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Ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau soll entstehen

Leuphana-Studierende veranstalten Gedenkwoche

Der Arbeitskreis Campusgeschichte des Allgemeinen Studierendenausschusses
(AStA) der Leuphana Universität Lüneburg veranstaltet vom 8. bis 13.
November eine Gedenkwoche unter der Überschrift „Aufbruch der
Campusgeschichte in eine Erinnerungskultur“. Studierende und
Öffentlichkeit sollen mit der Veranstaltung die Gelegenheit erhalten, sich
über die Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus zu
informieren und der Opfer zu gedenken. Im Zentrum steht eine Veranstaltung
am 9. November. Geplant ist dann eine europaweite Aktion an Hochschulen
mit der ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers
Dachau entstehen soll.

Die Leuphana befindet sich auf dem Gelände einer 1936 errichteten,
ehemaligen Wehrmachtskaserne. Dort waren seinerzeit u.a. das Infanterie-
Regiment 47 und Teile der Infanterie-Division 110 der Wehrmacht
untergebracht. Beide Einheiten waren unter anderem in Südosteuropa, in
Nordafrika sowie in Russland im Rahmen des sog. „Unternehmens Barbarossa“
– dem Codewort für den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion – im
Einsatz und an verschiedensten Kriegsverbrechen beteiligt. Die
Studierenden wollen mit ihren Veranstaltungen auf diese Vergangenheit des
Universitätsgeländes aufmerksam machen.

Im Rahmen der Gedenkwoche planen die Studierenden in Kooperation mit den
Arolsen Archives für den 9. November eine europaweite Aktion an
Hochschulen, um gemeinsam ein digitales Denkmal zu bauen. Die Arolsen
Archives, ein internationales Zentrum zur NS-Verfolgung mit dem weltweit
umfangreichsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des
Nationalsozialismus, stellt Dokumente aus den Zugangsmeldungen des
Konzentrationslagers Dachau aus den November-Tagen des Jahres 1938 zur
digitalen Erfassung der Inhalte bereit.

Durch das Erfassen von rund 400  Häftlingsnamen erinnern die Teilnehmenden
aktiv an die Ereignisse am 9. November 1938 und besonders an die
Verschleppung von bis zu 30.000 Juden in Konzentrationslager. Sie werden
dabei mit dem sprunghaften Anstieg der Häftlinge im Konzentrationslager
Dachau konfrontiert. Der „Haftgrund“ lautet stets: „Schutzhaft Jude“. Die
Originaldokumente machen deutlich, wie aus Ausgrenzung offene Gewalt
wurde.

Außerdem ist die Ausstellung #stolenmemory auf dem Campus vor der Mensa zu
finden. Diese Multimediaausstellung wurde letztes Jahr mit dem Grimme
Online Award ausgezeichnet und richtet sich vor allem an Kinder,
Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Veranstaltungen der Gedenkwoche im Überblick:
Montag 08.11.
Vortrag: von Prof. Ulf Wuggenig und Dr. Cheryce von Xylander – Selektive
Erinnerung. Auf- und Abrüstung einer 1000-jährigen Provinzstadt
Dienstag 09.11.
Workshop: “(Ur)Opa war (k)ein Nazi? – NS Täterschaft in der Familie und
Gesellschaft” mit dem Leiter der KZ Gedenkstätte Neuengamme Oliver von
Wrochem
"Long Night of the Digital Memorial" mit Dr. Christian Hölscher
Stadtrundgang und Stolpersteine putzen in Gedenken an die Pogrome 1938,
Kooperation mit dem Anna und Arthur
Donnerstag 11.11.
Workshop: Antisemitismusprävention mit der Amadeu Antonio Stiftung
Freitag 12.11.
Lesung: "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen" mit Jennifer Teege
Samstag 13.11.
Führung: "Euthanasie"-Gedenkstätte
05.11 - 16.11.
Ausstellung: #stolenmemory mit den Arolsen Archives auf dem Campus

Weitere Informationen und Kontakt:
https://www.asta-lueneburg.de/themen/gedenkwoche/
campusgeschichte@asta-lueneburg.de

Eine nähere Erläuterung des Vorgehens finden Sie hier:
https://enc.arolsen-archives.org/ueber-everynamecounts/behindthescenes/

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Impulsgeber für die Industrie 4.0 im Werkzeugbau: ZF Friedrichshafen ist »Werkzeugbau des Jahres 2021«

Die Coronapandemie hat im internationalen Werkzeugbau tiefe Spuren
hinterlassen. Doch inzwischen laufen vielerorts die Fertigungsanlagen
wieder an. Unternehmen, die in früheren Jahren nicht nur finanzielle
Erfolge betrachtet, sondern auch ihre organisatorische und technologische
Exzellenz ausgebaut haben, haben jetzt die Nase vorn: Der Werkzeugbau der
ZF Friedrichshafen AG in Schweinfurt setzt seit vielen Jahren auf
wissenschaftlich fundierte Kennzahlen und hebt sich damit von Mitbewerbern
ab. Eine besondere Auszeichnung erhielt ZF Friedrichshafen nun am 3.
November 2021 in Form des Gesamtsiegs beim Branchenwettbewerb »Excellence
in Production« durch den Titel »Werkzeugbau des Jahres 2021«.

Seit 18 Jahren präsentieren das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen
und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT mit dem
Branchenwettbewerb »Excellence in Production« die besten Werkzeug- und
Formenbaubetriebe im deutschsprachigen Raum. Auch in diesem Jahr
beteiligten sich trotz anhaltend schwieriger Situation in der Branche 265
Unternehmen am Wettbewerb. Unter den elf Finalisten setzte sich
schließlich die ZF Friedrichshafen AG durch, die bereits im Jahr 2012
einmal als Gesamtsieger und 2019 als Kategoriesieger auf dem
Siegertreppchen sowie 2015 und 2016 im Finale stand.

Nach einem Jahr Pause konnten Finalisten, Jury, Laudatoren und weitere
ausgewählte Gäste nun endlich wieder persönlich im Krönungssaal des
Aachener Rathauses zusammentreffen. Hatte doch die Coronapandemie die
Veranstalter im vergangenen Jahr noch gezwungen, die feierliche
Preisübergabe im virtuellen Raum im Rahmen eines Livestreams
durchzuführen. Die Laudatio auf den Gesamtsieger hielt in diesem Jahr
traditionsgemäß der Vorjahressieger Dr. Volker Franke der HARTING Applied
Technologies GmbH aus dem westfälischen Espelkamp.

ZF Friedrichshafen AG: Vorreiter bei Automatisierung und Anlagenverkettung

Der Werkzeugbau der ZF Friedrichshafen AG am Standort Schweinfurt
überzeugte die Jury durch die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung
von Industrie-4.0-Lösungen, wie die automatisierte Erstellung von
Arbeitsplänen auf Basis einer algorithmisch gestützten Analyse von CAD-
Daten oder den Ansatz zur ganzheitlichen Umsetzung einer getakteten
Einzelteilfertigung. Darüber hinaus überzeugten der sehr hohe
Automatisierungsgrad und die technologieübergreifende Verkettung der
Fertigungsmaschinen die Jury von der Leistungsfähigkeit des Werkzeugbaus.
Die hohe Innovationskraft der Mitarbeitenden spiegelt sich in den
zahlreichen Eigenentwicklungen wider. Auf diese Weise hat das Unternehmen
bereits eine Vielzahl an Lösungen der Industrie 4.0 konkret umgesetzt, um
die interne Wertschöpfung weiter zu verbessern. Dem Werkzeugbau sei es
damit auf hervorragende Weise gelungen, sich als konzernweites
Technologiecenter für die Entwicklung und Anwendung von
Industrie-4.0-Lösungen zu positionieren, so das Urteil der Jury.

Die ZF Friedrichshafen AG ist ein weltweit führender Technologiekonzern in
der Antriebs- und Fahrwerktechnik sowie der aktiven und passiven
Sicherheitstechnik und zählt zu den größten Automobilzulieferern weltweit.
Das TechCenter Werkzeuge, Messmittel und Automation am Standort
Schweinfurt ist dabei ein strategisches Kompetenzzentrum für Schneid- und
Umformwerkzeuge sowie Messanlagen. Das Werkzeugportfolio umfasst komplexe
Stufen-, Folge- und Einzel-Werkzeuge, sowohl für die Kaltmassivumformung
als auch für die Umformung von Dick- und Dünnblech sowie Werkzeuge für
Faserverbundkunststoffe und zunehmend Anwendungen für Komponenten für die
Elektromobilität. Hinzu kommt ein breites Spektrum an hochpräzisen Prüf-
und Messmaschinen und Klein-Automationen.

Auch bester interner Werkzeugbau mit mehr als 50 Mitarbeitenden

Neben dem Gesamtsieg gewann ZF Friedrichshafen auch die Auszeichnung in
der Kategorie »Interner Werkzeugbau ab 50 Mitarbeitende«. Als weitere
Finalisten dieser Kategorie zeichnete die Jury außerdem die Robert Bosch,
spol. s r.o. in Tschechien und die Otto Dunkel GmbH aus Mühldorf am Inn
mit einer Urkunde aus.

Sieger in der Kategorie »Interner Werkzeugbau unter 50 Mitarbeitende«
ist die Schürholz GmbH & Co. KG Stanztechnik

Der Sieg in der Kategorie »Interner Werkzeugbau unter 50 Mitarbeitende«
geht in diesem Jahr an die Schürholz GmbH & Co. KG Stanztechnik aus
Plettenberg im Sauerland.

Zu den besonderen Stärken des internen Werkzeugbaus der Schürholz GmbH &
Co. KG Stanztechnik zählte die Jury die Entwicklung neuer
Werkzeugtechnologien mit Partnern aus dem Maschinen- und Anlagenbau.
Hervorzuheben sind auch die transparente Grob- und Feinplanung sowie die
kontinuierliche Auftragsverfolgung anhand von Soll- und Ist-Kosten.

Schürholz hat sich seit vielen Jahren vom Produzenten gestanzter
Unterlegscheiben zu einem Anbieter anspruchsvoller Präzisionsteile,
Baugruppen und Komponenten entwickelt. Zum internationalen Kundenkreis des
Unternehmens zählen Hersteller aus der Automobil-, Zuliefer- und
Elektroindustrie sowie weiteren Industriezweigen. Stanz- und
Stanzbiegetechnik, Laser- und CNC-Abkanttechnik sowie Schweiß- und
Fügetechnik runden die technologische Palette rund um die Metallumformung
ab. Insgesamt erwirtschaftete die Schürholz-Gruppe mit mehr als 158
Millionen produzierten Teilen im Jahr 2020 einen Jahresumsatz von über 97
Millionen Euro und beschäftigt 406 Mitarbeitende an vier Standorten. Der
zentrale Neuwerkzeugbau des Unternehmens am Hauptstandort Plettenberg im
Sauerland versorgt die internationalen Standorte mit Folgeverbund- und
Bihlerwerkzeugen.

Als weitere Teilnehmer standen in diesem Jahr die Schunk
Sintermetalltechnik GmbH aus Heuchelheim und die Boida Kunststofftechnik
GmbH aus Langgöns mit im Finale.

Gewinner der Kategorie »Externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeitende« ist
der W. Fassnacht Werkzeug- und Formenbau

Bester »Externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeitende« wurde der W.
Fassnacht Werkzeug- und Formenbau aus Bobingen bei Augsburg.

Die Jury lobte beim W. Fassnacht Werkzeug- und Formenbau besonders die
familiäre Arbeitsatmosphäre bei gleichzeitig hoher Effizienz. Auch in
Zeiten der Krise habe das Unternehmen eine sehr gute Wirtschaftlichkeit
bewiesen, stellte die Jury in ihrer Bewertung fest.

Der W. Fassnacht Werkzeug-Formenbau hat 1990 als »Garagen-Betrieb« mit
drei Mitarbeitern angefangen. Seither hat das inhabergeführte Unternehmen
ein stetiges und gesundes Wachstum vollzogen und beschäftigt heute 25
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Fassnacht versteht sich als kleine, aber
hochleistungsfähige Werkzeugmanufaktur im Bereich anspruchsvoller
Spritzgießwerkzeuge und beliefert branchenübergreifend Kunden aus der
ganzen Welt mit verlässlichen Lösungen für komplexe Anforderungen.

Weitere Finalisten in dieser Kategorie waren die BBG GmbH & Co. KG aus
Mindelheim im Unterallgäu und die Primaform AG aus Thun in der Schweiz.

Bester »Externer Werkzeugbau ab 50 Mitarbeitende« ist die Color Metal GmbH

Gewinner in der Kategorie »Externer Werkzeugbau ab 50 Mitarbeitende« ist
die Color Metal GmbH aus Heitersheim im Breisgau.

Die Jury beeindruckte bei Color Metal besonders die sehr hohe
Prozesskompetenz beim Fräsen und die konsequente Vermessung aller Bauteile
auf der Werkzeugmaschine. Ein hoher Automatisierungsgrad in den
Technologien und breite Diversifikation des Werkzeugspektrums stellten
sicher, dass das Unternehmen auch 2020 Krisenfestigkeit beweisen konnte.

Die Color Metal GmbH fertigt Komplexe 1K-, 2K- und 3K-Spritzgießwerkzeuge
sowie Etagenwerkzeuge bis zu einer Größe von 1000x1400 Millimeter. Die
eigene Konstruktionsabteilung entwickelt die Werkzeuge nach Kundenmuster,
Fertigteilzeichnung in 2D- oder 3D-Daten oder nach eigenen und fremden
Konstruktionsunterlagen und -standards. Die Kunden sind Hersteller
technischer Präzisionsteile der Auto-, Uhren-, Sanitär- und
Elektronikindustrie sowie der Medizintechnik und anderer Industriezweige,
mit denen Color Metal GmbH gemeinsam Formen bis zur Serienfertigung der
Kunststoffteile entwickelt. An 30 CAD-Arbeitsplätzen und 60
Werkzeugmaschinen arbeiten heute fast 100 Mitarbeitende, darunter zehn
Auszubildende.

Als weiterer Finalist in der Kategorie »Externer Werkzeugbau ab 50
Mitarbeitende« wurde die EMO – Orodjarna d.o.o aus Celje in Slowenien
ausgezeichnet.

Excellence in Production: Auswahl der besten Werkzeugbaubetriebe im
deutschsprachigen Raum

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und das
Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen ermittelten gemeinsam mit einer
fachkundigen Jury die besten Werkzeug- und Formenbaubetriebe in vier
Kategorien auf der Grundlage eines ausführlichen Vergleichs und besuchten
diese während der Sommermonate vor Ort: Die zehn Juroren aus Industrie,
Politik, Verbänden und Wissenschaft bestimmten anschließend die elf
Finalisten, die Kategoriesieger sowie den Gesamtsieger. Insgesamt hatten
sich 265 Werkzeug- und Formenbaubetriebe am Wettbewerb beteiligt, 198 von
ihnen hatten den Fragebogen vollständig ausgefüllt, 50 von ihnen kamen in
die engere Auswahl.

Der Wettbewerb »Excellence in Production« fand in diesem Jahr bereits zum
18. Mal statt. Am Tag nach der Preisverleihung stellten ausgewählte
Finalisten und Partner der Aachener Institute ihre Erfolgsstrategien
während des mittlerweile bereits 20. Internationalen Kolloquiums
»Werkzeugbau mit Zukunft« vor. Unter dem Motto »Werkzeugbau am Wendepunkt«
zeigten die Veranstalter und ausgewählte Referenten strategische und
technologische Lösungen für die Wege aus der Krise auf und setzten Impulse
für eine langfristig erfolgreiche Ausrichtung der Branche Werkzeugbau.

Neue Chance im nächsten Jahr

Auch im kommenden Jahr werden sich die besten Werkzugbau- und
Formenbaubetriebe wieder untereinander messen. Interessenten können sich
schon jetzt unter www.excellence-in-production.de detailliert über den
Wettbewerb informieren und ab dem 1. Dezember 2021 registrieren. Alle
Teilnehmenden des Wettbewerbs erhalten eine individuelle Auswertung über
ihre Stärken und Verbesserungspotenziale.

Nach der Anmeldung füllen alle Teilnehmenden zunächst nur den ersten Teil
des Fragebogens mit einer geringen Anzahl zentraler Fragen aus und
erhalten auf dieser Basis eine erste Kennzahlenauswertung. In der zweiten
Wettbewerbsphase sind dann detailliertere Fragen zu beantworten. Unter
allen Teilnehmenden der zweiten Phase werden außerdem zwei zusätzliche
Vor-Ort-Besuche der Aachener Werkzeugbau-Experten verlost.

Der diesjährige Wettbewerb wird von der Hasco Hasenclever GmbH + Co. KG,
dem Kunststoffcluster Österreich und dem Schweizer Werkzeugbau-Verband
Swissmem, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. sowie der
WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH unterstützt. Die Medienpartner
FORM+Werkzeug, VDI nachrichten sowie werkzeug&formenbau fördern den
Wettbewerb durch ihre umfassende Berichterstattung über die Sieger und
Finalisten. Weiterer Partner des Wettbewerbs ist die Fachmesse »formnext«.

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50 Jahre Freiburger Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM

Intelligent eingesetzte Werkstoffe sind Dreh- und Angelpunkt unseres
täglichen modernen Lebens. Sie spielen eine Schlüsselrolle für
crashsichere, emissionsarme Fahrzeuge, ressourcenschonende Produktion oder
eine nachhaltige Energiewirtschaft, um nur einige Aspekte zu nennen. Seit
1971 erforscht und entwickelt das Freiburger Fraunhofer IWM Lösungen für
Industrie und Gesellschaft, um das Verhalten von Werkstoffen und Bauteilen
vorherzusagen und um deren Leistungsfähigkeit und Funktionalität ideal für
die jeweilige Anwendung einzustellen. Gäste aus Industrie, Wissenschaft
und Politik würdigten in einem Festkolloquium 50 Jahre Werkstoffforschung
auf höchstem Niveau.

Optimierte Nutzung von Materialeigenschaften und neue Materialfunktionen

»Das Fraunhofer IWM verfügt über eine fast schon universelle
Problemlösungs-Kompetenz für die Werkstofftechnik – aktuell leistet es
Pionierarbeit bei der Digitalisierung von Werkstoffen und der Nutzung von
Quantencomputing für die Werkstoffforschung und stellt damit wichtige
Weichen für die Zukunft«, sagte Ministerialdirektor Michael Kleiner vom
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. Das Fraunhofer IWM
genieße darum auch international eine ausgezeichnete Reputation.

»Wir feiern ein Institut, das sich immer wieder erneuert und 50 Jahre lang
unter Beweis gestellt hat,« sagt Dr. Markus Hermle, verantwortlich für die
Crashsimulation bei Mercedes Benz und Kurator des Fraunhofer IWM. »Die für
uns erarbeiteten Modelle und Simulationen mögen aus der Ferne betrachtet
wie wissenschaftliche Detailarbeit wirken, sind aber Grundlage dafür,
gleich zwei Nachhaltigkeitsziele zu optimieren: Fahrzeuge im
Verkehrsgeschehen immer sicherer zu machen und gleichzeitig Potenziale für
den Leichtbau und damit reduziertem Energieverbrauch im Fahrbetrieb zu
erschließen.«

Wie funktioniert Innovation?

Prof. Dr. Michael Kaschke, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Karlsruher
Instituts für Technologie KIT, sprach über wichtige Voraussetzungen, damit
sich »tolle Erfindungen« in unserer Gesellschaft auch durchsetzen können.
Seiner Erfahrung nach seien Kundenbedürfnisse, technisch und
gesellschaftlich akzeptierbare Technologien und erfolgreiche
Kommerzialisierung wichtige Aspekte, um über den ersten Gipfel überzogener
Erwartungen und das Tal zerstörter Illusionen dann auf das Plateau der
Produktivität zu gelangen. Manchmal jedoch setzten sich
erfolgversprechende Vorhersagen in anderer Form durch als ursprünglich
gedacht, so der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG mit Blick
auf das 1964 erfundene Bildtelefon und die heute viel genutzten
Videokonferenz-Tools wie zoom, MS-Teams oder Skype.

50 Jahre angewandte Werkstoffforschung

»Wir begreifen Werkstoffe als veränderliche Systeme und wir nehmen
Einfluss auf ihr Verhalten und ihre Eigenschaften«, erläutert der
Institutsleiter des Fraunhofer IWM, Prof. Dr. Peter Gumbsch, den Spirit
seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. »Mit diesem Ansatz leisten wir
Beiträge zu den großen Herausforderungen, die die Nachhaltigkeit, die
Ressourceneffizienz oder die Digitalisierung für die Industrie, die
Mobilität oder die Energiewirtschaft mit sich bringen.«

Anwendungsnahe Werkstoffforschung in Kooperation mit Industrie und
wissenschaftlichen Institutionen bilden die Agenda des Fraunhofer IWM.
»Schon seit 30 Jahren kooperiert das Fraunhofer IWM mit der Universität
Freiburg«, sagt Prof. Dr. Stefan Rensing, Prorektor für Forschung und
Innovation der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. »Wir haben
Lehrstuhlinhaber und Lehrbeauftragte vom Fraunhofer IWM in unseren
Fakultäten, betreiben gemeinsam das Institut für nachhaltige technische
Systeme INATECH und arbeiten im Leistungszentrum Nachhaltigkeit mit
Kolleginnen und Kollegen aus dem Fraunhofer IWM und den anderen Freiburger
Fraunhofer-Instituten zusammen«.

»Das Fraunhofer-IWM mit seinen über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
ist ein wichtiger Teil unserer quirligen Forschungsstadt Freiburg.
Zusammen mit den weiteren Fraunhofer-Instituten ist das Fraunhofer IWM ein
echter Leuchtturm und ein bedeutender Standortfaktor für Freiburg«, so
Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn.

Trotz Trennungsgeschichte: Fraunhofer IWM und EMI kooperieren bestens

Aus einer Abteilung des 12 Jahre älteren Fraunhofer Ernst-Mach-Instituts
für Kurzzeitdynamik EMI entstand 1971 zunächst das Fraunhofer-Institut für
Festkörpermechanik, das spätere Fraunhofer IWM. Etwa 20 begeisterte
Bruchmechanik-Pioniere untersuchten unter der Führung von Prof. Frank
Kerkhof die Rissausbreitung in Glas und in Stählen. Die Erfolgshypothese
der Institutsgründer: mit in Deutschland neuartigen bruchmechanischen
Prüf- und Bewertungsmethoden Sicherheitsaussagen zu technischen Bauteilen
wesentlich verbessern. Dies prägt das Institut noch heute – auf einer viel
breiteren wissenschaftlichen Basis mit modernsten Versuchsständen und
multiskaligen Simulationen aus einer Hand.

Prof. Dr. Frank Kerkhof war bis 1977 der Institutsleiter, auf ihn folgte
Prof. Dr. Erwin Sommer und 2001 der jetzige Institutsleiter Prof. Dr.
Peter Gumbsch. Nach der deutschen Wiedervereinigung bekam das Fraunhofer
IWM 1991 einen Tochter-Standort »Mikrostruktur von Werkstoffen und
Systemen« in Halle an der Saale, der sich 25 Jahre später als Fraunhofer-
Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS selbstständig
machte. Ein weiterer Standort befindet sich mit dem MikroTribologie
Centrum µTC in Karlsruhe in enger Kooperation mit dem Karlsruher Institut
für Technologie KIT.

Heute reicht die Expertise des Fraunhofer IWM von Verschleißschutz und
Tribologie über Fertigungsprozesse der Pulvertechnologie, Umformung und
Glasformgebung, Bauteil- und Crashsicherheit, Leichtbau bis hin zu
Werkstoffbewertung, Hochtemperaturverhalten und Lebensdauerkonzepten. Als
Querschnittsinstitut agiert das Fraunhofer IWM unabhängig von spezifischen
Branchen flexibel auf Marktveränderungen wie Digitalisierung oder
Biologisierung, erschließt relevante Zukunftsmärkte wie die
Quantenmechanik und erarbeitet gemeinsam mit Industriepartnern Lösungen
für wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen wie die neue
Mobilität oder die Nutzung regenerativer Energien.

Themen-Beispiele des Fraunhofer IWM (Links und Bilder in dem Link der
Pressemitteilung)

Mit Wasserschmierung in Gleitlagern läuft’s umweltfreundlicher

Die Lager von Maschinen werden in der Regel mit Öl geschmiert. Doch große
Mengen dieser Öle landen auch heute noch in der Umwelt. Am Fraunhofer-
Institut für Werkstoffmechanik IWM, MikroTribologie Centrum µTC wurde
deshalb eine Methode entwickelt, mit der sich Gleitlager künftig auf
Wasserbasis schmieren lassen können. Das mit Ionen versetzte Wasser ist
nicht nur umweltfreundlicher als Öl. Es trägt zudem dazu bei, Gleitlager
noch effizienter zu machen.

Glasbiegeverfahren mit Maschinellem Lernen verfeinert:
Glasscheiben perfekt um die Ecke gebogen – auch für Doppelglasfenster

Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik
IWM biegen mit einem neuen Verfahren Glasscheiben »scharf« um die Ecke.
Bisher war ein 90-Grad-Knick nicht möglich. Anders als bei herkömmlichen
Biegeverfahren leidet die optische Qualität des Glases dabei nicht. Das
Glas mit der Ecke könnte künftig in der Architektur ungewöhnliche Akzente
setzen, aber auch in der Medizintechnik eingesetzt werden. Auch dem
Industriedesign eröffnet es neue Möglichkeiten.
Filmclip-Link in dem Link der Pressemitteilung: Glas »um die Ecke« biegen
mit selbstlernender Steuerung (KI)

Leichtbau bei Autofelgen:
Versuch und Simulation des Bruchverhaltens von Alufelgen

Im Automobil-Leichtbau werden Aluminiumfelgen eingesetzt, die in einem
Guss- oder Schmiedeverfahren mit anschließendem Flowforming-Prozess
hergestellt wurden. Da das Versagensverhalten der Felgen auf die
Radkinematik wirkt und dadurch das Crashverhalten des Gesamtfahrzeugs
beeinflussen kann, ist die Versagensmodellierung von Aluminiumfelgen für
die Prognose der gesamten Wirkkette des Systems von großer Bedeutung.
Filmclip-Link in dem Link der Pressemitteilung: Auswirkungen von
Materialschädigungen auf das Bauteilverhalten am Beispiel Autofelgen

Solarthermische Kraftwerke: Korrosion in Salzschmelzen im Griff haben

Angetrieben durch die Nutzung erneuerbarer fluktuierender Energiequellen
hat das Fraunhofer IWM Prüfmethoden für Materialien in
Hochtemperaturspeichern solarthermischer Kraftwerke auf Salzschmelzenbasis
(CSP Concentrated Solar Power Plants) entwickelt. Inzwischen haben
Salzschmelzen aus Nitraten und Nitriten an Bedeutung gewonnen, da sie
attraktive Wärmeleitungs- und Speichermedien für Anwendungen in der
Energieerzeugung sind. Damit Hochtemperaturspeicher und Wärmeüberträger
auf der Basis von Salzschmelzen zuverlässig arbeiten und ökonomisch
betrieben werden können, sind umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen für
die zur Anwendung kommenden Materialien erforderlich.

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Kampagnenstart: „Leben mit HIV. Anders als du denkst.“ - Kampagnenstart anlässlich Welt-Aids-Tag

Menschen mit HIV können bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie leben wie
alle anderen. Sie haben dementsprechend auch die gleichen Alltagsprobleme.
Mit dieser Botschaft startet heute die Gemeinschaftskampagne „Leben mit
HIV. Anders als du denkst.“ der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) und der Deutschen
Aidshilfe (DAH). Anlass ist der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Die Kampagne
soll der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen entgegenwirken.

Kampagnenstart: „Leben mit HIV. Anders als du denkst.“

BZgA, DAS und DAH starten anlässlich des Welt-Aids-Tages gemeinsame
Kampagne gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV-Infektion

Menschen mit HIV können bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie leben wie
alle anderen. Sie haben dementsprechend auch die gleichen Alltagsprobleme.
Mit dieser Botschaft startet heute die Gemeinschaftskampagne „Leben mit
HIV. Anders als du denkst.“ der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) und der Deutschen
Aidshilfe (DAH). Anlass ist der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Die Kampagne
soll der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen entgegenwirken.

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung, betont: „Menschen mit HIV werden noch immer
mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert. Viele Menschen wissen
nicht, dass sich das Leben mit dem HI-Virus durch die medizinischen
Fortschritte verändert hat und haben zum Teil unbegründete Ängste vor
einer HIV-Übertragung. Doch das Virus spielt nicht mehr die Hauptrolle im
Alltag der Betroffenen. Mit der gemeinsamen Kampagne geben wir daher einen
Einblick in ihren Lebensalltag und motivieren zu einem
selbstverständlichen Umgang mit HIV-positiven Menschen.“

Ulf Kristal, Mitglied im Vorstand der Deutschen Aidshilfe, sagt: „Viele
Leute glauben immer noch, dass mit HIV das Leben gelaufen ist. Es sind vor
allem die Reaktionen unwissender Mitmenschen, die das Leben mit HIV
manchmal schwer machen. Die Kampagne macht Mut zum entspannten Miteinander
in allen Lebensbereichen, ob das nun in Partnerschaft und Sexualität
stattfindet, im Job oder im Ruhestand oder in Freizeit und Kultur. HIV-
positive Menschen haben ein Recht darauf, ohne Vorurteile, Diskriminierung
und Zurückweisung zu leben!“

Dr. Kristel Degener, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Deutschen
AIDS-Stiftung, ergänzt: „Wir treten dafür ein, dass alle HIV-positiven
Menschen das Leben führen können, das ihnen heute möglich ist. Das ist
individuell sehr unterschiedlich: Bei Menschen, die erst sehr spät einen
HIV-Test machen lassen, dauert es lange, bis die Therapie das Immunsystem
wieder stärkt. Andere Menschen sind durch eine lange Krankengeschichte
gesundheitlich geschwächt und benötigen Hilfe im Alltag. Auch ihnen
gebühren Respekt und Solidarität.“

Fortschritte in der HIV-Therapie
Bis Mitte der 1990er-Jahre führte eine HIV-Infektion meist zur tödlichen
Erkrankung Aids, da es keine dauerhaft wirksamen Behandlungsmöglichkeiten
gab. Heute stoppen gut verträgliche HIV-Medikamente die Vermehrung des
Virus im Körper. Zudem ist HIV unter Therapie auch beim Sex nicht mehr
übertragbar. Menschen mit HIV können Kinder zur Welt bringen, ohne dass es
zu einer Übertragung kommt. Dementsprechend muss eine chronische HIV-
Infektion die Lebensqualität nicht mehr beeinträchtigen – in keinem
Lebensbereich.

Das Leben steht im Vordergrund – nicht HIV
Das Leben mit HIV sieht heute tatsächlich anders aus, als viele Menschen
denken: HIV steht nicht mehr im Vordergrund. Das zeigt die
Gemeinschaftskampagne „Leben mit HIV. Anders als du denkst.“ anhand von
Alltagsproblemen und einem Augenzwinkern: Visagist Ahmed leidet im Job
unter verspäteten Zügen. Nicole hat Prüfungsstress an der Universität.
Rentnerin Hildegard bekommt vom Altern graue Haare. Der junge Altenpfleger
Dejan quält sich beim Aufstehen vor der Frühschicht. Und bei Johanna, HIV-
positiv, und Simon, HIV-negativ, steht nur die Hausarbeit der glücklichen
Zweisamkeit entgegen. Kampagnen-Protagonistin Hildegard, 74 Jahre alt,
bringt es auf den Punkt: „Ich möchte, dass die Leute endlich begreifen,
dass von uns keine Gefahr ausgeht. Ich lebe wegen HIV nicht schlechter als
andere in meinem Alter.“

Die Kampagne transportiert ihre Botschaft sowohl über
Informationsmaterialien wie Plakate, Leporellos und Postkarten sowie
online, etwa über die sozialen Medien.

Fast alle erleben Diskriminierung
Im Jahr 2020 gaben bei einer Online-Befragung der Studie „positive
stimmen“ 90 Prozent der Befragten an, sie würden gut mit ihrer HIV-
Infektion leben. Drei Viertel fühlten sich gesundheitlich nicht oder nur
wenig eingeschränkt. 95 Prozent berichteten jedoch von mindestens einer
diskriminierenden Erfahrung in den letzten zwölf Monaten aufgrund von HIV.
52 Prozent gaben an, durch Vorurteile bezüglich der HIV-Infektion in ihrem
Leben beeinträchtigt zu sein.

Welt-Aids-Tag am 1. Dezember
Der Welt-Aids-Tag ist der Tag der Solidarität mit HIV-positiven Menschen.
Er wird seit 1988 jedes Jahr am 1. Dezember begangen. Zudem wird am Welt-
Aids-Tag der Menschen gedacht, die an den Folgen von HIV und Aids
verstorben sind. Die wichtigsten Ziele sind ein diskriminierungsfreier
Umgang und Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen weltweit.
Deshalb rufen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die
Deutsche AIDS-Stiftung und die Deutsche Aidshilfe auch dieses Jahr zu
einem Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung auf.

In Deutschland lebten Ende 2019 nach Angaben des Robert Koch-Instituts
90.700 Menschen mit HIV. Weltweit waren es nach Angaben von UNAIDS 37,7
Millionen Menschen.

Gemeinsame Online-Angebote der Kampagnenpartner BZgA, DAH und DAS zum
Welt-Aids-Tag und der Kampagne „Leben mit HIV. Anders als du denkst.“
http://www.welt-aids-tag.de
http://www.facebook.com/WeltAidsTag
https://twitter.com/weltaidstag_de
http://www.instagram.com/weltaidstag

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
http://www.bzga.de/infomaterialien/hivsti-praevention/
http://www.liebesleben.de

Informationen der Deutschen Aidshilfe
http://www.aidshilfe.de

Informationen der Deutschen AIDS-Stiftung
http://www.aids-stiftung.de

Informationen zum Thema HIV/AIDS des Robert Koch-Instituts (RKI)
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv_node.html

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