume zum Verweilen schaffen.“ Mit den übrigen Mitteln sollen im Anschluss
dann schon einzelne Maßnahmen realisiert werden. Für die
Interessensbekundung, die die Stadt Wanfried für die Förderung einreichen
musste, hatte Gebhard die vier HAWK-Absolvent*innen um eine Stellungnahme
gebeten, in der sie die Zusammenarbeit mit den Wanfrieder Bürger*innen und
ihr Zukunftskonzept schilderten.
Was die Architekturstudierenden Mario Gellrich, Patrick Kellner, Johanna
Klumpe und Arne Meyer mit ihren Masterarbeiten und dem gemeinsamen Buch
leisteten, sei weit über „normale“ Abschlussarbeiten hinausgegangen,
betont Dr.-Ing. Birgit Franz, Professorin für Bauwerkserhaltung und
Denkmalpflege an der HAWK-Fakultät Bauen und Erhalten in Hildesheim. „Die
Studierenden haben extrem viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit gesteckt
und gezeigt, dass sie zu den Besten ihres Jahrgangs gehören.“ Gemeinsam
mit Friedhelm Meyer, Städtischer Baudirektor a.D., hat Franz die
Masterarbeiten zu Wanfried betreut und auch den Kontakt zu Gebhard und der
„Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser“ hergestellt, mit der die
Studierenden eng zusammenarbeiteten.
Denn gerade zum Anfang ihrer Arbeit waren die Studierenden auf die
Mithilfe der Bürger*innen von Wanfried angewiesen. „Zunächst haben wir vor
Ort mit den Menschen eine Ideenwerkstatt durchgeführt, um Problemstellen
abzufragen und zu hören, wo konkret der Schuh drückt“, berichtet Patrick
Kellner. Außerdem entwickelten die Studierenden einen Online-Fragenkatalog
und sprachen auch Passant*innen auf der Straße an, um herauszufinden, was
sich die Wanfrieder Bürger*innen von ihrer Stadt wünschen. „Uns war
wichtig, dass wir die Leute vor Ort abholen und eine Arbeit kreieren, die
wirklich einen Nutzen für Wanfried hat“, so Kellner.
Und das ist ihnen gelungen, findet Friedhelm Meyer: „Für mich war das
Geniale der Arbeit, dass die Studierenden die Expert*innen vor Ort befragt
haben. Und das sind immer die Bürger*innen.“ Und bei den Ideen, die dabei
entstanden seien, handele es sich keineswegs um Luftschlösser. Eine
autofreie Marktstraße gehört genauso zum Konzept der Studierenden wie ein
dezentrales Hotel und die Umnutzung einer alten Ölmühle zu einer
Bürgerhalle. „Die Ideen zur Verkehrsberuhigung oder zur Umnutzung einer
alten Fabrik – das sind alles kleine Bausteine, die ich mir für die Stadt
gut vorstellen kann,“ stellt Meyer fest.
Die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen war auch für Diana
Wetzestein, Fachwerkjournalistin und Mitglied der Wanfrieder Bürgergruppe,
ein sehr wichtiger Aspekt im Prozess. Das sei den Studierenden durch die
breite Beteiligung der Bürger*innen gut gelungen. „Ich glaube, dass wir
diesen Schwung wirklich nutzen können und dass er uns noch weitertragen
wird.“ Neben der Förderung durch „Zukunft Innenstadt“ sei auch eine
aktuelle Investition der Sparda-Bank in ein Mehrgenerationenhaus in
Wanfried ein Beispiel für diese positiven Entwicklungen. Die Sparda-Bank
Hessen habe sich bei ihrer Investitionsentscheidung für Wanfried
einerseits von dem bereits Erreichten der handelnden Akteure vor Ort
positiv leiten und begeistern lassen. „Andererseits gefällt der Sparda-
Bank auch die Zusammenarbeit mit der HAWK und im Besonderen die
Masterarbeit. Sie dient als Grundlage und als Ideenbörse bei der Umsetzung
des Mehrgenerationenprojekts mit angeschlossener Kulturscheune. Daher
macht auch die Masterarbeit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der
positiven Entscheidung für Wanfried aus“, so Gebhard.
Die Absolvent*innen der HAWK würden diesen Prozess gerne weiter begleiten.
„Durch die aktuellen Planungen können wir sehen, dass unsere Ideen in die
richtige Richtung gehen“, freut sich Johanna Klumpe. „Natürlich
interessiert es uns da, wie es in Wanfried weitergeht und welche Ideen
vielleicht noch umgesetzt werden.“ Bürgermeister Wilhelm Gebhard würde die
Absolvent*innen, die inzwischen alle im Arbeitsleben aktiv sind, gerne in
der Lenkungsgruppe für die Verwendung der Fördermittel wiedersehen. „Die
vier haben eine tolle Arbeit abgeliefert. Darum würden wir uns sehr
freuen, wenn sie sich weiter bei uns einzubringen können.“
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