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Zielwerte in der Diskussion – ist 130/80 mmHg das „neue“ 140/90 mmHg?“

n der Europäischen ESC-ESH-Leitlinie zum Management der arteriellen
Hypertonie [1] markiert der Grenzwert von 140/90 mm Hg die «rote Linie».
Erst dann wird eine medikamentöse Therapie empfohlen. Lebensstilmaßnahmen
wie Bewegung und Reduktion des Körpergewichts zum Gegensteuern und zur
Prophylaxe von Endorganschäden werden den Betroffenen bereits bei
hochnormalen Werten angeraten. Nun mehren sich die Hinweise, dass Menschen
mit Bluthochdruck auch von einer früheren medikamentösen Therapie
profitieren könnten – doch die Deutsche Hochdruckliga plädiert nicht für
eine allgemeine Absenkung des Zielwerts, sondern für eine
patientenindividuelle Abwägung.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen um
Blutdruckgrenzwerte, da diese in den USA in Folge der SPRINT-Studie [2]
2017 abgesenkt wurden. Krank und somit therapiebedürftig ist dort, wer
Blutdruckwerte ≥ 130/80 mm Hg aufweist. Die Frage ist, ob auch die
Europäer dem amerikanischen Beispiel folgen und den Grenzwert in ihrer
Leitlinie absenken sollten. Die aktuell geltende Leitlinie der
europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie (ESH/ ESC) aus
dem Jahr 2018 hielt daran fest, Menschen mit arterieller Hypertonie erst
ab einem Blutdruck von ≥ 140/90 mm Hg medikamentös zu behandeln. Was aber
häufig überlesen wird: Sie definiert auch einen niedrigeren, individuell
festzulegenden Zielwert bei der medikamentösen Hochdruckbehandlung. Dieser
Zielwert liegt für Patienten unter 65 Jahre bei 120/70 bis 130/80 mm Hg
(nur bei guter Verträglichkeit) und ist abhängig von Alter, manifesten
Organschäden und körperlicher Verfassung.

„Die europäischen Leitlinien geben also Spielraum, bei Patientinnen und
Patienten mit hohem Risiko für Endorganschäden und kardiovaskuläre
Ereignisse bereits bei Werten unter 140/90 mm Hg mit der medikamentösen
Therapie zu beginnen, und wir möchten an alle Ärztinnen und Ärzte
appellieren, diesen Spielraum zu nutzen. Es mehren sich die Daten, die
zeigen, dass verschiedene Patientengruppen von einer früheren
Blutdrucksenkung profitieren“, erklärte Prof. Dr. Florian Limbourg,
Hannover, Mitglied im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® |
Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention.

Ein Beispiel ist die Gruppe der älteren Menschen, bei denen bislang eine
moderate Senkung empfohlen und in der Praxis oft höhere Blutdruckwerte
toleriert wurden. Eine große chinesische Studie [1] mit mehr als 8.500
Teilnehmenden im Alter zwischen 60 und 80 Jahren verglich den Effekt einer
strikteren Blutdrucksenkung (systolische Werte zwischen 110-130 mm Hg) mit
dem einer weniger konsequenten (Werte zwischen 130-150 mm Hg) im Hinblick
auf verschiedene kardiovaskuläre Endpunkte, darunter die kardiovaskuläre
Sterblichkeit, das akute Koronarsyndrom, akute dekompensierte
Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall. Während des Follow-ups
(im Median 3,34 Jahre) erlebten 147 Patientinnen und Patienten in der
intensiv behandelten Gruppe einen der kardiovaskulären Endpunkte, in der
Placebogruppe waren es 196 (p=0,007). Die HR (Hazard Ratio) betrug 0,74:
Die striktere Blutdruckeinstellung konnte also jedes viertes Ereignis
verhindern, darunter zwei von drei kardialen Dekompensationen und fast
jeden dritten Schlaganfall sowie fast jedes dritte akute Koronarsyndrom.

Für Menschen mit Nierenerkrankungen empfiehlt die aktuelle Leitlinie „The
Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) 2021 Clinical Practice
Guideline for the Management of Blood Pressure in Chronic Kidney Disease
(CKD) for patients not receiving dialysis“ [4] sogar die Senkung des
systolischen Blutdrucks auf <120 mmHg, um die Progression des
Nierenfunktionsverlustes aufzuhalten und das Outcome zu verbessern. Dass
eine striktere Blutdruckeinstellung von nierenkranken Patientinnen und
Patienten vorteilhaft ist, zeigte eine chinesische Metaanalyse – online
first publiziert im Mai dieses Jahres – von zehn randomisierten
kontrollierten Studien zu dieser Frage [5] : Die intensivere
Blutdrucksenkung führte in dieser Auswertung zu einer 31%igen Reduzierung
der kardiovaskulären Mortalität und zu einer Reduzierung der
Gesamtmortalität von 23%.

Ist es also Zeit für die Europäer, generell vom Zielwert 140/90 mm Hg
abzurücken, und sollte stattdessen 130/80 das „neue“ 140/90 sein? „Nein“,
erklärte Prof. Dr. Markus van der Giet, Berlin, Mitglied im Vorstand der
Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention, heute auf der Pressekonferenz des Hypertoniekongresses
2021. „Wir glauben, dass 140/90 mm Hg den allgemeinen Rahmen steckt und
nur bestimmte Menschen mit höherem Risiko einer strikteren
Blutdrucksenkung bedürfen – und genau das steht letztlich in der
Leitlinie. Neue Studien zeigen, dass nicht alle Betroffenen gleichermaßen
von einer intensiveren Blutdrucksenkung profitieren.“
In diesem Zusammenhang verwies Prof. van der Giet auf eine aktuelle Post-
hoc-Analyse der SPRINT-Studie, online first-publiziert Anfang November
[6], die den Effekt der strikteren Blutdruckkontrolle in Hinblick auf die
Prävention der Herzinsuffizienz (HF) untersuchte. Ein signifikanter
Unterschied zeigte sich nur in der Tertile der Studienteilnehmer mit der
höchsten HF-Risikoklasse, die anderen, weniger gefährdeten Patientinnen
und Patienten profitierten nicht nennenswert von der strikteren
Blutdruckeinstellung.

„Die Deutsche Hochdruckliga spricht sich daher innerhalb des von den
Leitlinien gesteckten Rahmens für eine patientenindividuelle Festlegung
aus, ab wann und auf welchem Zielwert die Blutdrucksenkung erfolgen soll.
Nur so ist sichergestellt, dass jede/jeder Betroffene optimal behandelt
wird – und gleichzeitig keine unnötige Übertherapie erfolgt“, so das Fazit
von Prof. Limbourg.

Referenzen
[1] Williams B, Mancia G, Spiering W et al.; ESC Scientific Document
Group. 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial
hypertension. Eur Heart J. 2018 Sep 1;39(33):3021-3104
[2] Wright JT, Jr., Williamson JD, Whelton PK et al. A Randomized Trial of
Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015; 373:
2103-2116
[3] Zhang W, Zhang S, Deng Y et al. Trial of Intensive Blood-Pressure
Control in Older Patients with Hypertension. NEJM, August 30, 2021. DOI:
10.1056/NEJMoa2111437
[4] KDIGO 2021 Clinical Practice Guideline for the Management of Blood
Pressure in Chronic Kidney Disease. Kidney Disease: Improving Global
Outcomes (KDIGO) Blood Pressure Work Group. Kidney Int. 2021 Mar; 99(3S):
S1-S87. doi: 10.1016/j.kint.2020.11.003
[5] Zhang Y, Li JJ, Wang AJ et al. Effects of intensive blood pressure
control on mortality and cardiorenal function in chronic kidney disease
patients. Ren Fail. 2021 Dec;43(1):811-820. doi:
10.1080/0886022X.2021.1920427.
[6] Molsberry RJ, Rethy L, Wang MC et al. Risk-Based Intensive Blood
Pressure Lowering and Prevention of Heart Failure: A SPRINT Post Hoc
Analysis. Hypertension
. 2021 Dec;78(6):1742-1749. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.18315. Epub
2021 Nov 1.

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Das Pangenom – Schlüssel zu neuen Therapien

Aspergillus fumigatus ist ein in der Umwelt weit verbreiteter Pilz.
Er verursacht bei Menschen lebensbedrohliche Infektionen, während eng
verwandte Pilzarten harmlos sind. Ein internationales Forscherteam hat nun
die große genetische Vielfalt des Erregers genauer unter die Lupe
genommen.

Gefährliche Pilzinfektionen

Der Pilz Aspergillus fumigatus verursacht weltweit bei mehr als 300.000
Menschen pro Jahr schwere Infektionen. Insbesondere bei immungeschwächten
Patienten endet eine Infektion mit Aspergillus fumigatus in bis zu 50 %
der Fälle tödlich. Behandelt werden diese Krankheiten meist mit
sogenannten Triazol-Antimykotika. Im Laufe der Jahre haben Resistenzen
gegen diese Medikamente immer weiter zugenommen. Hinzu kommt, dass die
Sterblichkeitsrate bei diesen medikamentenresistenten Infektionen um bis
zu 25 % höher ist. Außerdem ist bei ca. 30 % der resistenten Varianten der
Resistenzmechanismus unbekannt. Folglich ist es umso komplizierter diese
Art von Infektionen zu identifizieren und angemessen zu behandeln.
„Trotz dieser hohen Zahl von Infektionen pro Jahr fehlte bisher eine
detaillierte Untersuchung der genomischen Vielfalt sowohl in klinischen
Proben als auch in Isolaten aus der Umwelt. Insbesondere galt es für uns
herauszufinden, welche Bedeutung diese genetische Vielfalt für den Verlauf
der Infektion und die Entwicklung von Resistenzen gegen Antimykotika hat“,
erklärt Gianni Panagiotou, Leiter der Forschungsgruppe Systembiologie und
Bioinformatik am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und
Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena (Leibniz-HKI). Die
Forscher sind sich sicher, dass die innerartliche genetische Diversität
der Erreger für die Infektion auch eine wichtige Rolle spielt.

Das Pangenom – genetische Vielfalt erforscht

In seiner Studie sequenzierte und analysierte das Team, dem Forschende aus
Jena, Würzburg und Hongkong angehören, eine große Anzahl von Genomen
dieses weit verbreiteten Schimmelpilzes, darunter Stämme aus der Umwelt
sowie klinische Proben. Diese Fülle an genomischen Informationen ergab,
dass sich die verschiedenen Mitglieder der Spezies hinsichtlich ihrer Gene
erheblich unterscheiden. Die Autoren definierten damit auch den gesamten
Genbestand der Art, das sogenannte Pangenom, das die genetische Bandbreite
von Aspergillus fumigatus umfasst. Dabei zeigte sich, dass reichlich zwei
Drittel der genetischen Information sogenannte Kern-Gene umfasst, die in
allen Isolaten vorkommen. Das verbleibende knappe Drittel beinhaltet
hingegen akzessorische Gene, die nicht bei allen Isolaten zu finden sind.
Sie sind demzufolge für das Wachstum des Pilzes entbehrlich, könnten aber
eine noch unentdeckte Rolle für den Pilz in der Umwelt und bei der
Infektion des Menschen spielen.

Eine besondere genetische Linie verursacht die meisten Infektionen

Im Vergleich der Genome aus Umwelt- und Patientenproben stellte sich
heraus, dass eine bestimmte genetische Linie innerhalb der Art Aspergillus
fumigatus mit größerer Wahrscheinlichkeit Infektionen beim Menschen
verursacht. Die Genome dieser Gruppe wiesen besondere Merkmale auf,
beispielsweise codierten sie für mehr Transmembrantransporter,
eisenbindende Proteine und Enzyme des Grundstoffwechsels. Solche
besonderen genetischen Merkmale sind als potenzielle Angriffspunkte für
neue Wirkstoffe interessant, da sie eine Rolle für das Überleben des
Pilzes in der menschlichen Lunge spielen könnten.
Außerdem identifizierten die Forscherinnen und Forscher in einer
„genomweiten Assoziationsstudie“ kleine genetische Unterscheide zwischen
den Isolaten. Bestimmte Abweichungen in der DNA-Sequenz traten in
klinischen Isolaten statistisch deutlich häufiger auf als in Umwelt-
Isolaten. Mit dieser Methode identifizierte das Team drei Gene, die in
noch unbekannter Weise mit der Triazol-Resistenz in Verbindung stehen.
„Hier sehen wir ebenfalls vielversprechende Ziele für künftige
Therapieoptionen. Unsere Aufmerksamkeit gilt daher dem weiteren Studium
derjenigen Gene und Proteine, die mit bislang unentdeckten
Resistenzmechanismen im Zusammenhang stehen“, sagt Amelia E. Barber,
Erstautorin der Studie und Leiterin der Nachwuchsgruppe Fungal Informatics
am Leibniz-HKI.

Hoffnung für neue Therapieansätze

Die Ergebnisse ihrer bioinformatischen Analysen stellen die Autoren in der
jüngsten Ausgabe des Fachjournals Nature Microbiology vor. Ihre globale
Sicht auf das genetische „Instrumentarium“ von Aspergillus fumigatus weist
dabei den Weg zu möglichen neuen Therapieansätzen. So kommen solche Gene
und Signalwege, die in allen Vertretern der Art vorhanden sind, als gute
therapeutische Ziele in Betracht. Hingegen wäre es ungünstig, mit einem
neuen Medikament auf ein Gen abzuzielen, das nur in 90 % der Vertreter des
Pilzes vorkommt, während 10 % der Erreger nicht betroffen sind.
Die Studie führt uns auch vor Augen, dass wir mit der genetischen
Diversität innerhalb einer Art stets eine Momentaufnahme von fortwährenden
Evolutionsprozessen betrachten. Die genetische Ausstattung des
untersuchten Pilzes unterliegt durch intensive Auseinandersetzung mit
seiner Umwelt einer hohen Dynamik und kann über längere Zeiträume hinweg
zur Aufspaltung in stärker spezialisierte (Unter-)Arten führen.
Für ihre Arbeiten konnten sich die Forscherinnen und Forscher auf die
Zusammenarbeit in großen Forschungsverbünden stützen. Den Zugang zu den
klinischen Isolaten ermöglichte das am Leibniz-HKI angesiedelte Nationale
Referenzzentrum für invasive Pilzerkrankungen, das vom Robert Koch-
Institut aus Mitteln des Bundesgesundheitsministeriums unterstützt wird.
Das vom BMBF geförderte Konsortium InfectControl bot den Rahmen für die
Arbeiten zu Triazol-Resistenzen und deren Verbreitung in der Umwelt sowie
bei klinischen Isolaten. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
geförderte Exzellenzcluster Balance of the Microverse ermöglichte die
Einrichtung der Nachwuchsgruppe Fungal Informatics und unterstützte die
bioinformatische Analyse der enormen Datensätze.

Das Leibniz-HKI

Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie –
Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur
Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des Leibniz-HKI befassen sich
mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die
molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit
dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden
auf ihre biologische Aktivität untersucht und für mögliche Anwendungen als
Wirkstoffe zielgerichtet entwickelt.
Das Leibniz-HKI verfügt über sieben wissenschaftliche Abteilungen und vier
Forschungsgruppen, deren Leiter überwiegend berufene Professoren der
Friedrich-Schiller-Universität Jena sind. Hinzu kommen mehrere
Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen
Funktion für das Institut. Gemeinsam mit der FSU betreibt das Leibniz-HKI
die Jena Microbial Resource Collection, eine umfassende Sammlung von
Mikroorganismen und Naturstoffen. Zurzeit arbeiten etwa 450 Personen am
Leibniz-HKI, davon 150 Promovierende.
Das Leibniz-HKI ist Kernpartner großer Verbundvorhaben wie dem
Exzellenzcluster Balance of the Microverse, der Graduiertenschule Jena
School for Microbial Communication, der Sonderforschungsbereiche FungiNet
(Transregio), ChemBioSys und PolyTarget, des Zentrums für
Innovationskompetenz Septomics, des Leibniz-Zentrums für Photonik in der
Infektionsforschung sowie von InfectControl, einem Konsortium im BMBF-
Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation. Das Leibniz-HKI ist
zudem Nationales Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen.

Die Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch
relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte
Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind
oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten
forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt
Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-
Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft,
Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen u.a.
in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen
Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und
unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen
Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft
gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen knapp 21.000 Personen,
darunter fast 12.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der
Gesamtetat der Institute liegt bei zwei Milliarden Euro.

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Nachhaltige Chemie in der Energiewende, Investitionen und Wege in die Zukunft

Vom 9. bis 11. November fand das dritte Investor Forum im Rahmen der
ersten "Global Sustainable Chemistry Week (GSCW)" des International
Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) statt. Insgesamt 170
internationale Gäste, darunter Start-ups und Gäste aus den Bereichen
Finanzen, Industrie, Wissenschaft, NGOs und Politik nahmen am
internationalen Investor Forum teil. In dessen Rahmen fand auch die
Preisverleihung des ISC3 Innovationswettbewerbs 2020/2021 zum Thema
nachhaltige Chemie und erneuerbare Energien statt.

Während der dreitägigen Veranstaltung gab es täglich eine
Podiumsdiskussion zu den Themenschwerpunkten: „Neue und alternative
Geschäftsmodelle“; „Regulierung und chemikalienbedingte Beschränkung als
Rahmen für internationale Investitionen und Innovationen“, und „Die Rolle
der Nachhaltigen Chemie in der Energiewende und mögliche Wege in die
Zukunft“. Im Anschluss an das jeweilige Podium präsentierten Start-ups aus
dem ISC3 Global Start-up Service ihre innovativen Lösungen für nachhaltige
Chemie und erneuerbare Energien vor namhaften internationalen Investoren.
Zusätzlich bestand täglich die Möglichkeit zum bilateralen Austausch
zwischen Investoren und Start-ups innerhalb einer Matchmaking Session. Als
besonderes Highlight der Veranstaltung galt die Auszeichnung der
diesjährigen Preisträger der ISC3 Innovation Challenge 2020/21 am letzten
Tag.

Die folgenden Start-ups überzeugten eine internationale, 30-köpfige Jury
aus den Bereichen Chemie, Bioökonomie und Biotechnologie auf ganzer Linie:

Hauptgewinner des mit 15.000 Euro dotierten „ISC3 Innovation Award in
Sustainable Chemistry and Renewable Energy“ waren Dr. Gary Urb und das
Team des estnischen Start-ups UpCatalyst. UpCatalyst produziert
nachhaltige Kohlenstoff-Nanomaterialien aus CO2 und Abfallbiomasse für
eine große Anwendungsbreite, die von Batterietechnologien bis hin zu
biomedizinischen Lösungen reicht.

Das nigerianische Start-up Shobab Energy gewann den mit 5.000 Euro
dotierten Innovationspreis in der Kategorie "Best Regional Impact". Tosin
George, die Gründerin des Start-ups, hat es sich zur Aufgabe gemacht, noch
netzfernen afrikanischen Gemeinden und Haushalten einen nachhaltigen,
zuverlässigen und erschwinglichen Zugang zu Elektrizität durch ein mit
Biomasseressourcen und Solar-PV-Technologien gespeistes Hybridsystem zu
liefern.

Am dritten Veranstaltungstag gewann das kenianische Start-up LeafyLife
nicht nur die Herzen des Publikums, sondern auch den mit 5.000 Euro
dotierten Innovation Challenge Award 2020/2021 in der Kategorie "Best
Social Impact". LeafyLife recycelt gebrauchte Windeln und Damenbinden zu
einem Kraftstoffgel, das 76 % weniger Kohlendioxid, kein Kohlenmonoxid und
keinen Rauch oder Ruß emittiert. So produziert das Start-up einen sauberen
Kraftstoff, der für mehr Sicherheit und Gesundheit in afrikanischen
Haushalten sorgt, weiterer Umweltverschmutzung vorbeugt und langfristig
negative Effekte auf das Klima abmildert.

Der Schwerpunkt der nächsten ISC3 Innovation Challenge ist „Nachhaltige
Chemie und Abfall: Prävention, Valorisation & Management". Der Aufruf zur
Einreichung von Bewerbungen wird im Januar 2022 veröffentlicht.

Über ISC3
Das ISC3 ist eine unabhängige, internationale Institution, die weltweit
nachhaltige chemische Lösungen fördert und entwickelt. Es agiert global,
ist eine Multi-Stakeholder-Plattform und ein Think-Tank, der Industrie,
Politik, Zivilgesellschaft und Forschung vernetzt, um durch ein globales
Netzwerk die Zusammenarbeit, Innovation, Forschung und Bildung im Bereich
der nachhaltigen Chemie voranzubringen. Das ISC3 wurde 2017 auf Initiative
des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
(BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA) gegründet. Es wird von der
Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) getragen und durch
den Research & Education Hub an der Leuphana Universität Lüneburg und den
Innovation Hub bei der DECHEMA e.V., Frankfurt, unterstützt.

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Drohnenflug ermöglicht digitales Flughafenvorfeld als Basis für autonome Servicefahrzeuge

Im Rahmen des Forschungsprojektes ALEC haben Wissenschaftler des
Fraunhofer IOSB-AST aus Ilmenau mittels Drohnentechnik erstmals ein
digitales Modell des Internationalen Verkehrsflughafens Erfurt-Weimar
erstellt. Das Modell umfasst große Teile des Flughafenvorfeldes sowie
dessen Gebäudestrukturen. Es wird zusammen mit dem Mock-Up des
multifunktionalen Geräteträgers der Firma Hako für den weiteren Aufbau
einer Simulation (digitaler Zwilling) genutzt.

Der digitale Zwilling des Servicefahrzeugs und dessen Einsatzort ist
essenziell, um autonome Fahrfunktionen und Arbeitsabläufe realitätsnah zu
untersuchen. Auf dessen Basis werden zukunftsweisende Technologien zum
autonomen Fahren und Arbeiten auf Sonderflächen entwickelt und erprobt.
Dies umfasst Lokalisierungs- und Navigationsalgorithmen zur
Hindernisvermeidung auf Basis von stark heterogenen Sensorsystemen.

Dieser Aufwand ist notwendig, da die Lokalisierung allein mittels LiDAR
und GNSS auf den großen Freiflächen im Wechsel mit hohen Gebäudestrukturen
nicht mehr zuverlässig abgedeckt werden kann. Für eine stabile
Positionsbestimmung sind daher weitere Daten notwendig, wie etwa
Kameradaten zur Auswertung der Fahrbahnstruktur und deren Markierungen.
Der methodische Ansatz soll in Zukunft auch auf andere Anwendungen wie
beispielsweise große Industrieanlagen übertragen werden. Weiterhin können
mit Hilfe dieser Simulation selbstlernende Verfahren (KI) zum autonomen
Fahren trainiert und so auch leichter auf andere Fahrzeuge adaptiert
werden.

Beim Projekt „ALEC“, das im Rahmen des BMWi-Technologieprogramms „IKT für
Elektromobilität“ 2018 gestartet ist, steht die umweltfreundliche und
effiziente Vorfeldmobilität von Flughäfen im Zentrum. Am Konsortium sind
die Hako GmbH, die ACTIA Power Deutschland GmbH, die Flughafen Erfurt
GmbH, das Fraunhofer IOSB-AST, die Navimatix GmbH und die
Schrader-T+A-Fahrzeugbau GmbH & Co. KG beteiligt. Kernpunkt dieses
Projekts ALEC stellt ein elektrifizierter multifunktionaler Geräteträger
Hako Multicar M31 dar, der zukünftig auch durch entsprechende Sensorik,
Steuergeräte und entsprechende Software hoch automatisiert werden soll.

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