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Gerechtigkeitsfragen und Zielkonflikte bei der Hilfe nach Naturkatastrophen

Kann Deutschland von Japan etwas dazu lernen, wie Naturkatastrophen
bewältigt, verhindert oder abgemildert werden können? Beim Katastrophen-
Management geht es um Soforthilfe, aber auch um vorherige Schutzmaßnahmen
und anschließende finanzielle Unterstützung, um Kommunikation und
Gerechtigkeit. Damit befasst sich der Japanologe, Jurist und
Katastrophenexperte Julius Weitzdörfer von der FernUniversität. Bei seinen
Forschungen in Japan hat er festgestellt: „Bei größeren Katastrophen kann
man es nie allen recht machen, es gibt immer Gerechtigkeitsprobleme,
Zielkonflikte und diffizile Diskussionen.“ Auch bei finanziellen Hilfen:
Wer soll und kann Hilfe erhalten und wer zahlen?

Fassungslos sah die Welt im März 2011, wie ein Tsunami in Japan auch weit
von der Küste entfernte Landesteile verwüstete. In der Folge kam es in
drei Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima zu Kernschmelzen. Kann
Deutschland daraus etwas dazu lernen, wie solche Katastrophen bewältigt,
verhindert oder wenigstens abgemildert werden können? Beim Katastrophen-
Management geht es um Soforthilfe, aber auch um vorherige Schutzmaßnahmen
und anschließende finanzielle Unterstützung, um Kommunikation und
Gerechtigkeit – Themen, mit denen sich der Japanologe, Jurist und
Katastrophenexperte Julius Weitzdörfer befasst. Der Junior-Professor ist
unter anderem Experte für Atomrecht und leitet die Abteilung Japanisches
Recht im Institut für Internationale Rechtsbeziehungen an der
FernUniversität in Hagen. Dabei bewegt er sich wissenschaftlich im
Spannungsfeld zwischen Risikoregulierung, Technologiepolitik und
Umweltrecht (daraus ergeben sich auch Anknüpfungspunkte zum
Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt & Nachhaltigkeit“ der
FernUniversität).

Bei seinen Forschungen zum Risikomanagement in Japan hat er festgestellt:
„Bei größeren Naturkatastrophen kann man es nie allen recht machen, es
gibt immer Gerechtigkeitsprobleme, Zielkonflikte und diffizile
Diskussionen.“ Sind zum Beispiel Häuser weggeschwemmt oder schwer
beschädigt worden, stellen sich viele Fragen: Soll in einem
überschwemmungsgefährdeten Bereich wieder das aufgebaut werden, was dort
einmal stand? Oder etwas Zukunftssicheres, mit dem etwas Neues beginnen
kann? Im ländlichen Japan etwa hängen viele Menschen sehr an dem Ort, an
dem schon ihre Vorfahren gelebt haben. In Deutschland dürfte das für viele
ebenfalls zutreffen.

Anhand der Milliardenhilfen im Zuge des Corona-Lockdowns an Unternehmen,
deren Geschäftsmodelle aufgrund etwa fehlender Nachhaltigkeit so nicht
zukunftsfähig sein könnten wie zum Beispiel Fluggesellschaften, macht
Weitzdörfer ein Gerechtigkeitsproblem deutlich: „Haben dann nicht auch die
Bürgerinnen und Bürger das Recht, ihr Haus am alten, gefährdeten Standort
auf Steuerzahlerkosten wiederaufzubauen, auch wenn es voraussichtlich in
einigen Jahren erneut überflutet wird?“ Der Jurist weiter: „Und wenn der
Staat auch später wieder entstehende enorme Schäden ausgleichen muss, wird
von ihm erwartet, dass er selbst zu einem Garanten für ein Fass ohne Boden
wird.“

Geld und Gerechtigkeit

Die Fragen, die sich stellen, sind also sehr komplex und miteinander
verwoben. So geht es bei finanziellen Hilfen eben oft auch um
Gerechtigkeit: Wer kann und soll Hilfe erhalten? Wie viel? Ist es gerecht,
wenn diejenigen, die viel verloren haben, auch viel ersetzt bekommen? Oder
sollte nicht jeder vom Staat gleich viel bekommen? Und wer soll dafür
aufkommen?

Eines ist für Weitzdörfer klar: Ohne eine obligatorische,
institutionalisierte Absicherung für Opfer von Naturkatastrophen wird
Deutschland angesichts der immer massiveren Folgen des Klimawandels nicht
auskommen. In Japan hat er nach dem Tsunami 2011 die Schicksale privater
Haushalte in Küstennähe untersucht: „Wer nicht abgesichert ist, gerät sehr
schnell in finanzielle Nöte und in den Ruin.“

Staatsfonds oder Versicherungspflicht?

Für die Hilfe nach Naturkatastrophen ist in Deutschland jetzt einerseits
ein staatlicher, aus Steuern finanzierter Bund-Länder-Fonds zuständig:
„Erneut wurde die Gelegenheit verpasst, eine obligatorische
Elementarschaden-Versicherungen privatwirtschaftlicher Anbieter
verpflichtend zu machen.“

Wie müssen nun Versicherungsprämien gestaltet werden, damit die Menschen
sich den Schutz gegen Elementarschäden leisten können? Diese Prämien
orientieren sich ja am individuellen Schadensrisiko etwa eines Gebäudes.
Dagegen werden Steuerzahlerinnen und Steuerzahler über gestaffelte Sätze
an den Kosten eines Staatsfonds beteiligt: Wer mehr verdient und
finanziell leistungsfähiger ist, zahlt mehr als andere über seine Steuer
in den Fonds. Diese sind also „einkommensgerechter“, Versicherungen
dagegen „risikogerechter“.

Sich zu einer obligatorischen Lösung durchzuringen, ist für Staat und
Versicherungen allerdings nicht einfach. Bund und Länder sehen für sich
die Gefahr, letztendlich selbst Rückversicherer zu werden. Die Versicherer
befürchten, das Risiko nicht zuverlässig genug einzuschätzen bzw.
längerfristig finanziell nicht mehr abdecken zu können. Wenn zudem ihre
Angebote standardisiert und damit vergleichbar werden, „könnte sich das
negativ auf ihre Margen auswirken“, so Weitzdörfer. „Daher wären sie ohne
staatliche Garantien unter Umständen gar nicht so begeistert von einer
Pflicht.“ Für ihre Kundinnen und Kunden wäre diese Transparenz natürlich
vorteilhaft.

Versicherungsprämien „warnen“ vor Risiken

Für Weitzdörfer haben Versicherungsprämien noch eine wichtige Warn-
Funktion, die dem Staatsfonds fehlt. Sie spiegeln durch die Prämienhöhe
auch das Elementarschaden-Risiko der Immobilie wider und zeigen: Es könnte
gefährlich sein, an genau dieser Stelle ohne weitere Vorkehrungen ein
Gebäude zu errichten oder zu kaufen!

Werden die finanziellen Risiken durch einen staatlichen Fonds abgedeckt,
fehlt dieses Warnsignal. Das ist für Weitzdörfer ein ganz entscheidendes
Argument gegen Fonds. Zudem wird die Zahl extremer Wetterlagen aller
Wahrscheinlichkeit nach steigen – und damit auch die Kosten für Fonds:
„Nicht sachgerecht, nicht verteilungsgerecht und nicht zukunftsfähig“,
urteilt Weitzdörfer über sie.

Für sie spricht allerdings, dass viele Menschen in aller Welt sich keine
teure Versicherung leisten können: „Sie werden dann von Katastrophen
besonders hart getroffen. Und vor allem sie leben in gefährdeten
Bereichen!“

Die japanische Lösung

Wie die meisten Staaten mit gut ausgebauten Versicherungssystemen für
Naturkatastrophen kombiniert Japan staatliche mit privaten Lösungen zu
einem „hybriden“ System.

Dazu rät Weitzdörfer auch Deutschland: „Die Schadensrisiken drohen für die
Rückversicherer – bei denen sich alle Versicherer absichern –
unüberschaubar und schwer abschätzbar zu werden. Daher sollte der Staat
auf ein fair reguliertes Pflichtversicherungssystem bestehen, zum
Ausgleich aber einen Teil der finanziellen Lasten übernehmen.“ In Japan
teilen Staat und Versicherungen sich die Kosten je zur Hälfte, damit sind
Einkommens- und Risikogerechtigkeit gleichwertig.

Katastrophen kennen keine Grenzen

Weitzdörfer kann weder bei einem föderalen System wie in Deutschland noch
bei einem zentralistischen wie in Japan grundsätzliche Vor- oder Nachteile
bei der Bewältigung von Katastrophen erkennen. So können – nicht müssen –
für ihn zum Beispiel auch Entscheidungen, welche Maßnahmen lokal die
richtigen sind, durchaus zentral getroffen werden: „Das haben wir in
Deutschland ja auch bei der Corona-Pandemie gesehen.“

In Japan ist das nationale Katastrophen-Management – Prävention und
Reaktion – im Kabinettsbüro des Ministerpräsidenten angesiedelt, das etwa
dem deutschen Bundeskanzleramt entspricht. Das Büro delegiert dann
Aufgaben nach unten. Bei der Katastrophen-Bewältigung in Japan hat sich
das bisher weitgehend bewährt, vor allem in der Phase unmittelbar nach der
Katastrophe.

Längerfristig ist aber auch die kommunale Verantwortung sehr wichtig, weil
unter anderem die Behörden vor Ort die lokale Situation am besten
einschätzen können. „Wie gut die Zusammenarbeit der Organisationen und
Ebenen funktioniert, ist von außen nicht leicht und nicht pauschal zu
beurteilen.“ Grundsätzlich sind die Informationen der kommunalen Behörden
auch für Versicherer bzw. Staatsfonds wichtig, um zukünftige Risiken
kalkulieren zu können.

Da sich Naturkatastrophen nicht an Grenzen von Gemeinden, Bundesländern
und Staaten halten, müssen staatliche Organisationen und Verwaltungen aber
auch grenzüberschreitend kooperieren: „Die Überschwemmungen im Juli
betrafen nicht nur Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, sondern auch
Belgien und die Niederlande. Sie haben eine zunehmend transnationale
Dimension.“

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Malteser International: Humanitäre Hilfe wird klimaneutral

Das internationale Hilfswerk des Malteserordens, Malteser International, unterzeichnet die gemeinsame Klima-Charter für internationale Hilfsorganisationen und verpflichtet sich, alle 28 Standorte bis 2027 klimaneutral zu betreiben.

„Unsere Aufgabe ist es nicht nur, Menschen bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen und Betroffenen von Klimakatastrophen zu helfen. Wir müssen auch unseren eigenen Beitrag leisten, um den Klimawandel aufzuhalten und die Belastung unserer Arbeit auf die Umwelt zu reduzieren. Wir müssen und wollen an dieser Stelle Verantwortung übernehmen“, sagt Clemens Graf von Mirbach-Harff, Generalsekretär von Malteser International.

Malteser International hat die sogenannte „Climate and Environment Charter for Humanitarian Organizations“ unterzeichnet, die vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes ins Leben gerufen wurde. Damit verpflichtet sich die Organisation, den eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren und sich für eine ökologisch nachhaltige humanitäre Arbeit und klimasensible Projekte einzusetzen. Malteser International hat bereits in einem ersten Schritt unter anderem damit begonnen, Flüge zu kompensieren und Büros und Mitarbeiterunterkünfte aus klimaneutralem Reisstroh bauen zu lassen. In den Projekten wurde in einigen Bereichen bereits die Stromversorgung auf Solar umgestellt und der Müllverbrauch von medizinischem Verbrauchsmaterial reduziert.

„Es wäre ein nicht tragbarer Widerspruch für uns, wenn wir die Menschen bei den Auswirkungen des Klimawandels unterstützen und mit dieser Arbeit gleichzeitig die Umwelt zusätzlich belasten“, sagt Graf Mirbach-Harff.

Malteser International ist das weltweite Hilfswerk des Souveränen Malteserordens für humanitäre Hilfe. Die Organisation leistet in rund 100 Projekten in 30 Ländern Hilfe für Menschen in Not, unabhängig von deren Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung. Die christlichen Werte und die humanitären Prinzipien der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit bilden die Grundlage der Arbeit. Weitere Informationen: www.malteser-international.org 

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Michael Hombergs Beitrag zur elektronischen Part-nervermittlung gewinnt den »Zeitgeschichte digital«-Preis

Die Liebe hat gesiegt: Der vom Verein der Freunde und Förderer des
Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam gestiftete Preis
ging gestern Abend an den Historiker Dr. Michael Homberg für seinen
Beitrag „Computerliebe“. Der Text widmet sich den Anfängen der
elektronischen Partnervermittlung in den USA und Westeuropa. Erstmals
wurde zudem ein Sonderpreis für ein Lebenswerk im Bereich der digitalen
Geschichtswissenschaft vergeben: Die Auszeichnung erhielt Professor
Rüdiger Hohls von der Humboldt Universität zu Berlin für seine
Pionierarbeit beim Aufbau des Dienstes „H-Soz-Kult“, der wichtigsten
Plattform zur digitalen Vernetzung in der Geschichtswissenschaft.

Die Preisverleihung fand am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
Potsdam (ZZF) statt. Der Förderverein des Instituts verleiht den
»Zeitgeschichte digital«-Preis seit 2017 jährlich.

In seiner Ansprache betonte Martin Gorholt, Vorsitzender des
Freundeskreises des ZZF: „Immer mehr vor allem junge Menschen finden den
Zugang zu Filmen, Wortbeiträgen und Texten über das Internet. Deshalb ist
es so verdienstvoll, dass das ZZF Formate und Plattformen entwickelt hat,
um zeitgeschichtliche Texte auffindbar und attraktiv digital zu
präsentieren.“

Der »Zeitgeschichte digital«-Preis ist seit 2017 die erste Auszeichnung in
Deutschland, die sich dezidiert digitalen Publikationen in den
Geschichtswissenschaften widmet. „Aufgrund der hohen Qualität der
diesjährigen Beiträge haben wir erstmals auch die zweit- und
drittplatzierten Texte gewürdigt“, sagt Jutta Braun, Vorstandsmitglied im
Freundeskreis. Den zweiten Platz teilten sich punktgleich Professorin
Monika Dommann von der Universität Zürich, die Siegfried Giedions
„Herrschaft der Mechanisierung“ neu interpretierte, sowie Dr. Fernando
Esposito, der die Ikonografie von Briefmarken „für und wider Faschismus“
analysierte. Den dritten Platz belegte Dr. Tilman Siebeneichner von der
Humboldt Universität mit seinem Text „We are all astronauts“, in dem er
die Isolation in Coronazeiten mit dem Forschungsdasein von
Historiker*innen in Beziehung setzt.

Der Preis ist benannt nach dem Dachportal "Zeitgeschichte digital", das
die vier am ZZF betreuten Online-Plattformen »Docupedia«, »Visual
History«, »zeitgeschichte | online« und die »Zeithistorischen Forschungen«
vernetzt. Jährlich erscheinen dort zahlreiche Beiträge von
Wissenschaftler*innen, die zur Zeitgeschichte forschen. In diesem Jahr
waren zwölf aus den mehr als 200 Beiträgen für den mit 500 Euro dotierten
Preis von den Redaktionen vorab nominiert.

Auch der weitere Abend stand ganz im Zeichen der Geschichtsvermittlung:
Die ZZF-Historiker*innen Christine Bartlitz, Dr. Christoph Classen und Dr.
Achim Saupe stellten mit "zdbooks" eine neue Präsentationsplattform des
ZZF vor, die künftig Bücher im digitalen Raum publiziert.
ZZF-Wissenschaftler Jan C. Behrends präsentierte zudem die gemeinsam mit
der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gestaltete Foto-
Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten“.

Den prämierten Text finden Sie hier:

Michael Homberg, Computerliebe. Die Anfänge der elektronischen
Partnervermittlung in den USA und in Westeuropa, in: Zeithistorische
Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 17 (2020), H.
1, Druckausgabe: S. 36-62.
https://zeithistorische-forschungen.de/1-2020/5811

Zum Preisträger:
Dr. Michael Homberg ist seit Oktober 2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in der Abteilung
"Medien- und Informationsgesellschaft"
https://zzf-potsdam.de/de/mitarbeiter/michael-homberg

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ehs-Studierende des ersten generalistischen Pflegestudienganges im Sächsischen Sozialministerium empfangen

Mit einem festlichen Empfang im Gewandhaus Dresden wurden am Mittwoch, 10.
November 2021, die ersten Studierenden eines primärqualifizierenden
hochschulischen Pflegestudiums im Freistaat Sachsen von Petra Köpping,
Staatsministerin für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt,
begrüßt. Der Bachelor-Studiengang „Pflege“ startete erstmalig zum
Wintersemester 2021/2022 an der Evangelischen Hochschule Dresden (ehs) mit
16 Studierenden.

Am Mittwoch, den 10. November 2021, begrüßte Sozialministerin Köpping im
Gewandhaus Dresden 16 Studierende des ersten generalistischen
Pflegestudienganges im Freistaat Sachsen. Der Studiengang, der an der
Evangelischen Hochschule Dresden entwickelt wurde, führt sowohl zur
staatlichen Berufszulassung als Pflegefachfrau/Pflegefachmann als auch zu
einem Bachelorabschluss.
Prof. Dr. Marlies W. Fröse, Rektorin der ehs, dankte in ihrem Grußwort dem
Freistaat Sachsen: „Indem wir als Evangelische Hochschule Dresden erstmals
Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in einem primärqualifizierenden
Studiengang ausbilden, schlagen wir ein neues Kapitel der pflegerischen
Qualifizierung auf. Wir sind dankbar für das fortgesetzte Vertrauen in
unsere Hochschule, das der Freistaat Sachsen damit ausdrückt. Dieses
Vertrauen und das gemeinsame Bestreben danach, die Gesundheitsversorgung
in Sachsen zu sichern, bilden die Grundlage für die konstruktive und
produktive Zusammenarbeit zwischen Evangelischer Hochschule und
Freistaat.“
In dem wissenschaftsbasierten und praxisorientierten Studium werden 2300
Stunden praktische Ausbildungsanteile und das Hochschulstudium eng
miteinander verknüpft. Die Studierenden lernen sowohl in der Praxis, in
Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten und Seite an
Seite mit erfahrenen Berufskolleg_innen als auch an der Hochschule.
Studierende trainieren klinische Fertigkeiten wie das Blutdruckmessen, die
Wundversorgung oder die Überwachung des Blutzuckers und erwerben
kommunikative und soziale Kompetenzen für die professionelle Information,
Beratung und Anleitung von Patient_innen und deren Ange-hörige sowie von
Teammitgliedern und für die Übernahme von hochkomplexen pflegerischen
Prozessen. Sie lernen, wie Menschen gesund bleiben, aber auch wie sich
Krankheiten zeigen und behandelt werden können. Neben Prävention und
Gesundheitsförderung gehören der Umgang mit digitalen Anwendungen und
modernen Technologien in der Gesundheitsversorgung ebenso zum Profil der
Absolvent_innen.
Der Studiengangsleiter Prof. Dr. Thomas Fischer sagt zu diesem neuen,
innovativen Studiengang: „Die Akademisierung der Pflege hat mit dem
Pflegeberufegesetz von 2020 in ganz Deutschland Fahrt aufgenommen. Und wir
sind jetzt ganz vorne dabei mit dem ersten primärqualifizierenden
Pflegestudiengang im Freistaat Sachsen. Aber Sachsen war hier schon einmal
Vorreiterin, denn die erste aktive Krankenpflegerin, die in Deutschland
jemals promoviert wurde, war Sächsin. Erna von Abendroth promovierte 1921
an der Universität Leipzig zum Thema: ‚Der Beruf der Krankenpflegerin mit
besonderer Berücksichtigung der sächsischen Verhältnisse‘. Ich freue mich
daher sehr, dass wir nun gemeinsam an diese Tradition anknüpfen. Und ich
danke dem Freistaat Sachsen, dass er mit der Bereitstellung der
entsprechenden finanziellen Mittel dafür gesorgt hat, dass wir nun als
Team aus Fachleuten mit unterschiedlichen Spezialisierungen und
Kompetenzen unsere Pflegestudierenden auf den Weg in den Beruf bringen
können.“
Für die Absolvent_innen des Studienganges bestehen vielfältige
Beschäftigungsmöglichkeiten in allen Feldern der pflegerischen und
gesundheitlichen Versorgung. Eine Weiterentwicklung im Beruf ist möglich
und sinnvoll, etwa durch ein Masterstudium, in dessen Rahmen sich
Studierende auf einen bestimmten Versorgungsbereich spezialisieren können.

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