Gemeinsame englischsprachige Veranstaltungsreihe der Bauhaus-Universität Weimar und der Fachhochschule Erfurt zum Thema nachhaltige Mobilität im urbanen Raum.
Gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar veranstaltet die Fachhochschule Erfurt bereits zum vierten Mal eine internationale Vortragsreihe zum Thema nachhaltige Mobilität im urbanen Raum.
Wie kann nachhaltige Mobilität gestaltet und wie können unsere Städte lebenswerter gemacht werden? Diese Fragen beantworten im Wintersemester 2021/2022 renommierte Gastdozentinnen und -dozenten, u.a. aus Griechenland, der Schweiz und Spanien. In den englischsprachigen Vorlesungen stellen die Expertinnen und Experten aktuelle Forschungsergebnisse und Anwendungsbeispiele aus dem Verkehrssektor vor. Dabei wird aufgezeigt, mit welch unterschiedlichen Ausgangslagen und Problemstellungen die Verkehrssysteme im internationalen Vergleich konfrontiert sind und wie innovative Lösungen aussehen könnten. Im Anschluss an die Vorträge soll die Übertragbarkeit der vorgestellten Mobilitätskonzepte diskutiert werden.
Die erste Veranstaltung am 25.10.21 (Beginn: 19 Uhr) widmet sich dem viel diskutierten Mobilitätskonzept „Mobility as a Service“. Dr. Ioanna Pagoni von der University of the Aegean (Griechenland) wird in ihrem Vortrag „MaaS: Insights for Business, Customers and Policies“ aktuelle Forschungsergebnisse präsentieren und auf deren Übertragbarkeit in verschiedenen Anwendungsfeldern eingehen.
Initiiert wurde die Vortragsreihe erstmalig im Oktober 2018 im Rahmen des Bauhaus.Semesters von der Professur Verkehrssystemplanung an der Bauhaus- Universität Weimar in Kooperation mit dem Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt. Alle Vorlesungen finden virtuell statt, Interessierte sind herzlich zur Teilnahme an den folgenden Terminen eingeladen:
25. Oktober 2021, 19 bis 20:30 Uhr „Mobility as a Service: Insights for Business, Customers and Policies“ Referentin: Dr. Ioanna Pagoni, University of the Aegean (Greece)
22. November 2021, 19 bis 20:30 Uhr „Towards a System of Velomobility: Cycling Practices and Politics“ Referent: Prof. Dr. Patrick Rérat, University of Lausanne (Switzerland)
10. Januar 2022, 19 bis 20:30 Uhr „The Integrated Urban Mobility Process: A Spanish Approach“ Referentin: Prof. Dr. María Eugenia López Lambas, Technical University of Madrid (Spain)
Vom 28. bis 30. Oktober treffen sich Deutschlands Schlafforscher und Schlafmediziner zum jährlichen Update der neuesten Entwicklungen auf diesem Fachgebiet. Der besondere Fokus liegt dabei auf den Wechselwirkungen von Schlaf und Psyche. Die beiden diesjährigen Kongresspräsidenten Univ.-Prof. Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Dieter Riemann und Prof. (apl.) Dr. phil. Dr. med. Kai Spiegelhalder beschäftigen sich seit vielen Jahren in Forschung und Klinikalltag mit diesem Aspekt. Im folgenden Interview räumt Professor Riemann mit Schlafmythen auf, erklärt warum es so wichtig ist, dass man auf seinen Schlaf achtet und wieso jeden eine psychische Krise treffen kann.
Corona rauf und runter, das Wetterchaos, die Wahl – und zu all dem noch die alltäglichen Sorgen; 2021 hat uns bisher nicht verwöhnt. Das dies bei vielen Menschen an die Substanz geht, ist nachvollziehbar. Was kann man machen, um sich psychisch immer wieder aufzurichten?
Prof. Riemann: Aus psychologischer Sicht ist ein soziales Miteinander das Wichtigste. Allein kann man Krisen sehr schlecht durchstehen. Es gibt Menschen, die emotional belastbarer sind als andere, aber die Mehrheit bleibt stabiler, wenn Ihnen sozialer Halt zu Teil wird, wenn sie also das Gefühl haben, etwas nicht alleine bewältigen zu müssen. Es lässt weniger Angst entstehen. Das hat man bei der Hochwasserkatastrophe gut verfolgen können. Je mehr Solidarität sich gezeigt hat, umso mehr wurden die Betroffenen wieder ein Stück weit zuversichtlicher, dass sie alles vor Ihnen Liegende bewältigen können. Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit sind im Übrigen genetisch mit angelegt.
Seit vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit psychischen Einflüssen auf den Schlaf und umgekehrt. Was raubt den Menschen am häufigsten den Schlaf? Und stehen diese Dinge im Zusammenhang mit dem Weltgeschehen?
Prof. Riemann: Die Alltagsschlafprobleme sind Schlaflosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen und damit verbundenes frühmorgendliches Erwachen und Tagesmüdigkeit. Aus vielen Studien wissen wir, dass es nicht das Weltgeschehen ist, was den Menschen den Schlaf raubt, sondern es sind in erster Linie die privaten Sorgen einschließlich beruflicher oder existenzieller Probleme. Dinge des Weltgeschehens wirken sich am häufigsten auf den Schlaf aus, sobald sie in den privaten Sektor eingreifen. Man kann sagen, dass alles, was unser Leben unsicher macht, auch unseren Schlaf stört.
Sie übernehmen in diesem Jahr die wissenschaftliche Leitung des größten schlafmedizinischen Kongresses in Europa und haben diesem den Schwerpunkt „Schlaf und Psyche“ gegeben. Welche neuen Erkenntnisse gibt es?
Prof. Riemann: Den Aspekt Schlaf und Psyche erforschen wir hier in Freiburg schon sehr lange. Es ist also etwas Lokalkolorit, das wir dieser 29. DGSM-Jahrestagung, die Corona-bedingt leider nicht präsent stattfinden kann, mitgeben. Dass sich schlechter Schlaf auf die Psyche auswirkt, ist bekannt. Kai Spiegelhalder und ich erforschen vielmehr, wie schlechter Schlaf über Jahre sich auf die Entstehung psychischer Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen auswirkt. In der Psychiatrie behandeln wir akut erkrankte Menschen, aber das Ziel könnte sein mit diesem Wissen präventiv zu handeln und zum Beispiel eben Schlafprobleme in einem sehr frühen Stadium effektiv zu therapieren. Damit hätten wir einen völlig neuen klinischen Ansatz psychisches Leid zu verhindern. Im Moment läuft eine Studie, welche gemeinsam mit Krankenkassen untersucht, welche Wege es gibt, Patienten bereits in der Hausarztpraxis zu erkennen und adäquat zu behandeln. Damit hätten wir möglicherweise ein ganz neues Werkzeug psychische Erkrankungen künftig weiter einzudämmen.
Ist die Versorgungslage in Deutschland zufriedenstellend?
Prof. Riemann: Sie ist sicher nicht optimal, aber man kann klar sagen, dass wir in Deutschland besser dastehen als in vielen anderen europäischen Ländern was die schlafmedizinische Versorgungssituation angeht. Dennoch gibt es regionale Versorgungslücken, Wartezeiten auf Schlaflaboruntersuchungen von durchschnittlich mindestens 4 Monaten und insgesamt zu wenig therapeutische Angebote, insbesondere für die psychisch bedingten Schlafstörungen. Die Vergütung schlafmedizinischer Leistungen ist nach wie vor zu unattraktiv. Das führt dazu, dass für die Betroffenen zu wenig Versorgungsangebote vorhanden sind. Hinzu kommt ein zu schleppender Digitalisierungsprozess, nicht nur in der Schlafmedizin, durch den zeitgemäße diagnostische und therapeutische Angebote verzögert werden. Um das weiter zu verbessern, machen wir zum Beispiel mit Hausärzten zusammen Projekte. Geplant ist etwa eines zum Umgang mit Medikamentenabhängigkeit bei Schlaflosigkeit und welche Möglichkeiten es gibt, die Medikamente abzusetzen. Denn letztlich ist es das große Anliegen, Teile der Schlafmedizin nicht nur in der Klinik zu halten, sondern in der Allgemeinversorgung zu verankern.
Die Aufmerksamkeit für den Schlaf hat in den letzten Jahren merklich an Bedeutung gewonnen. Geht das für Sie in die richtige Richtung oder wünschen Sie sich mehr Gewichtung auf wissenschaftliche Erkenntnisse als auf sog. Therapiedecken und Schlaf-Apps?
Prof. Riemann: Es ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, dass die Aufmerksamkeit für den Schlaf zugenommen hat – und das hat sie erkennbar in den Medien und auch in der Bevölkerung. Ich finde, die Berichterstattung ist größtenteils ernsthaft und richtig. Aber ja, es gibt auch die Ecke der Wunderheiler. Die gibt es aber auch in vielen anderen Bereichen. Durch Internet und soziale Medien wird es diesen Trittbrettfahrern natürlich leicht gemacht Informationen unter die Menschen zu bringen, die manchmal nicht so seriös sind. Aber generell würde ich sagen, dass die mediale Berichterstattung gut und hilfreich ist.
Gibt es allgemeine Weisheiten über den Schlaf, die Sie an dieser Stelle gern zurechtrücken würden?
Prof. Riemann: Die gibt es tatsächlich und zwar zwei Stück, die sich hartnäckig halten, wie ich finde. Zum einen, dass der Mensch acht Stunden Schlaf braucht. Das stimmt nicht. Jeder hat ein individuelles Schlafbedürfnis und man kann sich verrückt machen, wenn man sich an dieser überholten „Ziellinie“ misst. Das Ergebnis ist schon mal eine eingebildete Schlafstörung. Was zählt ist, ob ich mich am Morgen bzw. tagsüber erholt und fit fühle. Man sollte die nötige Schlafmenge nicht an einer Ziffer festmachen. Das zweite ist die Auffassung, dass der Schlaf vor Mitternacht der gesündeste sei. Auch das ist falsch. Wir wissen, dass es Früh- und Abendtypen gibt und wer um eins ins Bett geht, der hat seinen Tiefschlaf eben danach. Wichtig ist, dass man den Schlaf nicht dogmatisch betrachtet.
Welches sind überdies hot topics des Kongresses?
Prof. Riemann: Es geht etwa um die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Schlafapnoe, wie neue Geräte. Dieses Gebiet ist permanent im Fluss und bei der Vielzahl an Patienten ist ein hoher Standard extrem wichtig. Es gibt neue Medikamente für Narkolepsiepatienten, ebenso für Insomniepatienten – hier gibt es auch neue Therapieformen, die vorgestellt werden. Die diagnostischen und therapeutischen Methoden verändern sich ständig und machen die Schlafmedizin so spannend.
Gibt es Menschen, die immun sind gegen psychischen Stress?
Prof. Riemann: Man kann nicht sagen, dass es Menschen gibt, denen eine psychische Krankheit niemals passieren kann. Es passieren Dinge im Leben, die einen jeden traumatisieren können und dann nützt eben leider auch eine starke Widerstandsfähigkeit nicht mehr.
Erfahren Sie mehr zum Programm der virtuellen DGSM-Jahrestagung unter www .dgsm-kongress.de und akkreditieren Sie sich dort kostenfrei als Medienvertreter, wenn Sie sich über die Themen des Kongresses informieren und darüber berichten möchten! Wir freuen uns über Ihr Interesse und unterstützen Sie gern, zum Beispiel bei der Suche nach Interviewpartnern. Melden Sie sich dazu und mit all Ihren Fragen gern beim Pressekontakt!
Das Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie ist das weltweit einzige Institut für Treppenforschung an einer Hochschule. Florian Hammerich OTH Regensburg/Florian Hammerich
Die OTH Regensburg erinnert an den großen Denkmalpfleger Friedrich Mielke. Die Hochschule beherbergt das weltweit einzige Institut für Treppenforschung: das Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie.
Seinen 100. Geburtstag könnte am 20. September 2021 der große Denkmalpfleger und Treppenforscher Friedrich Mielke feiern. Ihm hat die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) das weltweit einzige Institut für Treppenforschung an einer Hochschule zu verdanken: das Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie.
„Scalalogie ist Grundlagenforschung der Interdependenz von Mensch und Treppe, von Subjekt und Objekt, von Individuum und Materie.“ So definierte Friedrich Mielke die von ihm ins Leben gerufene Wissenschaft. Diese Wechselwirkung, das sogenannte Steigeverhalten, ist ein wichtiger Forschungsgegenstand der Scalalogie.
Friedrich Mielke wurde am 20. September 1921 in Neuneck im Schwarzwald geboren. Nach seinem Studium der Architektur war er ab 1949 in Schwerin und Potsdam denkmalpflegerisch tätig. 1957 promovierte er an der Technischen Hochschule Dresden; im Jahr darauf verließ er die DDR. Habilitiert wurde er 1959 an der Technischen Hochschule Berlin, wo er zum ersten Inhaber eines Lehrstuhls für Denkmalpflege in Deutschland wurde. Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit im Jahr 1980 gründete er an seinem Wohnsitz im oberbayerischen Konstein die internationale Arbeitsstelle für Treppenforschung sowie 1985 die Gesellschaft für Treppenforschung. Professor Mielke war Ehrensenator der OTH Regensburg, Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und erhielt für seine Verdienste etliche Auszeichnungen, unter anderem die Ehrenbürgerwürde der Stadt Potsdam.
Mielke vermachte im Jahr 2012 sein Lebenswerk, die Sammlung seiner „Arbeitsstelle für Treppenforschung“, der Fakultät Architektur der OTH Regensburg. Damit legte er den Grundstock für das nach ihm benannte Institut für Treppenforschung, das seine Sammlung seither betreut und erweitert sowie Forschungsprojekte auf diesem Fachgebiet unterstützt und durchführt. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Instituts noch zu Lebzeiten von Professor Mielke war die Ausstellung eines Großteils der Sammlung auf der Architektur-Biennale in Venedig im Jahr 2014.
Prof. Joachim Wienbreyer transferierte Friedrich Mielkes umfangreiche Sammlung an die OTH Regensburg und leitete das Institut bis zu seiner Emeritierung. Seitdem wird die Sammlung stetig ausgebaut. Das Institut verfügt über etwa 15.000 Dossiers über Treppen aus der ganzen Welt, mehr als 35.000 Bilder, zahlreiche Pläne und Aufmaße von Treppen und Geländern, viele Modelle, Originalteile von Treppen und Geländern sowie eine Fachbibliothek mit mehr als 500 Titeln. Mit diesem „Schatz“ haben Lehrende und Studierende (nicht nur der OTH Regensburg) sowie internationale Gäste eine einzigartige Grundlage für ihre Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Scalalogie und für alle Fragen, die mit gebauten und auch ideellen Stufen in Zusammenhang stehen.
Für die Aufbereitung der ehemaligen Privatsammlung ist derzeit vor allem Sophie Schlosser zuständig. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin half das Material zu systematisieren und die Überführung in eine digitale Datenbank einzuleiten, welche die vielfältigen Forschungsinteressen widerspiegelt. Sie befasst sich zudem auch mit der inhaltlichen Beratung von Studierenden, Forschenden und interessierten Laien. Anfragen an das Institut kommen aus der ganzen Welt, etwa von Architekt*innen, Archäolog*innen, Kunsthistoriker*innen oder Künstler*innen.
In der Scalalogie geht es schließlich nicht nur um technische und funktionelle Aspekte der Bauwerke, sondern auch um künstlerische, historische oder soziale. So erforschte Friedrich Mielke zum Beispiel den Zusammenhang zwischen Stufenhöhe und gesellschaftlicher Stellung. Dafür untersuchte er unter anderem systematisch die Treppen in den Altstadtbauten von Eichstätt und fand heraus, dass die Treppenstufen der Fürstbischöfe in Eichstätt höchstens 16 Zentimeter maßen, die des niederen Klerus bis zu 18 Zentimeter. Bürger*innen und Bedienstete mussten noch höhere Stufen erklimmen. Mit welcher Kreativität Menschen auf der ganzen Welt die Treppe in ihrer über 11.000 Jahre alten Geschichte entwickelt und immer wieder neu gedacht haben, davon gibt die Sammlung des Instituts einen vielfältigen Eindruck. Es gibt zahlreiche spannende Forschungsthemen mit Bezug zur Treppe, die noch längst nicht alle ausgeschöpft sind. Treppenanlagen als Orte und Räume sozialer und zeremonieller Interaktion, zum Beispiel, stehen momentan im Fokus der Institutstätigkeit. Friedrich Mielkes Arbeit sind also nicht nur die elementaren Grundlagen für die Erforschung von Treppen zu verdanken, sondern auch eine thematische Sammlung mit großer Lehrqualität und hohem Forschungspotenzial.
Friedrich Mielke war 2018 im Alter von 97 Jahren verstorben. „Ein Mann, der Bahnbrechendes geleistet hat“, schrieben die Potsdamer Neuesten Nachrichten damals in ihrem Nachruf. Die OTH Regensburg hält sein Andenken nicht nur in Ehren, sondern führt Mielkes Arbeit fort und entwickelt sie weiter.
Prof. Dr. Jann Strybny erläutert Minister Björn Thümler (Mitte) und weiteren Gästen die technische Ausstattung des Maritimen Technikums.
Forschung und Entwicklung für eine nachhaltige Schifffahrt stärken Maritime Forschung zum Anfassen und auf höchstem technischen Niveau: Am Fachbereich Seefahrt und Maritime Wissenschaften der Hochschule Emden/Leer ganz im Nordwesten von Deutschland ist am Freitag (17. September 2021) das neue Maritime Technikum eröffnet worden. Der vom Land Niedersachsen mit mehr als sechs Millionen Euro geförderte Neubau soll zum einen die Lehre und Forschung am Fachbereich in Leer optimieren. Zum anderen soll das Großlabor als Informations- und Dienstleistungspartner für die Region und darüber hinaus fungieren.
Im Technikum stehen den Forschenden unter anderem ein Windkanal, ein Schlepptank sowie ein Labor für Schiffsakustik zur Verfügung (siehe Anlage Faktenblatt). Durch die moderne Ausstattung können so künftig für die Schifffahrt relevante Fragen aus dem Bereich Nautik sowie Schiff- und Wasserbau an einem Ort untersucht werden. Als Hochschule mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit könne dabei insbesondere das Thema Green Shipping noch intensiver in den Fokus genommen werden, wie Prof. Dr. Marcus Bentin, Dekan des Fachbereichs Seefahrt und Maritime Wissenschaften, betonte.
Der Umbau der weltweiten Handelsflotte in puncto Klimaneutralität gehört zu den größten Herausforderungen der Branche in den kommenden Jahrzehnten. Bis zum Jahr 2050 soll der durch die Schifffahrt verursachte CO2-Ausstoß um mindestens die Hälfte reduziert werden. Unter anderen wurde dies im so genannten „Green Deal“ der Europäischen Union festgelegt. „Dieses Ziel werden auch wir als Hochschule mit unserer langjährigen Erfahrung im Bereich Green Shipping unter nun noch besseren technischen Voraussetzungen unterstützen und dabei den maritimen Sektor in der Region und darüber hinaus stärken“, so Hochschulpräsident Prof. Dr. Gerhard Kreutz.
Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler betonte in seiner Begrüßungs-ansprache ebenfalls den Wert des neuen Maritimen Technikums für die Hochschule und den Forschungsstandort Leer. Aber auch für den Reedereistandort Leer und für das Land Niedersachsen sei die neue Einrichtung eine Bereicherung. „Windenergie für die maritime Wirtschaft im Norden nutzbar zu machen, ist für Niedersachsen von zentraler Bedeutung“, so der Minister. Auch im Rahmen der Wasserstoff-Strategie der norddeutschen Länder könne – in Kooperation mit der regionalen maritimen Industrie und den niedersächsischen Häfen und in anderen Bundesländern ein großer Beitrag zur Dekarbonisierung geleistet werden. Das Maritime Technikum stärke diese Vorhaben weiter.
„Das Maritime Technikum bietet der Hochschule modernste Bedingungen für die maritime Forschung und Lehre“, so die Leiterin des Staatlichen Baumanagements Ems-Weser, Alexandra Busch-Maaß. „Bei dieser Baumaßnahme haben wir besonderen Wert auf eine nachhaltige Energieversorgung gelegt und damit einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet.“
Mit dem Festakt am Freitag wurden zudem zwei weitere Neuerungen am Fachbereich bekannt gegeben: Ein Team aus Prof. Dr.-Ing. Jan Wenske und Telsche Nielsen vom Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES in Bremerhaven und Prof. Kapt. Michael Vahs und Prof. Dr.-Ing. Jann Strybny vom Fachbereich Seefahrt und Maritime Wissenschaften der Hochschule Emden/Leer hat eine umfassende Forschungs- und Entwicklungskooperation in den letzten zwei Jahren vorbereitet. Mit der Gründung der „Fraunhofer Arbeitsgruppe Nachhaltige Maritime Mobilität“ in Leer und Bremerhaven unter der wissenschaftlichen Leitung der Hochschulprofessoren Vahs und Strybny soll eine enge Zusammenarbeit aufgebaut werden. Einen Schwerpunkt bilden dabei Entwicklung, Bau und Betrieb zukunftsweisender Windantriebssysteme für die Berufsschifffahrt. „Für die Fraunhofer- Gesellschaft ist die energetische Transformation der maritimen Branche wichtig, denn hier entstehen neue Kooperationen zwischen der Forschung und der Industrie für eine nachhaltige Zukunft“, so Prof. Dr. Raoul Klingner, Direktor für Forschungsmanagement und -governance der Fraunhofer- Gesellschaft.
Zum anderen ist die Hochschule ab jetzt Partner der Nationalparkverwaltung Nieder-sächsisches Wattenmeer. Das in diesem Zusammenhang in den Neubau integrierte meereskundliche Laboratorium und Ausstellungsflächen sollen als außerschulischer Lernort entwickelt werden und in sogenannten „Public Science Events“ über wichtige Fragen zum Lebensraum Wattenmeer aufklären. Ziel sei es, neben der Bündelung der gemeinsamen Interessen von Hochschule und Nationalparkverwaltung die Zusammenarbeit im Rahmen von Veranstaltungen und wissenschaftlichen Projekten mit Natur- und Nachhaltigkeitsbezug weiter zu stärken, wie Nationalparkleiter Peter Südbeck erläuterte.