Vor zwei Tagen endete das 63. Meeting der American Society of Hematologie (ASH) - der weltweit wichtigste Kongress zu hämatologischen Erkrankungen fand vom 11. – 14. Dezember 2021 in Atlanta & virtuell als hybride Veranstaltung statt. In der Reihe LymphomKompetenz KOMPAKT stellen nun 9 ausgewiesene Lymphom-Expertinnen und Experten des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V. (KML) ihre wichtigsten Highlights zu verschiedenen Lymphom- Erkrankungen in kompakten Videoberichten vor. Im Mittelpunkt der Kongressberichte stehen aktuelle Forschungsergebnisse und neue Standards der klinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit lymphatischen Neoplasien.
Alle Beiträge finden Sie im neuen Videoportal des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V. unter: <https://lymphome.de/ash2021>
• Grußwort | M. Hallek, Köln • Chronische lymphatische Leukämie (CLL) | B. Eichhorst, Köln • Morbus Waldenström (WM) & Marginalzonen-Lymphom (MZL) | C. Buske, Ulm • Follikuläres Lymphom (FL) | M. Dreyling, München • Mantelzell-Lymphom (MCL) | C. Pott, Kiel • Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) | P. Borchmann, Köln • Hodgkin Lymphom (HL) | B. v. Tresckow, Essen • Multiples Myelom (MM) | K. Weisel, Hamburg • Seltene Lymphome | K. Hübel, Köln
Sie haben Fragen an unsere Experten? Schreiben Sie an: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>. Gern leiten wir Ihre Fragen weiter.
Das KML dankt den Firmen AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Amgen GmbH, Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Hexal AG, Janssen-Cilag GmbH für die finanzielle Unterstützung der ASH- Videoberichte. Die Firmen hatten keinen Einfluss auf die Auswahl und Darstellung der Inhalte.
Ausstellung: Die Bilder und das Leben von Frida Kahlo in einer immersiven Inszenierung.Die neue Lichthalle MAAG eröffnet mit einer Weltpremiere: «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience». Die Bilder und das Leben der expressiven Malerin sind Vorlage für die immersive Inszenierung, die mittels Hochleistungsvideoprojektionen, Licht- und akustischer Effekte präsentiert wird. Dank der 360-Grad-Rundumprojektion haben die Besucherinnen und Besucher das Gefühl, sich mitten in den Gemälden und dem Leben der Künstlerin zu befinden.Die neue Lichthalle MAAG ist das erste permanente Museum der Schweiz, das nur immersive Ausstellungen zeigt. Werke grosser Künstlerinnen und Künstler werden illuminiert, animiert, vertont und auf Wände, Decken und Böden projiziert.
Grundsätzliches über diese aussergewöhnliche Persönlichkeit
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Am Anfang von Frida Kahlos Kunst steht eine Tragödie: Am 17. September 1925 kollidiert in der Hauptstadt Mexikos eine Strassenbahn mit einem Omnibus. Die damals 18-jährige Tochter eines aus Süddeutschland eingewanderten Fotografen und einer Mexikanerin aus dem Gliedstaat Oaxaca sitzt auf dem Heimweg von der Schule in jenem Bus.
Die junge Frau wird durch die Wucht des Zusammenpralls quer durch das Fahrzeug geschleudert. Ein stählerner Handlauf bohrt sich von hinten durch ihr Becken und spiesst sie regelrecht auf. Neben der Unterleibsverletzung erleidet sie elf Knochenbrüche am rechten Bein sowie drei weitere Frakturen an der Wirbelsäule und einen Schlüsselbeinbruch.
Sinnvolle Weiternutzung des für eine Zwischennutzung erstellten Tonhalle Provisoriums
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Eigens erstellt für die Abhaltung von Konzerten ab September 2017 während der Renovation der altehrwürdigen, 1895 erbauten und von Johannes Brahms eingeweihten Tonhalle an der Claridenstrasse. Nun, da seit September 2021, also nach vier Jahren und einer etwa halbjährigen Verspätung die Konzerte wieder im, für ca. 175 Millionen Franken renaturierten Stammhaus stattfinden, stellte sich die Frage: Tonhalle MAAG quo vadis?
Allgemeine Befürchtung von Kulturschaffenden
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Das 10 Millionen CHF teure Substitut wird wohl aufgrund des Immobiliendrucks früher oder später abgerissen. Eigentümerin des Maag-Areals ist momentan die Swiss Prime AG, welche wohl eher nicht am Erhalt der Spielstätte interessiert ist. Die einzige Möglichkeit, das als Provisorium erstellte Projekt zu behalten, wäre, wenn die Stadt Zürich die Immobilie erwerben könnte. Noch ist ungewiss, was mit dem Bau passieren wird. Vielleicht wird der Licht/Tonhalle Maag ein ähnliches Schicksal zuteil wie dem Freitag Tower: Dieser wurde 2006 ebenfalls als Provisorium für ein paar Jahre gedacht, und steht heute immer noch standhaft an der Hardbrücke und ist wohl nicht mehr wegzudenken.
Aber manchmal kommt es anders:
Dann kam die MAAG Music & Arts AG vertreten durch Darko Soolfrank als Initiantin des Projektes und Betreiberin der Lichthalle MAAG und Roman Beraneck, der als Creativ Director von Projektil, für den kreativen Inhalt verantwortlich zeichnet.
Dazu verweisen wir über folgende Links auf dementsprechende Informationen:
Aus der Tonhalle MAAG wird die Lichthalle MAAG, das erste permanent betriebene Museum der Schweiz für immersive Kunst. Die Lichthalle MAAG in Zürich eröffnet gleich mit einer Weltpremiere: «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» ist die erste immersive Schau in der Lichthalle MAAG. Sie setzt Leben und Werk der legendären mexikanischen Künstlerin höchst eindrücklich in Szene. Die Premiere von «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» ist Welturaufführung zugleich. Mit 39 Hochleistungsprojektoren werden Kahlos Bilder zum Leben erweckt und auf bis zu 34 Meter lange und 10 Meter hohe Wände, auf die Decke und auf den Boden der Halle projiziert.
Ideale Hallengrösse für Projekte dieser Art
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Mit einer BGF von 5 500 m² ist die Halle bestens geeignet für Projekte wie dieses «Frida Kahlo» Spektakel, bietet genügend Platz für die zahlreichen Besucher, sich zwanglos in der Ausstellung zu bewegen, die grossflächige Show in der Haupthalle, dem vormaligen Konzertsaal zu geniessen. Anschaulich ausführlich, mittels Projektionen, mündlichen Erläuterungen und Musik taucht man ein in das Leben und Werk dieser, in jeder Hinsicht, aussergewöhnlichen, starken Persönlichkeit, die die der Tragik ihres Lebens in einen, nicht nur optischen, Triumph umwandelte.
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Zitat der Veranstalter: Die immersive Inszenierung ist dramaturgisch aufgebaut und erzählt die Geschichte sowohl der Malerin als auch der Person Frida Kahlo. Eine Sprecherin in der Rolle der Künstlerin führt mit Originalzitaten durch das Geschehen. Ein eigens komponierter Soundtrack untermalt die immersive Inszenierung akustisch. In langwierigen Verhandlungen gelang es dem für das neue Zürcher Museum verantwortlichen Joint Venture, die Rechte an Frida Kahlos Bildern für immersive Zwecke zu erwerben. Es ist das erste Mal, dass ihre Werke ausserhalb von Mexiko auf diese faszinierende Weise inszeniert werden. Bereits ist «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» für die Ausstellung in weiteren Städten Europas gebucht worden. Zitatende.
Genug Zeit für den Rundgang einplanen
Beim Rundgang, für den man sich mindestens lohnende 60 Minuten Zeit nehmen sollte, taucht man ein in eine fantastische, farbenprächtige Welt, die sich Frida, trotz ihrer tragischen Lebensgeschichte erschaffen hat. Die frühen Werke haben viel von naiver Malerei, Portraitmalereien wie sie in Meso Amerika relativ oft, allerdings nicht so farbenfroh, zu finden sind.
Geeignet für Familienausflug mit Kind und Kegel
Die animierte 360-Grad-Multimediaschau ist massentauglich, begeistert Rentner ebenso wie Kinder und «normale» Erwachsene sowieso, ist also ebenso gut geeignet für einen Familienausflug wie ein Zoobesuch.
Pixel können das Original nicht wirklich ersetzen
Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Im Grunde machen diese Ausstellungen, untergebracht zumeist in praktischen Industriehallen, das genaue Gegenteil von einem Kunsthaus, das seine Werke hinter goldenen Türen verschliesst. Der skeptische Blick von Kunstkennern ist vorbestimmt. Pixel, das ist aber auch den Betreibern klar, können das Original nicht ersetzen. In den Projektionen verlieren sich plastische Pinselstriche, die Struktur, nicht einmal Grösse und Format lassen sich ablesen. Trotz allen Vorbehalten lohnt sich ein Besuch, können sich doch auch nicht grad Museen affine Personen auf irgendwie spielerische Art Kunst annähern und dadurch auch animiert werden, mal eine Ausstellung in einem «richtigen» Museum zu besuchen.
Gelingt es nicht, die Bestandsflotte klimafreundlicher zu betreiben, überschreiten die mobilitätsbedingten Emissionen das EU-Restbudget an CO2 FVV
Strom, Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe: Welche Energieträger im Straßenverkehr der Zukunft eingesetzt werden sollen, ist eine viel diskutierte Frage. Eine neue Studie der Forschungsvereinigung FVV zeigt nun: Wie schnell der Verkehr in Europa klimaneutral wird, hängt nicht entscheidend vom Antrieb ab, sondern davon, wie rasch klimaneutrale Energieträger für nachhaltige Mobilität zur Verfügung stehen.
Was passiert, wenn ab dem Jahr 2033 in Europa nur noch Pkw zugelassen würden, die nicht mehr mit fossilen Kraftstoffen betankt werden und im Betrieb vollständig CO2-neutral sind? Diese Frage beantwortet eine neue Studie, die das Beratungsunternehmen Frontier Economics und das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag der FVV durchgeführt haben. Die Untersuchung unterscheidet sich von zahlreichen anderen Studien vor allem dadurch, dass sie konsequent alle CO2-Emissionen betrachtet, also nicht nur jene, die aus der Herstellung der Autos und deren Nutzung resultieren, sondern auch all jene, die durch die Erzeugung und Bereitstellung der Energieträger verursacht werden. Die Experten verfolgen dabei einen Budgetansatz, das heißt, das nicht relative Einsparungen, sondern nur die kumulierten Emissionen bis zum Jahr 2050 betrachtet werden – denn letztlich entscheidet die Gesamtmenge an freigesetztem CO2 darüber, ob die in Paris definierten Klimaziele eingehalten werden können.
Bei identischer Hochlaufgeschwindigkeit und einer angenommenen Haltedauer von 17 Jahren pro Pkw zeigt sich: Die kumulierten CO2-Emissionen unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Kombinationen von Energieträgern und Antrieben lediglich um 14 Prozent. »Daraus kann man schließen«, so FVV-Geschäftsführer Dietmar Goericke, »dass die Antriebsform nur einen sehr geringen Anteil daran hat, ob die Klimaziele erreicht werden. Vielmehr kommt es darauf an, wie schnell wir es schaffen, aus der Nutzung fossiler Energieträger vollständig auszusteigen.«
Bestandsflotte entscheidend
Eine wesentliche Erkenntnis aus der FVV-Studie: Selbst wenn im Jahr 2033 nur noch klimaneutral betriebene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugelassen werden, übersteigen die kumulierten Emissionen aus der Mobilität das komplette CO2-Budget, das der Europäischen Union für das 1,5-Grad-Ziel noch zur Verfügung steht – und zwar für alle Sektoren. Noch gravierender ist, dass diese Überschreitung in allen modellierten Szenarien bereits in den Jahren 2031 oder 2032 auftritt. Ursächlich dafür ist der hohe Anteil der Bestandsflotte an den Gesamtemissionen. Goericke schließt daraus: »Wir müssen Lösungen finden, die CO2-Emissionen der Bestandsflotte schnell zu senken. Dies ist aus heutiger Sicht nur möglich, wenn es gelingt, synthetische Kraftstoffe rasch in den Markt zu bringen.«
Die Studie betrachtet auch, was die Einführung synthetischer Kraftstoffe – sogenannter E-Fuels – für die Energiewirtschaft bedeuten würde. Eine hundertprozentige Umstellung der gesamten Pkw-Flotte auf synthetische Kraftstoffe, würde demnach den Energiebedarf verglichen mit rein batterieelektrischer Mobilität um das Drei- bis Vierfache erhöhen. Würden die Kraftstoffe jedoch nicht in Europa, sondern in anderen, besonders sonnen- und windreichen Regionen produziert, würde sich die Erzeugungskapazität nur um den Faktor zwei bis drei erhöhen. »Ein 100 -Prozent-Szenario ist aber ohnehin nicht wünschenswert«, sagt Goericke. »Vielmehr gilt es, mehrere Technologiepfade parallel zu verfolgen. Dann haben wir eine Chance, die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig individuelle Mobilität bezahlbar zu behalten.«
Wissenschaftliche Ansprechpartner: Dietmar Goericke, Geschäftsführer, FVV e. V., Frankfurt am Main
Hector Berlioz (1803 – 1869) Ouvertüre zur Opéra comique «Béatrice et Bénédict» – Camille Saint-Saëns (1835 – 1921) Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 17 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22 – Richard Wagner (1813 – 1883) Vorspiel zur Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» – Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) «Ballet memes contraire» aus der Oper «Iphigénie en Tauride» – Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 c-Moll op. 44
Gleich drei Weltklassepianist*innen am gleichen Abend im selben Konzert ist schon etwas sehr Außergewöhnliches.
Hector Berlioz Ouverture zur Opéra comique «Béatrice et Bénédict»
»Die hervorstechendsten Merkmale meiner Musik sind leidenschaftlicher Ausdruck, inneres Feuer, rhythmischer Schwung und Unvorhersehbarkeit« äußerte sich Hector Berlioz hinsichtlich der Spezifik seiner musikalischen Schöpfungen. Berlioz, der genialische Egozentriker, der Unbequeme, der viel Geschmähte, war in seiner musikalischen Vision seiner Zeit weit voraus.
Berlioz` Experimentierfreude
Fabien Gabel Dirigent
Die Experimentierfreude von Hector Berlioz, was das Beschreiten neuer musikalischer Wege betrifft, fand insbesondere im Falle seiner Musiktheaterwerke zu seinen Lebzeiten nie den gebührenden Widerhall. Im August 1862 anlässlich der Eröffnung des Neuen Theaters in Baden-Baden uraufgeführt, war auch »Béatrice und Bénédict« nur eine kühle Aufnahme vergönnt. Dabei zeichnet sich diese Partitur, ganz abgesehen von der inspirierten Ouvertüre, durch eine Vielzahl kostbarer musikalischer Parts aus und ist dabei – analog dem Shakespeareschen Text – auf eine so subtile Art geistreich-witzig, dass sie von vielen Kennern heute als eine Erweiterung des Genres der opéra-comique genommen wird. Der französischstämmige Dirigent Fabien Gabel gab mit diesem Werk einen funkensprühenden Einstand als Gastdirigent des KKL Residenzorchesters, was sich auch durch den Applaus des Publikums manifestierte.
Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 17
Nareh Arghamanyan Solistin Klavierkonzert Nr. 1
Das 1. Klavierkonzert hat einen Hang zum Virtuosen Konzert, dies gilt vor allem für den 3. Satz. Dennoch ist das Werk geprägt von einem starken klassizistischen Form Sinn. Der Hornruf der Andante-Einleitung wird zum wesentlichen Bestandteil des folgenden Allegro assai Hauptteils, indem er in Lisztscher Manier durch rasante Arpeggien im Klavier verarbeitet wird. Dieser Hornruf erscheint außerdem am Ende des 3. Satzes und bildet die Klammer des Werkes.
Der Mittelsatz gibt der Solistin Raum zur Entfaltung. Auffallend sind vor allem die Solokadenzen, die häufig ohne Taktstriche notiert sind. Das deutlich reduzierte Orchester tritt in den Hintergrund, es dient vor allem als Bindeglied zwischen den ausgedehnten Klavierpassagen. In ihnen tritt auch die ungewöhnlich fortschrittliche Harmonik am deutlichsten hervor. Die Armenierin Nareh Arghamanyan, im zitronengelben Abendkleid, spielt die Partitur introvertiert diskret, behauptet sich zurückhaltend entgegen dem Orchester. Dafür glänzt sie im im zweiten Satz durch ihr transparentes Spiel, wenn auch mit etwas viel Pedaleinsatz.
Der Schlusssatz dann wird geprägt durch eine extrovertierte Virtuosität, die durch Solistin emotional ausgespielt wurde, immer getragen von einem engagierten Orchester. Das beeindruckte Auditorium geizte denn auch nicht mit reichlich Applaus, bevor es sich in die Foyers in die erste von zwei Pausen begab.
Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22
Kit Armstrong Piano
Völlig anders packt der amerikanische Pianist Kit Armstrong zu. Er setzt die Harmonien knallhart glasklar, perlt sich kraftvoll durch die Laufkaskaden, zurückhaltend mit dem Pedal ergibt das einen unverfälschten, satten Pianoklang, der auch im fulminanten Schlussteil Bestand hält und seine Mitmusikerinnen mitreisst durch das virtuose Klanggebilde des französischen Komponisten. Hatte zuvor die Armenierin ihr Werk fast analytisch seziert, fegte der Amerikaner nur so durch die Partitur. Der begeistere Applaus der Besucher war ihm sicher.
Richard Wagner Vorspiel zur Oper «Die Meistersinger von Nürnberg»
Fabien Gabel in Aktion Symbolbild
Dieses Werk entstand nicht in Zürich, Venedig oder auf Tribschen, wie z.B. «Tristan und Isolde», sondern inspiriert durch eine Marienstatue in Venedig, worauf Wagner das Libretto zur Oper innert 30 Tagen in Paris niederschrieb. Und das Orchester intonierte diese Ouvertüre richtig «wagnerianisch»: wuchtig, aufbrausend mächtig, richtig teutonisch eben, was dem Auditorium, am Applaus gemessen, durchaus auch Spass machte und es gutgelaunt in die zweite von zwei Pausen entliess.
Christoph Willibald Gluck «Ballet memes contraire» aus der Oper «Iphigénie en Tauride»
Der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, Numa Bischof Ullmann betrat die Bühne und verkündete eine spontane Programmänderung. Aufgrund des kürzlichen Hinschiedes (1. November 2021) des brasilianischen Starpianisten und vielfachen Gastmusikers des Luzerner Orchesters, Oscar Freire, spiele der nun auftretende argentinische Pianist Nelson Goerner, ein enger Freund Freire`s, das von diesem besonders geschätzte Werk von Jan Paderewski, die Nocturne Opus 16 Nr. 4 anstelle des Gluck Werkes. Man bitte aber darum, aus Respekt vor dem Verstorbenen, auf den Applaus zu verzichten, es folge dann umgehend das zum Schluss vorgesehene Klavierkonzert Nr. 4
Camille Saint-SaënsKonzert für Klavier und Orchester Nr. 4 c-Moll op. 44
Nelson Goerner Klavier Foto Marco Borggreve
Das vierte Konzert übertrifft alle anderen an Tiefgang und formaler Raffinesse deutlich. So wird in diesem zweisitzigen Werk, das einige Konzepte der berühmten Orgelsymphonie vorwegnimmt, z.B. das schwer lastende Hauptthema des Beginns. Das Thema und Urmotiv des gesamten Konzerts wird zu Beginn des Satzes im Allegro von den Streichern vorgestellt. Es stellt ein vom Komponisten bearbeitetes französisches Lied dar. Dialogisch entwickeln nun Orchester und sich immer virtuoser steigerndes Soloklavier das Thema. Es erklingt schließlich fortissimo in majestätischem c-Moll, bevor es von Holzbläsern und Klavier scherzhaft mit sprunghaften Läufen abgewandelt wird. Statt der Sonatenform wendet Saint-Saens die Kompositionstechnik der Variation und Verarbeitung an, so dass das ganze Konzert im übertragenen Sinne als Durchführung des Urmotivs angesehen werden könnte später als Scherzo paraphrasiert.
Nelson Goerner vereint die Introvertiertheit der Armenierin und die Extrovertiertheit des Amerikaners
Beide Stücke haben die zeitgenössischen Hörer eher überfordert. Nelson Goerner bewegt sich temperamentsmässig in etwa in der Mitte von Nareh Arghamanyan und Kit Armstrong. Ein Übergangsteil, bestehend aus zu Arpeggien aufgebrochenen Akkorden, führt zu einer lyrischen Variante des Liedes. Diese stellt den zweiten Teil des Konzerts und somit den Andante-Teil des ersten Satzes dar. Die piano vorgetragene Weise wird in der Folge vom romantisch-elegischen Klavier umspielt. Im fünften Teil des Konzerts wird diese lyrische Form des Themas wieder aufgenommen und majestätisch gesteigert.
Herausfordernde grossgriffige Harmonien
Eine erste Steigerung erfährt es bereits im Anschluss, da es vom Soloklavier und großgriffigen Akkorden virtuos ausgeschmückt wird. Leise Blechbläserfanfaren im Hintergrund des zunehmend unruhigen musikalischen Geschehens erzeugen einen Spannungsaufbau, der jedoch zu Ende des ersten Satzes nicht mehr aufgelöst wird. Der 2. Satz übernimmt die Funktion eines Scherzo Satzes. Im letzten Allegro-Teil des Werkes stellt das Klavier die lyrische und sehr gesangliche Ausformung des Themenmaterials in einer zunächst monophonen Form dar. Die Themenherkunft als Lied ist hier kaum noch zu verkennen. Die folgende Apotheose ergreift nun das ganze Orchester. Immer wieder umspielt vom Soloinstrument, wird das Liedthema weiterverarbeitet, wobei der freudige und optimistische Duktus stets beibehalten wird. Das alte c-Moll des Konzertbeginns hat sich zu einem strahlenden C-Dur gewandelt. In diesem Charakter endet das Konzert nun auch in einer großen und alles mitreißenden Coda, in der das jubelnde Lied abschließend auch in den Blechbläsern erklingt. der Argentinier modulierte die Partitur äusserst genau und mit viel Empathie, kongenial unterstützt vom brillanten Orchester, technisch natürlich perfekt, nie mechanisch, immer voller sensibler Hingabe.
Für diese grossartige Darbietung durften die Künstler stürmischen Applaus, garniert mit etlichen Bravorufen ernten.
Es hätte sicher zu einer stehenden Ovation gereicht, wenn sich die andern zwei Solist*innen noch dazu gesellt hätten, so aber wollte das Auditorium offensichtlich die Akklamation nicht «ungerecht» verteilen.
Ein eindrücklicher Abend mit grossartigen Solist*innen und einem fantastischen Residenzorchester, magistral geleitet von Fabien Gabel.
LUZERNER SINFONIEORCHESTER, Carmen und L’Arlésienne: Muttertags Konzert mit Nelson Freire April 2019