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Portal lebensmittelwarnung.de wird zehn Jahre alt Rund 1.600 Produktwarnungen seit dem Start des Portals

Seit nunmehr zehn Jahren können sich Verbraucherinnen und Verbraucher im
Internet zentral auf der Webseite http://www.lebensmittelwarnung.de über
Warnungen zu Lebensmitteln und seit 2019 auch zu kosmetischen Mitteln und
Bedarfsgegenständen informieren. In diesem Zeitraum wurden rund 1.600
Produktwarnungen veröffentlicht.

Das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
in enger Zusammenarbeit mit den Bundesländern ins Leben gerufene Portal
http://www.lebensmittelwarnung.de ging am 21. Oktober 2011 an den Start.
Den Verbraucherinnen und Verbrauchern bot es erstmals die Möglichkeit,
sich auf einer zentralen Website einen Überblick über Produktwarnungen zu
verschaffen. Zuvor konnten sich Interessierte nur auf den einzelnen
Internetseiten der 16 Landesministerien oder Senatsverwaltungen über
zurückgerufene Produkte informieren.

Seit dem Start von http://www.lebensmittelwarnung.de bis zum 15. Oktober
2021 wurden insgesamt 1.603 Meldungen publiziert. Die häufigsten Gründe
für Warnungen sind mikrobiologische Verunreinigungen z. B. mit Bakterien
wie Salmonellen, Campylobacter oder E. coli. Auch aufgrund von
Fremdkörpern wie Glas- oder Metallsplittern wurden Produkte häufig
zurückgerufen.

Auf aktuelle Warnungen wird auch auf dem Social Media-Kanal Twitter
hingewiesen. 9.395 „Follower“ hat der Kanal @LMWarnung bei dem
Kurznachrichtendienst. Bundesländerspezifische Lebensmittelwarnungen
können darüber hinaus per RSS-Feed bezogen werden. Um den Anforderungen an
eine zeitgemäße Internetseite gerecht zu werden und Lebensmittelwarnung.de
verbraucherfreundlicher zu gestalten, arbeiten derzeit auf Initiative des
Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Fachleute des
Bundes, der Bundesländer und von Verbraucherorganisationen an einer
Überarbeitung des Portals.

Weiterführende Informationen

Zehn Jahre lebensmittelwarnung.de: Die wichtigsten Zahlen und Fakten:
http://www.bvl.bund.de/LMWarnung-Hintergrund

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"Die wichtigste Ursache des Bluthochdrucks hierzulande ist Übergewicht"

Experten-Interview zu den Herzwochen 2021 "Herz unter Druck": Der Münchner
Kardiologe Professor Dr. Heribert Schunkert ist einer der renommiertesten
Bluthochdruckexperten und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Herzstiftung. Wir haben den Direktor der Klinik für Herz- und
Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München nach den Ursachen
von Bluthochdruck gefragt – und was man tun kann, um ihn zu vermeiden.

Bluthochdruck hat eine fatale Eigenschaft: Er ruiniert den Organismus in
aller Stille. Wie macht sich hoher Blutdruck bemerkbar?

Prof. Schunkert: Wenn sich hoher Blutdruck bemerkbar macht, ist es zu
spät. Dann ist der Körper schon geschädigt. Bemerkbar macht sich hoher
Blutdruck durch Herzschwäche, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt,
Schlaganfall, Nieren- und Augenschäden.

Gibt es Vorzeichen, die vor der gefährlichen Entwicklung warnen, etwa
Kopfschmerzen, Schwindel oder eine auffallend rote Gesichtsfarbe?

Prof. Schunkert: Diese Vorzeichen sind allesamt unzuverlässig. Wer darauf
vertraut, rechtzeitig durch solche Symptome gewarnt zu werden, betreibt
Vogel-Strauß-Politik. Im Bilde ist man nur, wenn man weiß, wie hoch der
eigene Blutdruck ist. Das ist leicht zu bewerkstelligen. Bei jedem
Arztbesuch kann man bitten, dass der Blutdruck gemessen wird, ebenso in
der Apotheke. Natürlich kann man auch selbst den Blutdruck messen. Liegt
der Blutdruck wiederholt bei oder über 140/90 mmHg, besteht Bluthochdruck.
Ist er hochnormal, also zwischen 130 und 139 mmHg, ist Aufmerksamkeit
angebracht, denn ein solcher Wert kann schnell in Bluthochdruck übergehen.

Was halten Sie für die wichtigste Ursache des hohen Blutdrucks?

Prof. Schunkert: Die wichtigste Ursache des Bluthochdrucks hierzulande ist
Übergewicht.

Und die zweitwichtigste?

Prof. Schunkert: Bewegungsmangel. Ein Mangel an Bewegung ist eng mit
Übergewicht verbunden.

Wie führt Übergewicht zu Bluthochdruck?

Prof. Schunkert: Nehmen wir als Beispiel den Körper einer Frau, deren
Herz-Kreislauf-System auf ein Gewicht von etwa 60 Kilogramm angelegt ist.
Wenn sie aber ein Gewicht von 90 Kilogramm mit sich herumträgt, muss das
Herz mehr arbeiten, also mehr Blut pro Minute auswerfen. Das vermehrte
Blutvolumen fließt durch Gefäße, die nur für einen Körper von 60 Kilogramm
ausgelegt sind. Dann erfolgt die Blutversorgung des Körpers unter erhöhtem
Druck. Bei Übergewicht werden die Hormone Aldosteron und Cortisol vermehrt
ausgeschüttet und treiben den Blutdruck nach oben. Zugleich wirkt
Übergewicht auf den Körper wie eine niedrig schwelende Entzündung. Auch
das hinterlässt in den Gefäßen Spuren und erhöht den Blutdruck.
Übergewichtige Menschen neigen zu Atemaussetzern im Schlaf. Dadurch sinkt
die Sauerstoffsättigung des Blutes. Das führt zur Ausschüttung von
Stresshormonen – und damit zu erhöhtem Blutdruck. Übergewicht führt nicht
nur zu hohem Blutdruck, sondern auch zu Diabetes, sogar schon bei Kindern,
zu Herz- und Krebserkrankungen und zum Verschleiß der Gelenke. Übergewicht
ist ein enormes Gesundheitsproblem. In Deutschland sind 54 Prozent der
Erwachsenen übergewichtig oder stark übergewichtig.

Wie sollte die Ernährung aussehen, wenn man nicht zunehmen will?

Prof. Schunkert: Um nicht zuzunehmen, sollten leere Kohlenhydrate, die nur
Kalorien liefern, vermieden werden: in erster Linie Zucker, zuckerhaltige
Getränke, Süßigkeiten, Eis, aber auch Weißmehlprodukte wie Weißbrot,
Kuchen, Kekse, Knabberzeug. Die leeren Kohlenhydrate gehen schnell ins
Blut über, sättigen aber nur kurze Zeit. Hungrig greift man dann nach
weiterem Essbaren und führt sich mehr Kalorien zu, als der Körper braucht.
Auch in einem Apfel ist Zucker enthalten, Fruchtzucker. Aber es dauert
viel länger, bis der Fruchtzucker ins Blut kommt, weil er zunächst
aufgeschlüsselt werden muss, damit der Körper ihn verwerten kann. Dadurch
hält das Sättigungsgefühl länger an. Als optimal hat sich die sogenannte
Mittelmeerküche erwiesen. Das bedeutet jedoch nicht Pizza und Pasta,
sondern sehr viel Gemüse, Salat, Rohkost, Obst, Vollkornprodukte,
Hülsenfrüchte, magere Milchprodukte, wenig Fleisch, eher Fisch, eine
Vielfalt von Kräutern und Gewürzen.

Welche Rolle spielt Salz?

Prof. Schunkert: Wir essen zu viel Salz. In verarbeiteten Lebensmitteln
ist viel Salz verborgen, beispielsweise in Brot, Wurst und Käse. Besonders
salzreich sind auch Konserven- und Fertiggerichte. Ein Zuviel an Salz ist
ein Zeichen für eine ungesunde Ernährung. Gemüse, Rohkost und Obst
enthalten sehr wenig Salz. Wer sich für eine gesunde Ernährung
entscheidet, isst automatisch salzärmer und löst damit den größten Teil
des Salzproblems.

Wie führt Bewegungsmangel zu hohem Blutdruck?

Prof. Schunkert: Unsere Gefäße haben die Aufgabe, das Blut dahin zu
bringen, wo es gebraucht wird. Sie sind nicht starre Röhren, sondern
elastisch und dehnbar. Um das Gefäßsystem elastisch zu erhalten, muss es
trainiert werden. Wenn man hauptsächlich am Schreibtisch arbeitet und die
Freizeit auf der Couch verbringt, fehlt dieses Training. Die Gefäße werden
steif. Dann kann Blut nur mit erhöhtem Druck durch das Gefäßsystem
transportiert werden.

Wie viel Bewegung braucht der Mensch?

Prof. Schunkert: Ideal sind 30 Minuten Ausdauertraining an fünf Tagen in
der Woche. Dieses Maß an körperlicher Aktivität sollte man – auch wenn man
älter wird – so lange wie möglich beibehalten. Je nach Vorliebe kann das
ein strammer Spaziergang sein, Fahrradfahren, Joggen, Schwimmen, Tanzen
oder Tennis spielen.

Wie wirkt Stress auf den Blutdruck?

Prof. Schunkert: Heute ist Stress oft von Dauer: Stress bei der Arbeit,
Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor der Zukunft, Stress in der Familie.
Um den chronischen Stress besser auszuhalten, greifen manche Menschen zur
Zigarette, sie essen zu viel und trinken zu viel Alkohol. Aber auch ohne
solch ein gesundheitsschädigendes Verhalten erhöht Stress den Blutdruck:
Er stößt molekulare Prozesse an, die zu einer chronischen Entzündung im
Körper führen. Das schädigt die Gefäße und erhöht den Blutdruck. Zum Glück
ist man Stress nicht hilflos ausgesetzt, man kann lernen, damit besser
umzugehen. Kann Bluthochdruck auch genetisch bedingt sein? Ja, es gibt
eine erbliche Belastung für hohen Blutdruck. Dabei handelt es sich nicht
um ein einzelnes Gen, sondern um mehrere Genvarianten, die allesamt hohen
Blutdruck begünstigen. Zurzeit kann man diese Varianten noch nicht
routinemäßig durch Genanalysen feststellen. Aber es gibt Hinweise,
beispielsweise wenn bei einem normalgewichtigen Menschen unter 35 Jahren
Bluthochdruck auftritt oder wenn im Stammbaum viele frühe Todesfälle durch
Schlaganfall oder Herzinfarkt auffallen. Auf keinen Fall ist die ererbte
Veranlagung ein unabänderliches Schicksal. Wir haben gelernt, dass man die
genetische Belastung nicht von Lebensstilfaktoren abkoppeln kann. Erbliche
Belastung verschlimmert die Folgen eines ungesunden Lebensstils um das
Vier- bis Achtfache – andererseits ist mit einem gesunden Lebensstil bei
genetisch bedingtem Bluthochdruck mehr zu bewirken als bei
Hochdruckpatienten ohne diese Veranlagung. Ein konsequent gesunder
Lebensstil, das Vermeiden von Übergewicht, eine gesunde Ernährung und viel
Bewegung können die erbliche Belastung neutralisieren.

Neuerdings wird intensiv über die Auswirkung von Umweltproblemen auf den
Blutdruck diskutiert.

Prof. Schunkert: Luftverschmutzung, Schwefeldioxid und Feinstaub erhöhen
den Blutdruck, ebenso dauernd hohe Lärmpegel durch Flugzeuge und
Straßenverkehr. Auch der Klimawandel wirkt sich aus, etwa durch extreme
Hitzeperioden. Die Situation ist komplex. An sich ist Wärme günstig: Wärme
senkt den Blutdruck. Aber extreme Hitzeperioden setzen den Körper so unter
Stress, dass der Blutdruck steigen kann. Oft kann auch das Gegenteil
geschehen: Die Gefäße weiten sich, der Blutdruck fällt ab. Wenn man sich
in der Hitze aufhält, schwitzt, zu wenig trinkt, kann es zu Schwindel,
Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen kommen. In Hitzeperioden treten
Herzinfarkt und Schlaganfall vermehrt auf. Vorbeugen kann man, indem man
die Hitze möglichst meidet. Einen durch Schwitzen verursachten
Flüssigkeitsverlust sollte man nicht nur durch das Trinken von Wasser oder
Tee, sondern den Verlust von Elektrolyten wie Natrium, Kalium, Magnesium
auch durch den Verzehr von Gemüse, Salat und Obst ausgleichen. Manchmal
fällt der Blutdruck so stark ab, dass die Dosis der Blutdruckmedikamente
nach Rücksprache mit dem Arzt angepasst werden muss. Während Hitzeperioden
sollte der Blutdruck häufig kontrolliert werden.

Gibt es auch eine erbliche Belastung?

Prof. Schunkert: Ja, es gibt eine erbliche Belastung für hohen Blutdruck.
Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Gen, sondern um mehrere
Genvarianten, die allesamt hohen Blutdruck begünstigen. Zurzeit kann man
diese Varianten noch nicht routinemäßig durch Genanalysen feststellen.
Aber es gibt Hinweise, beispielsweise wenn bei einem normalgewichtigen
Menschen unter 35 Jahren Bluthochdruck aufritt oder wenn im Stammbaum
viele frühe Todesfälle durch Schlaganfall oder Herzinfarkt auffallen. Auf
keinen Fall ist die ererbte Veranlagung ein unabänderliches Schicksal. Wir
haben gelernt, dass man die genetische Belastung nicht von
Lebensstilfaktoren abkoppeln kann. Erbliche Belastung verschlimmert die
Folgen eines ungesunden Lebensstils um das Vier- bis Achtfache –
andererseits ist mit einem gesunden Lebensstil bei genetisch bedingtem
Bluthochdruck mehr zu bewirken als bei Hochdruckpatienten ohne diese
Veranlagung. Ein konsequent gesunder Lebensstil, das Vermeiden von
Übergewicht, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung können die erbliche
Belastung neutralisieren.

Interview: Dr. Irene Oswalt

Das vollständige Interview ist veröffentlicht in der neuen
Begleitbroschüre zu den bundesweiten Herzwochen 2021 „Bluthochdruck - Herz
und Gefäße schützen“, die Interessierte kostenfrei bei der Deutschen
Herzstiftung telefonisch 069 955128400, per E-Mail an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. (Stichwort: Herz unter Druck) oder online über
www.herzstiftung.de/bestellung beziehen können.

Infos zu den bundesweiten Herzwochen unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2021

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Lehrkräfte PLUS startet in die 3. Runde: Das Abenteuer Schule

Stolz und glücklich hielten sie ihre Zertifikate in der Hand: Ende August
entließ das Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Duisburg-Essen
(UDE) die ersten Absolvent:innen des Programms Lehrkräfte PLUS erfolgreich
in das Anschlussprogramm Internationale Lehrkräfte Förden (ILF). Ein Jahr
lang wurden sie zuvor intensiv auf das deutsche Schulsystem vorbereitet –
und fühlten sich gut gerüstet für das Abenteuer Schule. Ab sofort können
sich wieder geflüchtete Lehrkräfte der Fächer Mathematik, Physik, Chemie
und Technik/Bautechnik bewerben.

Unterrichtsausfall oder sogar geschlossene Schulen sind die Konsequenzen,
wenn tausende Lehrer: innen Schuljahr für Schuljahr fehlen. Was tun?
Helfen könnten Migrant: innen mit Hochschulabschluss aus Nicht-EU-Staaten,
die in der Heimat bereits als Lehrkraft gearbeitet haben – so wie die rund
50 Frauen und Männer aus Syrien, Afghanistan oder der Türkei, die das vom
Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderte Projekt LK plus
bereits durchlaufen haben.*

Bis zum 12. November können sich Interessierte für die dritte Runde, die
am 1. Februar 2022 beginnt, bewerben. Das Programm startet mit einem
Deutschkurs, der auf die Sprachprüfung telc C1 Hochschule vorbereitet, und
wird im Laufe des Jahres ergänzt durch Angebote der UDE-
Bildungswissenschaften, des Instituts für Deutsch als Zweit- und
Fremdsprache und der Fachdidaktiken.

„Ein wichtiger Teil des Programms ist auch das Praktikum an einer
weiterführenden Schule, in dem die Teilnehmenden nicht nur den Unterricht
beobachten, sondern ihn auch übernehmen. So sollen sie ihre
Berufserfahrungen aus dem Herkunftsland, ihr Fachwissen und ihre
Mehrsprachigkeit einbringen“, erklärt Programmkoordinatorin Marit Nina
Martinez. „Jetzt endlich auch wieder ohne Coronaeinschränkungen.“

Einige der ersten Absolvent:innen von LK plus stellen wir im Video vor:
https://www.youtube.com/watch?v=29H4DpJ0Je4

*Lehrkräfte PLUS ist Teil des Förderprogramms „NRWege Leuchttürme –
Projekte zur nachhaltigen Internationalisierung der Hochschulen in
Nordrhein-Westfalen“, gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst
und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW.

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Mit CO₂ klimaneutral wirtschaften: IN4climate.NRW erarbeitet Lösungen für nachhaltiges Carbon Management in NRW

Kohlenstoff ist Zukunftsstoff. Auch in einer klimaneutralen
Industriezukunft wird sich bei manchen Produktionsprozessen nicht gänzlich
vermeiden lassen, dass Kohlendioxid (CO₂) entsteht. Gleichzeitig sind
viele Branchen auf CO₂ als Ressource angewiesen. Das vom Thinktank
IN4climate.NRW gemeinsam mit 17 Partnern aus Industrie und Wissenschaft
erarbeitete Diskussionspapier „CO₂ in einer klimaneutralen Industrie:
Infrastrukturanforderungen für NRW“ fasst Impulse und konkrete
Anforderungen für ein nachhaltiges Carbon Management zusammen. Ziel ist,
Kohlenstoff zu nutzen, ohne dem Klima zu schaden.


„Carbon Management bietet immenses Potenzial für den Klimaschutz in der
Industrie. Dabei benötigt der nachhaltige Umgang mit CO₂ dringend eine
entsprechende Infrastruktur und rechtliche Regelungen. Für Gas und Strom
wird diese zentral geplant – für CO₂bislang noch nicht. Das muss sich
dringend ändern“, betont Samir Khayat, Leiter der Initiative
IN4climate.NRW.

Bislang ist Kohlendioxid kein Bestandteil von Infrastrukturplanungen in
Deutschland. Dabei wird die Entstehung von CO₂ in manchen Prozessen auch
in Zukunft unvermeidbar sein, d. h. trotz Prozessoptimierungen und
unabhängig vom eingesetzten Brennstoff. So zum Beispiel in der
Kalkindustrie, wo Kohlendioxid im Zuge des Brennprozesses natürlicherweise
aus dem Carbonatgestein entweicht.

Strategie für unvermeidbare CO₂-Mengen dringend erforderlich

Die AutorInnen des von der Arbeitsgruppe Kohlendioxidwirtschaft erstellten
Papiers gehen – basierend auf wissenschaftlichen Szenarioanalysen – von
mindestens sieben bis rund 17 Megatonnen CO₂ jährlich aus, die sich auch
in Zukunft nicht vermeiden lassen werden. Insbesondere in der Stahl- und
Zementindustrie arbeiten bereits verschiedene Projekte daran, das
Treibhausgas direkt am Ofen aufzufangen, bevor es in die Atmosphäre
gelangt (engl. Carbon Capture). Das gewonnene CO₂ kann dann anderen
Branchen als Rohstoff zur Verfügung gestellt werden (engl.: Carbon Capture
and Utilisation, kurz CCU). Die Lebensmittelindustrie benötigt
Kohlendioxid u. a. als Kältemittel und auch viele chemische Verfahren
nutzen das Gas als Ausgangsstoff. Neben der Nutzung wird zudem die
langfristige Speicherung (engl.: Carbon Capture and Storage, CCS)
diskutiert, wobei diese in der Praxis aufgrund der rechtlichen Lage
bislang nicht möglich ist.

Für beide Möglichkeiten betonen die AutorInnen des neuen
Diskussionspapiers die Dringlichkeit, eine entsprechende Infrastruktur für
den Transport aufzubauen. Konkrete Optionen, wie ein solches Pipeline- und
Transportsystem aussehen könnte, fasst das Papier in einer
Infrastrukturkarte für NRW zusammen.

„Wir können und müssen besser darin werden, CO₂ im Kreislauf zu führen und
nachhaltig zu nutzen. Mit dem Aufbau einer CO₂-Infrastruktur können wir
der Klimakrise begegnen und sichern gleichzeitig die Versorgung der NRW-
Industrie ab, die auf Kohlenstoff angewiesen ist. Hier müssen wir dringend
aktiv werden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Görge Deerberg, stellvertretender
Leiter des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und
Energietechnik UMSICHT und Leiter der Arbeitsgruppe Kohlendioxidwirtschaft
bei IN4climate.NRW.

So identifiziert die Arbeitsgruppe Kohlendioxidwirtschaft zusätzlich
Handlungsempfehlungen, wie dieser Prozess gemeinsam von Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft gestaltet und beschleunigt werden kann. Sie
fordert u. a. eine zeitnahe Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen ein
– hierzu zählt, dass die CO₂-Speicherung in internationalen
Speicherstätten gesetzlich abgesichert werden muss und die Anrechenbarkeit
von CCU im Europäischen Emissionshandel klar geregelt wird. Zudem ist das
Thema gesellschaftlich noch nicht ausreichend diskutiert und bekannt – die
AutorInnen sehen hier dringenden Handlungsbedarf, entsprechende Prozesse
und Beteiligungsverfahren für das Thema zu entwickeln.


IN4climate.NRW-Ergebnisse in Carbon Management Strategie NRW eingeflossen

Erarbeitet wurde das Diskussionspapier von der Arbeitsgruppe
Kohlendioxidwirtschaft. Die Ergebnisse wurden ebenfalls in der Erarbeitung
der Carbon Management Strategie NRW berücksichtigt, die das Ministerium
für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie am 19. Oktober
2021 veröffentlicht hat. Inhaltlich unterstützt wird die IN4climate.NRW-
Publikation von 17 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dazu zählen
die Unternehmen Air Liquide, Covestro, HeidelbergCement, Lanxess, Lhoist,
RHM, Solvay, Spenner und thyssenkrupp, die Forschungseinrichtungen
Fraunhofer UMSICHT, das Institut der deutschen Wirtschaft, die RWTH Aachen
(Lehrstuhl Technische Thermodynamik), das Wuppertal Institut und das VDEh-
Betriebsforschungsinstitut (BFI) sowie Branchenverbände wie der
Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie, der Verein Deutscher
Zementwerke und die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

IN4climate.NRW als Initiative der Landesregierung ist die zentrale
Plattform für die Umsetzung einer klimaneutralen Industrie in NRW.
ExpertInnen aus Industrie, Wissenschaft und Politik arbeiten hier
zusammen, um innovative Strategien und Lösungen für klimaneutrale
industrielle Prozesse und Produkte zu entwickeln. Dazu zeigt die
Initiative zentrale Forschungsbedarfe auf und begleitet technische
Projekte zur Erprobung klimaneutraler Produktionsverfahren. Ziel ist es,
sowohl den Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren als auch damit die
gezielte Entwicklung einer klimaneutralen und zukunftsfähigen Industrie zu
unterstützen. Auf diese Weise soll die hohe Wettbewerbsfähigkeit der NRW-
Industrie ausgebaut und NRW als wichtiger Industriestandort gesichert
werden. Weitere Informationen unter www.in4climate.nrw.

Originalpublikation:
https://www.in4climate.nrw/fileadmin/Nachrichten/2021/Diskussionspapier_CO2_Carbon_Management
/in4climatenrw-diskussionspapier-co2-in-klimaneutraler-

grundstoffindustrie.pdf

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