Die Kohlenstoffintensität des Strommix schwankt tageszeitabhängig
Große Energieverbraucher wie Stahlwerke oder Kühlhäuser machen es vor: Sie passen ihre Stromnachfrage an das aktuelle Angebot an, praktizieren das sogenannte „Demand-Side-Management“. Diese Industrien sind aber nicht die einzigen „Energiefresser“: Auch Rechenzentren verbrauchen große Mengen an Energie, weltweit über 200 Terawattstunden pro Jahr – mit stark steigender Tendenz. Um den CO2-Fußabdruck des sogenannten Cloud-Computings zu verringern, untersuchten Forscher*innen des Berlin Institute for the Foundation of Learning and Data (BIFOLD) die Auswirkungen einer intelligenten zeitlichen Verschiebung von zeitunkritischen Rechenlasten auf den CO2-Fußabdruck dieser Rechenzentren. Ihre Veröffentlichung "Let's Wait Awhile: How Temporal Workload Shifting Can Reduce Carbon Emissions in the Cloud" wird im Dezember 2021 auf der international renommierten Middleware-Konferenz präsentiert.
Flexibilität könnte ein Schlüssel für die erfolgreiche Integration variabler erneuerbarer Energiequellen in das Stromnetz sein. Abhängig von den Wetterbedingungen und der Stromnachfrage kann die Höhe der Treibhausgas-Emissionen, die durch die Bereitstellung von Energie verursacht wird, zeitlich stark schwanken. Diese Kennzahl wird gemeinhin als Kohlenstoffintensität bezeichnet und beschreibt die absolute Menge an Treibhausgasemission pro bereitgestellter Energieeinheit in gCO2eq (Gramm CO2-Äquivalente Treibhausgase).
„In Deutschland ist es zum Beispiel nicht ungewöhnlich, dass an einem sonnigen Tag um 13 Uhr eine einzige Kilowattstunde weniger als 100 gCO2eq verursacht, während dieselbe Kilowattstunde, die um 18 Uhr verbraucht wird, mehr als das Vierfache verursacht, da abends keine Sonnenenergie zur Verfügung steht, der Energiebedarf aber steigt", erklärt Philipp Wiesner, der als Doktorand an der TU Berlin mit den BIFOLD-Forschern Prof. Dr. Odej Kao und Prof. Dr. Lauritz Thamsen arbeitet. Auch von Region zu Region variieren die Emissionen: In Deutschland liegen sie im Durchschnitt bei 313 gCO2eq/kWh, in Frankreich, wo der Großteil der Energie aus Kernkraftwerken stammt, bei nur 56 gCO2eq/kWh.
Nachhaltigeres Cloud Computing
Durch die Verlagerung von Rechenlasten auf Zeiten, in denen der Anteil von grüner Energie im Strommix hoch ist, können die damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen erheblich reduziert werden. In ihrer Veröffentlichung analysierten Philipp Wiesner und seine Ko-Autoren Ilja Behnke, Dominik Schreinert, Kordian Gontarska und Lauritz Thamsen das Potenzial für die Ausnutzung dieser Schwankungen, indem sie zeitunkritische Rechenoperationen in Zeiten mit einem hohen Anteil an sauberer Energie verschoben. „Unser Ziel ist es, Cloud Computing nachhaltiger zu machen“, so Philipp Wiesner.
Dazu analysierten sie die Stromnetze von Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Kalifornien im Jahr 2020 im Hinblick auf ihre Kohlenstoffintensität. „Wir haben verschiedene Szenarien der Lastverschiebung modelliert und experimentell evaluiert, um den Einfluss von Zeitbeschränkungen, Planungsstrategien und die Genauigkeit von Prognosen der Kohlenstoffintensität zu untersuchen", so Philipp Wiesner. „Im Gegensatz zu den meisten anderen Forscher*innen konzentrierten wir uns nicht auf die Reduzierung des Gesamtenergieverbrauchs, sondern auf den Energieverbrauch zur richtigen Zeit - die von Region zu Region unterschiedlich sein kann."
Emissionen könnten bis zu einem Drittel reduziert werden
Beispiele für energieintensive, aber flexible Arbeitslasten reichen von großen maschinellen Lernaufträgen und wissenschaftlichen Simulationen bis hin zu Datenverarbeitungspipelines und Videorendering. „Rechenintensive Prozesse, die freitags um 18 Uhr angeschoben werden, haben in aller Regel Zeit bis Montagmorgen, solange sie beendet sind, wenn die Arbeitszeit wieder beginnt. Unsere Studie zeigt, das die Ausnutzung dieser Flexibilität die Kohlenstoffemissionen eines Auftrags um 5,7 bis 8,5 Prozent senken kann, da die Kohlenstoffintensität am Wochenende in der Regel geringer ist“, beschreibt Philipp Wiesner die Ergebnisse. Ebenfalls untersuchten die Wissenschaftler*innen sogenannte periodische Batch-Jobs, also Rechenaufträge, die in kleineren Einheiten bearbeitet werden können. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte nächtliche Compile-Jobs, Integrationstests, Datenbank-Backups oder die Erstellung von Geschäftsberichten. „Während die meisten Verträge zwischen Dienstleistern und Kund*innen versprechen, solche Aufträge immer zu bestimmten Zeiten auszuführen, könnten sie auch flexiblere Zeitfenster vorsehen. Die erhöhte Flexibilität könnte die Emissionen in bestimmten Bereichen um bis zu einem Drittel reduzieren", fasst Philipp Wiesner zusammen.
Publikation: “Let’s Wait Awhile: How Temporal Workload Shifting Can Reduce Carbon Emissions in the Cloud”, Philipp Wiesner, Ilja Behnke, Dominik Scheinert, Kordian Gontarska, und Lauritz Thamsen <https://arxiv.org/abs/2110.13234>
Rauchen ist die Hauptursache für die Lungenkrankheit COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease, zu Deutsch: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Zwischen 80 und 90 Prozent aller COPD-Fälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Darauf macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Welt-COPD-Tages am 17. November 2021 aufmerksam. Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich mehr als 30.000 Menschen an den Folgen einer COPD- Erkrankung. Durch eine COPD-Erkrankung steigt auch das Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.
Rauchen ist die Hauptursache für die Lungenkrankheit COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease, zu Deutsch: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Zwischen 80 und 90 Prozent aller COPD-Fälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Darauf macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Welt-COPD-Tages am 17. November 2021 aufmerksam. Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich mehr als 30.000 Menschen an den Folgen einer COPD- Erkrankung. Durch eine COPD-Erkrankung steigt auch das Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.
Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, erläutert: „Viele Raucherinnen und Raucher sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie ein erhöhtes Risiko für eine COPD haben. Erste Symptome wie Kurzatmigkeit oder vermehrter Auswurf beim Husten werden häufig nicht ernst genug genommen. Dabei ist bei einer COPD bereits in dieser Phase das Lungengewebe stark geschädigt. Um das Risiko einer COPD zu senken, ist ein Rauchstopp immer richtig. Die BZgA unterstützt mit zahlreichen qualitätsgeprüften Angeboten – ob telefonisch, online oder mit dem kostenfreien rauchfrei-Startpaket.“
Eine COPD-Erkrankung beginnt schleichend. Frühe Symptome wie vermehrter Husten, Auswurf und Kurzatmigkeit werden von den Betroffenen häufig als Begleiterscheinungen des Rauchens – als sogenannter Raucherhusten – hingenommen. Durch die fortschreitende Schädigung der Lungenbläschen wird die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus immer schlechter. Deshalb müssen schwer an COPD Erkrankte dauerhaft mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden.
Kostenfreie und qualitätsgesicherte Angebote der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Unterstützung beim Rauchstopp:
• Online-Ausstiegsprogramm: Infos und individuelle Tipps zum Thema Rauchen und Nichtrauchen und unterstützende tägliche E-Mail unter: http://www .rauchfrei-info.de. Eine Möglichkeit zum Austausch und zur gegenseitigen Motivation bieten das Forum und der Chat mit anderen Aufhörwilligen und den ehrenamtlichen rauchfrei-Lotsinnen und -Lotsen.
• Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung: Professionelle Beraterinnen und Berater sind unter der kostenlosen Rufnummer 0 800 8 31 31 31 täglich erreichbar, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Telefonberatung begleitet auf Wunsch mit bis zu fünf Rückrufen individuell beim Rauchstopp.
• Informationsbroschüren: „Ja, ich werde rauchfrei“ oder „Rauchfrei in der Schwangerschaft und nach der Geburt“: Die Broschüren können kostenfrei bestellt oder direkt heruntergeladen werden unter: http://www.bzga.de/infomaterialien
• rauchfrei-Startpaket zum Nichtrauchen mit der Broschüre „Ja, ich werde rauchfrei“, einem „Kalender für die ersten 100 Tage“, einem Stressball und anderen hilfreichen kostenlosen Materialien. Bestellung per E-Mail unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Bestellung der kostenlosen BZgA-Materialien unter: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln Online-Bestellsystem: http://www.bzga.de/infomaterialien Fax: 0221/8992257 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Setzte das KKL drei Tage lang unter Strom: Teodor Currentzis dirigiert sein «musicAeterna»-Orchester unter anderem in Mahlers fünfter Sinfonie. Foto Matthias Creutziger
Besetzung und Programm: Teodor Currentzis Leitung musicAeterna Orchester Alexey Retinsky: «Anapher» für symphonisches Orchester (Uraufführung) Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5
Ein illustres, teils gar prominentes Publikum strömte erwartungsfreudig in den Konzertsaal, darunter u.a. Samih Sawiris, der ägyptische Grossinvestor u.a. des Andermatt Swiss Alps Projektes.
Uraufführung von Alexey Retinskys neuem Werk Anapher für symphonisches Orchester
Komponist Alexey Retinsky
Immer schwer, Uraufführungen zu rezensieren, da man keinerlei Bezugspunkte, weder literarische, noch akustische in Form eines Tonträgers, hat. Deshalb kam mir sehr gelegen als meine Begleiterin am Ende des Werks bemerkte: Das hat getönt wie in der Taiga. Also, das Pferd von hinten aufzäumen und fragen
Wie tönt ein Tag in der Taiga?
Kraftvolles hochkonzentriertes Dirigat des griechischen Genies
In den Wäldern der Taiga leben Elche und Braun- und Schwarzbären, aber auch Eichhörnchen, Füchse, Dachse, Hasen, Zobel und der Vielfraß. Marder. Wildschweine, Luchse, Nerze und Hirsche kommen ebenfalls vor. Es wachsen Nadelbäume wie Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen. All deren diverse Geräusche zu orchestrieren, damit sie von einem Klangkörper interpretiert werden können erscheint uns als ein Ding der Unmöglichkeit. Doch genau dies macht der gebürtige Krim Ukrainer Retinsky und bedient sich dafür auch sehr ungewöhnlicher Instrumente, von welchen de E Gitarre noch das gebräuchlichste ist. Wo aber findet man sonst eine Partitur, die auch Noten für Semantron und hundert Wasserpfeifen.enthält?
Komposition für Wasserpfeifen?
E-Gitarre SymbolbildBetzold Vogelwasserpfeifen
Genau diese Wasserpfeifen sind es denn auch, die ungefähr in der Mitte des Werkes ein grossartiges Vogelgezwitscher erzeugen, das Currentzis genüsslich auskostend in die Länge zieht, bevor sich die Töne wie ein Vogelschwarm wieder voneinander trennen und in der Taiga verstummen. Kündigt das kurz dröhnende Brummen der Bässe das Erscheinen eines Braunbären an, sequenziert die trillernde Querflöte das Herumhuschen eines flinken Eichhörnchens, symbolisieren die sanften Harfenklänge das rieseln den Nadeln, die von den Fichten und Tannen zu Boden schweben?
Klangwelten einer uns unbekannten Fauna und Flora
Semantron Symbolfoto
Das aufgeregte Trällern des Piccolos versinnbildlicht die Angstschreie einer von einem Fuchs im Gras aufgescheuchten Schnepfe. Symbolisiert das Schlagwerk nicht Storchengeklapper? Alexei Retinski,Teodor Currentzis – musicAeterna eröffnen uns hier völlig neue Klangwelten, lassen uns akustisch eintauchen in eine uns unbekannte Fauna und Flora. Diese Klangwelten überzeugten auch das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal, welches dann auch nicht mit stürmischem Applaus geizte, bevor man sich in die Wandelhallen des KKL in die Pause begab.
Näheres zum Komponisten
Auch die leiseren Töne wurden gehört
Auch am Basss passiert was
Alexei Retinski, der erste Resident der musicAeterna Komponisten-Werkstatt in Sankt Petersburg ist ein Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste und der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz bei Professor Beat Furrer. Seine Werke werden häufig in russischen und europäischen Konzertsälen aufgeführt. „Anapher“ wurde für ein grosses Sinfonieorchester, eine E-Gitarre, drei Semantrons und hundert Wasserpfeifen komponiert. Das Nebeneinander von klassischer Besetzung und atypischen Instrumenten beruht auf dem dramaturgischen Konzept eines qualitativen Übergangs in einen neuen Zustand. Dieser Übergang wird durch eine quantitative Anhäufung von Instrumenten erzielt, die die traditionelle orchestrale Textur scheinbar durchbricht. Dabei verlässt die Textur das konventionelle Achsensystem und überschreitet die Grenzen der legitimen Temperamente und klanglichen Hierarchien – und wie sich am Ende herausstellt, ist der scheinbar „entgleiste Zug“ mit Flügeln ausgestattet.
2. Konzertteil Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Jede Note ist von der vollsten Lebendigkeit und alles dreht sich im Wirbeltanz. Es bedarf nicht des Wortes, alles ist rein musikalisch gesagt.« Gustav Mahler gegenüber Natalie Bauer-Lechner über seine Fünfte Sinfonie
Mahlers Philosophie in Musik verpackt
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Mahler waren Sinfonien stets ein Mittel zur Interpretation komplexer philosophischer Probleme, die verbal nicht gelöst werden konnten. Die anspruchsvolle Struktur der fünfteiligen Sinfonie reicht vom Trauermarsch bis hin zum fulminanten Finale – ein unerschrockener Versuch, den tragischen Konflikt mit der ihn umgebenden Welt zu lösen. Der geniale vierte Satz der Sinfonie, das Adagietto, gleicht einer wunderschönen geheimnisvollen Blume, die jeder Dirigent in seinem eigenen Stil neu interpretiert. Mahler hat als einer der einflussreichsten Maestros des zwanzigsten Jahrhunderts die Rolle des Dirigenten neu definiert. Für Mahler ist der Dirigent ein ebenso wesentlicher Bestandteil seiner musikalischen Werke wie der Komponist. Wenn ein Dirigent das Pult betritt und die Partitur aufschlägt, erschafft er musikalische Universen von Grund auf neu. Seit vielen Jahren führen Teodor Currentzis und das musicAeterna Orchester Mahlers Sinfonien in vielen Ländern der Welt auf. Die Fünfte Sinfonie hat dabei ihren Platz als einer der Höhepunkte des Zyklus erobert
Mahler neu gedacht von Teodor Currentzis – musicAeterna
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Ein ausführlicher Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Streng. Wie ein Kondukt in cis-Moll ist dem eigentlichen Hauptsatz vorangestellt. Er beginnt mit einer verhaltenen Trompetenfanfare, welche zum maßgeblichen Motiv des Marsches wird. Das Motiv erinnert an den Beginn des Generalmarsches der österreichisch-ungarischen Armee. Die Fanfare wird im Orchestertutti abgeschlossen und anschließend resignierend in die Tiefe geführt. Es schließt sich ein klagendes, gesangliches Thema der Streicher an und sorgt im Folgenden für eine dunkle und bedrohliche Stimmung. Das Fanfarenmotiv kehrt nun im Orchester wieder und sorgt für eine musikalische Verdichtung. Der gemessen schreitende Zug wird durch ein erstes Trio unterbrochen. Ein plötzlich hervorbrechender Ausbruch in b-Moll, der sich zum Tutti steigert und die Grenzen des tonalen Raumes antastet, leitet es ein. Eine sprunghaft aufsteigende Melodie wird von synkopierenden Gegenrhythmen kontrastiert.
Dritter Satz
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Eine Walzermelodie bestimmt das erste Trio und lässt das Bild einer traumhaft-heilen Welt entstehen. Die inhaltliche Wiederholung des Scherzos führt zu einem Tuttihöhepunkt, welcher das zweite Trio einleitet. Im Gegensatz zum ersten handelt es sich um einen langen und thematisch schwergewichtigen Einschub. Eine durchgehende Bewegung fehlt hier, zahlreiche Haltepunkte führen maßgeblich zur großen Ausdehnung des Satzes. Eine wehmütige Melodie entfaltet sich in den Holzbläsern und Streichern zu minimalistischer Pizzicato Begleitung der Streicher. Ein elegischer Horn Ruf wirkt wie ein entrückendes Element und verleiht dem musikalischen Geschehen einen mystischen und tiefgehenden Klang, welcher einen böhmischen Klagegesang aufgreift[3]. Nach einiger Zeit verdichtet sich das Geschehen und steigert sich zu furiosen Läufen und einem großen Fortissimo am Rande der Tonalität.
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Langsam entwickelt sich im Anschluss eine dynamische Steigerung. Dieser dramatische Höhepunkt ist in höchst freier Chromatik gestaltet und geht, wie es für Mahler typisch ist, in mehreren Wellen vor sich. Er beruhigt sich durch die Wiederkehr des Hauptthemas. Der Mittelteil des dreiteiligen Satzes bringt einen neuen Gedanken, ohne jedoch eine Stimmungsänderung zu bewirken. Der Satz verklingt nach der Rückkehr des Hauptthemas friedlich und nahezu entrückt in pianissimo
Die Sinfonie endet mit einem sich langsam steigernden Rondo-Finale. Allegro – Allegro giocoso
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Die übersteigerte Apotheose ergeht sich in nahezu lärmender Polyphonie und grenzenlosem Jubel und wird durch die Wiederkehr des Chorals aus dem zweiten Satz eingeleitet. Mahlers letzte Tempoangabe gibt vor: “Allegro molto und bis zum Schluss beschleunigend”. Der alles mit sich reißende Taumel beendet die Sinfonie mit einem mächtigen Tuttiakkord.
Konzertfoto von Alexandra Muravyeva
Currentis Interpretation der fünften Sinfonie Mahlers berührt und fesselt zugleich. Von der berühmten Trompetenfanfare über den dramatischen Ausdruck des zweiten Satzes und dem träumerisch-anmutenden Adagietto bis hin zur musikalischen Hin-und-her-Gerissenheit des Rondo-Finales, lotet er jede dynamische Nuance der Partitur aus. Gleichzeitig brilliert die Interpretation in Sachen Präzision und lebendigem Orchesterklang.
Die souveränen Hornisten in Mahlers 5. Sinfonie
Currentzis nimmt das Schlagwerk und die Bläser ebenso energisch in die Pflicht, wie er die Streicher uns sanft zärtlich umschmeicheln lässt, besonders ausgeprägt beim tänzelnden Walzer im dritten Satz. Dabei bewegt sich der charismatische Dirigent elegant geschmeidig gibt seine Anweisungen mittels kleinen Gesten, auf- und anfordernder Blicken und motivierenden Körperbewegungen
Tiefgründig und messerscharf
Der Meister zeigt wos lang geht
Mit unverstelltem, tiefenscharfem Blick erschließen Teodor Currentzis und seine Mitmusiker die klanglichen Schönheiten ebenso wie die schroffen Abgründe der monumentalen Partitur, um deren finale Gestalt der Komponist gerungen hat wie bei kaum einer anderen seiner Sinfonien. Das Auditorium war hingerissen, aber auch tief beeindruckt von dieser Demonstration und feierte die Protagonisten mit einer langen, nicht enden wollenden stehenden Ovation.
Nachtrag
Er hatte schlagkräftige Argumente
Ausser den Cellisten absolvierten alle Musiker*innen das Konzert stehend, auch eine Aussergewöhnlichkeit, schon fast ein Markenzeichen dieses Orchesters, Teil seiner intensiven Aura.Luzern gehört laut Pressetext zu den «wichtigsten Musikmetropolen mit hoher kreativer Energie». Einen Grund dafür hatte Currentzis selbst nach einem Konzert am Lucerne Festival genannt. Bei einem Auftritt vor Publikum im Panoramafoyer des KKL sagte er: Das ist der beste, wirklich der beste moderne Konzertsaal der Welt.»
Teodor Currentzis weiter:
Der Chef bedankt sich applaudierend bei seinen Mitmusikern
Die musicAeterna Kreativresidenzen verwirklichen unsere Vision von der Zukunft der Kunst. Es ist ein Weg, die Künste zu erneuern, indem die Grenzen zwischen ihnen verwischt werden. In unseren Residenzen tauschen Künstler, die in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, aber ähnliche Visionen von Schönheit und der Zukunft der Kunst haben, Inspiration und Ideen aus. Dies ermöglicht es uns, uns selbst, die Welt und die Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, erweitert unseren Horizont und führt zu einem völlig neuen Ergebnis. Sie verändert uns unweigerlich. Und wir möchten, dass auch das Publikum diese Freiheit spürt und diesen Schwung bekommt. Die Residenz ist eine Möglichkeit, in einen Raum der Erkundung und Kommunikation einzutreten. Dies ist das Wesen und der Geist unseres Projekts.
Mein Fazit: Wer dieses Orchester mit seinem Dirigenten nie live erlebt hat, wird nie verstehen, was Musik wirklich ist!
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat beim politischen Erntedank am Dienstagabend (5. Oktober) in Berlin die renommierte Professor Niklas-Medaille an die Veterinärmedizinerin Prof. Dr. Almuth Einspanier von der Universität Leipzig verliehen. Die Medaille, mit der auch zwei andere Forschende geehrt wurden, ist die höchste Auszeichnung, die die Ministerin für besondere Verdienste und herausragendes Engagement im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums vergibt. Einspanier erhielt die Medaille für ihre Forschung im Bereich des Tierschutzes zum Ausstieg aus dem Kükentöten.
Mit ihrem Team hat sie ein mit Bundesmitteln gefördertes Technologieverfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt, mit dem das Schreddern männlicher Küken verhindert werden kann. „Es ist eine große Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen“, sagte Einspanier bei der Preisverleihung. Sie dankte ihrem Team sowie dem Kooperationspartner, mit denen das endokrinologische Verfahren zur Geschlechtsbestimmung von Küken im Ei zur Marktreife gebracht werden konnte. „Man kann jetzt diese Eier kaufen. Das ist ein tolles Gefühl, auch für die Forschung“, betonte die Geehrte. Klöckner sagte: „Durch Ihre Arbeit ist es gelungen, dass wir mehr für den Tierschutz tun können.“
Die Professor Niklas-Medaille wird seit 1978 an Personen verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft oder das Wohl der in diesen Bereichen tätigen Menschen verdient gemacht haben. Der Namensgeber, Wilhelm Niklas, war der Landwirtschaft eng verbunden und prägte sie - beginnend in Bayern - in den Nachkriegsjahren in Deutschland maßgeblich.