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Frauenherzen unter Druck

Wechseljahre, „die Pille“, Schwangerschaft: Es gibt biologische
Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Entstehen und in der Therapie
des Bluthochdrucks. Wird das in der medizinischen Versorgung genug
berücksichtigt?

Über 20 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Bluthochdruck. Doch der
ist nicht allein Männersache. So leiden fast 55 Prozent der Seniorinnen in
Deutschland an hohem Blutdruck; das ist mehr als die Hälfte der 60- bis
69-jährigen Frauen (1). Das Problem: Sie werden oft schlechter behandelt
als Männer. So sind ihre Blutdruckwerte nicht optimal eingestellt. Nicht
immer erhalten sie die in den Leitlinien empfohlenen Medikamente. Eine
große Gefahr. „Denn ein nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck ist
eines der gefährlichsten Risiken für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere
schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Dazu kommt:
Eine 2017 publizierte Studie US-amerikanischer Wissenschaftler stellte
fest, dass das Risiko für Frauen, eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung
wie beispielsweise die Koronare Herzkrankheit oder einen Herzinfarkt zu
erleiden, für jede Erhöhung des oberen (systolischen) Blutdruckwertes um
zehn Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) höher ist als bei Männern mit dem
gleichen Blutdruckanstieg (2). Die Deutsche Herzstiftung informiert über
Bluthochdruck bei Frauen und viele weitere Themen zum Bluthochdruck im
Rahmen der bundesweiten Herzwochen „Herz unter Druck“ unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2021

Fehlendes Wissen zur geschlechtsspezifischen Therapie
Kurz zur Erklärung: Der Blutdruck gilt als erhöht, wenn er dauerhaft über
140/90 mmHg liegt. Bluthochdruck macht sich häufig nicht durch Symptome
bemerkbar. Das Tückische ist: Man bemerkt ihn nicht. Die gute Nachricht,
zumindest für Frauen: Sie wissen eher von ihrer Erkrankung, weil sie
schlichtweg häufiger zum Arzt gehen als Männer. Aber warum werden sie
dennoch schlechter behandelt? „Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen zu
den Geschlechtsunterschieden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch beim
Bluthochdruck“, sagt Dr. med. Christa M. Bongarth, Ärztliche Direktorin
und Chefärztin der Abteilung für Kardiologie in der Klinik Höhenried,
Rehabilitationszentrum am Starnberger See. In der US-amerikanischen
SPRINT-Studie (Systolic blood pressure intervention trial) waren nur 36
Prozent Frauen eingeschlossen; außerdem wurden sie zu kurz nachbeobachtet.
„Die in den amerikanischen Leitlinien festgelegten Grenzwerte für Diagnose
und Therapie von Bluthochdruck, die unter anderem auf dieser Studie
basieren, sind aber für beide Geschlechter gleich“, betont die Ärztin im
aktuellen Herzstiftungs-Ratgeber „Bluthochdruck: Herz und Gefäße
schützen“. „Deswegen sind die Erkenntnisse zur geschlechtsspezifischen
Therapie des Bluthochdrucks immer noch recht bescheiden.“ Infos zum Thema
Frauenherzen auch unter www.herzstiftung.de/schlagen-frauenherzen-anders

Mehr als 50 Prozent der Frauen hat nach den Wechseljahren Bluthochdruck
Was Experten wissen: Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, verdoppelt
sich ihr Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln. „Mehr als die Hälfte
der Frauen erkrankt in den ersten Jahren nach der Menopause an
Bluthochdruck“, erklärt Dr. Bongarth. In den Wechseljahren sinkt der
Östrogenspiegel im Blut. Das weibliche Geschlechtshormon sorgt dafür, dass
die Gefäße elastisch bleiben, wirkt blutdrucksenkend und schützt vor Herz-
Kreislauf-Erkrankungen. Bei vielen Frauen in und nach den Wechseljahren
sind Übergewicht, Ängste und Schlafstörungen weitere Risiken dafür,
Bluthochdruck zu entwickeln.

Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft überträgt sich auf Töchter
Doch auch junge Frauen sind nicht vor einem Bluthochdruck gefeit. So
entwickeln fünf bis zehn Prozent der Schwangeren im Laufe der
Schwangerschaft einen Bluthochdruck. Hauptgrund von schweren Erkrankungen
und Sterblichkeit sowohl der Mutter als auch des ungeborenen und
neugeborenen Kindes. In einer 2020 in der Zeitschrift „Hypertension“
veröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-
Forschung (3) haben Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass sich
ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft insbesondere auf den
weiblichen Nachwuchs überträgt. So zeigte sich bei Frauen, die in der
Schwangerschaft Bluthochdruck hatten, dass deren Töchter im Alter von fünf
Jahren ebenfalls erhöhte obere Blutdruckwerte aufwiesen. An der Studie
nahmen jeweils mehr als 2.000 schwangere Frauen und Kinder teil.

„Die Pille“ kann hohe Blutdruckwerte zur Folge haben
Frauen, die zur Verhütung „die Pille“ einnehmen, die eine Kombination von
Östrogen und Progesteron, enthält, können einen Bluthochdruck entwickeln.
Progesteron ist das in den Eierstöcken gebildete Gelbkörperhormon, das vor
allem den Menstruationszyklus, die Schwangerschaft sowie die Entwicklung
des Embryos regelt. „Ungefähr fünf Prozent der Frauen, die ein solches
Kombinationspräparat einnehmen reagieren mit einem bedeutsamen
Blutdruckanstieg“, sagt Dr. Bongarth. „Frauen, die die Pille einnehmen und
außerdem übergewichtig sind tragen ein zwei- bis dreifach hohes Risiko für
Bluthochdruck.“ Alles in allem das Fazit der Chefärztin für Kardiologie in
der Klinik Höhenried: „Wir benötigen weitere klinische Forschung, um
Geschlechterunterschiede hinsichtlich Entstehung, Verlauf und Therapie des
Bluthochdruckes verstehen und Frauen genauso gut wie Männer behandeln zu
können.“  (weg)

Achten Sie auf Ihren Blutdruck – Dr. Christa M. Bongarth rät Frauen:
- In den Wechseljahren sollten Sie regelmäßig den Blutdruck vom Arzt
kontrollieren lassen oder selbst messen.
- Achten Sie insbesondere im mittleren Lebensalter auf ein normales
Körpergewicht; seien Sie körperlich aktiv, essen Sie salzarm und gesund
mit viel Obst, Gemüse und wenig Fleisch, Fett und Zucker. Verzichten Sie
auf Alkohol und Zigaretten.
- In der Menopause kann eine Hormonersatztherapie den Blutdruck positiv
beeinflussen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über seine Empfehlung.
- Im Falle einer Schwangerschaft sollten Sie, wenn Sie Bluthochdruck haben
oder gefährdet sind, einen zu entwickeln, engmaschig Ihren Arzt aufsuchen
und sich je nach Höhe des Blutdruckes medikamentös behandeln lassen.
- Der Bluthochdruck während der Schwangerschaft kann ohne Komplikationen
bleiben – es kann aber auch zu einer gefährlichen Präeklampsie kommen.
Davon betroffen sind vor allem Erstgebärende, Vielgebärende und Frauen mit
Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
Nierenerkrankungen, vorbestehendem Bluthochdruck und dem sog.
Antiphospholipidsyndrom (APS), einer Erkrankung, bei der die Blutgerinnung
gestört ist. Deswegen: Gehören Sie zu den genannten Fällen, lassen Sie
sich engmaschig von Ihrem Arzt betreuen.
- Hatten Sie in der zurückliegenden Schwangerschaft Bluthochdruck oder
sogar eine Präeklampsie, sollten Sie auf einen gesunden Lebensstil achten
und sich mindestens einmal im Jahr vom Hausarzt untersuchen lassen.
- Bedenken Sie: Einige Bluthochdruckmedikamente wie etwa ACE-Hemmer oder
Sartane dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.
- Haben Sie bereits erhöhten Blutdruck, leiden an Übergewicht und rauchen,
sollten Sie nicht „die Pille“ nehmen, sondern eine andere
Verhütungsmethode verwenden.

Herzstiftungs-Ratgeber zum Thema Bluthochdruck – die stille Gefahr
Zu den vielfältigen Herzwochen-Angeboten zählt die Broschüre
„Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen“, in der renommierte
Bluthochdruckexperten laienverständlich über Ursachen, Diagnose und
Therapie des Bluthochdrucks informieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die
Prävention. Die 130 Seiten umfassende Broschüre kann bei der Herzstiftung
kostenfrei unter www.herzstiftung.de/bestellung oder per Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Tel. 069 955128-400 angefordert werden

Literatur:
(1) https://www.aok-bv.de/presse/medienservice/ratgeber/index_19158.html
(2) Wei YC et al. Assessing sex differences in the risk of cardiovascular
disease and mortality per increment in systolic blood pressure: a
systematic review and meta-analysis of follow-up studies in the United
States. PLoS One 2017; 12:e0170218.
(3) Birukov A. et al. (2020): Blood Pressure and Angiogenic Markers in
Pregnancy. doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13966

Die Herzwochen unter dem Motto „Herz unter Druck“ richten sich an alle,
denn jeder kann – auch bereits im Kindesalter – von Bluthochdruck und den
daraus schwerwiegenden Folgen betroffen sein. An der Aufklärungskampagne
beteiligen sich Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und
Betriebe. Infos zu Vortragsveranstaltungen, Online-Beiträgen,
Telefonaktionen und Ratgeber-Angebote (Text, Video, Audio) sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2021 abrufbar oder per Tel. 069 955128-333
zu erfragen.

Informieren Sie sich in den sozialen Medien über die Herzwochen der
Herzstiftung unter:
https://www.facebook.com/deutsche.herzstiftung/
https://www.youtube.com/user/DeutscheHerzstiftung
https://www.instagram.com/herzstiftung/
https://twitter.com/Herzstiftung

Experten-Videos zum Herzwochen-Thema Bluthochdruck sind erreichbar unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2021-videos

Herzstiftungs-Podcast „imPULS – Wissen für Ihre Gesundheit“ mit einer
Podcast-Serie zum Herzwochen-Thema Bluthochdruck – Hören Sie rein!
www.herzstiftung.de/podcasts

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Claudia Nemat erhält Heinrich-Hertz-Gastprofessur

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der KIT Freundeskreis
und Fördergesellschaft e.V. verleihen die Heinrich-Hertz-Gastprofessur
2021 an Claudia Nemat. Die deutsche Managerin ist Mitglied des Vorstands
der Deutschen Telekom und zuständig für Technologie und Innovation. Sie
spricht am 29. Oktober 2021 um 16:30 Uhr im Johann-Gottfried-Tulla-Hörsaal
am Campus Süd des KIT über „Digitale Technologien und Humanismus“. Des
Weiteren leitet Nemat am KIT ein Seminar für Studierende.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der KIT Freundeskreis
und Fördergesellschaft e.V. verleihen die Heinrich-Hertz-Gastprofessur
2021 an Claudia Nemat. Die deutsche Managerin ist Mitglied des Vorstands
der Deutschen Telekom und zuständig für Technologie und Innovation. Sie
spricht am 29. Oktober 2021 um 16:30 Uhr im Johann-Gottfried-Tulla-Hörsaal
am Campus Süd des KIT über „Digitale Technologien und Humanismus“. Des
Weiteren leitet Nemat am KIT ein Seminar für Studierende.

Eine Anmeldung zum Vortrag ist aufgrund der geltenden Hygienemaßnahmen bis
zum 25. Oktober 2021 unbedingt erforderlich: https://s.kit.edu
/gastprofessur-festvortrag

Zur Sicherheit aller Anwesenden bitten wir darum, einen 3G-Nachweis
(genesen, geimpft, getestet) mitzubringen.

Claudia Nemat beleuchtet in ihrem Vortrag „Digitale Technologien und
Humanismus“ eine Welt, in der digitale Technologien und humanistische
Werte vereint sind. Sie erläutert diese Verbindung und zeigt auf, welche
Chancen sich daraus ergeben. Welche moralischen Fragen müssen sich
Technologiekonzerne stellen? Welchen Einfluss haben digitale Technologien
auf unsere Gesellschaft? Außerdem widmet sich die Managerin den internen
und externen Einflüssen auf digitale Unternehmen. Welchen
Herausforderungen müssen sich Unternehmen stellen? Wie können sie
gemeinsam mit den unterschiedlichen Stakeholdern eine lebenswerte Zukunft
erdenken und gestalten? Nemat spricht über die digitale Gegenwart, die
humanistische Tech-Zukunft und lädt zu einem anschließenden Austausch ein.

In ihrem Seminar für Studierende des KIT befasst sie sich mit dem Thema
„Telco 2030: Was sind die Fähigkeiten der Zukunft?“

Zur Heinrich-Hertz-Gastprofessur

Mit der Heinrich-Hertz-Gastprofessur ehren der KIT Freundeskreis und
Fördergesellschaft e.V. und das KIT jedes Jahr eine herausragende
Persönlichkeit aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur oder Politik für ihre
Leistungen und Beiträge in Forschung und Gesellschaft. Der heutige KIT
Freundeskreis und Fördergesellschaft e.V., der sich für die Förderung von
Forschung, Lehre, Innovation und akademischem Zusammenleben am KIT
einsetzt, stiftete die Gastprofessur 1987 – hundert Jahre nach dem
experimentellen Nachweis der elektromagnetischen Wellen durch den Physiker
Heinrich Hertz an der Technischen Hochschule Karlsruhe, einer
Vorgängereinrichtung des KIT.

Zur Person

Claudia Nemat, geboren 1968 in Bensberg, studierte Physik an der
Universität zu Köln und unterrichtete dort am Institut für Mathematik und
Theoretische Physik. Sie arbeitete 17 Jahre bei der Unternehmensberatung
McKinsey & Company, wo sie im Jahr 2000 zum Partner und 2006 zum Senior
Partner gewählt wurde. Unter anderem war sie in dieser Position Co-
Leiterin des weltweiten Technologiesektors und führte diesen im
Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). Seit 2011 ist Nemat
Mitglied des Vorstands der Deutschen Telekom. Bis Ende 2016 leitete sie
das Europageschäft. Seit Januar 2017 ist sie verantwortlich für das
Ressort Technologie und Innovation, welches Netzwerke, IT, Produkte sowie
Informations- und Cyber-Sicherheit beinhaltet. (ase)

Bildunterschrift: Claudia Nemat ist Heinrich-Hertz-Gastprofessorin (Foto:
Deutsche Telekom AG)

Kontakt für diese Presseinformation:

Margarete Lehné, stellv. Pressesprecherin, Tel.: +49 721 608-41157,
E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 600
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 23 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter:
https://www.kit.edu/kit/presseinformationen.php

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Das Mittelalter – eine faszinierende Epoche

Forschende der Universität Bamberg erklären im neuen Film, wie das
Mittelalter in modernen Medien dargestellt wird.

Das Mittelalter ist auch heute noch eine faszinierende Epoche. Warum das
so ist und wie es in modernen Medien dargestellt wird, zeigt ein neuer
Kurzfilm der Universität Bamberg. Er gehört zur Multimedia-Reportage
„Expedition ins Mittelalter“, die den Forschungsschwerpunkt „Kultur und
Gesellschaft im Mittelalter“ vorstellt. „Tatsächlich gibt es im
Wesentlichen zwei diametral entgegengesetzte Perspektiven: das ‚finstere‘
oder aber das ‚romantische‘ Mittelalter“, schildert Prof. Dr. Christoph
Houswitschka, Inhaber des Lehrstuhls für Englische Literaturwissenschaft
an der Universität Bamberg. „Beide Aspekte halten sich im populären
Blickwinkel ebenso hartnäckig, wie sie sich wissenschaftlich als haltlos
erweisen.“

Wie die damalige Epoche die heutige Zeit beeinflusst

Das Mittelalter prägt und fasziniert Menschen auch im 21. Jahrhundert. Im
Alltag begegnet es Menschen in Form von städtischen Ensembles, Kirchen
oder Burgen. Europäische Mythen wie das Nibelungenlied haben weltweite
Bedeutung erlangt. Prof. Dr. Ingrid Bennewitz erklärt: „Mythen schaffen
einen Beitrag zur europäischen Identität, deren Faszinationskraft zu einer
Art Marketing-Label geworden ist.“ Ingrid Bennewitz hat den Lehrstuhl für
Deutsche Philologie des Mittelalters inne. Sie ist nicht nur Expertin für
das Mittelalter, sondern auch dafür, wie diese Epoche die heutige Zeit
beeinflusst: etwa Literatur, Musik, Filme oder auch Computerspiele.
Außerdem untersucht sie die politisch-ideologische Bedeutung
mittelalterlicher Mythen für das Selbstverständnis moderner Nationen.

Mittelalter und Hollywood

An der Universität Bamberg beschäftigen sich zahlreiche Forschungsprojekte
mit dem Mittelalter – vom Nibelungenlied über die Serie „Game of Thrones“
bis hin zu König Arthur. Letzteren erforscht zum Beispiel Christoph
Houswitschka. „Hollywood-Verfilmungen über König Arthur offenbaren viel
über ihre Entstehungszeit“, erläutert der Anglist. „Sie bilden
zeitgenössische politische Entwicklungen, Hoffnungen, Ängste und
Ideologien der Menschen ab. Gerade die Verfilmungen, die von den
literarischen Vorlagen besonders stark abweichen, analysieren den
politischen Wandel mit bemerkenswerter Klarsicht.“ Beispielsweise werde
der Held in „King Arthur: Legend of the Sword“ (2017) als starker Mann
dargestellt, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt und sich gegen die
alte Ordnung der Privilegierten auflehnt – eine beunruhigende Analogie zur
Rückkehr populistischer und autoritärer Herrschaftsformen.

Politik, Religion, Kultur, Sprachen: Das und mehr erkunden Bamberger
Forschende, die seit über 20 Jahren im Zentrum für Mittelalterstudien
(ZEMAS) zusammenarbeiten. Geschichts- und Denkmalwissenschaften, Sprach-
und Literaturwissenschaften, Orientalistik, Archäologie, Theologie oder
auch Philosophie beschreiten unerforschte Pfade des Mittelalters
gemeinsam.

Die Multimedia-Reportage und den Film mit Bennewitz und Houswitschka
finden Sie unter: https://forschungsprofil.uni-bamberg.de/mittelalter

Weitere Informationen zum Forschungsschwerpunkt „Kultur und Gesellschaft
im Mittelalter“: https://www.uni-bamberg.de/forschung/profil/mittelalter

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Datensicherheit: Informatiker der Bergischen Uni erforschen smarte Verschlüsselungsverfahren

Smarte Verschlüsselungsverfahren zur Speicherung vertraulicher Daten
stehen im Mittelpunkt von zwei neuen Forschungsprojekten, die jetzt unter
Leitung von Informatiker Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager an der Bergischen
Universität Wuppertal gestartet sind. Für die beiden Vorhaben erhält der
Lehrstuhl für IT-Security and Cryptography eine Förderung der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) in Höhe von insgesamt rund 600.000 Euro.

Im Projekt „Foundations of Secure Storage for Encrypted Instant Messaging“
nimmt das Forschungsteam Sicherheitslücken in Instant Messengern wie
WhatsApp, Threema und Signal ins Visier: Während die Verschlüsselung von
Daten auf dem Transportweg von Nachrichten – auch „data in transit“
genannt – durch moderne Techniken als kryptografisch sehr stark gilt,
bildet die Speicherung der gesendeten Nachrichten auf dem Telefon oder als
Backup in der Cloud – das sogenannte „data at rest“ – immer noch eine
Schwachstelle und somit potenzielle Angriffspunkte. Angreifer*innen
könnten darüber die starke Transportverschlüsselung umgehen und aushebeln
und sich schließlich doch Zugriff auf die Daten verschaffen. Daher wollen
die Forschenden untersuchen, wie die starken Sicherheitseigenschaften, die
für „data in transit“ bereits erreicht wurden, auch auf „data at rest“
übertragen werden können. „Dies würde die Sicherheit von modernen Instant
Messaging Verfahren signifikant stärken“, so Dr. Gareth Davies,
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl und Experte für
kryptografische Speicherung von Daten.

Im Projekt „Foundations of Smart Encryption“ geht es um die Untersuchung
von „Smart Encryption“, einer neuartigen Klasse von
Verschlüsselungsverfahren, die auf sogenannten „Smart Contracts“ aufbaut.
„Ein Smart Contract wiederum ist ein Programm, das auf der Blockchain-
Technologie basiert. Alle relevanten Informationen und Bedingungen werden
auf dieser Blockchain gespeichert und das Programm wird automatisch
ausgeführt, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Die Daten, die in Smart
Contracts gespeichert werden, sind zunächst jedoch stets öffentlich
sichtbar“, so Prof. Jager. Mit Smart Encryption-Verfahren lassen sich
Programme entwickeln, bei denen nicht alle Daten sichtbar sind, und
entsprechend verschlüsselte Daten nur dann entschlüsselt werden können,
wenn es das Programm durch bestimmte Kriterien vorgibt.

Für die Praxis ergeben sich daraus zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Ein
Beispiel ist die zeitbasierte Verschlüsselung, bei der Daten bis zu einem
festgelegten Zeitpunkt sicher verschlüsselt sind und danach sofort für
jeden frei zugänglich. Dies ermögliche es, so die Forschenden,
vertrauliche Daten „in die Zukunft“ zu senden, was zum Beispiel in
digitalen Auktionen mit geheim abgegebenen Geboten eingesetzt werden
könne. „Bei klassischen Auktionen könnte ein korrupter Auktionator die
geheim abgegebenen Gebote vorab öffnen und diese Gebote Dritten mitteilen.
Zeitbasierte Verschlüsselung ersetzt den Auktionator und garantiert, dass
die Gebote bis zum Auktionsende sicher verschlüsselt bleiben und sich erst
danach fast wie von selbst entschlüsseln“, erklärt Tibor Jager.

Einen anderen konkreten Anwendungsfall nennt Dr. Saqib Kakvi, ebenfalls
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Jager: „Wir sprechen
von ,Accountable Lawful Interception’: Verschlüsselte Nachrichten können
nur dann von einer Behörde entschlüsselt werden, wenn ein Richter einen
Durchsuchungsbefehl dafür digital unterzeichnet.“ In diesem
Durchsuchungsbefehl ließen sich zudem Kriterien beschreiben, die dafür
sorgen, dass die Behörde nur bestimmte Daten entschlüsseln kann. „Zum
Beispiel: Alle Nachrichten von Alice an Bob, die im September 2021
gesendet wurden‘. Es ist der Behörde jedoch nicht möglich, Daten zu
entschlüsseln, die dem richterlichen Beschluss nicht entsprechen, also zum
Beispiel Nachrichten von Dritten oder Nachrichten von Alice an Bob aus
anderen Zeiträumen“, erklärt der Wissenschaftler. Im Gegensatz zu anderen
Ansätzen, um Verschlüsselung für Behörden zugänglich zu machen, so der
Experte, stecke in Smart Encryption viel weniger Missbrauchspotenzial.

„Die Diskussion um entsprechende Verfahren führen IT-
Sicherheitsexpert*innen und Bürgerrechtler*innen mit der Politik schon
länger“, so Prof. Jager. „Wir sehen solche kryptografischen Backdoors
generell sehr, sehr kritisch, wegen des immensen Missbrauchspotenzials.
Eine absolute Mindestanforderung ist, dass transparent und unfälschbar,
also ‚accountable‘, nachvollziehbar ist, wann eine Behörde auf welche
Daten zugegriffen hat. Ob und unter welchen Voraussetzungen dies überhaupt
möglich ist, werden wir im Projekt untersuchen.“

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