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Woher kommt die Milch? - Jetzt gibt es Unterricht im Stall

Marianne Zenk mit dem altersgerechten Informationsmaterial zum Stallbesuch, das während der Vor-Ort-Termine verteilt wird.  Foto: Manuela Reichelt  FBN
Marianne Zenk mit dem altersgerechten Informationsmaterial zum Stallbesuch, das während der Vor-Ort-Termine verteilt wird. Foto: Manuela Reichelt FBN

Rechtzeitig zum Weltkindertag am 20. September startet das
Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf mit neuen
Angeboten für Kitakinder und Schulklassen. Ab sofort können sich Träger
von Kindertagesstätten und -gruppen oder Schulen auf der Homepage der
Forschungseinrichtung (<www.fbn-dummerstorf.de/stadt-land-stall/>) über
den Unterricht im Schweine- oder Rinderstall informieren und sich bei
Interesse anmelden.

„Als neuer außerschulischer Lernort in Mecklenburg-Vorpommern möchten wir
über die Tierhaltung und die Herkunft unserer Lebensmittel aufklären“,
informierte FBN-Vorstand Professor Dr. Klaus Wimmers. „Im Rahmen des
Projektes ‚Stadt-Land-Stall‘ werden wir Kindern reale Einblicke
ermöglichen, wie Schweine und Kühe leben und welche Rolle dabei das
Tierwohl sowie der Umwelt- und Klimaschutz spielen. Zugleich wollen wir
zeigen, wie unsere Forschenden arbeiten.“

Wertschätzung für Tiere und Landwirtschaft

Wo kommt die Milch her? Was frisst ein Schwein? Wie viele Ferkel kann eine
Sau bekommen? Sind Ziegen dumm? Auf diese und viele weitere spannende
Fragen können Kinder bei einem Besuch des Forschungsinstituts für
Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf eine Antwort von den
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erhalten. „Heute haben die
Kinder kaum noch einen Bezug zur Landwirtschaft und kennen den Ursprung
der Lebensmittel nur aus den Medien“, sagte Projektkoordinatorin Marianne
Zenk. „Darum sollen die Schülerinnen und Schüler und Kindergartenkinder
ihre gewohnte Lernumgebung verlassen und einen echten Stall besuchen. Hier
vor Ort können wir am besten erklären, wie die Tierhaltung funktioniert
und auf alle Fragen der Jüngsten eingehen“, so die Agraringenieurin.
„Dabei geht es auch um die Wertschätzung der Tiere und der Arbeit in der
Landwirtschaft sowie um Aspekte der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes.“

Neben den vielen Nutztierarten wie Rinder, Schweine, Ziegen, Fisch,
Geflügel und Insekten gibt es in den Ställen und Anlagen Orte für
Begegnungen. So kann man vom Besuchergang im Schweinestall die Tiere
beobachten und im Kuhstall die Rinderhaltung mit allen Sinnen erfahren. In
der Projektgruppe „Stadt-Land-Stall“ am FBN wurden dazu begleitende und
altersgerechte Informations- und Lernmaterialien für die Stallbesuche
erarbeitet. Diese können die jungen Besucherinnen und Besucher mit nach
Hause nehmen. „Unser Projekt werden wir schrittweise ausbauen, um künftig
auch Jugendlichen der höheren Klassenstufen, Studierenden, Lehrerinnen und
Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern Informationen und Aktionen im
Forschungsinstitut anbieten zu können“, kündigte die Projektleiterin an.

Weitere Informationen und Anmeldungen unter <www.fbn-dummerstorf.de/stadt-
land-stall/
>

Unterricht der anderen Art - Außerschulische Lernorte

Außerschulische Lernorte (kurz ALO) als bundesweit verbreitete Zentren
praxisnahen Forschens, Erlebens und Ausprobierens ermöglichen eine moderne
Form des Lehrens und Lernens und stellen ein mittlerweile wichtiges und
bundesweit anerkanntes Element im schulischen Bildungsprozess und in der
Gestaltung des Übergangs Schule und Studium oder Ausbildung dar. Des
Weiteren spielen diese Lernorte seit geraumer Zeit in der Weiterbildung
eine immer größere Rolle.

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Feuerwehr-Augen im Orbit

Das an der Technischen Universität München (TUM) gegründete Start-up
OroraTech plant, eine Flotte von Kleinsatelliten ins All zu bringen. Diese
sollen mit Hilfe von Infrarotkameras Temperatur-Anomalien mit hoher
zeitlicher und örtlicher Auflösung aufspüren. Mit den Daten wollen die
jungen Unternehmer künftig Waldbrände schnell lokalisieren und deren
Ausbreitung in Echtzeit verfolgen.

Weltweit häufen sich die Wetterextreme: Auch in den höheren Breiten, wo
Hitze- und Dürreperioden bisher selten waren, steigt die Waldbrandgefahr.
Trockenheit und Wind sorgen dafür, dass sich die Brände schnell ausbreiten
und außer Kontrolle geraten. Wald- und Buschbrände können nicht nur die
Vegetation zerstören, sondern befeuern auch den Klimawandel.

„Wenn wir Wald- und Buschbrände bekämpfen, illegale Brandrodungen stoppen
und damit auch die CO2-Emission reduzieren wollen, brauchen wir ein
globales Frühwarnsystem“, sagt Thomas Grübler, einer der Gründer des
Start-ups OroraTech. Momentan dauere es mehrere Stunden, oft sogar Tage,
bis ein Brandherd durch Menschen vor Ort, Flugzeuge oder Drohnen
identifiziert und gemeldet wird. Ein Feuer kann sich in dieser Zeit schon
weit ausgebreitet haben. „Mit Satelliten lassen sich Brände früher
detektieren und genauer beobachten. Mit Hilfe dieser Informationen können
Einsatzkräfte vor Ort Brände schneller und gezielter bekämpfen“, ergänzt
Grübler.

Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

Vor drei Jahren hat er, zusammen mit Björn Stoffers, Rupert Amann und
Florian Mauracher die OroraTech GmbH gegründet, um ein
satellitengestütztes Frühwarnsystem für Busch- und Waldbrände aufzubauen.
Drei der vier Jungunternehmer hatten bereits an der TUM gemeinsam in der
Studentischen Forschungsgruppe WARR – die Abkürzung für Wissenschaftliche
Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt – kleine Satelliten
entwickelt und gebaut. Grübler sammelte bereits erste Erfahrungen in
unternehmerischem Denken und Handeln durch seine Teilnahme am „Manage and
More“-Programm.

Die Gründung des Start-ups wurde unterstützt durch die TUM
Gründungsberatung und UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und
Gründung an der TUM. Zusätzlich erhielten die Gründer ein EXIST-
Stipendium, finanziert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie sowie den Europäischen Sozialfond. Als Mentoren standen ihnen
Prof. Alexander Koch vom Lehrstuhl für Messsystem- und Sensortechnik sowie
Prof. Ulrich Walter vom Lehrstuhl für Raumfahrttechnik zur Seite.

Mittlerweile ist das OroraTech-Team auf über 50 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter angewachsen. Die Entwicklung einer Waldbrand-Warn-App, die für
jeden beliebigen Ort der Welt die Wärme-Messungen von Satelliten mit
lokalen Wetterwerten oder Kamerasystemen kombiniert, nach Brandherden
sucht und auf Wunsch Warnmeldungen an die Nutzer schickt, ist
abgeschlossen. Die Plattform wird bereits von Kunden auf der ganzen Welt
genutzt: darunter Feuerwehren und Behörden in Kanada und Australien,
Waldbesitzer in Chile und Brasilien sowie Versicherungen und NGOs. Künftig
sollen auch Stadtplanerinnen und -planer die App nutzen können, um
beispielsweise besonders erhitzte Regionen in den Ballungsgebieten zu
lokalisieren und die Daten mit Archiven zu vergleichen.

Eigene Kleinsatelliten für genauere Beobachtungen

Noch verwenden die Algorithmen, die der Auswertungen zugrunde liegen,
Daten, welche die großen Erdbeobachtungssatelliten – beispielsweise der
ESA und der NASA – liefern. „Diese Wissenschaftssatelliten sind allerdings
so platziert, dass eine Beobachtungslücke am Nachmittag entsteht, genau zu
der Zeit, in der die Waldbrandgefahr besonders hoch ist. Diese Lücke
können wir mit kleinen Satelliten, die neue Orbitebenen abdecken,
schließen und so die zeitliche Auflösung verbessern“, erläutert Dr. Martin
Langer, TUM-Alumnus und Leiter der Technikentwicklung bei OroraTech.

Die nicht einmal vier Kilo schweren Kleinsatelliten für die Detektion von
Waldbränden werden jetzt im Münchner Labor des Unternehmens gebaut. Jeder
wird ausgerüstet mit einer thermischen Infrarotkamera. Der erste Satellit
soll Anfang 2022 an Bord einer Rakete eines Weltraumtransport-
Dienstleisters in den Orbit reisen. Noch im selben Jahr soll mindestens
ein weiterer folgen. Die Finanzierung dafür steht: 5,8 Millionen Euro
Wagniskapital haben die Firmengründer eingeworben.

„Wenn alles klappt wie geplant, können wir innerhalb der nächsten zwei
Jahre mit 14 Kleinsatelliten die Beobachtungslücke der großen
Erdbeobachtungssatelliten schließen. Das wäre ein großer Fortschritt für
unsere Kunden, und von dort können wir das System auf 30 bis 60 Minuten
Vorwarnzeit skalieren“, resümiert Langer.

Mehr Informationen:
Jedes Jahr werden an der TUM 70 bis 80 technologieorientierte Unternehmen
gegründet. TUM und UnternehmerTUM unterstützen Start-ups mit Programmen,
die exakt auf die einzelnen Phasen der Gründung zugeschnitten sind – von
der Konzeption eines Geschäftsmodells bis zum Management-Training, vom
Markteintritt bis zum möglichen Börsengang. Die TUM Venture Labs bieten
Gründungsteams aus bedeutenden Wissenschaftsfeldern ein ganzes Ökosystem
in unmittelbarer Anbindung an die Forschung. Bis zu 30 Teams können Büros
im TUM Incubator nutzen, um sich auf den Start ihres Unternehmens
vorzubereiten. UnternehmerTUM investiert mit einem eigenen Venture Capital
Fonds in vielversprechende Technologieunternehmen und bietet mit dem
MakerSpace eine 1.500 Quadratmeter große Hightech-Werkstatt für den
Prototypenbau. Diese Förderung ist laut „Gründungsradar“ die beste an den
großen deutschen Hochschulen.

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Statement – „Investitionsgesellschaften dürfen kein risikofreies Ruhekissen sein“

Prof. Dr. Stefan Kooths (https://www.ifw-kiel.de/de/experten/ifw/stefan-
kooths/
), Konjunkturchef des IfW Kiel, kommentiert Ankündigungen der
Ampel-Parteien, in Koalitionsverhandlungen die Einrichtung von
Investitionsgesellschaften zu prüfen, um finanzielle Spielräume
auszuweiten:

„Investitionsgesellschaften sind problematisch, wenn sie nur als Vehikel
gesehen werden, um die Schuldenbremse zu umgehen. Denn zwischen
Investitionstätigkeit und Kreditaufnahme besteht kein zwingender
Zusammenhang. Es ließen sich ja auch Mittel für Investitionen gewinnen,
indem andere Ausgaben im Bundeshaushalt gekürzt würden. Werden öffentliche
Investitionen außerhalb des Bundeshaushalts finanziert, umgeht man diese
Diskussion. Per Saldo schützt so die Umgehung der Schuldenbremse nicht die
Investitionen, sondern andere Ausgaben, die sonst gekürzt werden müssten.
Generell führt jede Begrenzung der Ausgabespielräume dazu, dass damit die
unwichtigsten Staatsausgaben auf den Prüfstand kommen und gegebenenfalls
unterbleiben, nicht die wichtigsten.

Investitionsgesellschaften können aber auch ein Instrument sein, um die
Infrastrukturpolitik ordnungspolitisch besser aufzustellen, indem
verstärkt auf die Nutzerfinanzierung (z.B. Mautsysteme) gesetzt wird. So
können geschlossene Finanzierungskreisläufe entstehen, die über
marktwirtschaftliche Preissignale gesteuert werden. In dem Maß braucht es
dann auch weniger staatliche Einflussnahme, was eine Ausgliederung aus den
öffentlichen Budgets rechtfertigt. Denn: Es ist sinnlos, über Marktpreise
im Parlament abzustimmen. Entscheidend ist dabei, dass die private
Beteiligung an Infrastrukturgesellschaften auch das Investitionsrisiko
einschließt. Es darf nicht dazu kommen, dass dort Gewinne privatisiert und
Verluste sozialisiert werden. Die Finanzierung der
Investitionsgesellschaften würden sonst zum Ruhekissen für Vermögende
werden. Daher müssen private Investoren mit in die Haftung genommen
werden. So lässt sich auch die Ausgliederung aus den öffentlichen
Haushalten und damit die Begrenzung der parlamentarischen Kontrolle
fertigen. Die Risikobeteiligung der privaten Geldgeber hat zugleich den
Vorteil, dass diese umso genauer darauf achten, dass sinnvolle Projekte
angegangen werden, weil ihr eigenes Geld im Feuer steht. Renditegarantien
des Staates würden genau das untergraben.

Strikt zweckbezogene Investitionsgesellschaften stellen so auch eher
sicher, dass Investitionen in Infrastrukturen verstetigt werden können und
nicht – je nach Kassenlage – zum Steinbruch des Budgetausgleichs werden.
In dem Maße, wie mit den Infrastrukturen weitere Ziele verfolgt werden
(z.B. Regionalförderung), kann dies über gezielte Subventionen geschehen,
über die im Parlament zu befinden ist.“

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Covid-19: Hohe Gesundheitsausgaben durch Ungeimpfte zu befürchten

Deutschlands niedrige Corona-Impfquote könnte für das Gesundheitssystem
teuer werden. Im Winter drohen dadurch Ausgaben für die stationäre
Behandlung von rund 180 Millionen Euro pro Woche, wie aus Berechnungen von
Forscherinnen und Forschern des IfW Kiel hervorgeht. Die hohen Ausgaben
wären vermeidbar, wenn die Impfquote höher läge.

Seit August liegt der Anteil ungeimpfter Personen in stationären Corona-
Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Bei laut AOK
durchschnittlichen Behandlungsausgaben von 10.200 Euro ergeben sich so für
die Monate August und September 2021 Ausgaben von mehr als 160 Millionen
Euro für die stationäre Behandlung von an Corona erkrankten, aber
ungeimpften Erwachsenen. Bezieht man die zu erwartenden Nachmeldungen
durch das Robert-Koch-Institut (RKI) mit ein, steigt die Summe auf rund
180 Millionen Euro.

Dies zeigen aktuelle Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft aus dem
Forschungsfeld Globale Gesundheitsökonomie (Lena Merkel, Michael Stolpe,
Natalie Baier: „Eine Pandemie der Ungeimpften kann für Deutschland teuer
werden“/https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/kiel-focus/2021/eine-
pandemie-der-ungeimpften-kann-fuer-deutschland-teuer-werden-0/
). „Da allen
Erwachsenen bis Ende Juli ein Impfangebot gemacht wurde, ist davon
auszugehen, dass ein überwiegender Teil der Ausgaben für die stationären
Behandlungen vermeidbar gewesen wäre“, sagt Autorin Lena Merkel.

Mehr Infektionen im Winter vervielfachen Ausgaben für stationäre
Behandlungen

Im Winter drohen sich die Ausgaben für Ungeimpfte zu vervielfachen und auf
180 Millionen Euro pro Woche zu steigen. Denn sollte die Impfquote auf
ihrem aktuellen Stand verharren und sich die Prognose des RKI von einer 7
-Tage-Inzidenz von 400 pro 100.000 Einwohnern bewahrheiten, dürften auch
die Krankenhauseinweisungen drastisch zunehmen.

„Wir stehen vor dem ersten Winter, in dem das Infektionsgeschehen von der
viel ansteckenderen Delta-Variante getrieben wird. Sollte sich die
Impfquote in Deutschland nicht rasch noch weiter steigern lassen, muss mit
einer starken Belastung deutscher Krankenhäuser durch Covid-19 gerechnet
werden“, so Merkel.

Auch rechnen die Autoren mit einer Steigerung der durchschnittlichen
Behandlungskosten, da die Intensivbetten zunehmend mit Jüngeren belegt
werden. Deren Überlebenschancen stehen besser als die von älteren
Patienten, was die Behandlungszeit verlängert. Daher dürften künftig öfter
als bislang Behandlungsausgaben in der Spitzenkategorie von mehr als
77.700 Euro erreicht werden, derzeit ist dies laut AOK nur bei 10 Prozent
der Intensivbehandlungen der Fall.

„Bei weiteren Lockerungen der Präventionsmaßnahmen für bereits Geimpfte
darf die Pandemie der Ungeimpften nicht außer Acht gelassen werden. Es ist
ein Fehler, das Angebot kostenloser Corona-Schnelltests für Ungeimpfte
auslaufen zu lassen, die in den vergangenen Monaten signifikant zur
Erfassung des Pandemieverlaufs beigetragen haben“, so Merkel.

Die Autoren fordern eine bessere Datenbasis, um den Pandemieverlauf messen
und prognostizieren zu können, sowie eine Stärkung des öffentlichen
Gesundheitsdienstes, der relevant Daten erhebt. Die Hospitalisierungsrate
halten sie wegen der starken zeitlichen Verzögerung zwischen Ausbruch der
Erkrankung, Einweisung ins Krankenhaus und der Meldung der Daten als
alleinigen Leitindikator für unzureichend.

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