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Jüdisches Leben und Polizei

Studierende der HWR Berlin haben für das Projekt „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit trifft Gegenwart!“ eine Ausstellung erarbeitet. Im Bild mit Kursleiter Frank-Peter Bitter (links), Dekanin Sabrina Schönrock und HWR-Präsident Andreas Zaby.  Sylke Schumann  Sylke Schumann / HWR Berlin
Studierende der HWR Berlin haben für das Projekt „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit trifft Gegenwart!“ eine Ausstellung erarbeitet. Im Bild mit Kursleiter Frank-Peter Bitter (links), Dekanin Sabrina Schönrock und HWR-Präsident Andreas Zaby. Sylke Schumann HWR Berlin

Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
forschen zur Geschichte und Gegenwart der Polizei Berlin mit Blick auf
jüdisches Leben in der Stadt. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen
Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit.

„Durch die Arbeit an der Ausstellung und den Austausch im begleitenden
Ethikkurs habe ich einen besseren Einblick gewonnen in jüdisches Leben in
Berlin, damals und heute. Obwohl das natürlich zum Schulstoff gehört, war
für mich dennoch vieles völlig neu“, sagt Celin Koçyiğit. Die 21-Jährige
studiert an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) im
Bachelorstudiengang Gehobener Polizeivollzugsdienst und hat mitgewirkt am
Projekt „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit trifft Gegenwart!“

2021 wird das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
begangen, so lange leben Menschen jüdischen Glaubens nachweislich auf dem
Gebiet des heutigen Deutschlands. Bundesweit finden aus Anlass des
Jubiläums viele Veranstaltungen statt. Auch Frank-Peter Bitter, der
nebenberuflich als Lehrbeauftragter an der HWR Berlin Seminare zu
ethischen Aspekten der Polizeiarbeit leitet, griff die Thematik auf. Der
katholische Polizeiseelsorger hielt die Studierenden an, sich intensiv mit
Geschichte und Tradition, mit politischen Hintergründen und dem Judentum
als Teil der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Entstanden sind Infotafeln für eine Ausstellung, die verschiedene Aspekte
der Geschichte und Gegenwart der Polizei Berlin mit Blick auf das jüdische
Leben abbilden – und das auf eine sehr ansprechende Weise. Im Mittelpunkt
stehen jüdische Bürgerinnen und Bürger, die vor 1933 für die Polizei tätig
waren und christliche Polizist*innen, die Synagogen und andere jüdische
Einrichtungen in der Pogromnacht schützten. Der thematische Bogen wird bis
ins Heute gespannt, soll ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und
Demokratiefeindlichkeit.

Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Georgia Gkadris erforschte Celin Koçyiğit
im Rahmen einer Lehrveranstaltung das Leben von Martha Mosse, zeichnete es
für die Exposition auf: Die promovierte Juristin wurde 1926 erste
Polizeirätin Preußens und 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft als
Staatsbeamtin entlassen, 1943 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie
überlebte, kehrte zurück nach Berlin und trat als Zeugin bei den
Nürnberger Prozessen auf. Ab 1948 bis zu ihrer Pensionierung arbeitete
Mosse wieder im Polizeidienst und war in der Berliner Frauenbewegung
aktiv. „Es ist unglaublich, welche Stärke diese Frau hat“, so Koçyiğit.

Weitere Persönlichkeiten, die in der Ausstellung vorgestellt werden, sind
Wilhelm Krützfeld und Bernhard Weiß. Der preußische Polizeibeamte Wilhelm
Krützfeld bewahrte in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November
1938 die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin vor der
Zerstörung. Der Jurist Bernhard Weiß war Polizeivizepräsident zur Zeit der
Weimarer Republik und stellte sich dem aufkommenden Nationalsozialismus
vehement entgegen.

An dem Gemeinschaftsprojekt „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit
trifft Gegenwart!“ sind neben der HWR Berlin die Polizei Berlin, die
Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Erzbistum Berlin, die Landeskommission
Berlin gegen Gewalt, die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum,
das Touro College sowie der Verein „321 – 2021: 1700 Jahre Jüdisches Leben
in Deutschland“ und das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat
beteiligt.

Die Wanderausstellung wird seit Anfang November in verschiedenen
Dienststellen der Polizei Berlin gezeigt. Die feierliche Eröffnung fand im
September 2021 auf dem Gelände der Neuen Synagoge in der Oranienburger
Straße in Berlin-Mitte statt. Anschließend waren die Schautafeln im Foyer
des Polizeipräsidiums am Platz der Luftbrücke ausgestellt. Am Ende ihrer
Bildungsreise soll die Ausstellung einen festen Platz in der
Polizeiakademie Berlin bekommen und erweitert werden. Es sind Porträts von
Polizistinnen und Polizisten der Gegenwart vorgesehen, der
Antisemitismusbeauftragte der Polizei Berlin soll vorgestellt werden und
Personen- und Objektschützer*innen, die jüdisches Leben schützen.
Zusätzlich zur Exposition umfasst das Projekt Begegnungen zwischen
Polizeianwärterinnen und Polizeianwärtern mit jungen Jüdinnen und Juden.
Geplant ist eine gemeinsame Stadtrallye entlang historischer Stätten und
Plätze.

„Es ist wichtig, dass auch unsere und jede nachfolgende Generation sich
immer wieder mit dem Thema beschäftigt“, betont die angehende Berliner
Polizeikommissarin Georgia Gkadris. Vieles sei bis heute noch gar nicht
vollständig aufgearbeitet, ist sie sich sicher, oder es gerate zu leicht
wieder aus dem Fokus. Dabei ist Antisemitismus nach wie vor aktuell, müsse
ernst genommen werden.

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit über 11 500
Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften –
mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen
Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das
Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und
Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in über 60
Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin
unterhält 195 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen
Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for
Excellence“. Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bei der
internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen und im Dualen
Studium belegt die HWR Berlin Spitzenplätze in deutschlandweiten Rankings
und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Die HWR Berlin ist
einer der bedeutendsten und erfolgreichen Hochschulanbieter im
akademischen Weiterbildungsbereich und Gründungshochschule. Die HWR Berlin
unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene
Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

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Ereignisreicher Wechsel der Jahrzehnte: DIfE-Jahresbericht 2019/2020 erschienen

Der jetzt erschienene Jahresbericht des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) informiert in ansprechender Gestaltung über die wichtigsten Aktivitäten und Ereignisse des DIfE in den Jahren 2019/2020.  Carolin Schrandt  DIfE
Der jetzt erschienene Jahresbericht des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) informiert in ansprechender Gestaltung über die wichtigsten Aktivitäten und Ereignisse des DIfE in den Jahren 2019/2020. Carolin Schrandt DIfE

Wie lassen sich ein gesunder Eiweißkonsum und eine nachhaltige
Eiweißproduktion vereinen? Können Mikronährstoffe im Blut helfen,
Altersgebrechlichkeit frühzeitig zu erkennen? Und wie beeinflussen die
Blicke anderer persönliche Konsumentscheidungen? Der neue Jahresbericht
des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
informiert in ansprechendem Magazinstil über diese und andere ausgewählte
Forschungshighlights sowie die vielfältigen Aktivitäten des Instituts in
den Jahren 2019 und 2020.

Ob exzellente Forschungsergebnisse, der Besuch des 10.000 Besuchers des
NAKO-Studienzentrums, die positive Evaluierung durch die Leibniz-
Gemeinschaft oder die Grundsteinlegung und das Richtfest für das neue
Forschungsgebäude am DIfE: Reich bebildert und abwechslungsreich gestaltet
blickt der 84-seitige Bericht zurück auf zwei ereignisreiche Jahre am DIfE
und vermittelt ein umfängliches Bild von der vielfältigen und
interdisziplinären Arbeit des Instituts.

Kurzporträts am Berichtsanfang stellen die Abteilungen, Nachwuchs- und
Forschungsgruppen des DIfE und die Gesichter hinter der Forschung vor.
Ausgewählte Forschungshighlights veranschaulichen, mit welchen
Fragestellungen sich die DIfE-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
innerhalb der drei Forschungsschwerpunkte beschäftigen. Interviews mit
zwei erfolgreichen Nachwuchsforschenden vermitteln ganz persönliche
Einblicke in ihre Karriereentwicklung. Der Bericht gibt zudem einen
Einblick in 10 Jahre Diabetesforschung innerhalb des Deutschen Zentrums
für Diabetesforschung und informiert über Projekte, Auszeichnungen,
Veranstaltungen und andere bedeutsame Ereignisse der letzten zwei Jahre.
Ansprechende Grafiken vermitteln die wichtigsten Zahlen und Fakten und
visualisieren die zahlreichen Vernetzungen des Instituts.

Der DIfE-Jahresbericht 2019/2020 ist ab sofort als Print- und Online-
Version verfügbar.

Der digitale Jahresbericht kann unter
https://www.dife.de/fileadmin/1_Forschung/Publikationen/Jahresberichte/DIfE_Jahresbericht_2019-2020.pdf
heruntergeladen werden.

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Neue Präsidentin der TU Braunschweig besucht Leibniz-Institut DSMZ

Prof. Dr. Jörg Overmann, Prof. Dr. Angela Ittel, Bettina Fischer (von links nach rechts)  DSMZ
Prof. Dr. Jörg Overmann, Prof. Dr. Angela Ittel, Bettina Fischer (von links nach rechts) DSMZ

Vielfältigste Bioressourcensammlung der Welt begrüßt Prof. Dr. Angela
Ittel
Am Freitag, den 5. November 2021 besuchte die neue Präsidentin der
Technischen Universität Braunschweig, Prof. Dr. Angela Ittel, das Leibniz-
Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
auf dem Science Campus Braunschweig-Süd. Im Rahmen ihres zweistündigen
Antrittsbesuchs informierte sich die TU-Präsidentin an der DSMZ über die
Arbeitsschwerpunkte im Bereich Sammlung, Forschung und Services der
vielfältigsten Bioressourcensammlung der Welt.

In einem Gespräch mit der dualen Geschäftsführung der DSMZ, Prof. Dr. Jörg
Overmann und Bettina Fischer, und dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen
Beirats der DSMZ, Prof. Dr. Dieter Jahn (Geschäftsführender Leiter des
Instituts für Mikrobiologie der TU Braunschweig), informierte sich die TU-
Präsidentin über die grundlegenden Aspekte des Leibniz-Instituts und
seiner Arbeit.
Es folgten Gespräche mit den Forschenden, die neben ihrer Tätigkeit an der
DSMZ auch als Professorinnen und Professoren an die TU berufen sind: Dr.
Yvonne Mast, Dr. Ulrich Nübel, Dr. Michael Pester (alle im Institut für
Mikrobiologie) und Dr. Laura Steenpass (Zoologisches Institut).

Als Abschluss ihres Antrittsbesuchs an der DSMZ informierte sich Prof. Dr.
Angela Ittel im Rahmen einer Führung verschiedene Bereiche wie
beispielsweise die Kultivierung von Bioressourcen, die Sequenziereinheit
und das vollautomatische Ampullenlager kennen. In diesem Lager werden
viele der 79.000 Bioressourcen der DSMZ vorgehalten und von dort aus an
Forschende in mehr als 80 Ländern weltweit abgegeben.

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Klimafreundliche Bioökonomie-Lösungen mit Industrieforschung erreichen

Die Kompetenzen im Cluster Bioökonomie der Zuse-Gemeinschaft: Im Zentrum steht die Nachhaltigkeit  Zuse-Gemeinschaft
Die Kompetenzen im Cluster Bioökonomie der Zuse-Gemeinschaft: Im Zentrum steht die Nachhaltigkeit Zuse-Gemeinschaft

Forscher aus der Zuse-Gemeinschaft zeigten das Innovationspotenzial bei
der Nutzung biogener Rohstoffe
Berlin, 8. Oktober 2021. Vom Biomasseanbau und der energetischen Nutzung
über das Herstellen von Zwischenprodukten bis hin zum Verwenden biogener
Ressourcen in langlebigen Verbraucherprodukten: die Bioökonomie umgibt uns
schon heute tagtäglich. Doch welche Innovationen zeichnen sich ab, um die
Wirkung biogener Ressourcen im Sinne des Klimaschutzes zu maximieren? Das
war Thema beim Online-Werkstattgespräch Bioökonomie der Zuse-Gemeinschaft
am 6. Oktober.

Forschende aus der Zuse-Gemeinschaft arbeiten in gemeinnützigen Instituten
an technischen Schlüsselfragen für Bioökonomie-Innovationen. Zugleich
kooperieren sie mit Unternehmen, um solche Neuerungen näher an den Markt
zu bringen. Wie Innovationshöhe und Marktnähe zusammenkommen, machten drei
der insgesamt 19 im Cluster Bioökonomie der Zuse-Gemeinschaft vertretenen
Institute beim Werkstattgespräch deutlich.

Fermentation schafft Energie- und Chemieprodukte aus Pizzaresten
Nutzungsoptionen von Biomasse werden oft als Konkurrenz wahrgenommen. Wie
diese entschärft werden kann, zeigte Dr. Stefan Dröge, Abteilungsleiter
Biotechnologie beim Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens (PFI). Am
Beispiel von Teigresten aus Pizza und anderen Backwaren als Rohstoffquelle
stellte er vor, wie sich sowohl Biogas als Energielieferant wie auch
Biobutanol als Treibstoff oder als Chemikalie für die Industrie gekoppelt
aus den Reststoffen gewinnen lassen. „Biobutanol ist nicht nur eine
interessante Alternative zu Bioethanol als Kraftstoff, sondern bietet auch
interessante Einsatzgebiete in der chemischen Industrie“, erklärte Dröge,
der ein erhebliches Rohstoffpotenzial bei Reststoffen aus der
Backwarenindustrie sieht, die regional für Bioökonomie-Kreisläufe genutzt
werden könnten. Ähnliches gilt unter anderen Vorzeichen für Stroh als
Rohstoffquelle für Energieprodukte einerseits und für hochwertige
Plattformchemikalien andererseits. „In einem vom
Bundesforschungsministerium geförderten Projekt der Initiative Bioeconomy
International haben wir durch die Fermentation von aufgeschlossenem Stroh
die Produktion der wertvollen Plattformchemikalie Bernsteinsäure und die
Gewinnung von Biogas erreicht“, stellt Dröge fest.

CO2 einsparen durch biogene Schäume und Fasern für den Auto-Innenraum
Wie textile Anwendungen aus der Bioökonomie verstärkt in einem
Schlüsselbereich der Energiewende - der Mobilität - zum Zuge kommen
können, berichtete Dr. Frank Meister, Abteilungsleiter Chemische Forschung
beim Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK)
anhand des von der Europäischen Union geförderten Projekts BioMotive. Das
TITK ist dort eingebunden in die Entwicklung biogener Fasern und neuer
Leichtbauwerkstoffe für den Auto-Innenraum, wo sie z.B. für Sitze,
Armaturenbrett oder Türinnenverkleidung gebraucht werden. Unter anderem
entwickelten die Forschenden neue sogenannte Lyocellfasern aus
modifizierten Papierzellstoffen. Der besondere Vorzug am TITK: An dem
Thüringer Institut konnten die neu entwickelten Fasern in einer
kleintechnischen Versuchsanlage im Maßstab von mehreren 100 kg hergestellt
werden. Das erhöht die Vergleichbarkeit mit den Realitäten der Industrie
und war Design-Basis für eine unlängst errichtete Demo-Anlage der Metsä-
Tochter MI Demo im finnischen Äänekoski. „Lyocellfasern als biogener
Werkstoff vermeiden Umweltbelastungen wie sie bei anderen Materialien
durch die Risiken von Mikroplastik entstehen. Hinzu kommt als Klima-Plus:
Durch die von uns mit entwickelten und bewerteten Fasern und
Verfahrensprinzipien lässt sich der CO2-Fußabdruck bei der Produktion von
Fahrzeugen spürbar verringern“, erklärt Meister.

Kombination von CO2-Elektrolyse und Biotech-Wertstoffsynthese
Dass mithilfe von Bioökonomie-Lösungen CO2 nicht nur eingespart werden
kann, sondern auch negative Emissionen des Klimagases erreichbar sind,
deutete Dr. Markus Stöckl vom DECHEMA-Forschungsinstitut (DFI) an. In
seinem Vortrag „Mit Strom und CO2 zum Biokunststoff“ zeigte er auf, wie
die Elektrolyse dazu genutzt werden kann, Erneuerbare Energien „lagerbar“
zu machen. Der Ansatz: Aus Kohlendioxyd so genanntes Formiat zu
produzieren, das als Feststoff lagerbare Salz der Ameisensäure, das
Mikroorganismen als Energie- und Kohlenstoffquelle dienen kann, die
wiederum daraus den Biokunststoff Polyhydroxybutyrat (PHB) herstellen.
Durch die elektrochemische Herstellung des Zwischenprodukts Formiat können
unterschiedliche Mikroorganismen eingesetzt werden. „Wir nutzen ein
‚Knallgasbakterium‘ als Mikroorganismus, das auf Wasserstoff, aber auch
auf Formiat wachsen kann“, erläutert Stöckl zu dem vom
Bundesforschungsministerium geförderten Projekt. Das durch die
Mikroorganismen gewonnene PHB zeigt beispielhalft die Kopplung von
Elektrolyse und Biosynthese. Es kann in der Kunststoffindustrie verwendet
werden. „Unser biotechnologisches Verfahren ist zwar noch nicht marktreif,
hat aber gute Fortschritte gemacht. Zudem können wir auf eine langjährige
gute Zusammenarbeit mit einem KMU bauen, was beiden Seiten für Praxisnähe
und für die Umsetzung von Innovationen hilft“, sagt Stöckl.

„Kennzeichen erfolgreicher Bioökonomie-Forschung in der Zuse-Gemeinschaft
ist der praxisnahe Transfer konkreter Ergebnisse in die Wirtschaft“,
erklären die Koordinatoren des Clusters Bioökonomie, Prof. Frank Miletzky
und Dr. Michael Meyer. „Inhaltlich gilt: Die Forschung ist einer
nachhaltigen, klimaschonenden Entwicklung ebenso verpflichtet wie dem
übergeordneten Ziel einer kreislauforientierten Wirtschaft“, so Meyer und
Miletzky.

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