Nicht erst seit Corona ist klar, dass digitales Arbeiten für
Organisationen ein wichtiger Baustein ihrer nachhaltigen Zukunftsplanungen
ist. Aber wie kann ein solches Arbeiten organisiert werden, welche
Kompetenzen werden dazu benötigt, wie kommuniziert man diese Veränderungen
im Unternehmen und was haben Resilienz und Neugier damit zu tun? Diesen
Fragen ging das Projekt „ALLE im digitalen Wandel“ der Hochschule
Darmstadt (h_da) gemeinsam im Verbund mit sechs Partnerunternehmen und
-Institutionen nach und erprobte drei Jahre lang digitale Arbeits- und
Lernformen. Das Projekt endet zum 31.12.2021. Am 02.11 zogen die
Partnerinnen und Partner im Rahmen einer Abschlussveranstaltung Bilanz.
Das Projekt bildet einen von 17 staatlich geförderten Experimentierräumen
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) in Zusammenarbeit
mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Neben der Hochschule
Darmstadt haben in diesem Rahmen Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie die
Unternehmen Merck, Vitronic Bildverarbeitungssysteme, Fink & Fuchs,
schenck.de und KunzlerStrom zusammengearbeitet.
„Das Außergewöhnliche an diesem Projekt ist, dass wir in einer geschützten
Atmosphäre gemeinsam Dinge ausprobieren konnten und mit Tools, Methoden
und neuen Ideen experimentiert haben und das über Organisationsgrenzen
hinweg“ sagt Professor Werner Stork, Projektleiter von „ALLE im digitalen
Wandel“. Dabei fand zum Beispiel ein „Neugier-Tag“ bei der Merck KGaA in
Darmstadt statt. Dort konnten sich die Partnerinnen und Partner gemeinsam
mit einem Neugier-Experten über Strategien unterhalten, wie sie bei ihren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Neugier fördern können. Denn Neugier
hängt mit Innovationskraft zusammen, die für Unternehmen ein
entscheidender Wettbewerbsfaktor ist. Im Projekt wurde weiterhin ein
„Resilienz-Check“ entwickelt, mit dessen Hilfe Organisationen ihre eigene
Resilienz besser einschätzen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen
können, um diese zu fördern. Unter „Resilienz“ wird die
Widerstandsfähigkeit in einer Organisation verstanden. „Es hat sich
nämlich gezeigt, dass resiliente und neugierige Unternehmen Veränderungs-
und Transformationsprozesse besser meistern“, ergänzt Werner Stork.
Eng verbunden ist diese Fähigkeit unter anderem mit dem Lernen, das gerade
in Zeiten von digitalen Infrastrukturen eine große Rolle spielt. Dabei
beschäftigten sich die Projektbeteiligten insbesondere mit dem informellen
und selbstgesteuerten Lernen, das außerhalb von organisierten
Weiterbildungen stattfindet. In diesem Rahmen probierten die Beteiligten
organisationsübergreifend Lernformate wie Working Out Loud aus. Dabei
schließen sich Beschäftigte abteilungsübergreifend zu kleinen virtuellen
Lerngruppen zusammen und ihre Mitglieder formulieren jeweils eigene
Lernziele. Das Format gibt diesem Prozess einen Rahmen und der Arbeitgeber
ermöglicht solches selbst verantwortetes Lernen üblicherweise in der
Arbeitszeit. Das Ergebnis: Eine sehr hohe Lernmotivation und die
Beschäftigten haben sich Themen erschlossen, die ihnen wirklich in der
Arbeit weiterhelfen.
Klar ist, dass Unternehmen sich in ständigen Veränderungen befinden -
durch die Digitalisierung sind diese jedoch intensiver und beschleunigt.
„Die Kommunikation in den Betrieben ist deshalb ein Schlüssel zum Erfolg -
und dabei geht es nicht nur darum, Beschäftigte über Veränderungen zu
informieren, sondern im besten Fall Kommunikationsmöglichkeiten zu
schaffen, dass sie gemeinsam die Entwicklung ihrer Arbeitsumgebung und
-abläufe gestalten” sagt Thomas Pleil, Professor für Public Relations, der
das Projekt gemeinsam mit Werner Stork und Pia Sue Helferich leitet.
Entstanden sind im Projekt unter anderem auch neue Formate für
Besprechungen oder Innovationsräume in den Betrieben, die Workshops mit
agilen Methoden erlauben.
Damit auch Organisationen über den Projektkontext hinaus von den
Ergebnissen profitieren können, entstehen zum Abschluss von „ALLE im
digitalen Wandel“ sogenannte PlayBooks. Diese beinhalten Szenarien und
Methoden zu den einzelnen Themen: „Dabei legen wir besonderen Wert auf den
niederschwelligen Zugang - wir möchten, dass Unternehmen Spaß dabei haben,
die Methoden, mit denen wir uns beschäftigt haben, auszuprobieren“, ordnet
Pia Sue Helferich ein. Die Playbooks werden zu Beginn 2022 verfügbar sein.
Am 02.11. ließen die Projektpartbeteiligten die gemeinsame Projektzeit in
einem Abschlussevent Revue passieren und sprachen über zukünftige
Kooperationsmöglichkeiten. Denn eins steht fest: Das aufgebaute Netzwerk
möchte in jedem Fall weiter gemeinsam experimentieren.
Über das Projekt:
Das Projekt „Alle im digitalen Wandel“ wird gefördert vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und ist ein
Verbundprojekt. Beteiligt sind neben der Hochschule Darmstadt die
Kommunikationsagentur Fink & Fuchs AG, der Kreisausschuss des Landkreises
Darmstadt-Dieburg, die Kunzler Service GmbH, die Merck KGaA, die
Schenck.de AG und die VITRONIC Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme
GmbH. Weitere Informationen sind auf der Website des Projekts zu finden:
https://alle-im-digitalen-wandel.de/home/