Zum Hauptinhalt springen

TU Berlin: Intelligente Zeitplanung könnte den CO2-Fußabdruck von Rechenzentren verbessern

Flexibilität ist das Stichwort

Die Kohlenstoffintensität des Strommix schwankt tageszeitabhängig

Große Energieverbraucher wie Stahlwerke oder Kühlhäuser machen es vor: Sie
passen ihre Stromnachfrage an das aktuelle Angebot an, praktizieren das
sogenannte „Demand-Side-Management“. Diese Industrien sind aber nicht die
einzigen „Energiefresser“: Auch Rechenzentren verbrauchen große Mengen an
Energie, weltweit über 200 Terawattstunden pro Jahr – mit stark steigender
Tendenz. Um den CO2-Fußabdruck des sogenannten Cloud-Computings zu
verringern, untersuchten Forscher*innen des Berlin Institute for the
Foundation of Learning and Data (BIFOLD) die Auswirkungen einer
intelligenten zeitlichen Verschiebung von zeitunkritischen Rechenlasten
auf den CO2-Fußabdruck dieser Rechenzentren. Ihre Veröffentlichung "Let's
Wait Awhile: How Temporal Workload Shifting Can Reduce Carbon Emissions in
the Cloud" wird im Dezember 2021 auf der international renommierten
Middleware-Konferenz präsentiert.

Flexibilität könnte ein Schlüssel für die erfolgreiche Integration
variabler erneuerbarer Energiequellen in das Stromnetz sein. Abhängig von
den Wetterbedingungen und der Stromnachfrage kann die Höhe der
Treibhausgas-Emissionen, die durch die Bereitstellung von Energie
verursacht wird, zeitlich stark schwanken. Diese Kennzahl wird gemeinhin
als Kohlenstoffintensität bezeichnet und beschreibt die absolute Menge an
Treibhausgasemission pro bereitgestellter Energieeinheit in gCO2eq (Gramm
CO2-Äquivalente Treibhausgase).

„In Deutschland ist es zum Beispiel nicht ungewöhnlich, dass an einem
sonnigen Tag um 13 Uhr eine einzige Kilowattstunde weniger als 100 gCO2eq
verursacht, während dieselbe Kilowattstunde, die um 18 Uhr verbraucht
wird, mehr als das Vierfache verursacht, da abends keine Sonnenenergie zur
Verfügung steht, der Energiebedarf aber steigt", erklärt Philipp Wiesner,
der als Doktorand an der TU Berlin mit den BIFOLD-Forschern Prof. Dr. Odej
Kao und Prof. Dr. Lauritz Thamsen arbeitet. Auch von Region zu Region
variieren die Emissionen: In Deutschland liegen sie im Durchschnitt bei
313 gCO2eq/kWh, in Frankreich, wo der Großteil der Energie aus
Kernkraftwerken stammt, bei nur 56 gCO2eq/kWh.

Nachhaltigeres Cloud Computing

Durch die Verlagerung von Rechenlasten auf Zeiten, in denen der Anteil von
grüner Energie im Strommix hoch ist, können die damit verbundenen
Treibhausgas-Emissionen erheblich reduziert werden. In ihrer
Veröffentlichung analysierten Philipp Wiesner und seine Ko-Autoren Ilja
Behnke, Dominik Schreinert, Kordian Gontarska und Lauritz Thamsen das
Potenzial für die Ausnutzung dieser Schwankungen, indem sie
zeitunkritische Rechenoperationen in Zeiten mit einem hohen Anteil an
sauberer Energie verschoben. „Unser Ziel ist es, Cloud Computing
nachhaltiger zu machen“, so Philipp Wiesner.

Dazu analysierten sie die Stromnetze von Deutschland, Großbritannien,
Frankreich und Kalifornien im Jahr 2020 im Hinblick auf ihre
Kohlenstoffintensität. „Wir haben verschiedene Szenarien der
Lastverschiebung modelliert und experimentell evaluiert, um den Einfluss
von Zeitbeschränkungen, Planungsstrategien und die Genauigkeit von
Prognosen der Kohlenstoffintensität zu untersuchen", so Philipp Wiesner.
„Im Gegensatz zu den meisten anderen Forscher*innen konzentrierten wir uns
nicht auf die Reduzierung des Gesamtenergieverbrauchs, sondern auf den
Energieverbrauch zur richtigen Zeit - die von Region zu Region
unterschiedlich sein kann."

Emissionen könnten bis zu einem Drittel reduziert werden

Beispiele für energieintensive, aber flexible Arbeitslasten reichen von
großen maschinellen Lernaufträgen und wissenschaftlichen Simulationen bis
hin zu Datenverarbeitungspipelines und Videorendering. „Rechenintensive
Prozesse, die freitags um 18 Uhr angeschoben werden, haben in aller Regel
Zeit bis Montagmorgen, solange sie beendet sind, wenn die Arbeitszeit
wieder beginnt. Unsere Studie zeigt, das die Ausnutzung dieser
Flexibilität die Kohlenstoffemissionen eines Auftrags um 5,7 bis 8,5
Prozent senken kann, da die Kohlenstoffintensität am Wochenende in der
Regel geringer ist“, beschreibt Philipp Wiesner die Ergebnisse. Ebenfalls
untersuchten die Wissenschaftler*innen sogenannte periodische Batch-Jobs,
also Rechenaufträge, die in kleineren Einheiten bearbeitet werden können.
Dazu zählen zum Beispiel sogenannte nächtliche Compile-Jobs,
Integrationstests, Datenbank-Backups oder die Erstellung von
Geschäftsberichten. „Während die meisten Verträge zwischen Dienstleistern
und Kund*innen versprechen, solche Aufträge immer zu bestimmten Zeiten
auszuführen, könnten sie auch flexiblere Zeitfenster vorsehen. Die erhöhte
Flexibilität könnte die Emissionen in bestimmten Bereichen um bis zu einem
Drittel reduzieren", fasst Philipp Wiesner zusammen.

Publikation:
“Let’s Wait Awhile: How Temporal Workload Shifting Can Reduce Carbon
Emissions in the Cloud”, Philipp Wiesner, Ilja Behnke, Dominik Scheinert,
Kordian Gontarska, und Lauritz Thamsen
<https://arxiv.org/abs/2110.13234>

  • Aufrufe: 22

Welt-COPD-Tag 2021: Rauchen ist die Hauptursache für COPD

Rauchen ist die Hauptursache für die Lungenkrankheit COPD (engl. chronic
obstructive pulmonary disease, zu Deutsch: Chronisch obstruktive
Lungenerkrankung). Zwischen 80 und 90 Prozent aller COPD-Fälle sind auf
das Rauchen zurückzuführen. Darauf macht die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Welt-COPD-Tages am 17.
November 2021 aufmerksam. Laut Statistischem Bundesamt sterben in
Deutschland jährlich mehr als 30.000 Menschen an den Folgen einer COPD-
Erkrankung. Durch eine COPD-Erkrankung steigt auch das Risiko für einen
schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.

Rauchen ist die Hauptursache für die Lungenkrankheit COPD (engl. chronic
obstructive pulmonary disease, zu Deutsch: Chronisch obstruktive
Lungenerkrankung). Zwischen 80 und 90 Prozent aller COPD-Fälle sind auf
das Rauchen zurückzuführen. Darauf macht die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Welt-COPD-Tages am 17.
November 2021 aufmerksam. Laut Statistischem Bundesamt sterben in
Deutschland jährlich mehr als 30.000 Menschen an den Folgen einer COPD-
Erkrankung. Durch eine COPD-Erkrankung steigt auch das Risiko für einen
schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.

Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention in der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, erläutert: „Viele
Raucherinnen und Raucher sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie ein
erhöhtes Risiko für eine COPD haben. Erste Symptome wie Kurzatmigkeit oder
vermehrter Auswurf beim Husten werden häufig nicht ernst genug genommen.
Dabei ist bei einer COPD bereits in dieser Phase das Lungengewebe stark
geschädigt. Um das Risiko einer COPD zu senken, ist ein Rauchstopp immer
richtig. Die BZgA unterstützt mit zahlreichen qualitätsgeprüften Angeboten
– ob telefonisch, online oder mit dem kostenfreien rauchfrei-Startpaket.“

Eine COPD-Erkrankung beginnt schleichend. Frühe Symptome wie vermehrter
Husten, Auswurf und Kurzatmigkeit werden von den Betroffenen häufig als
Begleiterscheinungen des Rauchens – als sogenannter Raucherhusten –
hingenommen. Durch die fortschreitende Schädigung der Lungenbläschen wird
die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus immer schlechter. Deshalb
müssen schwer an COPD Erkrankte dauerhaft mit zusätzlichem Sauerstoff
versorgt werden.

Kostenfreie und qualitätsgesicherte Angebote der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung zur Unterstützung beim Rauchstopp:

• Online-Ausstiegsprogramm: Infos und individuelle Tipps zum Thema Rauchen
und Nichtrauchen und unterstützende tägliche E-Mail unter: http://www
.rauchfrei-info.de. Eine Möglichkeit zum Austausch und zur gegenseitigen
Motivation bieten das Forum und der Chat mit anderen Aufhörwilligen und
den ehrenamtlichen rauchfrei-Lotsinnen und -Lotsen.

• Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung: Professionelle Beraterinnen
und Berater sind unter der kostenlosen Rufnummer 0 800 8 31 31 31 täglich
erreichbar, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis
sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Telefonberatung begleitet auf Wunsch mit
bis zu fünf Rückrufen individuell beim Rauchstopp.

• Informationsbroschüren: „Ja, ich werde rauchfrei“ oder „Rauchfrei in der
Schwangerschaft und nach der Geburt“: Die Broschüren können kostenfrei
bestellt oder direkt heruntergeladen werden unter:
http://www.bzga.de/infomaterialien

• rauchfrei-Startpaket zum Nichtrauchen mit der Broschüre „Ja, ich werde
rauchfrei“, einem „Kalender für die ersten 100 Tage“, einem Stressball und
anderen hilfreichen kostenlosen Materialien. Bestellung per E-Mail unter:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Bestellung der kostenlosen BZgA-Materialien unter:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: http://www.bzga.de/infomaterialien
Fax: 0221/8992257
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

  • Aufrufe: 8

Teodor Currentzis – musicAeterna, KKL Luzern. 8. Oktober 2021, besucht von Léonard Wüst

Setzte das KKL drei Tage lang unter Strom: Teodor Currentzis dirigiert sein «musicAeterna»-Orchester unter anderem in Mahlers fünfter Sinfonie. Foto Matthias Creutziger
Setzte das KKL drei Tage lang unter Strom: Teodor Currentzis dirigiert sein «musicAeterna»-Orchester unter anderem in Mahlers fünfter Sinfonie. Foto Matthias Creutziger

Besetzung und Programm:
Teodor Currentzis Leitung
musicAeterna Orchester
Alexey Retinsky: «Anapher» für symphonisches Orchester (Uraufführung)
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5

Ein illustres, teils gar prominentes Publikum strömte erwartungsfreudig in den Konzertsaal, darunter u.a. Samih Sawiris, der ägyptische Grossinvestor u.a. des Andermatt Swiss Alps Projektes.

Uraufführung von Alexey Retinskys neuem Werk Anapher für symphonisches Orchester

Komponist Alexey Retinsky
Komponist Alexey Retinsky

Immer schwer, Uraufführungen zu rezensieren, da man keinerlei Bezugspunkte, weder literarische, noch akustische in Form eines Tonträgers, hat. Deshalb kam mir sehr gelegen als meine Begleiterin am Ende des Werks bemerkte: Das hat getönt wie in der Taiga. Also, das Pferd von hinten aufzäumen und fragen

Wie tönt ein Tag in der Taiga?

Kraftvolles hochkonzentriertes Dirigat des griechischen Genies
Kraftvolles hochkonzentriertes Dirigat des griechischen Genies

In den Wäldern der Taiga leben Elche und Braun- und Schwarzbären, aber auch Eichhörnchen, Füchse, Dachse, Hasen, Zobel und der Vielfraß. Marder. Wildschweine, Luchse, Nerze und Hirsche kommen ebenfalls vor. Es wachsen Nadelbäume wie Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen. All deren diverse Geräusche zu orchestrieren, damit sie von einem Klangkörper interpretiert werden können erscheint uns als ein Ding der Unmöglichkeit. Doch genau dies macht der gebürtige Krim Ukrainer Retinsky und bedient sich dafür auch sehr ungewöhnlicher Instrumente, von welchen de E Gitarre noch das gebräuchlichste ist. Wo aber findet man sonst eine Partitur, die auch Noten für Semantron und hundert Wasserpfeifen.enthält?

Komposition für Wasserpfeifen?

E-Gitarre Symbolbild
E-Gitarre Symbolbild
Betzold Vogelwasserpfeifen
Betzold Vogelwasserpfeifen

Genau diese Wasserpfeifen sind es denn auch, die ungefähr in der Mitte des Werkes ein grossartiges Vogelgezwitscher erzeugen, das Currentzis genüsslich auskostend in die Länge zieht, bevor sich die Töne wie ein Vogelschwarm wieder voneinander trennen und in der Taiga verstummen. Kündigt das kurz dröhnende Brummen der Bässe das Erscheinen eines Braunbären an, sequenziert die trillernde Querflöte das Herumhuschen eines flinken Eichhörnchens, symbolisieren die sanften Harfenklänge das rieseln den Nadeln, die von den Fichten und Tannen zu Boden schweben?

Klangwelten einer uns unbekannten Fauna und Flora

Semantron Symbolfoto
Semantron Symbolfoto

Das aufgeregte Trällern des Piccolos versinnbildlicht die Angstschreie einer von einem Fuchs im Gras aufgescheuchten Schnepfe. Symbolisiert das Schlagwerk nicht Storchengeklapper? Alexei Retinski,Teodor Currentzis – musicAeterna eröffnen uns hier völlig neue Klangwelten, lassen uns akustisch eintauchen in eine uns unbekannte Fauna und Flora. Diese Klangwelten überzeugten auch das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal, welches dann auch nicht mit stürmischem Applaus geizte, bevor man sich in die Wandelhallen des KKL in die Pause begab.

Näheres zum Komponisten

Auch die leiseren Töne wurden gehört
Auch die leiseren Töne wurden gehört

 

Auch am Basss passiert was
Auch am Basss passiert was

Alexei Retinski, der erste Resident der musicAeterna Komponisten-Werkstatt in Sankt Petersburg ist ein Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste und der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz bei Professor Beat Furrer. Seine Werke werden häufig in russischen und europäischen Konzertsälen aufgeführt. „Anapher“ wurde für ein grosses Sinfonieorchester, eine E-Gitarre, drei Semantrons und hundert Wasserpfeifen komponiert. Das Nebeneinander von klassischer Besetzung und atypischen Instrumenten beruht auf dem dramaturgischen Konzept eines qualitativen Übergangs in einen neuen Zustand. Dieser Übergang wird durch eine quantitative Anhäufung von Instrumenten erzielt, die die traditionelle orchestrale Textur scheinbar durchbricht. Dabei verlässt die Textur das konventionelle Achsensystem und überschreitet die Grenzen der legitimen Temperamente und klanglichen Hierarchien – und wie sich am Ende herausstellt, ist der scheinbar „entgleiste Zug“ mit Flügeln ausgestattet.

2. Konzertteil Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Jede Note ist von der vollsten Lebendigkeit und alles dreht sich im Wirbeltanz. Es bedarf nicht des Wortes, alles ist rein musikalisch gesagt.«
Gustav Mahler gegenüber Natalie Bauer-Lechner über seine Fünfte Sinfonie

Mahlers Philosophie in Musik verpackt

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Mahler waren Sinfonien stets ein Mittel zur Interpretation komplexer philosophischer Probleme, die verbal nicht gelöst werden konnten. Die anspruchsvolle Struktur der fünfteiligen Sinfonie reicht vom Trauermarsch bis hin zum fulminanten Finale – ein unerschrockener Versuch, den tragischen Konflikt mit der ihn umgebenden Welt zu lösen. Der geniale vierte Satz der Sinfonie, das Adagietto, gleicht einer wunderschönen geheimnisvollen Blume, die jeder Dirigent in seinem eigenen Stil neu interpretiert. Mahler hat als einer der einflussreichsten Maestros des zwanzigsten Jahrhunderts die Rolle des Dirigenten neu definiert. Für Mahler ist der Dirigent ein ebenso wesentlicher Bestandteil seiner musikalischen Werke wie der Komponist. Wenn ein Dirigent das Pult betritt und die Partitur aufschlägt, erschafft er musikalische Universen von Grund auf neu. Seit vielen Jahren führen Teodor Currentzis und das musicAeterna Orchester Mahlers Sinfonien in vielen Ländern der Welt auf. Die Fünfte Sinfonie hat dabei ihren Platz als einer der Höhepunkte des Zyklus erobert

Mahler neu gedacht von Teodor Currentzis – musicAeterna

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Ein ausführlicher Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Streng. Wie ein Kondukt in cis-Moll ist dem eigentlichen Hauptsatz vorangestellt. Er beginnt mit einer verhaltenen Trompetenfanfare, welche zum maßgeblichen Motiv des Marsches wird. Das Motiv erinnert an den Beginn des Generalmarsches der österreichisch-ungarischen Armee. Die Fanfare wird im Orchestertutti abgeschlossen und anschließend resignierend in die Tiefe geführt. Es schließt sich ein klagendes, gesangliches Thema der Streicher an und sorgt im Folgenden für eine dunkle und bedrohliche Stimmung. Das Fanfarenmotiv kehrt nun im Orchester wieder und sorgt für eine musikalische Verdichtung. Der gemessen schreitende Zug wird durch ein erstes Trio unterbrochen. Ein plötzlich hervorbrechender Ausbruch in b-Moll, der sich zum Tutti steigert und die Grenzen des tonalen Raumes antastet, leitet es ein. Eine sprunghaft aufsteigende Melodie wird von synkopierenden Gegenrhythmen kontrastiert.

Dritter Satz

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Eine Walzermelodie bestimmt das erste Trio und lässt das Bild einer traumhaft-heilen Welt entstehen. Die inhaltliche Wiederholung des Scherzos führt zu einem Tuttihöhepunkt, welcher das zweite Trio einleitet. Im Gegensatz zum ersten handelt es sich um einen langen und thematisch schwergewichtigen Einschub. Eine durchgehende Bewegung fehlt hier, zahlreiche Haltepunkte führen maßgeblich zur großen Ausdehnung des Satzes. Eine wehmütige Melodie entfaltet sich in den Holzbläsern und Streichern zu minimalistischer Pizzicato Begleitung der Streicher. Ein elegischer Horn Ruf wirkt wie ein entrückendes Element und verleiht dem musikalischen Geschehen einen mystischen und tiefgehenden Klang, welcher einen böhmischen Klagegesang aufgreift[3]. Nach einiger Zeit verdichtet sich das Geschehen und steigert sich zu furiosen Läufen und einem großen Fortissimo am Rande der Tonalität.

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Langsam entwickelt sich im Anschluss eine dynamische Steigerung. Dieser dramatische Höhepunkt ist in höchst freier Chromatik gestaltet und geht, wie es für Mahler typisch ist, in mehreren Wellen vor sich. Er beruhigt sich durch die Wiederkehr des Hauptthemas. Der Mittelteil des dreiteiligen Satzes bringt einen neuen Gedanken, ohne jedoch eine Stimmungsänderung zu bewirken. Der Satz verklingt nach der Rückkehr des Hauptthemas friedlich und nahezu entrückt in pianissimo

Die Sinfonie endet mit einem sich langsam steigernden Rondo-Finale. Allegro – Allegro giocoso

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Die übersteigerte Apotheose ergeht sich in nahezu lärmender Polyphonie  und grenzenlosem Jubel und wird durch die Wiederkehr des Chorals aus dem zweiten Satz eingeleitet. Mahlers letzte Tempoangabe gibt vor: “Allegro molto und bis zum Schluss beschleunigend”. Der alles mit sich reißende Taumel beendet die Sinfonie mit einem mächtigen Tuttiakkord.

Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva

Currentis Interpretation der fünften Sinfonie Mahlers berührt und fesselt zugleich. Von der berühmten Trompetenfanfare über den dramatischen Ausdruck des zweiten Satzes und dem träumerisch-anmutenden Adagietto bis hin zur musikalischen Hin-und-her-Gerissenheit des Rondo-Finales, lotet er jede dynamische Nuance der Partitur aus. Gleichzeitig brilliert die Interpretation in Sachen Präzision und lebendigem Orchesterklang.

Die souveränen Hornisten in Mahlers 5. Sinfonie
Die souveränen Hornisten in Mahlers 5. Sinfonie

Currentzis nimmt das Schlagwerk und die Bläser ebenso energisch in die Pflicht, wie er die Streicher uns sanft zärtlich umschmeicheln lässt, besonders ausgeprägt beim tänzelnden Walzer im dritten Satz. Dabei bewegt sich der charismatische Dirigent elegant geschmeidig gibt seine Anweisungen mittels kleinen Gesten, auf- und anfordernder Blicken und motivierenden Körperbewegungen

Tiefgründig und messerscharf

Der Meister zeigt wos lang geht
Der Meister zeigt wos lang geht

Mit unverstelltem, tiefenscharfem Blick erschließen Teodor Currentzis und seine Mitmusiker die klanglichen Schönheiten ebenso wie die schroffen Abgründe der monumentalen Partitur, um deren finale Gestalt der Komponist gerungen hat wie bei kaum einer anderen seiner Sinfonien. Das Auditorium war hingerissen, aber auch tief beeindruckt von dieser Demonstration und feierte die Protagonisten mit einer langen, nicht enden wollenden stehenden Ovation.

Nachtrag

Er hatte schlagkräftige Argumente
Er hatte schlagkräftige Argumente

Ausser den Cellisten absolvierten alle Musiker*innen das Konzert stehend, auch eine Aussergewöhnlichkeit, schon fast ein Markenzeichen dieses Orchesters, Teil seiner intensiven Aura.Luzern gehört laut Pressetext zu den «wichtigsten Musikmetropolen mit hoher kreativer Energie». Einen Grund dafür hatte Currentzis selbst nach einem Konzert am Lucerne Festival genannt. Bei einem Auftritt vor Publikum im Panoramafoyer des KKL sagte er: Das ist der beste, wirklich der beste moderne Konzertsaal der Welt.»

Teodor Currentzis weiter:

Der Chef bedankt sich applaudierend bei seinen Mitmusikern
Der Chef bedankt sich applaudierend bei seinen Mitmusikern

Die musicAeterna Kreativresidenzen verwirklichen unsere Vision von der Zukunft der Kunst. Es ist ein Weg, die Künste zu erneuern, indem die Grenzen zwischen ihnen verwischt werden. In unseren Residenzen tauschen Künstler, die in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, aber ähnliche Visionen von Schönheit und der Zukunft der Kunst haben, Inspiration und Ideen aus. Dies ermöglicht es uns, uns selbst, die Welt und die Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, erweitert unseren Horizont und führt zu einem völlig neuen Ergebnis. Sie verändert uns unweigerlich. Und wir möchten, dass auch das Publikum diese Freiheit spürt und diesen Schwung bekommt. Die Residenz ist eine Möglichkeit, in einen Raum der Erkundung und Kommunikation einzutreten. Dies ist das Wesen und der Geist unseres Projekts.

Mein Fazit: Wer dieses Orchester mit seinem Dirigenten nie live erlebt hat, wird  nie verstehen, was Musik wirklich ist!

Kleine Fotosiashow zum Bericht:

fotodiashows.wordpress.com/2021/10/08/currentzis/

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: https://musicaeterna.org/

Homepages der andern Kolumnisten:  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch

 www.maxthuerig.ch

  • Aufrufe: 18

Veterinärmedizinerin Einspanier von der Universität Leipzig mit Professor Niklas-Medaille geehrt

Prof. Dr. Almuth Einspanier  Foto: Swen Reichhold
Prof. Dr. Almuth Einspanier Foto: Swen Reichhold

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat beim politischen
Erntedank am Dienstagabend (5. Oktober) in Berlin die renommierte
Professor Niklas-Medaille an die Veterinärmedizinerin Prof. Dr. Almuth
Einspanier von der Universität Leipzig verliehen. Die Medaille, mit der
auch zwei andere Forschende geehrt wurden, ist die höchste Auszeichnung,
die die Ministerin für besondere Verdienste und herausragendes Engagement
im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums vergibt. Einspanier
erhielt die Medaille für ihre Forschung im Bereich des Tierschutzes zum
Ausstieg aus dem Kükentöten.

Mit ihrem Team hat sie ein mit Bundesmitteln gefördertes
Technologieverfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt, mit dem
das Schreddern männlicher Küken verhindert werden kann. „Es ist eine große
Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen“, sagte Einspanier bei der
Preisverleihung. Sie dankte ihrem Team sowie dem Kooperationspartner, mit
denen das endokrinologische Verfahren zur Geschlechtsbestimmung von Küken
im Ei zur Marktreife gebracht werden konnte. „Man kann jetzt diese Eier
kaufen. Das ist ein tolles Gefühl, auch für die Forschung“, betonte die
Geehrte. Klöckner sagte: „Durch Ihre Arbeit ist es gelungen, dass wir mehr
für den Tierschutz tun können.“

Die Professor Niklas-Medaille wird seit 1978 an Personen verliehen, die
sich in hervorragender Weise um die Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft
oder das Wohl der in diesen Bereichen tätigen Menschen verdient gemacht
haben. Der Namensgeber, Wilhelm Niklas, war der Landwirtschaft eng
verbunden und prägte sie - beginnend in Bayern  - in den Nachkriegsjahren
in Deutschland maßgeblich.

  • Aufrufe: 14