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Lesvos als Sinnbild der ‚neuen‘ EU Migrationspolitik?

FHWS-Studierende ziehen Konsequenzen für die internationale Soziale Arbeit

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause geht es wieder los: In den
letzten zwei Septemberwochen hat eine vom Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD) finanzierte Summer School im Masterprogramm
‚International Social Work with Refugees and Migrants‘ der Hochschule für
angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt auf Lesvos (Griechenland)
stattgefunden. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Philosophie
München, der griechischen University of the Aegean und der SchlauWerkstatt
München sowie einem interdisziplinären Konsortium aus deutschen,
griechischen und internationalen Organisationen wurden zwei Wochen um das
Thema interdisziplinärer Perspektiven auf Griechenlands Außengrenzen und
den Umgang mit Migration und Flucht gestaltet.

„Unsichtbarmachen“ als Migrationsstrategie

Es wurde deutlich, so Prof. Dr. Tanja Kleibl, die die Summer School
konzipiert hatte, wie die aktuelle Ausrichtung der EU-Migrationspolitik
dazu führe, dass die Menschenrechte Geflüchteter an den europäischen
Außengrenzen verletzt würden. Durch gezielte Maßnahmen seien geflüchtete
Menschen aus dem öffentlichen Bild verbannt worden.

„Während unserer diesjährigen Summer School auf Lesvos fanden wir eine
implizite EU-Migrationsstrategie vor: Unsichtbarmachung. Illegale
sogenannte `push-backs`, das Zurückdrängen von Geflüchteten und das
Verstecken von Geflüchteten in dem hinter Hügeln errichteten neuen Lager
Kara Tepe machten die prekäre Situation von Geflüchteten der
Öffentlichkeit gegenüber unsichtbar und führten zur Annahme, dass der
Einsatz für Schutz und ein menschenwürdiges Leben für Geflüchtete nicht
mehr nötig seien. Das Gegenteil ist der Fall,“ resümierte Prof. Dr. Tanja
Kleibl.

Die Studierenden lernten vor Ort, dass Menschen, die im Camp leben, nur
noch für wenige Stunden in der Woche aus dem Camp herausdürfen. Angebote
außerhalb des Camps können so nur unregelmäßig - wenn überhaupt - genutzt
werden. Die Entscheidung darüber, wer eine offizielle Erlaubnis bekommt,
das Camp zu verlassen, erscheint teilweise willkürlich. Die Menschen sind
somit zu großen Teilen aus dem Stadtbild und aus der öffentlichen
Wahrnehmung verschwunden. Die Öffentlichkeit ist wiederum weitestgehend
aus dem Camp ausgeschlossen. Auch die Studierenden konnten das Camp nur
von außen sehen. Ein Besuch, der bei der vorherigen Summer School in 2019
möglich war, fand diesmal, auch nach mehrmaligen Anfragen, nicht statt.

Kaum Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen

Eine Fokus-Diskussion mit Geflüchteten war ein Augen-öffnender Moment für
Studierende: Dennis Kuperus erzählte, er habe damit gerechnet, über die
schlimmen Bedingungen im Camp zu hören. Was ihn wirklich schockiert habe,
seien die Erzählungen darüber gewesen, wie die vielen Hilfsangebote und
Strukturen für die Menschen im Camp aufgebaut wurden, ohne jemals die
Bewohner:innen selbst konsultiert zu haben. Menschen würden nicht nach
ihren Bedürfnissen gefragt, es werde vielmehr erwartet, dass sie sich
anpassten, reflektierte Jasmin Blume die Gespräche. Mitstudentin Johanna
Rave griff dies ebenfalls auf. Für sie bedeute das Narrativ, die
Geflüchteten nur als Kollektiv, als Opfer oder aber als Gefahr
wahrzunehmen, dass die Menschen nicht als Individuen mit Grundrechten
betrachtet werden.

Viele Fragen, die auch in Deutschland wichtig sind

In Gesprächen mit Mitarbeitenden von Menschenrechtsorganisationen und
Geflüchteten vor Ort hörten die Studierenden, dass viele der
vermeintlichen Hilfen, die aktuell auf der Insel für geflüchtete Menschen
angeboten werden, oftmals keine wirklichen Hilfen darstellen oder
zumindest nicht als solche wahrgenommen werden. Dies ist besonders in dem
sozialarbeiterischen Kontext, in dem sich die Studierenden und Lehrenden
der FHWS bewegen, eine wichtige Erfahrung. Wie kann Soziale Arbeit sich
positionieren, um einen Mehrwert zu haben? Kann internationale Soziale
Arbeit einen Mehrwert leisten, oder verursachen falsche Annahmen, fehlende
politische Analyse und der schlichte Wille ‚zu helfen‘ nicht mehr Schaden?
Inwieweit halten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Sozialarbeitende
mit ihrer Arbeit im und um das Camp das menschenrechtsverletztende System
der Abschottung und Unsichtbarmachung aufrecht, fragte sich Drittsemester-
Studentin Katja Haas.

Petra Daňková, begleitende wissenschaftliche Mitarbeiterin der FHWS,
merkte Folgendes an, wenn sie die Erfahrungen auf Lesvos mit lokalen
Realitäten in Bayern verbindet: „Die Fragen, die uns auf Lesvos
begleiteten, sind wichtig für die Soziale Arbeit überall. Wir könnten uns
genauso fragen, wie unsichtbar die Menschen in der ANKER-Einrichtung in
Geldersheim bei Schweinfurt gemacht werden oder wie die Angebote für
Geflüchtete in Deutschland mit diesen Menschen gemeinsam entwickelt und
reflektiert werden können.“

Kleibl weiter: Lesvos steht womöglich sinnbildlich für die gesamte ‚neue‘
Migrationspolitik der EU. Schaue man sich an den Außengrenzen der EU um,
finde man viele ähnliche Situationen, wie die jüngsten Medienberichte aus
Bosnien, Kroatien und Griechenland zeigten (Vgl. Der Spiegel, 6.10.2021,
„Die Schattenarmee, die Flüchtlinge aus der EU prügelt“).

Lesvos im Fokus

Griechenland als Land an der europäischen Außengrenze ist seit Jahren
immer wieder im Fokus nationaler wie globaler Berichterstattung und
Politik. In dem Mittelmeerland kommen besonders viele flüchtende Menschen
an. Insbesondere Lesvos, eine ägäische Insel nur ca. zehn Kilometer
Luftlinie von der Türkei entfernt, ist ein Hauptankunftsort für Menschen,
die aus der Türkei versuchen, europäisches (Fest-)Land zu erreichen. Dies
ist jedoch kaum noch möglich, seitdem die EU vor einigen Jahren mit der
Türkei und anderen Drittstaaten Verträge schloss, um die Migration nach
Europa zu ‚steuern‘ und u.a. durch die Externalisierung und Intensivierung
von Kontrollen undurchlässige und erweitere Grenzräume schaffte. Im ersten
Halbjahr 2020 befanden sich im Erstaufnahme- und Registrierungslager Moria
knapp 20.000 Menschen, ungefähr 17.500 Menschen mehr als geplant. Die
Strukturen der Insel Lesvos, nie ausgelegt für die Aufgaben, die die EU
ihr zuschrieb und immer noch zuschreibt, brachen im September 2020
zusammen, als das Lager Moria abbrannte. Seitdem hat Griechenland
gemeinsam mit der EU-Kommission das Übergangslager Kara Tepe, direkt an
der Küste auf einem ehemaligen Militärplatz gelegen, zu einem gut
bewachten, geschlossenen Camp ausgebaut.

Master of Social Work with Migrants and Refugees, FHWS

Der Masterstudiengang "International Social Work with Refugees and
Migrants (MRM)" ist ein anwendungsbezogener, konsekutiver, im Hinblick auf
Inhalt und Austausch international ausgerichteter, englischsprachiger
Studiengang. Das Studium vermittelt fachliche, soziale und
professionsbezogene Kompetenzen für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
mit Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund im internationalen und
nationalen Kontext. Auf der Grundlage empirischer Erkenntnisse und
theoretischer Bezüge werden die Studierenden in interkultureller,
rechtlicher, pädagogischer und psychologischer Hinsicht befähigt, für die
spezielle Lage von migrierten und geflüchteten Menschen lösungs- und
menschenrechtsorientierte Handlungsoptionen zu entwickeln und umzusetzen.
Sie können im Feld der Politiken sowohl der örtlichen, als auch
internationalen Akteure agieren. Das Professionsverständnis einer Sozialen
Arbeit im Migrationskontext wird dabei weiterentwickelt.

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Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Krebspatientinnen und -patienten mit soliden Tumoren: Neue Daten belegen gute Wirksamkeit!

Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren zeigen insgesamt ein gutes
Ansprechen auf die Impfung gegen SARS-CoV-2. Das zeigen neuen Daten, die
jüngst auf internationalen Krebskongressen vorgestellt wurden. Angesichts
der Tatsache, dass Krebspatientinnen und
-patienten generell ein hohes Risiko haben, schwer an COVID-19 zu
erkranken, ist die Impfung bei ihnen von besonderer Bedeutung. Die DEGRO
appelliert an Betroffene, das Impfangebot wahrzunehmen – „eine
Krebserkrankung ist keine Kontraindikation gegen die Corona-Impfung, wohl
aber ein Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe“.

Viele Krebspatientinnen und -patienten zögern, sich gegen SARS-CoV-2
impfen zu lassen. Gar nicht so sehr aus allgemeinen Bedenken oder weil sie
den Argumenten der Impfskeptiker gegenüber aufgeschlossen sind, sondern
weil sie denken, die Impfung würde bei ihnen ohnehin nicht wirken oder es
könne zu Interaktionen mit der Krebstherapie kommen, insbesondere wenn
eine immunmodulierende Therapie verabreicht wird.

Neue Studien zeigen nun, dass diese Ängste unbegründet sind. „Eine Impfung
gegen SARS-CoV-2 beeinflusst nicht die Krebstherapie, und umgekehrt wissen
wir jetzt, dass die Strahlentherapie, die Chemotherapie und auch die
meisten anderen medikamentösen onkologischen Therapien den Impferfolg
nicht beeinträchtigen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephanie E. Combs,
Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Die Expertin verweist auf die Ergebnisse der CAPTURE-Studie [1].
Demzufolge kommt es nach der Impfung wie auch nach der Infektion bei den
meisten Krebspatientinnen und -patienten zur Serokonversion, d. h.,
spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind im Blutserum nachweisbar und
es kommt zu dauerhaften neutralisierenden Antikörperantworten. Die
Schutzwirkung ist aber nicht nur von der Bildung der Antikörper (=
humorale Immunität) abhängig, sondern auch von der zellulären Immunität (=
T-Zell-Antwort). Es zeigte sich eine SARS-CoV-2-spezifische T-Zell-
Reaktion (auch auf gefährliche Virusvarianten wie die Delta-Variante) bei
der Mehrheit der Krebspatientinnen und -patienten. Die Studie zeigte
darüber hinaus, dass Krebsbehandlungen im Allgemeinen keinen Einfluss auf
die Immunantwort auf die SARS-CoV-2-Impfung haben. Lediglich die
Behandlung mit Rituximab schmälerte die humorale Immunität und die
Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren die zelluläre Immunität.

Allerdings treffen diese Ergebnisse nur auf Patientinnen und Patienten mit
soliden Tumoren zu. Bei Menschen mit hämatologischen Malignitäten wie
Leukämien und Lymphomen war die Immunantwort reduziert. Sie hatten in der
Studie eine verringerte oder gar fehlende neutralisierende Aktivität, vor
allem gegen die gefährlichen Virusvarianten. „Doch diese Patientinnen und
Patienten können nun von einer Drittimpfung profitieren, denn in der
Studie wurde beobachtet, dass eine vorhergehende SARS-CoV-2-Infektion die
durch den Impfstoff ausgelösten Immunreaktionen verstärkt hat. Das ist
eine gute Botschaft, denn es zeigt, dass das Immunsystem nicht, wie
befürchtet, gar nicht auf das Vakzin reagiert, sondern nur langsamer, also
mehr Reiz für die gleiche Reaktion benötigt. Die STIKO erlaubt daher seit
dem 24. September, immunkompromittierten Patientinnen und Patienten vier
Wochen nach Zweitgabe eine dritte Impfdosis zu geben – und diese Option
sollten wir nutzen“, erklärt die Münchner Expertin.

Auch die VOICE-Studie [2], die die Impfung gegen SARS-CoV-2 bei
Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie, Immuntherapie oder
Chemoimmuntherapie für solide Tumoren erhalten hatten, kam zu ermutigenden
Ergebnissen. Eine SARS-CoV-2-bindende Antikörperkonzentration von > 300
BAU/ml, die als Maß des adäquaten Ansprechens definiert wurde, erreichte
die breite Mehrheit der in dieser Studie untersuchten Teilnehmenden. Keine
adäquate Antikörperreaktion hatten nur 6,9 % in der Immuntherapie-Gruppe,
16,2 % in der Chemotherapie-Kohorte und 11,2 % in der Chemoimmuntherapie-
Kohorte – und fast die Hälfte dieser Non-Responder bzw. suboptimalen
Responder entwickelte eine Spike-spezifische T-Zell-Reaktion.

Angesichts dieser Datenlage unterstreicht die DEGRO ihre Empfehlung, dass
Krebspatientinnen und -patienten sich impfen lassen sollten. DEGRO-
Präsidentin Prof. Cordula Petersen, Hamburg, hebt hervor, dass Menschen
mit Krebs oft schwerere COVID-19-Verläufe befürchten müssen, außerdem
könne eine COVID-19-Erkrankung dazu führen, dass die Krebstherapie
verschoben werden müsse, was wiederum die Aussicht auf den Therapieerfolg
der Krebsbehandlung mindere. „Wir möchten allen unseren Patientinnen und
Patienten die Impfung ans Herz legen und gleichzeitig alle, die schon
geimpft sind, weiterhin zur Vorsicht mahnen: Halten Sie Abstand, befolgen
Sie trotzdem die Hygieneregeln, denn in seltenen Fällen kann es – wie auch
bei vollständig gesunden Menschen – zu Impfdurchbrüchen kommen. Menschen
mit Krebs sollten alles daransetzen, das Risiko für eine mögliche SARS-
CoV-2-Infektion auf ein Minimum zu reduzieren!“

[1] Shepherd STC et al. Ann Oncol (2021) 32 (suppl_5); S1129-S1163
[2] Oosting S et al. Ann Oncol (2021) 32 (suppl_5);S1283-S1356

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Geriatrische Weiterbildung: „Ich sehe eine kontinuierliche Entwicklung über 16 Jahre“

Von 2005 bis 2021 war Dr. med. Michael Meisel der
Weiterbildungsbeauftragte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
Ein langer Zeitraum, in dem er die geriatrische Weiterbildung in
Deutschland maßgeblich mitgeprägt und vorangetrieben hat. Im Interview
berichtet der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie des
Städtischen Klinikums Dessau über die Highlights seines Amtes, wichtige
Erkenntnisse aus der Gremienarbeit und Wünsche für die Zukunft der
geriatrischen Weiterbildung.

16 Jahre – das ist ein beeindruckender Zeitraum, in dem Sie viele
verschiedene Projekte im Namen der DGG angestoßen haben. Was waren in
Ihren Augen die wichtigsten Dinge, die Sie umsetzen konnten?

Nachdem kurz vor meiner Wahl die Weiterbildungsordnung geändert worden
war, stand
die geriatrische Fortbildung in den ersten Jahren im Fokus meiner
Bemühungen. Ein Highlight war die Einführung der strukturierten
curricularen Fortbildung „Geriatrische Grundversorgung“ für Ärztinnen und
Ärzte, die sich in erster Linie an Niedergelassene richtete. Dieser 60
-Stunden-Kurs wurde als erster Teil aus dem vormaligen 160-Stunden-Kurs
„Geriatrie“ entwickelt und 2012 von der Bundesärztekammer als Kurs
veröffentlicht. Seitdem wurde diese Fortbildung in verschiedenen
Landesärztekammern angeboten. Ich selbst habe in Sachsen-Anhalt und in
Thüringen an den Curricula als Vermittler teilgenommen. Leider ist es uns
nicht gelungen, diesen Kurs als fachliche Voraussetzung für die Abrechnung
geriatrischer Leistungen im niedergelassenen Bereich zu etablieren.
Trotzdem ist die Einführung geriatrischer Leistungskomplexe durch die
Kassenärztliche Vereinigung, die sich zeitlich anschloss, ein wichtiger
Meilenstein in der ambulanten Versorgung geriatrischer Patienten.

Welcher wichtige Meilenstein sollte ebenfalls erwähnt werden?

Ganz klar: Die Mitarbeit an der neuen Weiterbildungsordnung, in der wir
die Geriatrie wieder als Zusatzbezeichnung etablieren konnten. Wichtig
erscheint mir, dass die Weiterbildungsinhalte den heutigen Stand der
Geriatrie widerspiegeln. Unser Ziel der bundesweiten Etablierung einer
Facharztkompetenz Innere Medizin und Geriatrie haben wir leider nicht
erreicht. Allerdings halte ich es für einen Erfolg, wenn dieser Facharzt
in den Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und vermutlich auch in Berlin
beibehalten wird. Das bedeutet, dass man das Fach für so wichtig erachtet,
dass eine Änderung der Musterweiterbildungsordnung, die ja möglichst
unverändert in den Landesärztekammern eingeführt werden sollte,
gerechtfertigt erscheint.

Wirklich?

Ja! An diesem Beispiel zeigt sich, wie einige Fachrichtungen in
unterschiedlichen Ärztekammern besonders gut vernetzt oder integriert
sind, um Unterschiede in den länderspezifischen Weiterbildungsordnungen zu
generieren. Deutlich wird das auch an den Zugangsvoraussetzungen für den
Erwerb der Zusatzbezeichnung, die in den einzelnen Landesärztekammern
unterschiedlich festgelegt sind. Wichtig erscheint mir, geriatrisch Tätige
auf die Bedeutung der Landesärztekammern für unser Fach hinzuweisen und
zur Mitarbeit in den Gremien zu animieren. Langfristig sollte eine bessere
Verankerung der Geriatrie in den Weiterbildungsordnungen auf der Agenda
bleiben, wobei das Fach nicht unbedingt an die Innere Medizin gekoppelt
sein muss. Man könnte sich auch eine eigene Facharztkompetenz vorstellen,
wie es sie in einigen europäischen Ländern gibt. Dass dieser Prozess noch
schwieriger und aufwändiger wäre, muss hier nicht betont werden.

Als Weiterbildungsbeauftragter waren Sie auch für die DGG in der DRG-
Projektgruppe. Was haben Sie hier erreicht?

Seit der Einführung des DRG-Systems hat die DRG-Projektgruppe an der
Verbesserung der Abbildung der Geriatrie im System gearbeitet. So konnten
wir in den vergangenen Jahren neue geriatrische Leistungen in
verschiedenen MDC etablieren. Wichtig war auch die Schärfung der
Bedingungen zur Erbringung der geriatrischen Komplexbehandlung, die immer
weiter spezifiziert wurden. In diesem Jahr ist es gelungen, die Kriterien
für die Struktur- und Prozessqualität im Operationen- und
Prozedurenschlüssel (OPS 2021) voneinander zu trennen. Das schafft die
Möglichkeit, die Vorhaltungen für die Struktur einmalig im Jahr
nachzuweisen und die Einzelfallprüfungen des MDK auf die Prozesskriterien
in den Krankenakten zu beschränken.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit zwischen Geriatrie und Innerer Medizin in
Ihrer Amtszeit erlebt?

Im Rahmen meiner Position war ich auch Vertreter der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie in der Kommission für Aus-, Fort- und
Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Durch
die Tätigkeit einiger Geriater in der DGIM, ich denke zum Beispiel an die
Präsidentschaft von Herrn Prof. Dr. Cornel Sieber, hat die Wahrnehmung der
Geriatrie in der Inneren Medizin deutlich zugenommen. In meiner
Kommissionsarbeit konnte ich erleben, wie die Deutsche Gesellschaft für
Geriatrie als Vertretung einer der Subspezialitäten der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin akzeptiert wurde. Trotzdem bleibt eine
gewisse Zurückhaltung, Herzenssache scheint die Geriatrie für viele nicht,
andere Themen sind wichtiger. Hier sollten wir unbedingt in der Diskussion
bleiben.

Als Ihre Nachfolgerin wurde Frau Professor Singler aus Nürnberg gewählt.
Wo sehen Sie ihre große Kompetenz als neue Weiterbildungsbeauftragte?

Frau Professor Dr. Katrin Singler ist an einer Universität tätig und hat
deshalb einen etwas anderen Fokus im Komplex Aus-, Weiter- und
Fortbildung. Sie ist seit vielen Jahren in der Studierendenausbildung
aktiv und hat wissenschaftlich über die Aus- und Weiterbildung in der
Geriatrie im internationalen Umfeld gearbeitet. Da im Moment die
nationalen Lernzielkataloge und die Struktur des Studiums überarbeitet
werden, ist die große Expertise von Frau Professor Singler auf diesem
Gebiet aktuell besonders wichtig. Aus diesem Grund halte ich die Übergabe
des Staffelstabes an meine Nachfolgerin für sinnvoll und sehr zeitgemäß.

In den 16 Jahren hat sich die DGG ständig neuformiert – was haben Sie aus
dieser Zeit über Ihr Fach gelernt?

In dieser Zeit habe ich acht Legislaturperioden, also acht verschiedene
Präsidenten, erlebt. Dabei habe ich unterschiedliche Ausrichtungen
innerhalb der Gesellschaft wahrgenommen, insgesamt einen Übergang von der
eher praktischen in die mehr wissenschaftliche Betrachtungsweise der
Geriatrie. Wichtig waren die Kommunikation und Wechselwirkung mit anderen
Fächern, insbesondere der Neurologie und Traumatologie, aber natürlich
auch der Allgemeinmedizin.

Das lief ja nicht immer ganz reibungslos …

Noch immer bestehen Ängste vor unserem und Missverständnisse um unser
Fach. Diesen gilt es behutsam, aber bestimmt entgegenzutreten. Wir sollten
mit anderen Fächern auf Augenhöhe verkehren, wir sind die Spezialisten für
eine besondere Patientengruppe, benötigen aber die Kooperation mit anderen
(Organ-)Spezialisten zur optimalen Betreuung der uns anvertrauten
Klientel. Wir sollten vermitteln, welchen Nutzen geriatrische Patienten
aus unserer Behandlung erzielen und selbstbewusst als DGG auftreten.

Und was ziehen Sie persönlich aus dieser Zeit?

Ich habe sehr viele interessante Menschen kenngelernt. Man vernetzt sich
im Laufe der Jahre immer besser. Die eigene Tätigkeit wird vielfältiger,
teilweise auch einfacher, weil man die Leute kennt, mit denen man zu
bestimmten Themen kommunizieren sollte. Und diese Verbindungen bleiben ja
auch nach dem Ausscheiden aus der Funktion bestehen. Für mich war es
insgesamt eine sehr spannende Zeit. Es gab immer wieder neue
Herausforderungen, denen man sich stellen musste. Ich sehe eine
kontinuierliche Entwicklung über die 16 Jahre. Aber nun ist es gut! Wenn
die Position in andere Hände gegeben wird, sollen neue Prioritäten und
neues Engagement einen Schub in der Arbeit und der Wahrnehmung der DGG
bewirken.

Welche Fähigkeiten sollten Weiterbildungsbeauftragte der DGG mitbringen?

Wichtig ist die Fähigkeit zur Kommunikation und Vernetzung mit Kolleginnen
und Kollegen, aber auch mit Organisationen und Gremien. Dabei wird man die
Menschen und Strukturen, die in die Organisation von Aus-, Weiter- und
Fortbildung einbezogen sind, allmählich immer besser kennenlernen. Man
muss mit den wichtigsten anderen Professionen und Fachgebieten, die am
alten Menschen arbeiten, auf Augenhöhe in Verbindung kommen und bleiben.

Ein resümierender, letzter Satz?

Ich konnte miterleben, wie sich die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie
nach schwierigen Jahren sowohl fachlich als auch organisatorisch und vor
allem ökonomisch gefestigt hat. Es ist schön, daran mitgewirkt zu haben,
dass die Gesellschaft jetzt wirklich gesund dasteht, Projekte anstoßen und
auch finanzieren kann. Das war am Anfang durchaus anders – und erfüllt
mich mit Freude.

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SRH Hochschule in Nordrhein‐Westfalen wächst weiter ‐ Begrüßung von 240 Studierenden

Am Montag begrüßte Rektor Prof. Dr. Lars Meierling mit den Professorinnen
und Professoren sowie der Studierendenvertretung die neuen Studierenden an
der SRH Hochschule in Nordrhein‐Westfalen. Im Rahmen seiner Begrüßung ging
Meierling darauf ein, dass die Studierenden sich für eine Hochschule
entschieden haben, die mit dem in NRW einzigartigen Lehr‐ und Lernprinzip
„CORE“ Kompetenzerwerb, Interaktion und Persönlichkeit in den Vordergrund
stellt.

Meierling betonte, dass sich die Hochschule trotz der vielen
Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, insgesamt sehr gut und vor
allem in den neuen Studiengängen hervorragend entwickelt habe. Die
Hochschule plane, das kommende Semester wieder ausschließlich als
Präsenzsemester durchzuführen und wieder ein weitgehend uneingeschränktes
Studieren zu ermöglichen. Meierling freute sich zudem darüber, dass sich
auch die internationale Ausrichtung der Hochschule weiterhin positiv
entwickelt. So seien in diesem Jahr rund 25% der Startenden internationale
Studierende.

„Die positive Entwicklung führt dazu, dass wir unseren Wachstumskurs
weiter fortsetzen können und dass wir nach der erfolgreichen Etablierung
des Campus Rheinland ab sofort auch in der renommierten Unistadt Münster
sind“, kündigte der Rektor an. Dies sei ein folgerichtiger Schritt, um auf
die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Studienangeboten an attraktiven
Standorten zu reagieren, so Meierling.

Die neuen Studierenden erhielten ihre Welcome‐Bags mit allerlei
praktischen Goodies und anschließend Einführungen in IT‐Systeme und in die
eigens von der Hochschule entwickelten Allstay‐App. Die App fördert unter
anderem die Integration von ausländischen Studierenden und dient als
Plattform der Vernetzung und des Austausches aller Studierenden sowie
Mitarbeitenden der Hochschule.

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