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Digitale Ausstellung mit „Augmented Reality“-Elementen zum FH- Jubiläumsjahr

Mit dem eigenen Smartphone tauchen die Besucherinnen und Besucher über
Website oder Jubiläumsfestschrift in die von Studierenden und Lehrenden
entwickelte interaktive Ausstellung über Vergangenheit und Zukunft der
Hochschule ein.

Bielefeld (fhb). Bunte Objekte formen sich zum einem 3D-Krankenhauszimmer,
das plötzlich auf dem Handybildschirm im eigenen Wohnzimmer erscheint.
Hinter abstrakten Schwarz-weiß-Illustrationen mit QR-Code-Funktion
verbirgt sich die Welt der „Spekulativen Infografik“. Die digitale
Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen der Fachhochschule (FH) Bielefeld
nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch
Vergangenheit und Zukunft der Hochschule. Die virtuelle Ausstellung auf
www.50years.fh-bielefeld.de ist dabei gleichzeitig ein Trip durch die
Gesellschaft, in der die Hochschule existiert.

Interaktive „Augmented Reality“-Elemente

Das Besondere dabei sind die „Augmented Reality“-Elemente (AR), also eine
erweiterte Realität: Mithilfe einer eigens programmierte App („50years
AR“, kostenlos bei Google Play und im Applestore) erscheinen interaktive
Objekte auf dem Handydisplay im realen Raum und illustrieren die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der FH Bielefeld. Die
Visualisierungen greifen einzelne Themen aus dem Lehr- und
Forschungsspektrum der FH Bielefeld auf und zeigen, wie diese sich
entwickelt haben und weiter entwickeln könnten. Erarbeitet wurde die
digitale Ausstellung von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung,
federführend: die Studienrichtung „Digital Media and Experiment“, unter
der Leitung von Prof. Claudia Rohrmoser und Prof. Florian Kühnle.

50 Jahre Vergangenheit und 50 Jahre Zukunft

Die Ausstellungswebsite www.50years.fh-bielefeld.de präsentiert
Vergangenheit und Zukunft: Auf der linken Seite die wichtigsten
Meilensteine der Hochschule seit ihrer Gründung 1971, auf der rechten
Seite wagen die interaktiven Informationsgrafiken einen spekulativen
Ausblick in die Zukunft.

Von Geschlechteridentitäten, Mietenspiegel und Digitalisierungskritik

Die Grafiken bilden dabei in breites Spektrum an Themen ab: Eine
Visualisierung zeigt, wie sich die Geschlechterverteilung unter den
Studierenden der FH Bielefeld seit 1971 entwickelt hat. Erst 2018
veränderte sich das Bild mit der Einführung der dritten Option ‚divers‘.
In der Zukunft sieht man, wie immer mehr Optionen berücksichtigt werden
und letztlich zu einem Spektrum verschmelzen. Ein weiteres Objekt stellt
die Entwicklungen von BAföG-Satz, Einstiegsgehältern und dem Bielefelder
Mietenspiegel einander gegenüber. Zugang zu Wohnraum wird zum Messwerkzeug
für soziale Gerechtigkeit. Das Versprechen, dass der Zugang zu einem
Studium bessere Lebensverhältnisse ermöglicht, wird hinterfragt. Wieder
andere Grafiken zeichnen alarmierende Zukunftsszenarien des
Wirtschaftswachstumsmodells oder werfen einen verschmitzten Blick darauf,
wie unsere Kalender sich dank der weitreichenden Digitalisierung in eine
„Monokultur aus Zoom-Terminen“ verwandeln.

Digitale Ausstellung ergänzt analoge Festschrift

Die Ausstellung bildet das digitale Pendant zur Jubiläumsfestschrift der
FH Bielefeld: Auf 752 Seiten wirft die Festschrift einen Blick auf
Geschichte(n) der Zukunft und reflektiert die vielfältige Entwicklung der
Fachhochschule. Das Buchcover und ausgewählte Seiten sind mit „AR-Markern“
versehen, die mit der App eingescannt werden können.

Konzipiert wurde das Buch von Prof. Dr. Andreas Beaugrand, Professor für
Theorie der Gestaltung. Fotografien und Layout übernahmen Studierende und
Alumni des Fachbereichs Gestaltung. „Das Buch berichtet aus vielfältigen
Perspektiven von den Studierenden, Lehrenden, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, Absolventinnen und Absolventen bis zu Vertreterinnen und
Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik“, so
Beaugrand. Die Festschrift ist als Open-Source Download unter folgenden
Link als PDF-Datei abrufbar: https://www.transcript-
verlag.de/978-3-8376-5750-0/50-jahre-zukunft-fh-
bielefeld-1971-2021/?number=978-3-8394-5750-4


Ausstellung im heimischen Wohnzimmer

Die AR-Marker im Buch erwachen durch das Einscannen mit der App zum Leben:
Die AR-App bietet beispielsweise ein Mini-PacMan-Murmelspiel,
Videoskultpuren, eine virtuelle Schneekugel und kurze 3D-animierte Filme,
die wie in einem Pop-Up-Buch aus den Buchseiten hervorspringen. Mitunter
muss man seinen Platz verlassen, um die gesamte Dimension eines Objektes
zu erfassen. Prof. Claudia Rohrmoser: „Das Besondere an diesen virtuellen
Buchillustrationen ist die Räumlichkeit und Veränderbarkeit. So animiert
das Buch dazu, diese raumgreifenden virtuellen Besucher in den eigenen
vier Wänden mit Körpereinsatz zu erforschen.“ Die AR-Marker stehen auf der
Website zum Download zur Verfügung.

Entstanden sind die AR-Arbeiten in einem Seminar der Studienrichtung
„Digital Media and Experiment“ in Zusammenarbeit mit dem AR-Entwickler
Leonid Barsht. Bachelor- und Masterstudierende verschiedener
Fachrichtungen des Fachbereichs Gestaltung, darunter Illustration,
Grafikdesign und Animation, setzten sich mit den wissenschaftlichen Texten
und dem retrofuturistischen Design der Jubiläumsfestschrift auseinander
und gestalteten mit individuellen ästhetischen Ansätzen dynamische AR-
Objekte als Illustration der Inhalte.

50 Years of Future

Getreu dem Jubiläumsmotto „50 Years of Future“ der FH Bielefeld legen die
interaktiven Grafiken vor allem Augenmerk auf die kommenden Jahre: Wie
lässt sich darstellen, was noch nicht in Fakten oder Zahlen zur Verfügung
steht? Prof. Florian Kühnle: „Was noch in der Zukunft liegt, ist offen,
unklar, unscharf, fiktional. Wir können vorausdenken, vermuten,
abschätzen, simulieren – wir bleiben aber immer im Spekulativen.“

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Einwanderungsfeindliche Haltung hält dem Realitätscheck nicht stand

Studie: Ablehnung von Migration und Zulauf zur extremen Rechten sind in
Regionen mit viel Einwanderung schwächer

Nach der Ankunft von über einer Million Geflüchteter in Deutschland
2015/16 zeigte sich auf der lokalen Ebene ein freundlicheres Bild als beim
Blick auf die bundesweite Lage, die von einer Zunahme fremdenfeindlicher
Haltungen und Gewalt sowie dem Zulauf zur rechtspopulistischen Partei AfD
geprägt war. Gerade in Kreisen, in denen besonders viele Geflüchtete
angesiedelt wurden, zeigten sich eine höhere Akzeptanz von Immigration und
stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt. Zu diesem Ergebnis kommen WZB-
Forschungsprofessor David Brady, Marco Giesselmann von der Universität
Zürich und Tabea Naujoks von der Berliner Hertie School bei der Auswertung
von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2009-2017.

Ungefähr 20.000 Personen ohne Migrationshintergrund in Deutschland wurden
in diesem Zeitraum mehrfach zu ihren Haltungen zur Zuwanderung befragt.
Eindeutig zeigt sich ein Trend zu mehr Sorge um den sozialen Zusammenhalt
und zu mehr Sympathien für extrem rechte Bewegungen und Parteien im
Kontext der starken Zuwanderung 2015. Auf der Ebene von Landkreisen und
kreisfreien Städten allerdings gilt ein umgekehrter Zusammenhang: Hohe
Zuwanderungsquoten gehen dort mit weniger Angst vor Einwanderung und
geringerer Zustimmung für extrem rechte Parteien einher. Ebenfalls nicht
beobachten lässt sich in diesen Gebieten, dass Einheimische wegziehen, die
Sorge um den sozialen Zusammenhalt zunimmt oder die Bereitschaft abnimmt,
durch das Zahlen von Steuern das Gemeinwesen zu stützen. David Brady zieht
daraus eine klare Lehre auch für zukünftige Migrationsbewegungen: „Das
Beispiel zeigt, dass ausgrenzende Haltungen durch mehr Kontakt abgebaut
werden können. Je mehr lokale Begegnungen es gibt, desto weniger greift
der allgemeine Diskurs, der Geflüchtete zur Bedrohung macht.“

Einschränkend allerdings muss ein zweites Ergebnis der Studie genannt
werden: In Kreisen mit hoher Arbeitslosigkeit ist dieser Mechanismus nicht
festzustellen. Hier stößt vielmehr der Zuzug Geflüchteter auf ablehnende
Haltungen. Die Forscher schließen aus diesem Befund, dass eine schwierige
ökonomische Situation der ideale Nährboden für migrationsfeindliche
Einstellungen ist. Die Empfehlung an die Politik liegt auf der Hand:
„Entscheiderinnen und Entscheider sollten Geflüchtete dort ansiedeln, wo
die Jobperspektiven gut sind, um negative soziale Folgen abzufedern“,
erklärt David Brady.

Die Studie ist als WZB discussion paper erschienen: Marco Giesselmann,
David Brady, Tabea Naujoks, The Social Consequences of the Increase in
Refugees to Germany 2015-2016 (September 2021).

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Tiefseeforscherin übernimmt Mercator-Professur: Antje Boetius kommt

Ein Jahr später als geplant, aber mit der gleichen Begeisterung für ihre
Themen kommt Antje Boetius als Mercator-Professorin an die Universität
Duisburg-Essen (UDE). Ihre beiden Vorträge im November können sowohl vor
Ort als auch live über YouTube verfolgt werden.

Die 54-Jährige Direktorin des renommierten Alfred-Wegener-Instituts
plädiert für ehrgeizige internationale Zusammenarbeit und für
zukunftssichernden Klima-, Natur- und Umweltschutz. Wie schnell sich der
Ozean verändert, konnte die Tiefseeforscherin selbst erfahren auf ihren
knapp 50 Expeditionen, von denen etliche Polarreisen waren.

Antje Boetius wurde international bekannt, als sie im Jahr 2000 am
Meeresboden Methan-fressende Mikroorganismen entdeckte, die wichtig für
das Erdklima sind. Ihre Karriere ist eng mit diesen drei Einrichtungen
verbunden: dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, wo sie die
Forschungsgruppe ‚Tiefseeökologie‘ leitet, dem Exzellenzcluster MARUM an
der Universität Bremen, dessen Vizedirektorin sie war, und dem Alfred
Wegener Institut (AWI), Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung
in Bremerhaven. Dies führt sie seit 2017.

Zahlreiche Auszeichnungen hat die studierte Biologin für ihre
wissenschaftliche Arbeit und ihr politisches Engagement erhalten, u.a. den
Leibniz-Preis, den Deutschen Umweltpreis sowie das Bundesverdienstkreuz.
Sie weiß für Themen zu begeistern, wann immer sie spricht, was die
Deutsche Forschungsgemeinschaft mit dem Communicator Preis würdigte.

An die UDE kommt Prof. Dr. Antje Boetius für zwei Vorträge:

18.11.2021 | 18:00 Uhr
Am Puls der Erde: Der Arktische Wandel als Frühwarnzeichen
(LX Audimax, Campus Duisburg, Lotharstraße 65, 47057 Duisburg)

30.11.2021 | 18:00 Uhr
Mensch und Meer:
Von der Entdeckung der Tiefsee und ihrer unbekannten Vielfalt
(R14 Audimax, Campus Essen, Meyer-Schwickerath-Straße 1, 45141 Essen)

Wer die Vorträge vor Ort besuchen möchte, kann sich bis zum 5. November
online anmelden. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, da die
Platzanzahl aufgrund der Pandemie begrenzt ist. Vor Ort gilt die 3G-Regel
und Maskenpflicht. Auf jeden Fall dabei sein können Interessierte über den
YouTube-Kanal der Uni unter www.youtube.com/user/UDEchannel

Zur Mercator-Professur:
Sie wurde 1997 eingerichtet, um das wissenschaftliche Erbe des berühmten
Duisburger Kartographen und Universalgelehrten Gerhard Mercator
(1512-1594) wachzuhalten.

Eine Mercator-Professur hatten bislang unter anderen inne: Joachim Gauck,
Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher, Margarethe von Trotta,
Peter Scholl-Latour, Alfred Grosser, Götz W. Werner, Alice Schwarzer,
Jutta Limbach und Karl Lehmann.

Hinweis für die Redaktion:
Ein Foto von Prof. Antje Boetius (Bildnachweis: Alfred-Wegener-
Institut/Martin Schiller) stellen wir Ihnen unter folgendem Link zur
Verfügung:
https://www.uni-due.de/2020-01-21-antje-boetius-wird-mercator-professorin

Weitere Informationen und Anmeldung:
https://www.uni-due.de/de/mercatorprofessur/

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Verhaltensbiologie meets Künstliche Intelligenz – Frankfurter Schülerlabor KILab öffnet seine Türen

Künstliche Intelligenz (KI)
beeinflusst unseren Alltag schon jetzt in vielen Bereichen: Von
automatisierten Vorschlägen bei Suchmaschinen, die uns schneller zum Ziel
führen sollen, bis hin zu Sprachassistenzen in unseren Wohnzimmern.
Trotzdem fehlt dieses Thema noch in den meisten deutschen Lehrplänen,
sodass Kinder und Jugendliche nur selten fundiertes Hintergrundwissen
erlangen können.

Das Frankfurter Schülerlabor KILab soll das ändern. Das innovative
außerschulische Angebot möchte Schülerinnen und Schüler für die
Möglichkeiten der KI begeistern und gleichzeitig zur kritischen Diskussion
darüber einladen.

Das Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main wird von der Klaus
Tschira Stiftung gefördert. Es basiert auf aktuellen Forschungsdaten, bei
denen eine eigens entwickelte Software aus der Abteilung für Didaktik der
Biowissenschaften und Zootierbiologie zum Einsatz kommt.

Vor einem Jahr begann die Konzeptionsphase, und nun wird das KILab im
Oktober 2021 seine Türen öffnen. Dazu stellen Prof. Dr. Paul W. Dierkes,
Dr. Anna Lena Burger und Marvin Henrich ihr Schülerlabor im Interview vor.

Herr Dierkes, Sie haben ja bereits Erfahrung mit Schülerlaboren. Was hat
Sie dazu motiviert, eins für KI aufzubauen?
Dierkes: Unser Interesse ist es, innovative Projekte durchzuführen, und
dabei vor allem Schülerlabore zu konzipieren, die es woanders nicht gibt.
Das KILab behandelt natürlich einen sehr aktuellen Themenbereich, der ganz
viele Möglichkeiten bietet. Das Thema Künstliche Intelligenz kann man sehr
interdisziplinär angehen: von der Anwendung in naturwissenschaftlicher
Datenanalyse bis hin zu gesellschaftlichen Fragestellungen.
In diesem Fall stand der authentische Einblick im Vordergrund. Das
erreicht man eigentlich nur, wenn man nicht nur den „Raum Universität“
bietet, sondern diesen auch mit hochaktueller Forschung verknüpft. Genau
das machen wir im KILab. Mit unserer Expertise in Zootierbiologie und
Verhaltensbiologie können wir Schülerinnen und Schülern diesen
authentischen Einblick in unsere aktuelle Forschung geben: Was passiert
während unserer Forschungsaktivitäten? Wie gehen wir methodisch vor und
welche modernsten Techniken werden dafür verwendet?

Wie kam es dann von der Idee zur Umsetzung?
Burger: Das Schöne ist, dass die Idee völlig natürlich entstanden ist. Wir
haben uns verhaltensbiologisch spezialisiert und dabei festgestellt, dass
es viel zu aufwändig ist, das gesamte Videomaterial händisch auszuwerten.
Das erfordert viel Zeit sowie Teamressourcen. Große Vergleichsstudien sind
unter diesen Bedingungen fast unmöglich. Ein Beispiel: Um das nächtliche
Schlafverhalten von ca. 60 Giraffen in 13 Zoos über drei Wochen zu
erforschen, müssen knapp 3.000 Stunden Videomaterial ausgewertet werden.
Solche großen Datenmengen – Big Data ist auch bei uns in aller Munde –
brauchen wir, um möglichst genaue und generalisierende Aussagen über das
Verhalten der Tiere treffen zu können. Dementsprechend waren wir für
unsere Forschung auf der Suche nach effizienteren Methoden. Da drängte
sich die KI förmlich auf, obwohl es im Kontext der Verhaltensbiologie
bisher noch sehr wenig Erfahrung damit gab. Während wir also unser eigenes
Problem lösten, kamen wir darauf, auch Schülerinnen und Schüler für diese
spannende Anwendungsmöglichkeit von KI zu begeistern.
Dierkes: Unsere Doktorandin Jennifer Gübert hat die Software zur
Auswertung der Forschungsdaten mit einem Programmierer und Frau Burger
zusammen entwickelt. Das war ein iterativer und sehr lehrreicher Prozess
über zwei Jahre, bis die Software so entwickelt war, wie wir sie heute in
der Forschung und im KILab einsetzen. Und gerade diese methodische
Vorgehensweise diskutieren wir auch im KILab. Schließlich bedeutet
Automatisierung nicht, dass immer gleich alles gut funktioniert. Das
versuchen wir mit den Schulklassen nachzuvollziehen.
Gleichzeitig können wir mit unserer Forschung wirklich eine Lücke
schließen. Wer stellt sich schon in Afrika hin und beobachtet nachts
Giraffen, Zebras und Co, wenn die Löwen um die Ecke sind? Das ist sehr
aufwendig. Mithilfe der KI-gestützten Verhaltensbeobachtung können wir
beispielsweise auf die Frage „Wie lange schlafen Tiere überhaupt?“ viel
einfacher Antworten finden. Wir kombinieren im Schülerlabor die Methoden
der KI mit verhaltensbiologischen Inhalten, und genau das macht es so
spannend.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Schülerlabortag hauptsächlich?
Henrich: Das Hauptziel des Schülerlabortages ist es, für KI sowie
Verhaltensbiologie zu begeistern. Dabei versuchen wir den authentischen
Weg eines Forschungsprozesses zu replizieren. Deswegen sieht unser Konzept
auch vor, dass wir die Schülerinnen und Schüler zu Beginn mit dem Problem
der zeitintensiven händischen Datenauswertung konfrontieren und sie so
problemorientiert zu den Möglichkeiten der KI hinführen. Am Ende
beleuchten wir noch den Faktor Mensch und welche Grenzen damit verbunden
sind.
Wir leiten die Schülerinnen und Schüler also von der Problemstellung zu
einer möglichen Lösung, die dann noch einmal kritisch diskutiert wird.
Das wird dann wiederum in der Begleitforschung aufgegriffen, in der wir
hinterfragen, wie hoch die Akzeptanz der Schülerinnen und Schüler diesem
stark technologisch ausgerichteten Schülerlabortag gegenüber ist. Es ist
eben doch etwas anderes als der Besuch in einem Zoo. Außerdem fragen wir
uns, wie sehr der Schülerlabortag das Verhältnis zu natürlichen Objekten
in der Natur beeinflusst.

Überwiegt das Interesse an den verhaltensbiologischen Inhalten oder reizt
die Schülerinnen und Schüler vor allem die Künstliche Intelligenz an Ihrem
Schülerlabor?
Henrich: Bei den Anfragen, die wir erhalten, zeigt sich da ein sehr
breites Spektrum. Natürlich integrieren viele Lehrkräfte einen Besuch bei
uns gern in ihren Biologie-Unterricht. Aber wir bekommen auch Anfragen von
nicht-naturwissenschaftlichen Fächern, wie beispielsweise einem Deutsch-
Leistungskurs, der momentan „Manipulation in den sozialen Netzwerken“
behandelt und da besonders spannend findet, wie KI in ihren Grundzügen
funktioniert. Da steht also auch einmal der technische Aspekt im
Vordergrund.

Inwieweit gibt ein Tag im KILab die Möglichkeit, auch gesellschaftliche
und ethische Facetten der KI zu diskutieren?
Henrich: Ein großer Faktor des Schülerlabors ist es natürlich, den Aufbau
und die Funktionsweise der KI zu verstehen. Aber nach dem Behandeln des
verhaltensbiologischen Fallbeispiels ist genügend Raum, um über technische
und ethische Grenzen zu sprechen. Da betrachten wir auch verschiedene
Anwendungen von KI kritisch, um den Schülerinnen und Schülern eine
fundierte Meinung rund um das Thema zu ermöglichen.

Die Gruppen, die zu Ihnen kommen, sind in der Regel sicher sehr
interessiert und motiviert. Aber gibt es auch Berührungsängste gegenüber
manchen Inhalten oder Methoden?
Dierkes: Damit haben wir beispielsweise in unserem Schülerlabor
Neurowissenschaften Erfahrungen gemacht: da besonders neurophysiologische
Experimente kaum umsetzbar sind –  sowohl in der Schule als auch im
Schülerlabor – war das etwas sehr Neuartiges. In der Neurophysiologie
spielen ja zahlreiche chemische und physikalische Prozesse bei der
Erregung von Nervenzellen eine Rolle, die vielen Schülerinnen und Schülern
erst mal sehr komplex erscheinen und durchaus auch mit Ängsten verbunden
sein können. Deswegen haben wir nicht an einem echten Nervensystem
gearbeitet, sondern quasi-realistische Experimente durchgeführt, die ein
echtes Nervensystem sehr realistisch imitieren.
Es funktioniert aber immer wieder sehr gut, diese Ängste im Schülerlabor
abzubauen, weil die Schülerinnen und Schüler experimentieren und bestimmte
Einflussfaktoren kennenlernen können. Das zeigt uns, dass selbst so
komplizierte Themen – wie auch die KI – mit einem geeigneten Konzept sehr
gut im Rahmen von Schülerlabortagen zu vermitteln sind.

Ist das KILab auch mit der Ausbildung von Lehramtsstudierenden verknüpft?
Dierkes: Dieser Aspekt ist uns natürlich wichtig. Wir möchten unseren
Studierenden nicht nur gängige, sondern auch innovative Konzepte
vermitteln. Wir nutzen also das Schülerlabor als Lehr-Lern-Labor und
integrieren es in unsere praxisorientierte Ausbildung. Damit haben wir
schon sehr positive Erfahrungen gemacht. Unsere ehemaligen Studierenden
kommen später mit ihren Schulklassen sehr gern wieder auf unsere Angebote
zurück. Von diesem Austausch zwischen Praxis und Forschung können alle
Seiten wiederum viel lernen.
Burger: Eigentlich haben wir das Paradebeispiel im eigenen Team. Bei dir,
Marvin, ist es doch auch ganz ähnlich gelaufen. Du hast früher schon als
Student hier in einem Schülerlabor gearbeitet und daraus ist nun die
Leitung des KILabs entstanden. (lacht)

Kommen wir zu ganz praktischen Fragen. Was müsste ich als Heidelberger
Lehrerin tun, um einen Tag in Ihrem Schülerlabor verbringen zu können?
Im Idealfall kennen Sie dann schon unsere Website, auf der Sie die ersten
Informationen erhalten. Dort können Sie uns direkt über ein Online-
Anmeldeformular kontaktieren. Dann finden wir einen passenden Termin und
vor dem eigentlichen Besuch können Sie Ihre Klasse im Unterricht mithilfe
unseres kompakten „SchülerWissens“ ideal auf den Tag hier im Biologicum
vorbereiten.

Wie viele Teilnehmende finden bei Ihnen Platz?
Henrich: Unter normalen Bedingungen bietet der Raum Platz für 20
Schülerinnen und Schüler plus zwei betreuende Personen. Aktuell können
unter Corona-Bedingungen 16 Teilnehmende plus zwei Betreuende zu uns
kommen.

Wie viel Zeit nimmt ein kompletter Schülerlabortag in Anspruch?
Angedacht ist 9–15 Uhr inklusive einer Mittagspause.

Kann ich mit einer 8. Klasse genauso wie mit einer 12. Klasse zu Ihnen
kommen?
Nicht ganz, unser Angebot gilt ab Jahrgangsstufe 9. Aktuell kommen vor
allem Jahrgänge aus der Oberstufe, weil dort das Thema Verhaltensbiologie
im Lehrplan vorgesehen ist. Unsere Inhalte sind aber für alle ab Klasse 9
verständlich und spannend aufbereitet.

Nun haben Sie bereits ein Jahr Konzeptionsphase hinter sich. Was sind ihre
Wünsche für das nächste Jahr des KILabs?
Henrich: Mein großer Wunsch ist, dass das Angebot zunächst gut anläuft.
Außerdem hoffe ich, möglichst viele Klassen für die verhaltensbiologischen
Inhalte begeistern zu können und Verständnis für die Grundzüge der KI zu
schaffen. Gerade weil KI schon Bestandteil des Alltags der Schülerinnen
und Schüler ist und auch im Berufsleben ganz klar Teil des Alltags werden
wird.
Dierkes: Es ist ein sehr neuartiges Schülerlabor. Deswegen freue ich mich
sehr auf die Reaktionen und die Erfahrungen, die wir damit machen werden.
Schließlich sind wir für die geplante Intensivphase als Ferienprogramm auf
die Erfahrungen aus dem Schülerlabortag angewiesen.
Burger: So geht es mir auch. Aus biologisch-didaktischer Sicht würde ich
mich wahnsinnig freuen, wenn der eine oder die andere hier rausgeht und
sagt: „Ok, Verhaltensbiologie ist echt spannend!“ Es wäre toll, wenn wir
hier einen neuen Zugang zu diesem Thema des Biologie-Lehrplans schaffen.
Und auf die Intensivwoche freue ich mich, in der wir mit den Schülerinnen
und Schülern auch nochmal in den Zoo gehen und mit Expertinnen und
Experten sprechen werden. Bis dahin freuen wir uns sehr auf die
Durchführung der Tagesprogramme und vor allem natürlich auf die
Schülerinnen und Schüler!

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