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BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019: Beschäftigte profitieren, wenn ihre Arbeitszeit erfasst wird

Bei der Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland wird die Arbeitszeit
erfasst. Dabei weichen Art und Anteile der Erfassung nach Faktoren wie
Geschlecht, Alter, Wirtschaftszweig oder Tätigkeit voneinander ab.
Beschäftigte, deren Arbeitszeit erfasst wird, berichten deutlich seltener
über zeitliche Entgrenzung. Zudem verfügen sie über eine größere zeitliche
Flexibilität. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Auswertung der BAuA-
Arbeitszeitbefragung, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) als baua: Fokus „Arbeitszeiterfassung und
Flexibilität – Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019“
veröffentlicht hat.

Die Arbeitszeit ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für die körperliche und
psychische Gesundheit der Beschäftigten. Mit seinem Urteil vom Mai 2019
hat der Europäische Gerichtshof die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert,
Arbeitgeber zu verpflichten, ein „objektives, verlässliches und
zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung“ einzurichten. Die mit dem
Urteil einhergehende Diskussion bewegt sich im Spannungsfeld zwischen
zeitlicher Flexibilität und Entgrenzung von Arbeitszeit. Der baua: Fokus
„Arbeitszeiterfassung und Flexibilität – Ergebnisse der BAuA-
Arbeitszeitbefragung 2019“ beschreibt erstmals die Verbreitung, die
Varianten und die Auswirkungen einer systematischen Arbeitszeiterfassung
für Deutschland. Dazu wurden die Daten von rund 8.400 abhängig
Beschäftigten im Alter von 18 bis 65 Jahren ausgewertet.

Die Analyse zeigt, dass bei der Mehrheit der Beschäftigten die
Arbeitszeiten bereits betrieblich oder durch eine Selbstaufzeichnung
erfasst werden; bei der Arbeit im Homeoffice oder in der Telearbeit jedoch
deutlich seltener (80 Prozent im Betrieb, 66 Prozent bei der Arbeit von
zuhause). Beschäftigte, deren Arbeitszeit nicht erfasst wird, berichten
häufiger über zeitliche Entgrenzung, die sich beispielsweise in überlangen
Arbeitszeiten, Pausenausfall oder fehlenden Ruhezeiten zeigen kann.
Zeitliche Entgrenzung wirkt sich jedoch negativ auf Wohlbefinden und
Gesundheit aus.

Insbesondere Beschäftigte, die von zuhause aus arbeiten, arbeiten häufig
länger, wenn ihre Arbeitszeit nicht erfasst wird. Gerade in diesen Fällen
bekommt die Arbeitszeiterfassung eine besondere Bedeutung, um eine
mögliche zeitliche Entgrenzung sowohl für Beschäftigte, als auch für
Betriebe sichtbar zu machen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Erfassung der Arbeitszeit ein
wesentliches Element gesundheitsförderlicher Arbeitszeitgestaltung
darstellt und Beschäftigte in verschiedener Weise davon profitieren. Sie
haben eine geringere zeitliche Entgrenzung und einen größeren zeitlichen
Handlungsspielraum. Auch die Grenzziehung zwischen Privatleben und Beruf,
das heißt zwischen Arbeits- und Ruhezeit, gelingt besser. Zudem wird
Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit beziehungsweise zu atypischen
Zeiten, wie am Wochenende oder außerhalb der Geschäftszeiten, transparent
und somit auch für einen betrieblichen Diskurs zugänglich.

Letztlich bietet die systematische Erfassung der Arbeitszeit auch für
Betriebe Vorteile: Wenn Beschäftigte variabel an unterschiedlichen Orten
ihre Arbeit aufnehmen, unterbrechen und beenden, trägt eine
Arbeitszeiterfassung dazu dabei, den Überblick über die geleistete,
hochvariable und fragmentierte Arbeitszeit nicht zu verlieren. Die
gemessene Arbeitszeit ist deshalb auch ein wichtiges Rückmeldeinstrument
und eine hilfreiche Kennzahl für die erbrachte Leistung. Darüber hinaus
gibt die Aufzeichnung der Arbeitszeit Hinweise zur Arbeitsintensität und
stellt somit einen wichtigen Indikator im Rahmen der betrieblichen
Gefährdungsbeurteilung dar.

Den baua: Fokus „Arbeitszeiterfassung und Flexibilität – Ergebnisse der
BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019“ gibt es im PDF-Format auf der Homepage der
BAuA unter <www.baua.de/dok/8864868>.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des
BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den
Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und
bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden
sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 750 Beschäftigte.
<www.baua.de>

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Professor für Nationalen und Internationalen Naturschutz an die Hochschule Anhalt berufen

Zum Wintersemester 2021 begrüßt die Hochschule Anhalt Dr. Markus Meyer als
neuen Professor für Nationalen und Internationalen Naturschutz am
Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung. Der
fachliche Hintergrund von Professor Markus Meyer liegt in der
Agrarökologie. Er bringt umfassende behördliche und planungspraktische
Erfahrungen im Naturschutz mit an die Hochschule Anhalt. Seine Expertise
in Naturschutz, Agrarlandschaften und Agrarpolitik sowie deren
Wechselwirkung möchte er zu einer stärkeren fachübergreifenden Verbindung
zwischen den Studierenden der Studiengänge Naturschutz, Umweltplanung und
Landwirtschaft ausbauen.

Die internationale Ausrichtung seiner Lehre begann bei Professor Markus
Meyer im Rahmen eines internationalen Postgraduiertenprogramms für Länder
des globalen Südens an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Eigene
internationale Studienerfahrung im Bereich Umweltwissenschaften an der
Universität Hohenheim und der Schwedischen Universität für
Agrarwissenschaften ebneten diesen Weg. Nach der Promotion an der Martin-
Luther-Universität in Halle-Wittenberg und dem Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung, begann Markus Meyer seinen beruflichen Werdegang an der
Ludwig-Maximilian-Universität in München. Von 2016 bis 2017 war er bei der
Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst, danach als Projektleiter
einer Forschungsgruppe für Agrar- und Regionalentwicklung tätig. Er lehrte
als Juniorprofessor am „International Training Center“ der Universität
Twente und arbeitete zuletzt am Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Professor Meyer beschäftigt die Wechselwirkung zwischen Naturschutz und
Landnutzung und somit die Frage, wie sich die Landnutzung auf
Ökosystemleistungen und die Biodiversität auswirkt und wie diese
Wechselwirkung durch verschiedene Politikinstrumente gesteuert werden
kann. Für seine Studierenden ist es ihm ein wichtiges Anliegen, die
Studentinnen und Studenten fachlich und methodisch darauf vorzubereiten,
die Verknüpfung zwischen Naturschutz und Landnutzung in verschiedenen
Akteurskonstellationen bewerten und optimieren zu können. Dies möchte er
im Fachbereich fördern: „Die Studierenden sollen vorbereitet werden, auch
andere Perspektiven außerhalb ihres Berufsfelds zu verstehen – und da sehe
ich einen großen Vorteil am Campus Bernburg. Hier können die Studentinnen
und Studenten mit anderen Studiengängen wie beispielsweise Landwirtschaft
direkt in Kontakt kommen.“ Mehr über seine Aufgaben in der Lehre und
Forschung erzählt Professor Markus Meyer in einem Interview unter www.hs-
anhalt.de/einblicke.

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BlueGreenStreets – Mit dem Wasser leben

Wassermangel und Überflutungen sind ein weltweites Problem. Etwa ein
Drittel der Weltbevölkerung ist heute direkt oder indirekt davon
betroffen. Das Forschungsprojekt „BlueGreenStreets“ entwickelt Lösungen
für die urbane Infrastruktur und Wasserwirtschaft von morgen, speziell für
den Straßenraum.

Bis zum Jahr 2050 werden weltweit ca. 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde
leben. Die Prognosen gehen davon aus, dass schon in einem
Vierteljahrhundert zwei Drittel der Weltbevölkerung mit Wassermangel zu
kämpfen haben werden, denn immer mehr Menschen benötigen immer mehr
Lebensmittel und in jedem Nahrungsmittel ist Wasser.

Vermehrt haben auch Städte in Europa mit Wassermangel im Sommer zu tun,
hier leidet besonders auch die städtische Vegetation. Daneben nehmen
Überflutungen durch Starkregenereignisse und zunehmende Versiegelung in
den Städten dramatisch zu.

Wasser als wertvolle Ressource – Forschungsprojekt entwickelt Lösungen

Wie man mit Wasser effizient umgeht, damit beschäftigt sich Prof. Dr.-Ing.
Wolfgang Dickhaut an der HafenCity Universität Hamburg (HCU). Dickhaut ist
und Leiter des Fachgebiets „Umweltgerechte Stadt- und
Infrastrukturplanung“.

Im Rahmen des Projekts „BlueGreenStreets“ werden die Wirksamkeit von
Planungsinstrumenten und Regelwerken zu grünen städtischen Infrastrukturen
und urbaner Wasserwirtschaft untersucht, evaluiert und weiterentwickelt.
Dazu werden konkrete Tools zur Planung entwickelt und vor Ort mit
wichtigen Stadtakteuren erprobt. Das Projekt wird vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und bindet ein bundesweites
interdisziplinäres Team ein.

Nachhaltige Strategien für Klimaanpassung

Ziel ist es, nachhaltige Strategien zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung
zu entwickeln sowie umweltplanerische Kenntnisse wirkungsvoll und
innovativ umzusetzen. Seit 2019 betreut Prof. Dickhaut „BlueGreenStreets“
als Verbundleiter und es gibt erste Erfolge:

„Wir sind kurz vor dem Ende der ersten Förderphase und werden die Toolbox
im Frühjahr 2022 veröffentlichen. In verschiedenen Kommunen wurden Straßen
mit den BGS-Planungsprinzipien geplant, eine Umsetzung soll in 2022/23
erfolgen“, so Dickhaut.

Gründächer in Städten wirken wie Schwämme

Michael Richter ist Geoökologe an der HCU und als wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Projektteam von "BlueGreenStreets" tätig. Sein
Forschungsgebiet sind Gründächer. Wenn es regnet, funktionieren sie wie
Schwämme und die brauchen Städte in Zeiten des Klimawandels mehr denn je:

„Einerseits wird es durch den Klimawandel heißer. Andererseits kriegen wir
wahrscheinlich noch mehr Starkregenereignisse, die zu Überschwemmungen
führen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um diesen Folgen des Klimawandels
etwas entgegenzusetzen. Die Dachbegrünung ist eine Maßnahme, die viel
Regen aufnehmen und viel Regen speichern kann“, erklärt Richter.

Erwärmung von Städten entgegensteuern

Ein Gründach kann mindestens die Hälfte des Regenwassers aufsaugen. Wenn
das Wasser dann verdunstet, kühlt das die Luft. Das könnte der
klimawandelbedingten Erwärmung der Stadt laut Richter entgegensteuern:
„Das können auf einem begrünten Dach schon einige Grad Celsius sein. Wenn
man in einem Stadtgebiet überall Gründächer hat, zeigen verschiedene
Studien, dass man so in der Größenordnung von ein bis drei Grad Celsius
den Stadtraum abkühlen kann“.

Zwei Prozent der Dächer in Hamburg sind grün

Noch sind nur etwa zwei Prozent von Hamburgs Dächern grün. Es könnten aber
auch mehr als die Hälfte sein. Damit es so kommt, fördert die Freie und
Hansestadt Hamburg den Bau mit bis zu 60 Prozent und erlässt Hausbesitzern
die Hälfte der Regenwassergebühr. Langfristig sind Gründächer so nicht
teurer als konventionelle Dächer, weil sie auch doppelt so lange halten.

„Gründächer sind Multitalente für Klimaanpassung, es gibt sehr
verschiedene Typen: So können sie sehr angepasst an die städtischen
Randbedingungen und die Nutzungswünsche der Bewohner:innen entwickelt
werden“, so Dickhaut.

Im Sommer schützen sie vor Hitze, im Winter vor Kälte, sind natürliche
Schalldämmer, binden Feinstaub und geben Insekten und Vögeln Lebensraum.
Wenn es nach Michael Richter geht, sollte die ganze Stadt viel mehr Wasser
speichern und verdunsten. Nicht nur Dächer, sondern auch Bäume und
Grünstreifen.

„Es wäre sinnvoll, das Regenwasser, das von Straßen in die Kanalisation
abgeleitet wird, zu den Grünstreifen zu leiten. Dafür müsste man
eigentlich nur die Neigung der Straßen verändern und die Bordsteine
absenken und somit das Wasser zu den Pflanzen und nicht in die
Kanalisation leiten“, argumentiert Richter.

Zentrale Herausforderungen der Zukunft: Erderwärmung und
Starkregenereignisse

Erderwärmung und Starkregen stellen Städte vor neue Herausforderungen,
Wolfgang Dickhaut und sein Team gehen sie an. Zusammen mit seinem
Projektteam forscht er an praktikablen Lösungen für einen effizienten
Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen und setzt den Folgen des
Klimawandels etwas entgegen:

„Wichtig ist es die Strategien und Maßnahmen sehr anpasst an den Standort
zu entwickeln. Hier haben wir mittlerweile viele Kenntnisse zu
klimaangepassten Lösungen. Eine besondere Herausforderung bleiben die
städtischen Bestandsquartiere.“

Bundesforschungsministerium fördert Forschungsvorhaben

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Dickhaut vom Fachgebiet "Umweltgerechte Stadt- und
Infrastrukturplanung" leitet das Projekt an der HCU. Das Forschungsteam
besteht zudem aus Lena Knoop, Tomke Voß (bis September 2021), Mara Bauer
(ab September 2021) und Michael Richter.

Projektpartner der HCU sind unter anderem die Universität Hamburg und die
Technische Universität Berlin. Gefördert wird es vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF). Mehr Informationen über "BlueGreenStreets"
finden Sie hier: https://bit.ly/3nbzUdX

Grüne Straßen für urbane Quartiere: „BlueGreenStreets“ gewinnt
Mobilitätspreis

Das Forschungsprojekt hat kürzlich den VCO-Mobilitätspreis in der
Kategorie „Internationale Vorbildprojekte gewonnen. Die Auszeichnung ist
Österreichs größter Wettbewerb für klimaverträgliche Mobilität. Hier
finden Sie die Berichterstattung zum Mobilitätspreis:
https://bit.ly/3b3H6mF

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Das interne Audit - Gut vorbereitet!

Ein internes Q-Audit steht an. Als interner Auditor weißt Du, wie nötig und wichtig die betriebsinterne Prüfung ist. Aber Du weißt auch, dass dies von den Auditierten oft als unerwünscht und unliebsam betrachtet wird. Du möchtest ein ehrliches Bild des Ist-Zustandes erhalten und herausfinden, wo es wirklich Verbesserungen in der Organisation bedarf. Was Du tun kannst, um einerseits selbst gut vorbereitet ins interne Audit zu starten und andererseits allen Beteiligten ein ebenso gutes Gefühl vor, während und nach dem Audit zu vermitteln, das habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

Ein internes Audit ist eine Momentaufnahme

Das Wort „Audit“ ist eine Substantivierung des lateinischen Verbes „audire“. Man könnte es mit „Zuhörer“ übersetzen. Aber eigentlich ist es mehr als das, eher ein „Hineinversetzen“ in das entsprechende Thema. Als interner Auditor untersuchst Du dabei, ob Prozesse, Anforderungen und weitere dokumentierte Informationen erfüllt und aktuell sind. Darauf sollte eigentlich das gesamte Geschäftsjahr über in der gesamten Organisation der Fokus liegen. Doch ein internes Audit bietet nochmal die Möglichkeit, mit einem anderen Blick auf diese Dinge zu schauen. Und das, bevor der Blick von außen durch einen externen Auditor erfolgt, z.B. für eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001, 14001, 50001 oder andere. Da es vor der Prüfung durch eine dritte Stelle passiert, spricht man auch von einem First-Party-Audit.

Für eine Bestandsaufnahme braucht es den Draufblick aus QM-Sicht, und auch eine nötige Portion Ehrlichkeit. Ohne die geht es nicht. Denn schön geredete Mängel oder vertuschte Fehler bringen die Qualität nicht voran. Das wiederum wird in den Kundenbeziehungen spürbar und beeinflusst somit den Erfolg der Organisation. Um einen wahrhaften, ehrlichen Status-Quo zu erhalten, ist vor allem aber Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen gefragt, die auditiert werden. Aber dazu weiter unten noch mehr.

Wie plane ich den Ablauf bei einem internen Audit?

Als zertifizierte Auditorin habe ich bereits zahlreiche interne Audits geplant und durchgeführt, daher weiß ich, dass eine gute Vorbereitung das A und O ist. Einige Arbeitsweisen haben sich dabei für mich als besonders effizient und praktikabel herausgestellt. Und so gehe ich dabei vor:

Einmal jährlich erstelle ich das Auditprogramm als Jahresplan für die internen Audits in unserem Unternehmen und lasse es von der Geschäftsleitung genehmigen. Sofern die Organisation einen Betriebsrat hat, musst Du diesen auch darüber informieren. Ungefähr einen Monat bevor ein internes Audit ansteht, stimme ich den genauen Termin mit dem zu auditierenden Bereich bzw. direkt mit den Kollegen*innen ab.

Dann erarbeite ich den Audittagesplan mit den Zeiten für die Begrüßung mit der Ablaufbesprechung (falls noch ad hoc Änderungen gemacht werden müssen z. B. bei Abwesenheit von Mitarbeitenden) dann den Zeitrahmen, der für die Auditfragen zur Verfügung stehen muss und zuletzt für die Abschlussbesprechung, in der dann über die Feststellungen zusammengefasst berichtet wird.

Hier ein kurzes Beispiel:

Begrüßung 09:00-09:15

Ablaufbesprechung 09:15-09:30

Auditfragen 09:30-11:00

Abschlussbesprechung 11:00-11:30

Diesen Plan erhalten die zu auditierenden Mitarbeiter*innen 2-4 Wochen vor dem internen Audit.

Was gehört zur Vorbereitung für ein internes Audit?

Der Plan ist erstellt und kommuniziert. Wie geht’s dann weiter? Was muss ich vor dem eigentlichen Audittag noch erledigen? Vor dem Audit schaue ich mir die Prozessdokumentation(en) an und nehme ggf. eine Dokumentenprüfung vor. Somit bin ich weitestgehend über die Abläufe informiert und kann mich gezielter in die Tätigkeiten hineinversetzen.

Vorab biete ich bei Fragen das Gespräch mit den Mitarbeiter*innen an, die auditiert werden sollen. Ich weise sie zum Beispiel darauf hin, dass sie Prozesse möglichst Schritt für Schritt abbilden und für jeden Schritt die ggf. dazugehörenden Dokumente benennen – insbesondere auch dann, wenn sie die Prozesse für mehrere Standorte pflegen. Dies kann z. B. übersichtlich in einer Matrix, einer Swimlane oder auch in einem Flussdiagramm gut dargestellt werden und die Dokumente stehen elektronisch zur Verfügung. Ich gebe hier weitere Hilfestellung, wie sie das mit der eingesetzten Software abbilden. (In unserem Fall ist das die Software WissIntra.) Wenn Dokumente und Prozesse zentral hinterlegt sind, hat das auch den Vorteil, dass der oder die Stellvertreter*in bei Urlaub oder Krankheit darauf zurückgreifen kann. Es ist also sehr wichtig, dass die Dokumentation aktuell und verfügbar ist. Somit haben wir auch unser Wissensmanagement im Griff. Nicht jedes interne Audits muss gleich aufgebaut werden. Um Audits nicht immer nach „Schema F“ durchzuführen, hilft etwas Kreativität, wobei man langweilige Fragestellungen auch mal gegen ein spannendes “Auditquiz” austauschen kann. Ich versuche die Fragen unterschiedlich zu formulieren, um den Ablauf des Gesprächs spannender zu gestalten. Die Fragen bereite ich mir vor und nutze hierfür auch die Software. Das erleichtert mir die Dokumentation erheblich.

Was prüfe ich?

Während des Audits stelle ich meine vorbereiteten Fragen hinsichtlich der Prozesse und dokumentierte Informationen. Dabei geht es mir darum herauszufinden, ob die Prozesse den Anforderungen entsprechen und ob möglicherweise Abweichungen bestehen. Das können sowohl Kundenanforderungen sein wie auch intern, also selbst-gewählte Anforderungen, gesetzliche Vorgaben, Richtlinien von Behörden oder Anforderungen einer Norm z. B. der DIN EN ISO 9001:2015. (Für den Bereich Softwareentwicklung könnte eine solche Anforderung bspw. eine Geheimhaltungserklärung für sensible Daten sein, die Anforderungen aus dem Pflichten-/Lastenheft). Vor allem der Kundenblick ist sehr wichtig. Denn wie gesagt, der Kunde entscheidet darüber, ob er die Produkte und Dienstleistungen weiter kauft und somit, wie der Erfolg des Unternehmens ist.

Außerdem frage ich nach den Risiken, die im Rahmen der Prozesse und Dokumentenpflege entstehen können. Um auf das Beispiel von oben zurück zu kommen, könnte eine Frage lauten: Welche Risiken hinsichtlich des Datenschutzes können sich daraus ergeben? Welche Maßnahmen sind getroffen, um dies zu verhindern? Auch hier hilft eine Software enorm, um Risiken z. B. mit der bewährten Turtle-Methode zu identifizieren, dann zu behandeln und entsprechende Maßnahmen dazu abzuleiten – und das nicht nur in großen Organisationen. Auch kleine Unternehmen bietet es eine Übersichtlichkeit und klare Struktur. Warum genau eine softwarebasierte Lösung beim Risikomanagement hilfreich ist, kannst Du hier lesen.

Wie auditiere ich?

Bevor ich das Audit beginne, erkundige ich mich, ob es allen gut geht und ob vorab noch Fragen zu klären sind. Es ist für mich sehr wichtig ein Vertrauensverhältnis mit den Teilnehmenden aufzubauen bzw. zu bewahren, denn es ist absolut entscheidend für ein gelungenes internes Audit, dass ehrliche Antworten und vollständige Informationen ohne Bedenken gegeben werden können. Und ein Tipp: Kenne die Normen, die Deine Organisation betreffen. Setze Dich in Ruhe damit auseinander, damit Du auch auf Fragen diesbezüglich eingehen kannst. Und: Achte darauf, dass Du die Zeiten deines Ablaufplans während des Auditierens einhältst.

Ein weiterer Tipp aus meiner langjährigen Audit-Praxis: Frage bestimmend, aber nicht dominant. Mache unmissverständlich klar, was Du meinst. Wenn Du auf Unverständnis bei den Befragten triffst, erkläre genau, worauf es ankommt. Formuliere Deine Fragen ggf. nochmal anders, so dass allen klar ist, worauf Du hinauswillst und gib bildhafte Beispiele.

Doch trotz aller Kommunikationsfähigkeiten und Empathie kann es auch in einem Audit zu Meinungsverschiedenheiten kommen. In meiner Praxis hat es sich für mich bewährt, dass ich einen Konflikt vorurteilsfrei und strukturiert löse z. B. einen zwischen Schnittstellen wie Produktion und Vertrieb. Kommt es in diesen Bereichen etwa vermehrt zu unterschiedlichen Meinungen, wenn es um die Abstimmung von Lieferterminen geht, dann muss ein Kompromiss her, der für beide Seiten praktikabel und akzeptabel ist. Dann braucht es vom Auditor oder von der Auditorin ein wenig Diplomatie in Verbindung mit Hartnäckigkeit. Ich mache den Auditierten immer vertrauensvoll klar, dass es keine Schuldzuweisungen gibt, sondern wir zusammensitzen, um uns die Prozesse anzusehen und Möglichkeiten suchen, sie immer noch besser zu machen. Fehler sind Chancen, es besser zu machen. Und deswegen führen wir ja auch schließlich interne Audits durch.

Was mache ich nach dem internen Audit?

Nach dem Audit erstelle ich den Auditbericht. Darin formuliere ich meine Auditfeststellungen sowie meine Schlüsse, die ich im Hinblick auf Auditkriterien ableite. Abweichungen und negative Feststellungen drücke ich so neutral aus, so dass sich der/die Auditierte oder die Abteilung nicht zurechtgewiesen oder bevormundet fühlt. Im Abschlussgespräch gehe ich immer nochmal auf alle Punkte ein, auf die negativen aber auch auf die positiven. Und auch hier bringe ich die Ergebnisse und Schlussfolgerungen neutral und objektiv rüber.

Fazit

Keine Angst vorm internen Audit! Mit der nötigen Ruhe und Vorbereitung nimmst Du auch den Auditierten den Schrecken. Struktur und ein Fragenkatalog, der die relevanten Normen und Anforderungen abdeckt, helfen Dir dabei. Zeigst Du, wo Dokumentationslücken oder versteckte Potentiale liegen bzw. wo Mehrarbeit vermieden werden kann, dann bringst Du auch die Weniger-Überzeugten auf Deine Seite. Geh dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger vor, sondern immer respektvoll und neutral. Bleib objektiv und fair zu allen Beteiligten. Das schafft eine vertrauensvolle Basis und steigert auch die Motivation. Eure gemeinsamen Anstrengungen tragen dazu bei, die Qualität der gesamten Organisation fortlaufend zu verbessern. Und das ist es schließlich auch, warum wir Audits durchführen.

Zur Autorin:

 

Karin Hänsch ist DGQ-Auditorin Qualität® und hat bereits viele Audits durchgeführt. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Qualitätsmanagement und betreut die Einführung von Managementsystemen mit Software-Unterstützung auf Hersteller- und Nutzerseite. Bei k+k ist sie zuständig für Training & Consulting für die Software WissIntra und die interne QM-Beauftragte.

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