Forschungsbohrung Berlin-Adlershof: Erste Bohrkerne nach oben gebracht
Das Projekt GeoFern untersucht die Eignung des Berliner Untergrunds für
saisonale Wärmespeicherung
Die Erkundungsbohrung des Deutschen GeoForschungsZentrums in Berlin-
Adlershof hat am Montag, 13. Dezember, eine Tiefe von 300 Metern erreicht.
Es wurden seit Bohrbeginn Mitte November bereits zahlreiche Bohrkerne
gewonnen. Ziel des Projektes mit dem Titel Geothermische
Fernwärmeversorgung Berlin (GeoFern) ist es, die Voraussetzungen für eine
klimaschonende Fernwärmeversorgung Berlins mithilfe eines saisonalen
geothermischen Aquiferwärmespeichers zu schaffen. Dazu muss das Gestein im
Untergrund genau untersucht werden. Gesteinsproben in Form von Bohrkernen
werden mithilfe des so genannten Seilkernbohrverfahrens aus der Tiefe nach
oben gebracht und dann geologisch charakterisiert. Projektpartner ist die
BTB Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin, auf
deren Gelände die Bohrung stattfindet.
Aquifere sind poröse, tiefe Grundwasserleiter, die über ein großes
Potenzial für die saisonale Wärmespeicherung verfügen. Sie können während
der Sommermonate überschüssige Wärme etwa aus der Produktion von
Blockheizkraftwerken oder Industrieanlagen aufnehmen, die in Form von
warmem Wasser dort hinuntergepumpt wird.
Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts soll
die Erkundungsbohrung in den kommenden Wochen bis in ca. 650 Meter Tiefe
abgeteuft werden. Durch diese Erkundungsbohrung wird das geologische
Verständnis über den Aufbau des tieferen Untergrunds Berlins verbessert,
der aus diversen Sand-, Ton- und Kalksteinschichten besteht. So können
Aussagen über die Speicherfähigkeit bestimmter geologischer Horizonte
getroffen werden. Zusammen mit der BTB Blockheizkraftwerks-Träger- und
Betreibergesellschaft werden darauf aufbauend Speicherkonzepte entwickelt,
um saisonale Wärmespeicher in die vorhandene Fernwärmeversorgung zu
integrieren.
Das GFZ untersucht neben der Eignung des Aquifers auch mögliche
Wechselwirkungen des porösen Speichergesteins mit der Umgebung. Sowohl
direkt vor Ort als auch in Laboren werden umfangreiche mineralogisch-
geochemische Analysen durchgeführt.
Der Projektleiter Ali Saadat, Ingenieur und Wissenschaftler aus der
Sektion Geoenergie am GFZ, sieht im Ausbau der Geothermie einen wichtigen
Beitrag zur Dekarbonisierung der Energieversorgung Berlins und sagt:
„Diese Erkundungsbohrung ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft einer
klimaneutralen Wärmeversorgung der Stadt. Das geothermische
Nutzungspotenzial muss signifikant erweitert werden, um im Energiemix eine
größere Rolle zu spielen.“ Er führt weiter aus: „Wir brauchen zeitnah ein
Konzept für eine nachhaltige Wärmeversorgung von Berlin. Daher müssen wir
jetzt und zügig beginnen, den Untergrund von Berlin systematisch zu
erkunden, um Erdwärme zukünftig verantwortungsvoll nutzen zu können.“
Ingo Sass, Leiter der GFZ-Sektion Geoenergie, fügt hinzu: „Die
geothermische Erkundung mit Tiefbohrungen, geophysikalischen und anderen
Methoden muss genauso normal für alle hier lebenden und arbeitenden
Menschen werden, wie zum Beispiel das beständige Suchen und Bewerten der
Photovoltaikindustrie nach Dachflächen und deren Eignung. Ohne eine
raumgreifende Erkundung des urbanen Untergrundes nach geothermischen
Nutzungsmöglichkeiten wird es kaum gelingen, die Ziele des Klimaschutzes
zu erreichen. Ich bin froh, dass wir hier in Berlin mit dieser Aktivität
anderen Ballungsräumen voraus sind. Allerdings ist die Gesamtkenntnis des
Berlin-Brandenburger Untergrunds immer noch sehr beschränkt und es werden
noch viele Bohrungen in der Hauptstadt nötig sein, um die Wissen- und
Planungslücken zu schließen. Ohne Geothermie wird es keine Wärmewende
geben.“
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