App statt Plastikkarte: Studierende digitalisieren Ehrenamtskarte
Studierende des Studiengangs Software-Engineering, der von der Universität
Augsburg zusammen mit der Technischen Universität München und der Ludwig-
Maximilians-Universität angeboten wird, haben in einem Projektseminar für
die Bayerische Ehrenamtskarte eine App umgesetzt. Die App ist nun in den
App-Stores verfügbar und kann von Ehrenamtlichen genutzt werden.
Die Ehrenamtskarte würdigt in Bayern das ehrenamtliche Engagement z. B. in
der Jugendarbeit, in der Freiwilligen Feuerwehr oder in anderen
Einrichtungen. Bei rund 5.000 privaten, kommunalen und staatlichen
Anbietern können Ehrenamtliche mit der Karte die verschiedensten
Vergünstigungen erhalten. Bislang gibt es die Bayerischen Ehrenamtskarte
nur in Plastik im Scheckkartenformat.
Ein sechsköpfiges Projektteam aus dem Studiengang Software-Engineering
hatte es sich Mitte November 2020 zur Aufgabe gemacht, die Ehrenamtskarte
zu digitalisieren. In einem Projektseminar unter Leitung des Augsburger
Informatikers Prof. Dr. Alexander Knapp arbeiteten die Studierenden von
der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität
München und der Universität Augsburg rund ein halbes Jahr am Konzept und
der Implementierung. Dabei kooperierten sie eng mit der Augsburger NGO
„Tür an Tür – Digitalfabrik“ sowie dem Bayerischen Staatsministerium für
Familie, Arbeit und Soziales.
„Kurzfristig soll unsere digitale Ehrenamtskarte als Akzeptanzstellen-
Finder dienen. Wenn der formale Rahmen geschaffen werden kann, könnte die
Ausgabe der digitalen Karten und die damit verbundene Ausweisfunktion
ebenfalls in Betrieb gehen“, so Maximilian Ammann vom studentischen
Projektteam.
Funktionen der digitalen Karte
Die von den Studierenden entwickelte Software-Lösung besteht aus drei
Komponenten: Einer App, die Nutzenden die Möglichkeit bietet, sich
auszuweisen und Akzeptanzstellen zu finden, einem Verwaltungssystem, der
sogenannten „digitalen Druckerei“, die es den Ämtern und Behörden
ermöglicht, eine digitale Karte zu erstellen und auszugeben, sowie einem
zugrundeliegenden Authentifizierungssystem. „Die Herausforderung lag
darin, die Authentifizierung möglichst datensparsam und sicher,
gleichzeitig aber auch einfach nutzbar zu machen“, so Elias Keis, der dem
sechsköpfigen Entwicklungsteam angehört. Herausgekommen ist ein Prozess,
der an das Kontrollsystem im Personennahverkehr erinnert: Ein QR-Code, der
sich aber bis zu einem bestimmten Sicherheitslevel auch durch reinen
Sichtkontakt verifizieren lässt. Durch die Tatsache, dass sich der QR-Code
alle 30 Sekunden neu generiert, ist auch eine Vervielfältigung nahezu
ausgeschlossen.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Software-Engineering-Studienga
Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, kam durch
Kontakte der „Tür an Tür – Digitalfabrik“ zustande, die von Studierenden
der beiden Studiengänge Software-Engineering und Finanz- und
Informationsmanagement gegründet wurde. „Es freut uns natürlich besonders,
wenn Projekte im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung derartig
praxisnah umgesetzt werden können. Die Nachnutzung unseres Projekts durch
das Land Bayern motiviert nicht nur die Studierenden, sondern zeigt auch
die Innovationskraft im bayerischen Hochschulverbund“, so Prof. Dr.
Alexander Knapp.
Übertragbar auf andere Bereiche
In Zukunft könnte die von den Studierenden rund um Maximilian Ammann,
Michael Markl, Elias Keis, Paula Wikidal, Marvin Brieger und Roman
Buchholz entwickelte technische Lösung nicht nur für die Ehrenamtskarte in
Bayern zum Einsatz kommen. „Es gibt eine Vielzahl von Berechtigungskarten
wie z. B. den Sozialpass, die Familienkarte oder den Seniorenpass, die in
den nächsten Jahren noch digitalisiert werden sollen. Dank der
Lizenzierung als Open-Source-Software könnten die Ergebnisse des Projekts
auch für weitere Anwendungsfälle und über die Grenzen des Freistaats
hinaus Anwendung finden“, resümiert Daniel Kehne, Geschäftsführer der Tür
an Tür – Digitalfabrik und ehemaliger Student der Universität Augsburg.
Gelohnt hat sich das Projekt nicht nur für das Sozialministerium und die
Ehrenamtlichen in Bayern, sondern auch für das Studierendenteam. Sie
wurden für ihre Studienleistungen mit Bestnoten ausgezeichnet. Mit ihrer
App leisten sie auch einen Beitrag zur Digitalisierung der staatlichen
Verwaltung. Denn Bund, Ländern und Kommunen arbeiten an der
Digitalisierung von rund 575 Dienstleistungen der staatlichen Verwaltung –
eine davon ist nun die digitale Ehrenamtskarte.
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