Helmholtz-Wasserstoffcluster in Jülich nimmt Fahrt auf
neu ins Leben gerufenen Institut für nachhaltige Wasserstoffwirtschaft des
Forschungszentrums Jülich, kurz INW, als Gründungsdirektor vor. Das INW
soll mit seinem H2-Innovationszentrum die wissenschaftlichen Aktivitäten
bündeln und sich zum innovativen Kern des Helmholtz-Clusters für
nachhaltige und infrastruktur-kompatible Wasserstoffwirtschaft entwickeln,
das für 17 Jahre mit 860 Millionen Euro durch das
Bundesforschungsministerium gefördert werden soll. In den nächsten Wochen
und Monaten stehen nun zahlreiche Treffen an, um den Kontakt zu Kommunen,
Unternehmen und weiteren Stakeholdern in der Region zu verfestigen.
Das Helmholtz-Wasserstoffcluster HC-H2 soll im Zuge des Strukturwandels
Impulse setzen, um die Entwicklung des Rheinischen Reviers zu einer
Wasserstoff-Modellregion mit zahlreichen Forschungs- und Industriepartnern
voranzutreiben. Im Zentrum der Forschung stehen Technologien, die auf
bereits existierende oder schnell und günstig installierbare
Infrastrukturen für die Lagerung und den Transport von Wasserstoff
zurückgreifen und ein klar erkennbares Marktpotenzial für die Energiewende
in Deutschland und weltweit besitzen. Dies soll die rasche Umsetzung im
großen Maßstab ermöglichen.
„Wir freuen uns sehr, mit Herrn Professor Peter Wasserscheid einen
herausragenden Wissenschaftler und weltweit anerkannten Experten als
Gründungsdirektor für das INW gewonnen zu haben. Ich bin zuversichtlich,
dass es ihm mit seinem Engagement und seinen innovativen Ansätzen gelingen
wird, eine exzellente Forschungsumgebung für die Entwicklung und
Implementierung zukunftsweisender Wasserstoffspeichertechnologie
schaffen. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag, um das Rheinische Revier
zu einer Wasserstoff-Modellregion zu entwickeln, in der zukunftsweisende
Konzepte der Wasserstoffwirtschaft demonstriert werden und wo neue
Arbeitsplätze entstehen“, erklärt Prof. Wolfgang Marquardt,
Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich.
Prof. Peter Wasserscheid leitet seit 2003 den Lehrstuhl für Chemische
Reaktionstechnik der Friedrich-Alexander-Universitä
Zusätzlich ist er seit 2014 Direktor am Helmholtz-Institut Erlangen-
Nürnberg für Erneuerbare Energie (HI ERN), das eine Außenstelle des
Forschungszentrums Jülich ist. 2006 wurde er für seine Forschung mit dem
Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Prei
wissenschaftlichen Entdeckungen hat ihn seit jeher besonders interessiert
und so hat er bereits zahlreiche Ausgründungen und Industriekooperationen
vorangetrieben.
Das INW bündelt die wissenschaftlichen Aktivitäten im
H2-Innovationszentrum des Helmholtz-Wasserstoffclusters HC-H2, in dem das
Forschungszentrum Jülich seine breite Wasserstoff-Expertise einbringt und
sich mit Partnern vernetzt. Im Fokus der Forschung stehen Technologien zur
chemischen Wasserstoffspeicherung mit flüssigen oder leicht
verflüssigbaren Wasserstoffträgern, die sich ähnlich wie konventionelle,
fossile Brennstoffe handhaben lassen. So lässt sich Wasserstoff
beispielsweise chemisch in Form von Methanol oder anderen Alkoholen sowie
Ammoniak speichern.
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Optimierung und Skalierung der LOHC-
Technologie sein. Dabei wird Wasserstoff an organische Trägerflüssigkeiten
gebunden. Diese lassen sich etwa mit Tankschiffen oder Tanklastern
transportieren und in Tanklagern speichern. Die bestehende Infrastruktur
für flüssige Kraftstoffe kann so weiter genutzt werden.
Die Forschung am INW wird in mindestens vier Forschungsbereichen erfolgen,
die von der Nano-, über die Meso- und Reaktor- bis hin zur Systemskala
reichen. Die vorgeschlagene Struktur ist darin begründet, dass die
betreffenden Materialien, Apparate und Prozesse auf sehr unterschiedlichen
Längen- und Zeitskalen erforscht und weiterentwickelt werden müssen. Diese
reichen von extrem schnellen Prozessen, etwa auf katalytischen
Grenzflächen, bis hin zu Fragen der Systemstabilität eines
Anlagenverbundes, die es über Jahre hinweg sicherzustellen gilt.
Die Abteilung „Infrastruktur und wissenschaftliche Koordination“ des neu
gegründeten Instituts soll zudem die Aufgabe einer Geschäftsstelle für das
Helmholtz-Wasserstoffcluster HC-H2 wahrnehmen, beispielsweise für die
Entwicklung von Demonstrationsvorhaben oder die Netzwerkpflege. Denn das
Helmholtz-Wasserstoffcluster wird innovative Technologien für die
Produktion, Logistik und Nutzung von grünem Wasserstoff nicht nur
erforschen, sondern auch großskalig demonstrieren. Die aussichtsreichsten
Entwicklungen werden gemeinsam mit Partnern aus der Industrie,
akademischen Kooperationspartnern, Verbänden und den Kommunen im
Rheinischen Revier in Demonstrationsvorhaben umgesetzt.
Die Arbeiten im INW sollen überwiegend außerhalb des Campus des
Forschungszentrums Jülich stattfinden. Damit relevante Partner des
Helmholtz-Wasserstoffclusters aus Forschung, Industrie, Verbänden und
Kommunen räumlich leicht zusammenfinden können, soll das INW im Brainergy
Park in Jülich untergebracht werden, der sich derzeit im Aufbau befindet.
Im Rahmen einer Meet & Greet-Tour wird der neue Gründungsdirektor sich in
den nächsten Wochen und Monaten mit Akteuren in der Region zusammensetzen,
um gemeinsame Interessen und Potenziale auf dem Gebiet der
Wasserstoffwirtschaft zu erörtern. Geplant sind unter anderem Treffen mit
Bürgermeister:innen des Rheinischen Reviers, Landräten der Region,
Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie sowie weiteren Stakeholdern.
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